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Rock am Ring 2014: Klangkarussell

Freitag, den 6. Juni 2014
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DO 05.06.2014 | 3.05 Uhr (Fr.) | einsplus

Chilliges bei “Rock am Ring”? Warum nicht? Noch dazu um kurz nach drei, wenn schon langsam der Morgen graut.
Ja, genau. 3.05 Uhr, und einsplus überträgt immer noch live. Auf dem Nürburgring ist immer noch nicht Schluss. Ein Blick in den Festivalplan im Internet bestätigt das, der Auftritt von Klangkarussell passiert gerade jetzt, es ist alles live. Und es ist wunderbar! Der erste Tag beim Rockspektakel endet mit elektronischer Musik, die auf den ersten Blick zwar nicht zum Festival passt, dafür aber wunderbar zur nächtlichen Uhrzeit.

Dass aber auch einsplus so lange dabei bleibt, ist absolut lobenswert. Denn nur noch einsplus ist es, der ARD-Spartenkanal, der solche Festivals in epischer Länge überträgt. Vier Tage lang ist einsplus über Stunden hinweg der Festivalsender.
Das ZDF hat sich leider aus diesem Geschäft verabschiedet, zdf.kultur ist nur noch eine Abspielstation von Altware.

Und so bot einsplus allein am Donnerstag harte Klänge von Iron Maiden und The Offspring, Poppiges von Cro und Chilliges von Klangkarussell. Und das über eine Länge von zehn Stunden allein am ersten Festivaltag. Und da sage noch einer, die ARD hat nichts für das junge Publikum zu bieten.

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Eurovision Song Contest 2014: 2. Halbfinale

Samstag, den 10. Mai 2014
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DO 08.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Alle wieder gemeinsam im Finale: Deutschland, Österreich und Schweiz, die deutschsprachigen Nachbarn, sind am Sonnabend in der großen ESC-Show in Kopenhagen vertreten. Wir dürfen also gespannt sein, ob sich die drei Länder an der allseits geächteten Punkteschacherei beteiligen werden.

Am auffälligsten dabei ist natürlich Conchita Wurst aus Österreich. Der Travestiekünstler Tom Neuwirth tritt in Frauenkleidern, aber mit Bart auf. Was diese aber dieser seltsame Name bedeiten soll, wieso nennt man sich denn Wurst? Weil es “wurst” ist, ob da ein Mann oder eine Frau auf der Bühne steht?
Er selbst begründet das jedenfalls so.

Im 2. Halbfinale, das am Donnerstag bei phoenix und einsplus lief, traten gerade mal noch 15 Songs an, von denen zehn weiterkamen. Da musste die zweistündige Show schon mächtig gestreckt und mit einem dritten Schnelldurchlauf (schon nach dem Votingschluss) aufgefüllt werden. Sollten 2015 noch weniger Lönder am ESC teilnehmen, wird wohl bald ein zweites Halbfinale überflüssig.

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Eurovision Song Contest 2014: 1. Halbfinale

Mittwoch, den 7. Mai 2014
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DI 06.05.2014 | 21.00 Uhr | phoenix

Bedauerlich! Wirklich sehr bedauerlich! Der Eurovision Song Contest 2014 scheint abgesagt worden zu sein. Stattdessen übertrugen phoenix und einsplus am Dienstagabend den Eurovision Artistik Contest live aus Kopenhagen. Was ist nicht da nicht fleißig geturnt worden? Ein Mann in einem Laufrad. Eine Frau an einem Hochseil. Seltsame Gymnastik. Eine Eiskunstläuferin. Und so weiter. Es ging sehr sportlich zu in Kopenhagen.

Ja, okay, gesungen worden ist da auch. Aber nach dem starken 2013er-Jahrgang in Oslo konnte es eigentlich nur schlechter werden. Durchschnittsware ist in diesem Jahr offenbar trumpf. Da fallen in Russen in die 80er-Jahre zurück, stellen zwei blonde Frauen auf die Bühne, eine Windmaschine davor und lassen sie einen nichtssagenden Schlager trällern. Weitergekommen sind sie damit trotzdem. Wobei ja Russland auch stumm auf der Bühne stehen könnte, die würden trotzdem ins Finale kommen.

Der alte Grand-Prix-Haudegen Ralph Siegel wollte es in diesem jahr mal so richtig krachen lassen. Beim Beitrag aus San Marino (die Deutschen lassen ihn ja nicht mehr) saß er auf der Bühne am Klavier. Und weil sein Song irgendwie so gar nicht ralphsiegelig klang (aber trotzdem nicht wirklich doll), darf er sogar im Finale noch mal ran. Glückwunsch, Ralph!

Highlight des Abends: The Common Linnets aus den Niederlanden mit ihrem Song “Calm after the Storm”. Eine einfache, aber eingängige, schöne Country-Folk-Nummer. Die musste einfach ins Finale!
Und hoffentlich hat das 2. Halbfinale am Donnerstag ein paar Höhepunkte mehr parat!

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Eurovision Song Contest 2014: Songchecker

Dienstag, den 6. Mai 2014
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MO 05.05.2014 | 19.15 Uhr | einsplus

Was waren das für Zeiten, als rund um den Eurovision Song Contest in vielen Sondersendungen berichten worden ist. “TV total” sendete vom Austragungsort, die ARD sendete live. Insbesondere als der Eurovisionszirkus in Deutschland gastierte, war das Interesse groß.
Und 2014? Nahezu nichts. Nur der Spartensender einsplus bringt ein vierteiliges Special mit dem Titel “Songchecker”. Dort werden die 37 Songs analysiert, die in diesem jahr teilnehmen.

Für die Analyse sind Kommentatorenlegende Peter Urban, eine ARD-Nachwuchsmoderatorin und ein Youtubefilme-Hochlader zuständig. Also die Expertenelite Deutschlands. Der deutsche Elaiza-Song schneidet natürlich in Folge 1 am Montagabend am besten ab, ansonsten viel Mittelmaß.
Das ganze ist so spannend und frisch gemacht wie eingeschlafene Füße. Und scheinbar uralt. An einer Stelle faselte Peter Urban was davon, dass ja erst Mitte April deutlicher werde, wie denn die Wetten für den deutschen Song stünden. Wir haben Anfang Mai. Wer weiß, wann das Gerümpel aufgezeichnet worden ist. Aber bei einsplus fast ohne Zuschauer fällt das ja sicherlich kaum auf.

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Eurovision Song Contest 2014: Unser Song für Dänemark – Clubkonzert

Freitag, den 28. Februar 2014
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DO 27.02.2014 | 22.10 Uhr | NDR fernsehen

Nach dem Cascada-Desaster beim Eurovision Song Contest 2013 in Malmö, sollte mal wieder alles anders werden. Ein neues Auswahlkonzept sollte her. Beim deutschen Vorentscheid für Dänemark wird es diesmal kein Expertenvoting geben, wir haben ja gesehen, wohin das geführt hat. Erstmals ist ein Clubkonzert veranstaltet worden. Zehn bislang weitgehend unbekannte Künstler oder Bands traten an, die Zuschauer wählten den oder die beste. Der Sieger bekam eine Wildcard für das deutsche Finale am 13. März.

Hätte spannend werden können. Aber spätestens, als eine der Kandidatinnen plötzlich mit einem Cover von Leona Lewis’ “Run” auftrat, musste man stutzig werden. Mit “Run” möchte die junge Frau beim ESC auftreten? Sind da neuerdings Coversongs zugelassen?
Nein, sind sie nicht.
Des Rätsels Lösung: Die Songs an diesem Abend sind gar nicht die Songs, mit dem der Gewinner dann beim deutschen Vorentscheid antreten wird. So war zumindest die Antwort der Twitter-Redaktion des deutschen ESC auf eine entsprechende Frage.

Irgendwelche Unbekannten traten also mit irgendwelchen Liedern an, die aber später gar keine Rolle spielen?
Was soll das? Ich dachte, die Show heißt “Unser SONG für Dänemark” und es geht um den Eurovision SONG Contest? Warum wird dann in der Show nur ein Künstler gewählt, und der Song spielt noch gar keine Rolle.
Das machte diese Sendung dann leider schrecklich uninteressant. Dabei wäre es doch reizvoll gewesen, schon mal das Lied zu hören. Wirklich unfair gegenüber den sieben anderen Acts wäre das auch nicht. Letztlich haben diese Newcomer doch sowieso keine Chance, gegen Unheilig oder den anderen bekannten Kandidaten im eigentlichen Vorentscheid zu gewinnen. Und es wäre auch schön gewesen, die Songs der anderen sieben auch schon mal zu hören. Die Acts sind zwar gezeigt worden – aber auch nicht mit den späteren ESC-Songs.
So jedenfalls wird das nichts mit der Identifikation mit dem Gewinner dieses Clubkonzertes.

Übertragen wurde es übrigens am Donnerstagabend nicht nur vom NDR fernsehen, sondern auch von einsplus. Auf dem Spartensender liefen nebenher noch Facebook- und Twittermeldungen der Zuschauer. Das ist keine bahnbrechend neue Sache, aber dennoch eine gute Idee. Meistens war ich eher auf einplus dabei – immerhin gab es dort gleich die erste Zuschauerreaktionen.

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einsplus Charts

Samstag, den 18. Januar 2014
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FR 17.01.2014 | 23.30 Uhr | einsplus

Der Teilzeitjugendsender einsplus hat am Freitagabend kurzzeitig sein Jugendprogramm unterbrochen. Ausgerechnet in der hippen Chartssendung lief ein Videoclip von Helene Fischer. Und das nicht nur ausschnittsweise, sondern komplett. Von Anfang bis Ende.

“Atemlos durch die Nacht” heißt die aktuelle Single von Helene Fischer. Damit ist sie in den deutschen Singlecharts derzeit auf Platz 7 und damit auch in den “einsplus Charts” vertreten. Bei VIVA hätte man die Platzierung vermutlich nur angewidert erwähnt, um dann den Clip zu übergehen.
Aber mal ehrlich: Tut es so weh, den Song in einer jugendlichen Chartshow zu spielen? Immerhin ist Fischers Hit nicht wirklich ein Schlager, er ist modern, er geht schon stark in die Poprichtung. Würde sie auf Englisch singen oder hätte sie schlicht ein anderes Image, dann könnte “Atemlos durch die Nacht” auch in den Radio-Popwellen laufen. Und, ganz ehrlich: Ich könnte damit leben, denn ich mag den Song.

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Das war 2013!

Dienstag, den 31. Dezember 2013
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Aufschrei! Der Twitter-Hashtag gehört ganz sicher zu den Wörtern des Jahres 2013. Und das nicht nur, weil FDP-Mann (was war noch gleich diese FDP?) Rainer Brüderle einer “stern”-Journalistin verbal etwas zu nahe gekommen ist. Die Medien wittern in diesem Jahr ständig und immer wieder einen Skandal.
Der Stinkefinger des Herrn Steinbrück. Aufschrei!! Der Rundfunkbeitrag für ARD und ZDF. Aufschrei!! Beim NSU-Prozess gibt es nicht für alle Journalisten einen Platz. Aufschrei!! Markus Lanz hat bei “Wetten, dass…?” schon wieder was falsch gemacht. Aufschrei!!
Es folgt eine Hysterie nach der anderen, die eine verpufft schneller, die andere bis heute nicht. Nur beim NSA-Abhörskandal, da dauert es ein bisschen bis zu jenem Aufschrei.
Aber mal ganz von vorn.

Für das ZDF und sein Aushängeschild “Wetten, dass…?” ist es ein schweres Jahr. Die Quoten sinken, die Kritiker mosern, überall gibt es etwas zu meckern. An vielen Stellen zurecht. Hollywoodstars bekommen Eiswürfel in die Hose geschüttet, und plötzlich sitzen Roooobert Geiß und seine Prollfrau auf der Wettcouch. Inzwischen sind alle Innovationen abgeschafft, die Show so pupsig wie früher, nur Gottschalk fehlt noch. Bis heute fehlt der Show eine vernünftige Redaktion im Hintergrund, die sich wirklich mal Gedanken macht, wie diese Sause aus dem Dreck gezogen werden könnte.

Eigentlich können wir ja froh sein, dass es solche Shows noch gibt. Denn ein Großteil des Programms bei den Privaten wird weiterhin mit billigen Dokusoaps bestritten. Der Asifaktor steigt. Bei RTL müssen Paare “7 Tage Sex” haben – und wir dürfen zuschauen. Allerdings wollen die Zuschauer das gar nicht, die Reihe floppt. ProSieben schickt “Reality-Queens auf Safari” und RTL “Wild Girls auf Highheels durch Afrika”. Seltsamerweise sind auch da die Zuschauer bockig und wollen Tussis auf Reisen lieber nicht sehen. Ebenso wenig besoffene Jugendliche in Sölden oder Single-Tierfreunde, die einen Partner suchen.

Billig, aber erfolgreich sind dagegen die pseudoechten Serien “Berlin – Tag & Nacht” sowie das im Januar gestartete “Köln 50667″. Bei der Jugend kommt das doofe Geblöke erstaunlich gut an. Prolls scheinen in zu sein. Als RTL II seinen 20. Geburtstag feiert, ist die Party voll mit Menschen, denen man außerhalb von RTL II lieber nicht begegnen will. Die Prollparty des Jahres.

Jenny Elvers fällt 2013 zwar nicht durch Prollgehabe auf, dafür aber mit ihrer Alkoholbeichte. In einem einstündigen RTL-Special entblättert sich die ehemalige Frau Elvers-Elbertzhagen und erzählt der sehr verständnisvollen Frauke Ludowig von ihren Saufeskapaden – und wie ihr Mann ihr da rausgeholfen hat. Später trennt sich ihr liebender Gatte von ihr.
Bei Markus Lanz hat die Schauspielerin Katrin Sass sehr schlechte Laune. Sie ist wütend, weil man ihren Grimmepreis besudelte. Das RTL-Dschungelcamp ist nämlich nominiert, und darüber ist die Sass so erbost, dass sie im ZDF den Dschungelkönig Peer Kusmagk runtermacht – oder eher zusammenblökt.

Den Grimmepreis bekommt das Dschungelcamp später zwar nicht, gutes Fernsehen ist das aber trotzdem – bei aller Häme. Und für einen der rührendsten TV-Augenblicke 2013 sorgt die Show auch noch: In Folge 1 nimmt das Team Abschied von Dirk Bach. “Ta, Dickie!”, heißt es am Ende.
Auch Sat.1 möchte etwas von dem RTL-Erfolg abhaben. Nur A-Promis wollen sie ins “Big Brother”-Haus schicken. “Wir nehmen nur die Besten.” Die scheinen allerdings keine Zeit zu haben. Da gibt es stattdessen die Blondine, die in irgendeiner gefloppten ProSieben Doku-Titten-Soap mitgemacht hat. Einen Sänger, der mal bei “The Voice of Germany” mitgemacht hat. Einen Doku-Soap-Typ und einen, der irgendwas im Internet macht. Und dazu Oliver Pocher und Cindy aus Marzahn, die so gar nicht harmonieren wollen und einen Gag nach dem anderen versemmeln. Selten ist ein Format dermaßen in den Sand gesetzt worden.
Aber damit kennt man sich bei Sat.1 aus. Auch die “Patchwork Family” floppt. Die Zuschauer strafen schlechtes Fernsehen mit Missachtung.

Umso erstaunlicher, dass Marc Bator vom Nachrichten-Flaggschiff “Tagesschau” zu den “Sat.1-Nachrichten” wechselt. Vielleicht bekommt er dort mehr Geld, dafür aber weniger Image.
Sein Vorgänger Peter Limbourg, inzwischen Chef der Deutschen Welle, muss im März geradezu darum betteln, auf Sendung bleiben zu dürfen. Gerade soll in Rom der neue Papst verkündet werden, doch bei Sat.1 will man die Live-Sendung für so eine Nichtigkeit nicht verlängern.
RTL unterbricht für den neuen Papst immerhin die Sendung “Teenies auf Partyurlaub”. Ein wirklich päpstliches Kontrastprogramm.

2013 dreht sich das Personalkarussell auch auf anderen Sendern. Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf wechseln von zdf_neo zu ProSieben und sorgen dort für gute, unverkrampfte, einfallsreiche, gern auch mal sinnfreie Unterhaltung. Joko entert sogar die ProSieben-Newstime, darf dort live die Nachrichten sprechen und wird dort – ja, live – von Klaas angerufen. Bei ProSieben ist man not amüsed.
Tom Buhrow verlässt die “Tagesthemen” und wird WDR-Intendant. Dort muss er einen harten Sparkurs verkünden. Das Nachwuchstalent Thomas Roth ist sein Nachfolger bei den Abendnachrichten.
Christian Rach geht von RTL zum ZDF und will nun dort kochen – oder so.

Natürlich gab es auch 2013 gutes Programm. “Homeland” auf Sat.1 war extrem spannend, ebenso die “American Horror Story” auf sixx. Leider mit miesen Quoten. Das ZDF zeigte “Unsere Mütter, unsere Väter”, eine Aufarbeitung über den Alltag im Dritten Reich. Für den “Super Bowl” gab sich Sat.1 ausnahmsweise richtig Mühe und konnte so sogar den Stadionstromausfall ordentlich überbrücken. Die ARD zeigte mit “Operation Zucker” einen aufwühlenden Film über Kinderhandel – und musste ihn zensieren, weil die FSK das Ende nicht positiv genug fand. Die ARD traut sich an den Showklassiker “Dalli Dalli” ran. “Das ist spitze!” heißt die Neuauflage, die großen Spaß macht.

Die Medien suchen aber lieber nach Skandalen, als zu loben. Während sich fast ganz Journalistendeutschland aufplustert, weil nicht alle von ihnen beim NSU-Prozess berücksichtigt werden, und es doch ein Skandal sei, weil die ehrwürdige FAZ nicht dabei sei, hält sich das Interesse beim NSA-Abhörskandal erst mal in Grenzen. In der heißen Phase diskutiert selbst Günther Jauch im Ersten lieber über Schlaglöcher. Als aber klar ist, dass auch das merkelsche Kanzlerinnenhandy abgehört wurde – ja, jahaaa, da ist der Aufschrei groß.

Gar keinen Aufschrei gibt es, als das ZDF verkündet, dass zdf.kultur eingestellt wird. Der innovativste und interessanteste Spartenkanal hat miese Quoten. Leider. Eigentlich sollte Silvester Schluss sein. Nun hat der Sender doch noch eine Schonfrist und sendet auch 2014.
Für Das 4. ist dagegen am 31. Dezember Schluss. Mitte Januar 2014 startet auf dem Programmplatz der Disney Channel. Der Micky-Maus-Konzern kauft Das 4. und schafft ihn ab.
Auch ARD und ZDF hätten gern einen Jugendkanal, wofür das Zweite eben auch zdf.kultur opfern will. Die Politik möchte da jedoch mitreden und hat das Konzept abgelehnt. Das Konzept liegt auf Eis, und der SWR macht’s im Alleingang und fragt erst niemanden: einsplus ist inzwischen fast vollständig zum Jugendkanal mutiert.

Mit gedruckten Zeitungen hat die Jugend unterdessen immer weniger am Hut. Die Auflagen sinken, die Verlage sparen. Springer stößt diverse Regionalzeitungen an die Funke-Gruppe ab, darunter die “Berliner Morgenpost”. Dafür weitet Springer die Aktivitäten im Internet aus und kauft N24.
Die “Westfälische Rundschau” erscheint zwar noch, hat aber keine eigenen Inhalte mehr. Der Mantel kommt vom zentralen Desk, der Lokalteil von der Konkurrenz. Ganz dicht machen will man das Blatt nicht – der publizistischen Vielfalt wegen. Aha.
Die Nachrichtenagentur dapd ist nicht mehr zu retten.
Die Mediengruppe Madsack gliedert die Lokalredaktionen der “Märkischen Allgemeinen” aus. Bis 2018 will man außerdem in Hannover einen Großteil der Inhalte für die Regionalzeitungen vorproduzieren. Ressorcen will man sparen, heißt es.

Die wahre Musik spielt im Internet. Und bei Twitter meist nachts, dann sind nämlich Boris Becker und Oliver Pocher noch wach und zoffen sich. Der ehemalige Tennisgott Becker hat ein Buch geschrieben, darin kommt auch seine Ex (und inzwischen auch Pochers Ex) Allessandra vor, und das nicht sehr positiv. Am Ende kommt Becker in Pochers RTL-Show “Alle auf den Kleinen”, um sich endgültig lächerlich zu machen.
Pochers anderer Ex, Harald Schmidt nämlich, sendet unterdessen bei Sky unter Ausschluss der großen Öffentlichkeit. Aber nur noch bis März 2014. Mitte Dezember verkündet Sky das Aus für “Die Harald Schmidt Show”. Der Aufschrei hält sich in Grenzen.

Weichen Politiker mal vom Langweiler- und Weichspülkurs ab, dann aber ist besagter Aufschrei doch wieder groß. Der Bundestagswahlkampf plätschert eher vor sich hin – bis SPD-Mann Steinbrück für ein wortloses Interview mit dem SZ-Magazin den Stinkefinger zeigt. Nur leider scheinen Journalisten keinen Humor zu haben – oder doch lieber den Skandal herschreiben zu wollen.
Gleiches gilt, wenn ZDF-Frau Marietta Slomka im Interview mit SPD-Chef Sigmar Gabriel eher plan- und hilflos wirkt und Gabriel deutlich macht, dass er ihren pikierten Interviewstil, nun ja, seltsam findet. Slomka wird von vielen Zuschauern als Heldin gefeiert. Warum auch immer.

Die Hörer von radioeins hatten tatsächlich was zu feiern: die Rückkehr der Radiolegenden. Zwei Wochen lang waren sie jeweils drei Stunden auf Sendung: Thomas Gottschalk, Frank Elstner oder Jürgen Kuttner. Noch einmal “Sprechfunk”, so wie früher, nur diesmal eben an einem Vormittag. Herrlich.

Legenden kommen, andere gehen. Es hieß Abschied nehmen. Viele Stars haben uns 2013 verlassen.
Marcel Reich-Ranicki wird keine Bücher mehr verreißen, Paul Kuhn spielt nicht mehr Klavier. Reinhard Lakomy besingt nie mehr den Traumzauberbaum. Der afrikanische Held Nelson Mandela ist verstummt. Außerdem die Schauspieler Dieter Pfaff, Eddie Arent, Hildegard Krekel, Rosemarie Fendel, Heinz Meier, Jörg Pleva, Otto Sander, James Gandolfini, Ulrich Matschoss und Peter O’Toole, die Politiker Lothar Bisky, Manfred Rommel und Margaret Thatcher, Radiolegende Chris Howland, die Musiker Lou Reed und Esther Williams, die Humoristen Dieter Hildebrandt, Peter Ensikat und Günter Willumeit, die Moderatoren Vivi Bach und Elmar Gunsch, Sportmanager Peter Graf, die Schriftsteller Doris Lessing, Otfried Preußler, Walter Jens und Wolfgang Herrndorf sowie Prinz Johan Friso von Oranien.

2013. War sonst noch was?
Ach ja. “Inka” im ZDF, das neue, frische Format am Nachmittag. War dann aber leider doch nicht so frisch, sondern ziemlich altbacken und oberflächlich. Nach einem Vierteljahr zieht das ZDF den Stecker. Damit endet auch die Dailytalk-Ära, denn auch “Britt” auf Sat.1 musste sich veranschieden.
Stefan Raab mischt für ProSieben beim TV-Duell mit Merkel und Steinbrück mit. Und macht seine Sache gut.
Das Erste bricht in der Nacht einen Boxkampf für einen Spielfilm mittendrin ab, weil es so im Programmplan stand.
Hinter den Kulissen der kultigen zdf.kultur-Talkshow “Roche & Böhmermann” kracht es so sehr, dass Schluss ist. Und die Zuschauer das erst für einen Gag halten.
Heino bekommt großartige PR, weil er Ärzte-Songs nachsingt und sich darüber angeblich jemand aufregt.
Die Lotto-Ziehungen gibt’s nicht mehr im Fernsehen, weil das die Zuschauer angeblich langweilt.
phoenix unterbricht sein Programm für einen Asteroiden-Vorbeiflug und zeigt helle Striche.
Waldemar Hartmann blamiert sich bei “Wer wird Millionär?” weil er die deutsche Fußball-WM 1974 vergisst.
Und da ist er schon, der nächste Aufschrei. Einer von vielen, in diesem 2013.

Ach, und fast hätte ich das Wichtigste vergessen: Dieter Moor heißt jetzt Max. Ähm, ja, genau.
Guten Rutsch.