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Bahnbekanntschaften (73): Obama? Wegbomben!

Montag, den 17. Juni 2013
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(72) -> 12.6.2013

Ein älteres Ehepaar sitzt im Regionalexpress zwischen Oranienburg und Berlin. Sie müssen schon eine Weile unterwegs sein, denn zu sagen haben sie sich nichts mehr. Der Mann scheint über Kopfhörer Radio zu hören, denn ab und zu gibt’s von ihm Kommentare zu aktuellen Nachrichtengeschehen.

Wir fahren gerade an Hohen Neuendorf vorbei, als der Mann etwas über den Ausbruch der Windpocken in einem Asylbewerberheim im Norden Berlins erzählt. Seine Frau hat davor schon Angst: Es kämen ja immer mehr Ausländer hierher, sagt sie. Und dann die ganzen Krankheiten, die die mitbringen. Da müsse sich sich ja jetzt schon kratzen, was sie auch gleich mal macht.
Ob Dummheit und Frust auch anstreckend sind? Kurz habe ich überlegt, die Frau zu bitten, mich nicht anzuatmen.

Wenig später informiert uns ihr Mann darüber, dass ja bald Barack Obama nach Berlin käme. Auch dazu hat seine Holde eine fundierte Meinung: Wegbomben solle man den.
Das Gesocks solle zu Hause bleiben.

Ich frage mich allerdings, wer da das Gesocks ist. Ich glaube ja, dass das Gesocks direkt neben mir saß.

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Vor 20 Jahren (96): Waldbühne!

Freitag, den 14. Juni 2013
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(95) -> 12.5.2013

Freitag, 11. Juni 1993.
Eines der Mythen in West-Berlin war die Waldbühne. Ab und zu gab’s von dort mal Konzerte im Fernsehen, und es war immer eine tolle Kulisse. Mehr als drei Jahre sollte es nach der Wende dauern, bis wir endlich auch mal in die Waldbühne gingen.

Wir hatten Tickets für die 4. r.s.2-Oldienacht. Wen wir damals alles live (oder wohl eher mit Playback) erlebt haben, lässt sich leider nicht mehr rekonstruieren. Wohl aber, dass wir begeistert waren – vom Konzert, aber auch und vor allem von der Waldbühne.
Nachdem wir vor dem Haupttor ein wenig angestanden haben, ging es dann aufs Bühnengelände.
Der Blick von oben runter zur Spielstätte ist schon atemberaubend, ich finde noch heute, dass es eine der schönsten (wenn nicht die schönste) Freilichtbühne überhaupt ist. Wenn man dann irgendwo in den Publikumsreihen sitzt und um sich rum 20.000 Menschen mitsingen, mitklatschen, die Welle machen, dann ist man einfach nur beeindruckt – Gänsehaut. 1993 war das nicht anders als es heute, 2013, ist.

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Bahnbekanntschaften (72): Die Entführung der RB12

Mittwoch, den 12. Juni 2013
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(71) -> 29.1.2013

Wenn der Zug plötzlich in die falsche Richtung fährt, dann wird der aufmerksame Bahnkunde unruhig. Eigentlich sollte die Regionalbahn 12 von Berlin-Gesundbrunnen aus nach Oranienburg fahren – Richtung Norden. Als der Zug aber rückwärts aus dem Bahnhof fuhr, war die Überraschung groß.

Zugbegleiter haben normalerweise Ahnung von der Strecke, die sie uns Bahnkunden begleiten. Der Mann, der diesen Job am Dienstagabend ausübte, war leider nicht so ganz auf der Höhe.
Als ich in den Zug stieg, bemerkte ich auf dem gegenüber liegenden Gleis, dass der in Gesundbrunnen endete Zug zehn Minuten Verspätung hat – und auf diesen RE5 müssen wir warten, wegen der Anschlussreisenden.
Ich fragte den Zugbegleiter, ob ich das richtig sehe, dass unser Zug nicht 23.02 Uhr, sondern frühestens 23.10 Uhr losfährt. Nein, sagte der Zugbegleiter, der Zug fahre um 23.02 Uhr. Aha.
Dann sagte der Zugbegleiter, dass wir wegen einer Baustelle außen herum fahren müssten, also über Spandau, Falkensee und Hennigsdorf. Wann wir denn dann in Oranienburg ankommen, fragte ich den Zugbegleiter. Um 23.22 Uhr, sagte der Mann. Ich antwortete, dass ich das bezweifele.

Eine gute Minute später, kam die Ansage des Lokführers aus den Lautsprechern, dass unser Zug etwa zehn Minuten später losfahren würde, wegen der Anschlussreisenen im verspäteten RE5. Der Zugbegleiter reagierte darauf nicht. Ich hatte also recht. Aber wahrscheinlich denkt ein Zugbegleiter da nicht so mit.
Viele Leute saßen in dem Zug, weil auf der S-Bahn-Strecke nach Oranienburg ein Schienenersatzverkehr eingesetzt wurde. Vom Regen in die Traufe.

23.09 Uhr. Der RE5 fährt ein und genau null Reisende steigen aus diesem Zug in unseren. Aber schön, dass wir gewartet haben.

23.11 Uhr. Unser Zug fährt los. In die falsche Richtung. Die Leute sind ratlos. Was mir der Zugbegleiter unter vier Augen mitteilte, hat allen anderen Fahrgästen leider niemand gesagt. Die Deutsche Bahn interessiert es nicht, dass ihr Kunden denken, ihr Zug fahre zum falschen Ziel. Der Zugbegleiter hält es nicht für möglich, alle Leute zu informieren. Einige witzeln, dass wir doch hoffentlich nicht entführt werden. Stattdessen teile ich mein Wissen mit den anderen Leuten. Die sind empört, denn auch sie wissen, dass die Strecke über Spandau sehr, sehr viel weiter ist als direkt nach Oranienburg. Nur der Zugbegleiter weiß das nicht.

23.22 Uhr. Eigentlich hätten wir jetzt in Oranienburg ankommen sollen. Wir sind in Spandau. Langsam rollen wir durch den großen Bahnhof.
Seegefeld, ein Stadtteil von Falkensee. Ich hätte nicht gedacht, dass ich diese Strecke noch mal erleben werde. Als der RE5 noch nicht über Gesundbrunnen fuhr, nahm er auch diese weitläufige Strecke – lang’ ist’s her.

23.32 Uhr. Finkenkrug. Die Frau mir gegenüber hat keine Ahnung, was und vor allem wo Finkenkrug ist. Immer noch ein Stadtteil von Falkensee.
Wir tuckern durch die Dunkelheit, irgendwo vor Hennigsdorf werden wir während der Fahrt von einem Güterzug überholt.

23.56 Uhr. Wir erreichen Lehnitz. Die spannende Frage ist: Werden wir heute noch Oranienburg erreichen?
0.00 Uhr. Oranienburg. Der Zugbegleiter lag ein wenig falsch in der Annahme, dass wir auf der Ausweichstrecke genauso schnell am Ziel sind wie auf dem direkten Weg. Wir brauchten mehr als doppelt so lange. Aber so was kann ein Zugbegleiter ja nicht wissen. Am Ende hatten wir 38 Minuten Verspätung. Selbst mit dem SEV bei der S-Bahn wären wir schneller am Ziel gewesen. Die Bahn hat sich wieder viele Freunde gemacht.

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Klartext-Schöffe und B.Z.-Journalist: mutig oder doof?

Dienstag, den 4. Juni 2013
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MO 03.06.2013 | B.Z.

Alle mutig? Alle doof? Es ist wohl eher Letzteres. Es geht um einen Schöffen und einen Reporter der Berliner Boulevardzeitung B.Z.

Berlin. Im Prozess um den Tod von Jonny K. will sich ein Zeuge an nichts erinnern. Da platzt einem der Schöffen der Kragen: „Sind Sie zu feige oder wollen Sie das Gericht verarschen?“, ruft er.
Ja, könnte man sagen, das ist total mutig, ein toller Mann ist das. Andererseits ist das ziemlich dämlich, denn die Verteidiger der Beschuldigten haben so Gelegenheit, diesen Schöffen jederzeit als befangen abzulehnen. Insofern war es alles andere als clever, so aus der Haut zu fahren.

Aber damit nicht genug. Angeblich hat dieser Schöffe der B.Z. ein Interview gegeben, im Nachhinein bestreitet er das, der B.Z.-Reporter gibt eine eidesstattliche Erklärung ab, dass das Interview stattfand. Der Schöffe motzte laut B.Z. rum, dass die Verteidiger den Prozess kaputtmachen wollen.
Die B.Z. machte am Montag mit der Schlagzeile auf: “Berlins mutigster Schöffe spricht”. Da muss sich der Reporter geirrt haben, denn in Wirklichkeit sprach er mit dem vermutlich doofsten Schöffen – wenn er denn mit ihm gesprochen hat. Dass der B.Z.-Reporter so was mutig findet, spricht ebenfalls nicht gerade für ihn.
Denn das Ende vom Lied: Der Prozess ist geplatzt, Schuld hat der Schöffe, der sich nicht im Griff hatte. Ganz toll gemacht, denn nun wird sich der Prozess noch weiter hinziehen.

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Oberhavel, das teure Tankparadies

Montag, den 6. Mai 2013
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Es muss Unternehmer in Oberhavel geben, die denken, dass wir hier besonders viel Geld haben. Die Mineralölfirmen und die Tankstellenpächter zum Beispiel.
Regelmäßig schüttele ich den Kopf, wenn ich Oberhavel verlasse und die Benzinpreise in Berlins Norden, in Pankow und Prenzlauer Berg, sehe. Oder in Schwanebeck im Barnim, nahe der Autobahn. Preisunterschiede von zehn Cent pro Liter Benzin im Vergleich zu Oberhavel sind keine Seltenheit.

Am Sonnabend wieder: Als ich am Nachmittag in Schwanebeck an der Tanke vorbeifuhr, kostete der Liter Super-E10 143,9 Euro, am Abend, als ich wieder dran vorbeikam und dann auch tankte, 1,469 Euro.
In Birkenwerder-Nord wollten die Ölmultis zur selben Zeit mal fix elf Cent (!) mehr pro Liter, E10 kostete dort 1,579 Euro.
Abzocke? Auf jeden Fall ärgerlich, dass wir hierzulande so viel mehr für den Sprit hinblättern müssen. Die Konkurrenzsituation in Oranienburg jedenfalls, scheint sich aif die Preise ja nicht auszuwirken. Obwohl: Konkurrenz?!…

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Berliner Schleichring

Sonntag, den 5. Mai 2013
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Okay, die Autobahn A10 zwischen dem Dreieck Pankow und dem Dreieck Schwanebeck ist in einem miesen Zustand. Viele Stellen sind geflickt und holprig, aber Schlaglöcher gibt es, so weit ich das überblicken konnte, keins.
Dennoch herrscht auf dem einzigen Berliner Abschnitt des Berliner Rings ein Tempo-60-Limit – wegen Straßenschäden.
Man kann es auch übertreiben, auch mit diesen Schäden wäre ein 80er-Limit locker drin.
Immerhin wird die Strecke ja bald saniert, dann sollte das alles sowieso der Vergangenheit angehören.

Es ist genauso albern, wie das übertriebene Tempolimit auf dem Pankow-Zubringer, der A114. Dort sind auch nur 80 erlaubt, für Lkw nur 60. Aber so dramatisch schlecht ist die Straße dort auch nicht. Aber vielleicht lässt sich ja so mit einem Blitzer ein bisschen Kohle verdienen.

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Kreuzberger Straßenfußball

Donnerstag, den 2. Mai 2013
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Für den Pay-TV-Sender Sky ist die diesjährige Fußball-Champions-League ein Segen. Zwei deutsche Mannschaften im Halbfinale, eines der Spiele konnte Sky exclusiv zeigen.
Das führte auch dazu, dass sich die Menschen zu Dutzenden vor irgendwelchen Fernsehern versammelten, um etwas von diesem Spiel mitzubekommen.

Auf dem Mehringdamm in Berlin-Kreuzberg zum Beispiel. Eigentlich wollten wir gar kein Fußball gucken, wir kamen aber nicht mehr durch.
In einer Kneipe standen mehrere Großbildfernseher, einer im Schauspieler. Der komplette Gehweg war voller Menschen. Auf der Telefonzelle saßen sie, an Tisch, auf Stühlen, die sie aus umliegenden Kneipen mitgenommen haben.
Eigentlich hätte das für das asiatische Lokal das Geschäft des Monats werden können, aber die Leute da waren nicht auf Zack. Auf die Idee, mit Biertabletts rumzugehen, ist keiner gekommen. Die Leute hätten ihnen das Zeug ganz sicher abgekauft.

Als das 1:0 für für Madrid fiel, wurde es kurzzeitig ein bisschen stiller auf dem Mehringdamm, auch beim 2:0. Spannung lag in der Luft.
Passend dazu rollte auf dem Mehringdamm eine lange Schlange Polizei-Mannschaftswagen heran, alle mit Blaulicht. Sie fuhren jedoch ganz gemächlich an uns vorbei, zumal keine Ausschreitungen zu erwarten waren – so lange Madrid kein drittes Tor geschossen hätte. Hat Madrid aber nicht. Mit dem Schlusspfiff stand Dortmund als erster Finalist fest – und die fußballschauende Masse löste sich bald auf. Unser Weg in die Bergmannstraße war nun endlich frei.