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Westpol: Sauerland-Abwahl in Duisburg

Montag, den 13. Februar 2012
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SO 12.02.2012 | 19.30 Uhr | WDR

Anderthalb Jahre nach der Love-Parade-Katastrophe in Duisburg muss Oberbürgermeister Adolf Sauerland gehen. Die Duisburger haben ihm die rote Karte gezeigt, das Abwahlverfahren war erfolgreich.

In Nordrhein-Westfalen war das am Sonntag sicherlich die wichtigste Nachricht. In einem hochdemokratischen Akt haben sich die Duisburger dafür ausgesprochen, dass Adolf Sauerland seinen Bürgermeisterstuhl räumt. Ohne dieses Votum hätte er da noch ewig draufgesessen und starrköpfig davon gefaselt, er habe das Unglück schließlich nicht zu verantworten.

All das hätte der WDR in einer Sondersendung noch einmal darlegen können. Doch als kurz nach 19.30 Uhr das Ergenbis verkündet wurde, war der WDR nicht live dabei. Die “Aktuelle Stunde” war bereits beendet. Im Politmagazin “Westpol” lief stattdessen ein Beitrag über Hühnchenställe. Erst danach schaltete man live zum Reporter in Duisburg und zeigte die Verkündung des Wahlergebnisses als Aufzeichnung. Dazu noch ein paar warme Worte vom Reporter, und schon wendete sich “Westpol” dem nächsten Thema.
Warum war der WDR nicht live dabei? Und warum konnten nicht mal ein paar Reaktionen eingefangen werden?

Sehr vorsichtig ausgedrückt: So ganz optimal lief das nicht beim WDR mit der Wahlberichterstattung aus Duisburg.

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An einem Tag in Duisburg – Todesfalle Loveparade

Dienstag, den 12. Juli 2011
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DI 12.07.2011 | 20.15 Uhr | ZDF

Ein Jahr ist sie nun schon her, die Katastrophe bei der Duisburger Loveparade 2010. Die Doku “An einem Tag in Duisburg” am Dienstagabend im ZDF zeigte das haarsträubende Scheitern aller Beteiligten.
Die Veranstalter, die mit aller Macht, ihr Ding durchziehen wollten. Ein Bürgermeister, der mit Macht seine Prestigeveranstaltung durchziehen wollte. Zweifelnde Rathausmitarbeiter. Nachfragende Zeitungsreporter. Verzweifelte Helfer. Überforderte Ordner. Ein kaum existierendes Kommunikationsnetz.

Um die Doku noch dramatischer zu machen, reicherte das ZDF seinen Film mit nachdrehten Szenen an. Auch wenn manches ein wenig überzeichnet wirkte, die Veranstalter als komplett geld- und herrschsüchtig, der Bürgermeister als komplett blöd und die Presse als “Wir haben es ja schon immer gewusst” (aber entsprechende Artikel waren im Film nicht zu sehen).
Auch wenn das alles einen ganz leicht bitteren Nachgeschmack hinterließ: Dieser Film erschütterte. Wieder. Dieser Film macht wütend. Wieder.

Die Fragen dürfen doch erlaubt sein. Der Bürgermeister-Popanz Adolf Sauerland sitzt noch immer mit seinem breiten Hintern auf seinem Chefsessel. Es tut ihm Leid, sagt er. Er übernimmt die moralische Schuld, sagt er. Nach einem verdammten Jahr sagt er das. Dass er immer noch in Duisburg das Sagen hat, ist ein Skandal. Haben sich die Leute in der Ruhrstadt etwa doch wieder an ihn gewöhnt?
Was ist mit Rainer Schaller, dem Veranstalter? Noch 30 Minuten vor der tödlichen Massenpanik, sagte er live in die WDR-Kameras, alles sei tuttipaletti. Dabei war der Mann überfordert, sein Konzept war ein Witz. Bei der skandalösen Pressekonferenz am Tag nach dem Unglück, hatte er nichts besseres zu tun, als von einem Zettel abzulesen und dann zu schweigen.
Obendrein belogen die Veranstalter die Öffentlichkeit, in dem sie sagten, Millionen Menschen kämen zur Parade – alles nur PR-Scheiße.

Stattdessen schiebt sich immer noch jeder jedem die Schuld zu. Da kann man doch nur kotzen. Schämen sollt ihr euch. Und die Strafe bekommen, die ihr verdient. Es wird höchste Zeit!

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WDR extra: Die Katastrophe von Duisburg – Pressekonferenz im Rathaus

Sonntag, den 25. Juli 2010
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SO 25.07.2010 | 12.00 Uhr | WDR

Nach der Katastrophe auf der Love Parade in Duisburg herrscht Ratlosigkeit. Und Ahnungslosigkeit. Und Scham.
Die Pressekonferenz zum Unglück, das 19 Tote forderte, brachte nur wenig neue Erkenntnisse. Da saßen vier Männer, die eigentlich nichts zu sagen hatten. Oder nichts sagen wollten. Und nichts sagen durften.
Thomas Heyer, der Moderator von “WDR extra”, fand im Anschluss an die Live-Übertragung deutliche Worte. Sichtlich bewegt und verärgert sagte er, dass er eine solche PK noch nie erlebt habe. Da wurde rumgedruckst, rumgeseiert, bedauert und auf die Ermittlungen verwiesen. Eine ärgerliche Veranstaltung.

Der WDR zeigte eine extrem emotionsbeladene Pressekonferenz. Völlig zurecht fragten die Journalisten sehr hart nach. Die Fragen nach der Größe des Platzes. Nach den Vorbehalten, ob das Sicherheitskonzept in Ordnung gewesen sei. Ob denn nicht schon vorher. Die Herren schwiegen weitgehend, zeitweise musste sogar der Pressesprecher aus der zweiten Reihe antworten. Er konnte nicht viel mehr als Stammeln.

Klar ist wohl nur: Es wird keine Love Parade mehr geben. Organisator Rainer Schaller verkündete das Aus für das Event. Vielleicht auch ein Eingeständnis, dass die Parade für ihn und die Städte im Ruhrgebiet wohl nicht zu stemmen waren. Die Love Parade braucht Platz, eine freie Fläche. Oder besser: Sie hätte das gebraucht.

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Breaking News: Massenpanik bei Love Parade

Sonntag, den 25. Juli 2010
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SA 24.07.2010 | 21.00 Uhr | n-tv

Bei n-tv werden die Moderatorinnen so lange gequält, bis sie nicht mehr können: Bitte entschuldigen Sie, aber ich sitze auch schon ziemlich lange auf diesem Stuhl. Und das stimmte sogar.
Katastrophe auf der Love Parade in Duisburg. Eine Massenpanik an einem Tunnel forderte 18 Tote. Aus einer Party wurde eine schreckliche Tragödie.

Und n-tv lief am Sonnabendabend zu Höchstform auf. Oder versuchte es zumindest.
Die n-tv-Moderatorin musste lange, sehr lange auf ihrem Stuhl ausharren, bis kurz nach Mitternacht dauerten ihre “Breaking News”. Und das, was n-tv mitunter geboten hat, war unterste Boulevardschublade.

An sich hat es der Nachrichtensender gar nicht so falsch gemacht. Passiert eine Katastrophe, muss ein Sender wie n-tv permanent berichten, wie in einer Dauerschleife. Somit werden die Leute, die nach Hause kommen, sofort informiert. N24 gab sich da nicht wirklich Mühe.
Das, was n-tv aber zeitweise über den Sender schickte, war oft gruselig.
Ein Interview mit Zeugen gegen 21.35 Uhr dauerte ungelogen weit mehr als zehn Minuten. Live. Wie haben Sie sich gefühlt? Wo waren Sie denn? Und beschreiben Sie mal – ohne die schlimmen Details zu erzählen (ja, ja). Und was passierte denn genau? Und wie haben Sie sich da noch mal gefühlt? Und wann sind Sie denn hergekommen? Und wie sah es denn im Tunnel aus? Das Gespräch nahm kein Ende, die drei Frauen wurden vom n-tv-Reporter einfach nicht nach Hause gelassen.

Dazu irgendwelche Filmschnipsel in einer Dauerrotation. Ständig dieselbe Feuerwehr, die in den Tunnel fuhr, immer derselbe Schwenk. Und wieder die Feuerwehr und wieder der Schwenk.
Der Internetreporter quasselt auch noch ein bisschen, erzählt, was seine persönliche Bekannte, eine Sanitäterin, vor Ort so erlebt. Jeder darf sagen, was er irgendwo gehört hat.

Und als die “Breaking News”-Moderatorin im Studio gegen 23.50 Uhr schon wieder das Statement von Herrn X und Frau Y verlesen muss, atmet sie einmal ganz tief durch. Vielleicht hat ihr die Regie gerade gesagt, dass sie nun doch bald Feierabend hat.

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WDR extra: Massenpanik bei der Love Parade

Samstag, den 24. Juli 2010
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SA 24.07.2010 | 19.50 Uhr | WDR

Auf der Abschlusskundgebung der Love Parade 2010 in Duisburg stand gerade DJ Tiesto an den Reglern, der WDR zeigte feiernde Leute – als wenige Meter davon entfernt die Katastrophe passierte.
Noch ist nicht genau bekannt, was passiert ist. In einem Tunnel soll es eine Massenpanik gegeben haben, einige sind wohl von einer Anhöhe gefallen. Es wird von 18 Toten gesprochen. Die Love Parade 2010 endet in einer Tragödie.

Was ist da eigentlich los in Duisburg? Da wird ein großes Event veranstaltet, am Nachmittag waren 1,4 Millionen Menschen auf dem umzäunten Gelände des alten Güterbahnhofes. Es gab wohl nur einen wirklichen Zugang – durch einen Tunnel. Unverantwortlich. Was ist das für eine Organisation?

Während der WDR seine Sondersendungen zeigte, lief hinter den Reportern die Party weiter. Die Musik schien sogar lauter als am Nachmittag. Aus Angst, dass bei einem Abbruch erneut eine Panik ausbricht. Das ist ein spannendes Konzept, denn irgendwann endet schließlich so eine Party immer. Wäre dann die Massenpanik nach Mitternacht ausgebrochen?
Und die Bahn: Jetzt ist sie überfordert. Dabei hätte nach Partyende auch ein Ansturm begonnen. Wie wollte die Bahn das schaffen?

Die Love Parade in Duisburg. Es scheint, dass das nicht funktioniert hat. Die Love Parade, zu der so viele Leute kommen, braucht eine freie Fläche und kein so enges Gelände mit so miesen Zugangsmöglichkeiten.

Der WDR machte seine Sache in dieser Lage gut. Aus den Partyreportern wurden Nachrichtenreporter. Die Live-Übertragung mündete schon früher als geplant in die “Aktuelle Stunde”, es folgten weitere Sondersendungen – auch im Ersten.
Warum das ZDF bei dieser Katastrtophe nicht mal eine Sondersendung zeigte, ist da schon sehr verwunderlich. Nach der “heute”-Sendung war Schluss, der Hundekommissar und eine Schlagermusikshow folgten. Entzückend. Für Katastrophen sind sonnabends beim ZDF offenbar keine Notpläne da…

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Love Parade 2010

Samstag, den 24. Juli 2010
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SA 24.07.2010 | 13.40 Uhr | WDR

Am Anfang war die Welt noch in Ordnung. Vor der Katastrophe. Love Parade 2010. Ganz schön weit weg von Berlin, in Duisburg nämlich.
Und darf man das sagen? Ja, früher war das alles besser. Da fand die Parade auf einer weitläufigen Straße in Berlin mit einem danebenliegenden Park statt. Nun zeigt der WDR eine rumplige Fläche mit hässlichen Gebäuden und Zelten – eine ziemlich enge eingezäunte Fläche. Ganz schön uncool.
Aus der Parade, bei der die Wagen eine Straße entlang gefahren sind, ist eine Party geworden, bei der die Dinger (die jetzt Floats heißen) im Kreis herumfahren. Irgendwie waren die Bilder vom WDR nicht so spannend.

Aber nicht nur der WDR war live vor Ort. Bild.de schickte einen Livestream ins Internet und warn im Vorfeld damit, dass Oliver Pocher und Sandy Meyer-Wölden das Spektakel moderieren würden. Das war leider (zumindest was Pocher angeht) nur ein PR-Gag. Die ganze Übertragung war eher ein ödes Gelaber, das auch Pocher mit seinen Live-Interviews nicht retten konnte. Und weil ein Fitnessstudio-Betreiber der Partner der Aktion war, durfte der sich in ausgedehnten Beiträgen präsentieren. Aber im Internet scheint Schleichwerbung ja erlaubt zu sein.

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