KeineWochenShow

#169 – Irgendwie, irgendwo, irgendwann

Sonntag, den 29. März 2020
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Woche 2 in der Coronakrise liegt schon schon hinter uns, und noch dürfen wir zu zweit unsere Sendung fabrizieren. Und natürlich ist es das beherrschende Thema.

Wir haben diesmal einen Gast – oder besser: Ich habe mit Susi ein Videointerview geführt. Sie erzählt, wie ein Coronatest in Berlin gemacht wird – und wie lange man da so warten muss.
Wir sprechen über die Lage in den Krankenhäusern und bei den Tafeln. Es geht um Coronasongs und Coronashows. Um einen Friseur in Hennigsdorf, der einfach weitermachte. Um den Landkreis Ostprignitz-Ruppin, der dicht machte. Wir erinnern uns an damals und zeigen, wie es in Oranienburg aussieht.

Und über das Ende der Lindenstraße sprechen wir am Ende auch noch.
Leider hat der Schnittmeister ganz am Ende den letzten Einspieler vergessen, falls das jemandem auffällt. Holen wir nächste Woche nach!

KeineWochenShow #169 gibt es auf Youtube.

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RTelenovela

Wie traurig wird 2020?

Donnerstag, den 12. März 2020
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Jeden Tag neue Nachrichten zum Coronavirus. Stündlich neue Nachrichten darüber, welche Veranstaltungen abgesagt werden.

Ich bin diese und nächste Woche auf zwei größeren Veranstaltungen in Berlin. Eine Comedyshow und ein Konzert mit elektronischer Musik. Ich muss sagen, ich habe derzeit keine sehr große Lust auf solche Veranstaltungen. Die steigen Fallzahlen in Sachen Corona und die Ungewissheit, wie das alles weitergeht, spielen da eine große Rolle.
Die Zahlen sind klein. Relativ. Und noch. Bei der Grippe ist’s schlimmer. Einerseits. Und noch. Das Problem ist aber nun mal, dass über diese Art des Coronavirus noch nicht viel oder genug bekannt ist. Von einem Impfstoff ganz zu schweigen.
Und es geht jetzt darum, dass die Zahl der Ansteckungen niedrig gehalten wird. Steigen die Zahlen schnell in die Höhe, dann wird es kritisch in den Krankenhäusern. Also noch mehr als sonst.
Auch geht es darum, die Alten und chronisch Kranken zu schützen.

Der Gedanke, dass man es in den nächsten Wochen ruhiger angeht, ist schon seltsam. Am Morgen kam dann aber die Nachricht, dass die Gemeinde Mühlenbecker Land schon mal alle Sommerfeste abgesagt hat. Sommer! Und ich frage mich, wann die anderen nachziehen.
Mich beschleicht nun der Gedanke, dass 2020 ganz schön traurig und depressiv werden könnte. Keine Volksfeste, kaum Veranstaltungen. Und ständig in die Sauna rennen will man ja auch nicht.
Ich kann nicht verhehlen, dass meine Stimmung durch diese ganzen Nachrichten gedrückt ist. Aber vielleicht – nein, ganz sicher – muss man weiter ruhig bleiben.

Berlin und Brandenburg haben inzwischen bis Mitte April Events mit mehr als 1000 Leuten untersagt. Das müsste bedeuten, dass das Elektromusik-Konzert ausfallen müsste, noch gibt es da aber keine Infos. Der Comedyabend findet wohl trotzdem statt. Ich würde wohl mit gemischten Gefühlen hingehen.

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RTelenovela

Wenn Blicke töten könnten

Montag, den 9. März 2020
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Ich bewundere Theaterschauspieler immer wieder dafür, wie viel Text sie sich merken können. Und dazu noch den Text von mehreren Theaterstücken, die sie spielen.
Johannes Hallervorden ist momentan mit “Schmetterlinge sind frei” im Schlosspark-Theater in Berlin-Steglitz zu sehen. Aber er spielt auch immer noch “Der letzte Raucher”, und auf der Theaterseite stehen noch mehrere andere Stücke.

Am Mittwochabend hatten es die Schauspieler nicht nur mit diversen hustenden Leuten zu tun. Irgendwo in den vorderen Reihen saß ein Herr, der immer recht laut das Stück kommentierte.
Es gibt Menschen, die nicht in der Lage sind, einfach mal den Mund zu halten. Oder zu flüstern, wenn es denn unbedingt sein muss. Oder Leute, die nicht begreifen, dass da vorne Schauspieler sind, die Rollen spielen. Da muss man die nicht auf eine merkwürdige Art “ansprechen”.

Die Schauspieler in “Schmetterlinge sind frei” – neben Hallervorden auch die wunderbare Julia Biedermann und Helen Barke – haben sich davon nicht beirren lassen.
Aber zum Schluss – als das Stück vorbei war und die Schauspieler zum Bühnenrand kamen – warf Johannes Hallervorden in Richtung des Störers einen wütenden Blick und ein Kopfschütteln. Wenn Blicke töten könnten, hätte es im Theater an diesem Abend sicherlich ein Opfer gegeben.

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RTelenovela

Berliner Buffet über den Dächern von Berlin

Montag, den 24. Februar 2020
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In Berlin gibt es den Fernsehturm und den Funkturm, und Letzterer führt ein bisschen ein Schattendasein. Auch weil er in Westend ziemlich außerhalb steht, während der Fernsehturm in Mitte genau aus dem Hotspot hervorragt.

Der Funkturm ist 1926 eröffnet worden, er ist 150 Meter hoch, und in 55 Metern Höhe befindet sich ein Restaurant. Das war das Ziel unseres sonntäglichen Familienausflugs.
Denn immer am Abend gibt es dort ein Buffet, schon im Dezember erfolgte die Vorbestellung. Vermutlich wird man dort oft spontan auch gar nicht hochkommen.

Mit dem Fahrstuhl fuhren wir aber erst mal ganz nach oben. Während die Fernsehturm-Kugel relativ breit ist, hat man beim Funkturm oben nur einen schmalen Rundum-Gang. Aber man hat einen spannenden Blick auf das Dreieck Funkturm, an dem die Avus beginnt und die Stadtautobahn durchführt. Zig Rampen führen in verschiedene Richtungen, und überall waren viele Autos zu sehen – auf der Avus allerdings fast nur stadteinwärts.
Auch auf das wunderschöne (hüstel) ICC kann man schauen, auf der anderen Seite das Messegelände.

Sitzt man im Restaurant, kann man auf Westend blicken. Und das Buffet ist voll. Noch bis Ende Februar gibt es dort das Berliner Buffet.
Mit Vorspeisen wie Eisbein-Sülze, Kartoffelsalat mit kleinen Buletten, Currywurst, Matjeshäckerle, Brathering und Shrimps-Cocktailsalat, Lachs und Müritz-Forelle. Außerdem Kartoffelsuppe mit Schinkenknacker.
Als Hauptgang: Spanferkeleisbein, Zwiebelrostbraten, Königsberger Klopse, Lachsforelle oder vegetarisches Hoppel Poppel.
Als Dessert Berliner Luft (Zitronencreme), Mini-Pfannkuchen, Obstsalat, Rote und grüne Grütze, Apfelkuchen und Käse.

Meine Tops: die Currywurst in einem kleinen Glas, der Shrimps-Cocktailsalat (zum Reinlegen), die Kartoffelsuppe, die Klopse, die Lachsforelle.

Und wir haben dazugelernt: Hoppel Poppel. Ich habe den Begriff schon mal gehört, aber dass sich dahinter ein schlichtes Bauernfrühstück verbirgt, hätte ich so nicht gedacht.
Am Ende waren wir seeeehr satt. Nach drei Stunden ging es mit dem Fahrstuhl wieder nach unten. Vielleicht kehren wir im November oder Dezember noch mal zurück – zum Advents- und Weihnachtsbuffet.

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RTelenovela

Überraschungsevent (37): Viel Tunnel am Ende des Lichts

Sonntag, den 23. Februar 2020
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(36) -> 14.1.2020

Der Startschuss fiel im April 2016. Einmal im Monat wollen wir uns gegenseitig überraschen. Und immer darf der andere nicht wissen, wo genau wir hingehen werden – erst vor Ort wird das Geheimnis gelüftet. Der Termin muss beim anderen natürlich abgefragt werden, alles andere nicht. Die Preisgrenze liegt bei 30 Euro. Diesmal durfte ich das Event planen, im nächsten Monat ist sie dran.

Diesmal waren wir in Charlottenburg, und wenn man vor dem Europacenter steht, dann kann man das alte West-Berlin-Gefühl erahnen. Das Europacenter war ja immer das Prestigeding der damaligen Zeit, und als wir in das Einkaufszentrum gingen, ging mir im Kopf herum: Warum denke ich immer, das Ding sei tot? Es herrscht durchaus Leben im Europacenter. Es gibt viele Läden, unten diverse Bars. Und die Stachelschweine.
Das Kabarett-Theater ist in Berlin eine echte Institution. Hier traten Legenden wie Wolfgang Gruner auf. Im vergangenen Jahr feierte es das 70. Jubiläum.

Wir sahen einen Kabarettabend unter dem Motto “Viel Tunnel am Ende des Lichts”. Es geht um eine Frau und einen Mann, die vom Dach des Europacenters springen wollen. Er, weil seine Firma scheinbar ruiniert ist – er stellte Sülze in Dosen her -, und sie, Lehrerin, weil sie auch am Ende ist. Ein Dritter kommt dazu, er will das Center in die Luft jagen. Die anderen denken aber, dass auch er springen wollte.
Und so kommen sie ins Gespräch und besprechen die gesellschaftliche und politische Lage.

Dachte ich am Anfang noch, ob es spannend sein könnte, über Selbstmordgedanken zu reden und ob das den Abend tragen könnte, ging es dann ordentlich zur Sache.
Die Parteien – und zwar alle – kriegten ihr Fett weg, die Politiker, die Gesellschaft. Es ging um die allgemeine Hysterie. Um den Umstand, dass wir nicht mehr miteinander diskutieren können. Darum, was in den Schulen abgeht und wie sehr es mit der Bildung abwärts geht. Um die drohende Spaltung der Gesellschaft, und um die Umwelt ging es auch.

Das Stück ist sehr sehenswert und ein gesellschaftlicher Rundumschlag. Es appelliert, dass wir wieder mehr miteinander ins Gespräch kommen müssen. Um zu erörtern, was ist. Und um Lösungen zu finden.
So spannend der Abend auch war, solche Kabarettprogramme sind auch immer ein Stückweit deprimierend, weil man im Laufe von zwei Stunden gezeigt bekommt, was alles im Argen liegt. Das Kabarett zeigt ein sehr düsteres Bild von der Gesellschaft. Lustig zwar, aber eben eigentlich düster.
Das entspricht der Zeit, und ich fand es auch gut. Aber so mit ein bisschen Abstand frage ich mich auch, ob man so einen Abend so dermaßen düster gestalten muss. Andererseits komme ich dann auch immer zur Antwort, dass ein Kabarettabend keine bunte Gala zur Zerstreuung ist. Es handelt sich dabei auch immer um geistige, manchmal anstrengende Arbeit. Das Stück ist im Idealfall der Beginn für eine längere Unterhaltung darüber auf dem Rückweg.

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RTZapper

Berlinale 2020 – Die Eröffnung

Sonntag, den 23. Februar 2020
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DO 20.02.2020 | 19.20 Uhr | 3sat

Neue Chefs. Neuer Moderator. Und eine Sondersituation.
Die Eröffnung der 70. Berlinale 2020 im Theater am Potsdamer Platz in Berlin war aus gleich mehreren Gründen spannend.
Die vergangenen Jahre waren geprägt vom Doppel Kosslick-Engelke. Auf der einen Seite die charmant-lockere Anke Engelke, die durch die Eröffnungs- und Preisvergabeshows der Berlinale geführt hat. Auf der anderen Seite der Festivalleiter Dieter Kosslick, der sympathisch-bodenständig und schlecht Englisch sprechend das Publikum erfreute.

2020 ist die erste Berlinale mit Carlo Chatrian und Mariette Rissenbeek als Festivalleiter. Und Samuel Finzi ist der neue Moderator.
Und natürlich stand die Eröffnung der Filmfestspiele – am Donnerstagabend live von 3sat übertragen – unter dem Eindruck der Terrortat von Hanau.

So war dann Samuel Finzi auch sichtlich nervös. Lange, etwas zu lange redete er über Filme, seine Erfahrungen und Empfindungen, und eine etwas theaterhafte Stelle wirkte dann auch etwas zu aufgesetzt und deplatziert.
Lange erzählte er auch davon, dass man als Filmemacher die Chance habe, Geschichten zu erzählen, die die Menschen erreichen. Man müsse gerade nach den Ereignissen in Hanau zusammenstehen und für die Demokratie einstehen. Es waren Gänsehautmomente, Augenblicke der Ernsthaftigkeit.
Da wirkte es etwas irritierend, dass eine Frau im Publikum – wohl auch eine Schauspielerin – lautstark eine Schweigeminute forderte. Irgendwie hatte das einen seltsamen Beigeschmack. Lautstark das Schweigen zu fordern hatte dort etwas Despektierliches, zumal auf der Bühne viel über Hanau gesprochen worden ist – und wie sich zeigte, war dann sowieso eine Schweigeminute geplant.

Dass Kulturschaffende sich glasklar gegen den Rechtsextremismus positionieren, ist richtig und gut. Aber sie sind eben auch “nur” eine Eliteblase. Viel wichtiger wäre, wenn sich verstärkt auch die Mitte äußert. Was sie zu selten tut.

-> Die Sendung in der 3sat-Mediathek (bis 21. März 2020)

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RTZapper

Isi & Ossi

Montag, den 17. Februar 2020
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SO 16.02.2020 | Netflix

Mal kurz in eigener Sache: Seit langer Zeit ist mein Lieblings-Burger-King in Berlin-Pankow an der Prenzlauer Promenade dicht. Zwischenzeitlich sah es so aus, als ob eine kleine Kette den Laden übernimmt. Wie sich aber rausstellte, handelte es sich um Dreharbeiten, wofür das Gebäude kurzzeitig wieder in einen Burgerladen verwandelt worden ist. Nämlich für den Film “Isi & Ossi”. Der spielt zwar eigentlich in Mannheim und Heidelberg – für den Burgerladen unternimmt der Zuschauer aber eine Undercover-Reise nach Berlin.
“Isi & Ossi” ist übrigens der erste offizielle deutsche Netflix-Film.

Isi (Lisa Vicari) kommt aus einem reichen Haus in Heidelberg. Ossi, eigentlich Oskar (Dennis Mojen) lebt mit seiner fast mittellosen Mutter in Mannheim, stammt aber ursprünglich aus Brandenburg.
Isi will von ihren Eltern weg, so ganz rebellisch, und fängt in Berlin in einer schäbigen Burgerbude an. Dort lernt sie Ossi kennen. Der will Boxer werden. Sie macht ihm den Vorschlag, so zu tun, als wären sie ein Paar – um ihre Eltern zu ärgern. Er will dafür 25.000 Euro. Aber natürlich kommt dann auch irgendwie die Liebe ins Spiel.

Um es kurz zu machen: “Isi & Ossi” ist nicht gut. Das liegt an der gewollt krassen Geschichte, die aber viel zu oft aufgesetzt wirkt. Da ist der Opa, der peinlicher Nazisprüche ablässt, was aber weder ernsthaft noch satirisch, sondern vor allem albern wirkt. In der Burgerbude von Isi arbeiten lauter dösige Menschen, und man kann sich das Schauspiel gar nicht ansehen, weil es so bescheuert, ohne lustig zu sein, ist.
Hauptproblem aber ist, dass man sich weder mit Isi noch mit Ossi irgendwie identifizieren kann. Irgendwie mochte ich sie nicht, und irgendwie mochte ich so richtig niemanden in diesem Film. Weil sie alle merkwürdige Dinge tun, und der Witz, wenn es ihn denn gibt, auf der Strecke bleibt.
Auch nicht gelungen ist dem Film, die Grenze zwischen Arm und Reich darzustellen – das Thema wird irgendwie oberflächlich angeschnitten, auf merkwürdig lachhafte Weise, die aber ebenfalls nicht zündet und schon gar keine Gesellschaftskritik ist.
Am Ende ist der Film eine Mischung aus lauer Liebeskomödie, öder Klamotte und manchmal seltsam billig wirkenden TV-Trash.

-> Trailer auf Youtube

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