RTelenovela

Brüssel (2): Pluff!

Donnerstag, den 15. März 2012
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(1) -> 13.3.2012

Die Leute in dem Brüsseler Hotel können froh sein, dass meine Englischkenntnisse nicht so gut sind, als dass ich mich adäquat über die Ereignisse beschweren könnte, wie es eigentlich notwendig wäre.
Nach dem Frühstück im kleinen Bistro gegenüber, wollten wir noch einmal auf unser Zimmer, bevor wir auf Brüssel-Tour gehen. Noch unsere Chipkarte verweigerte uns den Zutritt zu unserem Zimmer.
Ich vermutete, dass das mit dem nächtlichen Ereignis zu tun hatte. Dass das Schloss durch die fremde Karte deaktiviert wurde.
Doch an der Rezeption wunderte man sich. Der Computer spukte keine nennenswerten Infos aus. Besser noch: Der Mann wusste nicht mal, wie lange wir denn im Hotel wohnen. Was wäre bloß gewesen, wenn das Ding ausgebucht gewesen wäre? Hätten wir dann auf der Straße gesessen?
Dolles Hotel…

Unser Weg durch die Stadt führte uns zunächst an die Schaltstelle der europäischen Macht. Allerdings ist an einem Sonnabend auf dem Gelände rund um das Europaparlament nichts los. Auch die Touristeninfo hat am Wochenende geschlossen. In Brüssel rechnet am Wochenende offenbar nicht mit Touristen.
Zwischen einem Park mit einem hübschen See und diversen alten Bauten steht nun der dahingeklotze Parlamentsprunkbau. Beeindruckend, aber nicht extrem schön.

Wenn man auf den Grand Place läuft, stutzt man erst mal: Man fühlt sich wie auf dem Marienplatz in München. Das Rathaus von Brüssel hat große Ähnlichkeit mit dem Neuen Rathaus in München. Aber es ist nicht Bayern, sondern Belgien.
Tatsächlich ist der Grand Place einer der schönsten Plätze in Brüssel. Hier scheint sich die Welt zu treffen, es sind Stimmen zu hören, die die verschiedensten Sprachen sprechen.

Wir laufen weiter, denn wir haben ein touristisches Ziel vor Augen: das Manneken Pis.
Es ist merkwürdig: Vor der kleinen Statue – und der pissende Junge ist wirklich klein – steht eine Menschenmenge und guckt und knipst. Und weil das so ist, guckten und knipsten wir auch. Die Belgier haben dem Kleinen einen Anzug angezogen, einen Hut aufgesetzt und eine Schärpe in den belgischen Farben umgelegt.
Drumherum stehen diverse Pis-Fälschungen. Seltsam, dass die Leute so eine Figur abfahren, das in aller Öffentlichkeit nicht die Hand vom Pullermann lassen kann…

Belgische Waffeln? Joa, ganz okay. In Binz schmeckt die Waffel besser.

Die belgischen Autofahrer haben ein Problem: Bordsteinkanten. Wer in Brüssel unterwegs ist, wird das Geräusch knarzender Reifen an Bordsteinkanten öfter hören. Beim Einparken, beim Ausparken, beim Dranvorbeifahren. Und wenn’s nicht der Bordstein ist, dann muss der Poller dran glauben. Pluff!

Nicht fehlen auf dem Brüssel-Programm durfte der Besuch des Atomiums. Das Bauwerk wurde für die EXPO 1958 errichtet.
Der Eintritt kostet 11 Euro. Man kann entweder ganz nach oben fahren, um die Aussicht zu genießen, oder in den verschiedenen Kugeln sich eine Ausstelung über die EXPO 1958 in Brüssel ansehen.
Leider ist der Fahrstuhl nach oben etwas unterdimensioniert. Nach einer guten halben Stunde anstehen, konnten wir endlich hochfahren. Und oben standen wir dann wieder ewig an, um runter zu kommen. Nun ja, die Aussicht war trotzdem nett.
Von der Ausstellung habe ich leider nicht mehr so viel mitbekommen, denn meine Füße haben mich zu diesem Zeitpunkt bereits umgebracht. Dafür habe ich den Film über den Bau des Atomiums schätzungsweise viermal gesehen.

Im Kneipenviertel wähnt man sich zwischenzeitlich auf der Hamburger Reeperbahn. Vor fast jedem Restaurant steht ein Herr, um die Gäste in sein Lokal zu locken. Komischerweise wirken viele dieser Lokale, als ob es überall das Gleiche gibt: Fisch, Fisch und Fisch.
Wir wählten eine Gaststätte aus, bei dem der Wirt es nicht nötig hatte, Lockangebote zu machen. Zurückhaltung muss belohnt werden!

Gut neun Stunden Spaziergang durch Brüssel – natürlich mit Pausen – haben ihre Spuren hinterlassen. Wir liefen ins Hotel zurück – ich völlig fertig und schon leicht humpelnd.
Schon am Sonntagmorgen ging es zurück zum Flughafen und weiter nach Hause. Ein Tag und einen Abend in Brüssel hat völlig ausgereicht, wir haben einige wirklich schöne Ecken der Stadt gesehen – auch wenn wir ganz sicher nicht alles ausgetestet haben.

RTelenovela

Brüssel (1): Ungebetener Zimmerbesuch um 2 Uhr nachts

Dienstag, den 13. März 2012
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Für meinen ersten Besuch in Brüssel, hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen. Als unser Flugzeug die belgische Hauptstadt ansteuerte, flog parallel von uns ein weiteres Flugzeug. Es steuerte die zweite Landebahn an. Wir flogen bereits über ein besiedeltes Gebiet. Was muss das für ein Lärm sein, wenn zwei Flugzeuge nebeneinander darüber hinwegfliegen? Wir landeten fast zeitgleich mit dem anderen Flieger in Brüssel.

Es ist nicht ganz das erste Mal, dass ich in Belgien war. Im Jahr 1995 bin ich zumindest schon zweimal durchgefahren – als wir mit dem Bus nach England und zurück unterwegs waren. Die hellbeleuchteten Autobahnen haben uns damals schwer beeinruckt. Auch 2012 soll das nicht anders sein. Belgien muss es finanziell gut gehen, wenn sich das Land so einen Irrsinn leisten kann.

Eine Kollegin erzählte mir schon vorher von ihrem Brüssel-Horror. Sie sei mit dem Taxi vom Flughafen ins Zentrum gefahren. Das habe sie 43 Euro gekostet. Sie habe nämlich den Fehler gemacht, mit einem Taxi zu fahren, das höhere Preise nimmt – da scheint es zwei verschiedene Unternehmen zu geben.
Aber egal – ich nahm den Bus. Mir wurde ja vorher schon per SMS gesagt, welchen Bus ich nehmen soll und bis wohin.
Gar kein Problem: Für schlappe 3,50 Euro kommt man mit dem Bus bis ins Zentrum.
Vorbei geht’s auch am ARD-Europastudio, das eine ähnliche pompöse Leuchtreklame hat wie am Hauptstadtstudio in Berlin.

Mein Ziel war der Gare de Luxembourg, wo ich dann auch bald schon empfangen wurde. Unser Hotel lag unweit davon.
Wir leisten uns ein Fünf-Sterne-Hotel. Also, fünf Sterne im Ranking der HRS-Internetseite. Für 39 Euro pro Person und Nacht kann man das schon mal machen.
Allerdings: Die Sache mit den fünf Sternen haute nicht so wirklich hin. Bei fünf Sternen muss der Luxus schon sehr luxuiös sein. Aber dafür war das Bad recht poplig, es gab keine Bademäntel oder Schlappen.
Das wäre eigentlich wurscht – nur eben nicht bei fünf Sternen. Auf das Frühstück im Hotel haben wir verzichtet. Es kostet läppische 20 Euro und mehr – pro Person und Tag. Im Bistro gegenüber gab’s das für 7 Euro – und sicherlich nicht sehr viel schlechter. Aufs Internet im Hotel haben wir auch verzichtet – die Preise dafür waren atemberaubend. Aber ich hatte mein Laptop sowieso nicht mit (!).

Wir bummeln durchs abendliche Brüssel. Am Rande des Gare de Luxembourg stehen zwei Teile der Berliner Mauer. Eines davon zeigt den darauf gemalten John F. Kennedy. Wir rätseln darüber, ob das Original ist oder später erst draufgemalt wurde. Ich glaube ersteres. Die Schenker werden schon gewusst haben, warum sie gerade das Mauerteil in Sichtweite zum europäischen Parlament aufstellen.
Ansonsten stelle ich fest, dass wir einen Fehler gemacht haben: Wir laufen am Hotel “The Hotel” vorbei. Wenn man sich schon “THE Hotel” nennt – das muss ja was ganz Besonderes sein.

Und dann: der Schock.
Das Ereignis zeigt uns, dass unser Hotel ebenfalls etwas ganz Besonderes ist.
Es ist ungefähr 2 Uhr mitten in der Nacht. Vielleicht auch später, vielleicht auch früher. ich bin noch wach, döse vor mich hin. Neben mir sind die Lichter schon lange aus, der Atem geht regelmäßig.
Es rumpelt an unserer Tür. Stimmen. Es rumpelt nochmal. Jemand klopft. Ich nehme das erst gar nicht so ernst, es könnte auch an der Tür nebenan sein. Jemand meckert, eine Männerstimme. Eine Frau muss auch dabei sein. Es rumpelt wieder an der Tür, die Türklinke geht. Dann macht es Peng – und es ist klar, dass sich jemand Zutritt zu unserem Zimmer verschafft hat.
Wir machen uns bemerkbar. “Hallo??” Jetzt fällt wohl auch den anderen auf, dass da irgendwas schiefgegangen sein muss.
Aber es scheint ja dann doch ziemlich einfach zu sein, in die Zimmer dieses… hüstel… Fünf-Sterne-Hotels einzubrechen.
Ich fasse mir an den Kopf, ein bisschen lachen muss ich auch. Was für ein Schock. Und ich kann behaupten: So etwas habe ich nun wirklich noch nie erlebt.

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