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Alles aussteigen…! – Ein S-Bahnhof und die Wende

Samstag, den 6. Juli 2013
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FR 05.07.2013 | 23.00 Uhr | BR alpha

1995 war es, da sah sich ein Fernsehteam des damaligen Süddeutschen Rundfunks (SDR) auf dem Bahnhof Oranienburg um.
18 Jahre danach ist das fast schon eine Zeitreise. Die Doku lief am Freitagabend noch einmal auf dem Bildungskanal BR alpha. Damals fuhren noch die alten Rumpel-S-Bahnen. Damals gab es noch einen Stationsvorsteher und echte Rot-Kreuz-Leute. Die Pommesfrau vom Imbiss auf dem Bahnsteig lebt wohl nicht mehr, und der Imbiss selbst liegt inzwischen auch woanders.

Aber auch 1995 haben die Fernsehleute schon getrickst, auch die ach so seriösen öffentlich-rechtlichen: Denn obwohl es sich um einen Film über den Bahnhof Oranienburg handelte, arbeitete einer der Protagonisten ganz woanders. Aber nur Einheimische haben das gesehen, dass das ein ganz anderer Bahnhof war. Allen anderen kann man das schon mal so verkaufen.

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on3-Südwild: Anti-Akw-Demo

Mittwoch, den 16. März 2011
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DI 15.03.2011 | 16.30 Uhr | BR alpha

Diane aus Dingolfing ist ganz schön happy. Am Sonnabend ist sie mit dem Bus und einer Reisegruppe zur Menschenkette bei Stuttgart und zur anschließenden Anti-Akw-Demo gefahren.
Weil ja jetzt das Unglück in Japan passiert sei, da kommen doch dann hoffentlich “ganz, ganz viele Leute”. Und sie hofft doch, dass da noch ein paar tausend Menschen mehr kommen.
Eine gewisse Vorfreude ist zu erkennen. Ja, endlich kommen Leute, um zu demonstrieren.

Diane war am Dienstagnachmittag in einem Beitrag des Jugendmagazins “on3-Südwild” auf BR alpha zu sehen. Und sie wirkt in dem Film ein bisschen oberflächlich. In Japan passiert ein Unglück, und sie ist happy, dass dadurch ein paar Leute mehr kommen.
An sich hat sie damit natürlich recht. Und die Anti-Atomdemo war sowieso schon länger geplant. Aber die Art, wie sie ihre gute Laune rüberbringt, sprach nicht so ganz für sie. Sie wirkt wie jemand, der mit dem unglück anderer endlich, endlich ihre eigenen Wünsche und Ziele umsetzen kann.

Die Menschenkette und die Demo waren übrigens ein voller Erfolg. Und angesichts der Situation in Japan und der Diskussion, die in Deutschland inzwischen losgetreten worden ist, wird es sicher nicht die letzte Demo sein. Freudenfeste werden die aber bestimmt nicht werden.

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The Joy Of Painting With Bob Ross

Dienstag, den 28. Juni 2005
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MO 27.06.2005, 1.00 Uhr (Di.), BR alpha

Wer abends nicht einschlafen kann, dem sei um 1Uhr BR alpha zu empfehlen. Da steht ein Typ neben einer grauen Leinwand und säuselt auf englisch irgendetwas vor sich hin. „The Joy Of Painting With Bob Ross“ – das etwas andere Sandmännchen. Ohne Sand. Dafür mit einer Farbpalette in der Hand. Innerhalb von gut 20 Minuten malt Bob, was die Palette hergibt. Hin und wieder wird Bobs Gesäusel von einem Lachen unterbrochen, manchmal beginnt er auch zum summen oder sein eigenes Werk zu kommentieren: „Yeah, I Like It!“ Das Sing-Sang-Gesäusel beruhigt ungemein! Nachdem Bob die „Indian Yellow“-Farbe auf die Leinwand gestrichen hat, sieht es tatsächlich aus, wie eine Sonne, die von Wolken umgeben ist. Aber: Wer soll das alles so schnell nachmachen? Was am Ende rauskam, habe ich nicht mehr mitbekommen. Der Sandmann hat gute Arbeit geleistet.

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Telekurs für Autofahrer

Montag, den 13. Juni 2005
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SO 12.06.2005, 22.15 Uhr, BR alpha

Fahrschule ade! Willkommen beim „Telekurs für Autofahrer“. Das ist keine neue Programminnovation, sondern eine Wiederholung von 1968. In Schwarzweiß. Warum der Bildungskanal BR alpha dieses Juwel in zwölf Folgen am Sonntagabend sendete, wird nicht so ganz klar. Es ging um die Frage, wann außerhalb geschlossener Ortschaften das Fern- oder das Abblendlicht eingeschlatet werden muss? Einiges von dem, was dort gezeigt wurde, ist heute nicht mehr wirklich fahrschultauglich. So wird der 68er-Generation vorgeführt, dass an einer Autobahnauffahrt gehalten werden muss. Beschleunigungsstreifen gab es noch nicht. Wer das heute nachmacht, lebt gefährlich. Beim nächtlichen Überholen muss dem vorderen Autofahrer vorher eine Lichthupe gezeigt werden. Heute wäre das Nötigung. Habt ihr einen Unfall oder eine Panne, muss eine Warnfackel aufgestellt werden. Heutzutage fast ein Verbrechen. Stichwort Waldbrandgefahr. Aber 1968 war das so. Bleibt zu hoffen, dass sich niemand mehr an die dort gezeigten Regeln hält!

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Nachts

Dienstag, den 26. Oktober 1999
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Am Anfang gab es nur grauen Krisel zu sehen. Vor einigen Jahren hatten die Fernehmacher vom ORB eine innovative Idee, die Vorbild für eine völlig neue Form des Nachtprogramms war: das Aquarium, welches in der gesamten Nacht, wenn es sonst nichts zu senden gab, auf dem Bildschirm zu sehen war.
Dann ging’s Schlag auf Schlag. ARD und B1 luden die Nachteulen ein, mit der Eisenbahn quer durch Berlin und Brandenburg und die Welt zu reisen. Das ZDF schickte einen ihrer besten Autofahrer über Deutschlands Straßen. Die N3-Zuschauer konnten per Telefon live beim “Telespiel” mitmachen. Bayern 3 rief die “Space Night” ins Leben. Hier war es möglich, die Erde mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen und dabei schöne Musik zu hören.
Bei VOX gab’s romantische Bilder von Amerikas Küste und später harte Beats von Techno-Partys. Besinnlich ging’s bei Super RTL zu, wo die gesamte Nacht ein Kaminfeuer loderte.
Leider sind diese ruhigen Zeiten schon lange vorbei. Die meisten der oben genannten Programme dienen nur noch als Überbrückung bis zum Programmbeginn, so dass die Impressionen nur noch wenige Minuten täglich über die Bildschirme flimmern. Nur Bayern 3 ist sich treu geblieben und sendet eine zweite “Space Night” auch auf BR alpha.
Die meisten Sender wiederholen jetzt lieber Filme und andere Sendungen vom vergangenen Tag.
“Fliege” quatscht jetzt auch in der Nacht. Das Kaminfeuer wird zuginsten mehrerer Dauerwerbesendungen ausgepustet. Beim ORB wird nun jeden Tag die gleiche Abfolge der Magazine gesendet. Bei den Privaten laufen dagegen zig Telefonsex-Werbespots.
Aber eigentlich ist’s ja auch wurscht: Die Nacht ist schließlich zum Schlafen da…

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Sender, die die Welt nicht braucht (3): Phoenix

Montag, den 2. März 1998
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Damit die Bürger dieses, unseres Vaterlandes die wichtigsten Bundestagsdebatten in voller Länge erleben dürfen, haben ARD und ZDF den Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix ins Leben gerufen.
Unter dem Namen „Phoenix vor Ort” kann man nun ein „Ereignis” nach dem anderen sehen. Lauter Knüller. Nicht jeden Tag gibt’s die ultimative Labershow aus Bonn. So darf dann auch beispielsweise mal Helmut Schmidt einen Vortrag über die Globalisierung halten. Stundenlang. Anders gesagt: Eine verschärfte, noch langweiligere Form des Unterrichts in Politischer Bildung (das zu übertreffen, ist eine Leistung!). Abends laufen die Dokumentationen, eine Gesprächssendung und Nachrichten mit Gebärdensprache.
Reine Verschwendung! Wie bei BR alpha weise ich auf die Dritten Programme hin. Bestimmte Ereignisse könnten schließlich auch dort laufen, auch die Gehörlosen-Nachrichten. Leider würde das die Quote nach unten ziehen, und das wollen wir doch nicht, oder?!
Und: Die Phoenix-Leute sollten noch mal drüber nachdenken, was ein „Ereignis” ist.

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Sender, die die Welt nicht braucht (1): BR alpha

Montag, den 9. Februar 1998
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Es wird wieder mal Zeit für eine neue Serie: “Sender, die die Welt nicht braucht”.
Seit kurzem strebt es der Bayerische Rundfunk an, einen neuen Preis einzuheimsen. Und die Chancen stehen gar nicht so schlecht: Der Preis für den Sender mit den wenigsten Zuschauern. Denn seit 7. Januar ist BR alpha auf Sendung. Dabei handelt es sich um einen Bildungskanal. Schließlich haben die öffentlichrechtlichen Sendeanstalten einen Auftrag zu erfüllen. Da sind nicht nur die Information und Unterhaltung, sondern auch die Bildung. Die Bayern waren der Ansicht, daß die Bildung viel zu kurz komme. Ein völlig neues Programm mußte also her, BR alpha war perfekt.
Nun laufen hier so Sendungen wie die „ Telekolleg”-Reihen oder diverse Sprachkurse. Abends gibt’s die Nachrichten von Bayern 3 sowie Dokumentationen oder klassische Konzerte. Irgendwie sinnvoll, aber irgendwie auch nicht. Denn früher lief das Schulfernsehen in den Dritten. Der Quoten wegen nun nicht mehr, stattdessen wird vormittags lieber die 15. Wiederholung von „Fliege” ausgestrahlt.
Wer zahlt eigentlich die Gebühren für BR alpha? Nur die Bayern oder alle Deutschen? Und warum gibt es keinen Bildungskanal aller ARD-Anstalten (inzwischen plant übrigens auch der zukünftige SWR so einen Sender)? Letztendlich sei gesagt: Bildung ist ja gut und schön — aber doch nicht permanent!