RTZapper

ZAPPER VOR ORT: Mein Lied für dich

Mittwoch, den 18. September 2019
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SO 15.09.2019 | Berlin, Studio Berlin

Das Set ist verhältnismäßig klein und fast intim. An der Decke hängen zwei Kronleuchter, auf der Bühne stehen zwei Sessel und ein Sofa. Am Rand sind Instrumente für eine Band aufgebaut.
Das ZDF hat am Wochenende im Studio Berlin in Adlershof die ersten beiden Folgen einer ganz neuen Show ausgestrahlt. Sie heißt “Mein Lied für dich”, moderiert von Judith Williams.
Es kommt nicht oft vor, dass ich zu einer Show gehe, bei der ich überhaupt nicht weiß, was mich erwartet. Ich wusste nur, dass irgendwer für irgendwen ein Lied singen wird.

Die Stimmung bei der Aufzeichnung am Sonntagabend war entspannt. Dennoch: Erstaunlicherweise mussten wir nicht nur unsere Jacken und Taschen abgeben. Selbst Schlüssel und Handys waren verboten. Alles musste an der Garderobe gelassen werden – ein bisschen übertrieben, wie in einem Hochsicherheitstrakt. Immerhin durfte ich mein Jäckchen anlassen, auch weil ich befürchtete, dass es im Studio wie so oft relativ kühl sein könnte, wollte ich sie nicht hergeben. Schnell war klar: Kühl war es dort nicht.

Nach einem Warm mit den üblichen Hinweisen, dass wir doch bitte allen Leuten einen schönen Applaus spenden sollen, begann die Aufzeichnung.
“Mein Lied für dich” funktioniert so: Jemand kommt, um jemand anderem ein Lied zu singen. Es ist jemand, der einen wichtig ist, der was Tolles geleistet hat, den man liebt oder der es einfach drauf hat und das in der Öffentlichkeit mal zeigen muss.

Los ging es mit einem Busfahrer, der in seinem Bus immer klassische Lieder singt und damit für Aufsehen sorgt. Er springt auch gleich in der ersten Reihe auf, als Judith Williams seinen Namen sagt – dass er nichts geahnt oder gewusst hat, da würde ich mich nicht festlegen wollen. Seine Überraschung ist, dass er mit einem echten Klassikstar am Ende der Show singen darf – was die beiden dann auch machen, und ob die Stunde zum Üben ausreicht – nun ja, man weiß es nicht.

Aber es wird sie geben, die rührenden Momente. Wenn eine ganze Schule für die Lieblingslehrerin singt (leider nur im Filmbeitrag). Wenn eine junge Frau für ihre Frau ein Lied singt, das sie eigentlich schon zur Hochzeit singen wollte, aber sich nicht traute. So viel sei gesagt: Dieser Auftritt ist ganz groß.
Es gibt einige dieser durchaus schönen Momente an diesem Abend.

Die Aufzeichnung dauert mehr als zwei Stunden, und ich bin gespannt, wie sie daraus 90 Minuten schneiden wollen. Ob dieses unaufgeregte, herzliche, manchmal schmalzige Format bei den Leuten ankommt, muss sich zeigen. Es wäre der Show zu wünschen, weil es da mal nicht um Krawall geht oder um große Gewinne.
Judith Williams, die man vom Teleshopping und von der “Höhle der Löwen” kennt, ist allerdings nicht unbedingt die richtige Besetzung für die Show. Ihr fehlt es an echter Herzlichkeit, sie hängt an ihren Zetteln, von denen sie die Moderation abliest, da wünscht man sich mehr Emotionen und dass sie mehr auf die Leute zugeht. Stattdessen wirkt sie höflich distanziert – für diese Art der Show muss sie aber mehr aus sich rauskommen.
Das merkt man auch daran, wie sie jeweils ihre Gäste verabschiedet. Nämlich oft nur nebenbei, manchmal gar nicht, sie geht dann einfach weg und liest schon die nächste Moderation ab. Von den Rängen aus, sahen wir dann, wie einige der Leute etwas irritiert abgingen, manchmal nicht mal empfangen von einem Teammitglied, das den Weg zeigt. Einige Kandidaten standen ewig am Kulissenrand rum, nachdem sie dran waren. Das ist ungewöhnlich für so eine professionelle Show.

Alles in allem war “Mein Lied für dich” vom Publikum aus ein recht kurzweiliger Abend, auch wenn es zum Ende doch etwas zäh wurde. Aber da saßen wir ja auch schon drei Stunden im Studio.
Als wir raus gingen, war es längst dunkel. Wir nahmen unsere Sachen in Empfang, und beim Rausgehen liefen wir an den wartenden Leuten vorbei, die zu “Anne Will” wollten, die wenig später live im Studio Berlin auf Sendung gehen sollte.

“Mein Lied für dich” läuft am 16. und 23. Oktober im ZDF. Ob wir in der ersten oder zweiten Show saßen, sehen wir erst bei der Ausstrahlung. Ich könnte mir vorstellen, dass die zweite aufgezeichnete Show als erstes gesendet wird.

Hits: 82

RTelenovela

Wissenswertes über Erlangen

Montag, den 9. September 2019
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Von München nach Berlin ging es – wie schon auf der Hinfahrt – mit dem ICE. Allerdings um ein paar Euro zu sparen, wich ich in diesem Fall auf den etwas langsameren ICE aus. Der braucht eine gute halbe Stunde länger als der Sprinter. Er hält unterwegs öfter. Während der Sprinter nur in Nürnberg, Erfurt und Halle hält, stoppen wir nun zum Beispiel in Erlangen.
In Erlangen habe ich natürlich sofort den bekannten NDW-Hit “Wissenswertes über Erlangen” im Kopf. Ich suchte den Song von Foyer des Arts auf Youtube – W-Lan sei Dank! Und als wir Erlangen verließen, hatte ich den Erlangen-Song von 1982 im Ohr.

Auch in Bamberg stoppt der Zug, dann in Erfurt und auch in Leipzig. Da hatte ich ein Déjà-vu, denn in Leipzig war ich ja gerade erst. Wir rollen am Flughafen vorbei und fahren dann in die Stadt ein. Das Spezielle: Leipzig hat einen Sackbahnhof, von dort aus fährt der Zug rückwärts wieder raus. Man braucht in der Bahn ziemlich viel Zeit für Leipzig.
Dafür entfällt dann Halle, aber auch in Wittenberg stoppt der ICE nochmal.
Ganz pünktlich rollte der Zug in Berlin-Hauptbahnhof ein. In diesen Fällen ist man als Fahrgast tatsächlich extrem entspannt.

Hits: 109

RTelenovela

Mit dem ICE-Sprinter von Berlin nach München

Donnerstag, den 5. September 2019
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In vier Stunden von Berlin nach München – mit dem ICE-Sprinter. Das wollte ich mal probieren, und weil ich München ja sowieso mag, buchte ich mir ein Hotelzimmer und die Bahntickets.
Mit 153,80 Euro ist man dabei – das ist etwas gleich teuer wie Autofahren, aber ungleich stressfreier – wenn denn alles glattläuft.

Abfahrt in Berlin-Gesundbrunnen: 11.54 Uhr. Als ich den Zug betrete, bin ich in meinem Waggon ganz alleine. Der Nachbarwaggon ist komplett gesperrt, die Klimaanlage ist kaputt, heißt es.
Ich mache es mir auf meinem reservierten Sitz gemütlich, und es geht weiter zum Berliner Hauptbahnhof. Dort füllt sich der Zug sehr merklich.

Wir haben Berlin noch nicht verlassen, da kommt die Hiobsbotschaft. Zwischen Berlin und Halle gebe es eine Stellwerksstörung, wir müssten einen Umweg fahren, was eine Verspätung von etwa 45 Minuten bedeute. Die Leute im Waggon nehmen es erstaunlich gelassen.
Rechtzeitig bevor wir auf die Umleitungsstrecke fahren, kommt aber die Entwarnung: Alles okay, Stellwerk in Ordnung.

Ich dachte ja immer, dass der ICE-Sprinter durchfährt, ohne zu halten. Oder dass er nur einmal hält. Wir stoppen aber in Halle, Erfurt und Nürnberg. Zwischendurch erreichen wir eine Geschwindigkeit bis zu 299 km/h, die 300 erreichen wir nie. Hinter Erfurt rauschen wir durch die Tunnel des Erzgebirges.

Und offenbar fallen weitere Klimaanlagen aus. Erst kam eine Frau zum Schaffner, als der gerade mein Ticket kontrollierte. Es sei viel zu warm, und ihre Mutter habe Probleme. Man wolle sich kümmern, hieß es. Das Problem hatte sich scheinbar ausgeweitet, denn irgendwann kam eine entschuldigende Durchsage, dass in weiteren Waggon die Klimaanlage ausgefallen sei. Man könne sich andere Plötze suchen oder in einen anderen Zug umsteigen, der wenige Minuten nach uns ebenfalls nach München fahre.

Immerhin gibt es Kekse. Mehrfach kommt jemand vorbei, um rot eingepackte herzförmige “Lieblingsgast”-Gebäcke auszuteilen. Und die schmecken sogar.
Man hat in der 1. Klasse Strom am Platz, man hat W-Lan – die Zeit vergeht erstaunlich schnell.

Die ganze Fahrt waren wir einigermaßen pünktlich, in München angekommen waren dann aber doch 12 Minuten zusätzlich auf der Uhr. Aber dennoch: vier Stunden und 20 Minuten sind ganz okay. Mit dem Auto schafft man das auf gar keinen Fall.

-> Der Bericht als RTest auf Youtube

Hits: 121

RTelenovela

Bahnbekanntschaften (89): Warten, weil pünktlich

Montag, den 26. August 2019
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(88) -> 4.5.2019

Der Zug steht im Bahnhof. Es rührt sich nichts. Keine Ansage, keine Information. Die Leute im Regionalexpress, der im Oranienburger Bahnhof steht, werden langsam nervös. Eine Frau beginnt, hektisch in ihrer Tasche zu kramen. Vielleicht sucht sie nach einem Fahrplan. Als sie fertig mit kramen mit, hat sie immer noch nichts in der Hand. Vielleicht hat sie einfach nur so gekramt.

Und der Zug steht immer noch: “Wieso fährt der denn nicht, das kann doch nicht sein!?”, sagt eine Frau zu ihrer Sitznachbarin.
Ich bin nicht ganz so nervös, auch wenn es sich in der Tat um einen bemerkenswerten Vorgang handelt. Denn der RE5 aus dem Norden ist viel zu früh in Oranienburg angekommen, sicherlich fünf Minuten eher als geplant. Nun steht er da und wartet die Zeit ab. Als ich auf die Bahnhofsuhr schaue, sind es immer noch drei Minuten bis zur fahrplanmäßigen Abfahrt.
Fast auf die Sekunde genau setzt sich der Zug dann in Bewegung. In diesem Augenblick beginnt auch die Frau im Abteil gegenüber auch wieder zu kramen – und wieder ergebnislos.

Und damit ich mich gar nicht erst an eine pünktliche Bahn gewöhne, ist am späten Abend der RE5 vom Potsdamer Platz in Berlin nach Rostock um gleich 50 Minuten verspätet. Ich fahre stattdessen mit der S-Bahn – inklusive Schienenersatzverkehr.

Hits: 124

RTelenovela

Grashüpfer – ein blinder Passagier

Sonntag, den 25. August 2019
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Er fiel mir auf, als ich auf der Avus, der A115 in Berlin, unterwegs war. Auf der rechten Seitenscheibe neben dem Beifahrersitz hockte ein grüner Grashüpfer. Erstaunlicherweise strotzte er der Geschwindigkeit. Es wirkte, als ließe er sich den Wind um die Nase wehen.
Irgendwann bewegte sich das Tier in Richtung Seitenspiegel, da war der Wind vielleicht nicht ganz so heftig. Wo der Gashüpfer “dazugestiegen” ist, habe ich nicht mitbekommen.

Am Kreuz Zehlendorf bog ich in Richtung Wannsee ab, und ich dachte, da wäre es ja ideal für den Grashüpfer “auszusteigen”. Immerhin befindet sich dort am Rand ein kleiner See und viel Grün drumherum.

Aber der Grashüpfer blieb. Ich fuhr inzwischen auf der B1 durch Wannsee. Das Tierchen kletterte inzwischen auf die Windschutzscheibe. Selbst das Betätigen des Scheibenwischers konnte ihn nicht verscheuchen. Er wollte weiterfahren.
Im Ortsteil Stolpe hatte er die linke Fahrertür erreicht. Als ich im Arnold-Knoblauch-Ring stoppte, betätigte ich den Fensterheber, und der Grashüpfer landete auf der Straße. Und blieb dort. Erst als ich ihn leicht mit den Fuß antippte, hüpfte er ein paarmal weiter. Ich ließ ihn ziehen, und hoffentlich geht es ihm gut. So ein Umzug kann ja sehr aufregend sein.

Hits: 231

RTelenovela

Tempo 45 oder es blitzt (nicht!)

Samstag, den 24. August 2019
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Auf der A111 gibt es kurz hinter der Berliner Stadtgrenze – zwischen der Schulzendorfer Straße und dem Rasthof Stolpe am ehemaligen West-Kontrollpunkt einen festen Blitzer.
Erlaubt ist an der Stelle Tempo 60. In der Regel führt das dazu, dass alle erstmal Tempo 80 und schneller fahren, weil sie ja in der Regel keinen Blitzer in diesem Bereich befürchten müssen.

Nach der Kurve zum Blitzer hin, scheinen sich einige Autofahrer allerdings vor Angst in die Hose zu machen. Da gibt es welche, die auf der Überholspur tatsächlich auf Tempo 45 abbremsen und fast für Unfälle sorgen.
Liebe Autofahrer, wenn Tempo 60 gilt, dann wird es sicherlich nicht blitzen, wenn man mit 55 dran vorbeifährt. Und übrigens auch nicht mit Tempo 65.

Hits: 120

RT im Kino

Berlin, I love you

Freitag, den 16. August 2019
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Ein Film über Berlin. Und über die Leute, dir dort leben. Über die Berliner und die Gäste. Und über die Liebe. “Berlin, I love you” hat sich hohe Ziele gesetzt – und ist so ziemlich gescheitert. Und das vor allem daran, dass sich fast keiner der Filmemacher wirklich auf Berlin eingelassen, sondern oberflächlich auf die Hotspots gesetzt hat.

Wir lernen einen jungen Mann kennen, der sich als Engel Geld verdienen will (Robert Stadlober). Als sich direkt neben ihn eine Musikerin platziert, ist er sauer. Aber das ist nur der Anfang der Geschichte.
Diese Geschichte wird immer wieder von in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten unterbrochen. Eine Taxifahrerin (Sibel Kekilli), die einen geheimnisvollen Fahrgast hat. Die Besitzerin eines Waschsalons (Veronica Ferres), die merkwürdige Kunden hat. Ein älterer Herr (Mickey Rourke), der an einer Bar eine junge Frau anbaggert.

Was schade ist: Die meisten Storys könnten überall spielen. An einer Stelle im Film heißt es, dass nichts typisch für Berlin sei. Das ist ärgerlicher Unsinn, und das zeigt eigentlich nur, dass man sich mit der Stadt nicht beschäftigt hat.
Die Geschichten sind unterschiedlich gut. Am niedlichsten und schönsten ist die eigentlich einfachste Story. Ein Junge – er ist an dem Tag 16 geworden – sitzt am Spreeufer und wartet auf seinen Vater. Eine Dragqueen setzt sich neben ein nach einer Feiernacht. Sie kommen ins Gespräch, und der 16-Jährige sagt, er wisse nicht, worauf er steht, und er wolle mal das Küssen üben. Niedlich!
Ziemlich unangenehm ist dagegen die Story um den lüsternen alten Typen, der eine junge Frau aufreißt und sie auch willig mitgeht. Das ist nicht nur schlecht gespielt, sondern auch widerlich – noch wunderlicher ist die Auflösung.
Diesem Film fehlt echter Lokalkolorit. Viele der Storys sind seltsam abgehoben, nur selten sind sie herzlich.
Dieser Berlin-Film ist leider nicht wirklich ein Berlin-Film…

Berlin, I love you
D 2018, Regie: Dianna Agron, Peter Chelsom, Fernando Eimbcke, Justin Franklin, Dennis Gansel, Dani Levy, Daniel Lwowski, Josef Rusnak, Til Schweiger, Massy Tadjedin, Gabriela Tscherniak
Warner, 120 Minuten, ab 6
4/10

Hits: 136