RTelenovela

Die Stadt in der Alb

Sonntag, den 13. Juni 2010
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Am Morgen in Albstadt. Ich blicke auf die Berge, und heute sind diese Berge sogar ganz gut zu sehen. Das soll ganz und gar nicht täglich der Fall sein.

Albstadt an sich gibt es gar nicht. Albstadt heißt nur das Gebilde, das aus mehreren Orts- und Stadtteilen besteht, das in den 70er-Jahren zu einer Stadt zusammengeschlossen ist. Es liegt in Baden-Württemberg auf dem halben Weg zwischen Stuttgart und dem Bodensee.
Einen Ort, der Albstadt heißt, findet man also nicht auf der Landkarte. Ich bin zum Beispiel gerade in Ebingen.
So ähnlich ist es mit Oberkrämer in Oberhavel. Oberkrämer heißt das große Ganze, direkt einen Ort, der so heißt, gibt es nicht. Ebenso Diemelstadt in Hessen. Den Namen hat sich auch irgendwer einfallen lassen, als die dortigen Orte zusammengefasst wurden.

Aber auch Ebingen ist ein seltsamer Ort. Überall, wo noch Platz war, wurden einst Gebäude erreichtet. Ein System ist dabei nicht zu erkennen. Dementsprechend verlaufen die Wege kreuz und quer. Immer wieder tauchen völlig überraschend Treppen und Parkplätze auf. In Sachen Schönheit würde Ebingen wohl keinen Preis bekommen.
Die Stadt ist viel mehr ein Sammelsurium von Häusern, hässlichen Blöcken, Einkaufszentren und Ladenstraßen. Ein Blick auf “Google Maps” lohnt sich, denn ein Straßensystem ist ebenfalls nicht zu erkennen.
1944, im Zweiten Weltkrieg, wurde auch Ebingen von einem Bombenangriff erschüttert, danach scheint alles eher funktionell wider aufgebaut worden zu sein. Es gibt wenig Grün in der Stadt, keinen Park, keinen Fluss oder See. Wenig Lebens- und Liebenswertes. Bis auf einen kleinen Marktplatz, an dem viele Fachwerkhäuser stehen, der jedoch durch einen hässlichen Hausklotz am Rande verschandelt ist.
Sehenswert ist dagegen das Gebiet rund um den Stadtgraben: Enge Gassen, alte Häuser – es wirkt wie irgendwo in Spanien oder Italien.

Wer raus will aus Albstadt – der braucht lange. Schon bis Stuttgart dauert’s eine Weile. Die Kreisstadt Balingen ist 20 Minuten entfernt, aber auch nicht sehr groß.

Immerhin gibt es hier zwei Tageszeitungen: Der Zollern-Alb-Kurier hat nach eigenen Angaben die größere Auflage. Das hübschere Layout hat jedoch aus meiner Sicht der Schwarzwälder Bote, der in Albstadt eine von weit mehr als 20 Lokalredaktionen hat. Irritierend ist dabei nur, dass der Zollernalbkreis mit Albstadt gar nicht zum Schwarzwald gehört.

Albstadt und insbesondere Ebingen ist eine Studentenstadt. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen bringt junge Leute in die Stadt. Aber irgendwie zogen die Stadtstrippenzieher keine Vorteile draus. Wenn man Studenten auf ihre Wahlheimat anspricht, werden sie schmallippig. Und ich kann verstehen, warum. Albstadt ist nicht wirklich ein Touristen- oder Wohnmagnet.

RTelenovela

München – Ebingen: (K)ein Katzensprung

Samstag, den 12. Juni 2010
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Von München bis zum Albstädter Stadtteil Ebingen? Ich dachte so an zwei Stunden. Ist doch ein Katzensprung von der bayerischen Hauptstadt in die Schwäbische Alb. Und da ich diesmal das Navigationsgerät meiner Eltern dabei hatte, musste ich mir um die Wegfindung keine Sorgen machen.
Im Nachhinein stellte sich das als sehr gut heraus. Und um es vorweg zu nehmen: Die Fahrt dauerte fast dreieinhalb Stunden. Was nicht an den Staus lag. Es gab keine Staus.

Aus München ging es über die A96 raus aufs bayerische Land. Laut Navi führte mich mein Weg direkt vorbei am Ammersee. Gesehen habe ich ihn nicht, die Strecke ist so zugebaut, dass der Blick versperrt ist. Vielleicht auch ein Stück Lärmschutz.

Bei Memmingen ging’s weiter auf die A7. Wahnsinn, wie lang diese Autobahn ist. Ich kenne sie bislang nur von den Teilstücken rund um Hamburg, Hannover bis runter nach Hessen. Dabei geht die A7 durchs ganze Land, bis eben nach Bayern. Aber schon an der nächsten Abfahrt, bei Berkheim, verließ ich die Autobahn.
An den Namen Albstadt war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Ich befand mich nun auf der B312.

Gerade im Westteil Deutschland ist es ja normalerweise so, dass man von der Autobahn mekist nie sehr lange braucht, bis man an seinem Ziel angekommen ist. Das kann man für Albstadt nicht gerade behaupten.
Aber immerhin überfuhr ich nun die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Selbst auf den Kilometerwegweisern kam der Ort Albstadt nicht vor. Dafür erfuhr ich, dass es noch rund 100 Kilometer bis Reutlingen sind. Somit war zumindest klar, dass ich nicht komplett in die falsche Richtung fahre.
Ich fuhr durch Orte, von denen ich noch nie gehört habe: Ochsenhausen zum Beispiel. Oder Edenbachen. Kleine Dörfer, abseits von allem. Die nächste Stadt ist weit entfernt. Die nächste Großstadt eine längere Tour.
Von Biberach habe ich immerhin schon mal gehört, da habe ich dann auch erst mal eine kleine Pause eingelegt, weil das Ganze irgendwie kein Ende zu nehmen schien, und das Navi sagte mir weitere 70 Minuten voraus.
Diverse weitere Minidörfer mit Stallgeruch und wenigen Häusern hatte die B312 noch zu bieten. Und ich dachte, in der ostdeutschen Provinz – in der Uckermark oder in Uecker-Randow – sei es furchtbar. In dieser Region muss es auch schrecklich öde sein.

Überraschung in Hailtingen: Dort steht ein großes Schloss auf einem Hügel. Später habe ich erfahren, dass es sich um eine Burg handelt: Burg Hailtingen.
Irgendwann leitete mich das Navi von der Bundesstraße über kleine städtische Straßen durchs Nirgendwo. Zwischenzeitlich war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt noch auf dem rechten Weg bin. Aber dann: Albstadt 19 Kilometer. Endlich.

Irgendwann erreichte ich dann tatsächlich Albstadt – oder besser Ebingen. So eine Fahrt in die schwäbische Provinz-Provinz dauert dann wohl doch mehr als nur einen Katzensprung.

aRTikel

Beim letzten Konzert flossen Tränen

Montag, den 7. September 2009
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Musik: Maxi und Martin verabschiedet

MAZ Oranienburg, 7.9.2009

HENNIGSDORF
Mehr als zwei Stunden voller Melancholie, leisem Humor und Abschiedsschmerz. Das alles in 27 wunderbaren Liedern. Mit ihrem letzten Konzert an der Musikschule Hennigsdorf setzten Maxi Ulrich und Martin Girard am Freitagabend im Stadtklubhaus ein ganz großes Ausrufezeichen. Bevor die beiden Oberhavel endgültig verlassen, wollten sie noch mal auf der heimischen Bühne stehen. Maxi wohnt bereits wegen ihrer Lehre zur Atem-, Sprach- und Stimmlehrerin in Bad Nenndorf (Niedersachsen), Martin zieht in den nächsten Wochen zum Studieren nach Cottbus.

Seit Wochen probten sie für das Konzert, und etwa 150 Gäste wollten sich den Gesangsabend nicht entgehen lassen. Florian Nikolai präsentierte drei seiner selbst geschriebenen Songs – ruhig und doch locker, fröhlich und doch melancholisch. Diese Stimmung zog sich durch den ganzen Abend. Die Liedauswahl war beeindruckend: Rio Reisers und Marianne Rosenbergs „Der Traum ist aus“, sang Maxi Ulrich, an der Gitarre begleitet von ihrem Freund Florian Nikolai. Davor Grönemeyers „Land unter“ mit Martin Girard, Henry Wilke und Sabrina Ulrich, die Hennigsdorf bald in Richtung Albstadt (Baden-Württemberg) verlassen wird.

Am Ende flossen dann Tränen. Auf der Bühne und vor der Bühne. „Zehn Jahre Musikschule gehen jetzt für mich vorbei“, sagte Maxi Ulrich. „Und ich glaube, dass ich mit einem Lächeln gehe.“ Rolf-Peter Büttner, stellvertretender Leiter, war ebenfalls gerührt. Er danke den Akteuren für den emotionalen Abend. „Und nicht nur für diesen Abend, auch für viele Jahre.“ Es folten viele Blumen, Umarmungen, und Ovationen.