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Das zweite Berlin im Krämer Wald

Donnerstag, den 6. Februar 2014
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Die Nazis bauten zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow Anlagen auf, die die Bomber von der Großstadt ablenken sollten

MAZ Oranienburg, 6.2.2014

OBERKRÄMER/KREMMEN
Alles sollte aus der Luft betrachtet so aussehen wie das Original: Straßenzüge, Kreuzungen, Häuser und viel Licht. So, wie es 1940 rund um die Friedrichstraße in Berlin-Mitte eben aussah. In Wirklichkeit befand sich das Areal auf einem Feld zwischen Eichstädt und Vehlefanz. Die Straßenschluchten waren beleuchtete Waldschneisen. Neu-Berlin sagten die Leute damals zu dieser sogenannten Scheinanlage. Rund um die Reichshauptstadt bauten die Nazis im Zweiten Weltkrieg diese Anlagen auf, um die englischen und amerikanischen Bomber von ihren eigentlichen Zielen abzulenken. An anderen Stellen wollten sie angriffswürdige Ziele vertuschen.

Über dieses Kapitel deutscher Geschichte ist bislang nur wenig bekannt. Der Berliner Hobbyforscher Peter Reinhardt befasst sich seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema. Am Dienstagabend hielt er einen Vortrag in Grünefeld (Havelland). „Es gibt kaum Infos und Dokumente“, erzählte er.

Rund um den Krämer Wald, in einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die größte Anlage in der Region. Sie trug die Bezeichnung „V-500“, die Engländer gaben ihr den Namen „Decoy-City“ oder auch „Berlin-Nauen 1“. Sie sollte an zwölf Stellen eine Gesamtdarstellung von Berlin simulieren. Dazu gehörte die Friedrichstraße nahe Eichstädt, Bahngleise und Güterbahnhöfe bei Eichstädt, Grünefeld und Perwenitz oder ein Flughafen bei Pausin. „Die Leute in diesen Gebieten fragten sich immer wieder, warum dort ab und zu Bomben gefallen sind“, erzählte Peter Reinhardt. Oftmals sei erst nach dem Krieg die Existenz einer solchen Anlage klar gewesen.
Mehrere dieser Bauten standen nahe Pausin. Nördlich des Dorfes installierten die Nazis Metallwannen mit einem Altöl-Benzingemisch. Die Flammen sollten aus der Ferne einen Großbrand simulieren. Ebenfalls bei Pausin ist ein ganzer Flughafen zum Schein simuliert worden. Dazu gehörten große Modellflugzeuge aus Holz, die immer hin und hergeschoben worden seien, um Verkehrsbewegungen darzustellen. Auf einem Acker bei Perwenitz gab es ganze Schienenanlagen, die den Bahnverkehr aber ebenfalls nur simulierten. Ebenso nahe Eichstädt und Grünefeld. Die heutige Autobahn 10, der Berliner Ring, war damals noch nicht fertig, aber der Brückenkopf bei Paaren im Glien stand bereits, die Fundamente dienten ebenfalls als Scheinanlage. Nahe der alten Grünefelder Mühle standen Scheinwerfer, auf einem Feld am Vehlefanzer Weg bei Börnicke sind ähnliche Entdeckungen gemacht worden. Auf den Feldern zwischen Staffelde, Groß-Ziethen und Klein-Ziethen befanden sich, ähnlich wie bei Eichstädt, beleuchtete Schneisen im Wald – auch sie sollten teilweise die Großstadt darstellen. Wer zwischen Paaren im Glien und Perwenitz unterwegs ist, wird nahe der Tankstelle am Berliner Ring auf alte Fundamente solcher Bauten treffen. „Man muss aber ganz genau hinsehen“, sagte Peter Reinhardt. „Es steht beispielsweise eine Holzhütte darauf.“ In einem Waldstück bei Schönwalde-Glien entdeckte er lauter Erdhügel, auf denen in den 1940er-Jahren Scheinwerfer standen, die ebenfalls einen Teil der Stadt Berlin simulieren sollten.

Kräfte der Luftwaffe stellten den Betrieb der Anlagen sicher. Um sie vor Bombenangriffen zu schützen, sind jeweils unweit davon leichte Bunker gebaut worden. In Grünefeld ist einer heute noch zu sehen.
Dass Berlin etwa 30 Kilometer weiter südöstlich vom Krämer Wald liegt, bekamen die Engländer aber schnell mit. Auf Karten vermerkten sie die Scheinanlagen von „Decoy-City“. 30 englische und amerikanische Flieger sind bis zum Ende des Krieges in der Region abgestürzt.

Peter Reinhardt hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Kapitel der Scheinanlagen bekannter zu machen. Er sucht weiter nach Zeitzeugen, Fotos und Dokumenten

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Simulierte Heinkel-Werke bei Nassenheide
Eine Auswahl von Scheinanlagen während des Zweiten Weltkrieges:
Bei Mühlenbeck befand sich in den Rieselfeldern eine Anlage, die mit Scheinwerfern und Rauch einen Großbrand simulieren sollte. In der Nähe von Nassenheide sind Teile der Anlage des Germendorfer Heinkel-Werkes nachgestellt worden.
In einem Gebiet zwischen Pausin, Staffelde und Bötzow befand sich die Scheinanlage „V-500“. Innerhalb dieses Kreises sind diverse Maßnahmen ergriffen worden, um die Bomber von Berlin abzulenken. Zwischen Staffelde und Groß-Ziethen befanden sich beleuchtete Waldschneisen, die Berliner Straßenzüge darstellen sollten.
In der Region Eichstädt/Vehlefanz befanden sich Signalraketen, Schein-Bahn- und Verkehrsanlagen sowie ein Scheinfeuer. Auch ist dort ein Teil von Berlin-Mitte durch Schneisen und Lichter simuliert worden. Eine weitere Anlage bestand, laut einer Karte, zwischen Velten und Schönwalde.
Südlich von Pausin ist ein Testfeld angelegt worden, auf dem alle Scheinanlagen erprobt worden sind. Auch gab es dort eine komplette Flugplatzanlage – ebenfalls nur zum Schein. Noch vor dem Bau des Berliner Rings diente der schon fertige Brückenkopf nahe Paaren im Glien ebenfalls als Scheinanlage.

RTelenovela

Die Glätte stört mich gar nicht mal so, aber…

Dienstag, den 17. Februar 2009
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Oranienburg lag heute Morgen erneut unter einer dicken Schneedecke. Der Winter hat uns voll im Griff.
Das allein stört mich eigentlich nicht. Auch nicht, dass die Straßen nicht ganz so frei sind, wie sonst. Was mich viel mehr stört: das Auto vor der Fahrt vom Schnee zu befreien. Ich hasse es.
Erst muss der ganze Schnee von den Scheiben und (vorbildlicherweise) von der Motorhaube und vom Dach. Dann noch die Eisschicht von der Frontscheibe. Und, ach ja, dann noch versuchen, die vereisten Scheibenwischer startklar zu machen. Letzteres gelingt mir leider nicht so wirklich. Die Scheibenwischer wischen nicht, sie rutschen mehr über die Scheibe, lassen das Wischwasser und den Dreck aber links liegen.
Das vermisse ich seit meinem Umzug: meine Garage für den Winter.
Mein Glück war, dass heute Morgen auf meiner Fahrt zur Arbeit herrlicher Sonnenschein herrschte. Da ich aber trotzdem knapp dran war, schaffte ich es sogar bei dieser Witterung, in Börnicke den festen Blitzer kennengelernt zu haben. Die B273 ab der A24 war nämlich gut geräumt. Das allerdings änderte sich ab Weinberg-Waldsiedlung, da war die Bundesstraße plötzlich nur noch eine glatte Fläche.
Das sind die Wintertücken. Aber wenn die Scheiben frei sind, ist das alles kein Drama.
Und Nauen im Sonnenschein mit Schnee auf den Wegen und Grünflächen ist ein echter Traum.