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Moma – Das Erste am Morgen: #netzreporter

Samstag, den 22. September 2018
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FR 21.09.2018 | 5.30 Uhr | Das Erste

Ist ja wieder unglaublich, was die SPD-Vorsitzende Andrea Nahles vom Stapel gelassen hat. Die “#netzreporter” von Radio Bremen haben bei Twitter was gefunden und den Tweet in einen Beitrag des Morgenmagazins der ARD eingefügt.

Zum Thema Maaßen soll Nahles gesagt haben: “Wenn Sie mir alle Ihr Ehrenwort geben, dass Sie bei Neuwahlen SPD wählen, gehe ich heute noch ins Kanzleramt und lasse die Koalition platzen, wenn Frau Merkel die Herren Seehofer und Maaßen nicht unverzüglich entlässt.”
Kawumm! Das knallt natürlich, und dass man diesen Twett mal zeigen muss – na, das ist doch klar!

Wenn er denn mal von Andrea Nahles gewesen wäre. Die RB-Netzreporter sind unglücklicherweise auf einen Satire-Account namens @VorsitzNahles reingefallen.
Hätte man übrigens drauf kommen können. Der vorherige Tweet lautete: “Sie müssen mich auch verstehen. Maaßen hat Informationen. Sensible Informationen. Er kennt meine Konfektionsgröße und Frau Merkels geheimes Kartoffelsuppenrezept.” Und oben links auf der Twitter-Seite steht: “SPD-Vorsitzende. Zukünftige Kanzlerin und Twitterkönigin. ACHTUNG: Satire.”
Warum es den Netzreportern trotzdem nicht gelungen ist, die Twitter-Nahles als Satire zu entlarven, ist eine Frage, die man stellen muss. Immerhin ist der Beitrag gleich zweimal ausgestrahlt worden – am Freitagfrüh gegen 6.38 Uhr und noch einmal zwei Stunden später. Und immerhin ist es nicht das erste Mal, dass Medienleute auf Satireaccounts bei Twitter reingefallen sind.
Sollte nicht mehr passieren.

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Berlin-Marathon 2018

Mittwoch, den 19. September 2018
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SO 16.09.2018 | 9.00 Uhr | rbb

Der Marathon in Berlin ist mehr als eine internationale Laufveranstaltung. Es ist ein Mega-Stadtfest. Denn es sind nicht nur mehr als 40.000 Menschen auf der Strecke, sondern auch Hunderttausende, die an der Strecke stehen. Die anfeuern, die Musik machen, die Spaß haben.
Es ist schön, dass der rbb bei der Live-Übertragung darauf eingeht.

Allerdings war die Programmplanung beim Berlin-Marathon 2018 etwas merkwürdig. Denn der rbb ging um 9 Uhr auf Sendung, Das Erste aber erst 9.05 Uhr. Und scheinbar hat den rbb-Reportern keiner Bescheid gegeben, dass man dort schon fünf Minuten früher loslegt.
So waren die Sprecher auf Sendung und rätseln, dass es ja bald losgehen müsse. Und dass ja hoffentlich jemand Bescheid sage. Und andere Belanglosigkeiten.
Irgendwann hat die Regie gemerkt, dass da was schief geht und auf einen Pausenfilm umgeschaltet, bis sich Das Erste dazugeschaltet hat und es losgehen konnte.

Das Erste sendete bis 12 Uhr, danach machte der rbb “allein” weiter, und nach der reinen Sportberichterstattung mit dem Weltrekord ging es dann eher um das Umfeld.
Das ist nicht nur eine ganz andere Komponente dieses Events, sondern macht Spaß, zuzusehen. Wenn Reporter Ulli Zelle etwas ungelenk zwischen einer Trommelgruppe herumstakst und ständig angerempelt wird oder ein Reporter in den Bus steigt,. in dem die letzten Läufer aufgesammelt werden, dann ist das sehr spannend.
Wäre schön, wenn der rbb wieder häufiger Events live begleitet.

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Carneval – Der Clown bringt den Tod

Montag, den 17. September 2018
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SA 15.09.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Eine handfeste Schlägerei. Ein Mann drischt auf eine Frau ein. Immer wieder donnert er ihr eine. Und sie versucht, es ihm zurückzugeben. Es fließt Blut, es zerbricht Glas, es donnert ordentlich.
Wenig später sieht man einen Bodybuilder-Typen, wie er eine Frau ordentlich knallt. Sie genießt es nicht, es muss weh tun. Aber sie hat Glück, das Telefon klingelt, und der Typ unterbricht den Sex. Sie rollt sich zusammen, wegen der Schmerzen.

Nachtprogramm bei ProSieben? Nein, das ist die Sonnabendabend-Unterhaltung im Ersten. “Carneval – Der Clown bringt den Tod”, hieß der Thriller, der zur besten Sendezeit lief.
Ein Killerclown treibt sein Unwesen, und ein russischer Gewalttäter auch.

Dass es auch mal im Ersten härter zur Sache gehen kann, ist erst mal nicht schlimm. Dass so eine Gewaltorgie aber am Sonnabend zur besten Sendezeit laufen muss, da ist dann aber doch mindestens merkwürdig.
Wenn es beim “Tatort” mal härter zur Sache, wenn es mal total Psycho wird, dann machen sich Medienwächter und Sender in die Hose und verschieben den Film schnell mal auf 22 Uhr.
Diesen harten Thriller scheint man dagegen vollkommen in Ordnung gefunden zu haben. Solche filmischen Gewaltphantasien hätten aber auch ein FSK-16-Siegel verdient gehabt.

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Ich weiß alles!

Sonntag, den 9. September 2018
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SA 08.09.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Im Ersten lief am Sonnabendabend “Das härteste Quiz Europas”. Dabei wäre es besser gewesen, wenn man stattdessen “Das spannendste Quiz Europas” im Angebot gehabt hätte. Denn die neue Show “Ich weiß alles!” war leider von vorne bis hinten erstaunlich lahm.

Schon im Vorfeld ist geklotzt worden. Man vergleich sich mit Shows wie “Einer wird gewinnen!”, auch weil es sich seit langem mal wieder um eine Eurovision mit Deutschland, Österreich und Sxchweit handelte. Man prahlte dazu mit Namen mit Thomas Gottschalk und Günther Jauch sowie mit weiteren Promi-Experten. Die waren zwar da, aber kamen kaum zum Zuge.

Das größte Problem aber: der komplett fehlende Spannungsbogen. Ins Studio kam ein Kandidat, der von sich behauptete, sehr schlau zu sein. In Runde 1 mussten sie gegen Experten antreten. Gottschalk war Beatles-Experte. Til Schweiger Hollywood-Experte. Plus zwei weitere Stars. Erinnerte stark an den “Quiz-Champion” im ZDF. Verlor der Kandidat, war Schluss und der nächste kam. Oder er kam in Runde 2, da musste er gegen das 1000-köpfige Publikum antreten. Erinnerte an die RTL-Show “Die Weisheit der Vielen”. Okay, hier gab es einen Clou: Der Kandidat konnte sich aussuchen, ob er gegen die Gruppe der jungen Frauen oder Männer oder älteren Frauen oder Männer antritt. Gewann das Publikum, war Schluss, und er nächste Kandidat kam dran. Oder er kam in Runde 3, wo er gegen die drei Moderatoren großer Quizshows aus Deutschland (Jauch), Österreich oder der Schweiz antreten musste. Verlor der Kandidat, war Schluss, und der nächste kam dran. Oder es folgte das große Finale.

Bis zu Jauch und Co. kamen schon die wenigsten. Ins Finale kam gar keiner. Am Ende war diese mit drei Stunden wieder mal überlange Show einfach vorbei. Sang- und klanglos.

Mal abgesehen davon, dass die Aussage “Ich weiß alles!” auf keine einzige Person an diesem Abend zutraf. Diese Show hätte auch im Vorabendprogramm laufen können, für eine Primetime-Show fehlte der Pfiff, fehlte es an Abwechslung – es fehlte an einer Show. Zwischendurch mal Musik? Oder eine außergewöhnliche Aktion? Nichts von all dem. Will man so junge Zuschauer zurückholen? So geht das ganz sicher nicht.
Kein Spannungsbogen, keine Abwechslung, keine Höhepunkte. Einfach nur: noch irgend so ein Quiz. Sehr schade.

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Stadt, Land, Haus

Freitag, den 7. September 2018
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DI 04.09.2018 | 16.05 Uhr | Das Erste

Na, was kostet die Hütte? 200.000? 300.000? Oder gar 500.000 Euro?
Im Ersten können wir uns seit Dienstag jeden Nachmittag in deutschen Häusern umsehen. Wir können im Schlafzimmer rumschnüffeln und uns den Schuhschrank ansehen, der da rumsteht. Und das Gemälde im Wohnzimmer, sehr teuer. Was das wohl kostet?

“Stadt, Land, Haus” heißt das neue Format, moderiert von Mareile Höppner. Zwei Teams streifen durch fremde Häuser und müssen schätzen, was Gegenstand x wert ist und ob Gegenstand y vielleicht noch teurer ist.

Schön, dass uns die ARD nun zeigt, wie die reichen Leute wohnen. Wo die schicken Häuser stehen, in die viel Kohle reingepumpt worden ist.
Wen könnte so was interessieren? Sind das Leute, die mal vom Reichtum schwärmen wollen? Leute, die mal schauen möchten, wie sich reiche Schnösel einrichten? Leute, die kaum Kohle haben und nun mal ganz neidisch ein Stück Reichtum ansehen dürfen?
Und ist es wirklich Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, solche Schlüssellochreportagen zu senden, die null Mehrwert haben?

Die merkwürdige Mischung aus Privatschnüffelei und Pseudoquiz gehört definitiv zu den momentan überflüssigsten Formaten am Nachmittag. Auf RTL wäre das vielleicht noch okay, im Ersten muss so was nicht laufen.

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Lindenstraße: Die Ruhe nach dem Sturm

Dienstag, den 4. September 2018
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SO 02.09.2018 | 18.50 Uhr | Das Erste

So was geht nur im Fernsehen, dass man sagen kann: Hans Beimer stirbt heute.
Seit Mai war bekannt, dass Joachim Luger nach fast 33 Jahren die ARD-Serie „Lindenstraße“ verlassen wird – dass Hans Beimer stirbt.

Die ARD nutzte das, um mal wieder ein bisschen für die Dauerserie zu trommeln. Sie hat das nötig, die Quoten sind nicht mehr so doll. Deshalb hat man sich für die Folge 1685 etwas Besonderes ausgedacht. Das WDR-Funkhaus-Orchester spielte in Köln live zur ausgestrahlten Folge.

Das hätte ein Event sein können, aber auf Lindenstraße-Events hat man im Ersten keinen Bock mehr. Am Sonntagabend musste eine kurze Anmoderation reichen. Die dreistündige Live-Begleitung dieses Events in Köln gab es nur im Internet, nicht mal im kleinen Randsender one hatte die ARD mehr Platz dafür. Wenn man Zuschauer wieder begeistern will, muss man sich aber schon mehr Mühe geben.

Hans Beimer starb am Ende der Folge im Kreise seiner Ex-Frau Helga und seiner aktuellen Frau Anna. Er schlief einfach ein.
Joachim Luger wollte aussteigen, aber mit fast 75 und nach 33 Jahren ist das verständlich. Seit 1985 war Luger fast jede Woche als Hans Beimer auf Sendung, fast das halbe Leben dieses Mannes hat die „Lindenstraße“ gezeigt. So was können nur wenige Schauspieler von sich behaupten, so was geschafft zu haben.

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Brennpunkt: Wut, Protest, Gewalt – Chemnitz und die Folgen

Samstag, den 1. September 2018
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DO 30.08.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Die Geschehnisse von Chemnitz sind seit Tagen das beherrschende Thema in Deutschland. Der zwischenfall beim Stadtfest. Die Demos am Tag danach. Die Hetzjagden. Hitlergrüße. Die vor allem von Rechts instrumentalisierte Trauer, die mehr Hass ist.

Am Donnerstagabend gab es dazu im Ersten einen “Brennpunkt”: “Wut, Protest, Gewalt – Chemnitz und die Folgen”. Das war bemerkenswert. Nicht, weil es das Thema nicht hergibt. Sondern eher, weil es den “Brennpunkt” nicht früher gab.
Natürlich kann man grundsätzlich über den Sinn oder Unsinn dieser Primetime-Sondersendung streiten. Vermutlich ist Deutschland das einzige Land, das eine solche Tradition betreibt, mit solchen außergewöhnlichen Themen noch mal extra ins Hauptabendprogramm zu gehen.

Unklar ist, nach welchen Kriterien festgelegt wird, ob ein “Brennpunkt” gezeigt wird oder nicht. Als es in Chemnitz wirklich hoch herging, das verzichtete man bei der ARD darauf. Begründung: Es würde ja in allen Nachrichtensendungen berichtet, und auch “Maischberger” mache eine Sendung dazu.
Was natürlich Unsinn ist. Denn dann brauchte es den “Brennpunkt” im Ersten nie. Denn auch bei Hochwasser oder Super-Gaus wird auch sonst berichtet.

Und so stand am Donnerstagabend der mdr-Reporter in Chemnitz, um zu sagen, dass heute Abend eigentlich alles entspannt sei. trotzdem musste der merkwürdig nervöse Moderator Robert Burdy noch mal nachhaken.
Am Dienstag oder Mittwoch hätte es garantiert mehr zu berichten gegeben in einer solchen Sondersendung.