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Football Leaks – von Gier, Lügen und geheimen Deals

Mittwoch, den 7. November 2018
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SO 04.11.2018 | 21.45 Uhr | Das Erste

Zuerst ich. Und dann ich. Später gern aber noch ich.
Das ist der FC Bayern München.
Wer leise Kritik übt, ist ein böser Mensch. Kritik ist wirklich unfein.
Und weil das alles in der piefigen Bundesliga und der doofen Champions League ah alles nur noch nervt, macht man eben sein eigenes Ding. Eine Super League.

Am Sonntagabend lief im Ersten die Enthüllungsdoku “Football Leaks – von Gier, Lügen und geheimen Deals”. Medien in vielen Ländern Europas haben sich zusammengeschlossen, um zig tausende Daten zu studieren.
Aufgedeckt worden ist, dass diverse Top-Fußballclub in Europa die UEFA verlassen wollen und eben jene Super League gründen wollen. Sie wollen also unter sich bleiben. Vermutlich hieße das auch, dass sie die Länderligen verlassen würden oder müssten.

Aber ist es wirklich erstrebenswert, nur noch gegen die großen Clubs zu spielen? Ist das auf Dauer nicht langweilig? Also, für die Fans. Wobei allerdings über die Fans keiner zu sprechen scheint, wenn solche Überlegungen im Raum stehen.

Nebenher ging es noch um die Vergabe der Fußball-EM 2026 an die USA, Kanada und Mexiko, bei die FIFA von Anfang an hat durchblicken lassen, dass die USA dran seien und die Länder den meisten Profit für die FIFA versprechen.

Es ist wichtig, dass es Medien gibt, die an solchen Enthüllungen arbeiten. Die aufdecken, was in Hinterzimmern und heimlich besprochen wird. Dass solche Enthüllungen heutzutage nur noch ein kleines Echo unter den Menschen auslösen, ist traurig. Andererseits sind die Leute vermutlich total übersättigt von hysterischen Pseudo-Sensationen, dass die echten Kracher schlicht kaum noch wahrgenommen und diskutiert werden.

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Facebook außer Kontrolle

Freitag, den 2. November 2018
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DI 30.10.2018 | 23.45 Uhr | Das Erste

Ist Mark Zuckerberg naiv? Ist der vielleicht dumm? Oder doch einfach nur ein wahnsinnig cleverer Geschäftsmann, der sich nicht in die Karten gucken lässt?
Irgendwas davon muss einfach stimmen.
Mark Zuckerberg war schon Milliardär, da war er noch Student. Facebook hat ihn reich gemacht.
Wir nutzen Facebook kostenlos. Aber nicht, ohne etwas zu geben. Unsere Daten nämlich.

Viel zu spät am Dienstagabend lief im Ersten die Doku “Facebook außer Kontrolle”.
Das Phänomen ist allerdings: Eigentlich hat uns diese Doku gar nichts Neues erzählt.
Facebook hat unsere Daten. Kennt unser Verhalten. Weiß, worauf wir stehen. Weiß, was Werbekunden wollen. Facebook hat Algorithmen. Facebook beeinflusst die Gesellschaft.
Facebook beeinflusst Politik. Zumindest indirekt, weil Populisten die Algorithmen verstanden haben und für sich nutzen. Hass macht sich breit. Es wird gemault und gehetzt. Ob Facebook noch ein soziales Medium ist, ist eine immer öfter gestellte Frage,
Wie gesagt: Eigentlich wissen wir das alles. Aber es ist trotzdem gut, das noch mal gesagt zu bekommen. Nun müsste man nur noch so konsequent sein, auf Facebook zu verzichten.
Wenn, ja, wenn.

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Babylon Berlin

Sonntag, den 28. Oktober 2018
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DO 25.10.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Zwölf von 16 Folgen von “Babylon Berlin” sind inzwischen im Ersten gelaufen, und inzwischen herrscht doch ein bisschen Ernüchterung. Nicht nur, weil die Einschaltquoten von rund acht auf unter vier Millionen Zuschauern gesunken ist. Wenn andererseits aber auch die Abrufzahl in der Mediathek relativ hoch ist, ist das Interesse doch merklich abgeebbt.

Ich habe in der ARD-Mediathek bereits alle Folgen gesehen. Dass es mich gefesselt hat, dass “Babylon Berlin” das Serienereignis des Jahres ist, das kann ich allerdings nicht sagen. Dafür fehlt es der Serie an einer gewissen Faszination, die sie nicht ausstrahlt. Es reicht einfach nicht, damit zu prahlen, dass sie teuer war. Und dass sie in den 20ern spielt. Und dass man viel Historie mitbekommt.

Es fing schon damit an, dass die ersten beiden Folgen ziemlich schwer zu durchschauen waren. Aber das soll ja angeblich heute normal sein, dass man doch bitte, bitte, die ersten Folgen durchhalten muss, bis man es eventuell mal gut finden könnte. Andere Serien beweisen, dass es auch anders geht.
Später war es einfacher, dem Kriminalfall zu folgen, aber auch den diversen Familien- und Polizeigeschichten. Aber dennoch: Man fing an, auf dem Smartphone zu daddeln, ich ließ mich ablenken – es war nicht mehr so fesselnd.
Es gab sie, die packenden Momente – sie wurden aber weniger. Der emotionalste Momente war sicherlich, die Musikeinlage in Folge 2. Die 2. Staffel endet auch noch mal mit einem Knaller.

Am Ende aber bleibt die Erkenntnis, dass das Interesse an “Babylon Berlin” zwar nicht erlosch, eine große emotionale Bindung besteht aber nicht.

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Die Story im Ersten: Hand am Po – Macht und Sex am Arbeitsplatz

Samstag, den 27. Oktober 2018
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MO 22.10.2018 | 22.45 Uhr | Das Erste

Der Mann, der an dieser Stelle nicht namentlich genannt wird ist ein Pianist und Musikwissenschaftler. Und jetzt gilt er als Grapscher. Als einer, der Frauen belästigt.
Und die Zeiten, wo Männer das einfach mal machen konnten, ohne dass ihnen was passiert, ist einfach mal vorbei. Dem Mann wurde der Prozess gemacht, und der ging für ihn nicht sehr gut aus.

Am Montagabend lief im Ersten die Doku “Hand am Po – Macht und Sex am Arbeitsplatz”. Dort kam unter anderem besagter Mann zu Wort. Man könnte sagen, er ist mutig, dass er sich dem Interview gestellt hat. Man könnte aber auch sagen: Der Mann hat nichts dazu gelernt und hätte besser mal geschwiegen.

Er hatte ein Gespräch mit einer Angestellten. Sie sagt, gleich am Anfang hätte er sie gepackt und ihr einen Zungenkuss gegeben. Er sagt, es sei normal gewesen, dass man sich stürmisch umarme. Man habe sich schon mal intensiver umarmt. Und sogar einen Kuss gibt er zu, wenn auch keinen Zungenkuss. Den bestreitet er. Später setzte sie sich auf eine Couch, um, wie sie sagt, so weit weg wie möglich von ihm zu sitzen. Er sagt, er habe sich dann neben sie gesetzt und fest ihre Hand gedrückt und dann auf seinen Schenkel gelegt.

Ja. Echt. Hat er gesagt.
Und man hört und sieht ungläubig diesem Mann zu, wie er in die Kamera stammelt und wie er sagt, dass er die Aufregung ja gar nicht verstehen könne. Früher habe man das alles doch ganz anders gesehen.

Selten hat sich ein Interviewpartner in einer solchen Doku dermaßen selbst ins Aus geschossen. Ganz freiwillig. Denn diese Doku zeigt sehr eindrucksvoll – und mit ganz einfachen Mitteln – wie wichtig es ist, solche Dinge anzusprechen. Und wie scheinbar manche Leute immer noch nicht begreifen, dass solche Grabbeleien, die sie nicht mal als solche betrachten, gar nicht mehr gehen. Oder eigentlich: noch nie gegangen sind.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 22.10.2019)

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Schlagerbooom 2018 – Alles funkelt! Alles glitzert!

Dienstag, den 23. Oktober 2018
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SA 20.10.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Warum sind einige Stars eigentlich der Meinung, dass es spannend sein könnte, wenn sie ihr Privatleben in der Öffentlichkeit ausbreiten? Warum muss ich als Zuschauer damit belästigt werden, dass Christoff De Bolle bald heiraten wird? Und warum muss ich dabei sein, wenn er seinen Typen fragt, ob der das denn auch will? Live. Am Samstagabend zur Primetime im Ersten.

Aber von vorn. Um seine Band Klubbb3 zu promoten, holt Florian Silbereisen für die Moderation seiner Show “Schlagerbooom” im Ersten seine Kollegen Jan Smit und Christoff De Bolle dazu. So standen die drei Männer also ständig zusammen auf der Bühne rum, um zu plauschen und andere Acts anzusagen.
Und weil sich Flori, Janni und Chrissi so lieb haben, wollten Flori und Janni dafür sorgen, dass ihr dritter Mann endlich unter die Haube kommt. Und so holten sie den Freund von Christoff auf die Bühne – der angeblich davon nichts wusste. Und vor 12.000 Zuschauern in der Halle und mehr als 5 Millionen Leuten zu Hause fragte der Christoff seinen Freund, ob er ihn heiraten will.
Ja, das kann man romantisch finden. Man kann es aber auch aufdringlich finden. Mich interessiert weder, mit wem Christoff De Bolle zusammen ist, und schon gar nicht, ob und wen er heiraten wird und ob und wer die andere Person das auch will. Und ist es eigentlich wirklich romantisch, sich auf einer Bühne zu verloben? Oder ist es dann doch einfach nur die Geilheit nach Prominenz und die Hoffnung, die Hochzeit dann ordentlich vermarkten zu können?

Christoff und seinem Ritchie ist sein schönes Leben zu gönnen, aber die Dokusoap dazu muss dann bitte nicht am Sonnabend zur Primetime im Ersten laufen.

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Dingsda

Samstag, den 6. Oktober 2018
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FR 05.10.2018 | 18.50 Uhr | Das Erste

Nun also auch “Dingsda”. In ihrer Einfallslosigkeit holen die Fernsehmacher immer mehr längst eingemottet geglaubte Konzepte zurück.
In den späten 80ern war es in der Primetime – und mangels Gegenprogrammen – durchaus lustig, Prominenten dabei zuzusehen, wie sie Begriffe raten mussten, die ihnen von Kindern erklärt worden sind. Und immer wenn den Kindern aus Versehen der Begriff, den sie erklären sollten, rausgerutscht ist, dann ist ihnen ein “ups” über die Worte gelegt worden.
Fritz Egner moderierte, und alles war herrlich betulich. In der Erinnerung ist “Dingsda” aber wohl trotzdem immer noch das ganz große Ding.

Am Freitag lief im Vorabendprogramm des Ersten die Neuauflage. Mareile Höppner ersetzt Fritz Egner. Weniger betulich ist sie aber auch nicht. Andrea Spatzek und Birgit Lechtermann traten gegen Maximilian Arland und Stefan Mross an. Die Männer stellen sich hier und da ein bisschen dämlich an, die Damen hatten was zu lachen, und wer am Ende gewonnen hat, war dann irgendwie auch egal.
Und die Kinder? Sind immer noch herzig. Der Rest versendet sich im Vorabend-Einerlei.

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Babylon Berlin

Montag, den 1. Oktober 2018
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SO 30.09.2018 | 20.15 Uhr | Das Erste

Zwar wurde “Babylon Berlin” schon im Herbst 2017 im Pay-TV-Sender Sky 1 ausgestrahlt, aber eben nur für ein zahlendes, nicht sehr großes Publikum. Deshalb war die Spannung groß, als am Sonntagabend endlich die erste Folge im frei empfangbaren Fernsehen lief. Die 1929 in Berlin spielende Serie läuft jetzt, nach der Premiere immer am Donnerstagabend im Ersten.

In Berlin werden am Ende der Weimarer Republik rauschende Partys gefeiert, aber auch das Verbrechen ist weiter auf dem Vormarsch. Der Kölner Polizist Gereon Rath (Volker Bruch) kommt nach Berlin, um einen schwierigen Fall zu lösen – wobei sein Chef dort auch eher zwielichtig ist. Unterdessen versucht eine sowjetische Gruppe Schätze durch das Deutsche Reich nach Istanbul zu schmuggeln. Und dann gibt es noch die Kripo-Mitarbeiterin, die nachts erotische Dienste anbietet.

Es gibt in Folge 2 diesen Moment. Da brodelt der Tanzsaal, Nikoros singt vorn “Zu Asche, zu Staub”, einen hervorragenden und eingängigen Song, alle tanzen. Und die Geschichte ist am Laufen – eine wilde Schießerei, Menschen auf der Flucht, und auf der anderen Seite die Feiermeute.
“Babylon Berlin” ist packendes Fernsehen, es ist aber keine Kost, die man nebenher schauen kann. Der 16-Teiler will gesehen werden, er will die ganze Aufmerksamkeit. Die Spannung wird nicht durchgängig gehalten, aber dann gibt es eben doch wieder die faszinierenden Augenblicke.
Es heißt, die Spannung steigt im Laufe der Story. Da müssen wir uns überraschen lassen.

Was allerdings bei Serien immer mehr auffällt: Serien werden immer seltener als Serien gesehen. Da werden drei Folgen am Stück gesendet, in der Mediathek steht schon die komplette achtteilige erste Staffel.
Wenn es dann bei Twitter gebetsmühlenartig von Kennern heißt, man müsse die 3. Folge abwarten, dann werde man gepackt, dann spricht das in der Regel eher gegen eine Serie. Immerhin sollte Folge 1 einer neuen Serie dazu da sein, die Leute in den Bann zu ziehen. Muss man erst Folge 2 oder 3 abwarten, kann man es den Zuschauern auch nicht verübeln, wenn sie vorzeitig aufgeben.
Aber da ändern sich offenbar die Zeiten.

40 Millionen Euro hat der Spaß gekostet, die ARD machte mit Sky gemeinsame Sache. Dass das dazu führt, dass die ARD-Zuschauer und Gebührenzahler zu Fans zweiter Klasse werden, ist ärgerlich.
Hoffen wir, dass die Folgen 4 bis 16 mit allem versöhnen und dass es weiterhin einen Sog für “Babylon Berlin” gibt. Und dass wir noch mehr eintauchen können in dieses Deutsche Reich, in die Weimarer Republik von 1929.