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Afghanistan – Großer Zapfenstreich

Donnerstag, den 14. Oktober 2021
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MI 13.10.2021 | 18.50 Uhr | Das Erste

Soldaten marschieren mit brennenden Fackeln vor dem Reichstag. Es ist dunkel, und das Feuer der vielen Fackeln, die die Uniformierten in den Händen halten, löst ein Flackern aus.
Es ist ein Bild, das schon irgendwie gruselig ist.
Es ruft Bilder hervor. Fackelumzüge am Berliner Reichstag oder nebenan, am Brandenburger Tor, erinnern an im wahrsten Sinne des Wortes düstere Zeiten.
Aber die, die dort aufmarschieren, sind deutsche Soldaten. Unsere Soldaten. Unsere Bundeswehr. Unsere Leute, die in Afghanistan für eine bessere Zukunft dieses Landes gekämpft haben.
Der Afghanistan-Einsatz ist zu Ende, und der Erfolg ist ausgeblieben. Das aber kann man den Soldaten nicht anlasten. Mit einem Großen Zapfenstreich vor dem Regierungsgebäude der Bundesrepublik Deutschland wird der Afghanistan-Einsatz offiziell beendet und die Soldaten gewürdigt. Verdienterweise.

Der Große Zapfenstreich ist am Mittwochabend im Ersten übertragen worden. Auch das ist ein Zeichen dafür, dass diese Zeremonie äußerst wichtig und symbolisch war.

Aber dennoch: Das Bild vom Fackelumzug im Regierungsviertel löst ein flaues Gefühl im Magen aus. Da kann das Anliegen noch so gut und symbolhaft sein.
Natürlich hat das auch damit zu tun, dass die deutsche Armee sehr wenig im Bewusstsein der Menschen ist. Sie spielt ein wenig ein Schattendasein im öffentlichen Bewusstsein. Oft hat sie sogar einen schlechten Ruf.
Dabei ist klar, dass ein Land ohne eine Armee nicht auskommen wird. So gut ist die Welt leider nicht. Kriege wird es immer geben – und in Zukunft sicherlich noch andere Begebenheiten, die Hilfseinsätze nötig werden lassen.
Aber selbst wenn man die Bundeswehr weiter in die Lebensmitte der Deutschen rückt – der Zapfenstreich mit dem Fackelumzug wird wohl immer ein Fremdkörper sein. Dass das so ist, zeigt auch, wie hoch das Geschichtsbewusstsein der Deutschen ist. Die Erinnerung an das, was vor gut 90 Jahren geschehen ist.
Man könnte ja zumindest mal drüber nachdenken, was man anders machen könnte.

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 13. Oktober 2022)

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RTZapper

Soldaten

Freitag, den 9. Juli 2021
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MI 07.07.2021 | 23.50 Uhr | Das Erste

Es gibt Dinge, die ändern sich nie. Wie das erste richtige Antreten bei der Bundeswehr. Das erste mal angeschrien zu werden. Ermahnt zu werden, dass man sich jetzt doch jeden Morgen zu rasieren hat, selbst wenn da im Gesicht gar nicht so viel wächst. Wer jetzt keinen Bart hat, hat auch später keinen zu haben.

“Soldaten” ist der schlichte Titel der spannenden Doku, die am späten Mittwochabend im Ersten zu sehen war. Zwei Jahre begleiteten Willem Konrad und Christian von Brockhausen drei junge Soldaten, die in der Panzergrenadierkompanie in Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern, ihren Dienst bei der Bundeswehr beginnen.
Sie wollen Berufssoldaten werden – denn den Grundwehrdienst gibt es ja schon ein Jahrzehnt nicht mehr. In Hagenow werden zudem Soldaten ausgebildet, die meist in den Auslandseinsatz gehen. 2019, mit Beginn der in der Doku gezeigten Grundausbildung, war klar, dass es dann irgendwann nach Afghanistan gehen könnte.

Jarrell, Jeremy und Alexis sind Anfang 20. Jarrell sagt, er möchte seinem Land was wiedergeben. Jeremy hat einfach einen Ausbildungsplatz gesucht.
Absolut unkommentiert begleitet die Kamera die jungen Männer in ihrem Grundwehrdienst. Wie sie an ihren Aufgaben wachsen wollen, auch scheitern oder sich durchbeißen müssen.
Es ist immer noch hart bei der Bundeswehr, der Ton ist rau, es wird auf Disziplin gedrungen. Aber die Bundeswehr von heute erlaubt auch Zwischentöne, vielleicht mehr als noch vor 20 Jahren.
Die Einblicke, die man als Zuschauer bekommt, sind sehr interessant. Warum wollen diese jungen Leute das, und können sie das wirklich schaffen? So wird sich beispielsweise Jarrell erst mehr und mehr bewusst, was es heißt, nach Afghanistan zu gehen.

Kann man den Filmemachern glauben, wurde nichts zensiert, nichts beschönigt, sondern gezeigt was ist. Es ist ihnen gelungen, nah an die Jungs ranzukommen, auch in ihr Inneres zu schauen. Nicht alle bleiben am Ende beim Bund.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 7. Juli 2022)

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RTelenovela

Havelberg – 22 Jahre danach

Freitag, den 4. September 2020
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Es sieht alles sehr viel moderner aus. Ich stehe vor dem Eingang der Elb-Havel-Kaserne in Havelberg. Es ist Ende August 2020. Vor 22 Jahren, am 1. September 1998, war ich zum ersten Mal hier. Ich trat damals meinen Dienst in dieser Kaserne an. Gut acht Wochen lang dauerte die Grundausbildung, und wir sind dort marschiert, wir haben uns anschreien lassen, wir haben die Stuben geputzt, die Waffen benutzt und gereinigt und “Tsching Tschinging Bajuh” gesungen und so weiter.

Der Schriftzug an der Mauer neben dem Eingang scheint noch der alte zu sein. Ansonsten aber ist vieles anders. Der Parkplatz vorm Eingang ist verschwunden, es gibt auf der anderen Seite des Eingangs einen kleinen Besucherparkplatz, auf dem ich nun als einziger stehe. Auch ein Gebäude parallel zur Straße hat es, so glaube ich, 1998 noch nicht gegeben. Die Kompaniegebäude sehen frischer aus.

Während ich da so rumstehe, werde ich von der Wache beobachtet. Kommt ja sicher nicht so oft vor, dass vor der Kaserne jemand rumlungert und auf das Gelände glotzt. Ich laufe ein Stück entlang des Zaunes, und ich sehe, dass ich immer noch beobachtet werde.
Während ich da so langlaufe und die Gebäude sehe, strömen lauter Erinnerungen auf mich ein. Es ist ein merkwürdiges Gefühl.
Ich laufe um die Ecke, um mir von außen auch den Sportplatz anzusehen. Rechts von mir ist ein Wohnblock, die Bewohner schauen direkt aufs Kasernengelände. Für einen Freitagmittag scheinen erstaunlich viele Leute zu Hause zu sein. In einem Fenster hockt eine Frau und beobachtet mich. In einem anderen Fenster sitzt ein Hund und beobachtet mich. An einem der Hauseingänge steht ein junger Mann und beobachtet mich.
Ich laufe weiter, am Wohnhaus vorbei. Ich sehe links den Sportplatz, auf dem ich auch sehr große Erfolge gefeiert habe. Auf dem schmalen Weg, auf dem ich jetzt stehe, sind wir sicherlich auch mindestens einmal langgejoggt.

Es gibt gerade mal ein Gruppenfoto von meinem Zug. Ansonsten gibt es nur die Erinnerungen in meinem Kopf. Smartphones gab es noch nicht, und Fotos darf man auf dem Gelände eh nicht machen.
Ich laufe wieder zurück. Ich will noch in die Stadt.

Es ist eine schöne Stadt. Die Altstadt von Havelberg liegt auf einer Insel, drumherum fließen Havel und Havelarme. 1998 hatten wir wenig Gelegenheit, und wirklich die Stadt zu erschließen. Wir waren zwar einmal auf dem Pferdemarkt, wir waren ein oder zweimal Pizza essen, und einmal waren wir am Abend in einer Disco, die es sicherlich nicht mehr gibt.

Ich laufe durch die Altstadt, es gibt dort einen kleinen Buchladen. Ich sehe mich dort um, allerdings gibt es ausschließlich alte Bücher. Auf dem Flohmarkt in Sellin hatte ich schon mal Stephen Kings “Cujo” in der Hand, das Buch war aber zu teuer, und die Händlerin ließ nicht mit sich reden. Hier habe ich es nun wieder in der Hand – es ist aus den späten 80ern, aber ich will es haben. “Cujo” war einer der ersten – wenn nicht sogar der erste Roman, den ich von Stephen King gelesen habe.
An der Kasse erfahre ich, dass es sich um einen Verein handelt, der von Spenden lebt. Man spendet, wenn man etwas haben will. Und es gibt viele Leute, die Bücher bringen.

Ansonsten gibt es in der Havelberger Altstadt ein paar Lokale, das Rathaus, diverse Läden – aber es fehlt an einem echten Anziehungspunkt. Da bietet Stendal, wo ich vorher war, mehr. Auch wenn Havelberg architektisch sehr viel spannender ist.

Gute zwei Stunden dauert mein Havelberg-Aufenthalt, ich verlasse die Stadt mit dem Auto – auf dem Weg, den wir damals immer am Freitagmittag in Richtung Heimat gefahren sind.

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aRTikel

1990 – Jahr der Einheit: Golf jagt Trabant

Dienstag, den 28. Dezember 2010
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Dezember 1990 I -> 18.12.2010

Rückblick: Im Dezember 1990 sorgt ein Verkehrsrowdy für Wirbel / Armee im Umbruch

MAZ Oranienburg, 28.12.2010

Was passierte im Jahr der Einheit im Altkreis Oranienburg – und was stand in der MAZ? Diesmal: die zweite Hälfte im Dezember 1990.

OBERHAVEL
Nach der Wende ist auch die Armee im Umbruch. Am 12. Dezember 1990 zieht sie sich wieder ein Stück mehr aus Oranienburg zurück. 40 Panzer vom Typ T55 des Motschützenregiments in der Straße des Friedens (Bernauer Straße) werden per Güterzug nach Löbau abtransportiert und dort verschrottet.
Zur selben Zeit gibt die Bundeswehr bekannt, dass sie das Oranienburger Wehrkreiskommando schließen wird. Die Musterung und Einberufung der Soldaten sollen nun die Dienststellen in Neuruppin und Nauen übernehmen.
Die Raketenbrigade der Bundeswehr will bis März 1991 den Standort in Beetz aufgeben. Was mit der dortigen Kaserne passieren soll, ist noch völlig unklar. Die Beetzer Bürgermeisterin Ingeborg Füllert bekundet ihr Interesse am Standort: Sie denkt darüber nach, dort ein Kurhaus oder einen Gewerbepark zu etablieren.

Der Konsum von Kreuzbruch verzeichnet einen traurigen Rekord. Innerhalb von sechs Wochen wird das Geschäft sechsmal von Einbrechern heimgesucht. „Wegen Einbruch geschlossen“ – dieses Schild hängt nun öfter an der Ladentür. Die Diebe nehmen hauptsächlich Alkohol und Zigaretten mit.

Die Oranienburger müssen sich von der alten „Puckelbrücke“ an der Saarlandstraße verabschieden. Die Holzkonstruktion ist überflüssig, nachdem vor einigen Monaten die neue Dropebrücke eröffnet wurde.

Die Hilfsschule für lernbehinderte Kinder in Sachsenhausen sendet Hilferufe aus. Das Haus ist vollkommen verfallen, die Kinder erhalten ihren Unterricht in alten Baracken. Die sanitären Einrichtungen gelten als unzumutbar, die Turnhalle ist ein zehnmal fünf Meter kleiner Raum. Die Verantwortlichen denken über einen Standortwechsel nach. Vielleicht in Oranienburg, am besten in S-Bahn-Nähe.

Kurz vor Weihnachten kommen Maria und Josef nach Borgsdorf und eröffnen einen Gebrauchtwagenmarkt. Das Ehepaar Olteano benennt ihr Geschäft tatsächlich „Maria und Josef“, ab 1991 soll es auch Neuwagen geben.

Die Awu will 1991 ihre Preise senken. Der Preis für die Abfuhr einer Mülltonne sinkt von 4 auf 2,95 Mark.

Am 22. Dezember 1990 kommt es zwischen Hohen Neuendorf und Hennigsdorf zu einem denkwürdigen Zwischenfall. Mario R. aus Ulm knackte in Berlin einen Golf, im Lehnitzer Friedrich-Wolf-Haus trank er diverse Mengen Alkohol. Auf seiner Fahrt nach Hennigsdorf trifft er dann auf einen Trabant, der ziemlich langsam vor dem Golf herfährt. Der Trabifahrer fühlt sich vom Fernlicht des Golfs geblendet, fährt noch langsamer. Daraufhin überholt der Golf, lauert dem Trabi später aber wieder auf. Mario R. klemmt sich wieder hinter die Rennpappe, fährt mehrmals auf. Der Trabant stoppt. Der Golf nicht, er schiebt das Ostauto vor sich her. Als der Trabifahrer den Golffahrer zur Rede stellen will, verriegelt der die Türen und gibt dem Trabant stattdessen den Rest – mit sechs Rammstößen in die Seite. Der Ulmer flüchtet, die Polizei findet den Golf später in Hennigsdorf-Nord. Es kommt raus, dass der Mann auch in seiner Heimat schon per Haftbefehl gesucht wird.

Am Ende schaut Jette positiv auf 1990 zurück. Es gebe keinen Grund zum Meckern. Oder doch: Behältst du deine Arbeit? Das sei dann schon eine der wichtigsten Fragen der Zeit. Für das Jahr 1991 bestehe dennoch große Hoffnung.

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RTelenovela

Volojahre (42): Zentrales Kompetenzgerangel

Donnerstag, den 28. Januar 2010
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(41) -> 23.1.2010

Dies ist die Geschichte einer Recherche. Einer Recherche, die sich als schwieriger erwies wie anfangs gedacht.
Die spannende Frage war: Wie kommen eigentlich Uniformträger mit den klirrend kalten Temperaturen klar? Bundeswehrsoldaten, Polizisten, Müllmänner. Nun gut, eigentlich durfte dabei wenig Neues rauskommen. Sie ziehen sich eben wärmer an. Ich fragte trotzdem nach. Oder versuchte es zumindest.
Der Kampf konnte beginnen.

Kapitel 1. Die Bundeswehr in Geltow.
In Geltow befindet sich ein Bundeswehrstandort. Also suchte ich mir die Telefonnummer raus, um mich von der Zentrale aus zur Pressestelle weiterleiten zu lassen.
Ich wählte die Nummer. Und nach einer Weile hatte ich eine Dame am anderen Ende der Leitung. “Ich würde gern jemanden von der Pressestelle sprechen.” Daraufhin fragte die Frau: “Die in Schwielowsee?”
Wie jetzt, Schwielowsee? Ich überlegte kurz. Mir fiel ein, dass Geltow zur Gemeinde Schwielowsee gehört. Also, okay, dann eben Schwielowsee.
Die Dame sucht. Und findet nicht. Kein Eintrag in Schwielowsee. Ich präzisiere also: Geltow, sage ich. Und ich ergänze, dass ich ja auch die Geltower Nummer angerufen hatte. Die Dame antwortet, dass ich in der Bundeswehrtelefonzentrale in Hamburg gelandet sei.
Schön. Aber das hilft mir nicht weiter.
Die Telefonistin sucht nun in Geltow nach einer Pressestelle. Und findet sie nicht.
Ich habe vor elf Jahren im IV.Korps in der Pressestelle gearbeitet, da muss es das also geben, sage ich.
Die Frau kennt das Wort Korps nicht. Sie buchstabiert es “Corp”. Und findet natürlich nichts. Wir sprechen nun schon fast sieben Minuten miteinander.
Sie klinkt sich kurz aus, fragt irgendwo anders nach und erfährt, dass es kein IV.Korps mehr gibt. Okay, Punkt für sie. Oder so ähnlich.
“Und nun?”, frage ich. Sie will mich in irgendein Geschäftszimmer durchstellen. Danke, auf Wiederhören.
Leider meldet sich im Geschäftszimmer niemand. Ich lege auf.

Kapitel 2. Die Bundeswehr in Potsdam.
Auch in Potsdam gibt es eine Bundeswehrkaserne. Ich suche mir die entsprechende Nummer raus und wähle sie.
Überraschung! Ich lande wieder bei der freundlichen, aber nicht sehr wissenden Dame in Hamburg. Meine Freude hält sich in engen Grenzen.
Ich frage nach der Pressestelle. Sie fragt: Die in Potsdam? Ich sage: Ja, ich habe ja auch die Potsdamer Nummer gewählt. Sie sagt: Sie findet keine Pressestelle in ihrem Verzeichnis. Ich sage: Gibt es denn irgendjemanden, der mir irgendeine Auskunft geben kann?
Die Frau fragt nach. Und will mich dann zu einer anderen Potsdamer Dienststelle durchstellen.
Und tatsächlich meldet sich dort jemand. Ich teile dem Mann in der Geschäftsstelle mit, dass ich mit der Hamburger Telefonzentrale nicht so wirklich zufrieden bin. Der Mann lacht, das Problem scheint bekannt zu sein.
Zum Winterklamottenthema kann er allerdings nichts sagen, er stellt mich zu einem höheren Dienstgrad durch.
Und dann, oh Wunder! Ich habe jemanden in der Leitung, der mir etwas zu meinem Thema sagen kann. Nach 30 Minuten!
Dann aber, nachdem er mir alles erzählt hat, fragt er: Wollen Sie das als O-Ton verwenden? Ich sage: zumindest Teile davon. Er sagt: Sie dürfen mich nicht zitieren, da müssen Sie erst da und da anrufen und nachfragen.
Dolle Sache, der Bund. Wo doch Klamotten so ein großes Geheimnis sind. Ein Staatsgeheimnis.

Kapitel 3. Die Polizei.
Ich rufe den Pressesprecher in Potsdam an. Und es scheint simpel zu sein. Der Herr erzählt mir, was ich wissen will. Dann sagt er aber, dass ich mich an einen Herren in Wünsdorf wenden soll. Der arbeite im Zentraldienst und könne mir das sehr viel genauer erzählen.
Also wähle ich die Wünsdorfer Nummer. Tatsächlich habe ich den Mann am Rohr, den mir der Pressesprecher empfohlen hat. Blöd nur: Er darf mir nichts sagen, sagt er. Ich müsse das Innenministerium in Potsdam anrufen. Er ist dazu nicht befugt.
Ich klingele also in Potsdam an. Zwei Gespräche verlaufen im Sande, ich habe immer Leute dran, die nichts zu meinem heißen Klamottenthema sagen können. Ich solle mich per Mail ans Ministerium wenden.
Ich schreibe also die Mail.
Eine gute halbe Stunde später: Der Wissende vom Innenministerium ruft an. Meine Mail hat er noch nicht gelesen, ich schildere ihm also noch mal, was ich wissen möchte. Er wolle sich drum kümmern.
Eine weitere gute Stunde später. Der Wissende schickt mir tatsächlich eine Antwortmail mit meinen Fakten. Dann ruft er mich an.
Er hoffe, dass ich jetzt alles hätte, was ich wissen möchte. Und er meint, dass das Innenministerium solche Auskünfte eigentlich nicht gebe. Es gebe einen Mann in Wünsdorf, der mir alles erzählen könnte. Ich sage: Ich habe mit dem Mann gesprochen, er darf nichts sagen. Der Ministeriumsmann sagt: Klar darf er. Mit solchen Kleinigkeiten gebe sich sein Amt nicht ab. Ich solle doch bitte noch mal in Wünsdorf anrufen, er habe mich bereits dort angekündigt. Er gibt mir noch mal die Telefonnummer.
Es ist leider die Falsche. Die Frau, die ich nun am Apparat habe, kennt den Mann nicht, mit dem ich vorher gesprochen hatte. Sie muss in irgendeiner Liste nachschauen, wo sie ihn überraschenderweise sogar findet. Sie sagt mir seine Nummer.
Ich wähle besagte Nummer. Aber der Mann ist nicht mehr da.
Ich gebe auf. Und ich habe ja sowieso, was ich wissen will.

Alles andere funktioniert verhältnismäßig reibungslos. Aber die Bundeswehr und die Polizei haben mich sehr viele Nerven gekostet. Die Sache mit den Kompetenzen sollte vielleicht mal geklärt werden. Und die Bundeswehr sollte ihre seltsame Telefonzentrale am besten gleich mal wieder abschaffen. Rührt euch, weggetreten.

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Vor Ort: Rekrutengelöbnis am Reichstag

Montag, den 21. Juli 2008
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SO 20.07.2008 | 19.15 Uhr | Phoenix

Der Platz vor dem Reichstag sei ja ziemlich weitläufig, da hätten Störer kaum eine Chance. Fast klang es so, als sei der Kommentator der Gelöbnis-Live-Übertragung bei Phoenix ein bisschen enttäuscht, dass diesmal kaum mit Action zu rechnen sei.
Vor dem Reichstag legten Soldaten ihr Gelöbnis ab. Wenn man aber der Rede von Verteidigungsminsiter Jung folgte, waren sie mit Abstand die Uninteressantesten vor Ort. Sie wurden zuletzt begrüßt, obwohl es doch um sie ging. Nein, vorher mussten noch alle möglichen Politiker begrüßt werden und irgendwelche Exzelenzen. Selbst die Eltern der Soldaten kamen nur in einem Nebensatz vor. Rangfolge hin oder her – höflich ist auch das nicht. Und irgendwelche SPD-Fraktionsheinis werden nicht umkommen, wenn man sie später (oder besser gar nicht) erwähnt.

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MDR Info: Soldaten sind zu dick

Mittwoch, den 5. März 2008
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DI 04.03.2008 | 2.19 Uhr (Mi.) | MDR Info

Die Soldaten der Bundeswehr sind zu dick. Das kam jetzt in einer Studie heraus, über die der Nachrichtensender MDR Info in der Nacht berichtete.
Sie rauchen zu viel, essen zu viel, trinken zu viel und bewegen sich zu wenig.
Dabei würden sie es doch gern öfter tun. Also das Bewegen. Sagt zumindest Deutschlands Wehrbeauftragter Reinhold Robbe. Doch die armen Budneswehr-Soldaten haben gar keine Zeit, sich zu bewegen. Besonders die im Stab. Wegen der Bürokratie. Zu viel Zettelkram. Da hätten die Soldaten entweder gar keine Zeit, am Sport teilzunehmen, oder sie hätten ein schlechtes Gewissen, wenn sie es doch tun – die Arbeit bliebe schließlich liegen.
Aus eigener Erfahrung: Soldaten im Stab hassen Sport. Sie drücken sich vor jeder Bewegung zu viel. Ein schlechtes Gewissen, dass Arbeit liegen bleiben würde, haben sie nicht. Weil sie den Sport schwänzen. Sehr gern und sehr oft.
Aber wenn Herr Robbe das so verlautbaren würde, käme das nicht gut an. Und offen zugeben würde das sowieso niemand. Nur unter der Hand. Wenn kein Vorgesetzter zuhört.

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