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Bayerischer Filmpreis 2021

Samstag, den 21. Mai 2022
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FR 20.05.2022 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Irgendwie ist es stiller geworden um den Söder, Marcus. Seit der bayerische Ministerpräsident nicht mehr seine bundesweit beachteten Corona-Anmerkungen vom Stapel lässt und dabei immer so landesväterlich spricht, weil er sich immer solche Sorgen um uns alle macht, hört man kaum noch etwas von ihm.
Was macht der eigentlich den ganzen Tag?

Im BR-Fernsehen konnte man am Freitagabend eine Antwort darauf finden. Er absolviert jetzt Auftritte in heißen Fußball-Outfits. Im Trikot und in Shorts, natürlich auch mit Fußball unterm Arm, stand er da.
Allerdings war das keine Bewerbung als Bundestrailer – oder wenigstens von 1860 München -, sondern er vergab im Münchner Prinzregententheater den Ehrenpreis beim Bayerischen Filmpreis 2021.

Denn er – und angeblich wirklich nur er – entscheidet, wer diesen Ehrenpreis bekommen soll. Seine Wahl fiel auf den Regisseur Sönke Wortmann, der Söder beispielsweise den Fußballfilm “Das Wunder von Bern” geschenkt habe.

Dann wäre es ja mal Zeit für Outfit-Ideen für die nächsten Jahre: Marcus Söder als Hausmeister – wenn Tom Gerhardt einen Preis bekommt. Marcus Söder als schwuler Winnetouch – wenn Michael Bully Herbig einen Preis bekommt. Marcus Söder als das Sams – wenn Christine Urspruch einen Preis bekommt.
Marcus, jetzt bist du dran!

-> Die Sendung in der ARD-Mediathek (bis 20. Mai 2023) (Söder bei 2:34:20 min)

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Unser Land in den 90ern

Freitag, den 4. März 2022
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MO 28.02.2022 | 13.45 Uhr | WDR

Rosenmontag im WDR. Das Dritte aus dem Westen zeigt einen Rückblick aus den 90ern. Was da so los war in NRW. Sehr spannend. Waren ja immerhin noch ganz andere Zeiten.
Aber, Moment: Rosenmontag im WDR? “Unser Land in den 90ern”? Müsste da nicht ein erbauliches Karnevalsprogramm laufen? Mit fröhlichen Schunkelliedern?

Aber es hat sich ausgeschunkelt. Der WDR hat sein komplettes Karnevalsprogramm gecancelt. Der Ukraine-Krieg lässt solche Schunkeleien momentan nicht zu.
Als an Weiberfastnacht am Donnerstag davor “Weiber live” vorzeitig beendet wurde, war auch klar, dass der WDR sein Programm umstellen wird.
Das ist deshalb bemerkenswert, weil der WDR normalerweise sechs Tage lang – von Weiberfastnacht bis zum Fastnachtsdienstag – komplett auf Karneval ausgerichtet ist. Heißt: Riesige Programmflächen mussten neu bestückt werden. Allein am Sonntag und Rosenmontag quasi das komplette Programm.
Vermutlich sind einige Leute in der Programmplanung da ordentlich ins Schwitzen geraten, als klar war, dass man über Tage sich ein neues Programm ausdenken musste.
Man behalf sich mit der Rückblickreihe des WDR: “Unser Land in den ..ern”, die quasi von vorn bis hinten und auf den verschiedensten Programmplätzen lief – vom Vormittag bis in die Nacht.

Ähnlich traf es auch das SWR-Fernsehen und auch das hr fernsehen, an Fastnacht auch das BR-Fernsehen – überall, wo Karneval oder Fasching gefeiert wird.

Aber nicht nur das: Auch zahlreiche Unterhaltungssendungen sind angesichts des Ukraine-Krieges ausgefallen. Das SWR-Fernsehen verzichtete auf den “Schlagerspaß”, das mdr-Fernsehen auf ein Schlagerquiz mit Florian Silbereisen.
Bei den Privatsendern fielen dagegen kaum Unterhaltungsshow aus – was vielleicht daran liegt, dass sie viel zeitloser sind. “DSDS” bei RTL ist eh vorproduziert und lässt sich auch in einer Krise senden. Ebenso die Topmodelsuche und die Stapelshow bei ProSieben.

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Werk ohne Autor

Mittwoch, den 6. Oktober 2021
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SA 02.10.2021 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Dieses Bild bleibt für immer: Der junge Kurt (Cai Cohrs) muss 1937 mit ansehen, wie seine Tante für verrückt erklärt, abgeführt und weggefahren wird. Angeblich leidet sie an Schizophrenie. Sie wird später vergast.
Einen Rat hat sie Kurt mitgegeben, der ihn ein Leben lang prägen wird: “Niemals wegsehen.” Das hat er schon gemacht, als sie verhaftet worden ist.
Als Kurt (Tom Schilling) nach dem Krieg in einer Schilder- und Bannermalerei arbeitet, wird schnell klar: Er hat Talent. Ein großes Talent. Er kann phantastisch malen. Er kommt auf die Kunstakademie in Dresden, auch dort wird sein Talent erkannt. Womit Kurt aber nicht klarkommt: mit der DDR-Ideologie.
Er verliebt sich in Elisabeth (Paula Beer). Eine schicksalshafte Begegnung. Nicht nur, dass sie aussieht und so heißt wie seine Tante. Ihr Vater ist der Arzt Carl Seeband (Sebastian Koch), der Mann, der einst dafür zuständig war, Karls Tante wegzubringen. Und auch in der Beziehung von Karl und Elisabeth wird er seinen teuflischen Einfluss geltend machen.
Aber Karl lässt sich nicht von seiner Kunst abbringen – kann er im Westen mehr erreichen als in der DDR?

“Werk ohne Autor” ist nach dem hervorragenden Werk “Das Leben der anderen” und dem mäßigen “The Tourist” der dritte große Film von Florian Henckel von Donnersmarck. Erzählt wird die Geschichte des Kunstmalers Kurt Barnert. Die Figur ist angelehnt an das Leben vom deutschen Künstler Gerhard Richter, der allerdings kein gutes Haar am Film gelassen hat.
Ob der Film nun das Leben Richters gut trifft, sei mal dahingestellt. Klar ist aber, dass dieses 188-Minuten-Werk – am Sonnabend lief der Film im BR-Fernsehen mit einem kurzen Abspann, so dass nur 175 Minuten übrig blieben – über weite Strecken fesselnd ist.
Es gibt viele geradezu ergreifende Momente. Angefangen bei einem Museumsbesuch in Dresden, der Festnahme der Tante und viele der Maleraugenblicke mit Kurt. Begünstigt wird das alles durch eine hervorragende Kameraarbeit, die auch für den Oscar nominiert war.
Zu beobachten, wie Kurt für seine Kunst arbeitet, zu ihr steht und langsam seinen Stil findet, wie er sein Leben ordnet und sich mehr und mehr durchsetzt – das kann auch in einem so langen Film für Spannung sorgen.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 9. Oktober 2021)

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303 – Die Serie

Mittwoch, den 1. September 2021
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SA 28.08.2021 | 3.40 Uhr (So.) | BR-Fernsehen

Eine Reise von Berlin nach Portugal – mit einem alten Mercedes-Camper. Eine Reise, zwei Personen, eine junge Frau, ein junger Mann. Viele Gespräche, Streits, tolle Gegenden, Romantik. Liebe?

Jule (Mala Emde) ist an der Uni durch die Prüfung gefallen. Sie ist ungewollt schwanger, und sie will es ihrem Freund in Portugal sagen. Sie beschließt, mit ihrem Wohnmobil von Berlin in den Südwesten Europas zu fahren.
Jan (Anton Spieker) hat sein Uni-Stipendium nicht bekommen. Außerdem will er endlich seinen leiblichen Vater kennenlernen. Deshalb will er trampen – zunächst nach Köln, dann mit dem Bus nach Spanien. Doch seine Mitfahrgelegenheit hat ihn hängen lassen. Und so trifft er auf Jule.
Die beiden machen sich auf den Weg. Und reden. Über die Menschen. Über den Kapitalismus. Über die Liebe. Über Sex. Über sich.

“303” hieß dieses ganz besondere Roadmovie – benannt nach dem Hymer 303, mit dem Jule und Jan unterwegs sind. “303” lief schon 2018 in den Kinos. Unter der Regie von Hans Weingartner entstand ein tolles Stück Menschenkunde. Denn es ist überaus spannend, geradezu packend, den beiden zuzusehen und zuzuhören.
2021 gab es das Ganze noch mal als Serie. Der Film war etwa 145 Minuten lang. Das war schon viel, aber schon im Kino verging die Zeit wie im Flug. Für die Serie sind es nun insgesamt 211 Minuten geworden. Und (fast) jede davon lohnt. “303 – Die Serie” hat sechs Folgen, sie liefen im Nachtprogramm des BR-Fernsehens und sind nun auch in der ARD-Mediathek zu sehen.

Sind die Gespräche anfangs noch ein wenig abgehoben, wenden sie sich bald Gesprächsthemen zu, die so ziemlich alle Menschen bewegen. Aber es ist auch extrem interessant zu beobachten, wie sich die Beziehung der beiden wandelt. Das machen beide Schauspieler ganz hervorragend. Es gibt diesen einen Moment, wo Jan klar wird, dass er sich verliebt hat. Anton Spieker spielt das ganz großartig. Die Chemie stimmt überhaupt sehr zwischen den beiden. Mala Emde, die junge Frau, die stark ist und auch mit sich zaudert.
Hans Weingartner gibt der Geschichte den Raum, den sie braucht. Lässt auch mal Ruhe- beziehungsweise längere Spannungspunkte zu. So ruhig und doch so fesselnd – und so schön.
Nur das Ende – das ist irgendwie inakzeptabel doof. Hätte man weglassen sollen.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 22. August 2022)

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Rundschau extra: Zum Gewaltverbrechen in Würzburg

Sonntag, den 27. Juni 2021
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FR 25.06.2021 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Gewaltverbrechen in Würzburg. Ein Mann griff andere Menschen mit einem riesigen Messer an. Motive, Opferzahlen – man weiß nichts Genaueres, es gibt nur Gerüchte.
Am Freitagabend übertrug das BR-Fernsehen zeitversetzt in einer “Rundschau extra” eine Pressekonferenz mit einem Polizeisprecher. Darin berichtete der Sprecher, was er wusste. Und sagte aber auch, was derzeit noch nicht bekannt ist.

Natürlich wollten das die Journalisten vor Ort nicht auf sich beruhen lassen. Schließlich habe man ja schon ganz andere Informationen.
Drei Tote, sechs Verletzte soll es geben, aber wollen Sie nichts sagen? Knallharte Fragen an den Polizeisprecher. Und was es vielleicht wirklich ein Migrant, ein Ausländer?
Der Sprecher konnte nur darauf verweisen, dass man es noch nicht sagen könne.
Eine Journalistin las daraufhin von ihrem Handy ab, dass man ja sogar auf einer Nachrichtenseite aus Spanien lesen könne, dass es drei Tote und sechs Verletzte seien. Und warum er das denn nicht sagen könne? Wisse er das nicht? Dürfe es das nicht sagen?
Der Polizeisprecher blieb hart. Er wolle keine Gerüchte verbreiten, was er nicht nicht genau wisse, werde er auch nicht sagen, und die genauen Infos gebe es auf keiner spanischen Nachrichtenseite, sondern bei ihm.
Aber damit machte er die Journalisten natürlich nicht glücklich.

Bei “Bild live” verkauften sie die drei Toten und sechs Verletzten da schon längst in Dauereinblendung. Als Innenminister Joachim Herrmann später in einer bei Bild live übertragenen Pressekonferenz von fünf Verletzten sprach, wurde auch unauffällig die Dauereinblendung verändert.

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Fastnacht in Franken

Montag, den 8. Februar 2021
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SA 06.02.2021 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Der Karneval 2021 geht so in die heiße…
Ähm, nein. Im Karneval 2021 wird gar nichts heiß. Im Grunde genommen findet der Karneval 2021 nicht statt. Das Coronavirus hat die komplette Saison gekillt.
Nur ein bisschen Fernsehkarneval findet in den zwei Wochen vor Fastnacht und Aschermittwoch statt.

Am Freitagabend zeigte der BR seine erfolgreichste Sendung des Jahres: die “Fastnacht in Franken”. In normalen Jahren schauen bundesweit bis zu 4 Millionen Menschen zu.
In normalen Jahren herrscht dort auch gute Stimmung – aber diesmal musste das Spektakel ohne Publikum auskommen. Die Show ausfallen zu fallen, kam offenbar nicht in Frage. Und so war die “Fastnacht in Franken” für die Künstler:innen sicherlich eine Herzensangelegenheit und vermutlich die einzige Möglichkeit, etwas Gage zu verdienen. Allerdings ist es alles andere als einfach, ohne Publikum Stimmung zu erzeugen. Und so gab es hin und wieder kleine Einspieler früherer Shows, und im Saal saßen die Künstler:innen, die gerade nicht dran waren.

Der BR ist übrigens so stolz auf seine Show, dass diese an zwei Abenden hintereinander zur besten Sendezeit läuft. Vermutlich hat der BR da ein Alleinstellungsmerkmal. Sowohl am Freitag als auch am Sonnabend um 20.15 Uhr lief die exakt selbe Show. Muss man sich auch mal trauen.

-> Die Show in der ARD-Mediathek (bis 5. Februar 2022)

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