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Die richtigen Fragen – spezial

Mittwoch, den 30. März 2022
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SO 27.03.2022 | 13.30 Uhr | Bild

In deutschen Talkshows wird in der Regel über die Ukraine gesprochen – aber selten mit Ukrainern über ihre eigene Lage. Und schon gar nicht vor Ort.
Schon vor dem dortigen Kriegsbeginn war Bild-Reporter Paul Ronzheimer nach Kiew geflogen, um über die dortige Lage zu berichten. Dass der Krieg ausbrechen würde, wusste er da noch nicht. Wie lange er in der Ukraine bleiben wird, das weiß er ebenfalls nicht. Aber er gehört nun zu den wenigen, die direkt aus dem Kriegsgebiet berichten und uns diesen Wahnsinn anschaulich machen.

Am Sonntagmittag auf eine besondere Weise. Die Talkshow “Die richtigen Fragen” bei Bild kam diesmal aus Kiew. Paul Ronzheimer saß mit seinen Gesprächspartnern auf dem Maidan-Platz. Auf den nassen Steinen – es regnete leicht – hinter einer Sandsack-Barrikade.
Menschen, die gerade in Kiew sind, die sich engagieren, die dokumentieren, die helfen und sich auf Schlimmeres vorbereiten, berichteten von ihrer Situation. Davon, wie sie die Lage einschätzen, wie sie klarkommen. Und von ihrer Enttäuschung, dass zum Beispiel Deutschland so wenig unterstütze, wie sie sagten. Auch ging es um das ausbleibende Energie-Embargo, wofür es bei ihnen in Kiew wenig Verständnis gebe. Die Deutschen hätten Angst um ihr Geld, dass das Leben eingeschränkt werden müsse – und in der Ukraine fließe Blut, würden Bomben fallen.

Ein wenig bekommt man den eigenen Spiegel vorgehalten, wenn man diese Menschen mitten im Krieg reden hört. Aber es ist wichtig, sie zu hören, sie reden zu lassen. Und deshalb war diese Talkshow so wichtig.

-> Die Sendung auf Youtube

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Trailer: Lügen und Fälschungen

Donnerstag, den 3. März 2022
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SO 27.02.2022 | 15.58 Uhr | Bild

Die große Doku-Reihe bei Bild: Lügen und Fälschungen! Die Hitlertagebücher! Aliens! Es ist total aufregend, was beim TV-Sender Bild am Sonntagnachmittag angekündigt wird.
Dass diese Reihe bei Bild läuft, ist natürlich folgerichtig, denn mit Lügen und Fälschungen kennt man sich dort ganz gut aus.

Und vielleicht gibt es dort bald die Folge, wie Bild eine Lehrerin aus der Ukraine interviewte, die von dort aus im Interview von der Situation vor Ort erzählte und flehte, man möge doch den Ukrainern helfen. Blöd nur: Die Frau saß gar nicht und er Ukraine, sie war in Deutschland. Bei Bild sprach man von einem bedauerlichen Missverständnis. Ob nun die Frau die Bild-Leute verarscht hat und damit alle Bild-Zuschauer auch – unklar. Und wieso passiert das eigentlich ausgerechnet der Bild, die ja allen anderen ihre Fehler vorwirft und sofort zum Verhör bittet.
Aber vielleicht werden wir bald mehr darüber erfahren – in einer weiteren Folge der Bild-Doku-Reihe “Lügen und Fälschungen”.

Und eigentlich könnte man auch eine ganz Serie draus machen: Die miesesten Lügen und Dreck-Kampagnen! “Worst of Bild” Demnächst leider nicht bei Bild TV.

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Das war 2021!

Freitag, den 31. Dezember 2021
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So ruhig hat ein Jahr noch nie begonnen – selbst vor dem Brandenburger Tor in Berlin. Das ZDF sendet seine große Silvesterparty ohne Publikum vor Ort. Es muss zu Hause bleiben.
Es beginnt das Corona-Jahr 2.

Corona wird die Menschen und die Medien auch 2021 durchgehend beschäftigen – nur im Sommer gibt es eine kleine Verschnaufpause. Die eigentlich eher ein Wegignorieren ist.
Das Programm ist geprägt von Sondersendungen, vom “ARD extra”, “ZDF spezial”, und auch die Privaten sind dazu übergangen, wieder aktuellen Nachrichten einen höheren Stellenwert zu geben.
Die großen Shows müssen lange ohne Publikum auskommen. Die “Fastnacht in Franken” im BR ist zu einer leise-lahmen Veranstaltung geworden, der Karneval fällt gleich ganz aus. In der “heute show” lacht keiner mehr. Die großen Silbereisen-Shows werden zu Studio-Produktionen, bei denen die Gäste selbst für Stimmung sorgen müssen. Das Dschungelcamp in Australien wird abgesagt, stattdessen ziehen die Stars in ein Tinyhouse in Hürth. Erst später kehrt Publikum zurück, und auch der Eurovision Song Contest kann stattfinden – und wird zu einer großen Wiedersehensparty. Auch wenn Australien zu Hause bleiben muss und Island in Rotterdam in Quarantäne ist – und auch der Vorjahressieger wegen Corona ausfällt.
Laufende Programme werden unterbrochen, um die Pressekonferenzen mit Merkel zur Corona-Lage zu übertragen – nur wenn die Beratungen bis nachts um 2.35 Uhr hinziehen, verzichten die Sender, bis auf tagesschau24.

Corona zerrt an den Nerven – bei allen Leuten. Kritiker der Coronamaßnahmen und überhaupt der Politik der Regierung und der Gesellschaft, die ihr folgt, werfen auch den Medien Einseitigkeit vor. Vom Regierungsfernsehen ist die Rede, von Staatsmedien – ein schwieriger Vorwurf, wenn davon die Rede ist, man werde die Journalisten aus den Medienhäusern jagen, wenn man erst mal, nun ja, an der Macht sei. Was immer das auch heißt. Aber es klingt nicht gut. Bei Demonstrationen werden Journalisten zunehmend angegriffen.

Nicht nur in Deutschland. Auch in den USA. Als im Capitol in Washington die Wahlniederlage von Donald Trump endgültig besiegelt werden soll, stürmen Trumps Anhänger das Gebäude. Und auch dort gehen sie auf Journalisten los. Prügeln und zerstören Technik. Es trifft auch ein Team des ZDF.

Den Hatern in Deutschland passt die Youtube-Kampagne “#allesdichtmachen” gut ins Anti-Corona-Stimmungsmache-Konzept. Mehr als 50 mehr oder viel weniger bekannte Schauspielende sprechen in den Clips über Corona und die Folgen. Ricky Müller atmet in eine Tüte, weil ausatmen gefährlich sei. Jan-Josef Liefers findet, dass man in den Medien nicht so richtig informiert worden sei. Unterschiedliche Meinungen zum Coronavirus und zu dessen Eindämmung würden nicht gehört. Diskussionen fänden nicht statt. Oder erst seit Neuestem wieder. Es heißt, das sei Satire. Weil man Liefers ansonsten ja fragen müsste, wo er in den Monaten davor gelebt habe. Später sagt er in einer Talkshow, er habe alle Zeitungen abbestellt. Einer der Urheber ist der Schauspieler Volker Bruch, dem Verbindungen zu den Querdenkern und zur Partei Die Basis nachgesagt werden.

Auch Michael Wendler dreht in der Coronakrise ab. Von den USA aus hetzt er gegen die Coronamaßnahmen, leugnet das Virus und spricht von einem KZ Deutschland. Laut Wendler: Krisenzentrum. Schon klar. RTL sendet trotzdem die erste Folge der Castingshow “Deutschland sucht den Superstar”, wo der Wendler in der Jury sitzt. Als der ehemalige Schlagerstar weitere Hetze absetzt, schreitet RTL ein – und schneidet das Jurymitglied aus der Sendung. Zunächst sehen die Zuschauer eine abenteuerlich bearbeitete Sendung, in der Wendler überblendet wird, später fehlt er ganz.

Das mag man kaum glauben, aber RTL will seriös werden. Und da passt Dieter Bohlen leider nicht mehr ins Konzept. In den beiden Live-Shows von “DSDS” fehlt nun schon das zweite Jurymitglied. DAS Jurymitglied. Nachdem RTL Bohlen gefeuert hat, meldet der sich krank. Thomas Gottschalk springt ein. Am Ende gewinnt… also, keine Ahnung, wer gewonnen hat. War am Ende auch nicht mehr wichtig. Auch beim “Supertalent” wird Bohlen rausgeschmissen, und RTL bekommt im Herbst dafür die bittere Quittung. Die Show versinkt im Quoten-Nirvana.
Zum neuen RTL gehören mehr Nachrichten. Auch am Nachmittag gibt es nun “RTL aktuell”, im Spätprogramm taucht Jan Hofer wieder auf – mit “RTL direkt”. Vor allem die älteren Zuschauer will RTL wieder erreichen. Was nur sehr schwer gelingt.

Und was ist mit dem Trashfernsehen? Auch da will die RTL-Gruppe seriöser und braver werden. Als sich in der Datingshow “Princess Charming” bei VOX zwei Frauen prügeln, bekommen wir das nicht zu sehen, stattdessen nur einen Hinweis darauf, dass da was passiert sei und beide Damen gehen mussten. Das hätte es bei meinem RTL früher nie gegeben, da hätte man draufgehalten.
Bei Sat.1 ist man da nicht so zimperlich. Bei den “Promis unter Palmen” haben sie wieder alle Krawallschachteln eingeladen, die Trash-Deutschland zu bieten hat. Es gibt ordentlich Zoff, die Kameras halten drauf, auch bei schlimmsten homophoben Entgleisungen. Nur einer schreitet ein: Willi Herren. Sat.1 bekommt trotzdem und zurecht einen Shitstorm, die nächste Folge läuft stark gekürzt – und dann ist nach Folge 2 Schluss. Nach der Nachricht lässt Sat.1 die Ausstrahlung ruhen: Willi Herren ist tot.

In Trauer sind sich Sat.1 und RTL einig: In beiden Frühstücksfernsehsendungen trauern die Teams um Jan Hahn. Er erliegt einem Krebsleiden. Als die Meldung bekannt wird, fließen bei der RTL-“Exclusiv”-Moderatorin am Ende die Tränen, und “RTL aktuell” endet mit einer stummen Trauertafel.
An seinem 100. Geburtstag kündigt die “TV Spielfilm” einen alten DDR-Film mit dem Schauspieler Herbert Köfer an – mit dem Hinweis, dass er heute 100 geworden wäre. Dabei IST er 100 geworden. Aber leider nicht älter – Herbert Köfer stirbt wenige Monate danach.
Mit ihm verlassen 2021 weitere Schauspielende die Bühne: der Komiker Mirco Nontschew, Jean-Paul Belmondo, Heide Keller, Aschenbrödel Libuše Šafránková, “Golden Girl” Betty White, der Lindenstraße-Grieche Kostas Papanastasiou, Arved Birnbaum, “Love Boat”-Käptn Gavin MacLeod, Lindenstraße-Doktor Ludwig Haas, Thomas Fritsch und Christopher Plummer. Die Musiker Françoise Cactus, Volker Lechtenbrink, Baccara-Sängerin Maria Mendiola, Steve Bronski, Ted Herold, Charlie Watts, John Miles, Milva, Mikis Theodorakis, DMX, Barby Kelly, Bill Ramsey, Komponist Siegfried Matthus und Nick Kamen. Die Journalisten und Moderatoren Alfred Biolek, Larry King, Bettina Gaus, Gerd Ruge, Wolf-Dieter Poschmann, Christopher Plass, Hans-Eckart Eckhardt und Jürgen Engert. Peter R. de Vries wird in den Niederlanden ermordet. Die Sportler Horst Eckel und Gerd Müller. Der Youtuber Philipp Mickenbecker. Die Politiker Kurt Biedenkopf, Donald Rumsfeld und Colin Powell. Prinz Philip. Die Zirkusleute Gerd Siemoneit-Barum und Siegfried Fischbacher, der Nobelpreisträger Desmond Tutu. Die Autoren Noah Gordon und Uta Ranke-Heinemann. Comiczeichner Martin Perscheid und Kabarettist Ludger Stratmann.

Sie verkünden ihren Abschied: Petra Gerster verlässt “heute”, Claus Kleber das “heute-journal”. Nach fast 30 Jahren verabschiedet sich Claus-Erich Boetzkes von den Nachmittagsausgaben der “Tagesschau”. Der rbb streicht sein Vorabendmagazin “zibb”. Aus Geldgründen. Und wegen schlechter Quoten. Außerdem streicht der rbb ausgerechnet die “Abendshow” – ein sehenswertes Satireformat. Nun läuft dort das “Riverboat”. Beim rbb findet man das vermutlich innovativ. Antenne Mecklenburg-Vorpommern gibt es nicht mehr – auf den Frequenzen im Norden dudelt jetzt 80s80s. Und einige Hörer fragen sich vielleicht, wie man das ausspricht. Emotional ist die Übertragung des Großen Zapfenstreiches für Angela Merkel, die sich vom Orchester “Du hast den Farbfilm vergessen” spielen lässt – über zehn Millionen Menschen schauen zu.

2021 wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Eigentlich haben sich die Grünen schon als Wahlsieger gesehen – aber Annalena Baerbock fliegt ihr schnell zusammengeschustertes Buch um die Ohren. Unter anderem. Die Medien sind unerbittlich. Dann wähnt sich die CDU vorn – aber Armin Laschet fliegt sein Gelächter während einer ernsten Rede von Bundespräsident Steinmeier im Hochwassergebiet um die Ohren. Und ein Kinderinterview bei Joko und Klaas, bei dem Laschet gegenüber den Kindern ziemlich patzig wird.
Diesmal gibt es nicht nur ein Duell. Sondern ein Triell. Äh, drei Trielle. Bei RTL, bei ARD und ZDF und bei ProSiebenSat.1. Wobei das Triell bei ARD und ZDF in Wirklichkeit das Duell der beiden Moderatoren Oliver Köhr und Maybrit Illner ist – die zusammen so gar nicht können und sich ständig gegenseitig ins Wort fallen. Und dissen.

Apropos Hochwasser: Als die Flut über das Ahrtal reinbricht, sendet der WDR – nichts. Also nicht nichts, aber auch keine Sondersendungen. Weil es nachts eben keine Sondersendungen gibt. Auch nicht im Radio. Als in NRW die Katastrophe geschieht, lässt der WDR seine Leute allein. Und der SWR macht es kaum besser. Die reichlichen Sondersendungen beginnen erst am Tag danach.

Bei der Bild sind sie stundenlang auf Sendung – Bild macht nämlich jetzt auch Fernsehen. Genau genommen gibt es die gestreamten Sondersendungen schon sehr lange, aber im August startet die Fernsehversion von Bild auch offiziell. Oft mit dabei: Julian Reichelt, der Chefredakteur. Bis zu seinem Aus. Reichelt steht schon mal im Rampenlicht. Sein Umgang mit Mitarbeiterinnen wird angeprangert, bleibt aber folgenlos. Zunächst. Dann aber gibt es Recherchen von Journalisten der Ippen-Gruppe. Die werden aber zunächst nicht veröffentlicht, Verleger Dirk Ippen will Springer nicht an den Karren fahren. Er lässt die Story zurückziehen. Sie erscheint dann im Spiegel. Aber auch die New York Times berichtet über Springer und Reichelt. Er muss seinen Platz räumen. Und bei Bild im Fernsehen wird geschluchzt.

Gibt es denn über 2021 gar nichts Gutes zu sagen? Klaas Heufer-Umlauf und Joko Winterscheidt überraschen die Zuschauer mit einer siebenstündigen Doku über den Klinikalltag einer jungen Krankenschwester. Hautnah erleben wir alles aus ihrer Perspektive mit. Joko unterhält die Leute zudem mit “Wer stiehlt mir die Show”. Eine extrem unterhaltsame Sendung, und am Ende kann jemand aus dem Panel Joko beim nächsten Mal die Showleitung abnehmen. Das gelingt zum Beispiel Thomas Gottschalk, Bastian Pastewka und Elyas M’Barek, die was ganz Eigenes draus machen.
Kurt Krömer überrascht in seiner rbb-Talkreihe “Chez Krömer” Gast Torsten Sträter mit dem Geständnis, dass er mit Depressionen in der Klinik gewesen sei. Ein ernstes, rührendes Gespräch entwickelt sich.
2021 steht auch für Retro: “Wetten, dass…?” ist zurück, und 14 Millionen schauen zu. “Geh aufs Ganze” auf Sat.1 mit Jörg Draeger und dem Zonk ist wieder da. Ebenso “TV total” auf ProSieben – nicht mit Stefan Raab, dafür mit Sebastian Pufpaff. Und ABBA bringt ein neues Album raus. Thank you for the Music. Aber wäre doch nicht nötig gewesen.
Ganz offenbar immer noch nötig: sich zu positionieren. Im Magazin der Süddeutschen Zeitung outen sich 185 Schauspieler*innen als schwul, lesbisch, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Hashtag: #actout. Erstmals wird über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen diskutiert.

Und sonst so? Bei ProSieben lernen Thilo Mischke und Katrin Bauerfeind, dass man Politikern in der eigenen Talkshow am Ende nicht beklatscht. Die ARD freut sich über die erste schwule Serie und versendet “All you need” vor Freude im Spätprogramm bei one. Bei “RTL aktuell” gehen die Lichter aus. Also, nur einmalig. Vermutlich. Netflix schafft mit “Squid Game” den Hype über die Streaminggrenzen hinaus. Die Russen starten ihren Propagandasender RT DE und bekommen schnell Gegenwind. Bei ORF1 geht ein beschwipster Nachrichtenmoderator auf Sendung – und wird danach beurlaubt. Die ZDF-Serie “Kommissarin Heller” endet überraschend: Frau Heller wird vom Blitz getroffen.
Und die bitterste Erkenntnis des Jahres: Evelyn Burdecki ist schlauer als ich. Und Anne Will und alle anderen Medienheinis merken sich endlich mal: Reiner Haseloff. Haseloff. Haseloff! David Hasselhoff macht keine Politik. Noch nicht. Man weiß ja nie, heutzutage.

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Ein Herz für Kinder

Dienstag, den 7. Dezember 2021
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SA 04.12.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Wenn es um die Kinder geht, dann kann man doch eigentlich nichts falsch machen, oder? Wenn es darum geht, schnell mal 27,62 Millionen Euro für eine Kinderhilfsaktion einzunehmen, dann muss das doch eine richtig gute Sache sein.
Ja und Nein. Kommt halt drauf an, wer es mit ihm zusammen macht.

Jedes Jahr im Dezember räumt das ZDF seine Primetime am Sonnabend für drei Stunden frei, damit sich die Bild-Zeitung als reine Samariter darstellen kann. Johannes B. Kerner moderierte die Spendengala.
“Ein Herz für Kinder” heißt eigentlich “Bild hilft e.V. – Ein Herz für Kinder” und wurde 1978 von Verleger Axel Springer und der Bild ins Leben gerufen. Bis heute ist die Aktion sehr eng mit dem Axel-Springer-Verlag verbunden.

Dazu gehört auch die große Fernsehspendengala. Viele Millionen kommen da jedes Jahr zusammen – auch, weil es offenbar diverse Großspenden gibt, die Springer sicherlich vorher schon angeleiert hat. Dazu kommen viele Promis, um sich im Studio an eines der Spendentelefone zu setzen – sogar der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz schaute vorbei, um zu zeigen, wie toll doch die Aktion ist – und die Bild natürlich auch.

So schön das alles ist. Aber: warum? Warum im ZDF? Warum nicht im nun hauseigenen Fernsehkanal Bild?
Warum im ZDF, einem der öffentlich-rechtlichen Sender, den Bild am liebsten die Abschaltung wünscht? Und warum macht das ZDF da mit? Und warum machen diese vielen Promis da mit? Ja, für den guten Zweck, aber sie lassen sich vor den Karren einer Zeitung spannen, die viele der Promis schon in den Schmutz gezogen hat. Oder eher: Die, die in den Schmutz gezogen werden, kommen nicht – und die, die kommen freuen sich, wenn ihnen der Schmutz erspart bleibt.
Alle Welt regt sich über die Hetze auf, die die Bild betreibt. Noch am Sonnabend herrschte Wut über eine Bild-Schlagzeile, die suggeriert, dass Wissenschaftler für Lockdowns verantwortlich seien. Und man denke an die Attacken gegen Christian Drosten. Und man denke vor allem an Storys über Kinder, die in große persönliche oder öffentliche Katastrophen geraten – wo dann Bild eher kein Herz für Kinder hat – oder es nur vorheuchelt.

Wenn das ZDF nun sagen würde: Wir verzichten auf die Bild-Gala – dann würde Bild sicherlich ein großes Geschütz auffahren und ein Gewitter gegen das ZDF lostreten. Aber dem ZDF steht diese Gala nur vordergründig gut zu Gesicht. Vielmehr sollte sich der Sender von dieser Bild-Reklame lösen und eine eigene Kinderspendengala auf die Beine stellen.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 3. März 2022)

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Viertel acht Acht: Aus für Julian Reichelt

Dienstag, den 19. Oktober 2021
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MO 18.10.2021 | 20.15 Uhr | Bild

Soll Christian Lindner Finanzminister werden? Es ist ein sehr aufregendes Thema, das am Montagabend in der Bild-Talkshow “Viertel nach Acht” besprochen wird. Hans-Ulrich Jörges liefert eine interessante Analyse.
Ja, also, unter normalen Umständen wäre das wirklich total interessant gewesen. Dass aber Moderator Paul Ronzheimer ein bisschen abwesend wirkt, hat einen Grund: Es gibt an diesem Abend ein viel aufregenderes Thema: Bild-Chef Julian Reichelt ist nicht mehr Bild-Chef. Gefeuert. Neue Enthüllungen zu seinem Führungsstil hat bei Springer dazu geführt, dass man Reichelt offenbar nicht mehr halten kann.

Normalerweise werden bei “Viertel nach Acht” (also, eigentlich müsste die Sendung ja natürlich “Viertel Neun” heißen) die heißen Themen des Tages besprochen.
Um Reichelt ging es aber erst ganz am Schluss, denn da konnte Ronzheimer nicht mehr an sich halten. Unter Tränen sagte er, es sei ein schwerer Abend. Er wolle sich bei Julian Reichelt bedanken. Er habe “Bild live” erfunden und “Viertel nach Acht” erfunden, er sprach von “journalistischen Glanzleistungen”, von seinen Ideen, von seiner Power und davon, dass er viele Menschen bei Bild geprägt habe. “Julian, wir denken an dich!”
Warum Julian Reichelt nicht mehr bei Bild ist, hat Paul Ronzheimer vorsichtshalber nicht erwähnt, vermutlich hätte er da dann wirklich heulen müssen, angesichts der Verfehlungen, um die es da offenbar geht. Bild hat auch in den schriftlichen Meldungen nur den Wechsel verkündet – nur nur extrem vage den Grund dafür.

Neben Ronzheimer und Jörges gab es drei weitere Gäste. Eine Frau aus der Bild-Redaktion schloss sich den Wünschen an, Bela Anda wollte dann auch noch was sagen, und es ist ein Wunder, dass nicht gleich noch das ganze Team an der Kamera vorbeigelaufen ist – entweder mit einem Schweigemarsch oder mit “Ich wollte auch noch was sagen.”
Dem Einzigen, der das komisch vorkam, war Hans-Ulrich Jörges. Er meinte angesichts des Sendungsendes, dass das ja eigentlich er Beginn einer Diskussion sein müsse, und weil keine zeit mehr sei, wolle er lieber gar nichts sagen. Bei der unangenehmen – wenn auch verständlichen – Heulerei um Jörges herum, fand er dann doch noch gute Worte in dieser seltsamen Situation.

-> Der Ausschnitt aus der Sendung bei Twitter

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Es geht um Deutschland – Wahl 2021

Mittwoch, den 29. September 2021
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MO 27.09.2021 | 12.00 Uhr | Bild

Man kann vom oft meinungsstarken und oft provokanten Bild-Fernsehen halten, was man will: Wenn man die Wahlberichterstattung von Bild und vom Ersten miteinander vergleicht, dann wird man feststellen: Die einen sind auf jeden Fall kurzweilig und mitunter auch spannend, während die anderen doch relativ dröge daherkommen.

Montag, der Tag nach der Bundestagswahl. Um das Geschehen aufzuarbeiten, zeigt Das Erste nach einem extralangen Frühstücksfernsehen gleich noch eine extra lange Tagesschau – nämlich mehr als fünf Stunden (!) lang.
Eine lange Strecke, und sie wurde schnell ermüdend. Denn dadurch, dass die ARD diese sehr lange Informationsstrecke als “Tagesschau” auf Sendung brachte, war auch ein gewisses Korsett vorgegeben. Susanne Holst moderierte im Studio, zwischendurch ein erstaunlich schlecht moderierender Typ im ARD-Hauptstadtstudio. Hier mal ein Interview, da eine Pressekonferenz, und zwischendurch ein paar Berichte, die sich später wiederholten.
Da fehlte es an Pfiff, an Abwechslung – aber vor allem auch mal an Meinung, an Streit und prägnanter Einordnung.

Da war das Live-Programm von Bild am Montag durchaus eine Abwechslung – und sorgte auch für die eine oder andere Überraschung. “Es geht um Deutschland – Wahl 2021” war der natürlich etwas theatralische Titel der stundenlangen Sondersendung.
Das Konzept: Die Live-Schiene wird begleitet von einem Moderator, einer Moderatorin und zwei Kommentatoren, so dass sich während des Tages immer wieder Gespräche ergeben. Ganz auf den Punkt kommentierten sie den Plan von Armin Laschet, doch noch Kanzler zu werden – selbst bei Claus Strunz war darüber eine gewisse Empörung zu hören, immerhin habe die SPD doch ganz klar gewonnen. Und das, wo Strunz und Co. in den vergangenen Wochen die großen CDU-Fanboys waren.
Dass Paul Ronzheimer während der Sendung ständig auf sein Handy glotzt und immer ganz aufgeregt ist, wenn er darauf eine neue News entdeckt und sie vorliest, wirkt zwar sehr albern – was Ronzheimer aber immer wieder erfährt, ist erstaunlich – als ob die Bild irgendwo Mikrofone eingebaut hat, oder die Bild hat lauter Maulwürfe in der Politik.

Die Berichterstattung von Bild zeigt aber, dass man auf keinen Fall alles übernehmen sollte, was die da so machen. Aber es zeigt, dass man auch in der ARD mal vom drögen Einerlei weggehen sollte – sich mehr trauen sollte, für mehr Abwechslung sorgen sollte. Natürlich ohne dabei unseriös zu werden.

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Berliner Runde

Montag, den 27. September 2021
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SO 26.09.2021 | 20.15 Uhr | ZDF

Die “Berliner Runde” am Sonntagabend hatte überraschende Zaungäste. Denn die Diskussion, in der die Spitzenleute der Parteien das Ergebnis der Bundestagswahl durchkauten, lief nicht nur im Ersten und beim ZDF, bei phoenix und bei tagesschau24 – sondern auch bei Bild und dem österreichischen Nachrichtensender oe24.TV.
Ups!

Bild ist ja seit einiger Zeit nicht nur Zeitung, sondern auch Glotze. Nur ein eigenes Wahlforschungsteam konnte man sich wohl nicht leisten, weshalb man bei Bild den ganzen Abend auf die Hochrechnungen von ARD und ZDF zurückgriff. Und als um 20.15 Uhr die “Berliner Runde” begann, da lief die ersten Viertelstunde auch live bei Bild. Und weil der Nachrichtensender oe24.TV aus Österreich zufällig gerade das Signal von Bild übernahm (warum auch immer) lief die “Berliner Runde” nun auch dort.

Was Bild angeht, ist das mehr als erstaunlich. Immer wieder ätzt die Bild gegen die Öffentlich-Rechtlichen. Immer tritt die Bild nach, wenn ARD und ZDF irgendwas machen, was Bild nicht passt. Immer wieder fährt Bild Kampagnen gegen ARD und ZDF. Wenn es aber darum geht, einfach eine Sendung von ARD und ZDF zu zeigen, dann ist sich Bild nicht zu fein dafür. Irgendwie sind ARD und ZDF bäh, aber die Sendung ist dann doch so spannend, dass man sie ungefragt bei Bild im Programm zeigt.
Das war wohl illegal, und wie es von ARD und ZDF heißt, will man wohl rechtliche Schritte dagegen einleiten, dass Bild ungefragt das Live-Signal übernahm.

Dabei war diese “Berliner Runde” dann doch nur eine öde Abfrage von Politiker-Statements. Keine harten Nachfragen, wieso die CDU sagt, sie könne den Kanzler stellen, obwohl die Union krachend verloren hat, obwohl die Union im Osten ganz mies abgeschnitten hat, obwohl die Union hinter der SPD liegt. Keine harten Nachfragen, als Alice Weidel von der AfD behauptet, dass die Freien Wähler ein so ähnliches Wahlprogramm hätten, dass ja die AfD gar nicht verloren habe, weil man ja die Prozente von Freien Wählern und Basis dazurechnen müsse. Dass man diese Lächerlichkeit der AfD durchgehen ließ, ist peinlich für die ARD/ZDF-Journalisten.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek

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