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Hart aber fair: Aus Worten werden Schüsse – Wie gefährlich ist rechter Hass?

Donnerstag, den 4. Juli 2019
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MO 01.07.2019 | 21.15 Uhr | Das Erste

Wenn man über die AfD spricht, ist es durchaus sinnvoll, auch jemanden von der AfD einzuladen. Und wenn es vor allem um die AfD und deren Umgang mit bestimmten Themen geht, dann kann es durchaus passieren, dass der Vertreter der AfD in einer Talkshow die meiste Redezeit bekommt – ganz einfach, weil sich alle Diskussionen an ihn richten.
Um so merkwürdiger ist die Diskussion um die Sendung “Hart am fair”, die am Montagabend im Ersten lief.

Schon im Vorfeld war die Aufregung groß. Der Auftritt des AfD-Politikers Uwe Junge wurde hart diskutiert. Dass er überhaupt eingeladen worden ist, sorgte mitunter für Empörung. Und der Auftritt soll sogar Thema für die Medienwächter sein. Es heißt, der WDR-Rundfunkrat werde sich in der nächsten Sitzung auch damit befassen.

Konkret ging es um den Mord des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke – und um den Hass davor und danach. Für Aufregung sorgte speziell ein Twitter-Tweet von AfD-Mann Uwe Junge: „Der Tag wird kommen, an dem wir alle Ignoranten, Unterstützer, Beschwichtiger, Befürworter und Aktivisten der Willkommenskultur im Namen der unschuldigen Opfer zur Rechenschaft ziehen werden! Dafür lebe und arbeite ich. So wahr mir Gott helfe!“.
So einen könne man nicht einladen, hieß es.

Ja, das ist sicherlich schwer auszuhalten, weil niederträchtig. Aber genau diesen Twitter-Tweet hielt Moderator Frank Plasberg seinem Gast auch vor. Uwe Junge wand sich und redete sich raus, und als Zuschauer merkte man schon, was man davon zu halten hat. Aber sollte das nicht Aufgabe einer solchen Sendung sein, Leute dort hin zu holen, um solche Dinge vorzuhalten und zu diskutieren?
Soll man über die AfD diskutieren, ohne die AfD dabei zu haben? Halten wir es inzwischen nicht mal mehr aus, diese Leute einzuladen, um mit ihnen zu diskutieren und gegen sie zu argumentieren? Möchte man stattdessen immer im eigenen Saft schwimmen und sagen, wie schlimm alles sei und wie scharf das zu verurteilen sei?
Uwe Junge redete viel. Manches war unerträglich. Aber hin und wieder sollte und muss man das in einer Fernsehdiskussion aushalten. Und vor allem sind ja auch die anderen Gäste dazu da, dem etwas entgegenzusetzen. Was sie auch taten. Auch Frank Plasberg griff hin und wieder ein, auch wenn er einige Aussagen Junges vielleicht hätte revidieren können.

Nach der Sendung erntete “Hart aber fair” harte Kritik von vielen Seiten, auch von vielen Journalisten. Wer das gelesen hat, hätte meinen können, im Ersten habe sich am Montag ein unglaublicher Skandal abgespielt. Hat er nicht. In einigen Beiträgen wurde sogar aufgerechnet, wer wie viel gesagt hat – und es wurde sich empört, warum AfD-Junge am meisten reden durfte. Dabei ist die Antwort klar – siehe oben.

Und wie kopflos man inzwischen ist, zeigte ein Twitter-Pingpong danach. Frank Plasberg beendete seine Sendung mit den Worten an Uwe Junge: „Ich hoffe, es kam Ihnen nicht vor wie ein Tribunal.“ Dieser Satz war in der Tat fatal, weil er wie eine Streicheleinheit wirkte, die absolut nicht angebracht war. Auch das sorgte für Empörung, und das durchaus zurecht.
Das Erste twitterte zum Vorwurf, warum man überhaupt einem AfD-Mann ein Forum gebe: „Die Redaktionen der Talksendungen bemühen sich insbesondere, AfD-Vertreterinnen kein Forum für ihre Zwecke zu bieten. Je nach Thema ist es aber von Fall zu Fall nötig, AfD-PolitikerInnen selbst zu Wort kommen zu lassen.“
Das ist harter Tobak. Einerseits weil es durchaus irritiert, wenn ein öffentlich-rechtlicher Sender sagt, dass man sich bemühe, eine Partei auszuschließen. Und andererseits nutzen CDU, SPD und Co. Sendungen ja auch als Forum für ihre Zwecke. Die Wortwahl ist jedenfalls extrem unglücklich.
Später schrieb Sabine Knott, die Leiterin der Zuschauerredaktion im Ersten auf Twitter: „Dieser Tweet war leider nicht mit der Redaktion von „Hart aber fair“ abgestimmt. Dafür entschuldigen wir uns. Wir betonen, dass bei uns für alle Parteien dieselben Standards gelten. Im Übrigen entscheidet jede Redaktion für sich, wen sie zu welchem Thema einlädt.“ Eine sehr nötige Richtigstellung, und es wirkt, als ob da jemand zuvor seine private Meinung mit der Haltung eines TV-Senders verwechselte.

Um das zusammenzufassen: “Hart aber fair” am Montag war unbequem, aber kein Skandal. Bemerkenswert ist viel mehr die Diskussion rund um diese Sendung.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 1. Juli 2020)

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ZAPPER VOR ORT: Lindenstraße

Mittwoch, den 3. Juli 2019
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SA 29.06.2019 | WDR-Produktionsgelände Bocklemünd

Ende Dezember 2019 ist Schluss. Dann wird in Köln-Bocklemünd die allerletzte Szene für die “Lindenstraße” gedreht. Im März 2020 soll sie im Ersten ausgestrahlt werden. Im 35. Jahr der Serie zieht die ARD den Stecker. Dass das ein gewaltiger Fehler ist, sei mal dahingestellt.
Bevor es aber vorbeigeht, wollte ich endlich mal hin. Ich habe jede Folge gesehen, seit Anfang an bin ich dabei. Die Serie hat mich ein Leben lang begleitet. Sonntag für Sonntag war ich in dieser Lindenstraße – aber nur am Fernseher. Aber ich wollte sie mal real sehen.
Dazu muss man sich für eine Führung anmelden – sie führt über das WDR-Produktionsgelände, die Außenkulisse der “Lindenstraße” ist ein Teil davon.

Die Illusion ist ziemlich perfekt. Wer in der Mitte der Lindenstraße steht, könnte meinen, die Straße sei wirklich echt. Auf einer Seite stehen die beiden Mehrfamilienhäuser Nummer 1 und 3. Letzteres mit freundlicher blauer Farbe, die Nummer 1 eher noch oldschool. An der Ecke steht das Arztpraxis-Gebäude, in dem oben Dr. Dressler lebt und unten Dr. Brooks praktiziert. Das Gebäude sieht schon ein bisschen abgewrackt aus – aber so ist das ja auch im wahren Leben, dass Sanierungsbedarf besteht.

Auf der anderen Seite ist der Naro-Supermarkt, der aber, wenn man durch die Scheiben sieht, nur eine Fototapete ist. Am anderen Seite ist das Akropolis, das ehrlicherweise eher nicht so einladend aussieht, weil die Kneipe gar keine offenen Fenster hat. Der Biergarten sieht erstaunlich klein aus. Die Kneipe ist eingerüstet – da scheint sich noch mal was zu tun.

In den Querstraßen vorn und hinten sind die bespielbaren Kulissen – das Café Beyer, die Bar von Murat, das ehemalige Reisebüro. Auf der anderen Seite das Bistro und der Friseur. Daneben ist das Astor-Kino, hinter der Fassade befinden sich aber in Wirklichkeit die Studios.
Denn die Straße ist ansonsten tatsächlich nur Kulisse. Wer ins Haus Nr. 3 treten will, tritt ins Nichts. Hinter den Fenstern ist nicht wirklich was.

Interessant ist die Kulisse Lindenstraße 5: Das Haus ist eingerüstet und verhüllt. Dahinter soll ein neues Hotel entstehen, über das auch in den aktuelle Folgen diskutiert wird. Im Sommer 2020 soll der Bau fertig sein. So steht es auf einem Schild. Das bedeutet, dass wir die Fertigstellung wohl nicht mehr erleben werden.
Es gibt noch mehr interessante Details: So steht vor dem Supermarkt eine Zeitungsbox. Die Zeitungen darin sind aber allesamt von 2015. Die Filmplakate am Kino sind auch schon ein bisschen älter.
Der Tomatensalat XXL kostet im Akropolis 12,30 Euro, der Hirtensalat 12,90 Euro. Nicht gerade preiswert.
Das Klingelschild an Haus Nr. 3 ist immer auf dem neuesten Stand, und ich glaube, es ist eine Herausforderung für den Postboten, wenn in drei der zehn Wohnungen Beimers wohnen.

Bespielbar ist auch der Hinterhof des Hauses Nr. 3. Dort steht jetzt eine Holzsauna. Was es damit auf sich hat, wissen wir allerdings noch nicht. Man sieht dort aber auch, dass außerhalb der Kameraperspektiven der Blick auf das Hinterhaus offenbart, dass es sich wirklich nur um eine Kulisse handelt.

Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man plötzlich so richtig in dieser Kulisse, in dieser Straße steht. Deshalb hat mich natürlich eine Frage ganz besonders interessiert: Was passiert eigentlich 2020 mit der Außenkulisse, mit der Lindenstraße? Dazu könne sie nichts sagen, meinte die junge Frau, die uns über das WDR-Gelände führte. Sie dürfe dazu nichts sagen.
Abriss? Ohne die Lindenstraße sieht es in Bocklemünd so oder so ziemlich düster aus. Aber vielleicht kann man ja damit noch was anfangen…

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ZAPPER VOR ORT: WDR-Studios in Köln-Bocklemünd

Dienstag, den 2. Juli 2019
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SA 29.06.2019 | Köln, WDR-Produktionsgelände Bocklemünd

WDR oder DDR? Manchmal haben wir uns diese Frage gestellt, als wir am Sonnabend in Köln-Bocklemünd das Produktionsgelände des WDR besucht haben.
Wer dort eine Führung mitmachen will, muss sich anmelden.

Momentan scheint das Pförtnerhaus umgebaut zu werden. Es ist eine Baustelle. Und es wirkt wie ein Museum. Der “Schalter” scheint ein Relikt aus den 70ern zu sein. Ein uralter Monitor steht dort, fehlt nur noch ein Telefon mit Wählscheibe.
Als wir mit der Besuchergruppe auf das Gelände laufen, wundern wir uns, wie abgewirtschaftet es dort aussieht. Das Gebäude gegenüber des Eingangs wirkt wie in der DDR. Wir laufen nach links in Richtung Werkstätten. Wir stoppen an einer Arena. Unten ist eine Bühne, drumherum eine Art Treppenbereich, auf der mal Zuschauerbänke gestanden haben müssen. Bis zu den frühen 90ern wurde hier regelmäßig “Hollymünd” aufgezeichnet, eine Sonntagnachmittagshow im damaligen West 3 und späteren WDR-Fernsehen. Heute ist es ein ziemlich verwitterter Platz.

Weiter geht es in die Werkstätten. Dort werden Requisiten für die Shows in Bocklemünd, aber auch für das WDR-Haus in der Kölner Innenstadt gebaut. Am Rande stehen sogar noch Kulissen von “Geld oder Liebe” rum, das ja schon Ewigkeiten nicht mehr produziert wird. In einem Zeitschriftenständer liegen verstaubte WDR-Magazine rum, die schon einige Jahre alt sind.
In einer der Werkstätten erklärt uns ein Mitarbeiter, dass er gerade an einem neuen Fußboden für die “Aktuelle Stunde” arbeitet, die demnächst von Düsseldorf nach Köln ziehen soll.

Weiter geht es in die Außenkulisse der “Lindenstraße” – aber davon demnächst mehr.
Es ist brütend heiß. Deshalb freuen wir uns, als wir in einer der klimatisierten Hallen ankommen. Noch am Vortag ist dort der “Kölner Treff” aufgezeichnet worden. Das Studio macht was her. Die Kulissen sollen eine alte Lagerhalle suggerieren, was im Fernsehen sicherlich gut rüberkommt.
Auf dem Tisch in der Mitte liegen noch die Moderationskarten von Bettina Böttinger. Aufgezeichnet wird immer um 18 Uhr, gesendet erst um 22 Uhr – allerdings als Live-Aufzeichnung. Was bedeutet, dass im Nachhinein nichts mehr an der Sendung geändert wird. Wobei ich mir nicht vorstellen kann, dass nach einem gravierenden Fehler nicht an der Aufzeichnung geschnitten wird…

Weiter geht’s ins Nebenstudio. Das ist noch größer. Dort werden auch die Hirschhausen-Shows aufgezeichnet. Gerade standen die Kulissen von “Für immer Kult”, einer neuen, wohl noch nicht ausgestrahlten WDR-Show. Lauter alter Kultkram stand im Hintergrund rum, und alle wollten mal am Ratepult Platz nehmen.
Warum das Studio offenbar permanent so kühl gehalten wird, wollte jemand wissen. Eine Antwort gab es nicht, aber man wolle mal nachfragen, hieß es.

Alles andere als kühl war es dafür im Studio von “Tiere suchen ein Zuhause”. Da roch es ein wenig nach Zirkus, und man kann nur hoffen, dass dort nicht so eine Demse herrscht, wenn aufgezeichnet wird.

Auf dem Weg zurück kommen wir noch am Gebäude des ARD/ZDF-Beitragsservice vorbei. Da werden also unsere Gebühren hingebracht. In eine vernünftige Architektur ist es jedenfalls nicht geflossen.
Es ist immer wieder spannend, zu sehen, wie es im Hintergrund der Fernsehwelt aussieht. Die Studios sind interessant und wirken modern. Aber alles in allem macht das Gelände in Bocklemünd einen erschreckend ramschigen Eindruck.

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RTL aktuell spezial: Hitze extrem

Donnerstag, den 27. Juni 2019
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MI 26.06.2019 | 20.15 Uhr | RTL

Seit Jahrzehnten gibt es im Ersten einen “Brennpunkt” zur Primetime, wenn es eine besondere Nachrichtenlage gibt. Bei RTL – ja eher selten in Sachen Informationsoffensive zur Stelle – sind sie nun auch auf den Geschmack gekommen. Am Mittwoch gab es um 20.15 Uhr bei RTL eine Programmänderung: ein “RTL aktuell spezial” mit dem Titel “Hitze extrem”.

15 Minuten lang ging es um den wohl bislang heißesten Tag in Deutschland. Wie schlimm es war. Wie schlimm es ist. Und wie schlimm es sein wird. Alles schlimm.
Man wolle das jetzt öfter machen, wenn es die Nachrichtenlage erfordere, hieß es. RTL-Brennpunkte gibt es also in Zukunft, wenn es heiß ist, vielleicht auch wenn es kalt ist. Oder wenn es mal schneit. Oder wenn Sylvie Meis mal wieder einen Neuen hat. Oder wenn bei “Let’s Dance” mal jemand gestolpert ist. Alles ganz wichtig, und dafür kann man auch mal die anderen egalen Sendungen, die sonst so zur RTL-Primetime laufen, verschieben.

Übrigens gab es zeitgleich im Ersten einen “Brennpunkt” – zum Thema Politischer Mord – Geständnis im Fall Lübcke”. Ist vielleicht doch ein bisschen brisanter als der RTL-Wetter-Brenndingsbums.

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Anne Will: Hass, Drohungen, Gewalt – wie kann sich unsere Demokratie wehren?

Dienstag, den 25. Juni 2019
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SO 23.06.2019 | 21.45 Uhr | Das Erste

Die Zeiten ändern sich. Dank der soazialen Medien haben die Menschen viel mehr Möglichkeiten, ihre Meinung zu sagen, auch, den Fernsehleuten mitzuteilen, wenn sie etwas nicht in Ordnung finden.
Schon bevor am Sonntagabend “Anne Will” im Ersten auf Sendung ging, regte sich Protest.

Thema der Sendung war: “Hass, Drohungen, Gewalt – wie kann sich unsere Demokratie wehren?”. Nach dem Mord an Walter Lübcke, dem Kasseler Regierungspräsident, ging es um rechten Terror und rechte Gewalt und darum, wie Deutschland damit umgehen müsse.
Die Gäste: die Chefin der CDU, die Fraktionschefin der Grünen, die Oberbürgermeisterin aus Köln, ein Oberstaatsanwalt und eine Gerichtsreporterin.
Keine Gäste: ein Betroffener von rechter Gewalt. Und das sorgte schon im Vorfeld der Talkshow für Kritik.

Henriette Reker, die Kölner Oberbürgermeisterin stand in der Sendung für die Betroffenen, denn auch sie war bereits Ziel eines Anschlages.
Aber dennoch fällt auf, dass die Gäste von Anne Will alle aus der Politikerschicht kommen, plus der Experte und die Journalistin.
Das kann man so machen, aber dann hätte sich Anne Will zwischendurch kurz Zeit nehmen können, vielleicht noch ein Opfer zu Wort kommen zu lassen, der nicht zu den Oberen gehört. Jemand, der sich engagiert und dafür angefeindet wird. Oder ein Bürgermeister eines kleines Ortes. Einfache Menschen eben, mit denen sich die Zuschauer besser gemein machen können als mit Politikern.
Das ist ein echtes Versäumnis der “Anne Will”-Redaktion. In früheren Sendungen gab es immerhin zusätzliche Gäste, die abseits der eigentlichen Runde befragt worden sind. Dieses Stilmittel scheint auch abgeschafft.
Bitte auch mal mehr die Themen von unten denken. Lasst die Menschen wie du und ich mehr zu Wort kommen!

-> Die Sendung in der Mediathek (verfügbar bis 23. Juni 2020)

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Eurovision Song Contest 2019 – Setteles Zugabe

Montag, den 20. Mai 2019
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SA 18.05.2019 | 1.20 Uhr (So.) | ORF1

Nach dem 24. Platz und den null Punkten vom Publikum beim Eurovision Song Contest 2019 herrscht wieder Unruhe in Deutschland. Auch und gerade bei den Verantwortlichen für den ESC. Schon jetzt heißt es: 2020 müsse wieder einiges anders werden.
Da können wir auch gleich mal über das deutsche Rahmenprogramm der Show reden. Das ist nämlich auch eine Katastrophe.

Nach der großen Show und den Nachrichten gab es im ORF1 in Österreich “Setteles Zugabe”. Die Sendung bestand aus vier Leuten – darunter Christoph Grissemann -, und sie unterhielten sich 20 Minuten lang über die gerade gesehene Show. Über ihre Höhe- und Tiefpunkte, es gab noch mal Ausschnitte und eine Schaltung nach Tel Aviv.
Das war interessant, lustig und der Sache angemessen. Nach der großen Show wurde noch mal durchgeatmet und ein Fazit gezogen. Eine Sendung, die gut funktioniert.
Vor dem Song Contest um 20.15 Uhr zeigte ORF1 eine einführende Sendung mit Beiträgen aus Tel Aviv und einer Vorschau auf die Show.

Und in Deutschland? Im Ersten begann nach der Show die “Grand Prix Party”. Ein Titel von gestern, denn vom Grand Prix sprechen die jungen Zuschauer schon lange nicht mehr. Die Sendung begann mit einem Auftritt von Stefanie Heinzmann.
Was diese Show überhaupt soll, ist unklar. Denn an sich ist es vollkommen überflüssig, dass nach der Show noch eine Show läuft. Zumal man ja eigentlich eher das Bedürfnis hat, über das gerade Gesehene zu reden. Stattdessen kommt Live-Musik. Immerhin spricht Moderatorin Barbara Schöneberger noch mit der deutschen Jury, und Schalten nach Tel Aviv gibt es auch.
Aber dennoch: Die Sendung von der Reeperbahn ist altbacken. Es wäre viel sinnvoller vor dem Eurovision Song Contest ab 20.15 Uhr etwas über das Land zu sagen, über die Teilnehmer (wir reden viel zu viel über uns selbst, also Deutschland) und über die beiden Halbfinalshows. Und danach eine kleine Runde, die einordnet – würde völlig reichen.
Aber in der ARD ist man nicht gewillt, etwas zu ändern. Daran, den ESC in Deutschland zu einem Event zu machen. Daran, einen guten Weg zu finden, Künstler zum Event zu schicken. Daran, die Show vernünftig zu kommentieren. Daran, die Show gut zu flankieren. Neue Leute sollten sich dieser Aufgabe annehmen.

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Eurovision Song Contest 2019

Sonntag, den 19. Mai 2019
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SA 18.05.2019 | 21.00 Uhr | Das Erste

“I’m sorry! Zero Points!”
Vermutlich ist das der Fernsehmoment des Jahres 2019. Weil er so verdammt lustig und gleichzeitig so verdammt traurig war. Es war der Moment, in dem klar war, dass wir, Deutschland und die S!sters, vom Eurovisionsfernsehpublikum keinen einzigen Punkt bekommen haben.

Kennt ihr das eigentlich auch? Dass man nach dieser Show immer irgendwie einen Kater hat? Dass so ein bisschen Ernüchterung herrscht? Weil alles schon wieder vorbei ist. Und weil alles irgendwie doch nicht so ablief, wie erhofft.
Der Eurovision Song Contest 2019 in Israel ist Geschichte. 2020 wird der ESC-Zirkus in die Niederlande ziehen, vermutlich nach Amsterdam. Das geht in Ordnung, denn Duncan Laurence hat mit “Arcade” einen schönen Song geliefert, der allerdings auch nicht wirklich im ewigen Gedächtnis hängen bleiben wird. Ein bisschen enttäuschend daran ist nur, dass tatsächlich genau der Song gewonnen hat, der auch vorher schon bei den Wettbüros ganz oben stand.

Ansonsten aber war der 2019er-Jahrgang in Tel Aviv durchaus hochwertig und mit vielen guten Songs bestückt. Allen voran natürlich Australien. Kate Miller-Heidke und ihre zwei Mitsängerinnen standen für “Zero Gravity” auf fünf Meter hohen Stelzen und schwebten so scheinbar über der Erde. Ein ganz großer Moment, der immerhin mit einem 9. Platz belohnt worden ist.
Spanien und Miki liefern mit “La venda” einen Sommerhit. Italien und Mahmood haben mit “Soldi” erneut gezeigt, dass die Italiener Jahr für Jahr tolle Songs zum Contest beisteuern. Spanien wurde nicht belohnt – 22. Platz. Italien aber landete auf Platz 2.
Glückwunsch an Serhat aus San Marino: Er sang “Say na na na” und traf im Gegensatz zum Halbfinale sogar die Töne. Ebenso Victor Crone aus Estland, der seinen Song “Storm” im Halbfinale noch relativ, nun ja, stürmisch sang.
Frankreich und Bilal Hassani zeigten uns in “Roi”, dass jeder von uns ein König ist. Auch und natürlich die, die andersartig sind. Das wirkte allerdings schon recht gewollt und zeigte deshalb nur bedingt Wirkung beim Publikum und den Jurys . nur Platz 14. Da haben sich die Franzosen sicher mehr erhofft.

Und Deutschland? Platz 24. Vorvorletzter. Von den Jurys gab es 32 Punkte, von den Zuschauern gar nichts. Wobei das ja nur heißt, dass es nirgendwo besser lief als Platz 11. Enttäuschend ist das dennoch, denn der Song hatte Power, die Melodie war eingängig, die Mädels hatten eine gute Präsenz. Platz 15 hätte drin sein müssen. Das Schlimmste daran ist jetzt allerdings die Häme der Social-Media-Volkes.

In diesem Jahr gab es übrigens noch einen inoffziellen Platz 27: Madonna. Glückwunsch! Mit großen Bohei wurde der Megastar angekündigt. Lange war unklar, ob sie wirklich auftritt. Es hieß, ein israelischer Geschäftsmann habe die Millionengage gesponsert. Zum 30. Jubläum von “Like a Prayer” sang sie eben jenen Song. Und ein großes Millionenpublikum sah Madonna scheitern. Abgesehen davon, dass die Version seltsam tranig war – Madonna traf fast keinen Ton. Der Auftritt war ein Desaster. Ihren neuen Song sang sie dann (vermutlich) mit Playback. Der klang dann zwar perfekt, war aber lahm. Eine riesige Enttäuschung, dieser Auftritt – und irgendwie vollkommen überflüssig. Es heißt, Madonna habe die Probezeit weit überschritten – rausgekommen ist eine mehr als laue Show.

2020 also in die Niederlande. Wobei man festhalten muss, dass bei den Jurys Schweden vorne lag, beim Publikum Norwegen. Die Niederlande ist ein Kompromiss, mit dem aber gut leben kann.

PS: Wann geht eigentlich Peter Urban endlich in Rente? Seine väterlichen, abgelesenen Kommentare sind selten lustig und wirken altbacken. Wer sich den Eurovision Song Contest im ORF1 in Österreich ansieht, wird sehen, dass das auch anders geht. Andi Knoll kommentiert das Event bissig und informativ. Warum geht das nicht auch im Ersten in Deutschland?

PPS: Wir können uns mit Luca Hännis 4. Platz trösten. Der Schweizer – der ja in Deutschland Gewinner der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar” ist, hat einen guten Job gemacht. Und irgendwie gehört er ja auch zu uns…

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