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Thermentest (5): Lieber keinen Schnickschnack

Sonntag, den 5. Dezember 2010
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(4) -> 27.11.2010

Brandenburg: Herrliches Salzbecken in der Spreewaldtherme

MAZ, 4.12.2010

Winterzeit ist Thermenzeit. Bei Wind und Wetter tun Sauna und Sole besonders gut. In dieser Serie testen wir die märkischen Thermen. Teil 5: Spreewaldtherme, Burg.
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Nun aber mal raus mit der Sprache: Kann es sein, liebe Architekten der Spreewaldtherme in Burg (Spree-Neiße), dass ihr in Wirklichkeit die Abfertigungshalle eines Bahnhofs geplant habt? Wer sich nämlich vom Whirlpool aus im Solebadbereich umsieht, könnte auf diesen Gedanken kommen. Keine einzige Grünpflanze versperrt den Blick, dafür ein paar Säulen und Träger. Ein Holzweihnachtsbaum-Dingsbums erinnert ans nahende Fest. Eine Treppe führt in die obere Etage, dort wird der Besucher von einer grauen Betonwand in Empfang genommen. Fehlt nur noch die Ansage: „Der Regionalexpress nach Cottbus verspätet sich um 35 Minuten.“ Nein, das Wort „Schnickschnack“ existiert nicht in Burg. Auf Schnickschnack verzichteten die Planer – leider. Urlaubsgefühle kommen da kaum auf.

Wer jedoch im Becken sitzt, kann herrlich relaxen, man kann ja dabei die Augen schließen. Ein Erlebnis ist das Intensivsolebecken. Bei einem Salzgehalt von acht Prozent kann sich der gestresste Märker auf dem Wasser treiben lassen. Perfekt wäre das mit sanfter Unterwassermusik – aber die wäre ja wieder Schnickschnack.
Daneben befinden sich ein Kalt- und ein Heißwasserbecken. Wer sich traut, kann die 20 Grad Unterschied bewältigen: Erst 18 Grad, dann 38 – oder andersrum. Das hat der Tester jedoch nicht gewagt. Der Sinnesraum „Wave Dream“, bei dem Wasserwellen an der Decke zu sehen sind, ist zwar eine nette Idee zur Entspannung, allerdings könnte es dort einen Tick wärmer sein. Während draußen Schnee liegt, alles weiß ist und der Nebel über das Becken wabert, ist es ein besonderes Gefühl, seine Bahnen im Außenbereich zu ziehen. Auch dort gibt es diverse Sprudel und Massagedüsen.

Die Sauna ist insgesamt schon etwas gemütlicher eingerichtet: eine Sitzecke mit Kamin, eine Bar und mehrere Plätze zum Liegen. Die Auswahl ist in Ordnung, aber nicht üppig. Neben Caldarium und Dampfbad gibt es die Kamin- und Spreewaldsauna sowie die finnische Sauna. Es fehlt das Außergewöhnliche, Einzigartige. Wäre doch zum Beispiel eine schöne Idee, in der Spreewaldsauna in der Blockhütte Spreewaldgurken statt Obst zum Aufguss zu reichen.
Apropos Aufguss: Der ist echt gut in der Spreewaldsauna. Nach dem dritten Durchgang dreht der Saunameister die Sanduhr um: „Ab jetzt noch 15 Minuten.“ War natürlich nur ein Witz. Kein Witz dagegen ist der automatische Aufguss (ja, Sie haben richtig gelesen) in der finnischen Sauna. Alle 30 Minuten zischt es kurz, und das war’s dann. Nun ja. Nicht wirklich der Hit.

Wer sich eine ordentliche Erkältung holen will, sollte sich in den aufwendig mit Kabinen bestückten Dusch-raum stellen. Im Flur weht von der Klimaanlage oft ein dermaßen kalter Wind, dass es dem Besucher fröstelt.

Das Thermenrestaurant befindet sich nur wenige Meter neben dem Becken. Um kurz vor sieben wird bereits das Salatbüfett geschlossen, offenbar rechnen die Betreiber nicht mehr mit Gästen. Es gibt Suppen (3,90 Euro), Hauptgerichte (7 bis 10 Euro) mit Fisch, Fleisch, Brat- und Stampfkartoffeln – und Lausitzer Nudeln, die allerdings aussahen wie aus der Dose.

Wer im Umkleideraum steht, darf zum Abschied winken: Denn wirklich krass ist die Anzahl der Überwachungskameras in diesem Bereich. Da fühlt man sich eher beobachtet als vor Dieben geschützt.

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Informationen:
Adresse: Ringchaussee 152, 03096 Burg (Spreewald), Tel.: 035603/18850, www.spreewald-therme.de
Öffnungszeiten: täglich 9 bis 22 Uhr. Jeden ersten Freitag im Monat bis 0 Uhr.
Preise: Drei Stunden Solebad und Sauna kosten 16 Euro, Tageskarte: 23 Euro.
Angebote: Im Solebad Thermalsole-, Kalt- und Heißwasserbecken, Intensivsole-, Bewegungs-, Sprudel- und Kinderplaschbecken. Dampfbad mit Soleinhalation. Der Saunabereich mit Sanarium, Dampfbad, finnischer, Kamin- und Spreewaldsauna. Im Wellnessbereich u.a. Spreewaldbäder in der Holzbadewanne, Massagen, Packungen sowie Anwendungen im Wasserschwebebett.

Badewelt: 3/5
Saunawelt: 3/5
Gastronomie: 3/5
Sauberkeit: 5/5
Erholungswert: 3/5

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RTelenovela

Burg 21: Bahnhof oder Therme?

Dienstag, den 30. November 2010
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Der Winter hat – wie so oft – bislang um Oranienburg einen Bogen gemacht. Und wenn der Winter nicht zu mir kommt, muss ich eben zum Winter.
Auf meiner Fahrt nach Burg im Spreewald wurden die Felder abseits der A13 immer weißer, der Schnee immer höher. Ab dem Spreewalddreieck war dann auch die Fahrbahn winterlich. Vetschau präsentierte sich in einem mehrere Zentimeter hohen Winterkleid.
So stapfte ich in Burg also in die Therme. Es ist inzwischen die sechste von neun innerhalb unseres Testes.

Und irgendwas muss beim Bau der dortigen Therme schief gelaufen zu sein. Wusste der Architekt, was er da baut? Oder dachte er, er müsse eine Bahnhofshalle planen? Genauso sieht der Badebereich in Burg nämlich aus. Wie eine Bahnhofshalle. Eigentlich fehlt nur noch die Lautsprecherdurchsage, dass der Regionalexpress nach Cottbus in wenigen Minuten einfährt. In der gesamten Halle gibt es keine einzige Pflanze, egal ob echt oder künstlich. Ansonsten ein paar Pfäle und Sälen, alles in gelb, grün, grau. Am Rande sind Ablegefächer, die aussehen wie Schaufenster – grasgrün beleuchtet. Für eine Therme erstaunlich trist.

Hatte Burg an der Stelle ursprünglich ganz andere Pläne? “Burg 21” vielleicht? Wurde aus dem Bahnhof nur sehr kurzfristig eine Therme? Fragen über Fragen…

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RTelenovela

Paddeln im Spreewald

Samstag, den 9. September 2000
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Burg im Spreewald. Das letzte Mal war ich vor mehr als zehn Jahren in diesem Ausflugsgebiet im Süden Brandenburgs. Höchste Zeit, wieder einmal dorthin zu fahren, um mich auf einen Kahn zu setzen und einen erholsamen Tag zu haben. Schöne Aussichten, Aber es sollte anders kommen. Nix mit Gemütlichkeit. Selber Paddeln! Ich, der sich ansonsten eher selten sportlich betätigt. Ich, angezogen mit einer langen Jeans.
Als es am Bootsverleih hieß, wir seien in drei Stunden wieder da, ahnte ich, dass dieser Tag anstrengend wird. Wir waren zu viert, je zwei Leute in einem Paddelboot – Nico und ich, sowie seine Schwester und ihr Freund.
Und schon der Einstieg war sehr wacklig, aber noch trocken. Für unsere Orientierung bekamen wir noch eine Karte, auf der alle Flüsse eingezeichnet waren.
Aber was nützt uns das, wenn wir es noch nicht einmal hinbekommen, uns einigermaßen geradeaus fortzubewegen? Immerhin haben wir so die Flora und Fauna des Spreewaldes näher kennengelernt, Vielleicht sollte man einfach versuchen, einigermaßen gleichmäßig zu paddeln – und vor allem, dass beide Bootsinsassen in die gleiche Richtung steuern. Nein, wir schipperten im Zickzackkurs den Fluss entlang. Oder verkeilten uns ganz im Flussbett.
Als wir quer auf dem Wasser standen und links und rechts in den Büschen festklemmten, hatten wir echte Probleme.
Das alles ist um so peinlicher, wenn gerade ein Kahn voller Touris vorbeikommt und uns begafft (“Na, wo wollt ihr denn hin?”). Weitere Überraschungen gab es in Form einer plötzlichen Sandbank, aus der wir uns erst einmal herausmanöverieren mussten.
Unterdessen triefte meine Hose vor Nässe, da bei unserer Fahrt „ein wenig” Wasser in unser Bötchen reinspritzte. Aber andererseits schützte mich die Hose auch vor den äußerst heimtückischen Angriffen diverser Mückenschwärme.
Unterbrochen wurde unsere schöne „Von-Strauch-zu-Strauch-Fahrt” nur von zwei Schleusen, die wir natürlich selbst bedienen mussten. Eigentlich waren es ja drei, die dritte war aber netterweise geschlossen, sodass wir unsere Reise zu Fuß, mit dem Boot in der Hand, fortsetzen durften. Das erhöhte den Spaßfaktor dieser ganzen Reise natürlich beträchtlich.
Inzwischen waren auch die drei Stunden vorüber, wir aber noch lange nicht am Ziel. Wir fuhren nämlich nicht nur Zickzack, sondern auch noch in eine völlig falsche Richtung. Wir haben uns verfahren. Trotz Karte. Ich hatte die Schnauze voll, hätte ein Fahrrad oder vielleicht sogar ein Taxi am Ufer gestanden, vielleicht hätte ich diese Chance genutzt.
Nach läppischen viereinhalb Stunden hatten wir unser Ziel endlich erreicht. Völlig fertig, die Sachen dreckig und total durchnässt kletterte ich aus dem Boot. Ich schwor mir, nie wieder so etwas mitzumachen.
Aber irgendwie hat das. alles doch ein bisschen, nur so ein klitze kleines bisschen Spaß gemacht, sodass es wohl doch noch ein „zweites Mal” geben wird!

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