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Ein Stück Kurfürstendamm im Schillertheater

Donnerstag, den 20. September 2018
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Wir waren bei den allerletzten Aufführungen in der Komödie und im Theater am Kurfürstendamm in Berlin. Die beiden Theater sind in ihrer bisherigen Form Geschichte, der Gebäudekomplex wird abgerissen, und irgendwann entsteht dort etwas Neues.
Bis es so weit ist, kommt die “Komödie” im Schillertheater an der Bismarckstraße unter.
Nun waren wir bei der allerersten Aufführung im Übergangsheim.

Mal abgesehen davon, dass die Gegend natürlich nicht mit dem Kudamm mithalten kann. Die Gegend um den Ernst-Reutter-Platz ist das alte hässliche West-Berlin. Schön ist da eigentlich gar nichts. Bummeln will man da nicht wirklich.
Und auch das Schillertheater versprüht längst nicht so viel Charme. Der Saal ist sehr viel höher, auch die Bühne erscheint viel größer und höher zu sein.

Martin Woelffer kommt auf die Bühne und begrüßt das Publikum. An diesem Mittwochabend werde das Haus quasi in Betrieb gebracht. Zwar ist es noch nicht die Premiere von “Willkommen bei den Hartmanns”, sondern nur eine Voraufführung. Da könne es noch zu Pannen kommen, und am Ende gebe es auch nur eine Verbeugung, und dann sei Schluss.
Tatsächlich ging alles fast pannenfrei vorüber. Durch den größeren Raum scheint es, als ob die Schauspieler deutlich mehr zu tun haben, um verstanden zu werden. Das Stück selbst konnte leider nicht so richtig überzeugen, die Inszenierung ist an vielen Stellen nicht schlüssig, das Ende kommt plötzlich, ist seltsam lapidar und funktioniert irgendwie nicht.

Und wir vermissen die Pausen-Wiener. Die gab es immer in den beiden Kudamm-Theatern. Nun scheint es Bouletten und Kartoffelsalat zu geben – wobei die Bouletten wohl nicht so richtig durch waren und eigentlich keiner so genau wusste, ob und wie man sich da bedienen kann, weil die Speisen ein wenig abseits und unbeobachtet rumstanden.
Aber alles in allem funktionierte Tag 1 im Schillertheater recht gut, und die kleinen Ungereimtheiten spielen sich ganz sicher noch ein.
Aber die Sehnsucht nach dem Kudamm bleibt.

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Berlin-Marathon 2018

Mittwoch, den 19. September 2018
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SO 16.09.2018 | 9.00 Uhr | rbb

Der Marathon in Berlin ist mehr als eine internationale Laufveranstaltung. Es ist ein Mega-Stadtfest. Denn es sind nicht nur mehr als 40.000 Menschen auf der Strecke, sondern auch Hunderttausende, die an der Strecke stehen. Die anfeuern, die Musik machen, die Spaß haben.
Es ist schön, dass der rbb bei der Live-Übertragung darauf eingeht.

Allerdings war die Programmplanung beim Berlin-Marathon 2018 etwas merkwürdig. Denn der rbb ging um 9 Uhr auf Sendung, Das Erste aber erst 9.05 Uhr. Und scheinbar hat den rbb-Reportern keiner Bescheid gegeben, dass man dort schon fünf Minuten früher loslegt.
So waren die Sprecher auf Sendung und rätseln, dass es ja bald losgehen müsse. Und dass ja hoffentlich jemand Bescheid sage. Und andere Belanglosigkeiten.
Irgendwann hat die Regie gemerkt, dass da was schief geht und auf einen Pausenfilm umgeschaltet, bis sich Das Erste dazugeschaltet hat und es losgehen konnte.

Das Erste sendete bis 12 Uhr, danach machte der rbb “allein” weiter, und nach der reinen Sportberichterstattung mit dem Weltrekord ging es dann eher um das Umfeld.
Das ist nicht nur eine ganz andere Komponente dieses Events, sondern macht Spaß, zuzusehen. Wenn Reporter Ulli Zelle etwas ungelenk zwischen einer Trommelgruppe herumstakst und ständig angerempelt wird oder ein Reporter in den Bus steigt,. in dem die letzten Läufer aufgesammelt werden, dann ist das sehr spannend.
Wäre schön, wenn der rbb wieder häufiger Events live begleitet.

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Überraschungsevent (23): Überraschungsvorführung

Dienstag, den 11. September 2018
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(22) -> 18.8.2018

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat durfte sie das Event planen, im Oktober bin ich dran.

Diesmal ging es zum Großplanetarium nach Berlin-Prenzlauer Berg. Allerdings nicht in den dortigen Saal, sondern ins Kino. Dort fand das Festival of Animation Berlin statt. Genauer: die Überraschungsvorführung – was natürlich zu unserer Reihe perfekt passt. Bei dem Kurzfilm-Special zeigte die Jury eigene Filme und solche, die die besonders mögen.
Nach einer kurzen Moderation ging es auch schon los – neun kurze Zeichentrickwerke.

Nun gut. Einige Filme, insbesondere die aus Belgien, waren ziemlich wunderlich oder langatmig. Aber es gab drei sehr gute Filme, die auch bei Youtube verfügbar sind:
“Dame mit Hund” (nur Trailer): Da geht es um einen Tag im Park. Eine Frau mit Hund geht spazieren, der Hund büxt aus. Man sieht quasi von unten nach oben und immer nur die Fußtapsen. Mal was anderes und sehr witzig.
“Flamingo Pride”: Ein Flamingo-CSD, bei dem einer ausschert und vom Trubel die Schnautze voll hat. Extrem lustig und auch sehr schön animiert.
“Our Wonderful Nature: Das gewöhnliche Chamäleon”: Es zeigt ein Chamäleon beim Futtern. Erst eine kleine Fliege, dann ein Schmetterling, und seine Gier wird immer größer. Wir haben sehr gelacht!

Schön wäre es gewesen, wenn wir zwischendurch noch etwas zu den Filmen erfahren hätten, sie liefen hintereinander weg. Eine Frage-und-Antwort-Runde (Q&A) kündigte man nuschelig für draußen an. Das war schade, denn so dauerte das Ganze gerade mal eine Stunde.
Na ja, man kann nicht alles haben.

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ZAPPER VOR ORT: Der Stellvertreter

Sonntag, den 9. September 2018
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SA 08.09.2018 | Berlin, Schlossparktheater

Es war ruhig geworden um Georg Preuße, der lange Zeit als Travestiestar mit seiner Rolle als Mary bekannt war. Um so spannender war es, wie er sich als Papst Pius XII. im bekannten Hochhuth-Theaterstück “Der Stellvertreter” schlagen wird. Immerhin macht das Schlossparktheater auch kräftig Werbung mit ihm, sein Bild ist vorn auf dem Vier-Monats-Programmheft. “Der Stellvertreter” ist das Highlight-Stück der Saison in Berlin-Steglitz.
Am Sonnabendabend war Premiere.

Pater Riccardo (Tilmar Kuhn) ist in Berlin und entsetzt: Er erfährt von Verhaftungen, von Deportationen und vom Holocaust. Er ist empört, auch darüber, dass Papst Pius XII. scheinbar dazu nichts zu sagen hat. Er reist nach Ro, und es kommt tatsächlich zu einem Treffen, das aber anders endet als gedacht.

“Der Stellvertreter” wurde 1963 das erste Mal aufgeführt. Es geht um die umstrittene Rolle des Papstes während des Dritten Reiches. Damals sorgte es für viel Aufsehen, weil eindrucksvoll dargestellt worden ist, wie untätig die Katholische Kirche war, wenn es um die Verbrechen an den Juden ging.
Theater-Intendant Dieter Hallervorden sagt, dass in “Zeiten, in denen AfD-Politiker unverblümt ihre dunkelbraunen Reden schwingen, ist es für ein heutiges Theater geradezu eine Selbstverständlichkeit, zu zeigen, wohin solche Hetzreden, solch eine rechtsradikale ,Alternative’ schon mal geführt haben.”
Dazu allerdings taugt das Stück nicht allzu gut.

Die Frage ist: Was will uns das Stück heute noch sagen? Was erreicht das Stück in meinem Denken? Welche Schlüsse kann ich daraus ziehen?
1963 war die Rolle der Katholischen Kirche ein wichtiges Thema. Doch dazu ist heute alles gesagt – beziehungsweise wird im Stück dazu auch nichts Neues gesagt.
Wenn sich ein heutiges Theater mit Rechtsradikalismus befassen will, müsste es nicht dann auch ein modernes Stück sein. Etwas, das über die heutige Zeit etwas sagt? Oder wenn nicht, dann doch ein Stück, das sich eventuell mit dem Dritten Reich auf Basis von “normalen” Leuten befasst? Das Kirchenthema und die im Stück geführten Diskussionen haben mit dem Lebensalltag der Zuschauer 2018 nur noch wenig zu tun.
Insofern äußert Dieter Hallervorden für sein Theater ein richtiges und wichtiges Ziel – will es aber mit dem falschen Stück erreichen.

Hinzu kommt: Der Hauptdarsteller ist das schwächste Glied im Stück. Georg Preuße als Papst ist eine Enttäuschung. Ihm fehlt es an Ausstrahlung, an Stimme, er kann die Rolle nicht ausfüllen, es scheint, als wären seine schauspielerischen Mittel begrenzt. Dieser Papst lässt einen kalt, und das sollte Papst Pius nun wirklich nicht.
Alle anderen Darsteller, bis in die kleinen Nebenrollen, waren dagegen richtig gut. Tilmar Kuhn, der als Riccardo sein Entsetzen, seine Wut, nicht verhehlen kann, spielt eindrücklich.
Er kann aber auch nicht verhindern, dass insbesondere die erste Hälfte ein wenig langatmig wirkt. Toll dagegen (aber ebenfalls zu lang) ist eine Passage, die hinter einer Schattenwand spielt – eigentlich in Sachen Regie der einzige außergewöhnliche Einfall. Die Spannung zur Pause hin wird erhöht, weil Papst Pius da noch gar nicht aufgetaucht ist. Umso größer ist dann tatsächlich die Enttäuschung.
So hinterlässt diese Premiere leider einen ziemlich schalen Nachgeschmack.

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Wer fremdes Wasser säuft, kennt die Theatergeflogenheiten nicht

Sonntag, den 9. September 2018
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Es war empörend, was da am Sonnabendabend in der Theaterpause im Berliner Schlossparktheater passiert ist. Wollten wir doch glatt ein Fremdwasser saufen.

Um in der Pause nicht nach Speisen und Getränken anstehen zu müssen, kann man im Schlossparktheater in Steglitz, am Tresen schon vorher was bestellen und bezahlen, und dann steht das alles schon auf einem bestimmten Tisch.
Als wir dann in der Pause an unseren Tisch kamen, standen zusätzlich noch ein Wasser und eine zweite Cola auf dem Tisch. Warum, wussten wir nicht so genau, das Glas Wasser hat meine Begleiterin gleich mal geöffnet – obwohl wir das nicht bestellt hatten.

Dann der Eklat. Ein Mann kam zu unserem Tisch. Das sei sein Wasser, sagte er. Kurz waren wir verwundert, aber dann war klar, dass an diesem Tisch zwei Bestellungen hingestellt worden sind. Wir konnten uns nur entschuldigen, zumal vom Wasser noch nichts fehlte. Außer, dass es schon ins Glas gegossen war.
Der Mann aber war EMPÖRT. Wir würden uns wohl mit den Geflogenheiten in einem Theater nicht auskennen, und das sei ja unerhört. Seine EMPÖRUNG war echt, und eigentlich war das schon ziemlich lustig, wie man sich denn wegen so eines kleinen Fehögriffs so aufspulen kann.
Seine Frau kam dann auch noch dazu. Die sagte nichts, guckte aber wie: Ist ja ekelhaft, was sich so für Leute im Theater rumtreiben.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man manche Leute auf die Palme bringen kann. Ob das Frust oder pure Arroganz ist, ist eigentlich egal. Lächerlich aber in jedem Fall.

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Auch Talente scheitern mal

Samstag, den 8. September 2018
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Ob es sein erster Auftritt auf einer Bühne war, wissen wir nicht. Aber er hat ihn grandios vergeigt.
Am späten Freitagabend waren wir bei der Talentschmiede im Berliner Quatsch Comedy Club an der Friedrichstraße. Dort bekommen immer am ersten Freitag des Monats zehn Talente die Chance, sechs Minuten lang auf der Bühne zu stehen.
Ein tolles Format, weil man neue Leute kennenlernt. Man sieht, wie sie gute Shows abliefern, aber es kommt auch vor, dass man Leuten beim Scheitern zusieht.

Der 19-Jährige kam aus Potsdam, und er erzählte, dass er halb deutsch und halb kubanisch ist. Dass er nicht so hübsch ist. Dass er in der Schule deshalb gehänselt wurde. Das war ganz nett, aber ausbaufähig.
Er hatte vielleicht nicht seinen besten Tag, er wirkte fahrig, und irgendwann meinte er, er habe noch zwei Minuten, und jetzt müsse er improvisieren.
Das war keine gute Idee, denn nun begann er zu faseln, und plötzlich sprach er eine Frau im Publikum an. Sie sei ja blond, woraufhin sie rief, sie sei nicht blond. Der Comedian begann nun plötzlich auf sie einzureden, dass es ja unverschämt sei, dass sie die ganze Zeit quatsche, auch schon bei den anderen Jungcomedians. Als es beleidigend wurde, griff der Moderator ein und beendete das Schauspiel.
Dabei hatte er junge Mann vermutlich sogar recht – nur ist es eben nicht so ratsam, von der Bühne herab, das Publikum zu beleidigen und das Ganze entgleiten zu lassen.
Es könnte sein, dass er in ein paar Jahren lachend davon erzählt. Wenn er denn sein Comedyziel weiter verfolgt.

Drei der zehn Talente sind eine Runde weiter und dürfen in der nächsten Show wieder auftreten. Unangefochtener Sieger war Martin Tschirnich, der als Putzfrau Helga aus Rathenow auftrat. Er/sie erzählte von ihrem Ollen, und das macht richtig Spaß. Auch weil das unverkrampft und locker rüberkam.
Und auch Moderator Osan Yaran macht einen extrem guten Job. Auch er legte zwischendurch ein paar Stand-Ups hin, unterhielt sich mit dem Publikum, und als die Situation mit dem Bühnenzoff ausuferte, deeskalierte und schaffte es, das Publikum wieder auf Betriebstemperatur zu bringen. Respekt.

Die Talentschmiede ist auf jeden sehenswert. Weil man nie weiß, was einen erwartet. Und weil nach einem eventuellen Flop, der auch nur sechs Minuten dauert, ziemlich sicher wieder was Gutes kommt.

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Anstehen für den Gemüsedöner? Och nö!

Samstag, den 25. August 2018
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Es gibt Situationen, die muss man sehen. Sonst würde man sie nicht glauben.
Am Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg, fast vor der Tür vom BKA-Theater, gibt es einen Imbiss, in dem es Gemüsedöner gibt. Nun interessieren mich Gemüsedöner herzlich wenig. Viel spannender ist die ewig lange Schlange an dem Lädchen. In Zweier- und Dreierreihen stehen die Leute an, um diesen ach so gesunden Imbissfraß zu bekommen.
Vermutlich steht die Bude in diversen Tourismusführern, und die Touris kommen in Scharen. Oder stellen sich wirklich Berliner dort eine halbe Stunde an, um vor dem Imbiss zu verhungern?
In der DDR kannten wir solche Schlangen durchaus, wenn es nach Monaten oder Jahren mal wieder irgendwelche Bückware gab – aber einen Kreuzberger Gemüsedöner? Das wirkt grotesk.

Wir gingen stattdessen zum “Curry 36″. Vielleicht auch Kult und in irgendwelchen Reiseführern – aber ohne ewig lange Schlange. Boulette mit Pommes. Und Currywurst mit Pommes. Plus Majo. Lecker! Wir waren auch damit zufrieden – wenn auch vielleicht ein Gemüsedöner gesünder sein könnte…