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Das war 2017!

Sonntag, den 31. Dezember 2017
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I bims, und hier kommt schon wieder der Jahresrückblick, vong Silvester her.
Nein, nein, das Jahr 2017 hat mir nicht das Hirn eingefroren. “I bims” ist aber das Jugendwort des Jahres, und die dazu passenden “vong … her”-Nachsätze gehören auch zur Jugendsprache. Soll wohl den verkürzenden und fehlerhaften Internet-Chat-Sprech darstellen, und es gibt Leute, die das lustig finden.
Ach, überhaupt das Internet. Was in den sozialen Netzwerken abgeht, das ist nicht mehr feierlich. Da kotzen sich die Wutbürger überall da aus, wo es auch nur entfernt um Politik geht. Man könnte meinen, Deutschland ist zur Wuthochburg verkommen, aber es ist wohl eher so, dass alle anderen sich immer mehr zurückziehen und sich gar nicht mehr äußern. Was auch nicht gut ist. Mehr und mehr wird Pöblern der Platz überlassen – immer mehr angefeuert durch die AfD, und die “Bild” macht auch immer gern und fleißig mit.

2017 war geprägt von einem Schwarz-Weiß-Denken. Entweder ist alles gut oder alles schlecht. Zwischentöne? Werden oft vermisst. Donald Trump ist US-Präsident, und alle, die nicht das berichten, was er für die Wahrheit hält, bezeichnet er als Fake-News. Er liefert sich einen Kampf mit den US-Medien, verbreitet seine Weisheiten lieber über Twitter.
Ein anderer Diktator tobt sich in der Türkei aus. Aus fadenscheinigen Gründen werden Journalisten, Menschenrechtler und andere Menschen festgenommen, die aus Sicht von Staatschef Erdogan schlecht für die Türkei seien. Der deutsch-türkische Journalist und Türkei-Korrespondent der WeltN24-Gruppe, Deniz Yücel, sitzt seit weit mehr als 300 Tagen in Haft – #freeDeniz.

Eine harte Debatte wird auch um die Öffentlich-Rechtlichen Sender geführt. Insbesondere zwischen den Zeitungsverlagen und ARD/ZDF gibt es Streit darüber, was die Sender im Internet machen dürfen und was nicht. Der Lobbyist Matthias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, schießt gegen ARD und ZDF, nennt sie Staatsfunk, obwohl er es besser wissen müsste. Er sieht die Presse in Gefahr, wenn auch die ARD Texte auf ihren Internetseiten verbreitet. Aber auch der Ton unter den Zuschauern ist rauer geworden. In den sozialen Netzwerken kübeln Pöbler Häme über die Öffentlich-Rechtlichen aus, schimpfen über die angeblichen Lügenmedien, Staatssender und über die angebliche Regierungslinie.
Allerdings geben ARD und ZDF den Kritikern auch immer wieder Futter. Gerade im Umgang mit der AfD tun sich viele Journalisten noch schwer. Statt mit Fakten bloßzustellen, geht es scheinbar oft immer noch um eigene Befindlichkeiten. Da werden Sätze aus dem Zusammenhang gerissen und zu Skandalen aufgeblasen.
Was aber die AfD auch sehr gut kann – und sich zum Opfer zu machen. In einer ZDF-Wahlsendung verließ AfD-Frau Alice Weidel die Arena, als sie kritische Fragen zu hören bekam. Als sie sagte, dass die Zeit der politischen Korrektheit vorbei sei, und sie in der NDR-Satiresendung “extra 3” daraufhin als Nazi-Schlampe betitelt worden ist, da war die Zeit der politischen Unkorrektheit offenbar auch schon wieder vorbei. Weidel klagte. Und bekam kein Recht.
Dennoch und gerade wegen des Hypes und die vielen Skandalisierungen – die AfD schaffte es im September in den Bundestag, und die Medien müssen sich den Vorwurf gefallen lassen, daran zumindest eine Mitschuld zu haben.

Es war ein politisches Medienjahr. Auch wegen der Bundestagswahl. Die hat SPD-Chef Martin Schulz in nicht ganz so guter Erinnerung. Was vielleicht auch daran lag, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel ständig mehr Redezeit bekommen hat als er. Für Inhalte hatte er da nicht immer so viel Zeit – weil er sich darüber ja erst mal mokieren musste.
Bei Sat.1 hat man sich ab eh lieber damit beschäftigt, ob FDP-Chef Christian Lindner scharf ist und ob die Linke Katja Kipping irgendwie auf ihn stehen könnte.

Zeiten ändern sich. Auch im Sport. Als in Dortmund ein Anschlag auf den Bus der Fußballer von Borussia Dortmund verübt wird, wird aus Sky Sport News plötzlich ein Nachrichtensender im Breaking-News-Modus.
In der Pause des DFB-Pokal-Finales wollten die Fußballfunktionäre mal ein bisschen US-Entertainment-Luft schnuppern. Ganz im Sinne der Halbzeitshow beim SuperBowl gab es das beim Fußball erstmals auch. Mit Helene Fischer. Fanden die Fans eher so mittel.
Überhaupt, der Fußball: Die Bundesliga zerbröselt immer mehr. Nun sind nicht nur Sky und die ARD an Bord oder das ZDF und Sport 1. Auch Eurosport hat ein paar Rechte (wenn der Player mal funktioniert) und bei Nitro laufen montags auch noch ein paar (bislang weitgehend unbeachtete) Häppchen.
Niki Lauda hat sich vor laufenden RTL-Kamera und unerwartet als Formel-1-Co-Moderator verabschiedet. Und hinterließ einen verstörten Florian König. Nico Rosberg wird sein Nachfolger.
Ach ja, und da dann war ja noch Handball-WM. Hat aber kaum jemand sehen können, weil sich der Rechteinhaber belN sich mit keinem Sender einigen konnte – weder mit ARD und ZDF, noch mit Sky. So liefen die Spiele auf Youtube im Internet, aber der Seite einer Bank. Auch mal was Neues.

Apropos kleines Publikum: Es wird immer schwerer für die Sender, Serienhits zu landen. Selbst hochgelobte Serien wie “This is us” floppen, und es gibt noch viele mehr davon, die als Disaster abgebucht werden müssen. Der hochgelobte “Mr. Robot” hatte bei Nitro quasi keine Zuschauer. Es scheint, dass sich das Seriengeschehen mehr und mehr bei Amazon und Netflix abspielen. Auch deutsche Serien wie “Dark” oder Schweighöfers “You are wanted” laufen nicht im Fernsehen (oder ist im ORFeins in Österreich gefloppt), sondern bei den Streaminganbietern. Ob “Berlin Babylon” ein Hit ist, wissen wir auch erst im Herbst 2018. Die Co-Produktion zwischen Sky und ARD lief bislang nur im Pay-TV. Der Jubel ist groß – aber das muss ja nichts heißen.
Dennoch: Langsam kommt für das Fernsehen die Wende. Angebote wie Amazon Prime, Netflix und das altbekannte Sky haben immer mehr Nutzer.
Die jungen Zuschauer treiben sich eher auf YouTube rum und schauen sich dort ihre Stars an. Oder mobben sie gleich mal. Als rauskommt, dass der YouTube-Star Tanzverbot in Oranienburg wohnt, erlebt er die Aufdringlichkeit und Widerwärtigkeit seiner Fans und Hater. Er muss raus aus seiner Wohnung und zieht um.

Lineares Fernsehen ist unterdessen immer mehr out. Auch weil insbesondere das Privatfernsehen, immer mieser wird. Oder wer möchte wirklich sehen, wie irgendwelche Z-Stars ein Baby bekommen? “Janni & Peer … und ein Baby!” lief bei RTL II eher nicht so gut. Auf demselben Sender zieht man sich bei der Datingshow “Naked Attraction” gleich ganz nackt aus – weil das ja angeblich die ehrlichste Art des Datings ist. Aber auch das ZDF greift ins Klo: “Das Pubertier – Die Serie” ist einfach nur doof-albern, die Show “Flieg mit mir” im Ersten schrecklich betulich. “Das Sommerhaus der Stars” bei RTL ist nur noch Fremdschämen. VOX wollte die Echo-Verleihung aufpolieren und liefert eine Katastrophe ab. Die pure Ödnis.
Aber es gab natürlich auch gutes Fernsehen: der ZDF-Mehrteiler “Der gleiche Himmel” war ebenso ein Hit wie die letzte Staffel vom “Club der roten Bänder” bei VOX.

Schluss war auch für den “Circus Halligalli”. Dabei sorgte die Show noch fix für die deutsche Fernsehpeinlichkeit des Jahres: Bei der “Goldenen Kamera” schmuggelt das Team einen falschen Ryan Gosling ein. Er nimmt in der Live-Show im ZDF den Preis entgegen, und danach kam raus, dass selbst die Kategorie ein Fake war, weil die von der “Goldene Kamera”-Redaktion nur mit der Aussicht auf den Gosling-Besuch eingeführt wurde.
Aber die Amis können mithalten. Bei der Oscar-Verleihung kommt ausgerechnet beim besten Film ein falscher Umschlag in Umlauf. Die Leute von “La La Land” (schon wieder Gosling) stehen schon auf der Bühne, wollen sich bedanken – um dann zu erfahren, dass “Moonlight” der beste Film ist. Ups.

Da möchte man im Boden versinken. Das gilt auch für den Eurovision Song Contest. Vorletzter. Wobei es natürlich nicht an der Qualität des deutschen Songs (wie hieß der noch gleich?) oder an der Dings (wie hieß die noch gleich?) lag, sondern weil uns Deutsche einfach keiner mag. Na klar. Vielleicht gibt es ja 2018 ein Comeback, gerade wird mal wieder am Konzept für den deutschen Vorentscheid gefeilt.

Dabei ist das mit Comebacks so eine Sache: Als Thomas Gottschalk mit der neuen Sat.1-Show “Little Big Stars” um die Ecke kam, war das Interesse gering. Auch dass Christian Rach bei RTL wieder Restauranttester war, ließ viele kalt – was aber auch an den bekloppten Fällen lag, um die sich Rach kümmern musste. Die Wiederkehr von “Der Preis ist heiß” bei RTLplus war dagegen ein voller Erfolg – auch weil sich alle große Mühe gaben, den Klassiker nur behutsam zu modernisieren. Heraus kam netter, guter Trash. Ach, und dann ist ja auch MTV wieder da. Also, eigentlich war MTV nie weg, nur eben im Pay-TV versteckt. Nun gibt es angeblich wieder Interesse an dem Sender, die Rückkehr ins Free-TV war perfekt.

Aber auch Ankünfte sorgten für Wirbel. Der rbb übertrug mit großem Aufwand die Landung von Schätzchen und Träumchen in Schönefeld – zwei Pandabeeren. Sehr wichtig. Und noch eine Flugzeuglandung war dem rbb eine Live-Übertragung wert: die der letzten Air-Berlin-Maschine. Nie gab es vermutlich eine emotionalere Pleite eines Unternehmens. Es hieß Abschied nehmen.

Abschied. Auch 2017 wieder von vielen prominenten Menschen. Helmut Kohl ist gestorben, ebenso die Politiker Heiner Geißler und Roman Herzog. Die Schauspieler Roger Moore, Karin Dor, Christine Kaufmann, Jerry Lewis, Dieter Bellmann, Andreas Schmidt, Mikael Niqvist, Ingeborg Krabbe, Bill Paxton, Margot Hielscher, Martin Lüttge und Klaus Wildbolz. Die Musiker Fats Domino, Chris Roberts, Tom Petty, Chuck Berry, Malcolm Young, Joy Flemming, Chester Bennington, Chris Cornell, Gunter Gabriel, Daliah Lavi, Andrea Jürgens und Robert Miles. Die Comiczeichnerin Lona Rietschel, die Journalisten Ulrike von Möllendorff und Udo Ulfkotte, Playboy-Gründer Hugh Hefner, Joachim Kardinal Meisner, die Tennisspielerin Jana Novotna und die Synchronsprecher Oliver Grimm (“Kimba, der weiße Löwe”, “Hugo”) und Anderas von der Meden (Kermit, David Hasselhoff).

Man hätte außerdem den Eindruck gewinnen können, dass das Fernsehen stirbt – dabei wurde nur das alte DVB-T-Signal abgeschaltet – zugunsten des neuen DVB-T2. Die Kampagne machte den Eindruck, als seien sehr viel mehr Zuseher betroffen. Der Übergang verlief dennoch recht reibungslos. Eher reibungsvoll verläuft es beim Lokalsender Oberhavel TV. Die Qualität der Sendungen ließ immer mehr nach, es gab immer weniger, die Verbreitung via Satellit und im Vodafone-Kabel ist eingestellt – inzwischen gibt es wohl ein Insolvenzverfahren.

Aber was ist denn im Fernsehen 2017 wirklich Wichtiges passiert? Natürlich! Marc Terenzi ist Dschungelkönig geworden, obwohl sich Kader Loth so angestrengt hat, ein neues Image zu bekommen. Als Anne Will über den G20-Ausschreitungen diskutiert, fällt für zehn Minütchen das Bild aus, während im Studio weitergesprochen wird. Als beim selben Thema bei Maischberger sich die Gemüter erhitzen, verlässt Wolfgang Bosbach wütend die Arena, weil er sich von Jutta Ditfurth beleidigt gefühlt hat – nicht ohne auch selbst auszuteilen. Als in Frankfurt/Main eine Bombe entschärft werden muss, überträgt das hr fernsehen 13 Stunden (!) live – weil der Sender selbst evakuiert ist. Aus “Schlag den Raab” und “Schlag den Star” ist “Schlag den Henssler” geworden. Na ja. Birgit Schrowange ist erst ungeschminkt bei RTL aufgetreten (einmalig) und dann mit grauen Haaren (für immer).

Wird 2018 alles besser? Werden wir alle immer irrer? Oder ist uns einfach alles wurscht, so lange man sich auf YouTube weiter Schminktipps reinziehen kann? Oder alternativ den Livestream von der Demorandale wie bei G20 in Hamburg?
I bims, vong Spannung her.

PS: Ach, Mensch, Herr Eumann, habe ich Sie doch glatt wieder vergessen! Herzlichen Glückwunsch zur Wahl zum neuen Direktor der rheinland-pfälzischen Landesmedienanstalt. Nicht dass Sie wieder angepisst sind!

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Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Freitag, den 23. Juni 2017
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MI 21.06.2017 | 22.15 Uhr | Das Erste

Da ist wohl alles schief gegangen, was schief gehen konnte. Und das bei einem so wichtigen Thema wie Antisemitismus und Judenhass.
Der WDR und arte haben eine Doku in Auftrag gegeben, die sich damit auseinandersetzen sollte.
Aber um “Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa” hat sich ein noch nie da gewesener Streit entbrannt.

Der Kulturkanal arte wies die Doku ab. Handwerkliche und inhaltliche Mängel, und die gab es wohl in großer Zahl. Beim WDR hat man daraufhin noch mal geprüft und ebenfalls Mängel festgestellt.
Die Nicht-Ausstrahlung sorgte dennoch für Empörung, und die “Bild” hat den Film daraufhin illegal ins Internet gestellt – für 24 Stunden auf’s eigene Portal. Das muss man sich mal vorstellen, was passieren würde, wenn “Bild”-Inhalte irgendwoanders auftauchen würden. Da würde die “Bild” aber Stunk machen – aber so ist das natürlich was ganz anderes, findet man bei der “Bild”.

Immerhin sorgte die Online-Ausstrahlung dafür, dass man in der ARD handelte. Innerhalb von ein paar Tagen, entschied man sich, das komplette Mittwochabend-Spätprogramm umzuschmeißen. Plötzlich gab es einen Sendeplatz, und ganz plötzlich schloss sich auch noch arte an, wo die Doku 45 Minuten nach der Ausstrahlung im Ersten lief.
Der WDR für diese Ausstrahlung aber eine Art “betreutes Fernsehen” organisiert. Per Schrifttafel wurde auf die Mangel hingewiesen, immer wieder wurde der Film gestoppt und durch weitere vorgelesene Schrifttafeln ergänzt.

Wunderlich war im Anschluss die “Maischberger”-Sendung. Weil man ja lieber über das Thema und nicht so über den Film reden wollte, lud man die Autoren erst gar nicht ein. Wirklich toll: Da wird einen Abend lang auf sie eingedroschen, aber reden lassen möchte man sie nicht. Lieber möchte Sandra Maischberger über sie sprechen. Womit die Talkshow-Redaktion eindeutig Mist gebaut hat.

Was bei der Doku wirklich schief lief, wer wann mit wem oder nicht miteinander gesprochen hat, wie lange der Film im Archiv rumlag – all das lässt sich von hier aus nicht beurteilen.
Dass diese Affäre für alle Seiten peinlich ist – für die Filmemacher, aber auch für “Bild”, den WDR und arte -, das ist wirklich traurig.

Und die Doku selbst? Stellenweise schockiert sie, weil sie tatsächlich (aber auch wenig überraschend) einen tiefgehenden Judenhass aufzeigt. Allerdings ist die Machart des Filmes eher anstrengend. Viel wird mit eher störender Musik gearbeitet, mit Klängen, mit Effekten. Die “Erzähler”-Sprache reicht von nüchtern bis belehrend. Es ist schwierig, der Doku aufmerksam folgen zu können, sie ist viel zu vollgepackt. Da wäre weniger mehr gewesen.

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Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!: Teure Wahl

Freitag, den 20. Januar 2017
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DO 19.01.2017 | 22.15 Uhr | RTL

Wer im Dschungelcamp von RTL täglich mitentscheiden will, wer in die Prüfung muss oder in Woche 2 rausgewählt wird, muss pro Anruf 50 Cent abdrücken.
Ich frage mich ja immer: Wer ruft da eigentlich an? Denn, nur mal angenommen, ich mache jedes Mal mit, dann zahle ich am Ende etwa 9 Euro für die diversen Wahlen. Das riecht schon nach Pay-TV.
Aber scheinbar machen gar nicht so viele mit. Wie die “Bild” neulich berichtete, waren es am Sonntag wohl gerade um die 10.000 Anrufer. Ein Witz. Sarah Joel wurde von gerade mal 1600 Stimmen in die Prüfung gewählt.
Das ist einerseits lächerlich, andererseits beruhigend, dass dann doch so wenige bereit sind, so viel Geld dafür auszugeben.

Allerdings muss dann die Frage erlaubt sein: Ist das sinnvoll? RTL verdient an diesen Anrufen quasi nichts. Bei 10.000 Anrufen kommen weit unter 5000 Euro raus, denn RTL bekommt ja nicht die kompletten 50 Cent der Anruferkosten. Und allein 5000 Euro gewinnt pro Tag ein Zuschauer im Gewinnspiel.
Warum macht es RTL nicht wie ARD und ZDF? Da kostet ein Anruf in solchen Fällen 14 Cent, und ich auch würde da eventuell doch mal anrufen. Für 50 Cent aber nicht.
Aber vielleicht würden tatsächlich viel mehr Leute mitmachen – was dann vielleicht nicht mal ein Einnahmeausfall wäre. Und die Wahl umfassender machen würde.

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Bild und die Angst

Donnerstag, den 22. Dezember 2016
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MI 21.12.2016 | Bild

Nach dem Vorfall auf dem Breitscheidplatz in Berlin, den ich fast hautnah miterlebte, schrieb ich: “Eines aber habe ich nicht: Angst. Angst wäre jetzt das völlig Falsche.”
Das sieht man bei der “Bild” völlig anders, auch wenn man es vielleicht anders meint: In viele Zentimeter großen Lettern knallt den Menschen am Mittwoch das Wort “Angst!” entgegen. Martialisch sieht das aus, und das macht Angst.
Im Tickerstil stehen darunter die wichtigsten Fakten zum Tag nach dem Zwischenfall in Berlin.

Wie so oft absolut ohne Fingerspitzengefühl schreien die “Bild”-Schreiber die Menschen an. Die Menschen, die sowieso schon aufgeregt, nervös und wütend sind, machen sie noch aufgeregter, nervöser und wütender. Die Hetzer von der AfD ergötzen sich an der Angst-Schlagzeile, die suhlen sich im Elend, aus ihrer Sicht ist wohl “endlich” das passiert, was sie ja schon immer vorhergesagt haben. Jetzt erheben sie sich, faseln von “Merkels Toten” und zeigen höhnisch auf die Gutmenschen.
Mit dieser plumpen Angstmache erwischt die “Bild” genau diese Kerbe.
Als ich den Titel im Zeitungskiosk liegen sehen habe, stockte mir der Atem. Denn: Angst? Niemals! Und ganz ehrlich: Klar gibt es viele, die jetzt Angst haben – aber die meisten versuchen, gelassen zu bleiben. Was man bei der “Bild” aber vielleicht zu lahm findet.
Ich finde das eklig.

Ganz anders die “Berliner Morgenpost”. Sie titelt: “Fürchtet euch nicht!”
Es ist ein Appell, eine Bitte – und eigentlich der absolut passende Spruch.
Danke!

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Schlag den Star: Legat und die Hackfresse

Dienstag, den 13. Dezember 2016
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SA 10.12.2016 | 20.15 Uhr | ProSieben

Hast du es gemerkt? Da ist wieder eine kleine Empörungswelle über uns hinweggerollt. Ein kleines Geschichtchen ist passiert, und weil das eigentlich ziemlich lahm ist, musste sie ordentlich aufgeplustert – und gern auch ein bisschen entstellt werden.

Da heißt es also überall, Ex-Fußballer Thorsten Legat habe “unsere Tennisheldin” Angelique Kerber als Hackfresse beleidigt.
Huijuijui! Hast du auch gerade Atemnot? Hyperventilierst du auch gerade? So von wegen EMPÖRUNG?

Passiert ist das am Sonnabendabend bei “Schlag den Star” auf ProSieben. Thorsten Legat und Detlef Soost mussten anhand von Porträtfotos erkennen, wer die jeweilige Person ist. Irgendwann erschien eine Blonde, und Legat meinte: “Boah, was dat denn für ‘ne Hackfresse?” Er hat sich dann gleich entschuldigt. Aber: Er wusste nicht, dass es Frau Kerber ist. Er hat diese Frau da irgendwie beleidigt, aber so direkt Angelique Kerber eben nicht. Dass er es ja mit “unserer Tennisheldin” zu tun hatte, wusste er ja nicht. Also kann er sie auch nicht beleidigen. Es sei denn, es ist schon eine Beleidigung, “unsere Tennisheldin” nicht zu erkennen.

Viele Artikel wurden darüber geschrieben. Am Montag in der “Bild” zum Beispiel oder auch auf diversen Möchtegern-Promi-Youtube-Newsseiten. Überall ist man schon wieder empört – ohne die Story richtig zu erzählen. Vermutlich weil die wenigsten die Sendung wirklich live gesehen haben.
Auch auf Facebook rollte die EMPÖRUNGswelle. Legat beleidigt die Änschie! Ganz, ganz schlimm!! Aber wenn auf Facebook andere Leute gedisst werden, dann ist das ganz normal.
Immer diese Heuchlereien.

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“Bild” ohne Bilder

Sonntag, den 13. September 2015
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DI 08.09.2015 | Bild

“Bild” findet Bilder wichtig.
Das ist, ehrlich gesagt, keine wirklich neue oder bahnbrechende Erkenntnis.
Am Dienstag aber wollte die Redaktion der “Bild” uns das trotzdem noch mal zeigen und brachte eine “Bild” ohne Bilder raus.

Nun ja, so ganz stimmte das nicht. Denn die Bilder waren layoutet, man konnte sie schemenhaft erkennen, aber die Flächen blieben grau. “Wir wollten damit zeigen, wie wichtig Fotos im Journalismus sind. Und dass es sich lohnt, jeden Tag um das beste Foto zu kämpfen!”, schrieb die Redaktion dazu. Hintergrund war vermutlich das Foto des toten Kindes in Bodrum, das für Aufmerksamkeit, aber auch für Kritik sorgte.

Konsequent wäre es aber gewesen, wirklich Bleiwüsten zu veröffentlichen – also ausschließlich lauter Textblöcke ohne Fotos.
Das Ganze roch sowieso eher nach PR-Aktion als nach wirklichem Anliegen.
Wobei sich vermutlich sehr viele Leute gewünscht hätten, lieber oder auch auf die Texte zu verzichten. Inhaltlich kommt das oft ja eh auf dasselbe hinaus.

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Wer wird Millionär?: Die 50-Euro-Frage

Mittwoch, den 17. Juni 2015
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MO 15.06.2015 | 20.15 Uhr | RTL

Gescheitert an der 50-Euro-Frage.
Das sind für Quizshow-Kandidatin Tanja sicherlich nicht die besten Minuten des Lebens gewesen. Erst die Schmach bei der Aufzeichnung von “Wer wird Millionär?”. Dann das Warten darauf, das RTL das ausstrahlt. Und dann die öffentliche Häme – bis hin zum Aufmacher auf der “Bild”, die das noch mal genüsslich durchkaute. Immerhin ist so etwas in 16 Jahren noch nicht vorgekommen, dass jemand an dieser ersten Frage scheiterte.

Seit jeher haben die meisten …?
A: Dober Männer
B: Cocker Spaniels
C: Schäfer Hunde
D: Riesen Schnauzer

Tanja hatte irgendwie die Riesenschnauzer im Kopf und tippte auf D. Falsch und auf Wiedersehen.
Viel interessanter ist da aber eigentlich die Frage, warum Günther Jauch am Montagabend die Modestudentin dermaßen ins Messer laufen lief. Normalerweise meldet er bei diesen ersten Fragen viel deutlicher sein Veto an – diesmal jedoch so gut wie gar nicht. So war nach 45 Sekunden schon alles vorbei – und der Kandidatin Tanja der Medienruhm auf Zeit sicher. Vielleicht lädt sie Günther Jauch ja wenigstens in den Jahresrückblick 2015 ein.