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A Teacher

Sonntag, den 4. Juli 2021
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FR 02.07.2021 | Disney+

Es ist eine Liebesgeschichte. Und es scheint wirklich Liebe zu sein. Sehnsucht, Lust – alles, was dazu gehört. Es ist allerdings eine verbotene Liebe. Eine Lehrerin und ihr Schüler.
Solche Geschichten sind schon oft erzählt worden, die US-Miniserie “A Teacher” bei Disney+ macht das auf sehr spannende Weise – und experimentiert damit in gewisser Hinsicht auch mit den Zuschauern.

Englischlehrerin Claire Wilson ist neu an der Westerbrook High School in Austin in Texas. In ihrer Ehe läuft es nicht gut. Im Unterricht sitzt unter anderen Eric Walker vor ihr. Sie ist fasziniert von ihm. Und er von ihr. Sie, Anfang 30. Er, 17.
Sie beginnt, ihm Nachhilfe zu geben, sie fährt ihn nach Hause. Da ist Zuneigung, auf beiden Seiten. Und irgendwann auch Sex. Und so was wie Liebe.
Aber irgendwann kommt der Tag, da kommt alles raus. Und die Aufregung ist groß.

Die zehn Folgen von “A Teacher” erstrecken sich über insgesamt elf Jahre. Nick Robinson spielt den jungen Schüler Nick, der sich Hals über Kopf in seine Lehrerin verliebt, er will mit ihr durchbrennen. Kate Mara ist die Lehrerin Claire, die sich ihrerseits in dieses Abenteuer stürzt. Es scheint von beiden Seiten auch eine Obsession zu sein, von der sie ergriffen werden.
Für den Zuschauer bleibt lange offen, wie die Geschichte ausgeht. Und viele werden mit dieser Serie ganz am Ende eine spannende Erfahrung machen. Denn normalerweise ist es ja so, dass man bei Liebesgeschichten hofft, dass am Ende alles gut aus geht. Aber was ist in diesem Fall eigentlich gut?
So erzählt die Serie nicht nur von Liebe – wenn es denn Liebe ist – und den Konsequenzen. Sehr sehenswert!

-> Die Serie bei Disney+

Hits: 139

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Love, Victor

Montag, den 3. Mai 2021
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SA 01.05.2021 | Disney+

Victor ist gerade 16 geworden, und neuerdings hat er eine Freundin. Allerdings: Will er überhaupt eine Freundin? Da ist sich Victor nämlich nicht so sicher.
Er ist mit seinen Eltern, seiner Schwester und seinem Bruder in die Stadt gezogen. Er besucht jetzt die Creekwood High School bei Atlanta, Georgia. Und hat erst mal keine Freunde. Nur der Nachbarjunge Felix nimmt gleich Kontakt mit Victor auf, und sie werden schnell Freunde.
Einer der bekanntesten Schüler seiner High School ist übrigens Simon, der sich als schwul geoutet hat und dann auf der Suche nach seinem heimlichen Schwarm war. Victor nimmt Kontakt mit Simon auf und schreibt ihm Nachrichten – sie tauschen sich schnell aus über Victors Leben und seine Gefühle. Denn Victor ahnt, dass da was in ihm schlummert.

Die zehnteilige Serie “Love, Victor”, zu sehen im Star-Sektor von Disney+, ist die Fortsetzung des Films “Love, Simon” von 2018. Der Film spielt an derselben Schule, und Simon taucht später auch noch auf.
Die Serie nimmt sich sehr viel mehr Zeit für Victors Selbstfindung. Und sie spannt auch die Geschichten der Familie und seiner Freunde ein. So ist Nachbar Felix ist Nerd, und er verliebt sich in eine Mitschülerin, die aber zunächst nichts von ihm wissen will. Victors Eltern haben ihre eigenen Liebesprobleme.
Und Victor bandelt mit Mia an, fühlt sich aber nicht so richtig wohl, zumal er im Café, in dem er arbeitet, durchaus Gefühle für seinen Kollegen Benji entwickelt.

Die Serie wird in vielen Kritiken als weichgespült empfunden. Dazu muss man wissen, dass “Love, Victor” ab 6 ist, man also keine “heißen” Szenen erwarten muss. Das ist aber auch nicht nötig. Denn vielmehr wird anschaulich erzählt, wie ein 16-Jähriger sich seiner Gefühle klarwerden muss. Und sie zeigt auch, dass es eben nicht so einfach ist, sich zu outen. Dass es immer noch ein großer Schritt ist, selbst wenn vielleicht alle gut reagieren. Victor allerdings bringt sich in komplizierte Situationen, die seine Lage noch schwieriger macht.
Dass diese Story eingebunden wird in weitere Geschichte, macht die Serie rund. Denn auch die Geschichte von Nachbar Felix ist spannend. So wird erst spät die Frage geklärt, warum er niemand in seine Wohnung lässt. Und auch die Liebe zwischen zwei Menschen, die nicht zum selben “Stand” gehören, wird hier schön erzählt.

Getragen wird die Serie aber auch vom Cast. Hauptdarsteller Michael Cimino spielt den überforderten, schüchternen, aber auch sehr smarten Victor wundervoll. Ebenso Anthony Turpel als Felix, der selbstbewusst scheint, aber einen zerbrechlichen Kern hat. Und Rachel Hilson als Mia, die in Sachen Liebe und Familie auch einiges mitmachen muss.
“Love, Victor” ist auf jeden Fall sehenswert, und Staffel 2 kommt auch schon bald.

-> Die Serie bei Disney+

Hits: 194

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Soul

Donnerstag, den 29. April 2021
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MO 26.04.2021 | Disney+

Jazz! Das ist die große Liebe von Joe Gardner. Er ist Musiklehrer, aber sein ganz großer Traum ist es, mal auf einer Bühne zu stehen und zu spielen. New York ist das ideale Pflaster dafür.
Und eines Tages scheint es so weit zu sein: Ein ehemaliger Schüler macht ihm ein Angebot. Joe soll in einen Musikclub kommen. Dort werde ein Pianist gebraucht, der am Abend mit der berühmten Jazzikone Dorothea Williams zu spielen. Er geht zum Vorspiel, und es läuft gut.
Nun braucht er nur noch einen guten Anzug – doch da kommt es zu einem Zwischenfall. Er hat einen schweren Sturz. Ist das das Ende?
Joe kommt in eine Art Zwischenwelt. Dort lernt er “22” kennen, eine Seele, die noch keinen Körper hatte. Joe aber will nur eins: Zurück. Und das Konzert spielen.

“Soul” heißt das neueste Pixar-Werk, das es wegen der Coronapandemie nicht in die Kinos geschafft hat. Stattdessen ist es beim Streamingdienst Disney+ zu sehen.
Es bringt erneut wieder Themen zusammen, über die es sich lohnt, mal nachzudenken. Spielerisch wird über den Tod gesprochen, über die Frage, was denn aus unserer Seele wird, wenn wir sterben – oder auch nicht sterben.
Ebenso wichtig wird aber auch die Freude transportiert, die das Musikmachen erzeugen kann. Nicht zuletzt geht es um Freundschaft und Hoffnungen.
All das ist kurzweilig und macht über weite Strecken Spaß. Die Musikszenen sind toll umgesetzt, Die Geschichte, wie Joe und Kater “22” mit vertauschten Seelen unterwegs sind, ist witzig, wenn natürlich auch nicht sehr neu.
Nicht umsonst gab es für “Soul” den Oscar 2021 für den besten animierten Film.

-> Der Film bei Disney+

Hits: 168

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High School Musical: Das Musical: Die Serie

Montag, den 22. März 2021
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SO 21.03.2021 | Disney+

Der Preis für den wohl bescheuertsten Serientitel der jüngeren Zeit geht wohl an Disney+. Beim Streamingdienst gibt es eine 10-teilige Serie, die auf der Filmmusical-Trilogie “High School Musical” beruht. Titel der Serie: “High School Musical: Das Musical: Die Serie”.

Was bitte hat man sich bei diesem Titel gedacht? Inhaltlich geht es in der Produktion von 2019 in der Tat um ein Musical in Erinnerung an “High School Musical”. An einer Schule soll ein aufwendiges Theaterstück inszeniert werden, das an den Musicalhit angelehnt ist. Insofern handelt es sich um die Serie, in der gezeigt wird wie das “High School Musical”-Musical entsteht.
Aber der Titel, so wie er da steht, kann eigentlich nur ironisch gemeint sein. Ironisch aber ist die Serie nicht. Es geht um Wirrungen und Irrungen an der Schule, nicht nur rund um das Musical.
Und weil es sich um eine Disney-Produktion handelt, frei ab 0 Jahren, ist sie natürlich porentiefrein und frei von jeglicher Erotik. In dieser Jugendserie wird dementsprechend nicht mal richtig geküsst. Es gibt zwar ein schwules Paar, aber mehr als Umarmungen sind erst mal nicht drin.

Zudem sind die meisten der Figuren schauspielerisch immer eine Nummer zu aufgedreht, viel zu selten, sprechen die Darsteller nicht gekünstelt. Erst in Folge 5, beim Homecoming-Ball kommen echte Emotionen auf. Wann taut endlich auch Disney ein bisschen auf?
PS: Nach jeder Folge gibt es einen 6 bis 7 Minuten langen Abspann. Man kann es auch übertreiben.

-> Die Serie bei Disney+

Hits: 201

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Und jetzt: Die Muppets!

Sonntag, den 14. März 2021
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MI 10.03.2021 | Disney+

Die Muppets sind im Streaming-Zeitalter angekommen. Die Frage ist allerdings, ob sie selbst und vor allem die Fans sich damit wohl fühlen. Dass die Muppets jetzt dieselbe billige Sch… machen, wie die öden Filmchen, die wir von D-Promis sowieso schon überall auf Social Media zu sehen bekommen.

1977 startete “Die Muppet Show” im ZDF, die Premiere im deutschen Fernsehen. Jeder erinnert sich noch an das große Theater und das Gewusel hinter den Kulissen und auf der Bühne. Die Muppets waren ein großes Ensemble.
Davon ist in der 2020 veröffentlichten neuen Serie nicht viel übrig. Oder auch: gar nichts.

“Und jetzt: Die Muppets!” läuft bei Disney+. Der Titel lässt eigentlich Großes erahnen, denn er klingt wie eine große Ankündigung, er klingt nach großer Show.
Doch die 6-teilige Reihe funktioniert so: Scooter lädt seinem Computer einzelne Muppet-Episoden für das Internet hoch. Wir sehen Miss Piggy, die Lifestyle-Tipps gibt. Der schwedische Koch muss sich mit Promis beim Kochen messen. Pepe, der Shrimp, moderiert halbherzig eine Spielshow. Viele andere Muppetstars kommen nur am Rande vor: Selbst Kermit taucht nur ab und zu auf.

Ziemlich traurig ist das. “Und jetzt: Die Muppets!” wirkt oft billig, zudem gibt es in jeder Folge kaum Abwechslung, weil immer dieselben Rubriken vorkommen. Es gibt keine Interaktion unter den Figuren, somit entfallen die Zickereien. Geschichten werden keine mehr erzählt. Es handelt sich um eine Aneinanderreihung von kurzen Sketchen, die meistens ziemlich langweilig sind.
Disney hat die Muppets dem Zeitgeist geopfert, die Freude an diesen Figuren bleibt aber so vollkommen auf der Strecke.

-> Die Reihe auf Disney+

Hits: 181

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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Noelle

Sonntag, den 29. November 2020
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SA 29.11.2020 | 22.00 Uhr | Disney Channel

Noelle (Anna Kendrick) ist die Schwester des aktuellen hauptamtlichen Weihnachtsmannes – nur leider schwächelt ihr Bruder.
Am Sonnabendabend zeigte der Disney Channel den Film “Noelle” von 2019. Das heißt, eigentlich zeigte der Disney Channel nur die ersten fünf Minuten des Films. Dann war Schluss, und den Rest sollen die Zuschauer des kostenfreien Senders doch bitte beim zahlungspflichtigen, hauseigenen Streamingdienst Disney+ sehen.

Das scheint eine neue Strategie zu sein, den Free-TV-Sender für Reklame für das eigene Zusatzangebot zu nutzen. In den ersten fünf Minuten des Filmes ist zwar nichts Nennenswertes passiert, und ob daraufhin tausende Leute Disney+ abonnieren würde ich mal bezweifeln, aber es scheint ja eine Masche zu sein, die für Disney funktioniert.
Aber müsste sowas nicht als Werbung gekennzeichnet sein?

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