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Pendelverkehr: Gransee – Fürstenberg

Freitag, den 19. Dezember 2014
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Seit ich neulich beim Umzug eines Freundes mitgeholfen habe, kenne ich mich auf der Strecke zwischen Gransee und Fürstenberg ganz gut aus. Wir arbeiteten gewissermaßen im Pendelverkehr. Immer hin und her und hin und her. Dreimal innerhalb von etwas mehr als vier Stunden.

Sehr idyllisch ist beispielsweise die Eisenbahnbrücke bei Dannenwalde. Die ist – auch wenn es nicht danach aussieht – eine Baustelle. Die Brücke ist so marode, dass der Verkehr nur noch einspurig rüberführen darf. Wer weiß, vielleicht würde die Überführung sonst schlapp machen. Irgendwann, also sicher irgendwann bald, könnte es mal eine neue Brücke geben. An der Ampel, die den Verkehr dort wechselseitig regelt, kann man schon die eine oder andere Minute verbringen. Und Zeitung lesen zum Beispiel. Oder was aus dem Kofferraum holen. Oder der Familie im Auto dahinter zuwinken.

Danach – der Zeitverlust ist schließlich immens – hat natürlich kaum noch jemand Lust, die erlaubten 80 Sachen zu fahren, immer wieder kommt es zu gefährlichen Überholmanövern. Einige Leute scheinen die B96 für eine vierspurige Autobahn zu halten – eine, bei denen man die beiden Gegenspuren leider vergessen hat. Egal, auch vor Kurven wird links gefahren. Man gännt sich ja sonst nichts.

Völlig aus dem Nichts steht dann das Ortsschild von Fürstenberg an der Straße. Wenn man dort die vielen “B96 raus aus der Stadt!”-Schilder sieht, kann man nur erahnen, wie genervt die Menschen dort vom Verkehrslärm sind. Allerdings ist es auch krass, wie schmal die B96 im Ortskern wird und sich durch die Innenstadt quält. In der Rushhour könnte das tatsächlich problematisch werden.

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Bahnbekanntschaften (52): Der Anschlusszug und die scheiß Bahn

Freitag, den 10. Juni 2011
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(51) -> 4.5.2011

Etwa fünf Minuten später. So steht es auf der Anzeigetafel. Die Leute, die am Bahnsteig in Neustrelitz auf den Regionalexpress in Richtung Berlin warten, nehmen das gelassen hin. Na ja, fast alle.
Als der Zug losfährt, setzen sich ein Mann und seine Frau auf die Plätze neben mir. Alle freuen sich: Ein großer Hund ist auch noch dabei. Er riecht ein bisschen. Aber das ist im vollen, stickigen Zug am Sonntagnachmittag auch egal.

Der Zug fährt in Fürstenberg ein. Die Frau sieht auf die Uhr. Und sie stöhnt. Jetzt sind es schon sieben Minuten Verspätung. “So eine Scheiße”, ätzt sie. Die beiden müssen in Oranienburg in die Regionalbahn umsteigen. “Der scheiß Zug wartet doch, dit kenn ick doch.” Der Mann macht nur “Mhm.”
Der nächste Halt: Dannenwalde. Sie: “Scheiße, wieso hält der denn in Dannenwalde? Der hält doch nie in Dannenwalde!” Sie sieht wieder auf die Uhr. “Scheiße! Den Zug in Oranienburg kriegen wir nie!” Und er: “Mhm.”

Dass der Zug in Oranienburg in der Regel immer auf den Regionalexpress wartet – ich beschließe, das für mich zu behalten.
Der Regionalexpress rollt weiter, hält noch in Gransee und rast dann über die Dörfer. Wir haben gerade Grüneberg passiert, als die Frau aufspringt. “Ick stell mich schon mal an die Tür, sonst kommen wir in ja in Oranienburg nie raus.” Und er: “Mhm.” Sie macht es dann aber doch nicht.

Als der Zug in Oranienburg einrollt, sagt die Frau gar nichts mehr. Der Zug nach Berlin-Lichtenberg steht noch da. Und unser Regionalexpress ist gerade mal eine Minute zu spät angekommen. Sie schweigt, sie sie aussteigen. Und er auch.

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Der Versuch einer Mittagspause

Freitag, den 19. März 2010
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Kann es sein, dass Fürstenberg die Gedenkstätte Ravensbrück nicht so wirklich unterstützt? Wer auf der B96 unterwegs ist, findet in Fürstenberg selbst keine Hinweise darüber, wo er denn nun hin muss, wenn er sich das ehemalige KZ ansehen will. Erst an der Straße, die dort hinführt, steht der erste Hinweis.
Genauso dezent geht es weiter. An einer Gabelung steht der Ravensbrück-Hinweis so versetzt, dass man fast schon wieder dran vorbei ist, wenn man’s entdeckt hat.
Das Besucherzentrum habe ich gleich mal komplett übersehen. Es befindet noch vor dem Haupteingang und soll einen Architekturpreis gewonnen haben. Dolle Sache, wenn’s so schön ist, dass man’s nicht wahrnimmt.

Auf dem Rückweg von Fürstenberg hatte ich das Bedürfnis einer Mittagspause mit entsprechender Mahlzeit.
Schon in Fürstenberg hielt ich an der B96 Ausschau, fand aber nichts, was mich angesprochen hat.
In Dannenwalde entdeckte ich am Straßenrand ein Bistro. Ich fuhr auf den Parkplatz, schnappte mir meine Zeitung – Mittagslektüre – und schlenderte zu dem Häuschen. Es blieb beim Schlendern. Drinnen sah es düster aus, voll schien es noch dazu, und schon vor der Tür stank es nach altem Frittieröl. Es fiel mir nicht schwer, zu verzichten.

Weiter nach Gransee. Am Ortseingang von Fürstenberg kommend steht ein Container, der sich Bistro nennt. Nachdem ich erst mal fix an der Parkplatzeinfahrt vorbeigerauscht bin, wendete ich im Kreisverkehr. Ich parkte, stieg aus und lief zum Eingang. Der kleine Container hatte nur wenige briefmarkengroße Tische, voll war’s auch. Kein Platz für mich – und vor allem für meine Mittagslektüre.
Unweit vom Kreisverkehr der zweite Versuch. Und das war der Gruseligste. Als ich vor der kleinen Kneipe stand, sah es drinnen wieder düster aus. Eine nicht wirklich sauber aussehende Gardine und eine Fensterverkleidung machte es unmöglich, einen Blick nach drinnen zu bekommen. Was soll das? Wollen die Kneiper nicht, dass man schon mal von draußen sehen kann, was einen erwarten könnte. Ich drückte die Türklinke, machte einen Schritt rein – und erstarrte. Vier Augenpaare sahen mich an. An einem Tisch saßen drei Herren mit ihren Bieren. An einem anderen ein einzelner Mann, ungepflegt, Ringe unter den Augen und ganz offensichtlich schon ein Promillchen intus. Nein, da wollte ich meine Mittagspause nicht verbringen. Und jetzt wunderte ich mich auch nicht mehr, dass man von draußen nichts sehen soll.
Erst der dritte Granseer Versuch klappte. Eigentlich wollte ich irgendwelche deutsche Hausmannskost. Da hatte ich Appetit drauf. Am Ende wurde es dann doch ein Dönerladen am Rande der Granseer Altstadt. Und ich bereute es nicht. Der Laden war einigermaßen sauber, hatte große Tische und einen leckeren und preiswerten Dönerteller.

Aber dennoch: Christian Rach hätte heute bei den anderen Läden die Hände über den Kopf zusammengeschlagen – oder sich gleich die Kugel gegeben.