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Günther Jauch: Die Schlagloch-Republik – geht Deutschland kaputt?

Montag, den 1. Juli 2013
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SO 30.06.2013 | 21.45 Uhr | Das Erste

Achtung, Breaking News! Deutschlands Twitter-Nutzer schreiben sich schon die Finger wund, alle sind sie empört, verwundert und belustigt. Etwas Unfassbares ist passiert: Günther Jauch hat über Schlaglöcher gesprochen! Schlaglöcher!!! So was Boulevardeskes!
Es ist nicht, wie erwartet, das Thema der Woche – jedenfalls aus Sicht der Internetuser, die in Foren, bei Twitter und auf Medienseiten palavern -, über das Jauch das in seiner sonntäglichen Talkshow spricht: Das hätte eigentlich Prism und die Internetüberwachung sein müssen. Der in der Tat unglaubliche Skandal.

Aber Günther Jauch hat sich stattdessen über Deutschlands Löcher in den Straßen unterhalten. Das Echo bei Twitter und Co. war riesig. Die Medienseite DWDL rief schnell bei Jauch an, um zu wissen, wie denn das mit der Relevanz sei und veröffentlichte gleich mal einen Sonderbericht.

Huijuijui! Was für eine Aufregung!
Tatsächlich ist das Problem der Internetüberwachung ein wichtiges. Was da passiert, ist in der Tat ein Skandal, über den man reden sollte. Aber ist es ein MUSS, dass auch Günther Jauch darüber spricht?
Ich glaube, dass Prism und Co. beim Fernsehvolk momentan noch gar nicht so eine große Relevanz haben. Kommt vielleicht noch, aber jetzt ist das Ganze für die Leute noch gar nicht greifbar. Deshalb ist das außerhalb der Medienbranche und der Facebook- und Twitterwelt (noch?) nicht wirklich ein großes Thema.

Klar, ob es nun gerade diese Woche nötig war, in Deutschlands meistgesehenem Polittalk über Schlaglöcher zu sprechen, sei dahingestellt. Ein wenig überraschend war das schon. Das Thema ist ja schon seit Monaten aktuell, es ist aber eines, was wirklich alle Leute betrifft und zu dem alle was sagen können. Schließlich tun sich seit Monaten Monsterschlaglöcher in den Bundes- und Landesstraßen auf, die nicht mehr wirklich geflickt werden, weil kein Geld dafür da ist. Und warum soll sich Jauch nicht mal einem populistischem Thema annehmen? Weil es zu poplig erscheint?
Die Internetwelt hat nun jedenfalls mal wieder ein Thema, über das sie tratschen kann.

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Deutschland sucht den Superstar – Das Magazin: Vor dem Finale 2011

Samstag, den 7. Mai 2011
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SA 07.05.2011 | 17.45 Uhr | RTL

Und der Gewinner ist: RTL! Der Kölner Privatsender ist mit der achten Staffel von „Deutschland sucht den Superstar“ weiter auf der Gewinnerspur. Im Durchschnitt verfolgten 6,32 Millionen Zuschauer die Sendungen in diesem Jahr – so viele wie seit Staffel eins (2002/03) nicht mehr.

“Das Magazin” zählte heute den großen Countdown. Heute Abend läuft ab 20.15 Uhr das Finale. Damit endet eine Serie von Schicksalen, Streits und Skandalen. RTL sucht keinen Superstar mehr, sondern veranstaltet eine ewige Seifenoper. So krass wie in dieser Staffel war es allerdings noch nie.

So stritten sich die beiden Kandidatinnen Anna-Carina und Nina dermaßen, dass mal die eine, mal die andere vor laufender Kamera zusammenbrach. Ausschnitte davon liefen natürlich in der großen Mottoshow. Die Muttis der beiden Mädchen keifen sich ebenso an wie die Fans.

Moderator Marco Schreyl machte mit schlüpfrigen Bemerkungen von sich Reden. Die Boulevardpresse zelebrierte daraus einen unappetitlichen Schwulen-Skandal und forderte indirekt Schreyls Rausschmiss. Das Internet-Medienmagazin DWDL sah sich zu einer Geschichte über Homosexuelle im Showbusiness gezwungen und nahm Marco Schreyl als Aufhänger dafür.
Der Moderator und ein angeblicher Computerfehler sorgten Anfang April zudem für eine Votingpanne. Schreyl verwechselte zwei Telefonnummern seiner Kandidaten, auch falsche Einblendungen verwirrten die Zuschauer. RTL brach die Abstimmung ab und verschob das Finale um eine Woche. Was natürlich auch einen Sonnabend mehr höhere Quoten bedeutet – bei RTL sorgte die Panne somit sicher nicht nur für Trauer.

Die neue Jury dagegen blieb extrem blass. Neben Dieter Bohlen sitzen der Schweizer Sänger Patrick Nuo (28) und die Musikerin Fernanda Brandao (28). Zu sagen haben sie wenig. Vielleicht wollten sie bislang nicht, vielleicht konnten sie auch nicht. RTL-Unterhaltungschef Tom Sänger lässt jedenfalls offen, ob die beiden in Staffel neun erneut dabei sein werden. Ganz anders als Dieter Bohlen – der verkündete gestern Abend schon mal, dass seine beiden Jurykollegen in der nächsten Staffel nicht dabei sein werden. Gefeuert vor dem Finale. So ist er, der Dieter.

Ach ja, zwei Finalisten gibt es natürlich auch. Obwohl sie nicht wirklich wichtig sind. Die eigentlichen Talente und Favoriten mussten die Show längst verlassen. Übrig geblieben ist Sarah Engels (18) aus Hürth bei Köln. Sie wurde vom Publikum eigentlich längst abgewählt, kam später dann jedoch als Nachrückerin wieder dazu. Sie tritt gegen Pietro Lombardi (18) aus Karlsruhe an. Um die Sache brisanter zu machen, berichtet die einschlägige Jugend- und Boulevardpresse genüsslich darüber, dass die beiden ein Paar sind. Den Siegertitel „Call My Name“ produziert Dieter Bohlen. Ob danach vom Sieger je wieder etwas zu hören ist, darf bezweifelt werden. Oder ist die Karriere vom Vorjahresgewinner Mehrzad Marashi doch noch nicht den Bach runtergegangen?

(auch in der MAZ – Die Märkische, 7.5.2011)

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ZDFinfo spezial: Al Arabiya live

Samstag, den 5. Februar 2011
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FR 04.02.2011 | 12.32 Uhr | ZDFinfokanal

Deutschlands Medienjournalisten sind in Aufruhr: Da erdreisten sich doch ARD und ZDF, in ihren Hauptprogrammen keine 24-Stunden-Ägypten-Berichterstattung anzubieten. Was für eine bodenlose Frechheit, was für eine Unfähigkeit, was für eine Gebührenverschwendung. Da zeigen sie doch lieber Kochshows und Telenovelas.
So ereifern sich seit ein paar Tagen die Frankfurter Allgemeine Zeitung, der Internetmediendienst DWDL und viele weitere Zeitungen und Internetdienste auf ihren Medienseiten.

Tja, schlimm! Da beschränkt sich Das Erste am Mittwoch doch glatt nur auf die Tagesschau. Um 5.30, 6.00, 6.30, 7.00, 7.30, 8.00, 8.30, 9.00, 10.00, 12.00, 14.00, 15.00, 16.00, 17.00, 18.50, 20.00 und 2.25 Uhr. Und auf Berichte im Morgenmagazin, Mittagsmagazin, im “Brennpunkt”, bei “Hart aber fair”, in den Tagesthemen und dem Nachtmagazin. Außerdem stundenlang live bei Phoenix sowie immer wieder auf EinsExtra. Das ist einfach viel zu wenig. Da passiert doch so wahnsinnig viel in Ägypten, da muss auch schon mal laufende Programm im Ersten unterbrechen!

Aber interessiert sich die überwiegende Zahl der Deutschen tatsächlich übermäßig für die Ereignisse in Ägypten? Ein “Brennpunkt” am Donnerstag erreichte nicht übermäßige vier Millionen Zuschauer, ein “Kontraste extra” nicht mal drei Millionen. Für wen regen sich FAZ und DWDL so auf?
So lamentierte ein DWDL-Schreiber am Montag, dass viele, viele Leute die Nachrichtensendungen verfolgt hätten, und trotzdem keine Ägypten-Sondersendungen liefen. Tatsächlich hielten sich ARD und ZDF am Wochenende eher bedeckt. Das echte Interesse der Menschen galt da jedoch dem Zugunglück in Sachsen-Anhalt. Davon schien widerum bei DWDL niemand etwas mitbekommen zu haben.
Was steckt hinter dem hysterischen Aufruhr? Ein Egotrip der Medienschreiber? Themenmangel?

Am Freitag bot der ZDFinfokanal Live-Bilder des arabischen Nachrichtensenders Al Arabiya. Das Ganze wurde übersetzt und von Experten kommentiert. Im Grunde genau das, was die FAZ-Schreiber gern von ARD und ZDF wollen: Ägypten live. Und was war zu sehen? Ein verschwommenes Live-Bild von Menschen, die auf einem Platz stehen und demonstrieren. Das war wirklich sehr … na ja, das konnte man sich mal ein paar Minuten ansehen. Das “ZDFinfo spezial” ist in Wirklichkeit ein Angebot, das eher als Zusatz angesehen werden kann. Nicht ganz uninteressant, aber auch kein echter Mehrwert.

Die Berichterstattung von ARD und ZDF ist gut. Dass die Sender lange Live-Strecken am Nachmittag freihalten sollen, ist ein unsinniger Vorschlag. Die Revolution von Ägypten ist ein wichtiger Vorgang, aber nicht so einschneidend wie beispielweise der 11. September 2001.
Liebe FAZ- und DWDL-Kollegen, lasst doch mal die Kirche im Dorf!

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DWDL: Gottschalks Millionengewinn und der Sperrfrist-Irrsinn

Donnerstag, den 20. November 2008
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DO 20.11.2008 | DWDL.de

Ganz toll, DWDL! Der Internet-Mediendienst verriet seinen Lesern unter der Überschrift “Gottschalks Millionengewinn und der Sperrfrist-Irrsinn” lange vor 23.15 Uhr, was eigentlich erst um 23.15 Uhr bekannt war: dass Thomas Gottschalk bei der Promi-Ausgabe von “Wer wird Millionär?” (RTL) die Million abräumt.
DWDL tut ganz aufgeregt. Das böse RTL habe die Nachricht schon am Nachmittag rausgegeben, damit die Zeitungen die Meldung schon morgen veröffentlichen können.
DWDL brach die Sperrfrist – “aus gutem Grund”, wie der Mediendienst schreibt. Der Leser suchte vergebens nach dem guten Grund. Stattdessen fand er nur hämische Bemerkungen, dass ja die Zeitung völlig überholt sei, ein Modell von gestern. Großes Unverständnis, dass die RTL-PR-Abteilung dieses überholte Medium so unterstützt. Und: In ersten Druckauflagen würden die Zeitungen das Ergebnis ja auch schon vor Sendungsende rausposaunen.
Was DWDL ignoriert: Die wenigsten Internetbenutzer stießen bisher auf die Nachricht. Die hatten diese Zeitung bisher allermeistens nicht in der Hand. Wer sich in der Werbepause bei DWDL zwischendurch informieren wollte, erfuhr also etwas, was er noch gar nicht erfahren wollte.
Selbst wenn die Internetversionen der Zeitungen auch schon vorab berichtet haben sollen: Das eigentlich bis heute seriöse DWDL hätte das nicht nötig gehabt.
Ganz toll, DWDL! Ein ärgerliches, peinliches Eigentor. Aus gutem Grund? Nein. Aus völliger Überheblichkeit.