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ProChrist 2009 – Zweifeln und Staunen: Ersehnt – Kann man Gott beweisen?

Mittwoch, den 1. April 2009
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DI 31.03.2009 | 19.30 Uhr | ERF eins

Einmal im Jahr zeigt die Freikirche, wie man am besten großes Fernsehen mit astreiner Kirchen-PR vermengt. Mit den Veranstaltungen in der Reihe “ProChrist” sollen neue Mitglieder geworben werden. Oder mit den Worten der Freikirchler: sich für Gott öffnen.
Achtmal wird “ProChrist” in diesem Jahr aus Chemnitz übertragen. Neben der Live-Ausstrahlung auf dem Religionssender ERF eins sind etwa 1000 Gemeinden in Europa dabei, darunter auch Oranienburg und Falkensee. Dort wird das Event auf große Leinwände übertragen.
Das Konzept bei den Freikirchen-Events ist immer gleich: Erst die große Show mit Gesang. Dann die langsame Hinführung zum Thema mit einem Betroffeneninterview. Am Ende die Predigt. Die lange Predigt.
Das Thema am Dienstag hieß: “Ersehnt – Kann man Gott beweisen?”
Die Show beginnt wie der Eurovision Song Contest: eine riesige Halle, lange Kamerafahrten über die Menge, eine Megabühne mit einem Orchester und einem Chor, die mindestens 200 Leute umfassen. Klotzen statt kleckern.
Moderator Jürgen Werth erklärt leicht onkelhaft worum es geht: Gibt es den wissenschaftlichen Beweis, dass es Gott gibt? Aber erst mal beten: “Herr, viele wissen gar nicht, ob es dich gibt.”
Später kam der Mikrobiologe Siegfried Scherer zu Wort. Mit 15 ist er aus der Kirche ausgetreten, dann aber, bei biologischen Experimenten in der Schule, überkam ihm die Ehrfurcht vor den Dingen, die er rausfand. Er hat gesehen, wie wunderbar die Natur ist, und das kann doch nicht zufällig sein.
Nun ja, ich denke das auch oft. Komme aber zu einem anderes Ergebnis als Scherer. Und was ist nun mit dem Beweis? In der Wissenschaft müssse sich das Ergebnis eines Experimentes immer wiederholen. Das sei bei Gott aber nicht möglich. Andererseits könne man auch nicht beweisen, dass es ihn nicht gibt. Die Auferstehung von Jesus könne auch nicht bewiesen werden, so Scherer, man könne es glauben oder nicht.
Ein bisschen schwammig, das Ganze. Überzeugend jedenfalls nicht. Weiter findet Scherer, dass Gott auch nicht in den Biologie-Unterricht gehöre, da müsse die Evolutionstheorie unterrichtet werden. Gott gehöre in den Religionsunterricht. Zum Schluss sagte Scherer noch, er sei durch die Forschung dem Glauben näher gekommen. Was irgendwie überraschend ist, wenn er als Forscher genau die Frage nicht beantworten kann, um die es den ganzen Abend gehen sollte.
Und dann, nach 25 Minuten, kam er: Ulrich Parzany, der Prediger der Freikirche. Ganz ohne Ankündigung.
Die Show war passé, nun erzählte nur noch Parzany. Während der 50-minütigen Rede gab es genau einen Umschnitt der Kamera und einen kurzen Einspieler. Also nur noch er: Parzany. Keine Ablenkungen, bitte.
Parzany ist ein brillanter Redner, er weiß genau, wie er Mimik, Gestik und seine Stimme einsetzen muss, um eine Wirkung zu erzielen. Er plaudert, er lächelt, dann wird er wieder ernst, spricht lauter, nervöser, wird sogar wütend, macht wilde Armbewegungen, wenn er etwas bekräftigen will. So packt er seine Schäfchen. Auch durch Wörter wie cool und Body statt Körper. Zeitgemäß eben, sehen ja auch Jugendliche zu.
Parzany legt gleich los. Der Beweis, dass es Gott nicht gibt? Das ziehe nicht mehr, das verdumme nur die Menschen.
Er erzählt die Geschichte von einer Mutter im 19. Jahrhundert. Ihr Kind lag totkrank mit Diphterie im Bett, hochansteckend. Die Mutter durfte nicht zu ihr, doch das Kind rief nach ihr, herzzerreißend. Die Mutter konnte nicht anders, nahm das Kind in den Arm, steckte sich an. Beide starben. Parzanys großer Augenblick. Beide. Starben. – Pause. Schweigen. Ein erschütterndes Bild der Liebe, so der Prediger. Der Beweis dafür, was Gott bewegen könne. Wieso das so ist, sagt er nicht. Wieso da nun gerade Gott seine Hand im Spiel hatte.
Parzany spricht von der Pest der Gottesvergessenheit und wird laut und energisch. Wer sich abwende, stecke sich an. Parzanys Haltung und Stimme sind drohend, machen Angst.
Und der Beweis? Wie gesagt, es gibt ihn nicht. Zumal folgender Vergleich hinkt: Ein Mann könne sich bei seiner Frau (ein eventueller Mann anstelle der Frau wird hier natürlich nicht in Betracht gezogen, aber das ist ein Thema für sich) auch nie sicher sein, ob sie es ehrlich meine, wenn sie sagt: Ich liebe dich. Bei der Liebe zu Gott sei das auch so. Wobei natürlich ein realer Partner mit einem (zumindest nicht bewiesenen) Gott schlecht zu vergleichen ist.
Die Predigt endet, wie immer, mit der direkten Ansprache, der Werbung. Jetzt komm! Er, der Herr, wolle anfangen, mit dir zu sprechen, so Parzany. Wenn man das wolle, solle man aufstehen, nach vorne gehen. Wo immer man sei – in Chemnitz vor Ort oder in den 1000 Gemeinden. Klaviermusik setzt ein, es wird gesungen. Tatsächlich füllt sich die Fläche vor der Bühne. Als einer der Willigen sich mitten auf das auf den Boden gemalte Kreuz stellt, schiebt ihn Parzany zur Seite. Sah wahrscheinlich blöd aus im Fernsehen.
Das war dann das Ende der Show. Nach großem Entertainment verengte sich der Fokus radikal auf den einen Redner mit seiner Botschaft. Clever ausgeführt, sicherlich oft die gewollte Wirkung nicht verfehlend. Auch wenn die Argumente letztlich doch erstaunlich schwammig waren. Andererseits ist offenbar genau das die Botschaft: einfach dran glauben.
Die Freikirche weiß, wie Leute umgarnt und angeworben werden können.
Der Spuk geht noch bis zum Sonntag.

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Die Krone der Volksmusik

Samstag, den 10. Januar 2009
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SA 10.01.2009 | 20.15 Uhr | Das Erste

Was ist denn da los? Hat die ARD sein Publikum etwa nicht im Griff? Oder ist das in die Jahre gekommene ARD-Saalpublikum schon so träge? Oder lassen sich die Leute in Chemnitz nicht durch Mundharmonika-Getute beeindrucken?
RTL-”Supertalent” Michael Hirte, der Mann mit der Mundharmonika, blies zum gefühlten 8122. Mal sein “Ave Maria”. Diesmal jedoch in der ARD-Show “Die Krone der Volksmusik”. Wahrscheinlich auch deshalb, damit der arme Mann auch mal eine andere Studiokulisse sehen darf, als die ewig gleiche von RTL.
Aber, und das muss ihm völliug neu gewesen sein, das Saalpublikum klatschte zwar heftig. Doch, und das ist heutzutage schon bemerkenswert, blieb sitzen. Keine Standing Ovations! Mensch, ARD-Zuschauer! Das war Michael Hirte! Das Supertalent!! Mit Munharmonika!!! Und dem Ave Maria!!!! Und da bleibt ihr wirklich bräsig sitzen?
Bei der ARD weiß man eben nicht was nicht gehört. Zum Beispiel, dass man auch beim 8122. Hirte-Mundharmonika-Song aufzustehen hat.

aRTikel

18 Monate bei der NVA

Mittwoch, den 30. August 2006
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Tagebuch eines jungen DDR-Soldaten


 

MAZ Oranienburg, 30.8.2006

Heute zum Grundwehrdienst bei der Bundeswehr eingezogen und nach drei Tagen über das Wochenende wieder nach Hause. Bei der Nationalen Volksarmee der DDR war das Leben nicht so leicht. Da gab es in 18 Monaten gerade mal ein paar Tage Urlaub. Ein Wochenende gab es dort nicht.
Joerg Waehner wird am 7.April 1982 auf offener Straße in Karl-Marx-Stadt verhaftet. Er hatte sich negativ über die DDR geäußert. Zwar kommt er nicht in den Knast, dafür wird er im Mai 1982 zur NVA eingezogen: 18 Monate dient er im Pionierbataillon 7, in der Arthur-Thiermann-Kaserne in Pirna.
In „Einstrich – Keinstrich: Ein NVA-Tagebuch“ (KiWi) beschreibt Joerg Waehner die lange, nicht enden wollende Zeit bei der Armee in Tagebuchform.
Kaum in der Kaserne: erst mal Haare schneiden, Fassonschnitt für alle. Papiere abgeben. Zivilklamotten im Paket nach Hause schicken. Stattdessen: Uniform. Und in der Stube mit 14 Leuten.
Auch wenn das Leben draußen weitergeht,
Joerg bekommt wenig mit. Nur die Briefe, die ihn erreichen, die seine Familie und Freunde schreiben, machen ihm Mut. Und dass die Stasi jeden seiner Schritte beobachtet, bekommt er zunächst nicht mit.
Für den Leser eine hochspannende Sache. Hautnah bekommt er das triste Leben in der Kaserne mit.

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Popstars – Das Duell

Dienstag, den 14. Oktober 2003
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MO 13.10.2003, 20.15 Uhr, ProSieben

Ach, wie rührend: Männer können also doch auch öffentlich flennen. Choreograph Detlef „D!“ Soost jedenfalls war total traurig, als er seine beiden musikalischen Babys Preluders und Overground auf die Fans losließ. Jetzt, nachdem „alle Choeos gesavt und die Songs recorded sind“. Trauriger Abschied vor einem Imbissrestaurant irgendwo in Chemnitz. Bei „Popstars – Das Duell“ wurden diesmal gleich zwei Bands zusammengecastet. Mit je fünf Jungs und Mädels. Dabei ist es ziemlich erschreckend, wie wenig die Bandmitglieder wirklich zu sagen haben. Alle wurden von der Jury bestimmt, klar. Der Bandname auch. Nun gut. Aber auch die Musikrichtung. Und sogar die Kleidung, die Frisuren. Die jungen Leute hatten aber auch gar nichts zu melden, ob ihnen das nun passt oder nicht. Für sie scheint es normal zu sein, alles in der Hoffnung, berühmt zu werden. Dabei sei den Machern von ProSieben gleich mal gesagt: Noch sind die zehn keine „Stars“, wie ihr gern zu pflegen sagt. Interessant ist auch, wie am Image der Bands gearbeitet oder gar manipuliert wird. Während die Jungs von Overground an vielen Stellen symphatisch rüberkommen, werden die Preluders als arrogante Zicken dargestellt. Andererseits: Wer das Wort „Luder“ im Bandnamen hat…