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Wir Ostdeutsche – 30 Jahre im vereinten Land

Mittwoch, den 30. September 2020
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MO 28.09.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

30 Jahre Deutsche Einheit. Und noch immer sprechen wir vom Osten und vom Westen und meinen dabei nicht nur die bloßen Himmelsrichtungen.
Warum ist das eigentlich so?

Während ProSieben am Montagabend mit einer Doku über Rechtsextremismus völlig zurecht viel Aufmerksamkeit bekommen hat, lief im Ersten zeitgleich eine Doku, die dagegen viel zu wenig beachtet worden ist, und das obwohl sie auch sehr wichtig ist.
“Wir Ostdeutsche” zeigte nämlich, warum die Menschen aus der ehemaligen DDR – und da beziehe ich mich natürlich mit ein – so ticken wie sie ticken. Und der 90 Minuten lange Beitrag zeigte auch, welche strukturelle und psychische Strapazen sehr viele Menschen im Osten erlebt haben, weil sich innerhalb von wenigen Monaten alles änderte.

Da ist die Frau aus der Provinz, die sich nach der Wende mit ihrem Mann selbstständig machte, einen Laden eröffnete – und immer war es schwierig. Erst war jahrelang eine Baustelle vor der Tür, dann kam ein Schlecker, später ein zweiter Schlecker-Markt als Konkurrent, dann waren so viele Leute abgewandert, dass es zu wenig Kunden gab. Aber immer machten sie weiter – bis zur Privatinsolvenz.
Da ist die Frau, die erlebt hat, wie nach der Wende die Wessis an die Leipziger Uni kamen, um den Ossis mitzuteilen, was die alles falsch gemacht haben. Und davon, wie bestimmte Bedingungen und Regelungen eingeführt worden sind, die Ossis gar nicht so einfach erfüllen konnten.

Es geht um Enttäuschungen, um Zumutungen, und es wird deutlich gemacht, dass die Einheit 1990 zwar das Beste war, was den Deutschen passieren konnte, aber dennoch vieles nicht so richtig und optimal gelaufen ist. Und vor allem wurde deutlich gemacht, dass die Einheit für die Westdeutschen meistens kaum Einfluss auf den Alltag hatte, während sich im Osten alles änderte.
Dabei ging es nicht ums Jammern. Es ging um Zusammenhänge, um Lebensgeschichten, natürlich auch um Erfolge – und letztlich auch darum zu erklären, warum eine AfD im Osten heute so erfolgreich ist.
“Wir Ostdeutschen” hat auch viel Aufmerksamkeit verdient.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 28. September 2021)

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Oktoberfest 1900

Samstag, den 19. September 2020
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MI 16.09.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

2020 ohne Wiesn. Zumindest fast, und eigentlich doch nicht.
Wegen des Coronavirus fällt das Oktoberfest in München in diesem Jahr aus. Ein schwerer Schlag für die Branche und die Fans.
Da passt es doch ganz gut, dass ausgerechnet in diesem Jahr Das Erste mit einer Serie über das Oktoberfest an den Start geht. Allerdings handelt es sich nicht um eine kuschelige Serie, die in der Jetztzeit spielt. Stattdessen liefen am Dienstag und Mittwoch die ersten vier Folgen von “Oktoberfest 1900”. Allerdings ist der Sechsteiler nicht wirklich ein Ersatz für die Wiesn.

Es geht um Curt Prank, der sich 1900 mehrere Budenplätze auf dem Oktoberfest erschleicht. Sein Ziel: Er will dort ein riesiges Zelt für 6000 Menschen errichten. Es folgen Intrigen unter den Unternehmern, in den Familien, es gibt Fremdgeher, heimliche Schwule, Anschläge. Und das alles auf ziemlich düstere Art. Das Oktoberfest selbst kommt irgendwann in Folge 4 mal vor.
Ein gutes Viertel der Zuschauer hat die Serie am zweiten Tag schon verloren, vielleicht haben die auch etwas anderes erwartet, als diesen dunklen Intrigenstadl.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 31. Dezember 2020)

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Eine Almhütte für zwei

Freitag, den 11. September 2020
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SA 05.09.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Leonard (Tom Beck) ist Bauer auf der Alm, und wie man so uncharmant sagt: Er ist nicht sehr Helle. Lange ist er alleine in seinem Haus, aber unterstützt von seinen Nachbarn aus dem Dorf.
Als die junge, geistig behinderte Beate (Anna Draxler) mit ihren Eltern Urlaub im Dorf macht, lernen sich die beiden kennen – und ziemlich schnell, sehr schnell auch lieben. Nach der ersten Nacht ist Beate schwanger, und das Entsetzen bei den Eltern ist groß. Wie sollen denn die beiden ein Kind aufziehen? Sie wirken geistig doch selbst noch wie Kinder, sagen sie.
Und dann ist da auch noch die Heitlquelle, die bei den Nachbarn die Eurozeichen in den Augen erscheinen lassen und die Leonards Existenz kosten könnte.

“Eine Almhütte für zwei” heiß der Film, der am Sonnabend im Ersten zur besten Sendezeit gelaufen ist. Das Blödeste am Film war dabei übrigens der lapidare und ziemlich schmonzettige Titel. Was wirkt wie ein öder Heimatfilm, hat es in Wirklichkeit durchaus in sich. Denn es geht um die spannende Frage, was man geistig zurückgeblieben Erwachsenen eigentlich zutrauen kann und sollte. Für alle Beteiligten ging es darum, eventuell umzudenken und zu schauen, was machbar ist.
Tom Beck und Anna Draxler spielten das Paar auf wunderschöne Weise. Die beiden im Film waren zwar nicht sehr helle, aber liebevoll und herzensgut.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 5. Oktober 2020)

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Tagesschau: Mehr Sendezeit für die Tagesthemen

Donnerstag, den 3. September 2020
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DI 01.09.2020 | 11.00 Uhr | tagesschau24

Die Tagesthemen dauern jetzt immer 35 Minuten. Diese etwas unrunde Sendelänge ist aber dringend nötig, weil neuerdings auch regional-lokale Beiträge in der Sendung laufen sollen: “Tagesthemen mittendrin”.
Darüber berichtete die Tagesschau am Dienstagvormittag in eigener Sache im Nachrichtenkanal tagesschau24. Moderator Michail Paweletz begrüßte den zweiten Chefredakteur Helge Fuhst, den er seltsamerweise siezte – aber vielleicht ist man ja in der Tagesschau-Redaktion nicht so locker.
Michail Paweletz fragte seinen Boss auch gleich, was denn am Abend in der neuen Reihe zu sehen sein wird. Nämlich einen Beitrag über die Regenmessstation mit dem wenigsten Regen – dass der Beitrag gerade eben davor schon mal gelaufen ist, hat Paweletz scheinbar nicht mitbekommen. Oder die Frage stand halt auf seinem Zettel, und er las sie einfach vor.

Und noch eine Neuigkeit hatte Helge Fuhst zu verkunden. Der Kommentar in den Tagesthemen heißt jetzt “Meinung”. Und zwar, weil der Kommentar ja ein journalistischer Begriff sei, und wenn das jetzt “Meinung” heiße, dann wüssten die Zuschauer, dass es sich um die Meinung dieser einzelnen Person handele.
Aha. Das sagt zwar der Begriff “Kommentar” auch, und ich hatte nicht den Eindruck, dass die Zuschauer nicht wussten, worum es sich beim Kommentar handelt, aber vielleicht kapiert es ja auch jetzt der Letzte.

-> Der Ausschnitt aus der Tagesschau bei Youtube

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Sportschau live: Tour de France 2020, 1. Etappe

Montag, den 31. August 2020
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SA 29.08.2020 | 14.33 Uhr | Das Erste

Fast alle großen Sport-Events sind 2020 dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Auch die Tour de France konnte im Frühsommer nicht starten. Doch nun, Ende August, steht der Radsport plötzlich doch wieder im Fokus – und steht unter spannenden Vorzeichen. Denn klar ist: Würde die Tour de France in Deutschland stattfinden, wäre sie definitiv abgesagt worden.

Am Sonnabendnachmittag begann nun die 2020er-Tour, und auch Das Erste stieg in die Live-Berichte ein. Natürlich stand das Coronavirus ganz am Anfang der Übertragung. Denn keiner weiß, ob die Tour in drei Wochen in Paris ankommen wird. Die Infektionszahlen steigen momentan in Frankreich wieder, und ausgerechnet in der Region um Nizza steigen sie besonders: die Stadt, wo die Tour startet.
Dementsprechend gibt es kein Publikum am Start, an der Strecke ist auch nur wenig los, wie es bei den Bergetappen aussehen wird, werden wir sehen.
Aber es ist eben auch ein riesiger Tross, der da jetzt drei Wochen durchs Land ziehen wird. Da kann man nur die Daumen drücken, dass alles gut geht. Sobald zwei Personen in einem der Radteams (egal ob Fahrer oder Techniker) infiziert sind, muss das ganze Team ausscheiden.

Dass die Tour de France 2020 startet, hat natürlich auch Geldgründe. Es hängen, wie beim Fußball auch, viele Finanzen an diesem Event. Und wenn diese drei Wochen Spannung bringen und die Menschen ablenken, dann ist das erst mal auch nicht das Schlechteste. Wichtig ist, das Hygienekonzept wie erdacht und geplant umzusetzen.

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Tagesschau vor 20 Jahren: 24. August 2000

Mittwoch, den 26. August 2020
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MO 24.08.2020 | 22.45 Uhr | tagesschau24

Eine Unternehmensinitiative fordert, alle deutschen Schulen mit Internet in den Unterrichtsräumen auszustatten und Lehrer entsprechend auszubilden. Die Wirtschaft sei bereit zu helfen, aber auch der Staat solle sich finanziell engagieren.
Ja, in Coronazeiten ist das ein wichtiges Thema. Darüber berichtete die Tagesschau am Montagabend. Immerhin ging es ja auch darum, sozial Schwachen den Zugang zum Internet möglich zu machen, und überhaupt sei es wichtig, das Internet in der Schule nutzen zu können.

Gut, dass die Tagesschau darüber berichtet.
Allerdings ist es in diesem Fall die Tagesschau von vor 20 Jahren. Auf tagesschau24 lief am Montagabend die Ausgabe vom 24. August 2000 mit dem noch jüngeren Jens Riewa.
Dass zwei Jahrzehnte später, im Jahr 2020, immer noch nicht alle Schulen in den Unterrichtsräumen mit Internet ausgestattet sind, ist nichts anderes als ein Armutszeugnis für so ein reiches Land wie Deutschland. Selbst in den Zeiten wo wegen des Coronavirus für die Wirtschaftshilfe plötzlich Milliarden fließen, spielt die Ausstattung der Schulen eine nicht ganz so große Rolle.

Wenn man dann diese 20 Jahre alten Nachrichten sieht, dann weiß man eigentlich nicht, ob man lachen oder weinend den Kopf schütteln soll.

-> Die Sendung auf tagesschau.de

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Tagesschau: Explosion in Beirut

Donnerstag, den 6. August 2020
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DI 04.08.2020 | 20.00 Uhr | Das Erste

Mega-Explosionen in Beirut. In der libanesischen Hauptstadt kommen – mit Stand von Mittwochabend – mindestens 135 Menschen ums Leben, es gibt mehr als 5000 Verletzte. Offenbar sind hochexplosive Materialien in die Luft geflogen. Wie und warum ist unklar.

Was aber am Dienstagabend schon klar war: Die Katastrophe in Beirut ist immens. Der Schaden ist riesig, große Teile der Hafengegend sind zerstört.
In der Redaktion der Tagesschau scheinen sie sich darüber im Klaren zu sein, dass da etwas Dramatisches passiert ist. Gegen 19.20 Uhr startet auf Youtube im Livestream eine Tagesschau-Sondersendung mit Live-Bildern aus Beirut und diversen Einschätzungen. Um 20 Uhr wird dann die Übernahme der Hauptausgabe der Tagesschau angekündigt – auch, dass es da weitere Berichte gäbe.

In der Tat berichtet die Tagesschau im Ersten aus Beirut. Vor dem Wetter. An letzter Stelle. Davor geht es unter anderem um die Bundesliga, die in Coronazeiten wieder Publikum in die Stadien lassen will. Ist natürlich wichtiger.
In den Tagesthemen ist Beirut gar nur Thema im Nachrichtenblock.
Auf Youtube geht unterdessen um 20.15 Uhr der Livestream weiter.

Das ist seltsam. Einerseits war sich die Redaktion über die Sonderlage bewusst. Aber dennoch war die Sonderlage in der eigentlichen Tagesschau erst kurz vor dem Wetter dran. Ob sich da die Redaktionsteile nicht absprechen, wie wichtig ein Thema sein könnte?
Die Einsicht kam am Tag danach. Am Mittwoch räumte die Redaktion ein, die Lage falsch eingeschätzt zu haben, Beirut hätte höher bewertet werden müssen. So gab es dann am Mittwoch auch einen Brennpunkt dazu (der erste “Brennpunkt” seit langem, die Corona-Sondersendungen lief alle unter dem Label “ARD extra”). Immerhin ist es gut, dass die Redaktion mit dieser Fehleinschätzung so offen umgeht.

-> Die Sondersendung auf Youtube, darin auch die 20-Uhr-Tagesschau.

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