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Sie hilft den Kindern bei den Hausaufgaben

Donnerstag, den 20. September 2018
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Alle zwei Wochen am Donnerstag kommt Eveline Kretschmann ehrenamtlichan die Beetzer Grundschule – außerdem gibt sie zu Hause Nachhilfe

MAZ Oberhavel, 20.9.2018

Beetz.
Mit Kindern kennt sich Eveline Kretschmann aus. Viele Jahre hat die heute 67-Jährige aus Sommerfeld als Lehrerin an der Bötzower Schule gearbeitet. 2010 war Schluss. Dennoch steht sie inzwischen regelmäßig wieder vor Schulkindern – allerdings nicht im Unterricht.
Alle zwei Wochen fährt sie am Donnerstagmittag zur Grundschule nach Beetz. „Ich mache die Hausaufgabenkontrolle“, sagt sie. Die Kinder haben an diesem Tag immer um 12 Uhr die Gelegenheit, an ihren Hausaufgaben zu arbeiten. „Sie kommen dann zu mir, um sie mir vorzulegen.“ Sie kontrolliert dann, ob alles richtig ist. Meistens geht es um die Fächer Deutsch und Mathematik. Eine Dreiviertelstunde steht sie den Kindern der Flexklasse mit Rat und Tat zur Seite. Sie beantworten Fragen oder verbessert gemeinsam mit den Kindern eventuelle Fehler in der Hausaufgabe.
„Die Arbeit mit den Kindern macht mir immer noch Spaß“, sagt sie. „Manchmal verstehen sie eine Aufgabe nicht so richtig, und dann versuche ich, ihnen das zu erklären.“ Angefangen hat es mit Zweitklässlern, inzwischen sitzen Kinder der 3. Klasse vor ihr. Wenn sie in den Raum kommt, dann weiß sie nie, was sie erwartet. Immer gibt es neue, andere Aufgaben.

Wenn es nach den Leuten in der Beetzer Grundschule geht, dann könnte sie noch öfter als alle zwei Wochen kommen. „Aber mehr möchte ich nicht machen“, sagt Eveline Kretschmann. Sie macht das ehrenamtlich über den Verein „Sommerfelder Miteinander“. Aber nicht nur in der Schule hilft sie aus – auch bei sich zu Hause. Für Kinder der Grundschule Beetz gibt sie regelmäßig Nachhilfe. Angefangen habe es mit zwei Kindern. Davon hatte sie dann mal bei einer Feier im Ort erzählt, woraufhin sich weitere Eltern mit ihren Kindern bei ihr meldeten.

Im Jahr 2020 feiert Eveline Kretschmann ihren 70. Geburtstag. Dann wolle sie mit den Nachhilfestunden aufhören, sagt sie. Die Kinder, die sie zu Hause betreut, seien nun in der 5. oder 6. Klasse, wenn sie dann in die weiterführenden Schulen kommen, dann habe sie ihre Aufgabe getan, so die Sommerfelderin weiter. „Aber es sind ja noch zwei Jahre Zeit.“

Die Grundschule in Beetz mag sie sehr. „Eine tolle Schule“, sagt sie. „Zumal sie ja so eine kleine Schule ist, das ist immer ein Vorteil.“ Sie freut sich, wenn sie als Dank mal zu Theatervorführungen eingeladen wird, auch wenn es zu Weihnachten ein Geschenk als Dankeschön gibt. Dass sie aushilfsweise wieder richtig in den Unterricht einsteigt, stehe für sie nicht zur Debatte. „Ich hatte meine 37 Jahre.“

Sie kümmert sich stattdessen auch gern um ihre Hobbys. „Wir haben Haus und Garten, da ist immer viel zu tun“, sagt Eveline Kretschmann. „Außerdem lese ich super gerne.“ Wenn sie und ihr Mann die Tochter in Manchester besuchen, dann sei das auch immer eine kleine Reise.

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Fünf auf einem Horst

Mittwoch, den 25. Juli 2018
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Helmut Voigt (79) aus Beetz hilft bei der Fütterung von Jungstörchen auf seinem Gehöft

MAZ Oberhavel, 25.7.2018

Beetz.
Wenn Helmut Voigt mit seinem Fischeimer in seinen Garten geht und nach Storchi ruft, dann kann er sich sicher sein, dass Storchi auch horcht. Der 79-Jährige öffnet den Eimer und verkleinert mit der Hacke auf einem Baumstamm den Fisch. Das Geräusch lockt den Storch an.

Acht Jahre lang betreut Helmut Voigt auf seinem Grundstück in Beetz nun schon ein Storchennest. In diesem Jahr ist es aber besonders aufregend. Denn gleich fünf Jungtiere sind dort ausgebrütet worden und geschlüpft, und alle wollen sie nun Futter. „Fünf Störche groß zu kriegen bei diesem momentan minimierten Futterangebot ist nur mit Unterstützung möglich“, sagt Roland Heigel, der Storchenbetreuer für das südliche Oberhavel. Ansonsten würden die Eltern die Jungstörche unter Umständen aus dem Nest werfen, damit die anderen eine Chance haben.

Die Beetzer Störche haben aber glücklicherweise Helmut Voigt. Er kauft sich extra eine Seekarte, damit er angeln darf. Er holt Fische zum Füttern – und nicht nur er. Der 79-Jährige hat einen Zettel vorbereitet mit den Namen seiner Helfer. Gerald Hilscher und René Prahl bringen Fisch vorbei, ebenso die Familien Kemnitz, Neye und Klatt. „Die müssen wir unbedingt nennen“, sagt Helmut Voigt.

Am 25. März kam der erste Storch auf seinem Grundstück an, die Partnerin folgte am 4. April. Später schlüpften die Jungen. „Der Fünfte kam erst nicht hoch“, erinnert sich Helmut Voigt. Da wusste er, dass er helfen muss. „Man darf Störche natürlich nicht verwöhnen“, sagt Experte Roland Heigel. „Aber bei fünf Jungtieren kann man unterstützen.“ Dass fünf Junge ausgebrütet werden, kommt in der Region nur sehr selten vor – zuletzt 2002 in Sommerfeld, 2007 in Groß-Ziethen und 2010 in Liebenwalde.

Hat der Beetzer den filetierten Fisch auf dem Rasen verteilt, kommt Storchi angelaufen und nimmt die Brocken auf. Mit vollem Hals geht er erst mal spazieren, dann fliegt er hoch zum Horst, wo er die Jungen füttert. „Eigentlich könnten sie selbst schon runterfliegen, aber sie sind ein bisschen faul“, kommentiert der Storchenvater „seine“ Brut.
Helmut Voigt kümmert sich aber nicht nur um die Störche – im Grunde genommen kümmern sich die Störche auch um den Beetzer. „Wenn sie kommen, ist die Freude groß“, sagt er. Er kümmere sich, er beobachtet, er fährt noch schnell los zum Fische holen. „Er ist vormittags gefahren und kommt am Mittag wieder, dann am Nachmittag noch mal“, erzählt seine Schwester Elli Voigt (76). Wenn die Störche im Laufe des Augusts abfliegen, dann sei das immer sehr traurig. Im Herbst und Winter, in der dunklen Jahreszeit und ohne Störche, gehe es dem Rentner auch schlechter als im Sommer.

Geht im nächsten Jahr eventuell noch mehr? Storchenexperte Roland Heigel schüttelt den Kopf. „Sechs Junge gab es hier noch nie“, sagt er. „Es gab mal ein Sechser-Gelege, aber das wurde nicht ausgebrütet. Fünf sind schon die totale Ausnahme.“

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Beagle Cuga ist das Ass im Ärmel

Freitag, den 13. Juli 2018
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Der neue Kremmener Jugendkoordinator Danny See (33) hat viele Ideen und einen Begleiter

MAZ Oberhavel, 13.7.2018

Kremmen.
Es herrschte in letzter Zeit ein wenig Unruhe auf dem Posten des Kremmener Jugendkoordinators. Das soll sich nun wirklich ändern – mit Danny See. Der 33-Jährige leitet seit diesem Frühjahr die Jugendarbeit in der Stadt und den Ortsteilen. „Die Stelle war ausgeschrieben, ich habe mich beworben“, erzählt der Neuruppiner. Er bekam den Zuschlag.

„Ich fühle mich unglaublich wohl mit den Kollegen und den Kids“, sagt er. Dass er sagen könne, dass er richtig angekommen sei, „das dauert länger, vielleicht ein Jahr.“ Auf jeden Fall sei ihm Feedback sehr wichtig. „Ich spreche regelmäßig mit allen Beteiligten.“ Und Danny See hat ein Ass im Ärmel – ein lebendiges: Immer mit dabei ist der siebenjährige Beagle Cuga. „Er springt immer im Club mit herum, das ist völlig unkompliziert. Es geht immer darum, wer als Erstes ein Leckerli geben darf.“ Danny See hat vorher eine kleine Einweisung gegeben, allerdings hat Cuga auch eine Begleithundeprüfung abgelegt, kennt also den Umgang mit Menschen.

Danny See ist studierter Sozialpädagoge. Nach seinem Studium arbeitete er mehrere Jahre in einem Jugendamt sowie ehrenamtlich in der Erlebnispädagogik.

Den Club in Kremmen, neben dem Sportlerheim im Park, empfand er als etabliert, als er dort ankam. „Ich wollte immer nach vorne sehen“, das war zudem seine Devise. Nicht schauen, was war, sondern Neues wagen. „Die Kids sollen eine schöne Möglichkeit haben, ihre Freizeit zu verbringen.“ Es gehe aber auch um außerschulische Bildung, um Natur und Kultur. „Der Club in Kremmen hat noch viel Potenzial“, da ist sich der 33-Jährige sicher. Sechs Tage pro Woche ist geöffnet, dazu kommen die Räume in Beetz, Flatow und Staffelde – letzterer Club ist allerdings in Abstimmung mit den Kindern in den Sommerferien nicht geöffnet.

Das Rad wolle er in Kremmen nicht neu erfinden. „Aber klar kann man auch was verändern, sicher wird es Veränderungen geben.“ Was das ist, das stehe aber noch nicht fest. „Ich schaue mir erst mal alles an.“ Spruchreif sei noch nichts. Der Rückhalt aus der Kremmener Verwaltung sei aber gut. „Mehr geht immer, aber Bürgermeister Busse ist sehr engagiert, er war auch bei der letzten Clubratssitzung dabei.“ So wurde besprochen, dass im Stadtpark mehr Abfalleimer aufgestellt werden, nachdem es dort immer wieder Müllprobleme gab.

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Einheimisch wird er wohl erst mit 100

Donnerstag, den 7. Juni 2018
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Der Beetzer Andreas Dalibor feiert heute seinen 60. Geburtstag – zum Jubiläum denkt er auch über seine Zukunft nach

MAZ Oberhavel, 7.6.2018

Beetz.
Er ist Liedermacher, Theaterchef, Sozialarbeiter und Lokalpolitiker. Andreas Dalibor ist ein besonders umtriebiger Mensch. Heute feiert er seinen 60. Geburtstag.
24 Jahre ist es her, dass er aus Berlin nach Beetz zog. Er fühlt sich dort sehr wohl als Beetzer, als Kremmener. Einheimischer ist er aus Sicht der Alteingesessenen aber nicht, denkt er. „Wenn ich 100 werde, dann werde ich Kremmener sein. Im Augenblick bin ich noch Zugereister“, sagt er.

Die meisten Menschen kennen ihn als Chef des Theaters „Tiefste Provinz“ im Scheunenviertel. „Eigentlich sollte der Raum bloß ein Übungsraum für meine Band sein“, erzählt er. Um Fördermittel zu bekommen, ist ihm dann aber geraten worden, etwas Öffentliches daraus zu machen. Er ließ eine Bühne reinbauen, und schon war das Theater 2006 geboren. Dass es „Tiefste Provinz“ heißt – das fanden anfangs nicht alle Kremmener lustig.

Andreas Dalibor ist eigentlich Diplom-Sozialarbeiter und -pädagoge. Studiert hat er an der Evangelischen Fachhochschule in Berlin. Probiert hatte er damals vieles: ein paar Semester Archäologie, Erziehungswissenschaften, Musik und Kunst auf Lehramt. Kurz vor der Prüfung hörte er auf. Er wollte nicht zum Establishment gehören. „Mittlerweile sage ich, hätte ich weiter machen sollen. Aber die Erkenntnis kommt ja immer später.“ Danach ging er auf die Sozialarbeiterschule – und legte die Prüfung dort ab.
Inzwischen leitet er eine Erziehungswohngruppe in Beetz. Er betreut Jugendliche zwischen zehn und 18 Jahren, die oftmals Pech mit der Familie hatten. „Viele Sachen können wir lösen, manche lösen die Zeit, andere lösen wir mit Therapien oder auch nur damit, ein anderes Leben vorzuführen.“ Mist bauen komme durch Langeweile – oft würden Dinge passieren, wenn die Jungs nichts mit sich anzufangen wüssten. Dem will er entgegen steuern. Es gehe darum, Verantwortung zu übertragen, den Kindern Aufgaben und ein Zuhause zu geben.

Er macht das nicht anders. Er will etwas bewegen, auch politisch. Für die SPD sitzt er im Kreistag. Früher – noch vor der Wende – waren es eher die Grünen, die ihn begeisterten. „Das war damals die Aufbruchstimmung. Die hatten mal andere Ziele.“ Aber Willy Brandt war ein Typ, der ihn faszinierte. „Der war ein Beweggrund, dass ich gesagt habe, ich schließe mich der SPD an. Dass die leider nicht mehr das ist, aber hoffentlich das wird, was sie mal war, das ist mir klar. Aber das ist immer noch eine Partei, die viel Soziales in sich trägt.“

Schon immer eine Rolle gespielt in seinem Leben hat die Musik. Gerade ist das zweite Album von „Dalibors Roadshow“ veröffentlicht worden. Davor war er als Liedermacher solo unterwegs und spielte in der eigenen Bertha-Panislowsky-Band. Er ist großer Fan von Ton Steine Scherben und Rio Reiser.
Der 60. Geburtstag ist nicht direkt eine Zäsur – aber schon die Gelegenheit, über die Zukunft nachzudenken. Irgendwann soll sein Engagement in der Wohngruppe enden, er will sich noch mal neu umsehen – und mehr Zeit haben für das Theater und die „Kombüse 11“ nebenan.

KeineWochenShow

#74 – Andreas Dalibor. Theaterchef, Liedermacher, Sozialarbeiter

Sonntag, den 3. Juni 2018
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Zum dritten Mal in diesem Jahr und zum vierten Mal überhaupt haben wir einen Gast in unserem Kellerstudio. Bei uns ist Andreas Dalibor. Er ist seit 2006 der Chef des Theaters “Tiefste Provinz” in Kremmen, Liedermacher mit der Band Dalibors Roadshow und Sozialarbeiter in Beetz. Außerdem sitzt er für die SPD im Oberhavel-Kreistag in Oranienburg.

Am 7. Juni feiert er seinen 60. Geburtstag, und nur bei uns gibt es das große Fernseh-Interview aus diesem Anlass. Er erzählt, welchen Bezug er zur Berliner Hausbesetzerszene hatte, wieso er nach der Wende aus Berlin nach Beetz zog. Wie es zur Gründung des Theaters in Kremmen kam. Was ihm seine Eltern einst mitgegeben haben. Warum er Ton Steine Scherben so gut findet. Und vieles mehr.
Außerdem hat er sein Lieblingsbier mitgebracht, außerdem stellt er ein Buch vor, das er gerade erst gelesen hat.
Und natürlich singt er uns zwei seiner Songs.

KeineWochenShow #74 gibt es auf YouTube.

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Nach 73 Jahren wieder in Beetz

Donnerstag, den 31. Mai 2018
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1945 auf dem heutigen Schulgelände: Karl Dieter Euler kehrt an seinen Geburtsort zurück

MAZ Oranienburg, 31.5.2017

Beetz.
Die Treppe sieht aus wie auf dem Foto. Die Türen sind auch noch original. Karl Dieter Euler läuft durch die Räume der alten Grundschule in Beetz. Da, wo heute Kinder unterrichtet werden, da ist er geboren und getauft worden. Das war 1945. Nach 73 Jahren kehrt der Mann nun an seine Geburtsstätte zurück. „Schön, nach Hause zu kommen“, sagt er.

Genau genommen kennt Karl Dieter Euler Beetz nur von Bildern und aus Erzählungen. Am 9. Februar 1945 ist er in „Beetz/Osthavelland“ geboren worden – im Nebengebäude der heutigen Grundschule. 1944 ist seine Familie in einer größeren Gruppe aus Bonn in die Gegend gezogen. „Da ist es ruhiger und sicherer“, hieß es damals. Viele von ihnen lebten auf Bauernhöfen im Ort – und auch auf dem Gutshof der Familie von Quast, auf dem sich nun die Schule befindet.
Als aber der Krieg zu Ende ging und die Russen in Richtung Berlin marschierten, wurde es auch in Beetz wieder unsicher. Der Tross entschied sich, wieder zurück in Richtung Westen zu laufen. Karl Dieter Euler verließ Beetz, da war er gerade mal zweieinhalb Monate alt. Seitdem kam er nie wieder zurück. Beetz/Osthavelland steht aber natürlich seitdem in allen seinen Ausweisen. Was in Zeiten des geteilten Deutschlands nicht immer einfach war. Er durfte beispielsweise von seinem Wohnort Bonn immer nur mit dem Flieger nach West-Berlin einreisen, nicht mit dem Transitzug durch die DDR. Auch in Momenten, in denen er seinen Dienstausweis zeigen musste, gab es immer wieder kritische Nachfragen wegen des im Osten liegenden Ortes. Man hielt ihn, den Beamten bei der Post, immer für einen ehemaligen Bewohner der Ostzone.

Der Drang, mal nach Beetz zurückzukehren, der war schon lange da. Nun hat sein Sohn Jan alles recherchiert und alles organisiert. Jetzt stehen sie also da – Karl Dieter Euler, seine Frau Gertrud und sein Sohn Jan – und für einen Moment schweigt der 73-Jährige, schmunzelt dann aber auch. „So ein bisschen bin ich schon emotional“, sagt er. „Meine Mutter sprach immer nur von einem Schloss. Da hat sie wohl übertrieben.“ Ansonsten erkennt er vieles von dem, was er auf Bildern gesehen hat, wieder.
Zu Hause warten sie schon auf erste Fotos, immer wieder gibt es Anrufe aus Bonn auf dem Handy, um erste Erfahrungsberichte einzuholen. Es werden Fotos gemacht. Schon vorhin, am Ortsschild, an der Straßenkarte im Ortskern, und jetzt im Gebäude auf dem ehemaligen Gutshof. Für die dort arbeitenden Lehrer ist das übrigens nichts Neues. Immer mal wieder schauen ehemalige Schüler vorbei, um sich in den Räumen umzusehen.
Der Besuch von Karl Dieter Euler war aber dennoch speziell. „Wir hatten einen sehr freundlichen Empfang in der Schule, wurden mit offenen Armen empfangen“, sagt der 73-Jährige. Gleich wollen sie noch einen Rundgang um den Beetzer See machen – allerdings sind sie sich gar nicht sicher, ob die Mutter überhaupt diesen See meinte. „Eigentlich war der eher immer in dieser Richtung“, sagt Karl Dieter Euler und zeigt in Richtung Kremmen. Ob sie vielleicht einen anderen See gemeint hatte, lässt sich nicht mehr rekonstruieren.

Die Eulers wollen sich nun noch Berlin anschauen – in Leipzig, Dresden und Potsdam waren sie schon. Nun auch in Beetz, und in Bonn warten die Freunde und Verwandten schon auf ausführliche Berichte. Bezugnehmend auf die Probleme, die er einst mit „Beetz/Osthavelland“ hatte, sagt er: „Ich bin froh, dass sich der Alptraum darum ein für allemal nun ins Positive überschlägt.“ Seinem Sohn ist er sehr dankbar: „Ohne ihn hätten wir das hier nicht hinbekommen.“

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Meine Feuerwehr: Der Rückhalt im Dorf steht in Halle 2

Freitag, den 27. April 2018
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Zu Besuch bei der Feuerwehr Beetz-Sommerfeld – Neues Fahrzeug aus Spenden finanziert

MAZ Oberhavel, 27.4.2018

Sommerfeld.
Es ist ein ruhiger Abend an der Sommerfelder Feuerwache. Ruhig im Sinne von: kein Einsatz. Viele sind an diesem Abend zum Fototermin mit der MAZ gekommen. Sie wollen sich zeigen, präsent sein. 45 aktive Mitglieder hat der Löschzug 2 der Feuerwehr der Stadt Kremmen. 2001 fusionierten die Wehren in Beetz und Sommerfeld. „Beetz war damals kurz vor der Schließung“, sagt Ortswehrführer Johannes Homuth. „Man hat sich dann damals aber verständigt, sich mit Sommerfeld zusammenzuschließen.“ Das funktioniert gut.
Die Feuerwehr Beetz-Sommerfeld ist zu einer Einheit geworden. 27 Mitglieder sind in Sommerfeld, 18 in Beetz. „Ganz klar, wir sind eine Wache“, sagt Johannes Homuth. „Auch wenn es manchmal natürlich noch besser laufen könnte. Aber es war schon schlimmer, das ist wohl eine Generationssache.“ Dazu trage wohl auch das Jugendlager bei, das diesen Zusammenhalt noch stärker befördere.

Die Wehr ist mit drei Fahrzeugen ausgestattet. Dazu gehören ein Löschgruppenfahrzeug von 1992, eines von 2012 und ein Rüstwagen von 2011. Letzterer ist im vergangenen Jahr durch Spenden vor allem aus dem Dorf, aus Kremmen und der Region angeschafft worden. Die riesige Spendenbereitschaft, die mehrere zehntausend Euro einbrachte, sorgte für positive Aufregung. „Der Rückhalt im Dorf steht in Halle 2“, sagt der stellvertretende Ortswehrführer Holger Henschel. „Beschweren dürfen wir uns wirklich nicht“, ergänzt Johannes Homuth. Für den 92er gibt es wohl voraussichtlich 2021 Ersatz. „Er ist jetzt 27 Jahre alt, und es knatscht an allen Ecken und Enden.“ Gerade bei Waldbränden könnte ein Tanklöschfahrzeug her.

In diesem Jahr ist bislang recht wenig passiert. „Wir sind erst bei elf Einsätzen“, sagt Johannes Homuth. „Das ist ja eigentlich auch ganz gut, wenn nichts passiert.“ Es gab aber auch schon ein Jahr, da lag die Zahl am Ende bei 97. 2017 war das Jahr des Starkregens und des Orkans. „Das hat uns sehr gefordert.“ Straßen mussten von Bäumen befreit werden. Nach dem Regen waren die Sommerfelder und Beetzer auch in Leegebruch im Einsatz. „Aber es ist schlimm, wenn man da eigentlich nichts machen kann.“ Wenn die Wassermassen einfach nicht kleiner werden.
Eigentlich ist die Wehr zuständig für den Bereich zwischen Neu-Ludwigsaue, bis kurz vor Kremmen und bis zur Teerofener Kreuzung. Aber auch nach Wall wird die Wehr hin und wieder gerufen. “Schwere Unfälle haben wir relativ selten, da sind die Staffelder an der Autobahn schlimmer dran.“

Holger Henschel ist seit 1999 dabei. Der 36-Jährige aus Sommerfeld ist durch seinen Vater dazugestoßen. „Mein erster Einsatz war ein Gasalarm in der Bahnhofstraße“, erinnert er sich. Stefanie Döring, die heutige Ortsjugendwartin, hat in der Jugendfeuerwehr angefangen, im Mai 2005. „Ich bin mit meinem Bruder hergekommen, und es hat Spaß gemacht“, erzählt sie. Sie ist eine der wenigen Frauen in der Wehr. „Ich weiß nicht, warum das für Frauen nichts ist“, sagt sie. Günter Pahs, der schon gut 45 Jahre dabei ist, sagt: „Da wurde über Jahre nicht dran gearbeitet, das wurde ein bisschen vernachlässigt. In der Jugendwehr hatten wir aber immer auch Mädchen.“

„Die Truppe ist schon ganz in Ordnung“, sagt Johannes Homuth und schmunzelt. „Wir sind uns nicht immer einig, diskutieren auch schon mal, aber wir verstehen uns alle sehr gut.“ Die Kameradschaft sei der wichtigste Faktor in der Feuerwehr. Da setzen sie sich nach dem Dienst auch mal hin und grillen zusammen. Auch mit ihren Räumen sind sie recht zufrieden. „Ein paar Lagermöglichkeiten wären aber gut.“ Und natürlich träumen sie auch ein wenig von einer gemeinsamen Wache. Die in Sommerfeld ist neben der Kirche, die in Beetz neben dem dortigen Gebetshaus.

Die Tagesbereitschaft war bei der Wehr in Beetz-Sommerfeld bislang noch nicht gefährdet. „Da muss man wirklich den Hut ziehen, das ist nicht überall so“, sagt Johannes Homuth. Allerdings könnten in einigen Jahren Probleme auftauchen, wenn viele der heute Älteren aus dem aktiven Dienst ausscheiden. Nachwuchs und auch Quereinsteiger sind immer gern gesehen.