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Funkmast direkt vor der Nase

Mittwoch, den 30. September 2020
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In Eichstädt steht jetzt ein 40 Meter hoher Turm für ein besseres Handynetz – Anwohner sind verärgert, weil vorher niemand mit ihnen gesprochen hat

MAZ Oberhavel, 30.9.2020

Eichstädt.
Er ist 40 Meter hoch und steht fast direkt an der Grundstücksgrenze, hinter der Einfamilienhäuser stehen. Die Anwohner der Straße Zum Heidegarten sind über den neuen Funkmast, auf den sie seit einigen Wochen schauen, alles andere als begeistert. Vor allem sind sie darüber irritiert, dass niemand vorher mit ihnen darüber gesprochen oder irgendetwas angekündigt hat.
„Als wir mitbekommen haben, dass die Vermesser unterwegs waren und als Pflöcke eingeschlagen wurden, da brodelte die Gerüchteküche“, erzählt Anwohner Tino Dittwald. Der Aufbau im August sei dann relativ schnell gegangen – und die Eichstädter konnten nur zuschauen. „Die Nichtinformation der Nachbarschaft“, so nennt es Tino Dittwald, ärgert die unmittelbaren Anwohner sehr.

Sie suchten das Gespräch mit Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO) und wandten sich auch an die Gemeindevertreter. Letztere waren offenbar uninformiert. „Ich würde behaupten, wir wissen so viel wie Sie“, hatte Matthias Schreiber (BfO), der Vorsitzende der Gemeindevertreter in der jüngsten Sitzung gesagt. Im vorherigen Gespräch und auch in der Sitzung sagte Peter Leys, dass die Gemeinde Oberkrämer nicht Besitzer des Grundstücks sei, die werde zwar zu Bauanträgen angehört und könne ein Einvernehmen erteilen oder versagen, aber das hätte keinen Einfluss auf den Genehmigungsprozess gehabt. „Außer wir hätten objektive Gründe gehabt. Aber nur zu sagen: Das ist heikel oder ungünstig, ist sicher nicht ausreichend“, so Leys.
„Wir wünschen uns von Ihnen politische Unterstützung“, sagte Tino Dittwald zu den Gemeindevertretern. Er bezeichnete es als „Katastrophe, dass Sie erst heute Kenntnis davon bekommen.“ Hinzu komme, dass in das Grundstück, auf dem der neue Turm stehe, ein Mitglied der BfO involviert sei, und die „Bürger für Oberkrämer“ stellen auch den Bürgermeister und sind stärkste Kraft im Gemeindeparlament. Die Anwohner befürchten einen Klüngel und Vertuschung. Diesen Vorwurf wies Peter Leys zurück.

Gebaut hat den Mobilfunkmast in Eichstädt die DFMG Deutsche Funkturm GmbH im Auftrag der Deutschen Telekom. „Der 40 Meter hohe Stahlgittermast versorgt den Ortsteil und die nähere Umgebung mit LTE-Diensten“, teilt Firmensprecher Benedikt Albers mit. „Im Rahmen der kommunalen Abstimmung haben wir die Gemeinde frühzeitig über unser Bauvorhaben informiert“, sagte er. „Wir haben keine direkten Gespräche mit den Anwohnern geführt. Dies wäre auch nicht üblich.“ Wenn es aber in der Phase vor dem Bauantrag Informationsbedarf gäbe, „bieten wir beispielsweise Infoabende an.“
Weiter unklar ist, warum der Standort an der Grundstücksgrenze ausgewählt worden ist. Dazu äußerte sich Benedikt Albers nur allgemein. Der Standort müsse funktechnisch geeignet sein, es dürften keine Hindernisse zwischen dem Standort und dem Versorgungsgebiet liegen.
„Die untere Bauaufsichtsbehörde des Landkreises hat keinen unmittelbaren Einfluss auf den Standpunkt des Mastes“, teilte Ivonne Pelz, Pressesprecherin im Landratsamt, mit. „Der Standort wird vom Bauherrn ausgewählt.“ Die Baugenehmigung sei am 28. April erteilt worden. „Die Entscheidung, ob Anliegergespräche als erforderlich betrachtet werden, obliegt dem Bauherrn beziehungsweise Bauträger.“

Dirk Jöhling (BfO), dem Leiter des Bauausschusses, sei das Problem bis einen Tag vor der Sitzung auch nicht bekannt gewesen. „Das hätte man als Info in den Bauausschuss bringen können“, sagte er an die Verwaltung gerichtet. Er sagte aber auch: „Alle Welt beklagt die Funklöcher in Deutschland, und wird was dagegen getan, ist es auch nicht richtig.“ Das weist Tino Dittwald zurück. „Wir sind nicht gegen Mobilfunk, aber Maß und Mitte sollten eingehalten werden, 100 Meter weiter wäre es auch gegangen, die Möglichkeit war da.” Die Befürchtung der Anwohner, dass durch den Mast der Wert der Grundstücke gemindert werde, teilt Dirk Jöhling, der Sachverständiger für Immobilienbewertung ist, nicht. Das sei eine bloße Behauptung.

Inzwischen gab es ein Gespräch zwischen Gemeindevertretervorsteher Matthias Schreiber und Anwohnern. „Das war ein nettes Gespräch“, sagte Tino Dittwald am Dienstag. Am 5. Oktober soll das Thema auch noch mal im Eichstädter Ortsbeirat besprochen werden, kündigte zudem Ortsvorsteher Dirk Ostendorf (BfO) mit.
Der Gemeindevertreter Wolfgang Krüger (CDU) mahnt unterdessen, in Zukunft besser mit Betroffenen in Kontakt zu treten. „Der Kommunikationsprozess muss anders organisiert werden.“ Die Anwohner haben sich unterdessen juristischen Beistand geholt.

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Für einen unfallfreien Schulweg

Donnerstag, den 6. August 2020
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Die Bärenklauer Sicherheitspartner helfen ab Montagmorgen in Vehlefanz aus – sie schauen, dass die Kinder in der Lindenallee ohne Probleme in den Unterricht kommen

MAZ Oberhavel, 6.8.2020

Oberkrämer.
Auf die Mitglieder der Bärenklauer Sicherheitspartner kommt ab Montag eine neue Aufgabe zu. Sie werden in Vehlefanz bei der Schulwegsicherung helfen. Je zwei Leute sind montags bis freitags am Morgen im Bereich an der Lindenallee zwischen dem Netto-Parkplatz und der Einmündung Bärenklauer Straße im Einsatz.
Hintergrund ist, dass es zum Schulbeginn am Montag an der Nashorn-Grundschule Einschränkungen wegen der Bauarbeiten für den Erweiterungsbau geben wird. So steht derzeit der östlich des Schulgeländes befindliche Parkplatz nicht zur Verfügung, wo normalerweise die Eltern ihre Kinder rauslassen. Die Eltern werden stattdessen gebeten, die Kinder schon auf dem Netto-Parkplatz an der Lindenallee rauszulassen, den Rest müssten die Kinder dann laufen.

Damit das reibungslos passiert, werden die Leute von den Sicherheitspartnern dort postiert. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine Firma, sondern um Bürger aus Bärenklau, die sich 2013 zusammengeschlossen haben, um für die Sicherheit im Dorf zu sorgen. Das machen sie auch ganz offiziell und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Oberkrämer und der Polizei. In der Gemeindeverwaltung in Eichstädt ist am Dienstagabend ein entsprechender Vertrag für weitere drei Jahre unterzeichnet worden.

Unter der Leitung von Sieglinde Heymann sind die 19 Mitglieder der Sicherheitspartner immer wieder im Ort unterwegs, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. „Ohne euch hätten wir es bis hierher nicht geschafft“, sagte sie am Dienstagabend in Eichstädt bei der Unterzeichnung des Fortsetzungsvertrages. Die Anfrage, ob die Sicherheitspartner bei der Vehlefanzer Schulwegsicherung helfen würden, erreichte sie vor etwa zwei Monaten. „Ich habe gleich ja gesagt“, erzählte Sieglinde Heymann. „Ich war sehr dafür, aber es war klar, dass ich das auch mit den anderen besprechen müsste.“ Zehn von den 19 Mitgliedern machen mit. So können die fünf Wochentage mit jeweils zwei Leuten abgedeckt werden. Den Dienstplan dafür hat Sieglinde Heymann schon geschrieben, sie selbst wird mit ihrem Mann immer freitags an der Lindenallee sein. Zwischen 6.30 und 8 Uhr sind die Bärenklauer in ihren gelben Warnwesten dort vor Ort – erst mal für zwei Wochen. „Dann gucken wir weiter“, so Sieglinde Heymann.

Am Dienstagabend trafen sich die Sicherheitspartner an der Lindenallee in Vehlefanz mit Revierpolizist Ralf Neumann. Er erklärte, was zu tun und worauf zu achten ist. Er stellte klar: „Egal, was wir tun, wir machen den Schulweg sicherer.“ Das sei die Hauptsache. Es gehe um Präsenz und darum, in schwierigen Situationen Hinweise zu geben. Ralf Neumann hofft auf die Vernunft der Eltern, die Kinder auf dem Netto-Parkplatz rauszulassen, ohne Parkplatz könnten sonst im Bereich der Schule selbst chaotische Verhältnisse entstehen. Er selbst werde dort vor Ort sein, sagte er. Die Sicherheitspartner sollen an der Lindenallee darauf achten, dass sich die Buskinder vernünftig verhalten – dort befinden sich auch noch die Haltestellen –, dass an der Netto-Einfahrt nichts passiere, dass die Ampel vernünftig genutzt werde und dass an der Einmündung zur Bärenklauer Straße alles geordnet ablaufe.

Im Laufe der Woche soll es immer wieder Treffen geben, wo geklärt werden solle, was gut laufe und was vielleicht noch mal geändert werden müsse. Jeanette Schulze vom Oranienburger Polizeirevier dankte den Helfdenden aus Bärenklau schon im Vorfeld. „Sie werden eine große Stütze sein.“ Es sei eine Premiere und bislang einmalig, dass Sicherheitspartner in Brandenburg solche Maßnahmen begleiten.

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Interview der Woche: Die Einsamkeit in der Coronakrise

Donnerstag, den 30. Juli 2020
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Kerstin Laatsch erzählt, wie ältere Menschen in Oberkrämer mit der Pandemie umgehen

MAZ Oberhavel, 30.7.2020

Oberkrämer.
Es ist insbesondere auch für die älteren Menschen eine schwierige Zeit. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus verlangen auch den Seniorinnen und Senioren einiges ab. Über die vergangenen Monate und die aktuelle Situation berichtet Kerstin Laatsch. Die Vehlefanzerin ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer und Koordinatorin des „Hauses der Generationen“ in Vehlefanz.

Es gab kürzlich in Sommerfeld den Fall, dass der Seniorentreff wieder stattfinden sollte, dann aber kurzfristig doch wieder abgesagt worden ist. Die Senioren waren zu besorgt wegen der Sicherheit. Spüren Sie diese Ängste auch in Oberkrämer?
Kerstin Laatsch: Das geht auch ein bisschen von mir selbst aus. Ich habe die Verantwortung für die Senioren. Ich möchte nicht schuld sein, wenn etwas mit ihnen passiert. Allerdings wollen viele Senioren auch wieder zusammenkommen. Aber zum Beispiel in Schwante haben sie die Möglichkeit nicht, weil die Räume zu klein sind. Wir haben alle ein Schreiben mit den Auflagen bekommen, wenn wir die nicht einhalten, dann werden die Räume wieder geschlossen. Oder in Bärenklau: Da kann das Tanzen noch nicht stattfinden, auch die Chöre können noch nicht singen. Immerhin trifft sich aber die Handarbeitsgruppe in Bärenklau.

Das „Haus der Generationen“ war monatelang geschlossen. Was haben Sie in der Zeit gemacht?
Ich habe Aufräumarbeiten erledigt, Dinge, die liegengeblieben sind. Ich habe Fotoalben gestaltet. Ich war allein auf weiter Flur, im Jugendclub war ja auch nichts. Ich habe gerade mal die Gemeindearbeiter gesehen. Das war ein komisches Gefühl.

Wie haben Sie Kontakt zu den Senioren gehalten?
Telefonisch. Ich habe von der Frauenfrühstücksrunde alle Telefonnummern. Wir haben uns auch mal auf dem Parkplatz beim Einkaufen getroffen. Ich habe ja auch Masken genäht und verteilt.

Welche Probleme tauchten in der Höhepunkt-Phase der Coronakrise auf?
So ein bisschen die Einsamkeit. Dass sie die Leute nicht treffen konnten. Es gab auch gesundheitliche Probleme, wo ich vermitteln konnte. Es gab aber nichts Gravierendes, wo ich irgendwie eingreifen musste.

Keine Feiern, keine Treffen, keine Gruppen: Wie war oder ist die Stimmung unter den Senioren in Oberkrämer?
Die waren schon ziemlich geknickt. Wenn ich mal vom Frauenfrühstück ausgehe, das ich organisiere und das normalerweise einmal im Monat stattfindet: Da ging es die ersten beiden Monate noch. Irgendwann hieß es dann aber: Hoffentlich kommen wir bald wieder zusammen. Die waren ja alle zu Hause, die Kinder oder Enkel haben eingekauft.

Gab es private Initiativen?
Ich weiß, dass sich mal kleine Gruppen zum Kartenspielen getroffen haben. In Neu-Vehlefanz haben sie sich kürzlich privat getroffen, um zu besprechen, wie es denn ab September weitergehen könnte.

Seit 1. Juli sind das „Haus der Generationen“ und auch die anderen Gemeindehäuser in Oberkrämer wieder geöffnet. Waren Sie in die Entscheidung eingebunden?
Ich hatte im Vorfeld nachgefragt, weil es auch Nachfragen gab bezüglich eines Beerdigungskaffees. Da hieß es noch, nein, die Häuser bleiben geschlossen. Das war Mitte Juni. Der Bürgermeister gab dann später sein Okay. Ich habe dann das Schild abgenommen, auf dem auf die Schließung hingewiesen worden war. Wir haben uns im Seniorenbeirat getroffen und sind dann die Liste durchgegangen, welche Auflagen es gibt.

Wird es denn wieder Frauenfrühstücke geben?
Wir fangen im September wieder an. Wir werden aber kurzfristig entscheiden, wir wollen aber hoffen, dass die Coronasituation nicht wieder schlimmer wird. Am 15. September wollen wir ab 9.30 Uhr grillen. Wir machen das mit Abstand, und ich hoffe, dass alle einsichtig sind.

Gibt es noch andere Veranstaltungen?
So direkt nicht. Im Juni wäre die Seniorenwoche gewesen. Die sollte erst in den Herbst verschoben werden, aber wir können ja momentan überhaupt keine Verträge mit Künstlern abschließen, da ist es dann ganz abgesagt worden. Die Veranstaltungen an der Mühle in Vehlefanz sind auch alle weggefallen.

An welchem Punkt könnte es wieder normale Veranstaltungen geben?
Da kann ich nichts zu sagen. Noch haben wir die Auflagen der Gemeinde Oberkrämer. Ich kann auch nicht sagen, ob wir dieses Jahr eine Weihnachtsfeier machen können. Wir gehen aber im Seniorenbeirat davon aus, dass wir sie nicht durchführen können. In Eichstädt gibt es wieder Spielenachmittage, bei den Kaffeerunden werden draußen Tische und Bänke aufgestellt, denn der Raum wäre zu klein dafür.

Wären Veranstaltungen in der Turnhalle denkbar?
Mit Abstand wäre es vielleicht möglich. Aber Ideen gibt es da noch nicht.

Was haben Sie persönlich während der Coronakrise am meisten vermisst?
Na ja, auch meine Enkelkinder. Dass ich sie nicht wirklich sehen konnte, das war eigenartig. Ich habe ja Asthma, da muss ich auch aufpassen. Aber es ist klar, dass die Kontakte gelitten haben.

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RTelenovela

Zukunftsangst in Zeiten des Coronavirus

Donnerstag, den 19. März 2020
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Es ist ja nicht nur so, dass uns das Coronavirus Sorgen macht. Dass wir uns Gedanken darüber machen, wie lange das alles dauert. Wie lange wir jetzt zu Hause rumsitzen müssen.
Da ist auch noch die Zukunftsangst, die diffus im Hinterkopf schwirrt. Wenn das alles vorbei ist: Habe ich dann noch meinen Job? Hält mein Arbeitgeber in dieser auch wirtschaftlich hochproblematischen Zeit durch?Wenn man hört, dass andere, ähnliche, wenn auch kleinere Firmen schon Kurzarbeit anmelden, dann wird einem schon mulmig.

Auch in Oranienburg haben am Mittwoch viele Läden geschlossen. Wie lange das dauert, ist unklar. Und wie die finanziellen Verluste sich in Grenzen halten können, auch. Ich hoffe, dass es – wenn wir das alles überstanden haben – meinen Buchladen noch gibt.

Auf meiner kleinen Recherche-Rundtour stoppte ich kurz bei Freunden. Sie haben gerade erst ein neues Lager eröffnet, doch mit Veranstaltungsbedarf ist momentan wenig zu machen, und man kann auch für sie nur hoffen, dass das alles schnell vorübergeht.
In der Disco im Nachbardorf passiert erst mal auch nichts mehr. Das ist bitter, weil es dort seit längerer Zeit mal wieder richtig gut lief, und auch dort passiert beim Veranstaltungsservice, der dort auch betrieben wird, nichts mehr. Kurzarbeit ist schon angemeldet.
Und das sind nur wenige Beispiele. Die Sorgen gibt es jetzt überall.

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Seit 60 Jahren für Senioren im Dienst

Dienstag, den 17. März 2020
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1960 übernahm Inge Meier in Eichstädt ein Ehrenamt, das sie bis heute nicht loslässt – sie leitet den Club der älteren Mitbürger – das Jubiläum ist den meisten im Dorf gar nicht bekannt

MAZ Oranienburg, 17.3.2020

Eichstädt.
Es ist ein Jubiläum, das es vermutlich nicht so oft gibt. Seit 60 Jahren kümmert sich Inge Meier um die Seniorenarbeit in Eichstädt. Die heute 82-Jährige ist die Vorsitzende des Seniorenclubs im Dorf. Schon seit 1960 ist es ihre ehrenamtliche Aufgabe, sich um die älteren Mitbürger – zu denen sie ja inzwischen selbst gehört – zu kümmern.

Und das kam so: Seit 1958 lebt Inge Meier in Eichstädt. Sie stammt aus dem Norden, geboren bei Anklam. Später lebte sie in Stralsund. Inge Meier lernte den Beruf der Erzieherin. Als es darum ging, sich zu bewerben, tat sie das im damaligen Kreis Oranienburg. „Mein Vater war zuvor nach Zühlsdorf gezogen“, erzählt sie. In Eichstädt war damals eine Stelle als Kitaleiterin frei. Das war ihr Start im Dorf. Gleich zu Beginn mit gerade einmal 20 Jahren eine hohe Verantwortung. „Das ist nicht zu empfehlen“, sagt sie schmunzelnd. „Was ich gelernt habe, konnte ich nicht umsetzen. Die Bedingungen waren ganz anders.“ Der Gegenwind durch die Eltern war groß. „Das ging ein paar Jahre so.“ Dann jedoch war sie etabliert, die Arbeit mit den Kindern habe immer großen Spaß gemacht. 40 Jahre blieb sie in der Kita, davon 37 als Leiterin.
Mit den Kitakindern sei sie oft bei den Senioren zu Gast gewesen, um zum Geburtstag zu gratulieren oder zu singen. „Da wurde ich dann angesprochen: Können wir uns nicht mal irgendwann treffen? Das haben wir dann auch gemacht.“ Das war 1960. Damals begann ihre Arbeit mit den Senioren, damals noch über die Volkssolidarität. „Das hat sich alles so ergeben, wir haben uns zusammen etwas aufgebaut.“ Auch wenn sie den Vorsitz hat – alleine war sie in diesem Ehrenamt nie. Heute gibt es im Vorstand des Seniorenclubs fünf Mitglieder. Auch Christa Fritsch ist, wie Inge Meier weiß, schon seit 60 Jahren dabei.

In sechs Jahrzehnten seien viele gekommen und gegangen. „Aber ich habe jetzt die erste in der Gruppe, die ich auch im Kindergarten hatte“, erzählt sie. „Anfangs waren wir so um die 15 Leute, das hat sich später gesteigert.“ In den 90ern war die Aktivität im Seniorenclub zwischenzeitlich nicht ganz so groß, die Kaffeenachmittage habe es aber immer gegeben. „Als ich 1998 aufgehört habe zu arbeiten, da konnte ich dann auch neue Kraft reinstecken.“ Inzwischen ist die Gruppe um die 25 bis 30 Leute stark.
Die Kaffeenachmittage im Saal des Gemeindehauses in Eichstädt sind immer sehr gut besucht. Nur die Suche nach einer Nachfolgerin oder einem Nachfolger, der die Leitung des Clubs übernehmen könnte, ist offen. Mit ihren 82 Jahren denkt Inge Meier verstärkt darüber nach.

Durch die Corona-Krise sind nun auch die Veranstaltungen der Senioren in Eichstädt ausgesetzt. „Aber es gibt ja das Telefon“, sagt Inge Meier. So könne zu den anderen ebenfalls Kontakt gehalten werden. Sie selbst strickt außerdem sehr gern, und auf ihrem Tisch liegt immer ein Tablet. Auf dem handlichen Computer löst sie Rätsel, sucht über Google aber auch schon mal nach Dingen, die sie interessieren. „Das ist schon eine tolle Erfindung“, findet sie.

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Händeschütteln in Zeiten von Corona

Sonntag, den 8. März 2020
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Ein Lächeln statt eines Händedrucks. Seit einiger Zeit gibt es diesen Hinweis in der Eichstädter Gemeindeverwaltung: „Wir sind nicht unhöflich, wir sind umsichtig. Wir verzichten auf das Händeschütteln und schenken Ihnen ein Lächeln.“ Auch beim Jahresempfang der Gemeinde Oberkrämer am Freitagabend in Marwitz war dieser Hinweis zu lesen.

Gute Sache, eigentlich. Stichwort: Coronavirus und mögliche Ansteckung. Das Problem ist nur: dieser Reflex! Es ist einfach so in uns drin: Wir begegnen einem Menschen, wir treffen ihn, und wir wollen uns die Hand geben. weil man das ja schließlich immer so macht.
Es ist eine regelrechte Überwindung nötig, dass man dran denkt: Ach ja, wir sollen und wollen ja nicht mehr die Hände schütteln. Also, vorerst.

Ich gebe zu: Ich habe es am Freitagabend in Marwitz trotzdem getan. Natürlich mit schlechtem Corona-Gewissen. Zum Glück war aber auch Desinfektionsmittel im Saal vorhanden.

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Abschied nach 27 Jahren

Freitag, den 21. Februar 2020
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Peter Matschke, Justiziar und stellvertretender Bürgermeister von Oberkrämer, steht vor Jobwechsel

MAZ Oranienburg, 21.2.2020

Eichstädt.
Das Gefühl, auf der Schlussetappe zu sein. Anfang der Woche hat sich das bei Peter Matschke eingestellt. Er sitzt in seinem Büro in der Verwaltung der Gemeinde Oberkrämer in Eichstädt, und es wird nur noch wenige Tage sein Arbeitsplatz sein. Der 57-Jährige gibt sein Amt als Justiziar und stellvertretender Bürgermeister auf. Am 28. Februar gibt er am Vormittag seinen Abschied – nach 27 Jahren. Er wird stellvertretender Leiter der Brandenburgischen Kommunalakademie in Potsdam.

„Es gab bei mir die Überlegung, wie es weitergeht“, sagt er. „Viele hatten mich auch angesprochen, ob ich in vier Jahren der Nachfolger von Peter Leys als Bürgermeister werden möchte.“ Mehrere Wochen habe er überlegt und abgewägt. Bis zum Oktober dauerte das. Er entschied sich letztlich für die Bewerbung in Potsdam. „Es ist aber keinesfalls so, dass ich der Arbeit in Oberkrämer überdrüssig bin“, stellt er klar. Das Verhältnis zum Bürgermeister und den Mitarbeitern in der Verwaltung sei „ohne Fehl und Tadel“. Die Zusammenarbeit mit Peter Leys bezeichnet er als professionell, vertrauensvoll und auch freundschaftlich. „Ich hatte Peter Leys auch frühzeitig in meine Überlegungen eingebunden, es war mir wichtig, wie er darüber denkt.“

Peter Matschke stammt aus dem Ruhrgebiet. „Groß geworden bin ich in Gladbeck.“ Es folgte ein Studium in Bochum, das Referendariat in Münster. Inzwischen lebt er in Oranienburg. Er kam im Frühjahr 1993 in die Region. „Da hatte ich gerade das zweite Staatsexamen in Nordrhein-Westfalen abgelegt.“ Von dort aus hatte er auch die Wende mitverfolgt. „Meine Überlegung war: Es ist eine Herausforderung und reizvoll, hier etwas mitzugestalten und entwickeln zu können.“ In den alten Bundesländern hatte er so eine Chance auf Veränderungen nicht gesehen. „Aber hier wurde eine Verwaltung aufgebaut, sie musste sich finden und entwickeln.“ Dabei wollte er mitmachen, sich der Herausforderung stellen, Strukturen aufzubauen.
Damals ist ein Justiziar für die damaligen Ämter Oberkrämer, Kremmen und die Gemeinde Leegebruch gesucht worden. „ Ich wollte mich einbringen.“ Als er 2008 stellvertretender Bürgermeister in Oberkrämer geworden ist, „wurden die Aufgaben immer vielfältiger, und mein Zeitkontingent reichte nicht mehr aus.“ Somit konzentrierte er sich ganz auf Oberkrämer.

Ein Wessi und ein Jurist. Kam das gut an in der Region? „Ich bin ja bis heute bemüht, dass Herkunft und Beruf keine Rolle spielen. Und auch 1993 wollte ich genau das nicht zum Ausdruck bringen.“ Er sieht sich vielmehr als „Wossi“, und er ergänzt: „Ich fühle mich total angekommen und akzeptiert.“ Immerhin lebt er nun schon 27 Jahre – also die Hälfte seines Lebens in der Region. Direkt nach Oberkrämer gezogen ist er jedoch nie. „Wir wohnen in Oranienburg. Das ähnelt dem städtischen Wohnen, wie ich es immer gewöhnt war.“ Durch die Landesgartenschau habe die Stadt einen großen Satz nach vorn gemacht. Dort will er auch wohnen bleiben, wenn er künftig in Potsdam arbeitet.

Oberkrämer aber war sein Wirkungsbereich. Er freut sich, dass er „als Justiziar der Gemeinde dabei mitwirken konnte, dass ein solides und rechtlich abgesichertes Ortsrecht geschaffen werden konnte.“ Mit den Mitgliedern der kommunalen Gremien habe er immer konstruktiv, vertrauensvoll „und gern auch kontrovers“ diskutiert. „Vielleicht ist es mir sogar auch gelungen, mit meinem Wirken das positive Erscheinungsbild und Ansehen der Gemeinde Oberkrämer ein wenig mitgeprägt zu haben.“ Und er ergänzt: „Sollte es so sein, freut mich das natürlich am meisten.“

Aber es habe auch schwierige Zeiten gegeben. „Wenn ich an das Schloss Schwante denke“, sagt er. Der Immobilienskandal rund um den damaligen Pächter sorgte zur Jahrtausendwende für Wirbel. „Das hätte ich mir nicht vorstellen können, dass dort so starke politische Einflüsse genommen werden.“ Auch die Diskussion um die mögliche Errichtung eines riesigen Factory Outlet Centers bei Karlsruh an der Autobahn hatte damals für Diskussionen gesorgt. „Ich fand es einerseits reizvoll, aber es hätte auch einen tiefen Einschnitt in den Charakter der Region gehabt.“
Er sagt: „Kein Mensch ist fehlerlos.“ Es gebe Situationen, die sich manchmal im Nachgang anders darstellen. Aber dass er in seinen 27 Jahren in Oberkrämer etwas „wirklich verbockt“ habe, das könne er nicht sagen.
Ab März arbeitet er dann in der größten kommunalen Aus- und Fortbildungsstätte für kommunale Bedienstete in Brandenburg. Schon in den vergangenen Jahren war er dort nebenher als Dozent tätig. Nun wird er stellvertretender Leiter.

Wehmut ist trotzdem dabei. „So eiskalt ist man da sicher nicht. Aber der letzte Tag soll auch kein Trauertag werden. Ich werde die Region nicht aus den Augen verlieren“, sagt er.

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