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Katharina Peters: Ankermord

Dienstag, den 15. März 2022
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(9) -> 10.6.2021

Wieder ein Mord auf Rügen, diesmal unter der Seebrücke in Binz. Bei dortigen Arbeiten wird eine Leiche entdeckt. Sie wurde mit einer Ankerkette an einem Pfeiler befestigt.
Lange ist vollkommen unklar, wer diese Person überhaupt ist. Erst durch einen ehemaligen Kollegen wird die Identität bekannt: Marek Liberth arbeitete zuletzt bei einer Firma, die für Werfen zulieferte. Er wurde entlassen, und niemand weiß so richtig, warum.
Kommissarin Romy Beccare, ihr Mann Jan Riechter und ihre Kollegin Ruth nehmen die nicht ganz so einfachen Ermittlungen auf. Denn irgendwas stimmt mit dieser Zuliefererfirma nicht. Oder war es vielleicht Liberth selbst, der auf großen Yachten spezielle Einbauten vorgenommen hat?

Jubiläum für die Katharina Peters: Seit gut zehn Jahren gibt es ihre Rügen-Krimis nun schon, “Ankermord” ist der zehnte Band der Reihe.
Diesmal führt der Krimi in die Welt einer Firma, die Yachten baut. Es geht um einen jungen Mann mit einer schwierigen Kindheit, einer Drogenvergangenheit, und ob er danach auch noch Drecke am Stecken hat, weiß man nicht genau.
Was nach zehn Romanen langsam ein wenig auffällt, ist, dass Kommissarin Romy und ihr Mann quasi kein Privatleben haben – der Leser erfährt darüber nichts. Bei der Konstellation wäre das eigentlich naheliegend, dass diese Berufsbeziehung auch mal Auswirkungen auf das Privatleben hat. Wenn die Krimiserie auch in der Hinsicht mal ausgelatschte Pfade verlassen würde, wäre das auch mal spannend.
Ansonsten ist der Krimi relativ herkömmlich, der Anfang ist ganz spannend, weil die Kripo noch vollkommen im Dunkeln tappt, zwischendurch gibt es eine leichte Durststrecke, das Ende kommt relativ plötzlich, und fast rauscht die Auflösung so schnell an einem vorbei, dass man sie gar nicht so richtig rafft.

Katharina Peters: Ankermord
Aufbau Taschenbuch, 349 Seiten
6/10

Hits: 150

RT liest

Caren Benedikt: Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen

Freitag, den 4. Februar 2022
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Es gehört zu den prägendsten Häusern in Binz auf Rügen: das Kurhaus, direkt an der Ostsee gelegen. Es ist so was wie das Wahrzeichen des Ortes.
Davon will eine neue Romanreihe profitieren, die in diesem Gebäude – wenn auch mit anderem Namen – spielt.

Binz, 1924: Das Grand Hotel gehört der Familie von Plesow. Nach einem Brand etwa 15 Jahre zuvor ist es neu aufgebaut worden. Bernadette von Plesow hat es einst mit ihrem Mann betrieben, nach dessen Tod kümmert sie sich hauptsächlich darum, ihr Sohn Alexander gehören 30 Prozent. Er soll das Hotel mal weiterführen. Sohn Constantin unterdessen leitet das Astor, ein Nobelhotel in Berlin. Tochter Josephine will lieber was mit Kunst machen, nach ihrem Studium kehrt sie nach Binz zurück – allerdings ziemlich orientierungslos.
Immer wieder kommt es zu Streitigkeiten. Josephine findet ihre Mutter zu streng. Das Zimmermädchen Marie verliebt sich in einen älteren Mann und wird von ihm schwanger. In Binz hält eine Mordserie die Polizei, aber auch die von Plesows in Atem. Und dann droht auch noch, ein Familiengeheimnis aufgedeckt zu werden.

Sagen wir mal so: Das Buch hat mehr als 500 Seiten, gute 50 bis 100 weniger hätten es auch sein können. Und vermutlich hätte man dafür inhaltlich kaum kürzen müssen, weil manche Beschreibungen im Roman so ausufernd sind, dass man stellenweise ganze Absätze nur noch überfliegt.
Gerade im ersten Teil des Buches herrscht eine gewisse Ernüchterung, weil die ganze Geschichte doch sehr seicht wirkt. Das ändert sich später glücklicherweise, aber grundsätzlich sollte man sich darauf einstellen, dass dieser Roman mehr Soap als historische Familien- und Hotelgeschichte ist. Lässt man sich darauf ein, dann ist “Das Grand Hotel” durchaus unterhaltsam, manchmal berührend und stellenweise sogar ein wenig spannend. Eine Lektüre zum Entspannen.

Caren Benedikt: Das Grand Hotel – Die nach den Sternen greifen
Blanvalet, 511 Seiten
6/10

Hits: 162

RTelenovela

Rügen 2021 (7): Yoga und Sand

Donnerstag, den 19. August 2021
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(6) -> 18.8.2021

Strandtag in Binz. Der Strand ist gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Die Leute sitzen in Strandkörben, in ihren Strandmuscheln, oder sie liegen auf ihren Decken.
Aber und zu bimmelt der Eiswagen an der Wasserkante entlang, die jungen Männer haben ganz schön zu tun, wenn sie ihr Wägelchen durch den Sand schieben.

An der Wasserkante sitzt auch ein kleines Mädchen, vielleicht drei Jahre alt. Es ist extrem gut gelaunt, und vor ihr steht der Vater. Lachend beobachtet er, wie sich das Mädchen mit Sand einsaut. Wobei “einsauen” das falsche Wort ist. Das Kind gönnt sich ein Sandbad. Es nimmt einen Batzen feuchten Sand und massiert ihn sich in ihre Haare ein. Immer und immer wieder. Wie ein Shampoo, das man sich einmassiert – nur eben aus Sand. Die Haare sind schon ganz grau. Irgendwann fragt der Vater, ob sie denn den Sand auch mal abwaschen will, worauf das Mädchen beginnt, sich halbherzig im Wasser den Kopf zu waschen. Dass das später eventuell noch länger dauern könnte – vermutlich ahnt das nur der Vater.

Unterdessen sind direkt vor meiner Decke sportliche Höchstleistungen zu beobachten. Ein junger Mann hat damit begonnen, seine Yoga-Übungen im Sand zu machen. Und es ist erstaunlich, was er da so zelebriert. Von der “Brücke” bis zum Kopfstand ist alles dabei. Den Kopfstand muss er mehrmals beginnen und wieder abbrechen, aber am Ende schafft er ihn. Den macht er einen sehr anstrengenden Handstand, allerdings nicht nach oben gestreckt, sondern eher seitlich. Yoga wird ja immer mal ein wenig verspottet, aber was der Typ da vor mir veranstaltet hat, das war definitiv unfassbar anstrengend. Aber hochkonzentriert machte er eine Übung nach der anderen.

Hits: 221

RTelenovela

Rügen 2021 (5): Frühstück? Jetzt noch?

Dienstag, den 17. August 2021
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(4) -> 16.8.2021

Es ist wirklich eine Katastrophe! Da kommen doch diese Kunden und kaufen einem alles weg. Es ist wirklich schlimm! Da kommt man aus dem Jammern gar nicht mehr raus.
Es ist Nachmittag in einem der Bäckerei-Cafés in Binz. Die Tische im Außenbereich sind gut besetzt, und es sind noch gut anderthalb Stunden, bis der Laden um 17 Uhr (!) schließt. Und dennoch ist die Kellnerin ziemlich aufgelöst, und sie teilt es auch ausnahmslos jedem Menschen mit, der bei ihr was bestellen will.
Kuchen? Also, das sieht ja har nicht gut aus. Die Leute haben schon fast alles weggekauft, es ist fast nichts mehr da, eine absolute Katastrophe. Schlimm, schlimm, schlimm! Die Kellnerin kommt aus dem öffentlichen Jammern gar nicht mehr raus. Schon am Nachbartisch hat sie ihr Leid geklagt, und sie wird es auch am nächsten Tisch wieder tun.
Dabei stelle ich nach dem Gang in den Laden fest, dass durchaus noch ein paar Kuchen und Torten da rumliegen, und die Torte, die ich haben will, auch noch da ist – sogar komplett!
Aber ja, es ist wirklich eine Katastrophe, wenn der Laden gut läuft.

Der Laden muss richtig gut laufen, denn man kann sich ohne Weiteres einen Ruhetag leisten, als einziger Bäcker. Und das mit dem Frühstück – da kennen die Leute dort auch kein Pardon.
Es war bereits 11.45 Uhr, als ich mich erdreistete, ein Frühstück zu bestellen. Die Kellnerin wies mich darauf hin, dass es jetzt kein Frühstück mehr gebe. Obwohl fast eine ganze Seite der zweiseitigen Karte dafür gewidmet wurde – ohne anzugeben, bis wann es Frühstück gibt.
Und wer ein Frühstück bestellt, hat gefälligst keine Sonderwünsche zu haben. Sonderwünsche mag man in dem Café gar nicht. Deshalb steht das auch in der Karte, dass man keine Änderungen vornehmen könne. Wenn da eine Marmelade dazugehört, dann hat man die gefälligst auch zu nehmen.
Harte Sitten.
Ich habe das Frühstück dann gegen 12 Uhr in einer anderen Bäckerei genossen – wo darauf hingewiesen wird, dass man den ganzen Tag frühstücken kann.

Hits: 206

KeineWochenShow

#241 – Koloss bleibt Koloss

Sonntag, den 15. August 2021
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Urlaub! KeineWochenShow kommt diesmal aus dem Studio in Oranienburg-Ost und aus Binz. Dazu gib es Impressionen von der Rügen-Fähre zwischen Stahlbrode und Glewitz und aus Binz. Außerdem schauen wir uns in Prora um. Was hat sich inzwischen an den ehemaligen KdF-Blöcken getan? Ziemlich viel, und das werden wir in diesem Beitrag sehen.

Außerdem sprechen wir über die steigenden Coronazahlen, über die Tests, die bald was kosten und über eine von der Polizei beendete Party in Borgsdorf. Es geht um den (Un)modernen Fünfkampf bei Olympia und um einen Landratskandidaten für Oberhavel.
Das und mehr in KeineWochenShow #241 auf Youtube.

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RTelenovela

Rügen 2021 (2): Das Ende eines Boykotts

Samstag, den 14. August 2021
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(1) -> 12.8.2021

Das Aus der “Binzer Bierstuben” hat bei mir zur Binzer Schollen-Krise geführt. Denn in der Gaststätte gab es die beste Scholle. Der Laden ist nun ein Inder, und da gibt es keine Scholle mehr.
Als ich im vergangenen Jahr auf der Suche nach einer guten Ersatz-Scholle war, fand ich sie in der Kogge. Klar, dass ich dort wieder hingelaufen bin – um dann festzustellen, dass es keine Scholle mehr auf der Karte gibt. Die Schollen-Krise spitzte sich zu.

Ich musste mich also wieder auf die Suche machen. Ich wurde fündig im Strandcafé. Theoretisch. Weil praktisch kein Reinkommen war, die Schlange vor dem Lokal war lang, und wie lange die Wartezeit war, war nicht abzusehen.

Und dann stand ich vor Gosch. Schon im Sommer 2010 schrieb ich darüber hier im Blog, als klar, dass die Sylter Kette an den besten Ort von Binz auf Rügen zieht. Sylt auf Rügen – das fand ich, nun ja, mindestens komisch. Ich boykottierte den Laden elf Jahre lang. Zumindest die Gastronomie, am Fensterchen habe ich schon mal Fischbrötchen gekauft.
Nun führte aber die Binzer Schollen-Krise dazu, dass ich den Laden doch mal betrat. Ich musste mich bei der Einlasserin (ein neuer Job in Coronazeiten) erkundigen, wie das denn in dem Laden funktioniert.
Im Grunde läuft das wie bei McDonalds. Man bestellt was an der Theke – nämlich, Tusch! Scholle! Man bekommt ein Gerät in die Hand gedrückt, das Geräusche macht, wenn das Essen fertig ist. Zwischenzeitlich kann man am Tresen nebenan ein Getränk kaufen.
An der Stelle endete der Gosch-Boykott. Denn die Scholle war extrem lecker, dazu eine Schüssel Bratkartoffeln und ein bisschen Salat. Das konnte sich echt sehen lassen.

Und die Scholle bei Gosch war sogar um Längen besser als die im Strandcafé, die ich dann ein paar Tage danach auch noch ausprobiert habe.

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RTelenovela

Rügen 2021 (1): Vilmnitz ist ins 21. Jahrhundert katapultiert

Donnerstag, den 12. August 2021
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2020 -> 7.3.2020

Nach anderthalb Jahren: Endlich wieder Rügen! Anfang März 2020 war ich noch in Sellin, nur Tage später begann das Coronavirus so richtig Fuß zu fassen. Lockdown.
Mein Sommerurlaub in Skandinavien fiel flach – im Sommer sollte es diesmal sowieso nicht nach Rügen gehen. Aber selbst ein Ersatzurlaub auf Rügen war im Sommer 2020 nicht mehr möglich – es gab nichts mehr zu vernünftigen Preisen. Meine Herbstreise nach Sellin fiel dann wieder flach – wieder Lockdown. Auch im Winter war nichts möglich – erst jetzt wieder, im Sommer.
Schon Anfang Januar hatte ich mein Zimmer sicherheitshalber gebucht.

Und, was hat sich alles getan? Und was nicht?
Gleich zum Anfang eine SENSATION: Vilmnitz ist im 21. Jahrhundert angekommen. Wobei das irgendwie schade ist. Schon 2014 hatte ich hier über die Straße durch den Ort geschrieben, die wirkte, als könne man dort einen Film drehen, der im 19. Jahrhundert spielt. Holpriges Kopfsteinpflaster.
2021 ist nichts mehr davon da. Die Strecke ist asphaltiert. Und so schön das für den Ort ist, so schade ist es gleichzeitig. Denn diese Straße war auch der Charme von Vilmnitz. Weil es historisch aussah – und jetzt beliebig.

Leider nichts getan hat sich am Knotenpunkt der L29 mit der B196 bei Alt Süllitz. Immer noch keine Ampel. Dabei wäre die mal dringend nötig, denn als Linksabbieger in Richtung Bergen/Binz steht man unter Umständen ewig, bis mal eine Lücke frei ist.

In den ehemaligen “Binzer Bierstuben” ist jetzt ein indisches Restaurant, der “Maharadscha Palace”. Von draußen ist zu sehen, dass sich an der Einrichtung nicht so viel geändert hat, nur dass hinterm Tresen ein Mann mit einem Turban stand. Die können nichts dafür, aber irgendwie will ich da trotzdem nicht rein. Zu sehe trauere ich dem alten Lokal nach.

Hits: 203