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Die richtigen Fragen: Friedrich Merz

Donnerstag, den 24. September 2020
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SO 20.09.2020 | 21.45 Uhr | Bild

Friedrich Merz hat es wirklich nicht einfach. Ständig wird er missverstanden. Ständig legt man ihm Worte und Gedanken in den Mund, die er so nie gesagt habe. Immer wieder stellen bösartige Menschen Zusammenhänge her, die er nie gezogen hat. Es nicht nicht leicht, Friedrich Merz zu sein.
Aber natürlich ist es auch nicht so leicht, sich so auszudrücken, dass man nicht missverstanden wird. Und vielleicht kann man ja auch einfach mal kurz nachdenken, bevor man was sagt. Es sei denn, man meint etwas genauso, wie man es sagt.

Am Sonntagabend war Merz – er will ja immer noch Bundeskanzler werden – zu Gast in der Talkshow “Die richtigen Fragen” von Bild.
Vermutlich in Bezug auf Jens Spahn wollte Moderator Kai Wiese von Merz wissen, ob er Vorbehalte hätte, wenn ein Schwuler Bundeskanzler werden würde. Antwort von Merz: „Die sexuelle Orientierung geht die Öffentlichkeit nichts an. Solange sich das im Rahmen der Gesetze bewegt und solange es nicht Kinder betrifft – an der Stelle ist für mich allerdings eine absolute Grenze erreicht – ist das kein Thema für die öffentliche Diskussion.“
Er sprach das quasi ohne Punkt und Komma.

Das zweite, was Friedrich Merz zur Homosexualität also einfällt ist, dass sie sich ja eventuell an Kinder ranmachen könnten. Nicht nur, dass Merz eine sexuelle Orientierung mit einer krankhaften Störung gleichsetzt – dass er Schwule und Kinderschänder quasi in einem Atemzug erwähnt, ist atemberaubend.
Dass er sich danach darüber aufregt, dass man da was reininterpretiere, was nicht da sei, ist bemerkenswert. Denn er hat das so klar gesagt, dass es da gar nichts zu interpretieren gibt.

Am Anfang der Sendung sagt Friedrich Merz, dass er sich für die Zukunft halte. Dabei klingt dieser Mann eher wie ziemlich neblige Vergangenheit.

-> Ausschnitt auf Bild auf Youtube und Reaktionen

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Punkt 12: Familiendrama in Solingen

Montag, den 7. September 2020
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FR 04.09.2020 | 12.00 Uhr | RTL

Eine grauenvolle Tat. In Solingen soll eine 27-Jährige fünf ihrer sechs Kinder getötet haben. Nur ihr elfjähriger Sohn überlebte. Die Frau warf sich dann vor einen Zug und wurde schwer verletzt.
Alarm! Bei den Leuten von den Boulevardmedien setzte Schnappatmung ein und das Gehirn aus.

RTL postierte am Donnerstag die Reporterin Alexandra Callenius in Solingen. Sie berichtete über die Einzelheiten dieser Tat. Mit wichtigem Blick erklärte sie, dass man noch nichts Genaueres weiß. Aber man vermutet, dass… Das und das soll passiert sein. Man behauptet, dass… Und es ist alles sehr, sehr unklar.
Und sonst so? Die Gegend sei anonym, keiner spreche miteinander. Und wie sind eigentlich die Kinder gestorben? Ja, das wolle die Polizei nicht sagen, vielleicht wisse sie das auch noch nicht, aber es gebe das Gerücht, dass es so und so geschehen sei, aber wie gesagt, sie sage das alles im Konjunktiv, weil ja niemand so genau was wisse, aber man muss es trotzdem zwingend schon in die Kamera plaudern.

Klar, das war alles sehr dünn, was da am Donnerstagnachmittag live bei RTL.de im Internet erzählt worden ist. So dünn, dass Alexandra Callenius noch ein bisschen weiterbohren musste. So zerrte dann das RTL-Team einen Zwölfjährigen vor die Kamera. Unverpixelt und mit vollem Namen wurde der Junge zu seinem besten Freund befragt – zum Elfjährigen mit dem grauenvollen Schicksal. Zur Sprache kam auch ein WhatsApp-Chat, dessen Screenshots RTL zeigte.
Auch in “Punkt 12” am Freitagmittag zeigte RTL diese Screenshots. Diese intimen schriftlichen Dialoge, geschrieben zu einem Zeitpunkt der tiefsten Erschütterung eines Minderjährigen.

Diese Schnappatmung bei den RTL-Leiten und die Aussetzung des Gehirns hat vermutlich dazu geführt, dass die beim RTL nicht mehr so richtig ticken. Irgendwie nicht mehr ganz rund laufen.
Anders kann man sich diesen journalistischen Bankrott nicht erklären. RTL beruft sich darauf, dass sie die Mutter des Zwölfjährigen gefragt haben, ob sie ihn interviewen dürfen. Nun kann man sich zwar fragen, was das für eine Mutter ist, die ihren Sohn diesem Medienterror aussetzt, man kann aber auch fragen, was da beim RTL schief gelaufen ist. Wie man auf die Idee kommt, ein Kind vor die Kamera zu zerren, um ihn über den traumatischen Moment des besten Freundes erzählen zu lassen.

RTL hat das Material am Freitagnachmittag gelöscht. Für diese Fehlleistung aber um Entschuldigung zu bitten? Niemals! Schließlich habe doch die Mutter… und so weiter.

Dass die Bild-Zeitung später nachzog und auch den WhatsApp-Chat der beiden minderjährigen Jungen, der beiden Kinder veröffentlichte, sorgte dann für einen absolut verdienten und berechtigten Shitstorm. Dass Bild-Chef Julian Reichelt gar nicht so richtig verstehen will, was eigentlich das Problem ist, zeigt eigentlich nicht noch die absolute Gewissenlosigkeit dieses Mannes und seines Teams. Bei Twitter trendete der Hashtag #Drecksblatt. Mehr muss man dazu gar nicht sagen.

-> Einer der Live-Beiträge auf der RTL-Facebook-Seite

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Reif ist Live

Dienstag, den 30. Juni 2020
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MO 29.06.2020 | 14.00 Uhr | Bild

Müllermilch ist ein wirklich sehr leckeres Produkt. Carli Underberg heißt zwar wie ein alkoholisches Getränk, aber eigentlich greift er doch lieber zur Müllermilch. Carli Underberg ist Mitglied der Bild-Chefredaktion, und er moderiert die Fußball-Talkshow “Reif ist Live” bei Bild auf Facebook. Und er mag Müllermilch, erwähnte ich das schon? Er mag so sehr die Müllermilch, dass während seiner Live-Sendung am Montagnachmittag gleich vier verschiedene Müllermilch-Flaschen auf seinem Moderationstisch standen. Natürlich so, dass sie immer im Bild waren, denn ohne Müllermilch mag Herr Underberg gar nicht gerne moderieren.

“Reif ist Live” heißt die Sendung aber nicht wegen Underbergs Müllermilch-Vorliebe, sondern weil sich in dieser sehr seriösen Sportsendung Marcel Reif zum aktuellen Fußballgeschehen äußert. Wichtig zu wissen: Marcel Reif trinkt keine Müllermilch. Zumindest nicht on Air. Was durchaus verwundert.
Während aber Marcel Reif so über den HSV und andere Mannschaften schwadroniert, macht sich der Carli Underberg erst mal eine Müllermilch auf. Er gießt die Müllermilch in sein Glas – allerdings im Off – und dann trinkt er genüsslich von seiner Müllermilch, während Marcel Reif so vor sich hinredet. Ob Herr Underberg allerdings Müllermilch trinkend zuhört weiß man nicht genau, schließlich ist der Genuss der Müllermilch doch so groß, dass das schon mal von Marcel Reifs Gerede ablenken kann. Gut, dass Carli noch ein paar Müllermilch-Flaschen auf seinem Tisch rumzustehen hat.

Tja, eines ist mal Fakt: Wenn Marcel Reif der Hauptdarsteller in der Sendung “Reif ist Live”, dann ist die Müllermilch mindestens die Nebendarstellerin – wenn sie sich nicht sogar an die Hauptdarsteller-Position mogelt.
Immerhin hat Carli Underberg die Müllermilch nicht während der Moderation genüsslich geschüttelt. Und es ist auch kein Kellner ins Studio gekommen, um die Müllermilch-Flaschen auf dem Tisch abzustellen. Und diesmal wurde die Müllermilch auch nicht ganz langsam ins Glas geschüttet.
Das ist nämlich an vorherigen Sendungen zelebriert worden.

Dass die Müllermilch da rumsteht und geschüttelt und getrunken wird, ist natürlich kein Zufall, denn immerhin gibt es eine Einblendung, die besagt: “Unterstützt durch Produktplatzierungen”.
Wobei das natürlich untertrieben ist, und noch nie wurde eine “Produktplatzierung” so ernst genommen wie im ach so journalistischen Sportformat bei Bild. Da unterbrechen die Moderatoren ihre Interviews, um Müllermilch zu schlürfen. Da dreht sich das Gespräch mit dem Keller darum, welche Müllermilch-Sorte der Moderator denn gern haben möchte: Erdbeer. Da wird die Müllermilch so total nebenbei geschüttelt, während eine Interview-Frage gestellt wird.
Und wenn du jetzt sagst: Oh mein Gott, ist das aber bescheuert, albern, hirnlos und dämlich. Dann muss ich dich natürlich beschwichtigen und sagen: Ähm, ja, stimmt.

Alles an dieser, nun ja, Produktinszenierung ist albern. Dass die Müllermilch permant im Bild steht, dass Moderatoren Müllermilch trinken in der Sendung, dass sie die Müllermilch schütteln, und dass das alles so total echt und natürlich wirkt. Nicht.
Aber vermutlich hält man bei Bild die Zuschauer für so beknackt, dass sie der Meinung sind, dass sie die Müllermilch nicht nur platzieren müssen, sondern auch noch ein albernes Theaterstück drumrum basteln müssen. Und dann regen sie sich auf, wenn jemand Bild für unseriös hält.
Es gibt übrigens auch ganz leckere Milch aus der Uckermark in Brandenburg: Hemme-Milch. Wollte ich nur mal erwähnt haben. Weiß auch nicht, warum mir das jetzt einfällt.

-> Die Sendung bei Bild auf Facebook
-> Sammlung und Zusammenfassung beim BILDblog auf Facebook

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Die Zerstörung der Presse

Mittwoch, den 3. Juni 2020
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SO 31.05.2020 | Youtube

Bitter ist, dass er eigentlich nichts Neues erzählt. Gar nichts.
Bitter ist, dass es aber offenbar wieder mal gesagt werden musste.

Rezo hat es wieder getan. Eine Stunde lang dauert auf seinem Youtube-Kanal “Die Zerstörung der Presse”. Sie ging am Pfingstsonntag online. Wobei es natürlich nicht darum geht, dass Rezo irgendwen zerstört. Das war schon bei der CDU so, auch wenn man das in der CDU vielleicht anders gesehen hat. Wenn sich in diesem Fall jemand zerstört, dann ist es eher die Presse selbst.

In seinem neuen Video – in etwas mehr als zwei Tagen hat es schon 1,81 Millionen Klicks – legt er dar, was falsch läuft in der deutschen Presselandschaft. Wobei es vor allem um die Boulevard- und Regenbogenpresse geht, aber auch um vermeintlich seriöse Medien, die falsch recherchieren, zuspitzen oder Fakten bewusst (?) falsch widergeben.
Es geht um die wirren Theorien der Verschwörungstheoretiker, darum, dass sie ihre Fakten aus Quellen beziehen, die oftmals keine sind oder die bewusst (?) falsch gedeutet werden.
Es geht um menschenfeindliche Presse, um Medienkampagnen, wie sie beispielsweise die “Bild” gerade mit Professor Drosten durchzieht oder bei Sido durchziehen wollte. Oder er zeigt, wie manipulativ Presse ist, wenn sie Fragen stellt, aber keine Antworten gibt. Weil es vielleicht keine gibt, aber die Frage eben auch in bestimmte Richtungen lenkt. Er legt anhand seines eigenen Beispiels dar, wie Falschbehauptungen verbreitet und als Fakten dargestellt werden.
Der Axel-Springer-Verlag bekommt sein Fett weg, aber auch die FAZ und taz, ebenso Pseudo-Journalisten wie Ken Jebsen oder andere Faktenverdreher auf Youtube. Und auch die offensichtlichen Lügen der Regenbogenpresse wird gestreift.

Rezo zerstört die Presse nicht. Denn er stellt auch ganz eindeutig klar, dass man nicht alle über einen Kamm scheren könne. Die Tagesschau sei seriös, es gebe viele gut recherchierende Journalisten, die er schätze. Aber er warnt davor, dass sich Journalisten ihren eigenen Ruf beschädigen – also noch mehr, als sowieso schon.

Es gibt nun Journalisten, die sagen, dass Rezo ja überhaupt nichts Neues erzähle, das sei kalter Kaffee. Traurigerweise ist das so, ja. Das wissen Medienschaffende, das wissen alle die, die jeden Tag Medienmagazine lesen und sich damit befassen.
An die richtet sich Rezo aber nicht. Rezo richtet sich an seine Zielgruppe, an die Jugend, die auch sonst seine Videos schauen. Er appelliert an sie, genauer hinzuschauen, was die Quellen sind, genauer zu schauen, wem man vertrauen kann.
Und an die Medienschaffenden, an die Journalisten appelliert er, genauer zu arbeiten, Quellen offenzulegen, transparenter zu arbeiten, auch Fehler einzugestehen, wenn sie passieren.

Ob er bei “Bild” und Co. irgendwen wachrüttelt, darf stark bezweifelt werden. Bild-Chef Julian Reichelt twitterte nach Erscheinen des Videos, dass man gefälligst froh zu sein habe, Medien zu haben.
Woran man merkt, dass er geurteilt und geschwafelt hat, bevor er scheinbar das Video selbst gesehen hat. Denn natürlich ist Rezo froh, dass es Medien gibt. Aber es geht ja gerade darum, dass Presse besser arbeitet, dass gerade die BILD Methoden mal sein lässt.

Man kann davon ausgehen, dass sich bei den Medien, bei der BILD wenig ändern wird. Aber vielleicht schafft es Rezo aber, die Nutzer, die Konsumenten, dafür, was sie da lesen und schauen, zu sensibilisieren. Dann hätte er schon was erreicht.

-> Das Video auf Youtube

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Zuhause mit Sido: Zoff mit der Bild

Samstag, den 16. Mai 2020
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FR 15.05.2020 | 8.00 Uhr | Youtube

Es war eine, sagen wir mal, spannende Woche für Sido. Er galt zwischenzeitlich als verloren – an die Verschwörungstheoretiker nämlich.
Dem Hip-Hopper Ali Bumaye sagte Sido in einem Interview in der Youtube-Sendung “Ali therapiert” zuvor, er könne sich vorstellen, dass an der QAnon-Verschwörungstheorie was dran ist. Dabei geht es um eine unsichtbare US-Schattenregierung und darum, zig Kindern in irgendwelchen Bunkern gefoltert und getötet würden, und dass aus deren Blut ein Verjüngungstrank entstehe. Wobei man differenzieren muss: Eigentlich sagte er das so nicht mal genau, er redete nur von Entführungen von Kindern, und dass es reiche Leute mit Einfluss gebe.
Auch sagte er, dass es gut sei, dass es alternative Medien gebe. Er sagte aber auch, dass er sich alternative Medien wünsche, die die Wahrheit sagten, und es scheint eindeutig, dass er damit nicht Verschwörungsmedien meint, die jetzt ihre “Wahrheiten” verbreiten.
Es sind mitunter streitbare Dinge, die Sido in dem Gespräch sagt. Darüber könnte man sicherlich mit ihm diskutieren. Ihn aber in die Reihe der Verschwörungstheoretiker wie Hildmann oder Naisoo zu stellen, ist falsch, unfair und fast schon bösartig.
In einem entsprechen Bericht auf Youtube schreibt die Bild-Redaktion unter das Video: “‘Vielleicht hat er Kinderblut getrunken’, sagt Sido im YouTube-Format ‘Ali therapiert’ von Bushidos Ex-Label-Kollege Ali Bumaye (35) und lacht. Klingt verschwörerisch, war aber nur ein Scherz, über den Sido in der Tat lachte. Und durch diesen Satz begann überhaupt erst das Gespräch darauf zu kommen.

Aber Boulevardmedien wie die “Bild” greifen das dankbar auf. Große Schlagzeilen sorgen für große Aufmerksamkeit. Jetzt auch noch Sido verloren?
In dieser Woche tauchte ein Bild-Kamerateam vor seinem Grundstück bei Berlin auf. Sido bekam das mit und ging auf die Reporter zu. “Schämst du dich nicht? Schämt ihr beide euch nicht?”, fragt er. “Bist du stolz auf deinen Beruf? Bist du stolz darauf, auf das, was du hier machst?” Und die Reporterin antwortet mit schüchtern wirkender Stimme: “Wir fragen ja nur.” Sido will dann wissen, was wäre, wenn bei ihr vor der Tür jemand filmen würde. Sie antwortet, das wäre eine öffentliche Straße, und sie würden ja nicht auf seinem Grund stehen. Sido schäumt, die Reporter seien Dreck, seien Abschaum. “Warum?”, fragt die Bild-Frau. Fast weinerlich fragt sie ihn, warum er sie so beleidige. “Warum sind wir Abschaum?”
Sido wollte schon weggehen, kommt aber noch mal zurück, kommt schließlich aus dem Gartentor und verscheucht die beiden ziemlich rüde. Man hört, dass etwas kaputt geht, wohl ein Mikro.

Die letzte Attacke hätte sich Sido sparen können. Aber grundsätzlich ist sein Ärger verständlich. Da lungert die Bild-Meute vor seinem Grundstück und wundert sich, dass das den Bewohner stört. Das sind widerliche Methoden. Dass der Deutsche Journalistenverband da ausschließlich Sido auffordert, sich zu entschuldigen, ist da fast schon lächerlich, denn auch die Bild-Methode ist zu verurteilen.

Am Freitag war Sido wieder mehr als zwölf Stunden live bei Youtube auf Sendung. “Zuhause bei Sido” ist dann auch am frühen Abend der Vorfall mit der “Bild” thematisiert worden. Ihm sei der Angriff unangenehm sagte er im Gespräch mit seinem Techniker Chris Guse. Gerade in Bezug auf seine Kinder. Er wolle nicht, dass sie sich in der Schule für den Vater rechtfertigen müssten. Wenn nur ein Elternteil nicht gut finde, was er da getan habe und sich die Kinder rechtfertigen müssten, dann sei das falsch. Er wolle, dass seine Kinder normal aufwachsen, ohne den Promi-Einfluss. So ein Angriff sei dafür nicht förderlich. Andererseits machte er aber auch klar, dass die Bild-Aktion selbst Mist war – und dafür wird er auch von seinen Fans gefeiert.
Zuvor hatte er noch im Social Media geschrieben, dass die Reporter froh sein könnten, dass nur das Mikro kaputt gegangen sei.
Und auch zum Vorwurf, er sei Verschwörungstheoretiker äußerte er sich ganz klar. Er distanzierte sich scharf von Leuten wie Hildmann und Naidoo, und er sagte auch, er müsse sich besser überlegen, was er zu bestimmten Themen sagte.

In “Zuhause bei Sido” wirkt Sido nicht, als würde er sich verstellen. In seiner halbtägigen und wöchentlichen Youtube-Sendung ist er ganz er selbst. Und deshalb kann man durchaus ernstnehmen, was er zu den Nachrichten über ihn am Freitag gesagt hat.
Es gibt ganz sicher Dinge, bei denen Sido eine Meinung vertritt, über die man reden könnte, bei der man vielleicht auch nicht auf einen Nenner kommen würde – ein Verschwörungstyp ist Sido dadurch aber noch lange nicht.

-> “Ali therapiert” auf Youtube

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Bild live: Schüsse in Hanau

Freitag, den 21. Februar 2020
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MI 19.02.2020 | 1.30 Uhr (Do.) | Bild.de

Wir wissen nichts, wir können nur vermuten, wir wollen aber nicht vermuten, wir vermuten aber trotzdem.
Willkommen beim Orakel der “Bild”.

Am Mittwochabend kam es im hessischen Hanau zu einer schrecklichen Gewalt. Bei einem rassistischen Anschlag starben zehn Menschen und der Täter. Der Mann schoss unter anderem in zwei Shiha-Bars um sich.
So genau wusste man das am Mittwochabend allerdings noch nicht. Deshalb waren die Berichte im “Nachtmagazin” im Ersten und bei “heute+” im ZDF noch sehr spärlich – aber eben auch sachlich. Sagen, was ist.

Bei Bild.de ging gegen 1.30 Uhr das Format “Bild live” auf Sendung. Nicht für wenige Minuten, sondern fast eine ganze Stunde.
Ohne was wissen.
So was wie ein Reporter filmte sich in Hanau selbst, um zu erzählen, dass es Gerüchte gebe, es handele sich um eine Tat aus dem Clan-Milieu. Vielleicht, ja, vielleicht habe die Tat auch mit Rechtsextremismus zu tun, aber er habe ja nun von vielen die andere Version gehört.

Der, ähm, Reporter vor Ort erwähnte noch, dass er auch mit mutmaßlichen Angehörigen von mutmaßlichen Todesopfern gesprochen habe. Man habe ihm das Handy runterschlagen wollen.
Wundert sich der “Bild”-Mann.
Schade nur, dass es niemandem gelungen ist, durch eine spontane Smartphonekassierung, dieses journalistische Machwerk zu verhindern.

Der Moderator fragte dann auch gleich, wie das denn so ist, in Hanau. Ist das da wirklich ein großes Problem, diese Clans? Und, ach, Moment: Ein Russe soll es gewesen sein. So orakelten sich die “Bild live”-Leute durch die Nacht.
Einfach mal abwarten? War nicht drin. Und immerhin habe man ja ganz deutlich gesagt, dass es sich nur um Gerüchte handele – was sei denn schon dabei? Bei “Bild” selbst fand man diese Sendung jedenfalls ganz dufte.
Blöd nur, dass am Donnerstagmorgen ganz andere Erkenntnisse vorlagen. Aber so lange wollte man einfach nicht warten mit der reißerischen Berichterstattung.

-> Mehr und Ausschnitte bei Übermedien.

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Tagesschau: Zwischenfall um Jan Hofer

Samstag, den 16. März 2019
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DO 14.03.2019 | 20.00 Uhr | Das Erste

Dieser Fernsehmoment gehörte zu den gespenstischsten seit langem. Donnerstagabend sprach Jan Hofer (69) die “Tagesschau”, und während der Sendung wirkte er zunehmend fahriger. Immer wieder verhaspelte er sich. Als er das Wetter ansagte, hatte er schon ganz große Augen.
Der Schock dann nach dem Wetter: Als Hofer die “Tagesthemen” ankündigen soll, steht er ans Pult gelehnt und zu Seite blickend. Er schwankt leicht und scheint in eine Richtung zu starren.
Schwarzbild und Filmbeginn.

Es wirkte wie ein Schlaganfall, es war angsteinflößend. Was ist los mit diesem Mann?
Wie es heißt, kam kurz danach der Rettungswagen. In der Klinik sei Hofer untersucht worden. Alles okay. Er hatte wohl eine verschleppte Grippe und vertrug ein Medikament nicht.
Hinzu kommt, dass Hofer wahnsinnig viel zu arbeiten scheint. Allein am Sonntag sprach er sämtliche “Tagesschau”-Sendungen zwischen 9.55 und 23.10 Uhr. Das ist für einen 69-Jährigen eine Menge Holz.

Hofer wollte die Sendung am Donnerstag unbedingt durchziehen, am Ende ging es nicht mehr. Es schien, als habe er vergessen, dass die Verabschiedung in anderer Position erfolgt. Vielleicht hätte er noch ein “Tschüss” rausbekommen, wenn er Rotlicht in der anderen Kamera gesehen hätte.
Aber hätte der Regie nicht vorher schon auffallen können, dass irgendwas ist. Oder hat Hofer vielleicht zwischendurch Signale gegeben, dass es schon irgendwie gehen wird?

Am widerlichsten war übrigens mal wieder die “Bild”. Die zeigte auf der Titelseite einen Screenshot des unheimlichen Momentes. Einen Mann, der zu dem Zeitpunkt nicht Herr seine Sinne war. Dazu ein Protokoll der Versprecher. Ist solchen Journalisten eigentlich kotzübel, wenn sie sowas fabrizieren?

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