RTelenovela

Bielefeld gibt es nicht

Donnerstag, den 3. September 2009
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Okay, das ist ja nichts Neues: Bielefeld gibt es nicht. Eine Stadt dieses Namens hat nie existiert. Aber es soll ja Menschen geben, die sich an der Bielefeldverschwörung beteiligen und behaupten, es gebe doch eine Stadt, die so heißt und wo tatsächlich jemand wohnt.
Und ich gebe zu: Ich habe mitgemacht. Ich war Teil der Bielefeldverschwörung. Ich habe 2006 sogar einen Artikel geschrieben, in dem jemand vorkam, der angeblich dort gewohnt hat.

Hin und wieder surfe ich über meine eigenen Seiten. Dabei stieß ich auch auf diesen Bielefeld-Text.
Und da fiel mir etwas Merkwürdiges auf. Im gesamten Text kam das Wort “Bielefeld” nicht vor. Es fehlte einfach, obwohl es in der Ursprungsversion an einigen Stellen stand. So hieß es: “…T. (24) wohnt in, an der Uni…” Und welches Wort fehlte? Bielefeld.
An einer anderen Stellen fehlte genau dieses Wort noch einmal.
Das ist ein neuer Beweis: Bielefeld gibt es nicht. Behauptet jemand das Gegenteil, wird das Wort einfach gelöscht.
Ich habe “Bielefeld” wieder in den 2006er-Text eingefügt. Mal sehen, wie lange es dort stehenbleibt…

aRTikel

402 Kilometer

Mittwoch, den 20. Dezember 2006
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Birkenwerder – Bielefeld: Tessy (24) und Benny (21) führen eine Fernbeziehung

MAZ Oranienburg, 20.12.2006

BIRKENWERDER

So richtig ernsthaft gestritten haben sie nie. Telefoniert wird jeden Tag. Die Sehnsucht ist groß. Tessy und Benny sehen sich viel zu selten. Im Januar 2007 sind die beiden seit vier Jahren ein Paar. Benny (21) lebt in Birkenwerder und studiert an der TU Berlin Technische Informatik. Tessy (24) wohnt in Bielefeld, an der Uni belegte sie das Fach Klinische Linguistik. Von Anfang an war klar, dass sie eine Fernbeziehung führen würden. „Ich habe Benny 2001 über einen Freund kennengelernt“, erinnert sich Tessy. „Er war ein echter Physikfreak und schwebte in seinen Sphären, was mir erst mal überhaupt nicht imponiert hat.“ Nach dieser ersten Begegnung haben die beiden trotzdem oft gechattet, später auch telefoniert. „Er wurde mein bester Kumpel, wir haben uns alles erzählt.“ Das längste Telefonat dauerte fünf Stunden. „Er wollte eigentlich immer mehr als ich“, sagt sie. „Irgendwann hat er es aber akzeptiert.“ Als er sie dann über Silvester besuchte, „sprang der Funke doch über“. Nun waren sie also ein Paar. Doch zwischen ihnen liegen 402 Kilometer. Sie in Bielefeld, er in Birkenwerder. „Wir haben uns dann erst mal drei Wochen nicht gesehen. Das war echt dramatisch!“ Mehr als ein Jahr hatte sie daran zu knabbern, dass sie sich nur selten sehen würden.
„Für mich war das blöd: Benny hat bei sich Familie, Freunde und Hobbys, sein ganzes soziales Umfeld. Ich war zunächst auf mich allein gestellt. Ich war noch neu in Bielefeld, keine Familie, keine Ablenkung.“ Tessy hat ein Foto auf dem Schreibtisch zu stehen. „Und ein Liebesgedicht, das er mir mal geschrieben hat.“ Klar – der Sex fehlt, die Umarmungen auch. „Da hilft es manchmal auch nicht, nur zu telefonieren.“ Und andere Männer? „Ja, es gab da mal jemanden. Und wenn ich Benny da nicht gehabt hätte, wäre es auch zu überlegen gewesen. So aber kam es nicht in Frage.“
Dass Benny so gar nicht eifersüchtig ist – ja, das stört sie durchaus ein wenig. „Ich versuche, ihn manchmal zu ärgern, aber er ist null eifersüchtig. Er ist sich seiner Sache sehr sicher.“ Sie selbst ist da ein wenig anders. „Benny spielt in einer Band und wer weiß, was da für Mädchen bei den Konzerten auftauchen.“
„Es gibt Momente, da ist so eine Fernbeziehung ganz schön anstrengend. Ich weiß jetzt schon, wenn ich nach Silvester wieder nach Bielefeld fahre, wird das schwierig werden.“

„Sie fand mich total doof“, erinnert sich Benny an die Anfangszeit ihrer Beziehung. „Ich habe sie mit irgendwelchen wissenschaftlichen Vorträgen genervt und habe gemerkt, dass ich da aneckte. Ich fand sie aber gleich toll.“ Schnell sah er ein, „dass da nix geht“. Es entwickelte sich eine gute Freundschaft. „Ich dachte, darüber hinweg zu sein.“ Die Liebe, ein schleichender Prozess. „Irgendwann blieb sie mit einem Lichtmaschinenschaden auf der Autobahn liegen. Ich habe mitten in der Nacht meinen Vater geweckt, damit wir sie abholen.“
Als sie dann zusammen waren – und doch so weit voneinander entfernt: „Das war immer schlimm.“ Andererseits: „Man ist toleranter. Man bekommt ja nicht alles so ganz genau mit.“ Vieleicht ist das der Grund, warum er nicht eifersüchtig ist. „Sie hält mir das indirekt vor, das gefällt ihr nicht“, sagt er mit einem Schmunzeln. „Aber ich bin mir bei ihr absolut sicher. Ich müsste mich sehr in ihr täuschen.“ Und er gibt ihr auch keinen Grund für Eifersüchteleien. „Was andere Frauen angeht, braucht sie sich keine absolut Sorgen zu machen.“ Ein kategorisches Nein.
„Wenn wir uns wiedersehen, müssen natürlich ein paar Kuscheleinheiten nachgeholt werden“, sagt Benny . Ansonsten sieht er das nicht wirklich als ein Problem an. Und was er am meisten an ihr liebt? „Die roten Locken“, antwortet er.
„Ich weiß eigentlich sehr genau, was bei ihr so los ist. Das heißt: Sie weiß es von mir sogar noch mehr – sie merkt es sich besser.“ Aber er weiß auch, dass es sie stört, dass sie nicht immer daran teilhaben kann, was bei ihm so alles passiere. „Ich denke auch regelmäßig daran, dass es doch schöner wäre, wenn sie jetzt hier wäre.“

Erst nach Weihnachten werden sich die beiden wiedersehen. Und im Spätsommer 2007 könnte die Sache mit der Fernbeziehung auch erledigt sein. Sie wird ihr Studium in Bielefeld beenden. „Dann wollen wir uns eine Wohnung in Berlin nehmen und zusammenziehen“, sagt Benny. Und Tessy: „Am Stadtrand, im Speckgürtel, wäre aber auch ganz schön.“