KeineWochenShow

#170 – Corontäne

Sonntag, den 5. April 2020
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Es ist unsere dritte Corona-Spezial-Sendung. Zum dritten Mal unterm Carport statt in unserem Studio-Keller. Die Ereignisse rund um das Coronavirus dominieren auch diese 170. Ausgabe.
Wir reichen den letzte Woche “vergessenen” Beitrag mit dem Balkongesang nach. Außerdem diskutieren wir darüber, ob und wie die Bundesliga fortgesetzt werden kann. Ob eine Handy-App sinnvoll wäre, um zum Coronavirus zu informieren. Und was eigentlich mit den Kitagebühren für die Kinder ist, die noch in die Kita können – auch darüber wird nämlich diskutiert.
Außerdem gibt es einen Beitrag aus Bärenklau, wo mehrere Damen Gesichtsmasken nähen – zwei davon gehen mit, und dafür gibt es Geld für einen guten Zweck. In einem zweiten Beitrag wird der Spargel-Drive-In auf dem Spargelhof Kremmen getestet.

Darüber hinaus sprechen wir aber auch über die allerletzte Folge der “Lindenstraße” nach mehr als 34 Jahren. Und über den abgesagten Eurovision Song Contest 2020 und die zwei angekündigten Ersatz-Events.
Das alles und mehr in KeineWochenShow #170 auf Youtube.

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aRTikel

Tischdecken werden zu Masken

Dienstag, den 31. März 2020
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Dagmar Martin, Rotraud Braesicke und weitere Frauen aus Bärenklau sind fleißig am Nähen – Die Spendeneinnahmen gehen an den Germendorfer Tierpark

MAZ Oberhavel, 31.3.2020

Bärenklau.
Sie werden jetzt überall dringend gebraucht: Schutzmasken für den Mund. In Bärenklau haben sich jetzt mehrere Frauen zusammengetan, um solche Masken herzustellen.

Sie machen das, „weil man weiß, dass man etwas Nützliches macht“, sagt die Bärenklauerin Dagmar Martin am Montag. „Ich bereite mich sonst auf unsere Tanzgruppe vor oder auf den Chor, und das geht ja jetzt gerade alles nicht. Und da man immer wieder hört, dass Masken gebraucht werden, dachten wir uns, dass wir uns da einbringen können.“ Gesagt, getan – schon in der vergangenen Woche entstanden auf diese Weise 166 Masken.
„Ich habe mich vorher beraten lassen“, sagt Dagmar Martin – nämlich von Rotraud Braesicke. „Ich bin Schneiderin“, erzählt sie im MAZ-Gespräch am Telefon. „Ich habe eine elektrische Maschine.“ Insgesamt sind sieben bis acht Frauen aus Bärenklau an der Aktion beteiligt. „Das macht jede für sich zu Hause“, so Rotraud Braesicke. „Ich habe eine Art Prototypen hergestellt, den hat Dagmar Martin dann verteilt.“ Und dann konnte die Arbeit auch schon losgehen.
„Wir nähen die Masken aus Stoff“, so die Bärenklauerin weiter. Es fing an mit Tischdecken. Sie stammen aus dem Dorfkrug in Bärenklau, noch aus der Zeit vor den heutigen Besitzern. „Die haben wir damals bekommen, vom damaligen Wirt der Gaststätte. Aber die passen auf keinen Tisch drauf, sind zu breit und zu kurz, haben seltsame Maße. Da haben wir dann gedacht: Die können wir doch dafür nehmen. Und die sind sehr schön, und man bekommt auch gut Luft dahinter, man kriegt keine Atemnot.“ Die Tischdecken seien aus 100-prozentiger Baumwolle. Sie werden zurecht geschnitten und mit Bändchen versehen.

Die Masken gehen einerseits an das Caritas-Seniorenzentrum St. Elisabeth in Velten. Andererseits aber auch an die Einwohner von Bärenklau. „Wir haben das in Bärenklau ein bisschen bekannt gemacht“, erzählt Dagmar Martin. „Wir habe schon einige abgegeben.“ Gegen eine Spende in Höhe von fünf Euro seien sie zu haben. „Der Erlös geht dann an den Tierpark in Germendorf. Die freuen sich da vielleicht.“ Dagmar Martin findet, dass der Park unbedingt weiter bestehen müsse. „Da gehen die Leute doch so gern hin.“ Die Leute im Seniorenzentrum brauchen für die Masken allerdings nichts zu spenden, ergänzt die Bärenklauerin. Zu St. Elisabeth seien schon 36 der Masken gegangen.

Dagmar Martin hat auch eine Meinung über die Diskussion, bald die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Corona-Virus zu lockern: „Ich bin nicht dafür, wir sollten das jetzt einmal richtig durchziehen. Die Diskussion, das jetzt zu lockern, ist Quatsch.“

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aRTikel

Verunsicherung nach positivem Corona-Test

Samstag, den 28. März 2020
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Familie Welke aus Bärenklau hätte sich schneller konkrete Informationen vom Gesundheitsamt gewünscht

MAZ Oberhavel, 28.3.2020

Bärenklau.
Der Corona-Test war positiv. Und für Angelika Welke (62) aus Bärenklau begann eine Zeit der Unsicherheiten. Ebenso für ihren Mann Hagen (63), der die Lungenkrankheit COPD hat.
Sie arbeitet in einem Berliner Warenhaus. „Da hatte sie mit jemandem Kontakt, der Corona-positiv getestet wurde“, erzählt Hagen Welke in einem Gespräch mit der MAZ. Der Kontakt geschah am 10. März. Am 13. März ist sie von ihrem Arbeitgeber informiert worden. „Wir sollten uns dann beim Gesundheitsamt melden“, so der Bärenklauer weiter. Aber am Freitagnachmittag sei niemand erreichbar gewesen, auch am Wochenende hatten sie niemanden erreicht – erst am Montag, 16. März. Am Tag danach sollte Angelika Welke zum Test. „Soll ich auch mit?“, fragte ihr Mann, immerhin gehört er mit seiner Krankheit zur Hochrisikogruppe. „Die Antwort war: Nein, brauche ich nicht. Ich war ja nicht in Kontakt“, so erzählt er.

Am 18. März stand dann fest, dass seine Frau infiziert ist. Damit verbunden war nun, dass sie angeben musste, mit wem sie seit dem 12. oder 13. März Kontakt gehabt hatte. „Aber das war fast nur die Familie“, so Hagen Welke. „Ich wollte dann natürlich wissen: Und was ist mit mir?“ Er konnte am 19.  März ebenfalls einen Test machen. Das Ergebnis ließ jedoch auf sich warten. „Am Montagnachmittag wollte ich wissen, was aus meinem Test geworden war. Die Antwort am Telefon lautete: Ich weiß nichts davon.“ So was trage nicht gerade zur Beruhigung bei, sagte der Bärenklauer. Das alles sorgte bei den Hagens für Verunsicherung. Natürlich waren sie nun in häuslicher Quarantäne. Aber wie lange? War die Zeit der Quarantäne für beide gleich? Und was bedeutet das für das Zusammenleben, wenn sie positiv ist und er negativ?

Die Welkes kritisierten noch Mitte dieser Woche, dass die Informationen nur spärlich gewesen seien. Etwas Schriftliches hatten sie zu dem Zeitpunkt immer noch nicht. Zwar habe es jeden Tag Anrufe durch das Gesundheitsamt gegeben, aber solche konkreten Fragen habe man dort nicht beantwortet bekommen.
Deshalb hatte sich die MAZ am Mittwoch an die Kreisverwaltung in Oranienburg gewandt. „Personen, bei denen ein positiver SARS-CoV-2 Befund gemeldet wird, werden durch Mitarbeitende des Gesundheitsamtes in einem Erstgespräch darüber telefonisch in Kenntnis gesetzt“, teilte Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Es erfolge eine mündliche Belehrung darüber, dass enge Haushaltsmitglieder zu den Kontaktpersonen der Kategorie 1 gehören und somit eine häusliche Absonderung für 14 Tage erforderlich sei. „Dabei wird auch erfragt, ob sich besonders schutzbedürftige Personen oder Personen einer Risikogruppe im Haushalt befinden, die dann bei Möglichkeit gesondert einen Aufenthalt wählen müssen.“ Den Welkes aber scheint das nicht so ganz gesagt worden zu sein. Allerdings bekamen sie noch am Mittwoch einen Anruf, und inzwischen ist auch der Brief mit dem schriftlichen Bescheid da – auch mit den Hinweisen zum Zusammenleben.

So langsam kehrt Ruhe bei den Welkes ein. Der Krankheitsverlauf bei Angelika Welke ist milde verlaufen. Husten und dazu Kopfschmerz – allerdings: kein Fieber. „Sie hatte in dieser Zeit oft nicht mal 36 Grad“, sagte ihr Mann. Die Quarantäne der beiden endet in der kommenden Woche.

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aRTikel

Chronik Oberkrämer 2019

Samstag, den 14. Dezember 2019
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MAZ Oberhavel, 14.12.2019

Januar: Neujahr gegen 1 Uhr brennt im Schlossweg in Schwante eine Hecke. +++ Feuer beim Autohandel in Eichstädt – Brandstiftung. Schaden: 13 000 Euro. +++ Krise beim Bärenklauer Kulturverein Arge Baer. Der Vorstand findet keine Nachfolger. Der Ortsbeirat kümmert sich nun um das Erntefest. +++ Andres Irmisch aus Schwante verlässt die CDU.

Die Brücke am Wendemarker Weg in Bärenklau war am Jahresanfang schon einmal gesperrt – aber Bauarbeiten fanden nicht statt. Während die Sperrung termingerecht erfolgte, verzögerte sich der Baustart oben auf der Autobahn. Das sorgte im Ort für Protest. Karsten Peter Schröder vom Ortsbeirat machte seinem Unmut Luft. Mit Erfolg – die Sperrung der Straße wurde für einige Wochen wieder aufgehoben.

Februar: Der Schwantener Bäcker Karl-Dietmar Plentz gibt das Buch „Der Brotmacher“ heraus. +++ Der Familiensportverein will in Bärenklau eine Hockeyanlage betreiben. Aber eine Bodenversiegelung wird nicht gestattet.

März: Carsten Schneider verlässt die SPD und wechselt zu den Linken. +++ Das Sommerlager der Freikirche findet nicht mehr in Vehlefanz, sondern in Oranienburg statt.

Die Feuerwehr in Oberkrämer hat im März für die Wachen in Bötzow, Marwitz und Vehlefanz neue Löschfahrzeuge bekommen. Die Übergabe fand an der Oberkrämerhalle in Eichstädt statt. Etwa 1,2 Millionen Euro hat die Gemeinde in diese Neuanschaffungen investiert. Mit großen Getöse sind die drei Autos auf den Platz gefahren – unter dem Applaus der Anwesenden und mit einer Feuershow am Wegesrand. Die alten Fahrzeuge haben den Anforderungen nicht mehr entsprochen.

April: Ingo Pahl von der Feuerwehr Marwitz stirbt mit 71 Jahren. +++ Die Freikirche will in Vehlefanz eine Kita eröffnen. +++ Joanna und Gregor Künzer eröffnen den Dorfkrug in Bärenklau neu.

Erika Kaatsch verabschiedete sich mit der Kommunalwahl im Mai von ihren Ämtern. Mit 84 Jahren trat sie mehr an. Lange war sie Ortsvorsteherin von Vehlefanz – hier mit ihrem Ortsbeirat. Abschied nahm sie auch von der Gemeindevertretung. Sie hat viel bewegt im Ort, nun genießt sie ihr Leben.

Mai: Die Büffel aus Schwante büxen aus und werden von der Polizei bei Klein-Ziethen gestellt. +++ Das Dach der Kirche in Marwitz ist fertig. +++ Die Bahn fällt ständig aus, das sorgt für Ärger bei den Pendlern. Offener Brief verhallt. +++ Neuer Hort in Bötzow wird eröffnet. +++ BfO gewinnt bei den Kommunalwahlen, AfD erstmals in der Gemeindevertretung.

Juni: Mandy Krenz wird neue Ortschefin in Bötzow, Hubert Gediga neuer Ortsvorsteher in Vehlefanz.

Loretta Würtenberger und Daniel Tümpel sind die neuen Besitzer von Schloss Schwante. Christian Schulz und das Monbijou-Theater mussten es aus finanziellen Gründen verkaufen. Der Wechsel hat im Ort für viel Wirbel gesorgt, denn die Familie will im Schloss auch wohnen. Die Sorge war groß, dass der Weg durch den Schlosspark und der Park selbst nicht mehr nutzbar seien. Die Kommunikation schien nicht immer einfach. Der Weg im Park wird nun verlegt.

Mehrere Feuer in der Nähe von Wolfslake sorgten im Juni für einen Großeinsatz der Feuerwehren aus der Region. Immer wieder flammten Glutnester auf. Zwischenzeitlich musste wegen des Qualms sogar die Autobahn zwischen dem Dreieck Havelland und Falkensee gesperrt werden.

Juli: Die Apfelernte in Eichstädt-Ausbau fällt aus – der Frost im Frühjahr ist schuld. +++ An der Nashorn-Grundschule in Vehlefanz wird die Fassade erneuert.

August: Jennifer Prahl wird die Leitung der Bibliothek übernehmen. +++ Spendenaktion für Johannes (3) aus Marwitz beginnt. Er hat einen Gehirntumor.

September: SPD, AfD und CDU bei der Landtagswahl in Oberkrämer vorn. +++ Bei Schwante muss ein Kleinflugzeug nach Propellerbruch notlanden. +++ Unbekannte hinterlassen bei Eichstädt riesigen Müllberg. +++ Der Förderverein der
Kirche in Eichstädt hat jetzt 100 Mitglieder.

Die alte schmale Brücke am Gewerbegebiet Vehlefanz, die über die A 10 führte, ist Geschichte. Inzwischen gibt es eine neue Brücke, die mehr Platz bietet, perspektivisch mit Radweg-Anschluss. Die A 10, die durch Oberkrämer führt, ist eine Großbaustelle. Sie wird auf sechs Fahrstreifen verbreitert. Bis zum Jahresende ist eine der neuen Fahrbahnen bereits fertig. Immer wieder ist es 2019 zu Verkehrsbehinderungen gekommen. Die Anschlussstelle war längere Zeit gesperrt, für die Autofahrer bedeutete es lange Umwege. 2020 geht es weiter.

Oktober: Die Verwaltung in Eichstädt soll ausgebaut werden. +++ Edeka in Vehlefanz will hinter dem jetzigen Gelände neu bauen. +++ Dino Preiskowski und Dana Bosse leiten die SPD in Oberkrämer. +++ In Sommerswalde wollen die Buddhisten einen Tempel bauen.

November: „Reckin’s Eiche“ in Klein-Ziethen soll im August 2020 geschlossen werden. +++ Der Bahnübergang am Lindenweg in Schwante soll wieder gesperrt werden – nach Protesten nur halbseitig. +++ Die Grünen gründen gemeinsamen Ortsverein mit Leegebruch. +++ Justiziar Peter Matschke verlässt die Gemeinde Anfang 2020. +++ Die Energieinsel in Vehlefanz bekommt den Zukunftspreis des Landes Brandenburg. +++ Die Brücke auf der L 20 in Bötzow ist wieder frei.

Dezember: Der Bau eines zweiten neuen Hortgebäudes beginnt in Bötzow. +++ Die gGmbH Kenntnisreich macht das Angebot, in Oberkrämer eine Kita zu bauen.

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RTelenovela

Irrwege in der A10-Baustelle

Freitag, den 6. Dezember 2019
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Der Autobahnbau auf dem nördlichen Berliner Ring kommt voran. Teilweise sind die Autofahrer schon auf der neuen Fahrbahn unterwegs. Wer auf der Anschlussstelle Oberkrämer in Richtung Oranienburg auf die A10 will, der bekommt gewissermaßen schon eine Preview. Denn einen guten Kilometer geht es zwischen Warnbaken auf der neuen Fahrbahn voran. Erst vor vor Bärenklau wird der Verkehr von der Auffahrt in den fließenden A10-Verkehr geleitet. Fährt sich übrigens gut.

Am Donnerstagvormittag aber, da sorgten die Bauarbeiter für ein merkwürdiges Verwirrspiel. Weil gerade die Baken umgestellt wurden, wusste der Fahrer vor mir nicht so genau, wo es denn nun lang gehen sollte. Der Bauarbeiter in der orangen Warnweste zeigte den Weg. Einen Kilometer weiter zeigte ein anderer Bauarbeiter zur Seite, wir sollten rechts an ihm vorbeidüsen. Die Kolonne blieb also auf der neuen Fahrbahn. Offenbar sollte wieder eine neue Fahrbahnführung kommen.
Die Kolonne stoppte aber in einer Sackgasse. Irgendwann war einfach Schluss, da standen Baufahrzeuge, keiner kam mehr vorbei. Ratlosigkeit. Um dann: umdrehen. So ging es wieder zurück, bis zur der Stelle, wo wir dann alle doch noch in den A10-Verkehr aufschließen konnten. Fast ein bisschen Anarchie, aber wieso uns die Bauarbeiter in die Sackgasse geleitet haben, wissen vermutlich nicht mal sie selbst. Dass da plötzlich Autos in der Baustelle stoppten, hat eigentlich auch keinen interessiert…

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KeineWochenShow

#150 – Wolfgang Krüger, Rias-TV und der Mauerfall

Sonntag, den 17. November 2019
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In unserem zweiten Special zum Mauerfall vor 30 Jahren – und zu unserer 150. Sendung! – haben wir mal wieder einen Gast in unserem Keller.
Wolfgang Krüger (69) lebt heute in Bärenklau. Zur Wendezeit war er Chefredakteur von Rias-TV in West-Berlin und hat damals natürlich auch über den Mauerfall berichtet. Bei uns erzählt er, wie er die Zeit erlebt hat, was am 9. November 1989 im Sender los war und wie er die Zeit bis zur Deutschen Einheit einschätzte.

Wir finden, es ist ein spannendes Gespräch geworden, auch weil die Analyse der Ereignisse, die Wolfgang Krüger interessant ist. Zudem ist heute – 1992 ist Rias-TV in der Deutschen Welle aufgegangen – über den Sender selbst gar nicht mehr so viel bekannt. Dass es neben dem SFB-Fernsehen in Berlin noch Rias-TV gab, wissen nur noch wenige.

Das Gespräch gibt es in KeineWochenShow #150 auf Youtube.
Und wenn es länger geworden ist als geplant, gibt es im Teaser zur Sendung Bonusmaterial.

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aRTikel

Die Zeit des Aufbruchs ist 30 Jahre her

Samstag, den 9. November 2019
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Sozialdemokraten erinnern in Bärenklau an die Wende 1989 – fast schon ein bisschen wehmütig

MAZ Oberhavel, 9.11.2019

Bärenklau.
Es war eine Zeit des Aufbruchs. Damals, 1989. Vor 30 Jahren. Im Bärenklauer Dorfkrug ist am Donnerstagabend das Jubiläum der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR gefeiert worden. Die war am 7. Oktober 1989 im Pfarrhaus in Schwante. Die SDP ist ein paar Monate später auch in der DDR in SPD umbenannt worden. Von der Euphorie ist heute, 2019, nicht mehr bei allen Sozialdemokraten viel übrig. Das war am Donnerstag im Dorfkrug zu merken, und nicht nur, weil gerade mal 20 Leute zu der Veranstaltung des SPD-Unterbezirksausschusses Oberhavel kamen. Viele ließen sich entschuldigen, von den Jusos kam nur einer. Ein bisschen Enttäuschung schwang den Abend durchaus mit.
Dabei ist die SPD in Oberhavel mit etwa 650 Mitgliedern der drittgrößte Unterbezirk in Brandenburg. 13 Ortsvereine gibt es im Landkreis. „Die Stimmung bei uns ist deutlich besser als dargestellt“, sagte Susanne Kohl, die Vorsitzende des SPD-Unterbezirksausschusses in Oberhavel. Die Mitgliederzahl sei stabil, dennoch sei man traurig, dass die Partei auch bei den Kommunalwahlen viele Federn habe lassen müssen. Sie selbst ist seit 15 Jahren in der SPD. Sie stammt aus Südhessen, lebt seit 2000 in Birkenwerder. „Aber ich habe schon als kleines Mädchen Plakate für die SPD geklebt.“ Sie sei in einem politischen Elternhaus groß geworden.

Im Dorfkrug ist dann ein Film von 2013 gezeigt worden. Darin erzählen bekannte Größen der Oberhavel-SPD von der Gründung der damaligen SDP 1989 in Schwante und der Entstehung der verschiedenen Ortsvereine im Kreis Oranienburg. Markus Meckel berichtete in dem Film, dass die Vorbereitungen zur Gründung der SDP schon im Januar 1989 begonnen haben, Ende August erging der Aufruf zur Gründung der Partei, am 7. Oktober erfolgte die formelle Gründung.
Schwante schaffte es damals sogar bis in die Tagesschau vom 8. Oktober 1989. Karsten Peter Schröder aus Bärenklau verfolgte damals die Nachrichtensendung: „man wollte doch wissen,was läuft.“ Als der Name Schwante gefallen sei, habe er noch überlegt, wie viele Schwantes es wohl gebe. Dass damit das Schwante nebenan, drei Kilometer Luftlinie entfernt, gemeint sei, habe er erst geschnallt, als die entsprechende Karte im ARD-Fernsehen auftauchte.

Im Januar 1990 war Karsten Peter Schröder dann an der Gründung des Bärenklauer SDP-Ortsvereins beteiligt und wurde auch gleich dessen Vorsitzender. In Brandenburg erzielte die SPD dann zwar Erfolge, aber zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 „kam die erste große Klatsche“, so Schröder am Donnerstagabend. Die CDU gewann die Wahlen, auch bei den Kommunalwahlen wurde die SPD zweitstärkste Kraft hinter der CDU.

Mario Jilg, der heute in Leegebruch lebt, erinnert sich an eine „tolle Zeit“. Er war dabei, als 1989 die SDP, die spätere SPD, auch in Oranienburg gegründet worden war. „Alles in allem haben wir da eine Menge auf die Beine gestellt“, sagte er in Bärenklau. In der Kreisstadt seien kontinuierlich Veränderungen zu sehen gewesen. Mit dem Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, der inzwischen aus der SPD ausgetreten ist, hätten die Sozialdemokraten jemanden mit viel Einfluss gehabt, so Mario Jlig weiter. Er machte seinen Genossen Mut: „Gerade jetzt ist es die Zeit, anzupacken und die Jugend zu motivieren.“ Die SPD habe ein bisschen die Bürger aus den Augen verloren, die Partei müsste mehr zeigen, was sie geleistet habe, so der Leegebrucher weiter.

Jochen Reißig ist Ende Oktober 1989 in die damalige SDP eingetreten. Am 6. Dezember 1989 hatte er seinen Ausweis bekommen, den er auch am Donnerstag dabei hatte. „Weil wir hier etwas verändern wollten“, so der Leegebrucher. „Weil wir es besser machen wollten, wir wollten aus beiden Systemen das Beste nehmen.“ Leider sei aus dem Osten nur der Grüne Pfeil und das Ampelmännchen übernommen worden, so Jochen Reißig. Es habe sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gehandelt, nicht um eine Wiedervereinigung. Er sei weiter überzeugter Sozialdemokrat, aber: „Die SPD ist in keinem guten Zustand“, sagt er. „Weil sie vergessen hat, dass sie mal eine linke Arbeiterpartei war. Sie müsste sich wieder auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln besinnen, dass die Leute das auch wieder merken.“ Durch die Hartz-IV-Reformen habe man 50 Prozent der Wähler eingebüßt, vermutet Jochen Reißner.

Monika Schubert, die stellvertretende Vorsitzen des SPD-Unterbezirksausschusses, sprach am Donnerstagabend von einer aufregenden Zeit. „Ich möchte sie nicht missen.“ Das Ost-West-Gerede, das es immer noch gibt, stört sie. Auch, „dass einige möchten, dass die Mauer wieder steht. Ich weiß nicht, was in manchen Köpfen vorgeht“, so die Oranienburgerin. Gut eine Stunde lang erzählen die SPD-Leute noch von damals und heute.

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