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Trauerfeier für die Queen

Dienstag, den 20. September 2022
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MO 19.09.2022 | 9.00 Uhr | Das Erste

Der Tag des Abschieds. Als in Windsor der Sarg mit der verstorbenen Queen Elizabeth II. langsam nach oben in die Gruft abgesenkt wird, da lag einem dann doch schon ein dicker Kloß im Hals. Auf einem Dudelsack spielte ein Mann eine Melodie, und er entfernte sich während des Spielens aus unserem Blickwinkel und verschwand aus dem Raum. Die Kamera schneidet um, und man sieht das Gesicht von König Charles III., dem dann doch sichtbar das Wasser in den Augen steht. Es ist ja nicht nur ein Moment der Geschichte – es ist auch ein Sohn, eine Familie, die ihr Oberhaupt zu Grabe trägt.

Dieser Montag war auch der große Tag des Fernsehens. Das Erste übertrug neun Stunden live die “Trauerfeier für die Queen”, ebenso das ZDF in einem neunstündigen “ZDF spezial”. Bei phoenix und tagesschau24 schalteten sie sich zum Ersten dazu. Auch Sat.1 und RTL übertrugen stundenlang live, und natürlich die Nachrichtensender Welt, ntv, Bild und euronews.
Nun könnte man sich wieder drüber aufregen, dass ARD und ZDF wieder stundenlang parallel übertragen haben. Aber andererseits: Die Relevanz dieses großen Ereignisses gibt es dann doch her, dass alle großen Sender dabei sein wollen. Dass ARD und ZDF Geld rausschmeißen würden, ist auch fraglich, denn die diversen Magazine, die sonst gelaufen wären, kosten auch Geld und Personal.

Und sonst so?
Im Ersten hatten sie eine Expertin zu Gast, die eine dermaßen raue Stimme hatte – man muss eher von einer Reststimme sprechen, dass es zu gruselig war, ihr zuzuhören. Für Audiokommentare, leider ungeeignet.
Um 16.30 Uhr begann im Ersten “Brisant”. Genau genommen übergab das Team der Sondersendung davor an “Brisant”, wo dann aber die Live-Übertragung bis kurz vor 18 Uhr weiterging. Wozu man zu “Briant” vom NDR zum mdr übergeben hatte, um dann weiter live aus Windsor zu übertragen, blieb vollkommen unklar.
Bei Bild waren sie am Montagvormittag mit Abstand am respektlosesten – was ja von Bild eigentlich auch nicht anders zu erwarten ist. Während der Sarg der Queen nach Westminster Abbey gebracht wurde, hielten alle vor der Kirche eine Minute inne – während bei Bild das zwar gezeigt wurde. Dazu quackelte aber eine Frau über die Hunde, die sie dabei hatte, und meinte, sie könne das alles so mitfühlen. Zum Schämen.
Überhaupt der Drang, irgendwas sagen zu müssen. Warum halten es die Fernsehleute nicht auch mal aus, zu schweigen? Warum muss direkt nach dem Trauergottesdienst sofort getratscht werden? Bei RTL und Sat.1 gingen sofort die sogenannten Adelsexpertinnen und -experten in Stellung und schwadronierten darüber, wie Charles aussah, was Harry gemacht hat und Person X. Bei Sat.1 in bunt-fröhlicher Atmosphäre. Und selbst im Ersten und im ZDF mussten erst mal Adelsexperten gefragt werden.
Statt dass sich phoenix auf das ARD-Signal schaltet, hätte man dort einfach mal eine kommentarlose Übertragung anbieten sollen. Da hätte diese Doppel-Übertragung mal einen Sinn ergeben.

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Eilmeldung: Queen Elizabeth II. ist tot

Sonntag, den 11. September 2022
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DO 08.09.2022 | 19.32 Uhr | tagesschau24

Irgendwann musste dieser Tag kommen: Queen Elizabeth II. ist tot. Im Alter von 96 Jahren ist sie am Donnerstagnachmittag auf Schloss Balmoral in Schottland gestorben.
Und noch nie ist man auf so eine extreme Art und Weise mit der Nase darauf gestoßen worden, wie Sender und Zeitungen ihre vermutlich seit langem fertigen Nachrufe ins Programm oder auf die Seiten gehoben haben. Diese Todesmeldung war fast schon erschreckend schnöde Routine in den Nachrichtenredaktionen.

Und besonders schnöde war am Donnerstagabend ausgerechnet die Tagesschau. Den ganzen Nachmittag gab es bei tagesschau24 Berichte über die Situation rund um den Gesundheitszustand der Queen. Um 19.30 Uhr deutscher Zeit gab die Royal Family den Tod der Queen per Twitter bekannt – und kurz danach wehten die Fahnen auf Balmoral und in London auf Halbmast.

Bei der Tagesschau waren sie am Donnerstag auf beeindruckende Weise stümperhaft. Als im kleinen Bildfenster auf tagesschau24 die Fahne auf Halbmast gesetzt wurde, lief gerade der aufgezeichnete Wetterbericht. Man war also ausgerechnet zu dem Zeitpunkt nicht live auf Sendung, man hat auch erst mal nicht reagiert. Moderator Michail Paweletz sagte sogar noch einen anderen Beitrag in der “Schwerpunkt”-Rubrik an – und vermutlich war auch dieser Teil der Sendung nicht live, während die Fahne im kleinen Bild groß auf Halbmast zu sehen war. Der Beitrag lief noch an, auch in den Laufbändern keine neue Meldung zur Queen.
Irgendwann – mitten im Beitrag – gab es dann doch den Eilmeldung-Vorspann.

Und dann wurde es wirklich bizarr, auf gleich zwei Ebenen. Moderator Michail Paweletz überbrachte dann nicht die Todesmeldung, also die Eilmeldung selbst, er las auch nicht das veröffentlichte Statement der royalen Familie vor. Das gab sein Teleprompter, an dem er mit den Augen klebte, leider nicht her. Stattdessen las er eine vorgefertigte Moderation vor: Nach langer Vorrede über die Queen, meinte er dann, jetzt, wo die Queen gestorben sei, sende man einen Nachruf. Es gab also zum lange vorbereiteten Nachruf die lange vorbereitete Moderation, die Paweletz einfach vorlas, ohne überhaupt auf die eigentlich aktuelle Nachrichtenlage einzugehen. Nur drei Minuten nach Bekanntwerden des Todes der Queen, sendete tagesschau24 den Nachruf.

Bizarr auch, was im Ersten geschah: Dort lief “In aller Freundschaft – Die jungen Ärzte”. Nach 19.30 Uhr lief dann die Todes-Eilmeldung immer wieder durchs Bild. Es folge ein Sonderausgabe der Tagesschau. Aber irgendwie muss man den Einstieg verpasst haben, denn erst um 19.33 Uhr – und ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt kämpfte eine Patienten in der Serie gegen den Tod – schaltete man sich in die laufende tageschau24-Sendung, und dort hatte der Nachruf schon begonnen. Heißt: Im Ersten gab es nicht mal eine Moderation, von einer Sekunde zur anderen fanden sich die Zuschauer mitten in einem Nachruf auf die Queen. Den man bis 20 Uhr noch zwei weitere Male gezeigt hat.

Um 19.59 Uhr dann ein weiterer Moderationsunfall. Offenbar sollte Michail Paweletz sich eigentlich verabschieden und an die 20-Uhr-Hauptausgabe abgeben. Hinter ihm war auch der entsprechende Hinweis zu sehen.
Aus nicht bekannten Gründen las Paweletz aber einen anderen Text vor, der scheinbar auf dem Prompter lief. Paweletz las stur vor, was da stand, und im Ersten blendete man ihn irgendwann einfach rüde weg, um zur eigentlichen Tageschau zu schalten. Dort lief übrigens zuerst der Nachruf, der direkt davor bereits zu sehen war, und somit lief er innerhalb von 30 Minuten zum vierten Mal.
Ganz klar: Was Technik und Abläufe angeht, hat sich die Tageschau am Donnerstag nicht mit Ruhm bekleckert.

Das ZDF brach um 19.34 Uhr “Notruf Hafenkante” ab. Ein Eilmeldungslaufband hatte es zuvor allerdings nicht gegeben. Im “ZDF spezial” begannen sie die Meldung wenigstens mit der Nachricht an sich. Aber auch dieser Sendung merkte man an, dass sie im Laufe des Tages vorbereitet worden ist, weil das Ableben der Queen absehbar war. Die Breaking News war für die Medien keine unmittelbare Überraschung, sondern eher der “Startschuss” für alles das, was stundenlang, tagelang, monatelang vorbereitet worden ist.
Das merkte man auch an den weiteren abendlichen Sondersendungen. Auch wenn die Nachricht erst 45 Minuten alt war, im Ersten und bei Sat.1 hatte man Sondersendungen mit Gästen und Beiträgen vorbereitet. Bei RTL Hatte man eh ein “RTL aktuell spezial” zur Sorge um die Queen vorbereitet – so mussten sie nur den Titel ändern.

Auch bei phoenix reagierte man schnell, aber auch nicht sofort. Während der Live-Übertragung aus dem Bundestag ah man auch dort im kleinen Bild die Fahne auf Halbmast. Allerdings wurde die Sendung schnell abgebrochen, um sich der Breaking News zuzuwenden.
Bei Welt, ntv und Bild waren sie dagegen live auf Sendung und konnten den Zuschauern nahtlos die neueste Nachricht überbringen. Die Nachrichtensender hatten in dem Fall tagesschau24 vieles voraus – und die haben auch erst mal die Meldung verlesen und live reagiert und nicht kommentarlos den Nachruf rausgehauen.

Und natürlich war es die BBC in Großbritannien, die die Todesnachricht fast schon protokollarisch zelebrierte. Man unterbrach alle Programme, blendete eine Tafel “BBC News Report” ein, verkündete, dass man für eine wichtige Nachricht unterbreche.
“This is BBC News from London”, sagte der Moderator, und im Grunde weiß man in Großbritannien bei diesem Ablauf schon: Jetzt wird es ernst. Buckingham Pallce habe den Tod der Queen bekanntgegeben, so der Moderator weiter. Kurz und bündig. Gefolgt von einem Schwarzbild, einer Tafel mit dem Wappen und dem Schriftzug “HM Elizabeth II” und der britischen Nationalhymne.
Da weiß man: Es wird Geschichte geschrieben.

-> Die Live-Sendung bei tagesschau24 auf Youtube
-> Das “ZDF spezial” in der ZDF-Mediathek (bis 8. September 2024)
-> “BBC News Report” auf Youtube

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Sportschau live – Frauenfußball-WM-Qualifikation: Bulgarien – Deutschland

Samstag, den 10. September 2022
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DI 06.09.2022 | 18.15 Uhr | one

Frauenfußball! Gucken wir jetzt doch alle, oder? Wo die deutsche Frauenfußball-Nationalmannschaft doch bei der EM 2022 im Sommer Zweite geworden sind. Jetzt sei der Durchbruch geschafft, hieß es da – genau wie bei allen anderen EMs und WMs, bei denen die Frauen quotenträchtig erfolgreich waren.

Und klar, weil das Interesse jetzt so groß ist, übertragen die Sender auch die großen Spiele. Am Dienstagabend zum Beispiel. In der WM-Qualifikation spielten die deutschen Frauen gegen die aus Bulgarien.
Okay, ja, es war kein entscheidendes Spiel mehr, weil die Frauen schon qualifiziert sind. Aber klar, trotzdem wird dieses Länderspiel natürlich live übertragen.

Aber ach: Wer ist denn nur auf die Idee gekommen, so ein Spiel um 18.30 Uhr anzupfeifen? So was geht doch gar nicht. Immerhin läuft doch da im Ersten das Quiz “Gefragt – gejagt” und danach die “WaPo Bodensee”, und dann noch die vielen Werbeinseln vor der Tagesschau!
Nein, nein, nein, da ist dann doch leider gar kein Platz mehr für Frauenfußball. Nicht im Vorabendprogramm des Ersten. Da parkt man so ein Spiel doch lieber im 1-Prozent-Marktanteil-Sender one.

Und so lief am Dienstagabend das Frauenfußballspiel in der “Sportschau live” nicht im Ersten, sondern nur bei one. Vielleicht haben es ja ein paar Leute gemerkt. Jetzt, wo Frauenfußball ja so angesagt ist.

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Leichter leben

Samstag, den 3. September 2022
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FR 02.09.2022 | 14.10 Uhr | Das Erste

Mit Sternekoch Alfons Schuhbeck ein bisschen über Kräuter plaudern. Ein paar Tipps gegen Sonnenbrand. Ein paar Tipps, wie denn Menschen Ü50 noch jemanden fürs Leben finden.
Da ist “Leichter Leben”, ein neues Magazin im Ersten. Es läuft für drei Wochen auf dem Sendeplatz für eigentlich für “Rote Rosen” reserviert sind. Doch die Quoten der Soap schwächeln, und deshalb soll im Ersten probiert werden, ob denn etwas anderes besser funktionieren würde.

Letztere Frage lässt sich schon beantworten. “Rose Rosen” schwächelt, aber “Leichter Leben” hat diese Quoten noch mal halbiert. Die Leute interessieren sich nur so mittel für das neue Magazin.

“Leichter leben” hat allerdings auch ein großes Problem: Die Sendung gibt es schon, und sie läuft nur zwei Stunden zuvor. “Leichter leben” hat so ziemlich dasselbe Konzept wie das “ARD-Buffet”. Ein bisschen kochen, ein paar Alltagstipps, Gesundheitsthemen, Gäste – damit füllt man bereits die Stunde vor dem Mittagsmagazin. Die Frage ist also, warum will man mit demselben Konzept auch die Stunde nach de, Mittagsmagazin füllen?

Am Freitag saßen die Elena Uhlig und Johannes Wimmer im Studio und plauderten über Sonnenöle und über das Eincremen und legten sich dabei irgendwelche Lappen auf die Hände. Wimmer wurde vom Moderator zum Experten, und Elena Uhlig hörte staunend zu. Kann man machen, ist aber auch ein bisschen bräsig – wie eben auch das gemütliche “ARD-Buffet”. Dass man Anfang September noch mit einem Sonnenbrand-Thema hinterherkleckert, sei mal dahingestellt.
Und von Alfons Schuhbeck hätte ich lieber etwas zu seiner Insolvenz gehört als über Kräuter.

Eine Woche noch gibt es “Leichter leben” im Ersten, dann geht die Soap weiter. Irgendwie ist das Magazin nett gemacht, Wimmer und Uhlig harmonieren, und dennoch stellt sich die Wozu-Frage – wozu macht man etwas, dass es im Sender nur zwei Stunden zuvor schon gibt? Aber vielleicht kennen sich die ARD-Programmmacher mit ihrem eigenen Programm auch gar nicht so gut aus…

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 2. September 2023)

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Inas Nacht: Michèl von Wussow

Sonntag, den 28. August 2022
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SA 27.08.2022 | 23.40 Uhr | Das Erste

Wenn es darum geht, musikalische Perlen auszugraben und einem größeren Publikum zu präsentieren, dann spielt die Redaktion von “Inas Nacht” im Ersten dabei eine ganz große Rolle. Denn für die Sendung aus dem Hamburger Hafen scheint das Team gut zu recherchieren und sich immer wieder umzuschauen, welche Musiker es gibt, die vielleicht noch nicht so viele Auftritte im Fernsehen hatten.
Und so kommt es dann hin und wieder auch vor, dass man als Zuschauer von einem regelrechten Musik-Tsunami überrollt wird, einen Musikact präsentiert bekommt, der einen wegfegt und begeistert.

Am Donnerstag- und Sonnabendabend hatte der Musiker Michèl von Wussow mit seinem Song “Narbenherz” seinen Auftritt im “Schellfischposten”. Mit seinem aufwühlenden Sound, mit einer Stimme, mit einem absolut begeisternden Song sorgte von Wussow dafür, dass man sich gleich mal auf Youtube noch mehr Songs anhörte und anschaute.
Auf diese Weise habe ich einst schon Provinz kennen und lieben gelernt. Michèl von Wussow war nun der nächster Newcomer-Kracher bei “Inas Nacht”.

-> Der Auftritt in der ARD-Mediathek (bis 25. August 2023)

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Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im Sport

Donnerstag, den 25. August 2022
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SA 20.08.2022 | 22.40 Uhr | Das Erste

Olympische Spiele 1992 in Barcelona. Turmspringen. Jan Hempel steht oben auf dem Turm. Es geht um Medaillen. Er springt, und er patzt. Er wird nicht aufs Treppchen kommen.
Das haben wir damals alles gesehen.
Was wir nicht gesehen haben: Unmittelbar vor dem Wettbewerb wurde Jan Hempel vergewaltigt. Auf der Toilette des Stadions. Von seinem Trainer.

Da stockt einem der Atem.
Es ist nicht da einzige Mal, dass sich der Trainer an seinem Schützling vergeht. Jan Hempel war 11, als es das erste Mal geschah. Und es dauerte 14 Jahre, bis aufhörte.
14 Jahre.
Unfassbar. Schockierend.

“Missbraucht – Sexualisierte Gewalt im Sport” hieß die erschütternde Doku, die am späten Sonnabendabend im Ersten zu sehen war. Jan Hempel hat sich darin offenbart. Er leidet an Demenz, und er möchte, dass die Öffentlichkeit erfährt, was ihm passiert ist – bevor er es selbst vergessen wird.
Dabei hat er sich schon mal offenbart. Damals, 1996, als es vorbei war, als er den Missbrauch unterbunden hat. Aber beim Verband sei es nicht um Aufklärung gegangen, sondern um Vertuschung.
Der betreffende Trainer wurde suspendiert, aber die Gründe dafür seien verschleiert worden. 2001 nahm sich der Mann das Leben.

Hajo Seppelt und sein Team zeigen in der Doku, dass das kein Einzelfall ei. Selbst bei Olympia 2021 sei es Zwischenfällen gekommen, die aber unter Verschluss gehalten werden sollten. Es wird verschwiegen, und selbst wegen solcher Taten Verurteilte kommen wieder in Vereinen unter.
Die Doku offenbarte auf schmerzliche Weise, dass es im Schwimmsport offenbar sehr viel zu klären, aufzuklären gibt. Was Jan Hempel passiert ist, hätte nie passieren dürfen. Gut, dass so was nun ans Licht kommt.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek

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Diether Krebs – Der Größte

Montag, den 8. August 2022
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SA 06.08.2022 | 20.15 Uhr | NDR

Zwei Frauen sitzen am Kaffeetisch.
Sagt die eine: “Stellen Sie sich vor, meine Tochter lebt jetzt in Mexiko.”
Die andere: “Ach, nein, wie interessant! Was macht sie denn da?”
“Sie hat sich mit einem jungen Mexikaner verlobt.”
“Und wann wollen die beiden heiraten?”
“Meine Tochter meinte, sie wollen warten, bis der Peso besser steht.”
“Mein Gott, bei so einem jungen Mann, kann man denn da nichts gegen machen?”
Die eine stutzt und starrt in die Kamera.

Nun gut, so gelesen ist das sicherlich gar nicht so lustig. Aber wenn man sich diesen Sketch ansieht – da muss man tatsächlich lachen.
Die beiden Frauen werden gespielt von Iris Berben und Diether Krebs. Beide spielen sie Damen kurz vorm Seniorenalter, Diether Krebs ist die etwas gediegenere. Die Situation wirkt absurd, und die Art und Weise wie Iris Berben am Ende in die Kamera schaut und ihre Irritation, ihr Entsetzen zeigt, das ist unglaublich komisch.
Auch nach fast 40 Jahren.

Der Ausschnitt ist aus der Comedyreihe “Sketchup”. Sie lief in der Mitte der 80er-Jahre im Ersten, produziert vom BR. Er lief am Sonnabend in einer Doku über den Schauspieler und Komiker Diether Krebs, der 2000 gestorben ist und in diesem Jahr 75 geworden wäre.
In “Diether Krebs – Der Größte” erinnern sich Iris Berben, Beatrice Richter, Diether Krebs’ Söhne und viele andere an den Mann, der bekannt wurde als Schwiegersohn von Ekel Alfred in “Ein Herz und eine Seele”. Danach folgte die Krimiserie “Soko 5113”, dann gehörte er zum Ensemble von “Rudis Tagesshow”. “SketchUp” war seine erste eigene Sendung, später gab es “Voll daneben”.

Und es ist erstaunlich: Der Humor von “SketchUp” funktioniert noch heute, die Sendung, die Gags waren einfach genial. Der Clou war immer, dass am Ende eines Sketches eine der Personen entsetzt oder irritiert oder beschämt direkt in die Kamera schauten. Um einen Witz zu verstärken, um Raum zum Lachen zu geben. Das hat funktioniert, so gut wie nie davor und danach. “Voll daneben” hatte auch gute Momente, aber so richtig lachen konnte man eher über “SketchUp”.
So ist der Titel der NDR-Doku, “Diether Krebs – Der Größte” zwar ganz schön hochgegriffen. Aber wenn man nach 40 Jahren über die Gags immer noch lachen muss – da muss ja irgendwas dran sein…

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 13. August 2022)

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