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Polizeiruf 110: Söhne Rostocks

Mittwoch, den 22. Januar 2020
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SO 19.01.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Hast du neulich auch den neuesten “Polizeiruf 110” gehört?
Ja, echt, gehört! Anschauen kann sich den Krimi ja jeder. Dass es ihn auch zum Anhören gibt, wissen vermutlich nur wenige.

Gute neun Millionen Menschen sahen am Sonntag den Rostocker “Polizeiruf 110”. In “Söhne Rostocks” geht es um einen Unternehmer und seinen persönlichen Bankrott. Ein Freund von ihm stirbt, der Unternehmer flüchtet, und die Ermittler Bukow und König treffen auf eine Mauer des Schweigens.
Die Sonntagskrimis im Ersten sind die quotenstärksten Filme der Woche. Jetzt hat die ARD aber auch erkannt, dass man da noch mehr draus machen kann – nämlich Hörspiele.

Neu ist das nicht. Früher gab es einige Serien, die auch als Hörspiel verwertet worden sind. Bekanntestes Beispiel ist “Alf”.
In der ARD-Audiothek steht der “Polizeiruf 110: Söhne Rostocks” auch als Hörspielfassung zur Verfügung. Interessanterweise ist sie mit 97 Minuten fast zehn Minuten länger als die Fernsehversion. Für das Hörspiel werden die gedrehten Szenen verwendet, zusätzlich gibt es einen Erzähler, der dem Hörer sagt, was er nicht sehen kann.

Im Fall dieses Krimis funktioniert das einigermaßen. Größtes Problem ist, dass der Erzähler einen erstaunlich großen Raum einnimmt. Denn er sagt nicht nur, was man nicht sieht. Sondern er interpretiert, kommentiert, was die Leute in den Szenen machen und teilt die Gedanken der Protagonisten mit.
Das jedoch ist eigentlich überflüssig, denn der Zuschauer kennt ja die Gedanken auch nicht, und auch der Zuschauer ist in der Lage, sich eigene Gedanken zu bestimmten Vorgängen zu machen.
Ansonsten sind in diesem Podcast die Fernsehszenen auch die Hörspielszenen. Aber an einigen Stellen merkt man es der Produktion an, dass sie nicht fürs Radio gemacht sind. Manches ist schlecht zu verstehen.

Dass der Fall selbst eher nicht so spannend war, ist dann vermutlich nicht zwingend dem Podcast zuzuschreiben. Aber an sich ist es eine schöne Idee und auch naheliegend, TV-Krimis auch als Hörspiel anzubieten.

-> Der Krimi in der ARD-Audiothek (bis 18. Januar 2021)

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Schlagerchampions – Das große Fest der Besten: Mary Roos

Montag, den 13. Januar 2020
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SA 11.01.2020 | 20.20 Uhr | Das Erste

Tränen in den Augen, ihre Stimme bricht weg. Sie singt “So war mein Leben”.
Es ist der rührendste Augenblick am Sonnabend bei den “Schlagerchampions” im Ersten. Beim “großen Fest der Besten” ist sie ganz eindeutig die Beste. Und nun nimmt sie Abschied: Mary Roos.

Im Berliner Volodrom hatte Mary Roos ihren letzten Auftritt ihrer Gesangskarriere – nach 60 Jahren. Im vergangenen Jahr feierte sie ihren 70. Geburtstag, und sie verkündete, dass sie im Januar 2020 als Sängerin abtreten wolle.
Und es geht eine wunderbare Frau von der Schlagerbühne – wobei natürlich die Frau selbst hoffentlich noch längst nicht geht. Und offenbar wird sie der Bühne auch weiterhin treu sein, denn mit Kabarettist Wolfgang Trepper will sie wohl mit der Fortsetzung ihres Musikcomedy-Programms weitertouren.
Allein an diesem Programm kann man sehen, was Mary Roos ausmacht. Sie ist witzig, klug und hat sehr viel Selbstironie. Sie nimmt ihre Musik ernst, nimmt aber vieles locker. Ihr zuzuhören, wenn sie in Talkshows sitzt, macht Spaß

Am Ende verbeugte sie sich im Velodrom vor dem Publikum, und das Publikum applaudierte ihr lautstark.
Am 25. Januar zeigt der mdr eine schon Ende des vergangenen Jahres aufgezeichnete Abschiedsüberraschungsshow für und mit Mary Roos. Sie hätte es verdient gehabt, dass die Sendung im Ersten zu sehen ist.

-> Der Auftritt auf Youtube

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Tatort: Tschill Out

Dienstag, den 7. Januar 2020
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SO 05.01.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Ein Toter.
Nun gut, ein “Tatort” ohne einen Toten würde vielleicht nicht so gut funktionieren. Wenn allerdings Nick Tschiller ermittelt, und es ist nur ein Toter zu beklagen, dann ist das eher wenig. Da gab es schon 19 Tote in 90 Minuten.
Aber Nick Tschiller ist auch nicht mehr derselbe Nick Tschiller wie 2016.
Sehr viel Zeit ist vergangen, seit dem Til Schweiger als Nick Tschiller das letzte Mal am “Tatort” ermittelt hat – fast vier Jahre, um genau zu sein. Im Januar 2016 liefen zwei Filme, im Februar 2016 startete der Kinofilm. Die Quoten waren rückläufig, der Kino-“Tatort” war ein Flop.
Bis Januar 2020 dauerte es nun, bis die Geschichte weitergehen konnte.

Nick Tschiller ist ruhiger geworden. Auf der Insel Neuwerk kümmert er sich um Jugendliche. Schluss mit der Ballerei, wo er doch sowieso schon auf sein polizeiliches Disziplinarverfahren wartet.
Dann aber kommt sein ehemaliger Kollege Gümer (Fahri Yardim) auf die Insel – mit einem jungen Mann im Schlepptau, dessen Bruder erschossen worden ist. Auf Neuwerk soll er heimlich unterkommen. Aber natürlich ist alles dann nicht so, wie es anfangs schien.

Vom Actionkrimi ist kaum noch was übrig geblieben. Neue Autoren, vermutlich ein kleineres Budget, und überhaupt der Wille jetzt einiges anders zu machen, nachdem die letzten drei Filme nicht mehr so gut bei den Zuschauern ankamen. Zwar nuscheln sich Tschiller und Gümer weiterhin durch den Film, aber die Story war einigermaßen interessant und entwickelte sich später in eine unerwartete Richtung. Damit hebt sich Til Schweiger mit seinem “Tatort” zwar weniger von seinen Kollegen ab, aber wie heißt es so schön: Einfach mal runterkommen. Vielleicht gibt ja Nick Tschiller in den nächsten Krimis wieder mehr Gas…

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 5. Juli 2020)

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Tatort: Das Team

Sonntag, den 5. Januar 2020
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MI 01.01.2020 | 20.15 Uhr | Das Erste

Mal ein bisschen reden. So in der Gruppe. Alles besprechen, damit es am Ende ein Ergebnis gibt. Das ist so unglaublich… ermüdend.
Zu Neujahr überraschte Das Erste seine Zuschauer mit einem Improvisations-Tatort. Das Besondere war nicht nur das fehlende detaillierte Drehbuch, sondern auch, dass diverse Kommissar-Teams aus Nordrhein-Westfalen in diesem Krimi mitwirkten.

Es ging um einen Serienkiller, der in NRW scheinbar mit Vorliebe Polizisten um die Ecke bringt. Angeschossen worden ist auch Kommissar Boerne – was man Neujahr aber nicht gesehen hat, denn ausgerechnet das beliebteste Ermittler-Team aus Münster war nicht dabei – dafür aber immerhin Nadeshda Krusenstern, die in Müünster mit Thiel und Boerne ermittelt.
Nun saßen da also lauter Kriminalisten im Kreis und unterhalten sich, keifen sich an, zweifelten an – und als Zuschauer ahnte man da schon, dass man vielleicht doch mit dem “Traumschiff” besser unterhalten worden wäre.
Der ganze Krimi wirkte ein ein abgefilmtes Seminar mit Rollenspielen.
Schöne Idee – lahme Umsetzung.

Am 1. Januar 2019 kredenzte Das Erste mit dem Weimarer “Tatort” schon mal den Flop des Jahres. Den Titel wollte man sich wohl auch am 1. Januar 2020 nicht nehmen lassen.

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Silvesterfeuerwerk vom Brandenburger Tor

Samstag, den 4. Januar 2020
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DI 31.12.2019 | 23.58 Uhr | Das Erste

Verpasse, um Gottes Willen, nicht die 0-Uhr-Marke!
Erst im vergangenen Jahr habe ich an dieser Stelle sechs Regeln für Live-Reporter zu Silvester aufgestellt. Vielleicht hätte sie Mareile Höppner mal durchlesen sollen.

Wie in jedem Jahr übertrug Das Erste das Silvesterfeuerwerk vom Brandenburger Tor in Berlin. Mariele Höppner bedankte sich artig bei Jörg Pilawa, der ja in seiner Silvestershow stimmungsmäßig gut vorgelegt habe. Dabei war die Show gar nicht live, sondern schon Mitte November aufgezeichnet.
Sie hatte dann noch gute 85 Sekunden bis Mitternacht zu überbrücken. Sie redete und redete, und irgendwann meinte sie dann: “Wir zählen jetzt zurück, es geht los!” Wenn sie dann gezählt hätte, hätte sie noch sagen können: “Null.” Denn es gab nichts mehr zu zählen, die Uhr sprang da schon auf 0 Uhr, und Das Erste ist somit langweilig, faselig und Lapidar in die 20er-Jahre gestartet.

Danach gab es eher unmotivierte Feuerwerksbilder, Glockengeläut und Europahymne – bevor dann wieder in die Aufzeichnung von Pilawas Silvestershow geschaltet worden ist.
Dass diese Langweiligkeit mehr als fünf Millionen Menschen einschalten, ist erstaunlich. Wobei es von der parallel laufenden ZDF-Show “Willkommen 2020” auch nur die Durchschnittsquote aus viereinhalb Stunden gibt. Wie viele um 0 Uhr beim ZDF dabei waren, ist unbekannt.

Und falls Mariele Höppner auch Silvester 2020 droht, den Countdown totzumoderieren, sollte man ihr vielleicht einen Countdown-Beauftragten zur Seite stellen.

-> Die Sendung auf Youtube

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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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Der Mutmacher

Sonntag, den 29. Dezember 2019
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FR 27.12.2019 | 16.45 Uhr | Das Erste

Ihn kann man nur bewundern. Er stellt sich gegen Hass und Gewalt, und erntet dafür viel Lob, aber eben auch wiederum Hass. Er will etwas tun für die Demokratie und möchte mit Menschen ins Gespräch kommen.
Im Ersten lief am Freitagnachmittag im Rahmen einer “Jüdischen Akzentsendung” eine Doku über Shai Hoffmann: “Der Mutmacher”.

In den vergangen Jahren hat er viel getan: Er reiste mit dem Demokratiebus durch Deutschland, um mit den Menschen über die Demokratie und das Grundgesetz zu reden. Er versuchte da auch immer, aus der eigenen Blase rauszukommen und auch mit den Menschen zu sprechen, die den Entwicklungen kritisch gegenüberstehen. Was er sich mitunter anhören musste, war gruselig.
Er fragt sich, was unsere Gesellschaft eigentlich noch zusammenhält. Er will sich gegen die Wut und gegen Vorurteile stellen.

Auch privat hat er schon einiges mitgemacht. Von seinem Vater bekam er eine Niere gespendet, sie machte Shai Hoffmann ein gutes Weiterleben möglich, und die Verbindung zum Vater ist seitdem noch enger.

Nach den Vorfällen in Chemnitz startete er eine Kampagne, um einen Bus zu chartern, die Menschen für friedlichen Demo fuhren.
Wir müssten alle unsere Stimme erheben, wenn wir mitbekommen, dass jemand diskriminiert würde, sagt er im Film. Er selbst wird auch immer wieder diskriminiert. Als Jude muss er sich anhören, dass man ja angeblich gar nicht wisse, ob so viele Menschen beim Holocaust starben – und ob überhaupt. Das gehe ihm nah.

Die versuchte Anschlag auf die Synagoge in Halle war in der Doku nicht direkt ein Thema, ein Statement dazu wäre sicher interessant gewesen. Aber sicherlich ist es so, dass Shai Hoffmann auch danach und gerade danach weitermacht mit seinen Projekten: miteinander reden, aufklären, erklären.
Das ist eine Mission, für die man nur viel Erfolg wünschen kann.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 27. Dezember 2020)

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