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Bettina Rust: Berlin – Lieblingsorte

Sonntag, den 18. November 2018
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Die Journalistin Bettina Rust lebt seit 22 Jahren in Berlin. Bekannt ist vor allem ihre Stimme. Immer am Sonntag moderiert sie die “Hörbar Rust” auf radioeins vom rbb. Außerdem ist sie Sprecherin viele Filmbeiträge in diversen Sat.1-Infoformaten. Mitte der 90er moderierte sie den “0137 Night Talk” unverschlüsselt bei premiere. Bis 2016 hatte sie im rbb die schöne Sendung “Stadt, Land, Hund”, in der sie durch Berlin radelte und interessante Menschen vorstellte.

So etwas Ähnliches macht sie auch in ihrem Buch “Berlin – Lieblingsorte”. Der Titel sagt alles. Bettina Rust stellt dem Leser 60 verschiedene Orte in Berlin vor, die man mal besuchen kann.
Dazu gehören Clärchens Ballhaus, das Tempelhofer Feld, die Monbijoubrücke, das Kulturforum, verschiedene Galerien, spezielle Einkaufsmärkte, diverse Parks und Cafés.
Das Besondere: Fast jede dieser Orte verknüpft sie mit einer eigenen Geschichte. Sie erzählt nicht nur, was es mit diesen Orten auf sich hat, sondern auch, wie sie den Ort entdeckt oder was sie selbst dort eventuell erlebt hat.
Das macht die Lektüre besonders lebendig. Auch deshalb, weil ihre Stimme – wenn man sie in Berlin-Brandenburg öfter hört – im Ohr sehr präsent ist, man den Text also auch akustisch mit ihr verbinden kann.
Diese Sammlung der Lieblingsorte ist eine wundervolle Zusammenstellung, sehr anschaulich aufgeschrieben.

Bettina Rust: Berlin – Lieblingsorte
Insel Taschenbuch, 236 Seiten
8/10

RTelenovela

Überraschungsevent (24): Hey, wir woll’n die Eisbären sehn!

Samstag, den 17. November 2018
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(23) -> 11.9.2018

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. In diesem Monat (eigentlich im Oktober) durfte ich das Event planen, im November ist sie dran.

Diesmal eine Premiere: ein Sportevent. Wir waren diesmal in der Mercedes-Benz-Arena in Friedrichshain – beim Eishockey. Die Eisbären Berlin spielten gegen die Krefeld Pinguins.
Man kann natürlich mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, oder man nutzt das Parkhaus, was auch, ähm, nur 10 Euro kostet. Kleiner Tipp: Die Parkgebühren zahlt man am Automaten am besten, bevor man in die Halle geht.
Wir hatten Plätze in der Fankurve, allerdings im oberen Bereich über den Hardcorefans. Das war ganz gemütlich, weil die Leute dort zwar gut mitmachen, klatschen, jubeln und singen, aber lange nicht so aufgekratzt sind wie die Hardcore-Eisbärchen im Block unter uns.

Der Auftakt ist natürlich eine große Show. Lichter, Feuer, Böller, und die Mannschaften kommen raus. Applaus für die Berliner, höfliche Begrüßung für die Krefelder.
Ziemlich übergangslos geht es dann auch los.
Eishockey wird in dreimal 20 Minuten gespielt. Dazwischen gibt es zwei 18-minütige Pausen.
Relativ zügig fällt das 1:0 für Berlin. Und noch zügiger danach das 1:1.

Um es vorweg zu nehmen: Am Ende steht es 5:3. Und von den acht Toren habe ich nur zwei oder drei wirklich gesehen. Was zum einen daran liegt, dass kein Mucks gemacht wird, wenn der Gegner ein Tor macht. Hat man gerade weggeguckt, fällt das gar nicht auf, und erst der zufällige Blick auf die Anzeigetafel verrät, dass es plötzlich anders steht.
Na ja, und einmal war ich auf dem Klo, während die Eisbären gleich zwei Tore gemacht haben.

Im Fanblock gibt es die Anheizer. Durch die Flüstertüte beginnen sie Gesänge und geben Rhythmen vor. Ein echter Knochenjob, aber die Leute gehorchen. Sie singen Eisbären-Lieder oder davon, dass sie alle anderen Scheiße finden. Und dass die Eisbären Meister werden.
Es handelt sich offenbar um lange bekannte Choreografien, die alle Fans kennen.

Ich muss gestehen, dass mir auch zwei Spielzeiten gereicht hätten. Am Ende wurde es dann, nein, nicht langweilig, aber schon irgendwie langatmig. Auch ist es als Ungeübter relativ schwierig, dem unglaublich schnellen Spiel zu folgen. Der Puck schießt rasend schnell über das Feld, und – zack! – fällt ein Tor.
Zum Schlusspfiff verließen wir die Halle, um im Parkhaus nicht ewig im Stau zu stehen. Das Konzept ging auf. Ein Hardcorefan wird das Verhalten natürlich verurteilen. Denn die Eisbären haben sich völlig zurecht noch von ihren Leuten feiern lassen.

RTelenovela

Bitte nicht mehr husten und klatschen!

Freitag, den 9. November 2018
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Ich gehe hin und wieder gern ins Theater. Man erlebt live ein Stück auf der Bühne, man sieht die Schauspieler. Man sieht, wenn sie gut spielen, auch, wenn sie sich verhaspeln. Und man erlebt ganz direkt die Reaktionen der anderen.
Manchmal aber, da nerven die Leute einfach nur.

Am Dienstagabend im Berliner Schlossparktheater. Die Aufführung von “Was zählt, ist die Familie” ist so gut wie ausverkauft. Es ist laut, die Leute schnattern wild umher. Sie drängeln, sie maulen, wenn ihnen jemand im Weg steht oder etwas nicht so macht, wie es ihnen gerade genehm ist. Ich muss gestehen, dass ich das immer öfter immer schlechter verkrafte. Am Dienstag hat es mich angestrengt, ja, genervt.

Im Saal. Das Stück beginnt, und es beginnt relativ ruhig. Vorne rechts hustet jemand. Hinten links auch. Die Hustenkaskade zieht sich durch den ganzen Raum, und es scheint kein Ende zu nehmen.
Als die Schauspielerin Anita Kupsch die Bühne betritt, will sie gerade was sagen, da applaudieren einige. Nett gemeint, aber völlig unpassend. Anita Kupsch ist merklich irritiert und kurz raus. Später beim Erstauftritt von Dagmar Biener dasselbe, und der nichtklatschende Teil des Publikums machte leise Genervtseinsgeräusche. Dagmar Biener versuchte die Stelle zu überspielen.
Auch später gab es immer mal Applaus an völlig deplatzierten Stellen. Offenbar saß im hinteren Teil des Saals eine Frauengruppe, die meinte, irgendwem was Gutes zu tun.

Völlig grotesk wurde es in der Pause. Da stand ein Theatermitarbeiter hinter einem Tresen und moserte ständig die Leute an, dass sie doch bitte nicht seinen Tisch blockieren. Die Leute standen an der Bar an, und die Schlange reichte bis zu seinem Tisch, an dem eh niemand was kaufen wollte. Dort gab es das Programmheft, das in der Pause kein großes Interesse mehr hervorrief. Immer wieder sagte er eher arrogant zu sich selbst, ob er denn gegen eine Wand spreche, und ob es denn nicht möglich sei, dass sich die Leute woanders hinstellen.
Nein, war nicht möglich, und ehrlich gesagt, war ich kurz davor, noch ein paar Leute anzusprechen, ob sie sich nicht auch noch vor dem Tisch platzieren wollen.

Das Stück war toll, am Ende sogar sehr emotional. Aber ich glaube, die Schauspieler hatten es angesichts der Applaudiererei und Husterei nicht leicht.
Und auch ich dachte zwischendurch, wie schön es doch in einem Kino ist, das ziemlich leer ist. Vielleicht werde ich ja ein Misanthrop.

RTZapper

Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt

Montag, den 5. November 2018
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SA 03.11.2018 | 20.15 Uhr | rbb

Skandal in West-Berlin! Die Schrippen werden teurer! Im Grunde kann sich nun niemand mehr Schrippen leisten, und die “Berliner Abendschau” vom SFB hat mal bei einem Bäcker nachgefragt, wieso die Schrippen nun so unverschämt teurer werden.
Sie haben mal 6 Pfennige gekostet. Nun sollen sie, und durch West-Berlin geht ein gewaltiger Ruck, 7 Pfennige kosten. Unfassbar. Nun wird befürchtet, dass die West-Berliner verstärkt nach Ost-Berlin fahren, um das Schrippen zu kaufen. Dort sind sie nämlich noch billiger.

Willkommen im Jahr 1961. Es sind die Monate vor dem Mauerbau, bald wird die Grenze zwischen Ost- und West-Berlin gebaut. Sie wird bis 1989 stehen.
Der rbb widmet diesen Jahren eine Mammut-Doku. Am Sonnabend lief zur Primetime die erste Folge von “Berlin – Schicksalsjahre einer Stadt”. In insgesamt 30 Folgen werden in je 90 Minuten die Jahre bis zur Wiedervereinigung skizziert.

Das ist mutig: eine 90-minütige Geschichtsdoku am Sonnabend zur Primetime. Zumal es diese Reihe eigentlich schon gab. Sie hieß “Mauerjahre”, und auch dort ging es um die Jahre 1961 bis 1990. Allerdings waren die einzelnen Folgen da nur 15 Minuten lang. Einerseits war das Konzept griffiger, und manchmal ist Kompaktheit besser als ausgedehnte Filme. Und bei “Mauerjahre” gab man sich wesentlich mehr Mühe bei den Grafiken und Layouts, in der Hinsicht wirkt die neue Doku eher lustlos. Auch die eigentlich tolle Katharina Thalbach wirkt als Sprecherin der Doku eher fehl am Platz, weil ihre Stimme sehr prägnant, zu prägnant und knarzig für eine solche Doku ist.

Aber dennoch: Der rbb leistet mit seiner Reihe, dessen 3. Staffel am 9. November 2019 – zum 30. Mauerfall-Jubiläum – enden soll, einen guten Bildungsbeitrag.

aRTikel

Landwirtschaft mitten im Luch

Donnerstag, den 25. Oktober 2018
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Familie Petri wohnt und arbeitet in Moorhof bei Kremmen – die Heuernte bringt Geld ein

MAZ Oberhavel, 25.10.2018

Moorhof.
Janz weit draußen. Wer auf dem Hof der Petris steht, der weiß, was damit gemeint ist. Sie wohnen in Moorhof. Das liegt mitten im Luch, nordwestlich von Kremmen, knappe zwei Kilometer von Linumhorst entfernt. Sebastian Petri ist jetzt 34, seit zwei Jahren lebt er dort mit seiner Frau Juliane (33). Er ist dort aufgewachsen, es ist sein Elternhaus. Inzwischen haben die beiden ein Kind. Jakob ist zehn Monate alt. Die Eltern haben eigene Räume.
War klar, dass Sebastian wieder zurück auf den Hof kommt? „Jein“, sagt er. „Es stand fest, dass meine Eltern irgendwann hier aufhören werden zu arbeiten. Und dass sie es schön finden würden, wenn es hier irgendwie weitergeht.“ Dass er die Landwirtschaft im Nebenerwerb betreiben werde, das sei ihm immer klar gewesen. Aber 2016 hatte das junge Paar entschieden, aus der Berliner Hektik komplett raus nach Moorhof zu ziehen. „Ich finde es angenehm“, sagt Juliane Petri. Sie arbeitet in Berlin-Neukölln als Ausbilderin im Rehabereich. Gerade ist sie aber in Elternzeit. „Das genieße ich.“ Für sie ist Moorhof ihr Zuhause – für ihren Mann und ihre Schwiegereltern auch der Arbeitsort.

Am Morgen geht es für Sebastian Petri aufs Feld raus. Sich um die Tiere kümmern – die Familie hat 140 Kühe und 22 Wasserbüffel, außerdem Pferde, Hühner und Gänse. „Ich schaue, ob es den Tieren gut geht“, erzählt der Landwirt. Im Winter müssen die Kühe zugefüttert werden, im Sommer kommen sie in der Regel selbst klar. Dazu kommen: mähen und pressen. Denn in der Hauptsache leben die jungen Petris vom Handel mit Heu, die Eltern von der Tierhaltung. 86 Hektar Land gehören Sebastian Petri, der Großteil befindet sich bei Hakenberg und nahe Wall.

Den trockenen Sommer erlebte er als durchwachsen. „Wir haben Flächen, wo wir normalerweise 250 bis 280 Rundballen Stroh haben, dieses Jahr sind es 27.“ Aber auf den naturnahen Flächen, in der Nähe der Moore, da habe er keine Ertragseinbrüche gehabt. „Deswegen haben wir letztlich keine Heuknappheit, aber die Qualität des Heus ist durchaus schlechter.“ 2017 stand dagegen auf den Flächen überall das Wasser. Da war es dann auch schon mal etwas schwieriger, überhaupt aus dem Luch wegzukommen.

Was sich Sebastian Petri auf die Fahnen geschrieben hat, ist der Naturschutz. Gemeinsam mit Kremmener Landwirten wollte er sich darum kümmern, die Moore wieder feuchter zu bekommen. „Das wäre gut für die CO2-Reduzierung“, sagt Sebastian Petri. „Leider wurde die Info über das Förderprogramm von Landesebene nicht auf die Kreisebene weitergegeben.“ Dort hänge das Projekt in der Schwebe, bedauert er. Bekämen sie die Förderung, könnten sie Staumarken setzen, um den Moorkörper im Luch feucht zu halten. „Er muss feucht sein, um Wasser aufnehmen zu können. Damit kann auch ein Torfbrand unterbunden werden.“ Er verweist auf die Brände, die im Spätsommer nördlich von Kremmen immer wieder aufgeflammt waren. Allein in diesem Jahr betrage der Moorverlust etwa zwei Zentimeter. „Das ist wahnsinnig viel. Da verändern sich schon die Strukturen der Gräser.“ Auch die Errichtung eines Biomasseheizkraftwerkes ist ihm ein Anliegen. „Man könnte dort Wärme aus Heu erzeugen.“ Das Problem sei allerdings die daraus entstehende Asche. Die werde immer als schädlich angesehen, sei aber in diesem Fall ein „einwandfreier Dünger. Die könnte man wieder auf die Flächen auftragen“, sagt der Landwirt.
Gescheitert ist letzteres Projekt bislang an den Investitionskosten. Die Idee, dass sich die Stadt Kremmen beteiligt, ein Wärmenetz zwischen den Wohnblöcken an der Ruppiner Chaussee und dem Schulgelände aufzubauen, kam nicht zustande. „Alleine können wir das nicht stemmen“, so der 34-Jährige.

Die Petris betreiben einen kleinen Familienbetrieb – da muss am Ende jeder mit anpacken. Wenn seine Mutter irgendwann aufhört zu arbeiten, dann muss seine Frau Juliane Petri in den Landwirtschaftsbetrieb einsteigen. Der Plan steht schon fest. Sie gibt dann ihren Job in Berlin auf. „Nächstes Jahr mache ich erst mal den Traktorführerschein“, sagt sie. „Da habe ich ein bisschen Manschetten.“ Bis dahin kümmert sie sich aber erst mal um den kleinen Jakob.

RTelenovela

Schöne Töne im Kammermusiksaal

Montag, den 22. Oktober 2018
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Wer einem klassischen Konzert lauscht, sollte spezielle Regeln befolgen. Normalerweise wird nicht nach jedem einzelnen Stück applaudiert, sondern immer erst nach dem Gesamtwerk. Und man hat sich zusammenzureißen, wenn man mal husten muss – man wartet im Idealfall bis zum Ende eines Stückes.

Ab und zu mal was Neues. In der Berliner Philharmonie war ich schon mal – nicht aber im dortigen Kammermusiksaal. Dort erlebten wir am Sonntagabend das Formosa-Quartett. Es spielte Musik von Ungarn bis Taiwan.
Auf radioeins gibt es jeden Donnerstagabend die Sendung “Schöne Töne”, in der auch mal etwas abseitige klassische Musik gespielt wird. Daran fühlte ich mich zeitweise erinnert, wenn Musiken gespielt wurden, die schwierige Melodien haben, die die Violine kreischen lassen und zum Zupfinstrument machen.

Ich finde es immer wieder faszinierend, Menschen beim gemeinsamen Musizieren zu beobachten. Wie sie schwierige Stücke spielen und dennoch genau auf dem Punkt zu gewissen Stellen gelangen. Mit welcher Hingabe sie spielen und wie toll das immer wieder klingt.

Ach ja, und dann die Sache mit dem Husten. Meistens klappt das ganz gut. Das Phänomen jedoch ist: Wenn einer doch mal husten muss, dann folgen darauf fast immer ein bis zwei weitere Huster. Wie bei einem Reflex.

-> Und so klingt es: Link zu einem Youtube-Video.

KeineWochenShow

#93 – Die Deutschland GmbH sucht den Superstar

Sonntag, den 14. Oktober 2018
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2019 hat RTL etwas Neues im Programmangebot: die neue Show “Die Deutschland GmbH sucht den Superstar”. In der Jury sitzt Xavier Naidoo. Hui, da freuen wir uns aber drauf!
Wirklich freuen wir uns aber auf die nächsten Folgen von “The good Doctor” bei VOX. Das könnte nämlich der Serienstart des Jahres gewesen sein, und wir erzählen, warum wir so begeistert sind.

Wir sprechen auch über das geplante Dieselfahrverbot in Berlin – und fragen uns, was das eigentlich bringen soll. Rasen die Diesel-Kisten dann durch die Wohngebiete? Und wie könnte eigentlich der neue Oranientaler in Oranienburg funktionieren? Brauchen wir so was?

Das und und mehr gibt es in KeineWochenShow #93 auf YouTube.