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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3″ daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld - zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (”Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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@mediasres: Interview mit Marc Jan Eumann

Freitag, den 8. Dezember 2017
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MO 04.12.2017 | 15.35 Uhr | Deutschlandfunk

Sehr geehrter Herr Eumann,

ich möchte Ihnen an dieser Stelle ganz, ganz und wirklich besonders herzlich zu Ihrer Wahl als neuer Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt gratulieren.
Sie sind wirklich toll, und dass Sie sich bei dieser Wahl zu diesem Posten gegen… also, ähm, dass Sie die Wahl ohne Gegenkandidat völlig überraschend, aber natürlich total berechtigt gewonnen haben, ist herausragend.
Die Landesmedienanstalt in Rheinland-Pflaz hat wirklich den besten SPD-Mann gefunden, den die SPD zu bieten hatte.
Und man muss ja sagen, Sie hatten wirklich großes Glück. Bis vor kurzem waren Sie ja noch für die SPD Medien-Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen. Und als solcher haben Sie bei der dortigen Medienanstalt aufgeräumt. Sie haben durchgesetzt, dass keiner ins Amt kommen darf, der direkt vorher ein politisches Amt inne hatte. Und ein Jurastudium sollte er haben. Da haben Sie tolle Fakten geschaffen.
Um so mehr Glück hatten Sie, dass das in Rheinland-Pfalz nicht gilt, und dass Sie, als jemand, der gerade aus der Politik kommt und kein Jurastudium haben, diesen Posten antreten konnten.

Sie sind also der Beste für das neue Amt. Da müssen Sie sich nun wirklich nicht von einer dahergelaufenen Journalistin des Deutschlandfunks blöde kommen lassen. Dass sie Ihnen dann nicht mal zu Ihrer, ähm, Wahl gratuliert, ist da eine echte Unverschämtheit.
Es ist bedauerlich, dass Sie so was mitmachen mussten. Als Direktor einer Landesmedienanstalt werden Sie sicherlich bald andere Saiten aufziehen.

Extrem herzliche Grüße,
Ihr RT Zapper.

*

Wenn die Menschen politikverdrossen sind, dann liegt das auch an Marc Jan Eumann. Wieder ist ein Mann mit Parteibuch – in diesem Fall die SPD – in so ein Medienkontrollamt geglitten. Die Umstände sind dubios.
Am Montagnachmittag fragte dann Isabelle Klein im Medienmagazin “@mediasres” mal nach. Kritisch. Wie denn das ist mit dem Klüngel. Und mit seinem Parteibuch. Und ob es eine Ausschreibung gab (nein).
Eumann war hörbar genervt und moserte irgendwann, dass es doch guter Stil sei, wenn sie ihm erst mal gratulieren würde. Und er unterstütze kritischen Journalismus, auch so einen wie den von der Interviewerin.

Blöde Sache für Herrn Eumann. Da hat doch eine Journalistin ihn in seiner SPD-Gemütlichkeit gestört. Dass aber Leute wie Eumann und solche Prozedere wie diesen Postenschachereien das ganz große Problem sind, darüber sollten sich endlich auch die Politiker klar werden. Wenn es darum geht, Medien zu kontrollieren, dann müssen da auch Politiker mitmischen – aber nicht an der Spitze und nicht unter diesen Umständen.

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Mitternachtskrimi: Paul Temple und der Fall Gregory

Sonntag, den 14. Juni 2015
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FR 12.06.2015 | 0.05 Uhr (Sa.) | Deutschlandfunk

Der Satz klingt fast schon unglaubwürdig: Der Deutschlandfunk sendet ein Hörspiel mit Bastian Pastewka.
Junge Leute wissen vermutlich gar nicht, wer oder was der Deutschlandfunk sein soll – und schon gar nicht, ob und wo sie das empfangen können.

Wenn der Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka am Freitag nicht auf seiner Facebook-Seite auf die Radio-Ausstrahlung seines Hörspiels “Paul Temple und der Fall Gregory” hingewiesen hätte – vermutlich hätte das kaum jemand mitbekommen.
Pastewka und Kollegen haben einen verschollenen Hörspiel-Krimiklassiker von 1949 neu vertont, aufgepeppt und mit selbstironischen Elementen versehen. Demnächst gibt es das Spektakel auch als Bühnentour.

Warum aber wird so ein Comedy-Krimi-Highlight an einem Freitag um 0.05 Uhr verschrottet? Und dazu noch auf dem von Jugendlichen kaum wahrgenommenden Deutschlandfunk? Oder habe ich die PR-Kampagne verpasst, die auf die Ausstrahlung des Hörspiels hinwies?
Warum laufen solche Hörspiele nicht auch mal im Abend- oder Nachtprogramm auf den Jugendradiowellen der ARD? Ertragen junge Leute keinen 53-minütigen Wortbeitrag mehr?

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Nachrichten: Benzin wird knapp

Sonntag, den 24. April 2011
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SO 24.04.2011 | 7.00 Uhr | Deutschlandfunk

Gute Nachrichten zu Ostern! Das Benzin könnte knapp werden! Da bricht doch Jubel aus! Beim Deutschlandfunk war das am Sonntagmorgen die Topnachricht.

Seit Wochen sind die Benzinpreise in die Höhe geschnellt, und wer weiß – vielleicht tanken die Leute momentan weniger. Und was muss man tun, damit doch noch ein paar Autofahrer ganz schnell zur Tanke düsen? Klar: Panik machen.
Also vermeldet man: Benzin könnte knapp werden. Und zwar Super, Super Plus und E10. Letzteres überrascht natürlich ein wenig.

Was ist da passiert? Erstens: Die Tankstellen werden dem Bedarf der Kunden angepasst, es gibt also mal wieder Umstellungen. Zweitens: der Frühling. Die sommerware kommt nämlich – was immer das bedeuten mag. Und drittens: die Feiertage. Mehr Verkehr also.
Zweitens und drittens sind besonders überraschend, wo doch Jahreszeiten und Feiertage so gar nicht planbar sind.

Wenn heute also vor den Tankstellen lange Schlangen stehen sollten – dann hat die Verkaufsstrategie funktioniert.

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Moment, das wird Sie interessieren!

Mittwoch, den 24. März 2010
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DI 23.03.2010 | 20.10 Uhr | Deutschlandfunk

Den freundlichen Mitarbeitern in den Call Centern sind wir ja alle schon mal akustisch begegnet. Egal, was wir sagen, egal, wie bockig wir sind – immer wissen sie, was sie zu sagen haben. Ihr Schema F spulen sie immer ab, da gibt es für den Kunden kein Entrinnen. “Moment, das wird Sie interessieren!”, sagen Sie dann. Oder “Ja, das kann ich sehr gut verstehen, deshalb habe ich ein Angebot für Sie.” Und so weiter.
Sie haben uns lieb, unsere Telekommunikationsfirmen. Wenn wir aber unseren Vertrag kündigen wollen, dann ist der Lack ab. Aber ganz fix.

Wie sich so was anhört, war am Dienstagabend im Deutschlandfunk zu hören. Ein Kunde will, dass der Call-Center-Mann seinen Account löscht. Es gelingt ihm nicht, denn der Mann am anderen Ende der Leitung lenkt ab, fragt nach, tut so, als tue er alles für den Kunden, dabei macht er genau das Gegenteil.
“Moment, das wird Sie interessieren!” hieß das preisgekrönte Hörspiel, das echte Bauchkrämpfe verursacht. Wie der Call-Center-Typ sich immer und immer wieder rausredete, Angebote machte, das machte fast zornig.

Ein simples, aber genau deshalb tolles Hörspiel. Es war der Grund, warum ich 20 Minuten im Auto auf dem Parkplatz verbrachte. Ich wollte nichts verpassen. Das sind die dann auch, die echten Radiomomente.
Und wenn wieder einmal jemand bei mir anruft: Ich weiß, ich habe keine Chance.

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Länderzeit: Sozial, wirtschaftsfördernd und krisenfest – Wie erfolgreich ist die Regionalwährung “Chiemgauer”?

Donnerstag, den 17. September 2009
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MI 16.09.2009 | 10.10 Uhr | Deutschlandfunk

Radio kann mehr sein als nur der öde Dudelfunk mit den besten Hits der 70er, 80er und 90er-Jahre. Das Beste von heute nicht zu vergessen. Doch wer nicht nur Musik und Drei-Minuten-Comedyeinlagen will, muss schon lange suchen.
Beim Deutschlandfunk könnte man fündig werden. In der “Länderzeit” zeigte der Deutschlandfunk am Mittwochvormittag, wie spannend Radio in Wirklichkeit sein kann.

Dabei war es gar nicht mal so Thema, das so spannend war. Es ging um die Regionalwährung “Chiemgauer”, das in zwei bayerischen Landkreisen im Umlauf ist. Die Moderatoren waren live in Stephanskirchen vor Ort und sprachen auf dem Marktplatz mit Experten. Eine Reporterin lief in eine Apotheke, in der man Euro gegen den “Chiemgauer” umtauschen kann. Sie ließ sich das Prozedere erklären und probierte es auch aus. Im Hintergrund Stimmen der anderen Kunden, die Ladenbimmel, Glockengeläut. Die pure Live-Atmosphäre.
Und mal abgesehen davon, dass sich das Thema selbst auch interessant erwies, war die Umsetzung unfassbar spannend. So macht Radio Spaß und ist mehr als ein Weghör-Begleitprogramm. Am liebsten möchte man am Reiseziel das Auto gar nicht verlassen.

Ich habe den Deutschlandfunk jedenfalls seit ein paar Tagen in mein Autoradio einprogrammiert.

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Kontrovers: Klarheit für die Wähler? – Nach dem TV-Duell

Dienstag, den 15. September 2009
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MO 14.09.2009 | 10.10 Uhr | Deutschlandfunk

Die Häme über das “TV-Duell” zwischen Merkel und Steinmeier ist groß. Sehr viel ärgerlicher sind jedoch die Analysen danach.
Ob in den Nachberichten am Sonntagabend im Fernsehen oder am Montag überall: Welchen Mehrwert haben wir, wenn ein CDU-Mann sagt, dass Merkel von der CDU besser abschnitt als der SPD-Steinmeier? Oder wenn ein SPD-Mann sagt, dass Steinmeier von der SPD natürlich viel besser war als die CDU-Merkel? Die müssen das doch sagen, alles andere wäre ja wahlschädigend.

Wieso also gibt es dann diese Laberrunden, in denen sich über das angebliche Gelaber im “TV-Duell” aufgeregt wird?
So auch am Montagvormittag im Deutschlandfunk. In der Sendung “Kontrovers” ging es unfassbar kontrovers zu, indem die jeweiligen Parteien ihre Chefs bejubelten und die Opposition sagt, dass sowieso alles Müll war.
Ich brauche das nicht. Und ich bin mir nicht sicher, ob das überhaupt jemand braucht.