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Überflieger: Essen mit Emotionen

Samstag, den 24. Juli 2021
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Sebastian Theiss (39) ist Koch als Leidenschaft und auf höchstem Niveau unterwegs – von Eichstädt aus bietet er handgemachte Caterings an

MAZ Oberhavel, 24.7.2021

Eichstädt.
Zur Begrüßung gibt es einen Brownie. Der sieht an sich schon mal köstlich aus. Einmal kurz flambiert, eine sahnige Soße drauf – und ein rotes Pulver: Rote Beete. Was Sebastian Theiss schnell mal drüber gestreut, ist aber alles andere als schnell gemacht. „Das Rote-Beete-Pulver für Desserts ist mehr als nur die Tüte zu öffnen.“ Die Rote Beete müsse getrocknet und in der Kaffeemühle zu Pulver gemahlen werden. „Was oft dahinter steckt, sieht der Kunde nicht.“ Die Herstellung bezeichnet der 39-Jährige durchaus als anstrengend – sie ist ihm aber wichtig.
Auf einem Gewerbehof Am Eichenring in Eichstädt betreibt Sebastian Theiss „Farm to Fork“, übersetzt heißt das „Vom Bauernhof auf die Gabel“. „Ich mache Caterings auf sehr hohem Niveau“, sagt er. „Wer zu mir kommt, will was Besonderes haben.“ Einfach nur zu essen sei langweilig, es gehe um Wertschätzung, Emotionen, dass die Leute sagen, es habe Spaß gemacht.

Geboren in Wolmirstedt, kam er mit zwei Jahren mit seinen Eltern nach Eichstädt, in Beetz ging er zur Schule, und das Kochen hat ihn scheinbar schon früh interessiert, denn er begann dann eine Ausbildung bei Mövenpick im Berliner Europacenter. Doch die Lehre sei „so bitter“ gewesen, dass er sich fragte: „Was willst du mit diesem Beruf?“ Und fast wäre er Krankenpfleger geworden – denn im Zivildienst an der Sommerfelder Klinik hatte er gute Erfahrungen gemacht.
Aber ganz wollte er seinen Kochberuf noch nicht aufgeben. Er hatte von der Eröffnung eines Mövenpicks am Anhalter Bahnhof gehört. „Der Küchenchef war ein richtig großer Typ. Die Kochlehre fing da von vorne an.“ Mit Respekt und Angst, wie Sebastian Theiss erzählt. Er lernte das Filigrane am Essen kennen, Speisen zu analysieren, Komponenten zusammenzubringen. Kurzum: Er hatte die Liebe zu seinem Beruf wiederentdeckt. „Die Qualität war abartig hoch“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Viereinhalb Jahre blieb er dort. Es folgten weitere Stationen, darunter als Küchenchef im Arcotel unweit des Auswärtigen Amtes. Nach zwei Jahren aber habe er gedacht: „Ich muss ins Ausland. Ich kündige einfach alles. Ich habe alles verkauft.“

Er ging nach Australien, arbeitete in einer Cateringfirma im Outback, in einem australisch-österreichischen Lokal in Melbourne, und er kümmerte sich um die Eröffnung eines Hotels von Jamie Oliver in Perth. Später reiste er nach Thailand, Neuseeland und auf die Philippinen. Überall hat er etwas Neues gelernt. „Ich habe gemerkt, wie verschwenderisch wir sind.“ Auf den Philippinen habe er gelernt, alles, was man sonst wegschmeißt, anders zu verwenden. „Das ist eine Nachhaltigkeit, die kennt hier keiner.“
Er kam zurück nach Deutschland, arbeitete bei einem Caterer, der unter anderem auch bei größeren politischen Veranstaltungen dabei war. „Das war mega hochwertig.“ Aber auch anstrengend. Es blieb keine Zeit für die Familie, die Freundin, für Hobbys. Er beschloss, sich selbstständig zu machen.

Er bekam die Ladenfläche in Eichstädt und konnte sie zu seinen Zwecken umbauen. Auf dem Kremmener Spargelhof setzte er seine ersten Caterings um, half dort auch in der Küche. „Ich helfe da auch noch aus. Das ist das Tolle hier. In der Stadt ist es schwieriger, Connections zu finden. Hier kennt man den Bauern, und er grüßt einen.“ Alle würden versuchen, sich gegenseitig zu unterstützen.

Bei „Farm to Fork – Mr. Th. Catering“ sagt Sebastian Theiss, der inzwischen in Hohen Neuendorf wohnt, sei Genuss jede Sünde wert. „Ich mache nur planbare Sachen.“ Dazu gehören Hochzeiten, Geburtstage, Seminar-Caterings. Einen kleinen, hochwertigen Laden, nennt er seine Firma. Sein Credo: „Ich möchte bei jeder Veranstaltung dabei sein, ich möchte selber sehen, dass das, was ich mir vorgestellt habe, umgesetzt wird.“ Auch Live-Kochen ist bei ihm möglich.
Die Coronazeit nutzte Sebastian Theis unter anderem für die Produktentwicklung. Unter dem Label gibt es verschiedene BBQ-Saucen, ein Parmesan-Dressing und eine Wild-Preiselbeer-Dessert-Sauce. Vom Flaschendesign, über die Etiketten bis zum Inhalt – alles selbst gemacht, in mühevoller Arbeit. „Das läuft gut, ist aber Beiwerk“, sagt Sebastian Theiss. Seine Produkte gibt es zum Beispiel in den Hofläden an der Milchtankstelle und am Schloss in Schwante und dem Spargelhof in Kremmen.

Wie es weiter geht – Sebastian Theiss lässt es auf sich zukommen. Die Branche ist durch Corona in großen Schwierigkeiten. Aber er sagt auch: „Bis jetzt finde ich das alles noch ganz toll.“ Und momentan sei richtig viel zu tun.
Mehr Infos gibt es im Internet: farmtofork-catering.de.

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KeineWochenShow

#229 – Unterm Regenbogen

Sonntag, den 23. Mai 2021
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In dieser Woche spielt der Regenbogen eine große Rolle. Nicht nur, weil am Freitag über Oranienburg ein schöner zu sehen war. Am Freitag davor fand in Eichstädt eine Aktion mit der Regenbogenfahne statt, nachdem die Lokalpolitik es nicht gestattet hat, am Verwaltungsgebäude von Oberkrämer am Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie die Regenbogenfahne aufzuhängen. Im Gespräch kommen Aktivisten zu Wort, die sagen, warum es nötig ist, die Regenbogenfahne zu hissen.

Der Eurovision Song Contest 2021 ist zwar gelaufen, bei der Aufzeichnung am Freitagabend konnten wir natürlich noch nicht wissen, wie er zu Ende geht. Allerdings dürfte sich MetalMewes über das Ergebnis eigentlich freuen.

Einen Meilenstein gibt es in KeineWochenShow auch. MetalMewes ist aus beruflichen Gründen schon geimpft, und auch RT Zapper kann nun von der ersten Impfung in Perleberg berichten.
Das und mehr in KeineWochenShow #229 auf Youtube.

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RTelenovela

Total tolerant. Nicht wirklich.

Montag, den 17. Mai 2021
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Nachdem die Politik in Oberkrämer es mehrheitlich abgelehnt hat, dass zum Tag gegen Homo-, Bi- und Transphobie vor der Gemeindeverwaltung in Eichstädt die Regenbogenfahne hängen darf, fand nun stattdessen am Freitagabend eine Art Ersatzaktion statt. Stattdessen wurde die Fahne nicht an den Mast gehangen, dafür wurden gleich mehrere zu einem längeren Regenbogenfahnengebilde ausgerollt und zusammengefügt.
Es ist also nichts, was jemanden stören könnte, der nicht dabei war.

Nachdem die Aktion auf Facebook publik geworden ist, machte sich allerdings in den Oberkrämer-Gruppen mehrheitlich Empörung breit. Empörte, die erklärten, wie Toleranz zu funktionieren habe, dabei aber auch nicht tolerant waren, auch wenn sie das mehrfach behaupten.

Argument 1: Hetero will auch mit Fahne auf sich aufmerksam machen. Und sei man als Hetero noch normal?
Aber was ist eigentlich normal? Ist ein Hetero normal? Vielleicht hat ja der Hetero auch Hobbys oder Gelüste, die andere nicht normal finden. Und worauf will man als Hetero aufmerksam machen? Wie oft werden Heteros beschimpft und/oder verprügelt, weil sie Hetero sind?

Argument 2: Wo sei die Toleranz gegenüber der Mehrzahl der Leute im Gemeinderat, die den Antrag abgelehnt haben?
Das ist schon fast tragisch. Was hat das mit Toleranz zu tun? Vielleicht sollte man solchen Menschen einfach mal erklären, wie Politik funktioniert. Es ist nicht verboten, für eine Sache weiterzukämpfen, auch wenn die Politik etwas mehrheitlich ablehnt. Das wäre das Aus für die AfD, die ja politische Entscheidungen der Regierung auch nicht tolerieren will. Es wäre das Aus für alle Demos. Wozu sollte es die geben, wenn man doch bitte tolerieren solle, was die Regierenden entscheiden? Es wäre das Aus für die Opposition, für die Demokratie überhaupt. In der DDR – da war das vielleicht so, dass man doch bitte zu tolerieren habe, was die Regierung beschlossen hat. Und wenn man das nicht toleriert hat, na ja, wir wissen ja, wie das war.
In Oberkrämer wird seit Jahren für die Eröffnung einer weiterführenden Schule gekämpft. Im Kreistag ist das abgelehnt worden – hört also der Kampf in Oberkrämer dafür auf, weil man doch bitte die Entscheidung tolerieren solle? Das ist natürlich Quatsch.

Argument 3: Eine Toleranz gegenüber andersdenkenden Menschen sei seitens der Antragsteller für die Fahne nicht vorhanden.
Auch da wären wir wieder bei der Frage, wie Politik funktioniert. Und grundsätzlich geht es übrigens bei der queeren Community nicht um Toleranz, sondern um Akzeptanz.

Argument 4: Hängen auch bald Fahnen von Fußballvereinen?
Das ist, nun ja, sehr, sehr kurz gedacht. Queersein sucht sich niemand aus. Den Fußballverein schon.

Argument 5: Wie viele Fahnen gegen Mobbing und Diskriminierung sollen gehisst werden?
Das klingt, ob man davon einfach nur schwer genervt ist. Ja, es ist unangenehm, wenn man in seiner Gemütlichkeit gestört wird, weil man selber vielleicht nicht diskriminiert und gemobbt wird. Aber wenn sich da Leute bestimmter Minderheiten melden – warum denn nicht? Warum öffnet man sich ihnen nicht? Warum hebt man erst mal die Hände und stößt sie vor den Kopf? Sollen doch die Gemobbten bitte, bitte still sein. Man wolle doch davon nicht gestört werden.

Argument 6: “Dieses Klientel muss doch an einem Aufmerksamkeitsdefizit leiden.”
Klientel. Dieses Wort steht ja nun wirklich für Toleranz. Ähm, nicht. Schön wäre es vermutlich sogar, wenn es ein Aufmerksamkeitsdefizit gäbe. Schwule und Lesben würden sich ganz sicher über weniger Aufmerksamkeit freuen, wenn sie mal wieder bepöbelt oder bespuckt oder getreten werden, weil sie Händchen halten oder sich öffentlich küssen.

Argument 7: Deutschland war noch nie so tolerant.
Mag sein, ja. Aber ist das wirklich so? Stellt sich die AfD nicht in den Bundestag und sagt, dass sie viele Privilegien für queere Menschen wieder abschaffen würden, wenn sie an die Macht käme? Und folgen nicht immer mehr Menschen der AfD? Auch in Oberkrämer hat die AfD – an der Seite der “Bürger für Oberkrämer” – dagegen gestimmt. Ist es wirklich so, dass queere Menschen sich immer und überall völlig frei so geben können, wie sie möchten? Und kann die Gruppe der queeren Menschen selbst das nicht sowieso viel besser entscheiden als Facebook-Kommentatoren, die von Übergriffen vielleicht mal entfernt gehört haben?

Alle diese, ähm, Argumente zeigen, wie wichtig diese Regenbogenfahne in Wirklichkeit ist. Dabei geht es in Wirklichkeit eigentlich gar nicht darum, ob diese Fahne da hängen muss oder nicht.
Aber alle diese Argumente dagegen zeigen, wie wenig oder gar nicht das Thema überhaupt verstanden wird. Hier ist von Toleranz die Rede. Hier wird Toleranz gegenüber Politikern eingefordert, die diese Leute dann bei anderen Themen sicherlich auch (nicht?) aufbringen werden (oder warum demonstrieren die Querdenker?).
Und wenn es diese Toleranz gäbe, wäre es dann für diese Toleranten nicht völlig wurscht, ob da nun die Fahne hängt oder nicht? Warum pocht man denn so darauf, dass diese Fahne da nicht, nicht, überhaupt nicht, nicht, nicht, nicht, nicht zu hängen hat. Ist das tolerant? Ist es nicht.

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RTelenovela

Konservativ-grau-braun vs. Regenbogen-bunt

Dienstag, den 4. Mai 2021
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Die Gemeindevertreter in Oberkrämer haben es mehrheitlich zum zweiten Mal abgelehnt, dass am 17. Mai in Eichstädt vor der Gemeindeverwaltung die Regenbogenfahne weht.
Es gibt dafür mehrere Begründen der Gegner. Angeblich müsse eine Verwaltung neutral sein, heißt es. Eine andere heißt, da könne ja jeder kommen. Oder: Es handele sich um eine Privatsache, was man denn so treibt.

Klar, es ist Privatsache, mit wem man sich im Bett vergnügt. Aber ist es auch Privatsache, wenn schwule Paare im Supermarkt bepöbelt werden, nur weil sie vielleicht „anders“ aussehen? Oder wenn Menschen nur wegen ihrer Homosexualität zusammengeschlagen werden? Völlig unabhängig, ob das nun konkret in Oberkrämer passiert oder nicht – es ist eben keine Privatsache.
Oder werden die Gemeindevertreter schulterzuckend daneben stehen, wenn es zu einem Angriff käme und auch von einer „Privatsache“ sprechen? Küsst der Bürgermeister seine Frau eigentlich in aller Öffentlichkeit und erwartet, dass sich keiner drüber aufregt?

Die Regenbogenfahne steht für „Du bist nicht allein“. Sie steht für Menschlichkeit – und nicht für Provokation, wie es die rechte AfD an der Stelle gern sagt. Provoziert wird von einer Regenbogenfahne allerdings nur die Person, die vermutlich selbst ein Problem mit dem Thema hat, es unterdrücken will. Und schon mehrfach haben AfD-Vertreter im Bundestag erwähnt, dass sie beispielsweise die “Homo-Ehe” wieder abschaffen würden.

Der Vergleich, dass ja dann jeder seine Fahne hinhängen könnte, Fans vom Fußballverein oder Sammler von Was-weiß-ich, ist eigentlich fast schon ein unverschämter Vergleich. Vielleicht auch ein naiver. Und vielleicht auch einer, über den man, nun ja, nicht tiefer nachgedacht hat. Eine Leidenschaft mit etwas zu vergleichen, was man sich nicht aussucht, ist kurzsichtig. Fürs Händchenhalten zwischen Mann und Mann oder Frau und Frau kann man schon mal verprügelt werden, wenn man Pech hat. Für die Leidenschaft für den Fußballverein passiert das eher selten oder hat andere Gründe.

In Oberkrämer ist die bunte Fahne unerwünscht. Das ist bedauerlich. Die Gemeindevertreter in Oberkrämer möchten kein Zeichen für Minderheiten setzen und haben dafür nur fadenscheinige oder ignorante Begründungen. Die Gemeinde hat seine besonders konservative, nicht sehr weltoffene Seite gezeigt.
Dass sich die “Bürger für Oberkrämer” dabei auf die Seite der AfD stellen – was nicht das erste Mal passiert – sollte die “Bürger für Oberkrämer” gerne auch mal nachdenklich stimmen.

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KeineWochenShow

#226 – Talk im Turm

Sonntag, den 2. Mai 2021
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Diesmal in KeineWochenShow: Talk im Turm! Der “Turm”, die Turm-Erlebnsicity in Oranienburg, ist jetzt wegen des Coronavirus seit einem halben Jahr geschlossen. Was passiert eigentlich im geschlossenen Haus? Wir zeigen, wie das leere Spaßbad aussieht, ob überhaupt noch Wasser in den Becken ist. Den leeren Saunabereich. Und in der (abgeschalteten) Kristallsauna gibt es ein Interview mit Kay Duberow, dem Geschäftsführer der Stadtservice Oranienburg GmbH, der darüber spricht, wie der “Turm” durch die Coronakrise kommt.

Ein großes Thema diese Woche ist auch der Oscar 2021, der ganz anders war als sonst – aber auch anders, als es angekündigt worden ist. Natürlich geht es um Corona, um die nicht wehende Regenbogenfahne in Eichstädt und einiges mehr – in KeineWochenShow #226 auf Youtube.

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Wenn ein Lkw auf der Seite liegt

Freitag, den 19. Februar 2021
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Erst nach mehr als einem Tag wird ein verunglückter Laster auf der L 17 bei Eichstädt geborgen – Technisches Hilfswerk muss bei Umlagerung der Fleischladung helfen

MAZ Oranienburg, 19.2.2021

Eichstädt.
Fast anderthalb Tage blockierte ein umgekippter Lkw die Landesstraße 17 zwischen Eichstädt und Vehlefanz. In Höhe der südlichen Anschlussstelle Oberkrämer war er am Dienstagabend bei Glätte umgekippt. Erst am Mittwochabend konnten die Arbeiten zur Bergung des Fahrzeuges beginnen. Sie dauerten bis Donnerstagfrüh, gegen 5 Uhr. Ein Problem: Der Lkw hatte 22 Tonnen Fleisch geladen.

Einer, der zu diesem Einsatz vor Ort war, ist Tobias Reinhold. Der 52-Jährige arbeitet beim Technischen Hilfswerk (THW), in der Ortsgruppe Neuruppin. Gemeinsam mit seinen Kollegen aus Gransee ist er nach Eichstädt ausgerückt. Nach Auskunft von THW-Pressesprecherin Ellen Krukenberg waren 24 Kräfte des Hilfswerks vor Ort. „Von der Polizei ist Amtshilfe angefordert worden“, erklärte sie am Donnerstag. Bevor der Truck- und Havariedienst Jänicke aus Schwante den umgekippten Lkw bergen konnte, musste das Fleisch umgeladen werden – 22 Tonnen, jedes einzelne Stück per Hand. „Zuvor haben wir eine Beleuchtung aufgebaut“, erklärt Tobias Reinhold. Das Unternehmen, dessen Lkw dort verunglückt war, hatte schon im Laufe des Tages einen zweiten Lkw organisiert. Der stand vorübergehend auf dem benachbarten Autohof Oberkrämer. In diesen sollten dann die Schweinehälften gebracht werden. Diese seien gekühlt gewesen. Bevor umgeladen worden ist, haben Gutachter die Ware geprüft.

Gegen 20.20 Uhr am Mittwochabend begann die große Fleisch-Aktion auf der Landesstraße. Die Leute vom THW bildeten eine Kette, wie beim Transport von Sandsäcken. „Wir haben alle Handschuhe getragen.“ Die Hygiene sei ein wichtiger Aspekt gewesen, so Tobias Reinhold. Konkret habe es sich übrigens um aus der Schweinehälfte geschnittene Schinken gehandelt. „Für den einen oder anderen war das schon ein ungewohnter Anblick, es war aber nicht unmöglich.“ Jedes Stück Fleisch musste angepackt werden, es wog jeweils zwischen fünf und zehn Kilogramm. Das ging in die Arme.
„Gegen 1.30 Uhr waren wir damit fertig“, sagt der Neuruppiner THW-Mann. Dann sei noch das Bergungsunternehmen bei der Arbeit unterstützt worden. „Wir haben weiterhin Licht gemacht.“ Auch musste an der beschädigten Leitplanke gearbeitet werden. Gegen 4 Uhr konnte das Team vom THW wieder abrücken. „Das war schon ein außergewöhnlicher Einsatz“, sagt Tobias Reinhold. „Sehr aufwendig.“ Auch zeitlich – denn die Mitglieder des THW sind ehrenamtlich helfende Leute, die am Tage normal arbeiten gehen.
Während der Arbeiten war die südliche Anschlussstelle Oberkrämer voll gesperrt. Während der Bergung des Lkw in der Nacht musste auch die L 17 für einige Zeit voll gesperrt werden.

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Viel öfter alleine als sonst

Freitag, den 12. Februar 2021
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Senioren müssen sich in der Coronakrise umstellen – Helmut Rätzke lässt sich den Einkauf bringen

MAZ Oranienburg, 12.2.2021

Oberkrämer.
Die Coronakrise ist für die meisten Menschen auch ein Akt der Geduld. Gerade das gesellschaftliche Leben steht still. Das bekommen auch die Senioren zu spüren. Normalerweise gibt es in Oberkrämer fast jeden Tag Veranstaltungen in den einzelnen Ortsteilen, wo sich Senioren treffen, gemeinsam Karten spielen oder einfach nur Kaffee trinken und reden. Das fehlt nun alles – und nicht nur das. Weil die Senioren altersmäßig zur Risikogruppe gehören, müssen sie besonders aufpassen.

Helmut Rätzke aus Schwante ist 91 und momentan viel öfter alleine als sonst. „Ich gehe auch allein zum Spazierengehen“, erzählt er. „Aber auch nur da, wo man eher alleine ist.“ Er möchte ungern Menschen begegnen, größeren Menschenmassen ausweichen. Deshalb geht er auch nicht zum Einkaufen. „Das macht mein Sohn für mich.“ Der darf auch zu ihm rein, aber auch nur mit Maske. Eigentlich aber geht Helmut Rätzke jeden Mittwoch zum Kartenspielen, sonntags trifft er sich mit einer Frauenrunde, auch dort stehen dann Kartenspiele auf dem Programm. „Jetzt habe ich keinen Kontakt. Ich sehe zu, dass ich so wenige Kontakte wie möglich habe, ich bin ja schon 91.“ Das fällt ihm alles nicht immer leicht. „Na ja, das ist alles ein bisschen traurig. Aber was soll man machen?“ Seinen Haushalt macht er selbst, das Essen bekommt er geliefert. „Im Alltag komme ich noch ganz gut zurecht.“ Aber er vermisst die Normalität. „Ich bin ein Mensch, der Kontakte haben muss. Jetzt ist das natürlich schlecht.“ Immerhin telefoniert er jetzt ab und zu mit den anderen.
Seine erste Impfung hat der Schwantener auch schon bekommen. „Das war in Oranienburg“, erzählt er. Eigentlich sollte er dafür nach Potsdam fahren, aber dieser Termin sei abgesagt worden. Im Oranienburger Impfzentrum bekam er dann seinen Piks. „Das war alles sehr gut, ich habe nichts gemerkt.“ Bald bekommt er auch seine zweite Impfung, dann will er noch eine Woche weiter zu Hause bleiben. Wenn er wieder unter die Leute darf, dann freut er sich auf einen Besuch beim Bäcker und auf seine Kartenrunden.

Auch Inge Meier aus Eichstädt muss sich derzeit einschränken. Sie leitet normalerweise die Seniorenaktivitäten in ihrem Dorf und lädt einmal im Monat zu den Kaffeenachmittagen im Gemeindehaus. „Ein bisschen eingeschränkt ist das alles schon“, sagt sie. „Man ist doch schon mehr alleine, weil man auch Angst hat, dass doch irgendwas passiert und das Virus übertragen wird.“ Ab und an telefoniere sie noch mit den anderen Senioren in Eichstädt. „Die bedauern das natürlich alle sehr, dass nichts stattfinden kann und warten darauf, dass es wieder los geht.“ Ganz alleine ist Inge Meier aber nicht, die Familie kümmert sich um sie. „Wir gehen verhältnismäßig gut mit der ganzen Sache um“, sagt sie. „Wir sind alle sehr vorsichtig.“ Aber sie sagt auch: „Wir haben alle unser Alter und lassen es auf uns zukommen.“ Geimpft worden ist die Eichstädterin noch nicht. „Wir haben einige Male versucht, durchzukommen. Aber da war nichts zu machen, wir hatten noch kein Glück. Das geht den anderen ähnlich.“ Wenn sie doch mal rausgeht, dann trägt sie überwiegend eine Maske, erzählt sie.

Kerstin Laatsch ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer. „Es melden sich bei mir auch hin und wieder Senioren“, erzählt die Vehlefanzerin. „Viele von den Frauen vermissen das monatliche Frauenfrühstück.“ So lange aufgrund der aktuellen Pandemiebestimmungen eine Person eine andere besuchen darf, würden das einige der älteren Leute auch in Anspruch nehmen, weiß sie. „Da geht es ja auch darum, sich gegenseitig ein wenig zu helfen.“
Kurz vor Weihnachten gab es in Oberkrämer eine besondere Aktion. „Wir haben zu Weihnachten viele Päckchen verteilt“, erzählt Kerstin Laatsch. „Wir haben wesentlich mehr Päckchen gepackt, weil es ja im vergangenen Jahr sonst keine weiteren Aktionen gab.“ Allein in Vehlefanz seien 80 solcher Päckchen zum Fest verteilt worden. Darin waren beispielsweise ein großer Stollen, Honig, eine Packung Tee und was zum Naschen. „Außerdem etwas von mir Gebasteltes“, sagt Kerstin Laatsch. Dazu noch eine Grußkarte. „Da kam eine sehr große Resonanz zurück.“ In der vergangenen Woche habe sich noch ein Ehepaar bei ihr gemeldet. „Es war ihnen ein großes Bedürfnis,. sich zu bedanken“, erzählt Kerstin Laatsch.
Sie ist weiterhin öfter in ihrem Büro im „Haus der Generationen“. Sie telefoniere viel. Auch sie hofft, dass die Senioren im Ort bald wieder zusammenkommen können.

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