RTelenovela

Die Straße rauf, die Straße runter

Sonntag, den 7. September 2014
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Schwante erlebte vermutlich den ersten Ernteumzugsstau seiner Geschichte. Auf der Landesstraße kam der Umzug zum Erliegen, alle Räder standen still.
Was für die Leute auf den Erntewagen einige Minuten lang vielleicht nicht so schön war, war für Fußgänger, die daran vorbeispazieren konnten, dagegen wunderbar. Sie konnten sich die Beine vertreten und sich die vielen tollen Wagen ansehen.

In Schwante ist das Kreiserntedankfest gefeiert worden, und der Umzug bestand aus 48 Bildern. Das ist nicht gerade wenig.
Was sich die Teilnehmer für eine riesige Mühe geben, lässt sich an so ziemlich allen Wagen sehr gut ablesen. Schon Tage vorher treffen sich die Leute, um sie zu schmücken. Am besten kam bei der Jury der Wagen des Seniorenclubs aus Bärenklau an. Zufälligerweise war ich zwei Tage zuvor bei ihnen und habe mitbekommen, was für eine unfassbare Arbeit darin steckt, das Gefährt mit vier verschiedenen Getreidearten zu schmücken.

Im Grunde geht es nur darum, mit dem Erntewagen einmal die Straße rauf und wieder runter zu fahren. Aber es ist mehr. Die Leute sind nicht nur stolz auf den Schmuck, den sie da geschaffen haben. Sie möchten sich auch präsentieren. Seht her, was wir machen, wer wir sind. Da ist die Kita aus Schwante ebenso mit dabei wie der Karnevalsverein aus Marwitz, die Heimatvereine aus Vehlefanz und Dollgow, die Treckerfreunde aus Kremmen oder die Speedwayfreaks aus Wolfslake. Sie alle wollen teilhaben an einem Ereignis, über das die Menschen zumindest auch morgen noch sprechen.
Und das zu beobachten, ist immer wieder schön.

Knappe zehn Minuten dauerte es, dann löste sich der Schwantener Ernteumzugsstau langsam wieder auf. Einige der Mitfahrer hatten zuvor schon den Fahrtwind in der September-Sommerwärme vermisst. Den haben sie dann wieder bekommen.

aRTikel

Voller Optimismus

Mittwoch, den 13. September 2006
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Bist du glücklich? Die Jugendlichen in Oberhavel scheinen es tatsächlich zu sein

 

MAZ Gransee, 13.9.2006

 

RT/MORITZ MARBACH
OBERHAVEL

Kaum einer überlegt lange, bevor er die Frage beantwortet. Nicht ein einziger von 14 befragten Jugendlichen in Oberhavel beantwortet sie mit Nein. Gemeint ist die einfache Frage: Bist du glücklich?
Das Ergebnis überrascht, schließlich ist Deutschland alles andere als sorgenfrei. Seit Jahren stagniert die Wirtschaft, steigen die Arbeitslosenzahlen, sinken die Zuschüsse für Kultureinrichtungen. Ganz nebenbei zerreißen die alten sozialen Netze. Wie kann man da noch glücklich sein?
Man kann, wenn man die Welt nicht ganz so grau in grau sieht und vor allem im Hier und Jetzt lebt. Jugendliche in Oberhavel sind nicht glücklich, weil sie Statussymbole wie Handy, Auto, Computer oder Spielkonsole besitzen oder eine tolle Jobperspektive, nein, vielmehr sind sie glücklich, weil sie gute Freunde haben, eine intakte Familie und eine Beziehung. Es sind die alten Werte, die scheinbar wieder wichtiger werden.
Julius beispielsweise ist 17Jahre alt und geht auf das Granseer Strittmatter-Gymnasium. Er ist glücklich, weil „ich alles habe, was ich brauche“. Ähnlich ergeht es auch Thomas (21) aus Zehdenick. Auch er ist glücklich, weil er am 1.Oktober in Gransee eine Ausbildung zum Kranken- und Gesundheitspfleger beginnen wird. Aber auch seine Freundin trägt zu seiner Zufriedenheit bei: die 17-jährige Stefanie aus Kleinmutz. „Ja, klar“, antwortet auch sie auf die simple Frage „Bist du glücklich?“
„Im Moment läuft in der Schule auch alles sehr gut“, begründet Robert (16) aus Seilershof seine positive Antwort. Neben den zwischenmenschlichen Dingen ist es also scheinbar die Schule, die ebenfalls einen starken Einfluss auf den Gemütszustand der Jugendlichen hat. Und der Sport: „Ich spiele Fußball in Altlüdersdorf“, erzählt Tobias (16) aus Seilershof. „Wir sind Tabellenführer.“
„Wir hatten heute acht Stunden Schule, da ist man k.o. und erst mal nicht so glücklich“, erzählt die 15-jährige Diana aus Dollgow. „Aber hier so noch rumzusitzen und das schöne Wetter machen mich dann doch wieder glücklich.“
Selbst wenn es mal nicht so gut läuft – es scheint wenig negativen Einfluss auf den Gemütszustand zu haben: „Jetzt nach dem Abi habe ich noch nichts gefunden“, sagt Andreas (21) aus Zehdenick. „Aber ich habe mich gerade beworben.“ Und er hat seit acht Monaten eine Freundin, das macht ihn froh.
„Sie hat einen Typen kennen gelernt am Wochenende“, berichtet die Freundin von Madlen (17) aus Zabelsdorf. Ihr sieht man das Glück richtig an. Ebenso Haustiere. Adrian aus Marienthal hat einen Hasen zu Hause. „Es ist schön, mit dem Tier zu spielen“, sagt der Zwölfjährige.
Vielleicht ist es das, was Deutschland endlich braucht: Eine neue, junge Generation, voller Optimismus.