RTelenovela

Rügen 2021 (7): Yoga und Sand

Donnerstag, den 19. August 2021
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(6) -> 18.8.2021

Strandtag in Binz. Der Strand ist gut gefüllt, aber nicht überfüllt. Die Leute sitzen in Strandkörben, in ihren Strandmuscheln, oder sie liegen auf ihren Decken.
Aber und zu bimmelt der Eiswagen an der Wasserkante entlang, die jungen Männer haben ganz schön zu tun, wenn sie ihr Wägelchen durch den Sand schieben.

An der Wasserkante sitzt auch ein kleines Mädchen, vielleicht drei Jahre alt. Es ist extrem gut gelaunt, und vor ihr steht der Vater. Lachend beobachtet er, wie sich das Mädchen mit Sand einsaut. Wobei “einsauen” das falsche Wort ist. Das Kind gönnt sich ein Sandbad. Es nimmt einen Batzen feuchten Sand und massiert ihn sich in ihre Haare ein. Immer und immer wieder. Wie ein Shampoo, das man sich einmassiert – nur eben aus Sand. Die Haare sind schon ganz grau. Irgendwann fragt der Vater, ob sie denn den Sand auch mal abwaschen will, worauf das Mädchen beginnt, sich halbherzig im Wasser den Kopf zu waschen. Dass das später eventuell noch länger dauern könnte – vermutlich ahnt das nur der Vater.

Unterdessen sind direkt vor meiner Decke sportliche Höchstleistungen zu beobachten. Ein junger Mann hat damit begonnen, seine Yoga-Übungen im Sand zu machen. Und es ist erstaunlich, was er da so zelebriert. Von der “Brücke” bis zum Kopfstand ist alles dabei. Den Kopfstand muss er mehrmals beginnen und wieder abbrechen, aber am Ende schafft er ihn. Den macht er einen sehr anstrengenden Handstand, allerdings nicht nach oben gestreckt, sondern eher seitlich. Yoga wird ja immer mal ein wenig verspottet, aber was der Typ da vor mir veranstaltet hat, das war definitiv unfassbar anstrengend. Aber hochkonzentriert machte er eine Übung nach der anderen.

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RTelenovela

Rügen 2021 (5): Frühstück? Jetzt noch?

Dienstag, den 17. August 2021
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(4) -> 16.8.2021

Es ist wirklich eine Katastrophe! Da kommen doch diese Kunden und kaufen einem alles weg. Es ist wirklich schlimm! Da kommt man aus dem Jammern gar nicht mehr raus.
Es ist Nachmittag in einem der Bäckerei-Cafés in Binz. Die Tische im Außenbereich sind gut besetzt, und es sind noch gut anderthalb Stunden, bis der Laden um 17 Uhr (!) schließt. Und dennoch ist die Kellnerin ziemlich aufgelöst, und sie teilt es auch ausnahmslos jedem Menschen mit, der bei ihr was bestellen will.
Kuchen? Also, das sieht ja har nicht gut aus. Die Leute haben schon fast alles weggekauft, es ist fast nichts mehr da, eine absolute Katastrophe. Schlimm, schlimm, schlimm! Die Kellnerin kommt aus dem öffentlichen Jammern gar nicht mehr raus. Schon am Nachbartisch hat sie ihr Leid geklagt, und sie wird es auch am nächsten Tisch wieder tun.
Dabei stelle ich nach dem Gang in den Laden fest, dass durchaus noch ein paar Kuchen und Torten da rumliegen, und die Torte, die ich haben will, auch noch da ist – sogar komplett!
Aber ja, es ist wirklich eine Katastrophe, wenn der Laden gut läuft.

Der Laden muss richtig gut laufen, denn man kann sich ohne Weiteres einen Ruhetag leisten, als einziger Bäcker. Und das mit dem Frühstück – da kennen die Leute dort auch kein Pardon.
Es war bereits 11.45 Uhr, als ich mich erdreistete, ein Frühstück zu bestellen. Die Kellnerin wies mich darauf hin, dass es jetzt kein Frühstück mehr gebe. Obwohl fast eine ganze Seite der zweiseitigen Karte dafür gewidmet wurde – ohne anzugeben, bis wann es Frühstück gibt.
Und wer ein Frühstück bestellt, hat gefälligst keine Sonderwünsche zu haben. Sonderwünsche mag man in dem Café gar nicht. Deshalb steht das auch in der Karte, dass man keine Änderungen vornehmen könne. Wenn da eine Marmelade dazugehört, dann hat man die gefälligst auch zu nehmen.
Harte Sitten.
Ich habe das Frühstück dann gegen 12 Uhr in einer anderen Bäckerei genossen – wo darauf hingewiesen wird, dass man den ganzen Tag frühstücken kann.

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KeineWochenShow

#241 – Koloss bleibt Koloss

Sonntag, den 15. August 2021
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Urlaub! KeineWochenShow kommt diesmal aus dem Studio in Oranienburg-Ost und aus Binz. Dazu gib es Impressionen von der Rügen-Fähre zwischen Stahlbrode und Glewitz und aus Binz. Außerdem schauen wir uns in Prora um. Was hat sich inzwischen an den ehemaligen KdF-Blöcken getan? Ziemlich viel, und das werden wir in diesem Beitrag sehen.

Außerdem sprechen wir über die steigenden Coronazahlen, über die Tests, die bald was kosten und über eine von der Polizei beendete Party in Borgsdorf. Es geht um den (Un)modernen Fünfkampf bei Olympia und um einen Landratskandidaten für Oberhavel.
Das und mehr in KeineWochenShow #241 auf Youtube.

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RTelenovela

Rügen 2021 (2): Das Ende eines Boykotts

Samstag, den 14. August 2021
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(1) -> 12.8.2021

Das Aus der “Binzer Bierstuben” hat bei mir zur Binzer Schollen-Krise geführt. Denn in der Gaststätte gab es die beste Scholle. Der Laden ist nun ein Inder, und da gibt es keine Scholle mehr.
Als ich im vergangenen Jahr auf der Suche nach einer guten Ersatz-Scholle war, fand ich sie in der Kogge. Klar, dass ich dort wieder hingelaufen bin – um dann festzustellen, dass es keine Scholle mehr auf der Karte gibt. Die Schollen-Krise spitzte sich zu.

Ich musste mich also wieder auf die Suche machen. Ich wurde fündig im Strandcafé. Theoretisch. Weil praktisch kein Reinkommen war, die Schlange vor dem Lokal war lang, und wie lange die Wartezeit war, war nicht abzusehen.

Und dann stand ich vor Gosch. Schon im Sommer 2010 schrieb ich darüber hier im Blog, als klar, dass die Sylter Kette an den besten Ort von Binz auf Rügen zieht. Sylt auf Rügen – das fand ich, nun ja, mindestens komisch. Ich boykottierte den Laden elf Jahre lang. Zumindest die Gastronomie, am Fensterchen habe ich schon mal Fischbrötchen gekauft.
Nun führte aber die Binzer Schollen-Krise dazu, dass ich den Laden doch mal betrat. Ich musste mich bei der Einlasserin (ein neuer Job in Coronazeiten) erkundigen, wie das denn in dem Laden funktioniert.
Im Grunde läuft das wie bei McDonalds. Man bestellt was an der Theke – nämlich, Tusch! Scholle! Man bekommt ein Gerät in die Hand gedrückt, das Geräusche macht, wenn das Essen fertig ist. Zwischenzeitlich kann man am Tresen nebenan ein Getränk kaufen.
An der Stelle endete der Gosch-Boykott. Denn die Scholle war extrem lecker, dazu eine Schüssel Bratkartoffeln und ein bisschen Salat. Das konnte sich echt sehen lassen.

Und die Scholle bei Gosch war sogar um Längen besser als die im Strandcafé, die ich dann ein paar Tage danach auch noch ausprobiert habe.

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Rügen 2021 (1): Vilmnitz ist ins 21. Jahrhundert katapultiert

Donnerstag, den 12. August 2021
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2020 -> 7.3.2020

Nach anderthalb Jahren: Endlich wieder Rügen! Anfang März 2020 war ich noch in Sellin, nur Tage später begann das Coronavirus so richtig Fuß zu fassen. Lockdown.
Mein Sommerurlaub in Skandinavien fiel flach – im Sommer sollte es diesmal sowieso nicht nach Rügen gehen. Aber selbst ein Ersatzurlaub auf Rügen war im Sommer 2020 nicht mehr möglich – es gab nichts mehr zu vernünftigen Preisen. Meine Herbstreise nach Sellin fiel dann wieder flach – wieder Lockdown. Auch im Winter war nichts möglich – erst jetzt wieder, im Sommer.
Schon Anfang Januar hatte ich mein Zimmer sicherheitshalber gebucht.

Und, was hat sich alles getan? Und was nicht?
Gleich zum Anfang eine SENSATION: Vilmnitz ist im 21. Jahrhundert angekommen. Wobei das irgendwie schade ist. Schon 2014 hatte ich hier über die Straße durch den Ort geschrieben, die wirkte, als könne man dort einen Film drehen, der im 19. Jahrhundert spielt. Holpriges Kopfsteinpflaster.
2021 ist nichts mehr davon da. Die Strecke ist asphaltiert. Und so schön das für den Ort ist, so schade ist es gleichzeitig. Denn diese Straße war auch der Charme von Vilmnitz. Weil es historisch aussah – und jetzt beliebig.

Leider nichts getan hat sich am Knotenpunkt der L29 mit der B196 bei Alt Süllitz. Immer noch keine Ampel. Dabei wäre die mal dringend nötig, denn als Linksabbieger in Richtung Bergen/Binz steht man unter Umständen ewig, bis mal eine Lücke frei ist.

In den ehemaligen “Binzer Bierstuben” ist jetzt ein indisches Restaurant, der “Maharadscha Palace”. Von draußen ist zu sehen, dass sich an der Einrichtung nicht so viel geändert hat, nur dass hinterm Tresen ein Mann mit einem Turban stand. Die können nichts dafür, aber irgendwie will ich da trotzdem nicht rein. Zu sehe trauere ich dem alten Lokal nach.

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Rügen 2020 (3): Ersatz-Scholle

Freitag, den 6. März 2020
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(2) -> 5.3.2020

Seitdem die “Binzer Bierstuben” geschlossen sind, steckte ich in einer Schollenkrise. Denn zu einem Besuch der Insel Rügen gehört auch der Genuss einer ordentlichen, gebratenen Scholle.
Aber wo bekommt man die nun? Im November 2019 versuchte ich es an der Hauptstraße in Binz, aber die war nur okay, weil die Zubereitung anders war, als ich das kannte.

Ich erinnerte mich aber, dass es in der Schillerstraße in Binz die “Kogge” gibt, ein Fischrestaurant. Da muss es einfach auch eine gute Scholle geben.
Und so war es auch. Scholle Finkenwerder Art steht auf der Karte. Ich musste allerdings zur Sicherheit googlen, was das eigentlich genau ist. Gebraten, mit Speck.
Speck mag ich zwar nur bedingt, aber das war zu verschmerzen. Ich bestellte statt des Kartoffelsalats Bratkatoffeln, und als das Essen kam, war meine Freude groß. Die Scholle war lecker, und sogar der Speck war ganz okay.

Vorab gönnte ich mir übrigens gebackenen Camenbert – den Rügener Badejungen. Der wird zwar nicht mehr auf Rügen hergestellt, lecker und weich und warm war er trotzdem.
Ich war wohl nicht das letzte Mal in der “Kogge”.

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Adriana Popescu: Mein Sommer auf dem Mond

Dienstag, den 24. Dezember 2019
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Fritzi, Sarah, Bastian und Tim sind Astronauten.
Das aber sind sie nicht freiwillig. Die vier Jugendlichen befinden sich im “Sonnenhof”, einem Therapiezentrum in Binz auf Rügen. Sie verbringen ihren Sommer dort, weil sie daheim mit ihrem Leben nicht klarkommen. Im Sonnenhof müssen sie lernen, mit sich klarzukommen.
Als Fritzi in Binz ankommt, ist sie schwer genervt. Sie will nicht in die Therapie, und als sie dann im Sonnenhof eincheckt, ist alles nicht viel schlimmer. Scheinbar.
Denn sie kommt in die Gruppe der Astronauten.
Tim hat ein Aggressionsproblem. Bastian scheint ganz nett zu sein, aber auch er muss Schwierigkeiten haben. Sarah scheint seltsam unnahbar.
Doch die vier müssen sich zusammenraufen. Sei es bei ihren Sitzungen oder auf einem kleinen Segelschiff, auf sie als Team zusammenarbeiten müssen.
Nach und nach öffnen sich die vier, und die Liebe funkt auch noch dazwischen.

Eigentlich bietet Binz eine perfekte Urlaubskulisse. Doch die beiden Mädchen und Jungs sind nicht dort, um Urlaub zu machen. Adriana Popescu gelingt es in “Mein Sommer auf dem Mond” einmal mehr – wie in “Ewig und eins” – in die Seele von jungen Leuten zu blicken. Es ist spannend und rührend zu erfahren, wie die Jugendlichen versuchen, das Beste aus ihrer Lage zu machen. Aber auch, wie sie scheitern, mit sich hadern.
Im Laufe der Zeit erfahren wir, warum sie eigentlich in der Therapie sind. Und wie die zwischen Fritzi, Sarah, Tim und Bastian eine Freundschaft entsteht.
Ein wunderbarer Jugendroman.

Adriana Popescu: Mein Sommer auf dem Mond
cbt, 399 Seiten
8/10

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