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München – Ebingen: (K)ein Katzensprung

Samstag, den 12. Juni 2010
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Von München bis zum Albstädter Stadtteil Ebingen? Ich dachte so an zwei Stunden. Ist doch ein Katzensprung von der bayerischen Hauptstadt in die Schwäbische Alb. Und da ich diesmal das Navigationsgerät meiner Eltern dabei hatte, musste ich mir um die Wegfindung keine Sorgen machen.
Im Nachhinein stellte sich das als sehr gut heraus. Und um es vorweg zu nehmen: Die Fahrt dauerte fast dreieinhalb Stunden. Was nicht an den Staus lag. Es gab keine Staus.

Aus München ging es über die A96 raus aufs bayerische Land. Laut Navi führte mich mein Weg direkt vorbei am Ammersee. Gesehen habe ich ihn nicht, die Strecke ist so zugebaut, dass der Blick versperrt ist. Vielleicht auch ein Stück Lärmschutz.

Bei Memmingen ging’s weiter auf die A7. Wahnsinn, wie lang diese Autobahn ist. Ich kenne sie bislang nur von den Teilstücken rund um Hamburg, Hannover bis runter nach Hessen. Dabei geht die A7 durchs ganze Land, bis eben nach Bayern. Aber schon an der nächsten Abfahrt, bei Berkheim, verließ ich die Autobahn.
An den Namen Albstadt war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu denken. Ich befand mich nun auf der B312.

Gerade im Westteil Deutschland ist es ja normalerweise so, dass man von der Autobahn mekist nie sehr lange braucht, bis man an seinem Ziel angekommen ist. Das kann man für Albstadt nicht gerade behaupten.
Aber immerhin überfuhr ich nun die Landesgrenze zwischen Bayern und Baden-Württemberg.

Selbst auf den Kilometerwegweisern kam der Ort Albstadt nicht vor. Dafür erfuhr ich, dass es noch rund 100 Kilometer bis Reutlingen sind. Somit war zumindest klar, dass ich nicht komplett in die falsche Richtung fahre.
Ich fuhr durch Orte, von denen ich noch nie gehört habe: Ochsenhausen zum Beispiel. Oder Edenbachen. Kleine Dörfer, abseits von allem. Die nächste Stadt ist weit entfernt. Die nächste Großstadt eine längere Tour.
Von Biberach habe ich immerhin schon mal gehört, da habe ich dann auch erst mal eine kleine Pause eingelegt, weil das Ganze irgendwie kein Ende zu nehmen schien, und das Navi sagte mir weitere 70 Minuten voraus.
Diverse weitere Minidörfer mit Stallgeruch und wenigen Häusern hatte die B312 noch zu bieten. Und ich dachte, in der ostdeutschen Provinz – in der Uckermark oder in Uecker-Randow – sei es furchtbar. In dieser Region muss es auch schrecklich öde sein.

Überraschung in Hailtingen: Dort steht ein großes Schloss auf einem Hügel. Später habe ich erfahren, dass es sich um eine Burg handelt: Burg Hailtingen.
Irgendwann leitete mich das Navi von der Bundesstraße über kleine städtische Straßen durchs Nirgendwo. Zwischenzeitlich war ich mir gar nicht mehr sicher, ob ich überhaupt noch auf dem rechten Weg bin. Aber dann: Albstadt 19 Kilometer. Endlich.

Irgendwann erreichte ich dann tatsächlich Albstadt – oder besser Ebingen. So eine Fahrt in die schwäbische Provinz-Provinz dauert dann wohl doch mehr als nur einen Katzensprung.