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O’zapft is!

Sonntag, den 22. September 2019
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SA 21.09.2019 | 11.15 Uhr | Das Erste

Sonnabend, 11.59 Uhr, und Deutschland hält den Atem an. Alle blicken sie nach München, denn auf der Wiesn wird die ersten Maß Bier angestochen, und alle Welt fragt sich nicht, wie viele Schläge denn der Oberbürgermeister brauchen wird, bis das alkoholische Gebräu denn endlich in Strömen fließen wird.

Das Erste übertrug den Start des Münchner Oktoberfestes. Es ist viele Jahrzehnte Tradition, dass bundesweit live übertragen wird, wie ein Volksfest eröffnet wird und sich der Oberbürgermeister und Ministerpräsident feiern lassen. Wofür auch immer.

Dann wurde ab zehn abwärts der Countdown gezählt, und schon bei zwei war alles vorbei. Der Oberbürgermeister Dieter Reiter hat nur zwei Schläge gebraucht, um das Fass anzustechen. Dummerweise haben wir nur einen davon gesehen, weil die Regie langsamer war als der eifrig stechende OB. Man kann halt nicht alles haben, o’zapft is! Aber Hauptsache wir machen da keine Welle drum, um dann die Hälfte vom wichtigsten, sendungstitelgebenden Akt zu verpassen.
Wenigstens durften wir ausführlich zusehen, als sich Reiter, Ministerpräsident Söder und ihre Frauen von den Fotografen abschießen ließen.
Ein Prosit, ein Prosit auf die Gemütlichkeit! Es darf gesoffen werden!

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Hirschhausen im Hospiz

Donnerstag, den 19. September 2019
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MO 16.09.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Das passiert viel zu selten. Zur Primetime beschäftigt sich das Öffentlich-Rechtliche Fernsehen mit den ganz elementaren Fragen der Menschheit.
“Stellen Sie sich vor, Sie sind weg, es gibt Sie nicht mehr. Sie sind tot. Für wen ist das eigentlich schlimm? Für Sie selber oder für alle, die noch weiterleben?”
Diese Frage stellte uns Eckart von Hirschhausen am Montagabend im Ersten. 45 Minuten lang drehte sich alles um das Sterben und um den Tod. Und das auf eine nachdenkliche, aber auch erfreulich lockere Art und Weise.

Es ging darum: “Wie gelingt ein Leben, wenn einem die Endlichkeit bewusst ist, wenn man nur noch wenige Tage zu leben hat? Was verschiebt sich da an Prioritäten und müssen wir eigentlich Angst vor dem Sterben haben?”
“Hirschhausen im Hospiz” hieß die Doku, und Hirschhausen ging dahin, wo die Menschen sterben. Wir sehen einen Ort, an dem aber keine gedrückte Stimmung herrscht. Den Sterbenden sollen die letzten Tage so schön wie möglich gemacht werden. Der Tod ist traurig genug, da muss man im Hospiz nicht noch traurige Stimmung verbreiten.

Auch wurde gezeigt, woran die Menschen eigentlich sterben. Der Gedanke, dass jedes Jahr in Deutschland eine Million Menschen sterben – oft einfach so sterben, weil sie alt sind – das ist ein so erstaunlicher, wie schlimmer. Denn uns wird vor Augen geführt: Wir sind alle mal dran.

In der Doku lernen wir Menschen kennen, die sterben. Aber auch Menschen, die Abschied nehmen müssen, und die am Ende sagen: Die Zeit, als der Angehörige starb, war die intensivste des bisherigen Lebens.
Dieser Film machte uns klar, das Beste aus dem Leben zu machen. Und auch das Beste aus dem Sterben. Eine wichtige Doku.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 16. September 2020)

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Berlin direkt: Björn Höcke

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | 19.10 Uhr | ZDF

Wenn es mal so kommen sollte, dass Björn Höcke vielleicht mal die Macht ergriffen hat, dann kann er ARD und ZDF zeigen, wer der Herr im Haus ist. Dann passiert ihm so was nicht, dass ihm ein ZDF-Reporter höchst unangenehme Fragen stellt und dass ihm für Sekundenbruchteile mal das Gesicht entgleist. Denn so was kann man ja eigentlich nicht im Fernsehen senden, und wenn er was zu sagen hat, dann hätte er das auch sofort unterbunden.

Schon beim “Bericht aus Berlin” am Sonntag im Ersten wollte Alexander Gauland von der AfD nicht an der Zuschauer-Fragerunde teilnehmen, weil man Durchlaucht die Fragen vorher nicht geben wollte. Und in “Berlin direkt” Minuten später im ZDF wollte der Sprecher von Björn Höcke, dass der ZDF-Journalist einfach noch mal sein Interview von vorn beginnt, damit Höcke nicht so leiden muss. Denn der Sprecher sagte, dass Höcke so emotional angegriffen sei – der lächelte währenddessen entspannt bor sich hin und trank erst mal was -, dass man das ja unmöglich senden könne.

Das Gespräch – es sollte von vornherein um Höckes Sprache gehen – begann mit einer Umfrage unter AfD-Politikern. Sie bekamen Zitate aus Höckes Buch und mussten sagen, ob das Zitat aus Hitlers “Mein Kampf” oder aus Höckes Werk stammte. Einer vermutete, dass es von Hitler stammt, die anderen wollten sich nicht festlegen, und nebenbei bemerkt hat kein einziger das Höcke-Buch gelesen – Hitlers Kampf aber auch nicht.

In “Berlin direkt” lief das Interview dennoch – online auch in voller Länge.
Die Frage ist allerdings: Was will uns das ZDF beweisen? Schon Tina Hassel hat Gauland im ARD-Sommerinterview mit uralten Kamellen genervt, in denen Gauland und andere AfD-Leute rechtsextreme Parolen losließen. Otto-Normal-Bürger weiß, dass die rechtsextrem waren, und darüber muss man nicht noch mal reden.
Ebenso bei Höcke. Außerhalb der AfD wissen die allermeisten Leute, dass Björn Höcke in der rechten AfD ganz weit rechtsaußen steht. Seine rechtsextremen Parolen und sein Nazisprech zu hinterfragen, ist nicht mehr wirklich sinnvoll, dann Nazisprech ist nun mal Nazisprech, wie sie ein Neonazi nun mal in Reden von sich gibt.

Das ZDF aber gibt Höcke wieder eine Bühne, und wieder kann sich Höcke und kann sich auch die AfD wieder als Opfer des bösen Staatsfunks darstellen. Seine Klientel wird einmal mehr erbost aufheulen und rumtönen, dass ja alles immer schlimmer werde und die Meinungsfreiheit weg und das ZDF schlimmer als das Fernsehen der DDR sei. Jaja.
Vermutlich wäre die AfD, wenn sie an der Macht wäre, die Partei, die ARD und ZDF gleich mal auf Parteilinie bringen wollen würde. Denn eigentlich ist es die AfD, die einen Staatsfunk will. Aber eben erst, wenn sie selbst das Sagen haben.

-> Das Höcke-Interview in der ZDF-Mediathek

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Bericht aus Berlin – Sommerinterview: Alexander Gauland

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | 18.30 Uhr | Das Erste

Sie müssen gar nichts.
Das sagte Tina Hassel, die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios am Sonntag am Ende des Sommerinterviews mit dem AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland.
Sie fragte ihn zuvor, warum er nicht an der Sendung “Frag selbst” teilnehmen wollte, in der ausschließlich Zuschauer die Fragen an Gauland gestellt hätten – natürlich vorher ausgesuchte Fragen von der Redaktion. Seine Begründung, warum er das nicht wollte: Weil er vorher die Fragen nicht kannte.
Wenn Tina Hassel nun sagt, dass er gar nichts müsse, dann ist das bedauerlich. Denn in Wirklichkeit ist es ziemlich armselig von Alexander Gauland, sich den Leuten nicht zu stellen.

Alexander Gauland war früher mal Journalist. Da sollte er eigentlich wissen, wie das läuft, dass es eher, nun ja, unüblich ist, Politikern vorher die Fragen vorzulegen. Und im Grunde wirft die AfD das gern mal den Journalisten vor, dass sie mit Politikern kuschelten und nur machen, was die ihnen einflüstern. Und hier wollte also AfD-Gauland auch einflüstern, was er für Fragen beantworten will?
Es wäre schön gewesen, wenn Tina Hassel da mehr Partei für ihre Zuschauer ergriffen hätte.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek

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Play

Donnerstag, den 12. September 2019
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MI 11.09.2019 | 20.15 Uhr | Das Erste

Computerspielsucht – das ist ein wichtiges Thema, das durch die virtuellen Welten, in die man heutzutage eintauchen kann, noch mal eine ganz neue Bedeutung bekommen hat.
Deshalb ist es auch durchaus richtig, dass sich die öffentlich-rechtliche ARD mit diesem Thema befasst. Und dass der Film dazu sogar in der Primetime läuft – auch wenn es vermutlich schwierig ist, diese richtige Zielgruppe dafür zu finden.

In “Play” ging es am Mittwochabend um Jennifer (Emma Badling), die sowieso schon psychisch angeschlagen virtuelle Computerspiele für sich entdeckt. Sie taucht in diese Welten ab, spielt stundenlang. Alles andere funktioniert dafür nicht mehr. In der Schule läuft es mies, sie schläft kaum, hat Zoff mit ihren Eltern. Immerhin lernt sie in der virtuellen Welt einen Jungen kennen – der sie dann auch real treffen will.

Besonders Emma Badling spielt toll. Das macht den Film aber leider nicht spannender. Womit wir bei den Zielgruppen wären. Computerspieler finden es sicher ganz dufte, wie sie von der alten Tante ARD gezeigt bekommen, wie schlimm das doch alles ist. Das wollen die Jugendlichen bestimmt unbedingt sehen. Zumal die Story, um sie irgendwie aufregender zu machen, maßlos auf die Spitze getrieben worden ist. Das Mädchen wird immer labiler, rennt irgendwann weg, und es kommt zum Showdown.
Andererseits gibt es den Generationskonflikt, dass sich die Älteren – und gehöre ich da etwa auch schon dazu? – nicht für solche technischen Spielereien interessieren. Für die wird “Play” eher ein großes böhmisches Dorf gewesen sein.

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Verleugnung

Mittwoch, den 11. September 2019
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DI 10.09.2019 | 22.45 Uhr | Das Erste

Den Holocaust hat es nie gegeben? In Auschwitz starben gar nicht so viele Juden, wenn da überhaupt Juden starben? Es waren nur Arbeitslager? Der selbsternannte Historiker David Irving (Timothy Spall) behauptet das, und die US-Holocaust-Forscherin Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) sagt, er sei ein Geschichtsfälscher. Irving geht in London vor Gericht, wo die Beweislast beim Beklagten liegt. Heißt: Sie und ihre Anwälte müssen den Holocaust beweisen.

Es ist ein sehr emotionaler Film, der am späten Dienstagabend im Ersten lief. “Verleumdung” handelt von einem Holocaust-Leugner, der von seiner Lüge nicht abweichen will. Und von Anwälten, die das Bewiesene beweisen müssen.
Das ist spannend, obwohl das Ende eigentlich klar sein muss.

Mit dem Film endete das “ARD-Sommerkino 2019”, aber dass “Verleugnung” nur in der späten Schiene am Dienstagabend läuft, ist schade. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen hätte gut daran getan, diesen wichtigen Film zur Hauptsendezeit zu bringen.
Da jedoch lief am Montagabend im Sommerkino der Film “Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner”. Das klingt nicht nur belanglos, diese Beziehungskomödie war nicht nur belanglos, sondern auch noch überaus langweilig. Der hätte gut und gerne um 22.45 Uhr laufen können.
Herzschmerz vor Relevanz – die ARD sollte die Prioritäten andersrum setzen.

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Wahl 19: Sachsen und Brandenburg

Mittwoch, den 4. September 2019
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SO 01.09.2019 | 17.35 Uhr | Das Erste

Gerald Meyer muss ein dicker Stein vom Herzen gefallen sein. Am Sonntagabend durfte der rbb-Moderator für Das Erste ein schnelles Interview mit Brandenburgs SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke führen, und da stand fest, dass Woidke und seine SPD bei der Landtagswahl wieder stärkste Kraft geworden ist.
Mit leuchtenden Augen sah Meyer Woidke an und fragte ihn nach seiner Stimmung. Es wirkte fast, als wolle Meyer den MP gleich liebevoll umarmen, weil sie alle so glücklich sind, dass die AfD nicht auf dem ersten Platz landete, so wirkte diese seltsame Szene.

Das Erste berichtete am Sonntag von der “Wahl 19” in Sachsen und Brandenburg, und wieder ist es nicht immer gelungen, neutral zu berichten. Wobei bei Meyer eher die Körpersprache eine Rolle spielte, während an anderer Stelle eine Reporterin bei AfD-Gästen immer wieder betonen mussten, wenn sie irgendwie anderer Meinung waren. Das ist schön – und sicherlich auch nicht falsch – nur spielt es in diesem Moment nicht so die große Rolle.
Wenn allerdings ein AfD-Mann in der “Berliner Runde” davon faselt, dass ja die Medien eine Kampagne gegen die Blauen startet, dann sollte die Moderatorin in eigenem Interesse aber durchaus dagegenkeilen.
Er bleibt schwer, der Umgang mit Politikern in Live-Sendungen.

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