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daheim – das beste

Samstag, den 30. August 2014
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MI 27.08.2014 | 21.05 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Nein, früher war nicht alles besser. Und, nein, auch nicht das Fernsehen. Jedenfalls nicht das Bayerische Fernsehen.
Das Dritte des BR feiert in diesen Tagen den 50. Geburtstag. Und wie feiert man das? In dem man sich alte Alben ansieht, und im Fall eines Fernsehsenders alte Sendungen, Serien und Shows.

Am Mittwoch lief Folge 1 von “daheim – das beste”. Wir sehen Promis dabei zu, wie sie fernsehen. Interessant? Nein, natürlich nicht. Da sitzt also irgendein ehemals bekannter BR-Star, sieht Ausschnitte einer Serie und sagt: “Wahnsinn.”
Ähm, ja.
Warum denken Fernsehmacher eigentlich, dass es spannend sein könnte, Leute dabei zu filmen, wie sie sich etwas ansehen und was Geistarmes dazu sagen.

Selbst einstige Serienhits wie “Monaco Franze” wirken heute trutschig, und erst recht das “Telekolleg” oder das 90er-Jahre-Entertainmentmagazin “Leos”. Wenn sich Promis das mit glasigen Augen ansehen und sagen: “Hach, das müsste es heute auch noch geben.” Dann erwidert man als Zuschauer: “Ähm, nein, besser nicht.”

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24h Jerusalem

Sonntag, den 13. April 2014
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SA 12.04.2014 | 6.00 Uhr | arte

24 Stunden Jerusalem, von 6 bis 6 Uhr. Einen ganzen Tag lang streift man durch die israelische Großstadt, das Fernsehen macht’s möglich.
Nach dem riesigen Erfolg von “24h Berlin” folgt nun der zweite Stadt, die 24 Stunden lang unter die Lupe genommen wird. 70 Filmteams begeleiteten 90 Menschen im West- und Ostteil der Stadt. Das Bayerische Fernsehen und arte zeigen das Mammutprojekt.

Aber der Hype bleibt aus, denn auch wenn die Projektleiter dieselben sind wie damals in der deutschen Hauptstadt, gibt es einen großen Unterschied. “24h Berlin” spielte hier. Wer im Sendegebiet des rbb lebte, kannte auch Berlin. Der wusste, dass es diesen einen Tag gab, an dem zig Kamerateams in der Stadt unterwegs waren. Der rbb hatte das intensiv begleitet. Und natürlich war die ganze Stadt und das Umland sehr gespannt darauf, was denn da nun rausgekommen ist. “24h Berlin” zeigte die Heimat und die Leute von nebenan.

“24h Jerusalem” fehlt dieser Reiz. Auch wenn es auch dort ebenfalls faszinierende Augenblicke gibt, auch wenn man durchaus länger dranbleibt – das Fieber bleibt aus, die große Begeisterung. Jerusalem ist eine spannende Stadt voller Gegensätze, aber sie ist weit weg. Zumindest mir fehlte irgendein Bezug, das machte es mir schwer, reinzukommen in die Doku, der Anreiz dazu blieb aus.
Dass der BR sein komplettes Programm freiräumt und teilweise auf den Bilungskanal BR alpha abschiebt, ist aber dennoch eine sehr bemerkenswerte Sache, die man nicht oft genug loben kann.

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Blickpunkt Sport: Mario Götze und das Dortmund-Trauma

Montag, den 25. November 2013
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SO 24.11.2013 | 22.05 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Fußball ist meist ein schöner Sport. Ein spannender. Ein nervenaufreibender auch. Fußballfans allerdings finde ich manchmal ein bisschen, nun ja, komisch. Einen Hauch unsympathisch.
Als der Fußballer Mario Götze von Dortmund zu den Bayern nach München wechselte, war der Schock bei den Dortmunder Fans verständlicherweise groß. Und sie haben das bis heute nicht verschmerzt.

Das haben sie ihm am Sonnabend deutlich gezeigt. Das Bayerische Fernsehen berichtete am Sonntag im “Blickpunkt Sport” über das Spiel der Bayern in Dortmund. Mario Götze kehrte also mit seinem neuen Verein in die alte Stadionheimat zurück.
Sagen wir mal so: Die Dortmunder haben dem Mario gezeigt, was sie von ihm halten. “Fick dich, Mario!”, stand auf einem der Spruchbänder. Auch die Sprechchöre waren eindeutig, die gellenden Pfiffe sowieso.

Übrigens hieß es eine Stunde später bei “Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs” im WDR, dass alles friedlich verlaufen sei und es gar keine Pfiffe gegeben habe, dass man Götze stattdessen völlig ignoriert habe.
Da haben der BR und der WDR offenbar verschiedene Informationen.

Okay, Ausschreitungen gab es also nicht. Aber “fick dich”? Nennt man das Niveau? Sind (einuge) Fußballfans dermaßen verstockte, beleidigte Leberwürste, dass sie rumpöbeln müssen? Reicht die Fußballliebe so weit, dass man keine Gegner oder Entscheidungen nicht mal im Ansatz akzeptieren will?
Mit solchem dumpfen Fangehabe will ich nichts zu tun haben. Auch ein Grund, warum mich zwar die Bundesliga ganz grundsätzlich interessiert, ich aber nur wenig Lust habe, ins Stadion zu gehen.

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Tagesschau extra / Der Papst ist gewählt

Donnerstag, den 14. März 2013
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MI 13.03.2013 | 19.05 Uhr | Das Erste

Weißer Rauch. Dann ging ja doch alles ganz schnell. Als um 19.06 Uhr der helle Dampf über der sixtinischen Kapelle in Rom aufstieg, stieg auch der Puls vieler Mitarbeiter in den Fernsehsendern.

phoenix war sowieso stundenlang auf Sendung. Das ZDF brach die laufende “heute”-Sendung ab und begann ein “ZDF spezial”, Das Erste blendete sich aus seiner laufenden Serie aus, begann ein “Tagesschau extra” und wechselte dann zur BR-Sondersendung “Der Papst ist gewählt”.

Es ist seltsam. Das Amt des Papstes tangiert mich eigentlich nicht. Aber solche Weltereignisse finde ich dann doch immer spannend – Geschichte live.
Eine gute Stunde lang passierte dann erst mal gar nichts – Schwenks über den Petersplatz, Expertengespräche, kurze Filme.
Eines musste man dem neuen Papst Franzikus lassen: Er wartete die 20-Uhr-Tagesschau ab, er hat echte Manieren.

Diese 20-Uhr-Tagesschau war die ungewöhnlichste seit langem – nicht nur, weil sie 47 Minuten dauerte, sondern weil es live zwei verschiedene Versionen gab.
Das Nachrichtenteam in Hamburg stand vor der Situation, dass das Weltereignis genau zur Tagesschau-Zeit stattfand. Die Live-Schaltung konnte also nicht nur zwei Minuten dauern, es wäre unsinnig gewesen, einfach erstmal die anderen Meldungen abzuarbeiten. So erschien gegen 20.05 Uhr Sprecher Jan Hofer wieder, um sofort zurück nach Rom zu schalten. Genau genommen wurde die “Tagesschau” damit unterbrochen – denn Das Erste zeigte wieder die BR-Sendung “Der Papst ist gewählt”, die auch parallel im Bayerischen Fernsehen lief. Beim NDR selbst muss man spontan entschieden haben, dort, im eigenen Dritten, die eigentliche “Tagesschau” fortzusetzen. Sie endete dort pünktlich um 20.15 Uhr. Alle anderen Dritten übernahmen jedoch das Tagesschau-Signal vom Ersten. Der hr blendete sich 20.15 Uhr aus, der rbb gegen 20.32 Uhr, WDR und SWR blieben bis zum Ende dabei. Denn ab etwa 20.35 Uhr lief dann auch im Ersten der Rest der Tagesschau. In Hamburg muss es drunter und drüber gegangen sein…

Sogar RTL unterbrach sein Hauptabendprogramm. “Teenies auf Partyurlaub” ist dort von der Antrittsrede des neuen Papstes unterbrochen worden. Was für ein Gegensatz. Ob sich Papst Franziskus über so ein müllig-sexy Rahmenprogramm freut? Nach den Teenies ging’s nämlich flott weiter mit unpäpstlichen “7 Tage Sex”. Kein Wunder, dass sich RTL-Nachrichtenmann am Ende der “RTL News” nicht getraut hat, zu sagen, mit welcher Sendung es denn nun weitergeht.

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Eröffnung der 26. Medientage München 2012

Donnerstag, den 25. Oktober 2012
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MI 24.10.2012 | 9.50 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Fünf Minuten Bild- und Tonausfall. Das kommt dabei heraus, wenn das Bayerische Fernsehen eine Live-Diskussion über die “bunte Zukunft der Medien” überträgt. das muss wohl zwischen München und München jemand auf der Leitung gestanden haben.

Mehr als drei Stunden lang übertrug der BR die Eröffnung der 26. Medientage in München. Bayerns Horst Seehofer (CSU) schien am Mittwochvormittag sehr gut gelaunt gewesen sein, denn er prophezeite allen Medien eine rosige Zukunft.
Fernsehen werde immer seine Rolle behalten, sagte er in seiner Rede. Es zeichne sich nicht ab, dass sich das ändern würde. Dass sich eventuell immer mehr im Internet abspielt, dass sich die Leute ihren Fernsehkram immer öfter aus den Mediatheken holen oder einfach nur bei Youtube hängenbleiben – das scheint Seehofer in seiner rosaroten Zukunft nicht zu sehen.
Andererseits ist die Fernsehnutzung derzeit tatsächlich noch steigend, aber wer ist das eigentlich, wer sich im Tagesprogramm den Billigramsch im Privatfernsehen ansieht?

Aber Seehofer ist da nicht allein, die Zeitungsbranche glaubt ja auch, dass es die Blätter noch ewig geben wird und jubeln über “nur noch kleine Verluste”…

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rundshow

Dienstag, den 15. Mai 2012
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MO 14.05.2012 | 23.00 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Der Bayerische Rundfunk kündigte für Montagabend die Revolution an: Fernsehen und Internet sollten näher zusammenrücken.
Wahnsinn. Das hat sich bislang noch kein Fernsehsender getraut. Fast 20 Jahre nach der Erfindung des Internets und gut 10 Jahre nach “Giga” bei NBC traut sich der BR da echt mal was… ähm, Neues.

Am Montag startete im Bayerischen Fernsehen die “rundshow”. Das heißt: Als sie im Fernsehen begann, lief sie im Internet via Livestream schon eine Weile. Via Twitter, Facebook und Hastenichtgesehn konnten die User – die, hüstel, Webgemeinde, sich an der Sause beteiligen.
In der TV-Version war von der Webbeteiligung nur wenig zu spüren. Das Tagesthema drehte sich um die Aufforderung “Empört euch!”
Über Webcams zugeschaltete Jugendliche erzählten, wie sie gegen Wasauchimmer protestieren. Spanier berichteten von Studentenaufständen, dazu wurden noch diverse andere Experten zugeschaltet.

Eine Meinung nach der anderen wurde abgefragt. Eigentlich wie in einer normalen Magazinsendung – mit dem Unterschied, dass die Zugeschalteten beim BR in mieser Bild- und Tonqualität zu erleben waren. Voll Internet, der Wahnsinn. Direkte Fragen an die Zuschauer im Web gab es nur indirekt.
Web und TV rückten nicht wirklich aneinander – beide liefen parallel nebeneinander her. Und damit erfindet der BR das Fernsehen nun wirklich nicht neu. Revolutionär war da gar nichts. Gegen die “rundshow” ist das Talkformat “log in” auf zdf info die pure Interaktion.
Keine wirkliche Reaktion auf Twitter-Meldungen und Fragen – oder der Blick zu Facebook fehlten komplett. Mal abgesehen davon, dass der Nachrichtentag eigentlich spannendere Themen zu bieten hatte, als spanische Proteste vor einem Jahr.
Ein ganz schön lahmer Auftakt für das Zukunftsfernsehen. Andererseits: Hallo? Das ist der BR. Für den BR war das alles schon verdammt innovativ. Also, ein kleines bisschen.

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Donnerstag, den 26. Mai 2011
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MI 25.05.2011 | 21.45 Uhr | Bayerisches Fernsehen

Ein Film wie ein Trip. Ein Lärmtrip.
Marthe lebt mit ihrer Familie an einer nie fertiggestellten Autobahn. Aber eines Tages wird die Strecke dann doch eröffnet. Und die Autos und Lkws donnern am Haus vorbei. Die Leitplanke ist der Gartenzaun.
Im Haus ist’s laut, eine permanente Lärmkulisse. Im Garten verstehen sie ihr eigene Wort nicht. Eine Straße haben sie nicht, nur das Feld drumherum. Das Auto parkt auf der anderen Seite der Autobahn, da ist ein Sandweg. Sie müssen rüberrennen.

Das ist nicht nur für die Familie im Film ein Höllentrip. Sondern auch für die Zuschauer. “Home” lief am Mittwochabend im Bayerischen Fernsehen, und permant war nur das Autorauschen. Das Heulen der Motoren. Eine üble Kulisse. Ein Geräusch, dass einen ganz wuschig macht.
Deutlich wird das, als die Familie ihr Haus abschottet und plötzlich ist es – still. Total. Auch im Film. Plötzlich hört man nichts mehr. Da ist nur dieses Rauschen in den Ohren.

Ein sehr krasser Film über das Leben mit dem Lärm. Und ein Hörerlebnis für den Zuschauer.