RTZapper

Eurovision Song Contest 2019 – Setteles Zugabe

Montag, den 20. Mai 2019
Tags: ,

SA 18.05.2019 | 1.20 Uhr (So.) | ORF1

Nach dem 24. Platz und den null Punkten vom Publikum beim Eurovision Song Contest 2019 herrscht wieder Unruhe in Deutschland. Auch und gerade bei den Verantwortlichen für den ESC. Schon jetzt heißt es: 2020 müsse wieder einiges anders werden.
Da können wir auch gleich mal über das deutsche Rahmenprogramm der Show reden. Das ist nämlich auch eine Katastrophe.

Nach der großen Show und den Nachrichten gab es im ORF1 in Österreich “Setteles Zugabe”. Die Sendung bestand aus vier Leuten – darunter Christoph Grissemann -, und sie unterhielten sich 20 Minuten lang über die gerade gesehene Show. Über ihre Höhe- und Tiefpunkte, es gab noch mal Ausschnitte und eine Schaltung nach Tel Aviv.
Das war interessant, lustig und der Sache angemessen. Nach der großen Show wurde noch mal durchgeatmet und ein Fazit gezogen. Eine Sendung, die gut funktioniert.
Vor dem Song Contest um 20.15 Uhr zeigte ORF1 eine einführende Sendung mit Beiträgen aus Tel Aviv und einer Vorschau auf die Show.

Und in Deutschland? Im Ersten begann nach der Show die “Grand Prix Party”. Ein Titel von gestern, denn vom Grand Prix sprechen die jungen Zuschauer schon lange nicht mehr. Die Sendung begann mit einem Auftritt von Stefanie Heinzmann.
Was diese Show überhaupt soll, ist unklar. Denn an sich ist es vollkommen überflüssig, dass nach der Show noch eine Show läuft. Zumal man ja eigentlich eher das Bedürfnis hat, über das gerade Gesehene zu reden. Stattdessen kommt Live-Musik. Immerhin spricht Moderatorin Barbara Schöneberger noch mit der deutschen Jury, und Schalten nach Tel Aviv gibt es auch.
Aber dennoch: Die Sendung von der Reeperbahn ist altbacken. Es wäre viel sinnvoller vor dem Eurovision Song Contest ab 20.15 Uhr etwas über das Land zu sagen, über die Teilnehmer (wir reden viel zu viel über uns selbst, also Deutschland) und über die beiden Halbfinalshows. Und danach eine kleine Runde, die einordnet – würde völlig reichen.
Aber in der ARD ist man nicht gewillt, etwas zu ändern. Daran, den ESC in Deutschland zu einem Event zu machen. Daran, einen guten Weg zu finden, Künstler zum Event zu schicken. Daran, die Show vernünftig zu kommentieren. Daran, die Show gut zu flankieren. Neue Leute sollten sich dieser Aufgabe annehmen.

Hits: 104

RTZapper

Eurovision Song Contest 2019

Sonntag, den 19. Mai 2019
Tags: , , ,

SA 18.05.2019 | 21.00 Uhr | Das Erste

“I’m sorry! Zero Points!”
Vermutlich ist das der Fernsehmoment des Jahres 2019. Weil er so verdammt lustig und gleichzeitig so verdammt traurig war. Es war der Moment, in dem klar war, dass wir, Deutschland und die S!sters, vom Eurovisionsfernsehpublikum keinen einzigen Punkt bekommen haben.

Kennt ihr das eigentlich auch? Dass man nach dieser Show immer irgendwie einen Kater hat? Dass so ein bisschen Ernüchterung herrscht? Weil alles schon wieder vorbei ist. Und weil alles irgendwie doch nicht so ablief, wie erhofft.
Der Eurovision Song Contest 2019 in Israel ist Geschichte. 2020 wird der ESC-Zirkus in die Niederlande ziehen, vermutlich nach Amsterdam. Das geht in Ordnung, denn Duncan Laurence hat mit “Arcade” einen schönen Song geliefert, der allerdings auch nicht wirklich im ewigen Gedächtnis hängen bleiben wird. Ein bisschen enttäuschend daran ist nur, dass tatsächlich genau der Song gewonnen hat, der auch vorher schon bei den Wettbüros ganz oben stand.

Ansonsten aber war der 2019er-Jahrgang in Tel Aviv durchaus hochwertig und mit vielen guten Songs bestückt. Allen voran natürlich Australien. Kate Miller-Heidke und ihre zwei Mitsängerinnen standen für “Zero Gravity” auf fünf Meter hohen Stelzen und schwebten so scheinbar über der Erde. Ein ganz großer Moment, der immerhin mit einem 9. Platz belohnt worden ist.
Spanien und Miki liefern mit “La venda” einen Sommerhit. Italien und Mahmood haben mit “Soldi” erneut gezeigt, dass die Italiener Jahr für Jahr tolle Songs zum Contest beisteuern. Spanien wurde nicht belohnt – 22. Platz. Italien aber landete auf Platz 2.
Glückwunsch an Serhat aus San Marino: Er sang “Say na na na” und traf im Gegensatz zum Halbfinale sogar die Töne. Ebenso Victor Crone aus Estland, der seinen Song “Storm” im Halbfinale noch relativ, nun ja, stürmisch sang.
Frankreich und Bilal Hassani zeigten uns in “Roi”, dass jeder von uns ein König ist. Auch und natürlich die, die andersartig sind. Das wirkte allerdings schon recht gewollt und zeigte deshalb nur bedingt Wirkung beim Publikum und den Jurys . nur Platz 14. Da haben sich die Franzosen sicher mehr erhofft.

Und Deutschland? Platz 24. Vorvorletzter. Von den Jurys gab es 32 Punkte, von den Zuschauern gar nichts. Wobei das ja nur heißt, dass es nirgendwo besser lief als Platz 11. Enttäuschend ist das dennoch, denn der Song hatte Power, die Melodie war eingängig, die Mädels hatten eine gute Präsenz. Platz 15 hätte drin sein müssen. Das Schlimmste daran ist jetzt allerdings die Häme der Social-Media-Volkes.

In diesem Jahr gab es übrigens noch einen inoffziellen Platz 27: Madonna. Glückwunsch! Mit großen Bohei wurde der Megastar angekündigt. Lange war unklar, ob sie wirklich auftritt. Es hieß, ein israelischer Geschäftsmann habe die Millionengage gesponsert. Zum 30. Jubläum von “Like a Prayer” sang sie eben jenen Song. Und ein großes Millionenpublikum sah Madonna scheitern. Abgesehen davon, dass die Version seltsam tranig war – Madonna traf fast keinen Ton. Der Auftritt war ein Desaster. Ihren neuen Song sang sie dann (vermutlich) mit Playback. Der klang dann zwar perfekt, war aber lahm. Eine riesige Enttäuschung, dieser Auftritt – und irgendwie vollkommen überflüssig. Es heißt, Madonna habe die Probezeit weit überschritten – rausgekommen ist eine mehr als laue Show.

2020 also in die Niederlande. Wobei man festhalten muss, dass bei den Jurys Schweden vorne lag, beim Publikum Norwegen. Die Niederlande ist ein Kompromiss, mit dem aber gut leben kann.

PS: Wann geht eigentlich Peter Urban endlich in Rente? Seine väterlichen, abgelesenen Kommentare sind selten lustig und wirken altbacken. Wer sich den Eurovision Song Contest im ORF1 in Österreich ansieht, wird sehen, dass das auch anders geht. Andi Knoll kommentiert das Event bissig und informativ. Warum geht das nicht auch im Ersten in Deutschland?

PPS: Wir können uns mit Luca Hännis 4. Platz trösten. Der Schweizer – der ja in Deutschland Gewinner der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” ist, hat einen guten Job gemacht. Und irgendwie gehört er ja auch zu uns…

Hits: 188

RTZapper

Eurovision Song Contest 2019 – 1. Halbfinale

Donnerstag, den 16. Mai 2019
Tags: , , , ,

DI 14.05.2019 | 21.00 Uhr | one

Mit Fans der Serie “Doctor Who” sollte man sich besser nicht anlegen. Dass man ihnen am Dienstag bei one nur eine statt der üblichen zwei Folgen kredenzte, das stieß ihnen sehr bitter auf. Und dass nur wegen einer Musikshow, die keine gute Musik bietet. Die ja sowieso besser im Ersten laufen könnte.

Leider haben sie damit nicht so ganz unrecht. In der ARD – oder beim verantwortlichen NDR – ist man offenbar immer noch nicht gewillt, aus dem Eurovision Song Contest das Mega-Event in Deutschland zu machen. Immerhin hat man da einen wahren Schatz, den man da Jahr für Jahr live überträgt. Aber leider gibt es im Ersten keine begleitenden Sendungen, mal abgesehen vom deutschen Vorentscheid. Einen Kult muss man bedienen, vor der ESC-Woche müsste es eigentlich PR-mäßig knallen. Aber bei der ARD knallt gar nichts.

Stattdessen versteckt man den Songcheck auf Youtube oder versendet ihn im one-Vormittagsprogramm. Hintergrundbeiträge gibt es auch nur im Internet. Die beiden Halbfinals laufen auch nur bei one. Das Argument, dass Deutschland da eh nicht bei ist, sollte nicht zählen.
Nur das Finale läuft im Ersten und scheint da völlig unvermittelt zu kommen. Das ist mehr als schade, dass es scheint, als habe die ARD nicht wirklich Bock auf den ESC.

In Tel Aviv in Israel ging am Dienstagabend das erste Halbfinale des Eurovision Song Contest 2019 über die Bühne – übertragen bei one. Und um auf das Thema der schlechten Musik zu kommen: Viele der Auftritte waren erstaunlich enttäuschend. Wer sich viele der Songs vorab im Internet als Videoclips angesehen hat, der wird schon Favoriten gehabt haben. Wenn dann aber der junge Belgier Eliot seinen Song “Wake up” nur mit dünnem Stimmchen zum Besten gibt, muss er sich über sein Aus nicht wundern. Der Song selbst gab mehr her.

San Marino kam weiter, und das, obwohl Serhat erschreckenderweise nicht einen einzigen Ton getroffen hat. Sein “Say na na na” ist live eine Katastrophe, und fast möchte man flehen, dass jemand vergisst, sein Mikro einzuschalten. Dabei ist der Song nett.
Portugal kam auch 2019 wieder künstlerisch hochwertig daher und schickte einen Mann mit mies geklebtem Mann auf die Bühne, dazu gab es einen orientalisch klingenden mit Bongo-Klängen. Es schien, als ob Portugal auf gar keinen Fall gewinnen wollte – und ist nun nicht mal im Finale, nachdem das Land erst 2018 des ESC ausrichtete.

Zwei Favoriten gab es im ersten Halbfinale. Einen wegen der Show und einen wegen des Songs: Australien bot die wohl atemberaubendste Show ever beim ESC. “Zero Gravity” sang Kate Miller-Heidke. Der Song war fast egal, aber die Performance war der Knaller. Es schien, als schwebe sie über der Erde und schwebte später über ihr. Dabei saß sie auf einem wippenden Pfahl. Musikalisch gut und modern war Lake Malawi aus Tschechien. “Friend of a Friend” ist ein Ohrwurm.

-> Die komplette Show auf Youtube

Hits: 157

RTZapper

Brisant: Wie verlässlich sind Pränataltests?

Samstag, den 4. Mai 2019
Tags: , , ,

DI 30.04.2019 | 18.10 Uhr | mdr-Fernsehen

Die Debatte um Pränataltests ist wichtig. Dabei geht es um die Kostenübernahme von Bluttests zur Früherkennung von Trisomie. Und um die Frage, wie zuverlässig solche Tests sind und ob dadurch die Hemmschwelle sinke, ein möglicherweise erkranktes Kind abzutreiben?
Der mdr – und vorher Das Erste – zeigte am Dienstagabend im Boulevardmagazin “Brisant” einen Beitrag über diese Debatte. Allerdings war das Stück von Marion Mück-Raab und Secilia Rappert eher etwas für die Tränendrüse – auf recht unangenehme und alles andere als ausgewogene Art.

Im Mittelpunkt des rührseligen Beitrages stand Carina Kühne. Sie hat das Downsyndrom, Trisomie 21, und gerade zieht sie in ihre eigene Wohnung. Sie liebt es, Klavier spielen und schauspielert ab und zu. Das ist gut. Die Frau führt ein lebenswertes Leben.
Unterlegt sind die Szenen mit leichter Klaviermusik, offenbar von Carina Kühne selbst gespielt. Als es dann aber um die Pränataltests geht und diese mit entsprechenden Bildern gezeigt werden, ist plötzlich bedrohliche Musik zu hören. Eine ganz klare Beeinflussung und Kommentierung der beiden Autorinnen des Beitrages.
Ein Experte kommt zu Wort, und es wird darauf hingewiesen, dass die Tests unsicher sein können. Dass diese Tests also darauf hinweisen könnten, dass beim Ungeborenen ein Downsyndrom vorliegen könnte, dass das aber auch fehlerhaft sein könne. Dass aber werdende Eltern daraufhin schon eine Abtreibung vornehmen könnten. Alle dies mit bedrohlicher Musik im Hintergrund.

Der Beitrag endet wieder mit Carina Kühne. Sie sei geschockt, dass der Test nun von den Kassen bezahlt werden könne. Sie sagt, nicht gewollt zu sein, da habe ihr nicht so gut getan. Dass man merke, man sei nicht gewollt und werde abgetrieben.
Die Sprecherin des Films sagt dann noch, dass Carina Kühne nicht unter dem Downsyndrom leide, sondern nur unter den Blicken und Reaktionen der Menschen.
Das ist harter Tobak. Und es ist schwierig. Und es ist ein Vergleich, der nicht wirklich zulässig ist. Denn eines ist klar: Carina Kühne wurde nicht abgetrieben. Sie ist am Leben, und ihr geht es gut.

Untersuchungen, ob das Kind im Mutterleib gesund ist, gibt es immer öfter. Ist es krank, stehen die Eltern vor einer schwierigen Entscheidung. Abtreiben oder gebären?
Einseitige Berichte wie der am Dienstag in “Brisant” sind da alles andere als hilfreich. Denn es ist auch ganz klar, dass nun mal auch die Mutter entscheiden muss, was mit und in ihrem Körper passiert. Sie müssen beraten werden, und natürlich gehört dazu auch, zu zeigen, wie Menschen mit dem Downsyndrom leben.
Aber auf die Tränendrüse zu drücken und zu sagen, was wäre, wenn ich abgetrieben worden wäre, das ist schwierig. Zumal wir uns dann wohl alle geschockt vor eine Kamera setzen und ganz allgemein drüber sprechen könnten, wie schockiert wir seien, dass es Leute gibt, die – aus welchen Grünen auch immer – Abtreibungen vornehmen. Und dass wir vielleicht nicht erwünscht sein könnten.

Die Vor- und Nachteile der Pränataltests müssen gezeigt werden. Dass es im mdr-Boulevardmagazin “Brisant” auf diese einsetig-emotionalisierende Weise passiert, fühlt sich eher wie eine Kampagne an.

Hits: 119

RTZapper

Brisant: Costa Cordalis

Freitag, den 3. Mai 2019
Tags:

DI 30.04.2019 | 17.15 Uhr | Das Erste

Schlimme Welt. Überall Katastrophen. Wer sich im Ersten jeden Nachmittag das Boulevardmagazin “Brisant” reinziehen, könnte meinen, dass die Welt ziemlich schlecht ist. Wird immer schlimmer, sagen manche Leute, und wenn sie öfter “Brisant” einschalten, dann werden sie darin bestätigt.
Am Dienstag gab es einen Beitrag über einen 85-Jährigen, der beim Ausparken mal fix in ein Kaufhaus gerast ist. Und weitere Unfälle.
Wenn da nicht das Logo vom Ersten oben rechts in der Ecke stehen würde, könnte man meinen, man habe sich ins Privatfernsehen verirrt.

Aber zum Glück ist ja nicht alles schlimm. Der Costa Cordalis zum Beispiel, dem geht es jetzt wieder besser, und er kann seinen 75. Geburtstage zu Hause feiern.
Das ist ja wirklich schön, und da können wir angesichts der vielen brisanten Horrormeldungen endlich mal wieder durchatmen.
Glücklicherweise beschäftigt der mdr, der für “Brisant” zuständig ist, auch Promi-Experten. Promi-Experte zu sein, ist ein toller Job. Dann wird man nämlich dazu befragt, wie es denn den Promis geht, was sie so denken, ob das alles gut oder schlecht ist. Nun gut, für viele der Weisheiten bräuchte man keinen Promi-Experten. Aber was hätten wir am Dienstagnachmittag bloß ohne “Brsaint”-Promi-Expertin Susanne Klehn gemacht? Sie berichtete, dass sich Costa Cordalis sehr freue, wieder nach Hause kommen. Und dann sich im Hause Cordalis-Katzenberger auch alle freuen, dass Costa wieder nach Hause komme. Wad für eine Freude!
“Es geht gerade steil bergauf mit seiner Genesung”, weiß die Expertin. “Daniela Katzenberger erzählte mir, dass er zwar sehr viel abgenommen habe, dass aber jetzt sein Appetit wieder zurückgekehrt sei und er gerade mit großem Genuss Schokolade verzehre.” Natürlich erfahren wir auch brisante Neuigkeiten über seinen Geburtstag: “Daniela und ihre Mutter wollen ihm extra einen deutschen Kuchen-Klassiker zubereiten und reisen deshalb heute quer über die Insel, um die Zutaten dafür zu beschaffen.”
Seufz. Das ist ja wirklich schön.

Das ist der Moment, wo man sich dann doch wünscht, dass doch lieber noch ein paar Unfall-Berichte laufen. Diese Bonbon-Promi-Berichte sind einfach zu brisant.

Hits: 118

RTZapper

Sportschau live – Fußball-Bundesliga: Dortmund – Schalke

Freitag, den 3. Mai 2019
Tags: , ,

SA 27.04.2019 | 15.10 Uhr | Das Erste

Revierderby am Sonnabendnachmittag, und das live im Free-TV. Der Bundesliga-Spieltag verlief an diesem Wochenende etwas anders als sonst.
Normalerweise läuft das in der Fußball-Bundesliga so: Am Sonnabendnachmittag kommen die auf ihre Kosten, die ein Sky-Abo haben. Oder die Radiohörer, denn die ARD überträgt den Spieltag live auf vielen der regionalen Sender. Die anderen müssen warten bis zur Sportschau, die etwas mehr als eine Stunde nach Abpfiff der Spiele beginnt.

Das Spiel zwischen Dortmund und Schalke aber lief live am Sonnabendnachmittag im Ersten – und weit mehr als fünf Millionen Menschen sahen zu.
Sky gab der ARD dafür eine Sublizenz. Kommentator Steffen Simon war nicht nur im Ersten zu hören, sondern auch bei Sky, wo das Spiel parallel trotzdem auch übertragen worden ist.

Indirekt war dieser Nachmittag auch eine hervorragende PR-Aktion für Sky Sport. Denn wenn mehr als fünf Millionen Menschen plötzlich am Nachmittag live das Spiel schauen, dann bleibt sicherlich auch für Sky etwas hängen. Und die Reklameblöcke nutzen die Pay-TV-Anbieter natürlich auch, um auf sich aufmerksam zu machen.
Deshalb war man bei Sky sicherlich auch nicht ganz uneigennützig, als man der ARD die Rechte für diese Spiel-Übertragung gab.

Hits: 137

RTZapper

tagesschau24: Notre-Dame brennt

Dienstag, den 16. April 2019
Tags: , , , ,

MO 15.04.2019 | 21.35 Uhr | tagesschau24

Eigentlich ist tagesschau24 ein Nachrichtensender. Aber uneigentlich darf die ARD gar keinen Nachrichtensender betreiben. Was also will dieses tagesschau24 denn nun sein? Und was darf es sein?

Breaking News am Montagabend: Die Kathedrale Notre-Dame in Paris stand in Flammen. Die Nachrichtensender ntv, Welt und euronews übertrugen in Deutschland die Live-Bilder aus der französischen Hauptstadt.
Und auf tagesschau24? Da lief der Weltspiegel vom Vorabend. Und nicht mal eine Breaking-News-Info. Und auf phoenix? Eine Doku. Ohne Nachrichtenlaufband.

Um 20 Uhr gab es dann die reguläre Tagesschau, das Feuer in Notre-Dame war an dritter Stelle mit einem Korrespondentenbericht. Mehr war nicht drin. Um 20.15 Uhr begann im Ersten eine Tierdoku, auf tagesschau24 eine 90-minütige Doku über ein Jugendamt, auf phoenix eine Geschichtsdoku.

Nun kann man natürlich drüber streiten: In Paris brennt ein Gebäude. Muss man da live berichten, obwohl man ja noch gar nichts weiß? Ja, ein Nachrichtensender muss das. Der muss schließlich zur Stelle sein, wenn Menschen von der Breaking News erfahren und erste Infos wollen.
Aber offiziell ist ja tagesschau24 kein Nachrichtensender. Gegen 19.15 Uhr endet die News-Schiene, dann gibt es nur noch Dokus. Ebenso bei phoenix.
Wäre die Katastrophe am Mittag passiert, dann hätte das sicherlich ganz anders ausgesehen. Auf phoenix hätte es sicherlich Übertragungen gegeben, ebenso auf tagesschau24, die für das Erste zugeliefert hätten.
Nach 20 Uhr aber: Still ruft der öffentlich-rechtliche See.

Auf ntv und Welt gab es die Bilder aus Paris stundenlang. Dazu holten sie sich Experten ins Studio. Feuerwehr-Insider oder Leute, die sich mit solchen historischen Bauten auskennen. Die Orakelei hielt sich ziemlich in Grenzen. Aber bei den Sendern wusste man: Das wollen die Leute sehen, denn Notre-Dame ist ein Gebäude, an dem bei vielen das Herz hängt.

Bei tagesschau24 müssen sie aber hin- und hergerissen gewesen sein. Gegen 21.35 Uhr brach die Doku plötzlich ab, und auf tagesschau24 gab es plötzlich unkommentierte Live-Bilder aus Paris. Dann aber herrschte Chaos.
Immer wieder erschien die Tagesschau-Uhr, dann wieder die Paris-Bilder. Wieder die Uhr, wieder zurück. Und so weiter. Gegen 21.47 Uhr begann plötzlich doch eine Tagesschau. Jens Riewa interviewte darin, ohne die Zuschauer zu begrüßen, den Paris-Korrespondenten. Danach, ohne eine Verabschiedung oder weiteren Hinweis zum Ablauf, gab es plötzlich einen scheinbar wahllos zusammengeschnittenen Mix aus Paris-Bildern, unkommentiert. Und diese Schleife wiederholte sich auch immer wieder. Inklusive der eingeblendeten Uhr, die am Anfang der Schleife immer wieder die alte Uhrzeit zeigte. Nach 22 Uhr gab es das Interview einfach noch mal, direkt nach eine weitere improvierte Tagesschau, das aber auch nur aus dem Interview bestand.
Vermutlich wurden die beiden Stücke nur fürs Internet produziert, und tagesschau24 hat sie mit versendet.
Aber in Wirklichkeit wirkte das extrem stümperhaft und war der ARD nicht würdig.
Um 22.15 Uhr konnten sie beim Sender aufatmen und die Tagesthemen vom Ersten übernehmen. Dort gab es fundierte Infos, wenn auch nicht sehr ausführlich.

Deshalb also die Frage: Was soll, was will, was darf tagesschau24 eigentlich? Es müssen Entscheidungen her. Und die kann eigentlich nur in die Richtung gehen, dass tagesschau24 auch am Abend ein Nachrichten-Backup liefen müssen kann. Denn das peinliche Gewurschtel, was da am Montagabend zu sehen war, schadet der Marke “Tagesschau” einfach nur.

Hits: 149