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Bild Live

Mittwoch, den 25. August 2021
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MO 23.08.2021 | 13.00 Uhr | Bild

Julian Reichelt ist wütend. Wann hört die Einmischung in sein Leben auf? Wann gibt es endlich volle Fußballstadien? Warum werden die alle Coronaregeln fallen gelassen? Wie in England! Warum gibt es kein volles Volksparkstadion? Endlich wieder FUSSBALL!! Wann bekommt der Julians ein Leben zurück? Und was ist eigentlich, verdammt noch mal mit dem F U S S B A L L???
Ja, es stimmt, in der Coronakrise beschäftigt uns vor allem, wann beim Fußball endlich wieder Normalität herrscht. Bild-Chef Julian Reichelt hat da einfach den richtigen Riecher, als er am Montag Justiz- und Familienministerin bei “Bild Live” wegen der Coronaregeln grillt.
Die Ministerin bleibt aber ganz ruhig und kontert, dass ja eigentlich die Schulen die höhere Priorität haben.

Schon seit längerer Zeit geht Bild mit bewegten Bildern im Internet auf Sendung, wenn es etwas live zu berichten gibt. “Bild Live” ist nun auch ein richtiges Fernsehformat. Denn am Sonntag startete Bild als TV-Sender. Und am Montagvormittag startete dort “Bild Live” als eigenes Format. Vorerst fünf Stunden lang geht man da täglich live auf Sendung. Und wenn es Breaking News erfordern. Moderiert u.a. von Thomas Kausch, der dafür den NDR verlassen hat. Er hatte wohl keine Lust mehr, seriös zu sein.

Bei Bild weht ein anderer Wind als bei den anderen Nachrichtensendern. Neutralität kennt man bei Bild nicht. Hier zählt: Meinung. Der Spruch “Bild dir deine Meinung” müsste eigentlich “Bild hat schon eine Meinung” heißen. “Wann fallen endlich alle Corona-Maßnahmen?”, steht in großen Lettern am Bildschirmrand, als Reichelt mit Lambrecht über das Thema der Inzidenzzahlen sprach. Wer da von neutraler Berichterstattung faselt, die es nur dort gebe, der hat von neutraler Berichterstattung wohl nur wenig Ahnung.
Bild ist laut, Bild ist Meinungsstark, Bild ist unverschämt. Wer “Bild Live” schaut, hat ständig ein Gefühl der Atemlosigkeit und der Empörung. Denn empörend ist eigentlich alles, worüber Bild berichtet.
Worauf Bild übrigens nicht gern eingeht, sind Pannen. Kommt der angekündigte Einspieler nicht, dann kommt er halt nicht, und man macht halt was anderes. Kommt ein falscher Einspieler, dann gehört der eben schon zum nächsten Thema. Wird eine Sendung rüde durch einen Trailer abgebrochen – wie am Sonntagabend beim Olaf-Scholz-Interview – ignoriert man in der nächsten Moderation die Panne einfach. Bild macht keine Fehler. Oder: Bild redet nicht über seine Fehler.

So berichtete Bild am Montagmittag auch über Georgina Fleur, und Moderator Thomas Kausch musste zugeben, dass er die gar nicht kennt. Aber dafür hat Bild hat die Klatschreporterin, die von einer Schlägerei zwischen den schwangeren Fleur und ihrem Mann Kubi berichtet. Kubi, der Kosename. Kubi ist zwar scheinbar ein Schläger, aber trotzdem kann man ihn bei Bild kosen. Zu sehen sind schockierende Videoaufnahmen eines zerwühlten Zimmers mit lauter Blutflecken. Schlimm. Ist übrigens vom Mai, aber jetzt erst seien die Bilder aufgetaucht – was natürlich immer noch schlimm ist. Auch Monate danach.
In einem Interview kommt ein, ui, Insider zu Wort, der vom Rückflug von Dubai nach Deutschland berichtet, bei dem er dabei war. Kubi habe keinen Coronatest gehabt und sei ausgerastet. Schmutzige Klatschwäsche – live bei Bild.

“Bild Live” errichte schon an Tag 1 viele Zuschauer. “Bild Live” istkrawallig, oft unangenehm, und das will Bild auch sein. Das spannende ist, wie “Bild Live” die restliche Fernsehlandschaft verändern wird, gerade in Breaking-News-Situationen, in denen Bild in Zukunft sehr viel mehr Zuschauer haben wird als bisher nur im Internet. Vermutlich nicht zum Guten – aber die Fernseh-Bild wird die TV-Landschaft ziemlich sicher beeinflussen.

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Die Kanzler-Nacht

Montag, den 23. August 2021
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SO 22.08.2021 | 19.30 Uhr | Bild

Bei Bild sind sich die Bild-Leute einig. CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet hat sich besser präsentiert als Olaf Scholz von der SPD. In der Nachbetrachtung der Kanzler-Nacht am Sonntagabend, in der beim nun auch offiziellen Fernsehsender Bild erst Armin Laschet und dann Olaf Scholz interviewt wurden, sprachen fünf Journalisten – wie gesagt: drei davon von der Bild selbst – über das Fernduell.

“Bild Live”-Chef Claus Strunz sieht Olaf Scholz in einem Schlafwagen sitzen, während Armin Laschet aus seiner Sicht durchstarten würde. Der ehemalige “stern”-Kolumnist Hans-Ulrich Jörges scheint eine andere Sendung gesehen zu haben, denn aus seiner Sicht hatte Laschet das Duell verloren. Woraufhin “Bild”-Zeitungschef Julian Reichelt auch noch mal bekräftigte, wie gut sich Laschet doch präsentierte.

Es war ein Coup: Am ersten Sendetag des Fernsehsenders der Bild fand “Die Kanzler-Nacht” statt. Nach einer Vorberichterstattung sprach Paul Ronzheimer erst mit Armin Laschet, dann Kai Wiese mit Olaf Scholz.
Eines ist in diesen Gesprächen sehr schnell klar geworden: Der Ton wird rauer. Denn die Befrager von der Bild können sich auch schon mal an einem Thema festbeißen. Wenn sie aus den Gästen eine Antwort rausquetschen wollen, die sie unbedingt hören wollen, dann haken sie nach und haken nach und haken nach.

Kai Wiese wollte von Olaf Scholz angesichts steigender Umfragewerte wissen, ob das Aussitzen von Problemen Scholz’ Masche sei. Scholz wandte sich raus, dass es sich nicht um ein Aussitzen handele, aber Kai Wiese wirkte, als habe er Scholz gar nicht gehört und sprach unbeirrt vom Aussitzen, immer wieder. Es wirkte, als warte Wiese darauf, dass Scholz aus Genervtheit irgendwas sagt, was er nicht sagen wollte, um es dann publizieren zu können.
Das ist die Bild-Masche: Beim harten Nachfragen scheint es darum zu gehen, die Gäste nervös zu machen, sie zu irritieren, sie zu nerven, sie in eine Rolle zu drücken.
Es ist eine Kunst, da ruhig zu bleiben, und Olaf Scholz ist das erstaunlich gut gelungen. Mitunter lächelte er auch und meinte, dass man ihm wohl jetzt was in den Mund legen wolle – womit ihm eindeutig was Richtiges aufgefallen war.

Paul Ronzheimer hatte zuvor Armin Laschet einen Ball vor den Fuß gelegt. Laschet dürfe Scholz eine Frage stellen, und der wollte wissen, ob Scholz ausschließen könne, mit der SPD eine Koalition mit den Linken einzugehen.Olaf Scholz wurde damit in eine Zwickmühle gebracht, und man merkte, dass die Situation unangenehm ist. Er versuchte, die Antwort zu umgehen, aber Moderator Kai Wiese ließ das nicht zu. Frage immer wieder. Immer wieder. Was ist nun mit den Linken. Er ließ nicht nach. Was Olaf Scholz ihm sagte, reichte ihm nicht. Scholz sagte nicht definitiv, dass es keine Linke-Koalition gebe, stattdessen sagte er, was eine Regierung leisten und wofür sie sich bekennen solle. Für CDU-Anhänger ein gefundes Fressen, und auch für die Bild.

Der Interview-Stil bei Bild ist deutlich aggressiver als in anderen Talkshows. Das kann man mögen und ablehnen. Interessant ist es aber dennoch, zu sehen, wie die Interviewten darauf reagieren, wie sie damit klarkommen, ob sie aus dem Takt gebracht werden oder gelassen bleiben.
Man kann das volksnah finden – weil Bild mit diesem Fragestil oft die Haltung ihrer Klientel einnimmt -, man kann das auch anstrengend, unangenehm und manipulierend finden. Die Sendung besetzt aber durchaus eine Nische, die es so nur selten in den deutschen Medien gibt.

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Rundschau extra: Zum Gewaltverbrechen in Würzburg

Sonntag, den 27. Juni 2021
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FR 25.06.2021 | 20.15 Uhr | BR-Fernsehen

Gewaltverbrechen in Würzburg. Ein Mann griff andere Menschen mit einem riesigen Messer an. Motive, Opferzahlen – man weiß nichts Genaueres, es gibt nur Gerüchte.
Am Freitagabend übertrug das BR-Fernsehen zeitversetzt in einer “Rundschau extra” eine Pressekonferenz mit einem Polizeisprecher. Darin berichtete der Sprecher, was er wusste. Und sagte aber auch, was derzeit noch nicht bekannt ist.

Natürlich wollten das die Journalisten vor Ort nicht auf sich beruhen lassen. Schließlich habe man ja schon ganz andere Informationen.
Drei Tote, sechs Verletzte soll es geben, aber wollen Sie nichts sagen? Knallharte Fragen an den Polizeisprecher. Und was es vielleicht wirklich ein Migrant, ein Ausländer?
Der Sprecher konnte nur darauf verweisen, dass man es noch nicht sagen könne.
Eine Journalistin las daraufhin von ihrem Handy ab, dass man ja sogar auf einer Nachrichtenseite aus Spanien lesen könne, dass es drei Tote und sechs Verletzte seien. Und warum er das denn nicht sagen könne? Wisse er das nicht? Dürfe es das nicht sagen?
Der Polizeisprecher blieb hart. Er wolle keine Gerüchte verbreiten, was er nicht nicht genau wisse, werde er auch nicht sagen, und die genauen Infos gebe es auf keiner spanischen Nachrichtenseite, sondern bei ihm.
Aber damit machte er die Journalisten natürlich nicht glücklich.

Bei “Bild live” verkauften sie die drei Toten und sechs Verletzten da schon längst in Dauereinblendung. Als Innenminister Joachim Herrmann später in einer bei Bild live übertragenen Pressekonferenz von fünf Verletzten sprach, wurde auch unauffällig die Dauereinblendung verändert.

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Mats Schönauer / Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet

Montag, den 21. Juni 2021
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Die BILD-Zeitung steht seit Jahren unter Beobachtung. Im BILDblog kann jeder nachlesen, was bei BILD schiefläuft. Welche Kampagnen gefahren werden, welche journalistischen Standards mal wieder verletzt worden sind, welche Tabus gebrochen werden – und nicht zuletzt: Fehler, Fehler, Fehler.
Mats Schönauer und Moritz Tschermak haben ihr Wissen aus der Arbeit mit dem BILDblog nun zu einem Buch zusammengefasst: “Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet”.
Dass die BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet, steht dabei nicht zur Debatte, denn die beiden Autoren zeigen sehr gut, dass die BILD-Redaktion das tut und wie sie es tut.

Das wird mit rassistischen Klischees gespielt. Gegen die “Pleite-Griechen” gab es eine riesige Kampagne. BILD hetzt gegen Migranten, in dem aus Kleinigkeiten Mega-Storys gemacht werden, in dem Statistiken fehlinterpretiert werden. BILD positioniert sich zwar gegen den Rechtspopulismus wie von der Afd, bedient ihn aber ganz fleißig. BILD verurteilt zwar Unfallgaffer, will aber Leserfotos. BILD hetzt gegen die Justiz, in dem sie so tut, als würde zu milde gegen bestimmte Straftäter geurteilt. BILD hetzt Menschen gegen Institutionen auf. BILD macht Politik. BILD verbreitet haufenweise Fehlinformationen, insbesondere in Breaking-News-Situationen.
Und, und, und.

Sehr genau beschreiben Mats Schönauer und Moritz Tschermak, wie die BILD arbeitet, welche Strategien sie fährt, wie sie eigene Fehler vertuschen will.
Wer den BILDblog kennt, wird im Buch wenig Neues finden. Für alle anderen ist es eine sehr spannende und lehrreiche Lektüre. Das geballte BILD-Wissen in diesem Buch ist beeindruckend.

Mats Schönauer / Moritz Tschermak: Ohne Rücksicht auf Verluste – Wie BILD mit Angst und Hass die Gesellschaft spaltet
Kiepenheuer & Witsch, 334 Seiten
8/10

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Live: Pressekonferenz nach Bund-Länder-Treffen

Mittwoch, den 24. März 2021
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MO 22.03.2021 | 2.35 Uhr (Di.) | tagesschau24

Es hat ein bisschen länger gedauert. Oder auch ein bisschen mehr. Angela Merkel hat sich den halben Tag lang mit den Ministerpräsidenten gefetzt, um zu regeln, wie denn Deutschland die dritte Coronawelle abwehren könnte. Was dabei raus kam, ist… nun ja.

Aber dass es bis in tiefe Nacht gedauert hat, das ist neu. Um 2.35 Uhr begann die Pressekonferenz nach dem Bund-Länder-Treffen.
Seit 18 Uhr etwa hatten etliche Sender auf diese PK gewartet. Auf phoenix sendete man den ganzen Abend im Splitscreen, immer mit dem Hinweis, dass die Übertragung “in Kürze erwartet” werde. Um kurz nach Mitternacht erwähnte allerdings der Berlin-Korrespondent, dass es wohl erst mal nix werde mit der PK, schon gar nicht “in Kürze”. Damit endete dann die Live-Berichterstattung, und auch als es um 2.35 Uhr endlich losging, schlief man bei phoenix schon tief und fest.

Auch Das Erste und das ZDF waren längst in den Nachtprogramm-Modus gegangen. Bei tagesschau24 hielt man sich dagegen wacker, sendete die Nachrichtenschleife wieder und wieder und wieder. Immer dieselben paar Minuten. Irgendwer muss um 2.35 Uhr aufgeatmet haben, als es live weiterging. Bis etwa 3.20 Uhr dauerte das Ganze, und danach blieb nur noch eine Verabschiedung des Tagesschau-Moderators übrig – vermutlich aufgezeichnet. Um die Zeit hatte nur noch Bild in seinem Livestream die Muße für eine ausführliche und wütende Analyse.

-> Die Pressekonferenz bei der Tagesschau auf Youtube

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BILD.Macht.Deutschland?

Dienstag, den 19. Januar 2021
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MO 18.01.2021 | Amazon Prime Video

So ein Jahr kann einem schon sehr lang vorkommen. So kann man auch schon mal behaupten, man begleite die BILD ein Jahr lang, obwohl es nur ein gutes halbes Jahr war. Aber diese Überhöhungen und Übertreibungen, damit die Schlagzeile besser klingt, kennt man ja von Deutschlands größter Boulevardzeitung. Denn ist Amazon Prime Video mehr oder weniger unbeabsichtigt ein echter Doku-Coup gelungen.

“BILD.Macht.Deutschland?” heißt die 7-teilige Doku, die der Streamingdienst kurz vor Weihnachten online stellte. Der Zuschauer ist ganz nah dran am Redaktionsgeschehen bei der BILD in Berlin, aber auch auf Recherchereisen und anderen Vor-Ort-Terminen.
Das Doku-Team kam gerade rechtzeitig zum Beginn der Pandemie, um zu zeigen, wie die BILD-Leute mit dem Beginn der Krise umgegangen sind. Abstand halten? Maske tragen? In der Redaktion? Am Anfang schien das noch lustig, vielen ging es dabei nicht anders. BILD-Chef Julian Reichelt poltert in der Sitzung, dass man nicht wisse, wo eigentlich die vielen Reporter seien. Draußen sei ihr Homeoffice.
Zigarette qualmend und hinter einem extrem mülligen (also für Redaktionsverhältnisse normalen) Tisch sitzt und dirigiert.

Es waren 2020 zwei große Aufreger-Themen rund um die BILD, die groß diskutiert worden sind. Da gab es einerseits den Zoff um den Virologen Christian Drosten. Das Doku-Team ist hautnah dabei, als Entscheidungen gefallen sind, als der durchaus berechtigte Sturm der Entrüstung auf die Redaktion zurückfiel. Zu sehen ist eine diskutierende Mannschaft, in der längst nicht alle einer Meinung sind. Und ein Julian Reichelt, der Drosten schon deshalb misstraut, weil so viele auf ihn hören. Lieber hätte Reichelt, man höre auf ihn und die BILD.
Als die BILD nach einer Familientragödie in Solingen den WhatsApp-Chat zweier Minderjähriger veröffentlichte, herrschte ebenfalls Empörung. Im Großen und Ganzen sieht Reichelt, so sagt er es in der Doku, keinen Fehler, auch intern gibt es da durchaus Gegenwind.

Das Doku-Team ist auch dabei, um den Aufbau des BILD-Fernsehens zu beobachten, es ist bei Coronaleugner-Demos dabei, im Bundestag und selbst bei einer Kriegsrecherche.
Das alles ist für Medieninteressierte in höchstem Maße spannend. An einigen Stellen kommen auch Kritiker zu Wort. Warum sie zu BILD gehen, obwohl die Zeitung mitunter schwierig sei. Bei den Skandalen und inneren Querelen bleibt die Doku aber im Hause BILD. Das kann man kritisch finden, aber andererseits geht es ja gerade darum, sich selbst ein Bild von den Ereignissen zu machen. Die Doku zeigt. Die Kritik kommt vom Zuschauer.
So gibt es dann auch Momente, die durchaus beeindrucken, die verwundern, manchmal auch abstoßend sind. Wer BILD hasst, wird in dieser Doku viele Gründe dafür finden. Wer einfach nur spannend findet, wie Boulevard-Journalismus gemacht wird, erfährt in dieser Doku sehr viel.
So ist der Titel der Dokureihe so doppelbödig wie die Zeitung selbst: “BILD macht Deutschland” – so wie es die BILD gern hätte. Und: “BILD. Macht. Deutschland.” Denn darum geht es auch in dieser Doku. Um die Zeitung. Um die Macht, die sie haben kann und haben will. Und um Deutschland in einer spannenden Zeit.

-> Die Doku bei Amazon Prime Video

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Das war 2020!

Donnerstag, den 31. Dezember 2020
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Weißt du noch, damals? Als Shows in großen Hallen mit tausenden Menschen aufgezeichnet worden sind? Als in der “heute show” noch Menschen im Studio saßen und gelacht und geklatscht haben? Das war alles davor. Vor Corona.
Kein anderes Thema hat die Menschheit und somit auch das Mediengeschehen 2020 so beeinflusst wie das Coronavirus.

Okay, davor gab es noch die Umweltsau. Corona war noch weit weg. 2020 begann mit einem Skandal, der noch von 2019 ins neue Jahr rüberschwappte. Der WDR-Kinderchor und die Oma, die alte Umweltsau. Satire und so. Die führte jedoch zu einem heftigen Streit. Einerseits der Shitstorm, angeführt von rechten Kreisen. Andererseits beim WDR selbst. Dass sich Intendant Tom Buhrow für eine Satire entschuldigte, anstatt sich näher damit zu befassen oder sich vor seine Leute zu stellen, kam nicht gut an.
Apropos Shitstorm: Der rollt auch 2020 wieder zigfach durchs Land. Weil das RTL-Dschungelcamp in Australien live auf Sendung ging, obwohl es im Land riesige Waldbrände gab, sorgte bei denen, die sich schnell empören, für Empörung. Dass die Brände so weit weg waren, dass es für die Show nicht relevant war – egal. RTL rief stattdessen in den Sendungen zu Spenden auf. Ach, und wer hat eigentlich gewonnen? Kann das mal jemand googlen?
Empörung herrschte auch über den vom mdr übertragenen Semperopernball. Zuvor vergaben die Ausrichter des Balls den St.-Georg-Orden an Abd el Fatah al-Sisi, dem Präsidenten von Ägypten. Menschenrechtsverletzungen stehen bei ihm auf der Tagesordnung, und wie es zur Preisvergabe kam, ist unklar. Es heißt, man wollte einen Ball-Ableger in Ägypten etablieren. Die Wellen schlugen hoch, als Moderatorin Judith Rakers beschloss, die Moderation abzugeben. Mareile Höppner wollte einspringen, wurde aber vom Shitstorm weggefegt – am Ende moderierte Roland Kaiser allein, nicht ohne heftige Kritik zu üben.

Corona trat spätestens am 28. Januar in das Leben der Deutschen. Der erste Fall im Land. In einem “Tagesthemen extra” auf Youtube ist diese Meldung verbreitet worden. Und dann ging alles ganz schnell.
Die Fallzahlen stiegen, Mitte März gab es Einschränkungen und schließlich den ersten Lockdown. Fernsehshows mussten auf Publikum verzichten. Weil Kinos und Theater schließen mussten, zeigte der rbb diverse Aufführungen wie “Carmen”. Musiker gaben Online-Konzerte, viele Theater zeigten Stücke oder Ausschnitte davon live bei Facebook oder Youtube. Die Fußball-Bundesliga pausierte zwei Monate lang, stattdessen liefen am Sonnabend alte Länderspiele. Der Charité-Virologe Christian Drosten stieg zum Star auf, NDR Info bat ihn regelmäßig zum Coronavirus-Update, und Hunderttausende lauschten den Ausführungen. Mangels bewegter Bilder zeigte tagesschau24 den Podcast mit einem Standbild. Die Tagesschau selbst hatte plötzlich jeden Tag fast 20 Millionen Zuschauer. Alle wollten wissen, was los ist in diesem Land. Angela Merkel spricht zu den Deutschen: “Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst.” Die Ansprache sehen auf verschiedenen Sendern gut 25 Millionen Menschen.

Medien im Ausnahmezustand. Und Fernsehsender, die plötzlich spontan umplanen müssen oder in Windeseile neue Formate schaffen. Bei RTL gehen Pocher, Jauch und Gottschalk zur Primetime live per Schaltkonferenz mit der “Quarantäne-WG” auf Sendung. Leider irgendwie ohne Konzept, und nach drei Sendungen ist Schluss. Auf Sat.1 bekommt Luke Mockridge eine einstündige Show, bei VOX sendet Mark Forster aus seinem Studio und holt sich übers Netz Gäste zu sich. Matze Knop witzelt jeden Tag bei Sky Sport News. Alles sehr kurzlebig. Nur Sebastian Puffpaff ist mit seiner täglichen Coronasendung bei 3sat langlebig. Es gibt Comedy-Konferenzen mit langweiligen oder gelangweilten Komikern, die zu Hause in die Kamera starren. “NDR Talk Show” und Co. wandeln sich ebenfalls zu Konferenzschaltungen – und alle zeigen, wie mies das Internet in Deutschland ist.
Kreativ wird Sido. Er meldet sich freitags zwölf Stunden lang live aus einem Berliner Loft – “Zuhause mit Sido” läuft elfmal auf Youtube. Später meldet er sich mit Knossi und weiteren Freunden live auf Twitch aus dem mehrtägigen Angelcamp. Jan Böhmermann und Olli Schulz senden mit ihrem Spotify-Podcast “Fest & flauschig” im Frühjahr fünfmal pro Woche und sorgen für Zerstreuung im Homeoffice. Klaas Heufer-Umlauf sorgt in “Late Night Berlin” für rührende Augenblicke, als er Supermarkt-Angestellten was Gutes tut und im Innenhof eines Altersheims ein Konzert veranstaltet.
Unterdessen gibt es in den Nachrichten jeden Tag die neuen Coronazahlen – und es gibt die, die alles anzweifeln. Lügenpresse. Mainstreammedien. Und andere Kampfbegriffe.
Ein Verlierer sind die Kinos. Diverse Filme verlieren ihren Leinwandauftritt – “Berlin Berlin” läuft nur auf Netflix, “Mulan” für viel Geld nur auf Disney+, auch auf Amazon Prime Video gibt es Filme zu sehen, die 2020 eigentlich hätten im Kino laufen sollen.

Und sonst? Fußball-EM: ausgefallen. Olympia? Ausgefallen. Viele, viele Events sind: ausgefallen. Es ist ein tristes, trauriges, ruhiges Jahr. Als die Bundesliga wieder läuft, ist es immer noch ruhig – in die Stadien darf weiter kein Publikum. Geisterspiele werden zur Normalität.
Auch der Eurovision Song Contest in Rotterdam: ausgefallen. Aus Versicherungsgründen konnte es offenbar auch keinen Ersatz geben. Stattdessen machte jedes Land einirgendein eigenes Finale. Unser deutscher Teilnehmer Ben Dolic – im deutschen Finale in der Hamburger Elbphilharmonie im Ersten war zu erahnen: Wir wären nicht weit gekommen. Bitte nicht wiederwählen.
Der Junior Eurovision Song Contest 2020 in Warschau: zum Glück nicht ausgefallen. Und erstmals nahm Deutschland teil und wurde: Letzter. Glück auf!

Am besten haben es im ersten Lockdown wohl die Bewohner des “Big Brother”-Hauses auf Sat.1 gehabt. Im Februar ziehen sie ein. Als sie später erfahren, was draußen los ist, ist das eine Live-Sondersendung. Experten erklären den Bewohnern, die Pandemie, die draußen herrscht. Die Show geht es – im Gegensatz zu Kanada, wo “Big Brother” abgebrochen werden muss. Am Ende gewinnt übrigens… kann das bitte auch mal jemand googeln? War übrigens ein Flop – leider. Das Publikum will mehr Zoff, mehr Trash – da war “Big Brother” fast erfreulich normal.

Trash, Zoff – da ragen zwei Formate 2020 heraus. In “Promis unter Palmen” auf Sat.1 und im “Sommerhaus der Stars” bei RTL kommt es zu heftigsten Mobbing-Attacken, die beim Zuschauen weh tun und wütend machen – aber eben auch für Quoten sorgen. Der Streamingdienst TV Now und RTL fluten das Land mit Promi-Trash-Formaten – sinnlos, die hier alle aufzuzählen, so schnell, wie sie vergessen werden. In “Kampf der Realitystars” auf RTL zwei regt sich Jürgen Milski über ein Spiel auf, das unter seinem Niveau sei. Lustig. Vor ein paar Jahren hat er bei 9Live noch ganz niveauvoll Zuschauer verarscht. Aber echt.
Und wenn ein Trash-Format plötzlich nicht mehr so richtig trashig ist, ist’s auch falsch: “Schwiegertochter gesucht” kommt 2020 mit ziemlichen Normalos daher – und schon weht auch deshalb wieder ein Shitstörmchen.

Pech hat RTL auch mit “Deutschland sucht den Superstar”. Wobei: Was heißt Pech? RTL rannte mit offenen Augen ins PR-Desaster. Jurymitglied Xavier Naidoo macht mit Corona-Leugner-Videos und wirren Aussagen von sich Reden. Vor den Live-Shows im Frühjahr wird er gefeuert. Dieter Bohlen macht sich lächerlich, weil er stundenlang rumeiert, anstatt um zu erklären, was Sache ist. Für Naidoo kommt Florian Silbereisen in die Jury, und am Ende gewinnt der Schlager: Ramon Roselly kann sich in der Schlagerbranche schnell etablieren. Im Herbst kommt Michael Wendler ins Spiel. Als Jurymitglied soll er für Quote sorgen, aber auch er gleitet in die irre Welt der sogenannten Querdenker ab. Die Medien seien gelenkt, sagt er, auch RTL – und weiteren Stuss. RTL reagiert. Wendler ist raus. Blöd nur: Die Castings sind im Kasten. Im Januar 2021 ist Wendlerzeit bei RTL – bis zum Recall.
Aber warum eigentlich der Wendler? Es war nämlich auch das Jahr von Oliver Pocher. Auch er hatte Corona, und zu Hause begann er, Instagram und Co. zu durchforsten, um den dortigen Irrsinn freizulegen. Seine Videos finden riesigen Anklang, und dabei stößt er auch auf Wendler-Aktionen. Das schaukelt sich hoch bis zu einer gemeinsamen Battle-Show bei RTL. Wendler bekommt Dokusoaps und weitere Angebote. Bis zum Aus.
Und Pocher ist bei RTL omnipräsent. Moderationen, Auftritte und eine eigene Late Night mit Ehefrau Amira.

Wer immer noch fehlt in der Medienlandschaft: Stefan Raab. Vor fünf Jahren stand er das letzte Mal vor der Kamera. Jetzt produziert er nur noch Shows, sitzt in der Regie und frisst Chips. So wird das dem Zuschauer vor jeder seiner Sendungen mitgeteilt, als ob es ein Qualitätsmerkmal sei, dass Raab irgendwie anwesend ist. Doch es herrscht Götterdämmerung. Sein “Free European Song Contest” ist nett, wirkt aber altbacken, wie seine Shows vor zehn Jahren. “Fame Maker”, wo man die Sänger nicht hören kann, ist eine nette Idee, trägt aber nicht ewig. Und die Möchtegern-Late-Night “Täglich frisch geröstet” bei TV Now ist wohl die Enttäuschung des Jahres: nicht täglich, nicht frisch, nicht geröstet, eigentlich nicht mal eine Late Night.

Der Sender Tele 5 steht vor einer ungewissen Zukunft. 2020 erfolgte die Übernahme durch Discovery, die eigentlich durch Dokuformate bekannt sind. Senderchef Kai Blasberg nimmt den Hut.
2020 mussten wir aber noch weitere Abschiede nehmen. Jan Hofer verlässt nach mehr als 35 Jahren die Tagesschau. Die Moderatorin Sabine Sauer geht nach ebenso vielen Jahren in den Ruhestand, ebenso wie ZDF-Wettermann Gunther Tiersch. Hans-Ulrich Jörges verabschiedet sich vom “stern”. Mit Zee.One hat sich ein ganzer Sender verabschiedet – wobei ihn wohl kaum jemand vermissen wird. Und nach fast 35 Jahren endete die “Lindenstraße”. Mit Helga Beimers 80. Geburtstag mussten die Fans sich von der Dauerserie trennen. Das Fernsehballett wird aufgelöst. Die Formel 1 läuft letztmals bei RTL, wandert zu Sky. Eine Ära endete Ende Dezember bei radioeins: Nach 33 Jahren und 1627 Sendungen lief letztmals die Musiksendung “Roots”. Moderator Wolfgang Doebeling geht mit 70 Jahren in Rente.

Sie werden uns fehlen. Die Schauspieler Sean Connery, Michael Gwisdek, Claude Brasseur, Irm Hermann, Kirk Douglas, Renate Krößner, Otto Mellies, Burkhart Driest, Sonja Ziemann, Thilo Prückner, Michel Piccoli und Birol Ünel. Die Komiker Karl Dall, Herbert Feuerstein und Fips Asmussen. Die Comiczeichner Albert Uderzo und Uli Stein. Künstler Christo. Promifriseur Udo Walz. Die Musikschaffenden Gotthilf Fischer, Little Richard, Ennio Morricone, Werner Böhm (Gottlieb Wendehals), Kenny Rogers, Harry Jeske und Trini Lopez. Die Journalisten Gert Müller-Gerbes, Horst Schättle, Mathias Puddig, Hermann Schreiber, Ulrich Kienzle, Geri Nasarski, Sabine Zimmermann, Volker Panzer und Julitta Münch. “Bummi”-Gründerin Ursula Böhnke-Kuckhoff. Fußballer Diego Maradona. Die Politiker Norbert Blüm, Hans-Jochen Vogel, Thomas Oppermann, Wolfgang Clement, Ingrid Stahmer und Barbara Rütting. Die Unterhalter Roy Horn und Mike Shiva. Der Filmemacher Joseph Vilsmeier. Dramatiker Rolf Hochhuth. Der Autor Carlos Ruiz Zafón.

Immer noch da ist die AfD. Da wird von Ermächtigungsgesetzen gefaselt, es werden rechte Youtuber in den Reichstag eingeschleust, und die Querdenker-Bewegung findet man dort auch irgendwie sehr gut. Nicht gut findet die AfD den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Lieber setzt man auf sogenannte alternative Medien oder sorgt gleich selbst für den Content.
Dass die CDU in Sachsen-Anhalt vorsichtshalber nicht über die Erhöhung des Rundfunkbeitrages abstimmen lässt – im Fall dessen, dass die CDU selbst ablehnt, sitzt man in einem Boot mit der AfD und riskiert einen Koalitionsbruch -, und so die geplante Erhöhung vorerst kippt, gefällt der AfD.
Immerhin gibt es bei ARD und ZDF nicht Sendungen bei wie BILD, wo die Moderatoren aus Sponsoringgründen Milchflaschen ins Bild halten und schütteln müssen. “Reif ist Live” war mehr Milchreklame als Fußball-Analyse.

Überhaupt, die BILD. Nach dem Anschlag von Hanau geht “Bild live” auf Sendung, und es werden krude Theorien on Air geschickt. Fakten prüfen? Ach was. Wozu denn?
Nach einem Familiendrama in Solingen veröffentlicht die BILD einen Chat zwischen einem Jungen, dessen Mutter und Brüder tot sind, und dessen Freund. RTL zerrt den Freund vor die Kamera. Die Sensationsgeilheit kennt keine Grenzen. Die Öffentlich-Rechtlichen machen es nicht immer besser: Nach einem Anschlag im hessischen Volkmarsen wird auch in einer hr-Sondersendung rumorakelt.

Und sonst so? Die Ärzte rocken die Tagesthemen. Joko und Klaas müssen sich für Fake-Beiträge entschuldigen – sorgen aber auch für Begeisterung, als sie ihre 15-Minuten-Live-Sendung auf ProSieben für Hinweise auf Frauenrechte und Flüchtlinge nutzen. Die CSU kann ihren Parteitag nur virtuell abhalten. Mal was anderes live auf phoenix: Angelika Niebler hat echt wenige Bücher in ihrem Regal – hätte man sonst gar nicht erfahren. Rezo hat mal wieder zerstört: diesmal die Presse, vor allem die Lügen der Klatschpresse. Der rbb kuschelte im Sommerinterview mit dem Neonazi Andreas Kalbitz (Ex-AfD) an einem lauschigen See. Blöd: Die Recherchen aus dem eigenen Haus haben die Redaktion irgendwie nicht erreicht. Und dann war da noch der Bachelor bei RTL, der am Ende einfach gar keiner Frau eine Rose schenkte. Single zu sein ist doch auch was Schönes.

2021. Bleiben Sie gesund. Werden Sie gesund. Alles wird gut. Hoffentlich.

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