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Zwei Schulanbauten sind nicht machbar

Samstag, den 24. Oktober 2020
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Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse über neue Wohnungen und weitere aktuelle Themen

MAZ Oberhavel, 24.10.2020

Kremmen.
In der Reihe „MAZ zu Hause in Kremmen“ äußert sich Bürgermeister Sebastian Busse (CDU) zu den aktuellen Themen aus der Stadt.

Lässt sich das Rathaus auch aus dem Homeoffice leiten?
Sebastian Busse: Ja, ganz klar. Aber ich war nicht viel im Homeoffice. Gerade mal vor 14 Tagen nach dem Treffen mit dem Landrat und der folgenden Meldung, dass er positiv auf Corona getestet wurde. Bis mein Testergebnis da war, blieb ich, aus reiner Vorsicht, zu Hause. Ich bin gut vernetzt. Ich habe ein mobiles Gerät, mit dem ich Zugriff auf meinen Rechner im Rathaus habe.

Wie wird momentan, während der Pandemie, im Rathaus gearbeitet?
Unser Rathaus ist seit März nicht geöffnet wie normalerweise. Die Türen sind verschlossen. Aber jeder, der ins Amt muss, bekommt auch einen Termin. Für die Mitarbeiter ist es ein koordinierteres Arbeiten, und es muss keiner mehr warten, es ist für jeden besser planbar. Ich glaube, das werden wir so beibehalten, es gibt dazu wenig Negatives. Wir haben für die Mitarbeiter aber auch Homeoffice-Arbeitsplätze eingerichtet.

Viele Feste fallen aus. Was ist mit dem Kremmener Weihnachtsmarkt?
Das ist ja eine Veranstaltung des Scheunenviertelvereins. Meine Kenntnis ist, dass keine weiteren Schritte dafür eingeleitet werden. Es soll aber am 3. Advent einen Trödelmarkt im Scheunenviertel geben.

Könnte ein trauriger Advent werden.
Vielleicht wird es ja wenigstens ein weißer Advent. Und es kommt ja nicht alles ganz plötzlich, den Sommer haben wir genießen können. Jetzt müssen wir uns einfach noch mal gedulden. Und ich denke, dass man trotzdem Adventsspaziergänge machen und gemütlich in der Gaststätte den Gänsebraten genießen kann.

Das Kremmener Asylbewerberheim ist leergezogen. Kommt der Umbau zu Wohnungen voran?
Wir sind am ersten Haus zu 90 Prozent fertig, beim zweiten sind wir dabei. Diese Häuser wollen wir Anfang November für einen „Tag der offenen Tür“ zur Verfügung stellen. Wir werden dort 34 Wohnungen und eine Arztpraxis an den Start bringen. Die Baufirmen sind zum größten Teil beauftragt. Ich habe die Hoffnung, dass wir im Februar komplett fertig sind. Es wird drei Wohnungstypen geben, zwischen 55 und 63 Quadratmeter.

Könnte dann das Wohnungsproblem in Kremmen gelöst sein?
Oberhavel insgesamt hat ein Wohnungsproblem. Ich kenne keine Kommune, die sagt, wir haben Leerstand. Ich denke, die Wohnungen können innerhalb eines Vierteljahres vermietet werden, es stehen schon viele Leute auf der Warteliste. Ich denke auch, dass sich viele Neu-Kremmener ansiedeln werden.

Kremmen braucht ein neues Feuerwehr-Depot. Ein erster Entwurf sah Baukosten um die vier Millionen Euro vor. Da muss noch mal nachgesteuert werden, hieß es im jüngsten Bauausschuss. Wie weit sind da die Gespräche?
Wir haben mit der Planerin eine Veränderungsliste erstellt. Wir erwarten jetzt eine neue Planung mit einem abgespeckten Gebäude. Ich habe die große Hoffnung, dass wir unter die vier Millionen Euro kommen. Es steht auch eine neue Förderrichtlinie vor der Tür, die aber noch beschlossen werden muss. Die Förderung könnte sich auf eine Million Euro beziffern.

Im Bauausschuss wollte der Vorsitzende Ricky Schlichting eine neue Diskussion über den Standort an der Straße der Einheit. Hat Sie das gewundert?
Sehr. Es ist ganz klar, diese Diskussion führen wir nicht noch mal. Nicht nach der Arbeit, die wir jetzt geleistet haben, und nach dem Grundstückskauf am Schlossdamm. Das Thema ist vom Tisch.

Es gibt noch keinen Zeitplan für den Anbau an der Goetheschule. Jetzt soll noch mal der Bedarf ermittelt werden. War nicht schon klar, wie hoch der Bedarf sein wird?
Es gibt den Bedarf für zwei Räume im jetzigen Schuljahr an der Grundschule, 2021/22 brauchen wir zwei weitere Räume für die Oberschule. Aber wenn der Landkreis in der Oberschule statt zwei dann drei Züge haben will, dann muss uns der Landkreis auch bei der Bauphase unterstützen. Deshalb brauche ich auch mehr Daten. Wie weit werden wir uns entwickeln? Das ist auch ein Blick in die Glaskugel, ob das alles so kommt. Wir haben jetzt die Container für die nächsten drei Jahre. Sie sollen am 9. November in Betrieb gehen.

Eigentlich bräuchte auch die Grundschule in Beetz einen Anbau.
Es liegt eine Kostenschätzung dafür vor, sie liegt bei 1,2 Millionen Euro. Der Anbau in Kremmen liegt bei 3,5 Millionen Euro. Es ist klar, dass die Stadt Kremmen das nicht finanzieren kann. Und es ist auch nicht genug Kapazität in der Verwaltung für Planung und Umsetzung da. Kita, Feuerwehr, Brückenbau, Spielplätze, und das Klubhaus wollen wir auch nicht vergessen. Dazu Straßenreparaturen. Das alles schaffen wir mit unserer kleinen Verwaltung nicht. Deshalb gibt es Anfang November ein Treffen mit den Schulleiterinnen, da kommen die Zahlen auf den Tisch, und wir besprechen das weitere Vorgehen.

Sie hatten neulich Besuch von Kremmenerinnen, die für das Klubhaus kämpfen. Wie konnten Sie sich einigen?
Ich habe mich erst mal bei den Frauen bedankt, dass sie den Weg zu mir gesucht haben. Es war ein sehr angenehmes Gespräch. Aber es ist ein schwieriges Objekt. Klar, es wäre schön, den Saal wiederzubeleben. Aber als Festveranstaltungsstätte sehe ich den Saal nicht mehr. Schallschutztechnisch wären zu große Hürden zu nehmen. Vielleicht ein kleines Konzert, aber so was wie früher, wo die Discos stattgefunden haben, wird so nicht mehr möglich sein. Von daher muss man sehen, wie man das Haus nutzen könnte, ich hätte nichts dagegen, wenn ein Kulturverein es nutzt. Wir wollen ein Interessenbekundungsverfahren einleiten, und da können wir auch Wünsche äußern.

Die Situation am Kremmener See ist schwierig. Es gab im Sommer nur wenige Badezeiten. Wie können Sie da eingreifen?
Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr eine bessere und vor allem gemeinsame Lösung finden werden. Wir wollen uns noch mal mit dem Eigentümer zusammensetzen, auch mit dem Ortsvorsteher und der Vorsitzenden der Stadtverordneten. Es gibt da auch einiges, was nicht so läuft, wie es vertraglich festgehalten ist. Wir als Stadt werden es uns aber nicht leisten können, sieben Tage einen Bademeister zu stellen.

Insbesondere im Ortsteil Kremmen war die Beteiligung am Bürgerhaushalt in diesem Jahr niedrig. Ist so ein Bürgerhaushalt noch nötig?
In Beetz hat man die Wahl am Sonnabend gemacht, dadurch hatte man einen großen Zulauf. Aber es liegt auch klar am Ortsbeirat und Ortsvorsteher, wie sie sich mit dem Bürgerhaushalt auseinandersetzen. Kremmen hatte die geringste Abstimmungsquote, vielleicht sollte man das gesamte Konstrukt Bürgerhaushalt nochmals überdenken. Aber politisch wird man dagegen sein, wegen der Beteiligung der Bürger. Vielleicht kann der Ortsbeirat auch selbst über die Finanzmittel verfügen. In Oberkrämer werden sie schon wissen, warum sie den Bürgerhaushalt nicht einführen.

Auf das Auto von Neuruppins Bürgermeister Golde ist ein Brandanschlag verübt worden. Kommt man da ins Grübeln?
Ich stehe gerade in der Mitte meiner Amtszeit, ich habe nicht das Gefühl, dass der Ton rauer wird, auch weil wir nicht in einer Wahlkampfsituation sind. Aber das ist schon beängstigend. Das ist kein Dummer-Jungen-Streich, das ist kriminell und lebensgefährlich. Ich wünsche ihm alles Gute.

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Verwunschener Ort: Die alte NVA-Kaserne mitten im Wald

Dienstag, den 20. Oktober 2020
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Die Bundeswehr räumte das Armeegelände 1991 – heute wirkt es wie ein Freiluftmuseum, das mehr und mehr verfällt

MAZ Oberhavel, 20.10.2020

Beetz.
Nur das Rauschen des Windes. Und das Kreischen der Kraniche, die über das Gelände ziehen. Ansonsten ist es ganz still auf dem ehemaligen Kasernengelände. Mitten im Beetzer Wald gibt es einen verlorenen Ort. Leerstehende Gebäude ohne Fenster, besprühte Wände, Ruinen, Bunker. In einem der Bunker fand erst neulich eine illegale Party statt.

Bis kurz nach der Wende war das alles Sperrgebiet. Dort befand sich die Kaserne der Raketenstellung der Flugabwehr-Raketenabteilung 4124 der damaligen NVA. Im Dezember 1990 gab die Raketenbrigade der Bundeswehr bekannt, bis März 1991 den Standort in Beetz aufzugeben. Was mit dem Gelände passieren sollte, war damals völlig unklar. Die damalige Beetzer Bürgermeisterin Ingeborg Füllert bekundete ihr Interesse am Standort: Sie dachte darüber nach, dort ein Kurhaus oder einen Gewerbepark zu etablieren. Im August 1992 gab es dann plötzlich die Meldung, dass die Kreisverwaltung über ein Asylbewerberheim auf dem dortigen Gelände nachdenkt. Die Bundeswehr legte da jedoch ein Veto ein, da sie dort noch ein Tanklager betrieb.

Und 30 Jahre später? Nichts. Der pure Verfall. Einige Gebäude sind komplett zusammengefallen, andere sind innen vermüllt und besprüht. An vielen Stellen des Geländes, das frei zugänglich ist, liegen bergen von Sperrmüll. Hier und da sind Schilder angebracht: „Lebensgefährliches Bauwerk“.

Ingeborg Füllert betrieb einst mit ihrem Mann die Kantine auf dem Kasernengelände, gleich hinter dem Eingang. „Ich war zuerst bei der HO angestellt, dann wurden wir von der MHO übernommen“, erinnert sie sich. Die HO war die Handelsorganisation der DDR, die MHO die Militärhandelsorganisation. Von 1962 bis zum Ende der Kaserne arbeitete Ingeborg Füllert dort. „Abends kamen meistens die Offiziere. Bevor sie nach Hause gefahren sind, haben sie bei uns meistens noch ein Bierchen getrunken.“ In der Kantine gab es Schnitzel, Bouletten, später auch Kammscheiben mit Zwiebeln und Kartoffelsalat. „Feiern fanden auch statt.“ Ob da jetzt Gefreite, Unteroffiziere oder hochrangige Offiziere vor ihr standen, wusste sie nie so genau. „Ich habe mich damit nie so richtig ausgekannt“, erzählt sie. Sie habe alle gleich behandeln wollen. Später übernahm sie auch die Verkaufsstelle auf dem Gelände.
„Für Beetz war die Kaserne ein wichtiger Faktor“, sagt Peter Winkler, der heutige Ortsvorsteher. Viele Offiziere wohnten im Ort. „Die Bundeswehr hat das dann aber nicht mehr genutzt.“ Als auch der Wachschutz abgezogen worden ist, kamen die Plünderer. Metall verschwand, alles was noch zu gebrauchen war, wurde mitgenommen. „Aber die Unterkünfte sind noch ganz gut erhalten“, so Peter Winkler.

Das Gelände gehört – wie auch der Wald der Beetzer Heide – der DBU Naturerbe. Die Tochtergesellschaft der Deutschen Bundesstiftung Umwelt hat sich zum Ziel gemacht, das Gelände zu renaturieren. „Das Gelände ist zugänglich, aber verschiedene Gebäude sind gesichert“, sagt Rainer Entrup vom Bundesforstbetrieb Westbrandenburg. Bunker sollen zugemauert werden – eine Sofortmaßnahme nach der Party vom 3./4. Oktober. Die Rückbaumaßnahmen sind allerdings noch Zukunftsmusik, sie sind auch schon seit Jahren im Gespräch. „Das ist ein komplizierter Akt“, sagt Rainer Entrup. Nicht nur wegen der hohen Kosten der vielen Abrissarbeiten, sondern auch wegen der Tiere, die sich inzwischen dort eingelebt haben.

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Beetzer Bunker wird zugemauert

Donnerstag, den 15. Oktober 2020
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Nach einer illegalen Party auf dem ehemaligen NVA-Gelände im Wald will die Deutsche Bundesstiftung Umwelt Maßnahmen zur Sicherung des Areals ergreifen

MAZ Oberhavel, 15.10.2020

Beetz.
Der Besen steht noch am Eingang zum Bunker an der Wand. Ganz besenrein ist die leerstehende Halle nicht, wirklich vermüllt aber auch nicht. Das Gebäude auf dem alten NVA-Gelände mitten im Beetzer Wald ist in den vergangenen Tagen wieder in den Blickpunkt geraten. In der Nacht zum 4. Oktober fand dort eine illegale Party mit etwa 100 Menschen statt. Die Polizei hatte das Gelände nach einem Zeugenhinweis räumen lassen und Platzverweise ausgesprochen, sogar ein Hubschrauber war zum Einsatz gekommen.

Klar, dass das am Dienstagabend auch im Beetzer Ortsbeirat ein Thema war. „Jeder hat was gewusst, jeder hat was gesehen“, sagte Ortsvorsteher Peter Winkler (SPD) am Mittwoch. Gemeinsam mit der MAZ sah er sich am Mittag am Bunker um. „Es gibt ja das Gerücht, dass hier nicht zum ersten Mal Partys stattgefunden haben, allerdings noch nicht zu Coronazeiten“, erzählte er. „Die bauen dann alles wieder ab und nehmen alles mit“, so Winkler weiter. Heißt: Beendet die Polizei nicht die Party, werde meist danach so aufgeräumt, dass danach wenig von den Ereignissen zu sehen sei.

Neben dem Bunker befindet sich ein weiteres Gebäude. Dort waren am Mittwoch noch ein paar Sessel zu sehen. Davon sollen während der Party noch mehr in dem Gebäude gestanden haben. „Und die vielen Graffiti sind neu, die waren, als ich das letzte Mal hier war, noch nicht an den Wänden“, sagte Peter Winkler.

Errichtet wurde das NVA-Gelände mit seinen Gebäuden Anfang der 60er-Jahre. Betrieben worden ist bis Anfang der 90er. „Früher waren hier Raketen drin“, sagte Peter Winkler mit einem Blick durch den heute leerstehenden Bunker. Die Kaserne gehörte zur Flugabwehr-Raketenabteilung 4124 der NVA, ein großer Teil des Waldes war deshalb zu DDR-Zeiten Sperrgebiet.

Inzwischen gehören das Gelände und der Wald der Beetzer Heide der DBU-Naturerbe GmbH. DBU steht für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt. Deren Ziel ist es, langfristig das Gelände innerhalb des Waldes wieder zu renaturieren. Zunächst sind aber unmittelbare Sicherungsmaßnahmen geplant. Für die Umsetzung ist Rainer Entrup zuständig, er ist Betriebsbereichsleiter Nord beim Bundesforstbetrieb Westbrandenburg.
„Wir wollen den Bunker zumauern“, erklärte er auf Anfrage der MAZ. Wann dies jedoch geschehen werde, ist noch unklar. Sobald wie möglich, sagte Rainer Entrup. „Der Bunker ist wie eine übergroße Garage.“ Er sei, wie der Wald selbst auch, frei zugänglich, „Man hat nur nicht das Recht, dort eine Party zu veranstalten, ohne den Eigentümer zu fragen.“
Bevor der Bunker zugemauert wird, solle jedoch vorher geprüft werden, ob er für Fledermäuse ertüchtigt werden könne. „Dafür gibt es Experten, die werden von uns hinzugezogen.“ Beim Zumauern müssten dann an einer Stelle 20 bis 30 Zentimeter freigelassen werden. Auch werde wohl darüber nachgedacht, die Zufahrt zum Bunker zu verwehren, indem beispielsweise die direkte Zufahrt vom Plattenweg aus zugeschoben werde. „Oder indem Bäume über den Weg gelegt werden“, mutmaßt Ortsvorsteher Peter Winkler.
Sind diese Maßnahmen umgesetzt, dann wird die Beetzer Corona-Bunkerparty wohl eine einmalige Sache bleiben.

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Trauer um Ulf Gruber

Freitag, den 13. März 2020
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Der Beetzer stirbt mit nur 54 Jahren – ein engagierter Feuerwehrmann, Musiker und Lehrer der Goethe-Oberschule in Kremmen

MAZ Oberhavel, 13.3.2020

Beetz.
Man sagt ja oft, jemand werde mitten aus dem Leben gerissen. Im Fall von Ulf Gruber lässt sich überspitzt sagen: Er hatte noch lange nicht vor, zu gehen. Aber es kam anders. Der 54-jährige Beetzer ist in der Nacht zu Donnerstag nach längerer Krankheit verstorben.

„Wir verlieren einen engagierten Bürger“, sagte Kremmens Bürgermeister Sebastian Busse am Donnerstag. Ihn hat die Nachricht vom Tod Ulf Grubers sehr bestürzt. „Ein sympathischer Mensch, der Beetzer Dorfgeschichte mitgelebt hat.“

Ulf Gruber war Musiker, durch und durch. Erst vor drei Jahren eröffnete er mit einem Partner eine Gitarrenwerkstatt in der Altstadt in Kremmen. Dort wollte er auch Kurse anbieten. An der Kremmener Goethe-Oberschule arbeitete er als Musiklehrer. Er gestaltete gemeinsam mit seinen Schülern den Musikraum der Schule – erst vor acht Wochen zeigte er ihn stolz den Besuchern des „Tages der offenen Tür“. Dem MAZ-Reporter sagte er, er sei sich sehr sicher, dass er seine gesundheitliche Krise schaffen würde – und genau diesen Eindruck machte er auch. Ulf Gruber blieb immer ein Optimist, ging gleichzeitig aber immer offensiv mit dem Stand seiner Krankheit um – eben weil er so überzeugt davon war, dass alles gut gehe.
Auch trat er selbst als Musiker auf. Sei es bei Open Stages in der „Kombüse 11“ in Kremmen, beim Bandwettbewerb in der Stadtparkhalle oder bei „Feuer und Flamme für Kremmen“.

„Das tut mir sehr, sehr leid, das ist wirklich ein Hammer“, sagte am Donnerstag ein sehr betrübter Andreas Dalibor. „Er war ja zwischenzeitlich auch ein Mitmusiker von uns“, erzählte er. Auch hat Ulf Gruber eine Zeit lang das Theaterbistro im Scheunenviertel betrieben. „Ich bin sehr bestürzt, wie schnell das jetzt gegangen ist.“

Beatrix Scheeren, die Leiterin der Goethe-Oberschule, in der er arbeitete, kündigte an, sich später noch an die Presse zu wenden.

Trauer herrscht auch bei der Kremmener Feuerwehr. Ulf Gruber war Mitglied der Feuerwehr in Beetz-Sommerfeld. Auf der Facebookseite der Wehr Staffelde/Groß-Ziethen erschien am Donnerstag eine Kerze als Zeichen der Trauer. „Er war ein wichtiger Bestandteil von uns“, sagte Sommerfelds Wehrführer Holger Henschel. „Er hat damals auch angefangen, das Kinderfest in Beetz für uns zu organisieren. Er war immer, gerade was Veranstaltungen angeht, für uns da.“ Auch am Einsatz- und Ausbildungsdienst habe er immer teilgenommen – bis zum Schluss. „Vor zwei Wochen haben wir uns noch unterhalten, dass er bald wieder durchstarten kann.“ Ähnlich erinnert sich Bürgermeister Busse. Die Zuversicht habe ihn nie verlassen. Und doch kam es dann anders. Beetz und Kremmen verlieren einen fröhlichen Menschen voller Tatendrang.

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Chronik Kremmen 2019

Freitag, den 20. Dezember 2019
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MAZ Oberhavel, 20.12.2019

Januar: In der Raniesstraße in Kremmen brennt ein Nebengebäude ab. +++ Kremmen hat eine neue gemeinsame Kirchengemeinde. +++ Das Polizeirevier zieht aus dem Rathaus ins Woba-Gebäude.

Brandanschlag auf den Jugendclub in Flatow. Unbekannte haben scheinbar am 14. Januar eine brennende Tonne an die Tür gestellt. Der starke Qualm und Ruß hat innen vieles zerstört. Dass daraus kein großes Feuer geworden ist, war wohl eines Glückssache. Bis zum Sommer dauerten dort die Sanierungsarbeiten.

Februar: Die Ex-Oberschulleiterin Elke Schwabe und Ellen Brunner vom Scheunenviertelverein bekommen die Ehrennadel der Stadt. +++ Großeinsatz: In Amalienfelde brennen ein Schuppen und der Dach eines Hauses. +++ Eine Initiative
sammelt Geld für einen Radweg nach Linum. +++ Die Randbereiche der Alten Dorfstraße in Groß-Ziethen sind saniert.

März: An der Alten Hamburger Poststraße werden neue Meilensteine eingeweiht. +++ Margitta Hammerl hat ihren letzten Tag als Sparkassen-Chefin in Kremmen. Ihr folgt Juliane Brösicke.

April: 274 Menschen beteiligen sich am Bürgerhaushalt in Kremmen und den Ortsteilen. +++ Landwirte schlagen Alarm: Die Böden sind trockener als zu Beginn des Dürrejahres 2018.

Die besten Spargelstecher – das war Ende April ein in Kremmen von der MAZ ausgerufener Wettbewerb. Wer kann in zehn Minuten die meisten Stangen stechen. MAZ-Leser Mario Winter machte am Ende das Rennen.

Mai: Die Kita „Villa Kunterbunt“ in Sommerfeld feiert 60. Jubiläum. +++ Der Überflug von Eurofightern erzeugt eine mächtige Druckwelle. +++ Die neue Buslinie zwischen Oranienburg, Schwante und Kremmen startet. Sie soll 2020 wieder
aufgenommen werden. +++ Auf einem Spargelfeld bei Flatow muss eine Handgranate entschärft werden. +++ Bei der Kommunalwahl siegt die CDU vor UWG/LGU und DUB.

Mehr als 100 Mitarbeiter der Sommerfelder Sana-Kliniken sind im Mai in einen zehnstündigen Warnstreik getreten. „Wir sind es wert“, stand auf der Streikkleidung. Die Angestellten fordern eine Lohnerhöhung um sieben Prozent.

Gleich zwei Musikclips von Bosse sind in Kremmen und Umgebung entstanden. „Ich warte auf dich“ mit Bjarne Mädel ist Anfang Februar veröffentlicht worden. Im Mai wurde unter anderen in Sommerfeld gedreht – für „Hallo Hometown“. Anwohnerin Sabrina Schepler stellte dafür auch ihr Grundstück zur Verfügung.

Juni: Das Sommerfelder Projekt „Dorv“-Laden ist gescheitert. Das Interesse ist zu gering. +++ Alle bisherigen Ortsvorsteher werden wiedergewählt. +++ Die Fußballer von Holstein Kiel trainieren in Kremmen.

Madline Fojut ist die Erntekönigin 2019/20 in Kremmen. Beim Tourismustag im Juni auf dem Spargelhof ist sie vorgestellt worden. Den größten Einsatz hatte sie beim Erntefest Ende August im Scheunenviertel. Seit 2001 lebt sie in Kremmen und ist in festen Händen, wie sie sagt. „Jetzt kommt meine Zeit“, sagte sie im Sommer.

Juli: Der Zutritt zum Strand am Kremmener See kostet nun Geld. +++ An der Beetzer Schule entsteht im alten Werkraum ein neuer Klassenraum. +++ Der Scheunenviertelverein feiert 25. Jubiläum. +++ Flatow feiert 110 Jahre Feuerwehr. +++ Andreas Dalibor verlässt die SPD.

Das Punkfestival „Resist to Exist“ sollte Anfang August in Kremmen stattfinden. Erst wenige Tage davor ist entschieden worden, nach Berlin-Marzahn auszuweichen. Im Juni fand auf dem Gelände am Oranienburger Weg
ein Pressetermin statt. Lokalpolitikern und den Organisatoren ist es dennoch nicht gelungen, das Festival für Kremmen zu retten. Im Landratsamt in Oranienburg ist auf eine Baugenehmigung beharrt worden. Es bestand das Verbot, Zelte und Catering aufzubauen. Inzwischen ist klar: Auch 2020 wird „Resist to Exist“ nicht in Kremmen stattfinden. Die Organisatoren wollen langfristig aber zurückkehren, heißt es.

August: Im Beetzer Hort werden Räume gesperrt. Treppe und Fluchtweg seien zu eng. +++ Wochenlang liegt Sanitär-Müll im Wald von Ludwigsaue.

September: Bei der Landtagswahl siegt in Kremmen die AfD vor SPD und CDU. +++ Der hohe Krankenstand im Rettungsdienst sorgt in Kremmen und Staffelde für Probleme. +++ Der Kremmener Tourismusverein löst sich auf.

Oktober: RE 6 und RB 55 fallen aus – die Bahn sorgt ständig für Probleme. +++ Die A 24 wird gesperrt. Ein Wochenende lang rollt der Verkehr über die Dörfer: Chaos! +++ „Webers Eck“ in Sommerfeld soll neu bebaut werden. +++ Hans-Georg Maaßen tritt auf dem Spargelhof auf.

Trauer in Beetz: Bäckermeister Mike Bollig ist im Oktober mit nur 55 Jahren verstorben. Ein paar Tage danach ist die Bäckerei ein letztes Mal geöffnet worden – zu Ehren des Beetzers. Die Familie und Angestellte haben sich dafür zusammengetan.

November: Medikamentenmangel. Auch in Kremmen gibt es Engpässe bei Ibuprofen und anderen Mitteln. +++ Bei der Schleppjagd in Staffelde kommt es zum Zwischenfall. Ein Begleitauto fährt in einen Graben. +++ In der Kita „Räuberhöhle“ in Staffelde gibt es zusätzliche Räume. +++ Der für den Brand im November 2018 in der Ruppiner Straße Verantwortliche, muss drei Jahre in Haft.

Dezember: Zum Jahresende gibt Stadtbrandmeister Gerd Lerche seinen Posten ab.

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Letzte Ehre für Mike Bollig

Montag, den 28. Oktober 2019
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Die Familie des verstorbenen Bäckermeisters begrüßt noch einmal zum Abschied die Kunden in ihrem Laden in der Beetzer Chausseestraße

MAZ Oranienburg, 28.10.2019

Beetz.
Schon als der Laden um 7 Uhr öffnete, standen viele Menschen davor. Sie wollten Abschied nehmen. Am Sonnabend öffnete die Bäckerei Bollig im Kremmener Ortsteil Beetz nach drei Wochen Pause – aber das zum letzten Mal. Am 5. Oktober war der Chef des Hauses, Bäckermeister Mike Bollig, unerwartet im Alter von nur 55 Jahren gestorben. „Wir haben alle Kunden persönlich begrüßt“, erzählte Lucas Penther, der Sohn des Verstorbenen. „Manche Kunden haben sogar Blumen mitgebracht.“

Der Tag für ihn und seine Schwester Vivienne Bollig begann bereits um 1.30 Uhr in der Nacht. „Da sind wir aufgestanden, um 2.30 Uhr waren wir hier“, so Lucas Penther. Sie standen dann in der Backstube – aber nicht allein. Hilfe kam unter anderen vom Oranienburger Bäckermeister Roland Schulz. Auch der Teschendorfer Bäcker Fred Plessow kam mit seiner Frau nach Beetz. „Als Papa vor drei Wochen ins Krankenhaus kam, hatten wir ihn auch schon angerufen“, so Lucas Penther. Er hatte die Lieferung für die Sommerfelder Klinik spontan übernommen.

Dass der Laden noch einmal öffnet, „das war unser Herzenswunsch“, sagte Vivienne Bollig. Und ihr Bruder ergänzte: „Die Arbeit, die Backstube, das war seine große Liebe. Er hat diesen würdigen Abschluss verdient.“ Er sei dort großgeworden, erzählte er außerdem. „Die Backstube hat unser Leben begleitet.“ Beide haben in den vergangenen Jahren auch regelmäßig in der Backstube geholfen, erzählten sie. „Als ich 14 Jahre alt war, begann ich, dort zu helfen.“ Später war sie jeden Sonnabend dabei, als auch Sohn Lucas mithalf, wechselten sie sich am Sonnabend immer ab.

Nicht alle Bollig-Spezialitäten konnten am Sonnabend angeboten werden. „Ein paar Sachen konnten wir nicht machen, er hatte ja viele Rezepte nur in seinem Kopf“, so seine Tochter. „Wir konnten nur darauf zurückgreifen, was wir gelernt haben“, sagte die 30-jährige Kremmenerin. Die anderen Bäcker lieferten dazu. „Aber da sieht man auch mal, was unser Vater geleistet hat. Wir haben es gerade mal geschafft, bis 7 Uhr die Brötchen zu backen.“ Die Theke war trotzdem voll, weil so viele geholfen haben: Nicht nur Brote und Brötchen lagen da zum Verkauf, auch verschiedene Sorten Pfannkuchen, Streuselkuchen, Bienenstich und vieles mehr.

Nach 7 Uhr gab es im Laden eine lange Schlange, die bis weit nach draußen reichte. Selbst am Vormittag strömten die Kunden weiter in den Laden. Gabi Weiß aus Alt Ruppin kam extra nach Beetz, nachdem sie aus der MAZ vom letzten Öffnungstag gelesen hatte. Auf dem Weg zur Arbeit musste sie mal einen Umweg fahren und stieß so auf die Bäckerei in Beetz. Sie sei noch einmal gekommen, „weil Kuchen glücklich macht, und er konnte das.“ Der Kuchen von Mike Bollig habe wie früher bei Oma geschmeckt. „Man hat gemerkt, dass er da viel Herz reingesteckt hat und es gerne gemacht hat.“ Deshalb hatte sie sich entschlossen, auch noch mal nach Beetz zu kommen.

Heike Schauer stand 24 Jahre lang im Beetzer Bäckerladen. „Ja, das ist schon komisch“, sagte sie über die Stimmung am Sonnabend. „Die Kunden waren oft betroffen, viele waren sehr traurig, manche haben sogar geweint.“ Sie sagt, sie sei am längsten im Laden gewesen.

Wie es mit dem Laden nun weiter geht, ist noch offen. „Eine richtig finale Entscheidung ist noch nicht getroffen“, sagte Lucas Penther. „Es wäre schön, wenn es eine Bäckerei bleiben kann, das liegt uns am Herzen, auch für die Beetzer. Aber wie eine Lösung aussehen kann, wissen wir noch nicht.“ Für so eine Entscheidung sei es auch noch viel zu früh. Nach diesem Sonnabend bleibt die Bäckerei erst mal geschlossen. Es seien aber Gespräche mit Interessenten geführt worden. „Wir wollen das Geschäft aber natürlich nicht an irgendjemanden abgeben“, so Lucas Penther. Sie wollen den Schatz in guten Händen wissen.

Die Familie muss die Geschäfte nun abwickeln. Generell sei es nicht einfach, mit den Büchern, die jemand anderes geführt hat, zurechtzukommen. „Aber wir haben Hilfe von einem Freund“, so der 19-Jährige Sommerfelder. „Der hat einen klaren Kopf.“ Ansonsten ist die Familie über jede Ablenkung dankbar. „Selbst Freunde, die nur mit uns reden, lenken uns ab.“ Immer wieder kämpfen alle mit den Tränen, und als sie den Laden dann abschlossen, da ging in Beetz eine Ära zu Ende – die von Bäckermeister Mike Bollig.

(Onlinefassung)

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Die Umleitung der Umleitung

Montag, den 30. September 2019
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Von Beetz nach Berlin-Prenzlauer Berg. Eigentlich ist das relativ simpel. Denn von Beetz führt die Landesstraße direkt zur B96, dort kann man bei Sachsenhausen gleich auf die Schnellstraße und weiter zur Autobahn.
Blöd nur: Die Auffahrt in Richtung Berlin ist gesperrt.

Alternative: Von Beetz über Kremmen und Vehlefanz zur Anschlussstelle Oberkrämer. Ist ein bisschen umständlicher, aber funktioniert auch.
Blöd nur: Die Auffahrt in Richtung Berliner Osten ist gesperrt.

Stattdessen ging es über Kremmen und Staffelde zur Anschlussstelle Kremmen auf die A24. Man könnte sagen, das ist ein ziemlicher Umweg. Gleich zwei wichtige Strecken sind gesperrt.
Immerhin: In Staffelde ist die Auffahrt nicht gesperrt.

Aber das Ärgerliche: In Sachsenhausen passiert seit Wochen nichts, weil man zwar die Straße gesperrt hat, aber dennoch nicht weiterkommt im Bau der Auffahrt.
Ganz schön blöd.

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