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Charité

Freitag, den 15. Januar 2021
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DI 12.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Ich war (leider) nie ein großer Fan der ARD-Serie “Charité”. In Staffel 1 hatte ich bemängelt, dass alles sehr künstlich aussehe, so künstlich, dass ich keinem abnehme, im 19. Jahrhundert zu leben.
Inzwischen ist am Dienstagabend im Ersten bereits die 3. Staffel der Serie angelaufen. Und angesichts der Zeit, in der diese sechs Folgen spielen, war ich dann doch wieder neugierig.

Die Charité im Sommer 1961: Aus Ost-Berlin und der DDR flüchten massenhaft Arzt- und Pflegepersonal in Richtung Westen. Die Lage droht, kritisch zu werden.
In dieser Zeit wird Ella Wendt von Senftenberg nach Berlin versetzt – zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung der Hauptstadt. Ella forscht im Bereich der Krebsfrüherkennung, in der Charité erhofft sie sich einen Aufschwung. Als Ellas Oberarzt in den Westen geht, sieht sie neue Chancen.
Kinderärztin Ingeborg Rapoport kämpft unterdessen für eine Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Kindern. Als ein Junge aus West-Berlin mit Kinderlähmung eingeliefert wird, handelt sie – der Osten hat einen Impfstoff – und eine spezielle Lungenmaschine.

Diese 3. Staffel zeigt, womit Ärzte und Pfleger 1961 in der Charité zu kämpfen hatten. Am 13. August wird in Ost-Berlin die Mauer gebaut – quasi direkt vor den Toren der Klinik. Das sorgt für Frust, auch weil die Klinikleitung mit allen Mitteln versucht, das Personal auf SED-Linie zu bringen.
Aber nicht nur die politischen Probleme sind es, die die 3. Staffel spannend machen. Es geht auch um die medizinischen Entwicklungen in dieser Zeit. Neue Entwicklungen in der Krebsforschung, in der Gynäkologie und in anderen Bereichen.

Darstellerisch stechen Nina Gummich als Ella Wendt und Nina Kunzendorf als Ingeborg Rapoport heraus. Mit Engagement und Hingabe gaben die Ärztinnen damals ihr bestes, und das bringen die Schauspielerinnen toll rüber.
Eine sehr sehenswerte 3. Staffel!

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (Staffel 3 verfügbar bis 26. Juli 2021)

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Die Liebe des Hans Albers

Sonntag, den 10. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 21.55 Uhr | Das Erste

Er war der blonde Hans. Hans Albers ist ab den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts als Schauspieler in Deutschland sehr bekannt und beliebt gewesen. Stand er auf der Theaterbühne sahen ihm die Leute gerne zu, und später spielte er auch in vielen Kinofilmen.
Er war mit Hansi Burg liiert, über viele Jahre. Sie suchte auch seine Rollen aus.
Und dann kamen die Nazis.
Die Nazis liebten den blonden Hans, fanden die Beziehung zu Hansi Burg aber alles andere als gut – sie war Jüdin. Und die verstand auch nicht, warum sich Hans Albers vor den Karren der Nazis spannen ließ und weiter deren Propagandafilme und Gute-Laune-Werke in Kriegszeiten drehte.
Dabei wollte Albers nur eines sein: unpolitisch. Er wollte spielen, nur darum ging es ihm. Und deshalb vermied er es auch, sich gemeinsam mit den Naziherrschern zu zeigen, entsprechende Termine sagte er immer wieder ab.
Ein Spagat.

Von diesem spannenden Spagat erzählte am Mittwochabend der Film “Die Liebe des Hans Albers”. Dabei handelte es sich um eine Art Dokudrama. Denn zu sehen waren teilweise Originalszenen, aber auch inszenierte Szenen, die wohl auf wahre Gespräche beruhen.
Dabei ging es nicht um den blonden Hans als Held der Frauen, die ihm zujubelten. Sondern um Haltung und Moral. Um die Frage, was er gegen die Nazis getan hat – ob er überhaupt was gegen sie getan hat. Warum er den Nazis zwar fern blieb, aber in deren Filmen spielte.
Hält man Albers anfangs noch für seltsam naiv, wird später klar: Es ging ihm auch ums Überleben. In dem er einfach weiter seinen Beruf ausübte, auf eine Weise die er für vertretbar hielt.

Leider war der ganze Film im Ersten erst in der Nacht zum Donnerstag weit nach 3 Uhr zu sehen. Denn bei der TV-Premiere am Mittwochabend ist er nach etwas mehr als einer Stunde zugunsten einer wegen der Capitol-Ereignisse vorgezogenen “Tagesthemen” abgebrochen worden.
Das ist wirklich schade, und das haben der Film und das Thema nicht verdient. Die ARD muss sich fragen lassen, warum man im Wissen der Ereignisse der Film überhaupt begonnen hat.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 7. April 2021)

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Tagesschau: Trump-Anhänger dringen ins Capitol ein

Samstag, den 9. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.57 Uhr | tagesschau24

Wenn man in einer Blase lebt, in der man nichts anderes erfährt als alternative Fakten, dann hält man die vermutlich sehr schnell für die einzig wahre Wahrheit.
Was dann irgendwann passiert, ist am Mittwochabend deutscher Zeit sichtbar geworden.
Im US-Capitol in Washington ging es darum, die Wahl von Präsident Joe Biden endgültig abzuschließen – ein formaler Akt. Eigentlich.
Zuvor jedoch hatte Noch-Präsident Donald Trump die Meute aufgehetzt, erneut den Wahlsieg Bidens angezweifelt, er sprach von Wahlbetrug, und seine Anhänger sollten nun zum Capitol gehen.
Dort drangen sie bald durch die Sperren und gewaltsam ins Capitol ein. Die Sitzung musste abgebrochen werden, Waffen wurden auf den Eingang des Sitzungssaals gerichtet.
Rundum schockierend.

Und draußen schrie der Mob Reporter an, blökten ihre “Fakenews”-Tiraden und begannen schließlich, TV-Technik zu zerstören und Technikteile zu stehlen.
Ein Anschlag auf die Demokratie, ein Anschlag auf die Pressefreiheit. Das ist Terror von innen.
Und alles live. Live in aller Welt.

Die Ereignisse vom Mittwoch zeigen, wie weit es gehen kann, wenn ein Herrscher sein Volk aufhetzt, es bewusst spaltet – und irgendwie den Eindruck macht, als säße er in einer TV-Show und müsse das fiese Spiel bis zum bitteren Ende weiterspielen.

Die Tagesschau berichtete über die Ereignisse ab etwa 20.57 Uhr auf tagesschau24. Als erster deutscher Sender reagierte phoenix gegen 20.40 Uhr, also etwa zehn Minuten nach dem “Showdown”, wo aber im Netz sowieso schon ein Livestream aus dem US-Capitol lief.
Und dennoch gibt es mal wieder Vorwürfe an die Öffentlich-Rechtlichen. Das Erste reagierte erst gegen 21.47 Uhr mit einer Extra-Ausgabe der Tagesthemen. Das ZDF wartete bis um 21.45 Uhr das reguläre heute-journal begann.
Dafür ist später im Ersten der laufende Film abgebrochen worden, und die Tagesthemen begannen schon früher, um 23 Uhr und dauerten statt 20 fast 65 Minuten. Im ZDF gab es gegen 23.05 Uhr ein zusätzliches heute-journal. Auf phoenix gab es bis Mitternacht eine durchlaufende Berichterstattung, ebenso auf tagesschau24.

Dass unbedingt immer ARD und ZDF ihre Hauptprogramme abbrechen müssen, ist eine Forderung, die nicht neu ist. Das hat sicherlich auch mit einem gesteigerten Info-Bedürfnis zu tun. Dabei handelt es sich da nicht im Nachrichtensender, dafür gibt es die Sparten mit phoenix und tagesschau24, für die Hauptprogramme gelten sicherlich andere Maßstäbe, die gelten, um das Programm zu unterbrechen.
Aber: Die ARD schafft es nach wie vor nicht, zu seinen Angeboten zu stehen, darauf hinzuweisen. Zwar gab es während des Films “Für immer Sommer 90” Breaking-News-Einblendungen, aber auch nur mit dem Hinweis auf die Sondersendung im Anschluss. Dass tagesschau24 und phoenix live sendeten – kein Hinweis darauf. Warum nicht? Warum kann die ARD nicht auf ihre eigenen Angebote hinweisen? Aus Angst, die Leute würden vom Film wegschalten? Das Risiko muss eingegangen werden.

Aber auch tagesschau24 muss dringend gestärkt werden. Am Abend hapert es ganz stark am Programm. Über längere Zeit wurde nach der Extra-Tagesschau um 20.57 Uhr ein unkommentiertes Live-Bild gezeigt, später schaltete sich ein Social-Media-Redakteur ins Bild – offenbar aus dem Homeoffice. Das ist der ARD und ARD-aktuell nicht würdig! Das Studio ist da, also sollte es auch genutzt werden. Das Tagesschau- und Tagesthemen-Team, das ja fürs Erste sowieso da ist – wieso kann das nicht sofort auf tagesschau24 auf Sendung gehen?
Seitens der ARD heißt es, man wolle tagesschau24 demnächst auch nach 20 Uhr stärken – was immer das heißt.

-> Die Berichterstattung von tagesschau24 auf Youtube

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Für immer Sommer 90

Freitag, den 8. Januar 2021
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MI 06.01.2021 | 20.20 Uhr | Das Erste

Seit der Wende hat Andy Brettschneider (Charly Hübner) Karriere gemacht. Er ist Investmentbanker in der Frankfurter Finanzwelt. Ihm geht es finanziell richtig gut, er ist alleinstehend, so steht also auch dem nächsten Karrieresprung nichts im Weg.
Bis dieser Brief kommt. Anonym verfasst. In diesem Schreiben wird ihm vorgeworfen, im Sommer 1990 bei einer Party eine junge Frau vergewaltigt zu haben.
Andy weiß: Es geht um eine Sommerparty unter Freunden, im Jahr der Wiedervereinigung, in der Zeit der Fußball-WM. Er weiß auch: Er hatte dort in den Büschen Sex. Aber eine Vergewaltigung?
Er setzt sich ins Auto und reist quer durch Deutschland, um seine Freunde von damals zu besuchen. Freunde, die er jetzt 30 Jahre nicht gesehen hat.

“Für immer Sommer 90” heißt der Film von Lars Jessen. Das Besondere: Zwar gab es ein Drehbuch. Das gab aber nur die grobe Geschichte wider. Ansonsten ist improvisiert worden. Dass das funktioniert liegt an so wunderbaren Schauspielerin wie Charly Hübner, Lisa Maria Potthoff, Walfriede Schmitt und anderen.
Genau 30 Jahre nach der eigentlich so lockeren Party, im Sommer 2020, macht sich Andy auf den Weg in seine Vergangenheit. Von allen, die er besucht, muss er sich anhören lassen: Wo warst du die ganze Zeit? Warum hast du dich nie gemeldet? Was haben wir dir angetan?
Höhe- oder Tiefpunkt(!) ist der Besuch bei seinem besten Freund, wo sich die Gegensätze besonders zeigen. Der eine war lange in Bundeswehr-Auslandseinsätzen und ist nun seelisch am Ende – und der andere, der ihn im Stich gelassen hat.
Besonders das letzte Viertel ist packend, weil es zwischen den beiden ehemaligen Freunden auf eine bedrohliche Art knistert, es brodelt regelrecht im Inneren.
Interessant ist zudem, dass der Film, ohne es besonders zu thematisieren, in diesem Sommer 2020 die Coronaregeln zeigt. Weil das eben in diesem Sommer so war und er in diesem Sommer spielt. Ellenbogengruß, keine Umarmungen, die kleinen Unsicherheiten bei Begegnungen…

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 10. April 2021)

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Ferdinand von Schirach: Feinde

Dienstag, den 5. Januar 2021
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SO 03.01.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste / one / Dritte Programme

Ein Film, zwei Blickwinkel, elf Sender. Die ARD ist ja eher selten wirklich experimentierfreudig, aber am Sonntagabend hat sie es mal wieder gewagt.

Ein junges Mädchen wird entführt. Der Entführer fordert von der reichen Familien viel Geld für die Freilassung. Kommissar Nadler ermittelt und fokussiert sich auf das Umfeld der Familie. Sicherheitsmann Kelz wird verhört, und Nadler ist sich sicher: Kelz hat das Mädchen entführt. Weil aber Kelz nichts zugibt und auch nicht sagt, wo das Mädchen ist, greift er zu drastischen Mitteln.
Strafverteidiger Biegler muss sich vor seiner Frau rechtfertigen, weil er Kelz verteidigen wird. In der ausführlichen Befragung seines Mandanten bringt er Ungeheuerliches ans Licht.

Das Thema von “Ferdinand von Schirach: Feinde” ist extrem spannend. Denn der Zuschauer war bei der Entführung dabei, und man kann ziemlich sicher sein, dass Kelz ein Täter ist. Ziemlich. Aber nicht hundertprozentig.
Nadler foltert Kelz während des Polizeiverhörs, um ein Geständnis zu erpressen. Ist diese Art der Folter legitim? Sind alle Mittel recht, um ein Mädchen aus ihrer Gefangenschaft zu befreien?
Die Antwort ist sehr eindeutig, denn der Strafverteidiger nimmt Nadler während der Gerichtsverhandlung regelrecht auseinander. Nadler hatte keine Beweise, die Spurensicherung war quasi nicht vorhanden, es war lediglich ein Gefühl, dass Kelz es gewesen sei. Dass Nadler Kelz gefoltert hat, fliegt dem Ermittler um die Ohren.

Bjarne Mädel spielt in “Feinde” den Ermittler Nadler, und das macht er hervorragend. Einmal mehr zeigt er, dass er ein fantastischer Schauspieler ist. Ebenso aber Klaus Maria Brandauer, der den Strafverteidiger spielt.

Es gibt zwei Versionen dieses Films. In Version 1 geht es vor allem um die Sichtweise des Ermittlers. Der Zuschauer ist dabei, wenn Nadler zunächst im Dunkeln tappt und später beim Verhör, das dann eskaliert. Diese Version lief im Ersten.
In Version 2 verfolgen wir, wie Strafverteidiger Biegler arbeitet, wie er hadert und sich dann seiner Aufgabe widmet, wie er schließlich Kelz verhört und auf die Tatsache der Folter stößt. Die erstengut 15 Minuten sind deckungsgleich, die letzten 25 Minuten auch – zumindest fast. Denn im Prozess ist die Kameraführung vor allem auf Biegler fokussiert, und am Ende erfährt der Zuschauer auch mehr über die Urteilsbegründung, während in Version 1 der Zuschauer mit Nadler relativ zügig nach der Urteilsverkündung den Saal verlässt. Version 2 lief bei one und in allen neun Dritten Programmen.

Das Experiment: Die beiden Filme laufen parallel, und der Zuschauer kann entscheiden, aus welcher Sicht er das Ganze sehen will. Oder er konnte hin- und herschalten, um zwischendurch zu schauen, was der Strafverteidiger ermittelt.
Ich habe das probiert und habe gezappt. Gut ist, dass man tatsächlich nicht nennenswert etwas in den jeweils anderen Versionen verpasst hat. Allerdings verliefen die Handlungen nicht immer wirklich parallel. So gab es in Version 1 ein Zusammentreffen von Nadler und Biegler, das aber da nicht gleichzeitig in Version 2 gab.
Andererseits gab es in Version 1 die Folterszenen, während Kelz in Version 2 die Szenen schilderte und der Anwalt darauf reagierte. Das war ein spannender Gegensatz, der auch nur so unmittelbar funktioniert.
Wer dagegen die beiden Filme hintereinander sah – weil viele den Eindruck hatten, es habe sich um einen zweiten Teil gehandelt – sah dagegen viele Doppelungen, die dann langweilig erschienen.

Version 1 im Ersten. Version 2 auf one, im WDR, NDR, radiobremen tv, BR, SWR, SR. hr, mdr und im rbb. Ein Film auf zehn Sendern. War das wirklich nötig? Die ARD hielt das offenbar für nötig, und sicherlich ist dabei zu bedenken, dass wahrscheinlich nicht jeder Fernsehzuschauer wirklich jedes Dritte Programm und one empfängt. Es heißt, dass über DVB-T nur bestimmte Dritte zu empfangen sind. Um also sicherzustellen, dass wirklich alle Zuschauer am kompletten Experiment teilnehmen können, wurde der Film also durchgeschaltet.
Ob es grundsätzlich den zweiten Film gebracht hätte, ist eine andere Sache. Das Experiment war spannend, aber mit 120 statt 90 Minuten Länge hätte man auch alles erzählen können. Was dann aber vermutlich wieder weniger Aufmerksamkeit bekommen hätte, weil es dann eben nur ein Film im Ersten gewesen wäre.

Der Umgang mit dem Experiment in der ARD war jedoch lausig. Man hat den Zuschauer mit den Filmen leider sehr allein gelassen. Man hat sich darauf verlassen, dass alle vorher informiert waren, was denn da jetzt passiert.
Nicht nur, dass der Film in den meisten Dritten nicht zeitgleich mit dem Film im Ersten startete, sondern schon etwas früher. Er startete ohne Info an die Zuschauer.
Eigentlich hätten alle elf Sender zu Beginn wirklich zusammengeschaltet werden müssen. Ein(e) Ansager(in) (ja, sowas gibt es ja leider nicht mehr) hätte den Zuschauern erklären müssen, was jetzt passiert und was die Zuschauer machen können. Auch während des Films hätte es ab und zu Einblendungen geben müssen. An bestimmten Stellen hätte man “Umschalthilfen” geben können, in dem man sagt, was gerade in der anderen Version passiert. Dazu hätte man während des Films vielleicht zwei oder drei Punkte schaffen müssen, wo sich die Storys kreuzen und man dem Zuschauer das durch entsprechende Einblendungen sagen können.
Aber die Mühe hat man sich dann leider nicht gemacht, so wirkte das ganze wie eine gute Idee, die man aber nicht zu Ende gedacht hat.

Fast elf Millionen Menschen haben am Sonntagabend zur Primetime einen der beiden Filme gesehen. Das ist ein Erfolg, und solche Experimente könnte es gern mal wieder geben. Dann aber bitte noch mehr durchdacht.

-> Die Filme in der ARD-Mediathek (bis 3. April 2021)

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Willkommen 2021

Samstag, den 2. Januar 2021
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DO 31.12.2020 | 21.45 Uhr | ZDF

Ruhiger war es, dieses Silvester 2020. Nicht nur wegen der Ausgangsbeschränkungen und des Versammlungsverbotes in Deutschland. Seit Wochen müssen auch die Fernsehshows wieder komplett ohne Publikum auskommen.
Umso verwunderlicher war die Ankündigung, dass das ZDF dennoch nicht auf die große Show zum Jahreswechsel vom Brandenburger Tor in Berlin verzichten wollte. “Willkommen 2021” sollte trotzdem über die Bühne gehen, und war im Berliner Verkehrsfunk immer davon die Rede, dass die Straße des 17. Juni wegen der digitalen Silvesterparty gesperrt sei. Wegen einer Fernsehshow ohne Publikum war also mal wieder mehrere Tage die Straße zum Brandenburger Tor dicht.
Viele fragten sich: Hätte das ZDF nicht in ein Studio umziehen können?
Die Antwort gab es zu Silvester: Klar hätte das ZDF mit “Willkommen 2021” ins Studio umziehen können – aber wer die parallel laufenden Show im Ersten und im mdr gesehen hat, weiß: Das wäre ziemlich ätzend gewesen.

Das ZDF hat das Beste draus gemacht, und das war am Ende recht gut. Die Kulisse des bunt angestrahlten Brandenburger Tores war unschlagbar. Es gab musikalische Gäste auf der Bühne, die Partymusik lieferten (natürlich ist das immer Geschmackssache), andere Promis sind per Internet zugeschaltet worden. Zuschauer konnten sich ebenfalls live dazuschalten oder Bilder einsenden. Kurzweilig!

Und vor allem: live! Beim ZDF gab es zwar Applaus vom Band – ansonsten aber war alles real.
Ganz anders im Ersten: Die Silvestershow war bereits im November aufgezeichnet worden. Im Studio kam da nicht so wirklich Partyatmosphäre auf. Und wenn dann kurz vor Mitternacht noch der Countdown gezählt wurde, dann wirkte das im Wissen, eine Aufzeichnung zu sehen, schon albern, wenn sich dann alle überschwänglich zuprosteten.
Ebenso im mdr, wo die Show ebenfalls im kleinen Studio und ohne Publikum aufgezeichnet worden ist.
Aber selbst das ist auch immer noch besser als der rbb, der einfach nur die laufende Rankingshow unterbrochen hatte für einen eingesprochenen Countdown und einen Zusammenschnitt von Berliner Feuerwerken. Erstmals gab es keine Live-Sendung zum Jahreswechsel. Der WDR übertrug dagegen live das Nichts vom Kölner Dom, was natürlich auch kein Stimmungsaufheller war.

All diese Beispiele zeigen, dass das ZDF am Ende doch alles richtig gemacht hat. Live vor Ort konnte dann zumindest ein bisschen Stimmung gemacht werden.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 7. Januar 2021)
-> Mehrere TV-Jahreswechsel bei TVClipsDeutschland auf Youtube

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Der 90. Geburtstag oder Dinner for One

Samstag, den 2. Januar 2021
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DO 31.12.2020 | 15.50 Uhr | Das Erste

Partys zu Silvester? 2020 gab es die nicht wirklich. 2020 war alles eine Nummer kleiner. So von wegen Coronavirus und Pandemie.
Eine hat das schon immer gewusst und alleine gefeiert. Also, fast alleine.
Miss Sophie hat die Regeln offenbar schon immer gekannt.

Der Sketch “Dinner for One” ist von 1963 und wird seit Jahrzehnten immer zu Silvester (nicht nur) im deutschen Fernsehen rauf und runter gezeigt. Am Silvesternachmittag lief er auch im Ersten.
Und 2020 bekamen wir auf diesen Sketch eine ganz neue Sichtweise.

Miss Sophie feiert ihren 90. mit ihren Freunden – nur sind die alle nicht da. Tot. Sir James, ihr Butler, muss alle ihre Rollen einnehmen.
Nun sind wir in Wirklichkeit natürlich nicht alle tot. Aber wir müssen Abstand halten, und auch wir konnten keine großen Partys feiern, mit allen Freunden. Selbst wenn Sophies Freunde alle noch leben würden, hätten sie zu ihrem 90. nicht hätten kommen dürfen. Vielleicht hätte Mr. Winterbottom kommen dürfen. Sir Toby, Admiral von Schneider, und Mr. Pommeroy wären ein paar Haushalte zu viel gewesen – sie hätten sich per Skype zuschalten müssen.
So aber blieb Mrs. Sophie mit dem Butler allein, eine Ansteckungsgefahr gab es nicht.

Wenn wir hoffentlich 2021 Silvester wieder normal feiern können, dann wird Miss Sophie allerdings wieder ganz allein mit dem Butler ihren 90. feiern. Und wir können ein bisschen mehr nachvollziehen, wie es ist, alleine eine Party zu veranstalten…

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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