KeineWochenShow

#150 – Wolfgang Krüger, Rias-TV und der Mauerfall

Sonntag, den 17. November 2019
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In unserem zweiten Special zum Mauerfall vor 30 Jahren – und zu unserer 150. Sendung! – haben wir mal wieder einen Gast in unserem Keller.
Wolfgang Krüger (69) lebt heute in Bärenklau. Zur Wendezeit war er Chefredakteur von Rias-TV in West-Berlin und hat damals natürlich auch über den Mauerfall berichtet. Bei uns erzählt er, wie er die Zeit erlebt hat, was am 9. November 1989 im Sender los war und wie er die Zeit bis zur Deutschen Einheit einschätzte.

Wir finden, es ist ein spannendes Gespräch geworden, auch weil die Analyse der Ereignisse, die Wolfgang Krüger interessant ist. Zudem ist heute – 1992 ist Rias-TV in der Deutschen Welle aufgegangen – über den Sender selbst gar nicht mehr so viel bekannt. Dass es neben dem SFB-Fernsehen in Berlin noch Rias-TV gab, wissen nur noch wenige.

Das Gespräch gibt es in KeineWochenShow #150 auf Youtube.
Und wenn es länger geworden ist als geplant, gibt es im Teaser zur Sendung Bonusmaterial.

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aRTikel

Die Zeit des Aufbruchs ist 30 Jahre her

Samstag, den 9. November 2019
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Sozialdemokraten erinnern in Bärenklau an die Wende 1989 – fast schon ein bisschen wehmütig

MAZ Oberhavel, 9.11.2019

Bärenklau.
Es war eine Zeit des Aufbruchs. Damals, 1989. Vor 30 Jahren. Im Bärenklauer Dorfkrug ist am Donnerstagabend das Jubiläum der Gründung der Sozialdemokratischen Partei in der DDR gefeiert worden. Die war am 7. Oktober 1989 im Pfarrhaus in Schwante. Die SDP ist ein paar Monate später auch in der DDR in SPD umbenannt worden. Von der Euphorie ist heute, 2019, nicht mehr bei allen Sozialdemokraten viel übrig. Das war am Donnerstag im Dorfkrug zu merken, und nicht nur, weil gerade mal 20 Leute zu der Veranstaltung des SPD-Unterbezirksausschusses Oberhavel kamen. Viele ließen sich entschuldigen, von den Jusos kam nur einer. Ein bisschen Enttäuschung schwang den Abend durchaus mit.
Dabei ist die SPD in Oberhavel mit etwa 650 Mitgliedern der drittgrößte Unterbezirk in Brandenburg. 13 Ortsvereine gibt es im Landkreis. „Die Stimmung bei uns ist deutlich besser als dargestellt“, sagte Susanne Kohl, die Vorsitzende des SPD-Unterbezirksausschusses in Oberhavel. Die Mitgliederzahl sei stabil, dennoch sei man traurig, dass die Partei auch bei den Kommunalwahlen viele Federn habe lassen müssen. Sie selbst ist seit 15 Jahren in der SPD. Sie stammt aus Südhessen, lebt seit 2000 in Birkenwerder. „Aber ich habe schon als kleines Mädchen Plakate für die SPD geklebt.“ Sie sei in einem politischen Elternhaus groß geworden.

Im Dorfkrug ist dann ein Film von 2013 gezeigt worden. Darin erzählen bekannte Größen der Oberhavel-SPD von der Gründung der damaligen SDP 1989 in Schwante und der Entstehung der verschiedenen Ortsvereine im Kreis Oranienburg. Markus Meckel berichtete in dem Film, dass die Vorbereitungen zur Gründung der SDP schon im Januar 1989 begonnen haben, Ende August erging der Aufruf zur Gründung der Partei, am 7. Oktober erfolgte die formelle Gründung.
Schwante schaffte es damals sogar bis in die Tagesschau vom 8. Oktober 1989. Karsten Peter Schröder aus Bärenklau verfolgte damals die Nachrichtensendung: „man wollte doch wissen,was läuft.“ Als der Name Schwante gefallen sei, habe er noch überlegt, wie viele Schwantes es wohl gebe. Dass damit das Schwante nebenan, drei Kilometer Luftlinie entfernt, gemeint sei, habe er erst geschnallt, als die entsprechende Karte im ARD-Fernsehen auftauchte.

Im Januar 1990 war Karsten Peter Schröder dann an der Gründung des Bärenklauer SDP-Ortsvereins beteiligt und wurde auch gleich dessen Vorsitzender. In Brandenburg erzielte die SPD dann zwar Erfolge, aber zur ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 „kam die erste große Klatsche“, so Schröder am Donnerstagabend. Die CDU gewann die Wahlen, auch bei den Kommunalwahlen wurde die SPD zweitstärkste Kraft hinter der CDU.

Mario Jilg, der heute in Leegebruch lebt, erinnert sich an eine „tolle Zeit“. Er war dabei, als 1989 die SDP, die spätere SPD, auch in Oranienburg gegründet worden war. „Alles in allem haben wir da eine Menge auf die Beine gestellt“, sagte er in Bärenklau. In der Kreisstadt seien kontinuierlich Veränderungen zu sehen gewesen. Mit dem Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke, der inzwischen aus der SPD ausgetreten ist, hätten die Sozialdemokraten jemanden mit viel Einfluss gehabt, so Mario Jlig weiter. Er machte seinen Genossen Mut: „Gerade jetzt ist es die Zeit, anzupacken und die Jugend zu motivieren.“ Die SPD habe ein bisschen die Bürger aus den Augen verloren, die Partei müsste mehr zeigen, was sie geleistet habe, so der Leegebrucher weiter.

Jochen Reißig ist Ende Oktober 1989 in die damalige SDP eingetreten. Am 6. Dezember 1989 hatte er seinen Ausweis bekommen, den er auch am Donnerstag dabei hatte. „Weil wir hier etwas verändern wollten“, so der Leegebrucher. „Weil wir es besser machen wollten, wir wollten aus beiden Systemen das Beste nehmen.“ Leider sei aus dem Osten nur der Grüne Pfeil und das Ampelmännchen übernommen worden, so Jochen Reißig. Es habe sich um einen Beitritt der DDR zur Bundesrepublik gehandelt, nicht um eine Wiedervereinigung. Er sei weiter überzeugter Sozialdemokrat, aber: „Die SPD ist in keinem guten Zustand“, sagt er. „Weil sie vergessen hat, dass sie mal eine linke Arbeiterpartei war. Sie müsste sich wieder auf ihre sozialdemokratischen Wurzeln besinnen, dass die Leute das auch wieder merken.“ Durch die Hartz-IV-Reformen habe man 50 Prozent der Wähler eingebüßt, vermutet Jochen Reißner.

Monika Schubert, die stellvertretende Vorsitzen des SPD-Unterbezirksausschusses, sprach am Donnerstagabend von einer aufregenden Zeit. „Ich möchte sie nicht missen.“ Das Ost-West-Gerede, das es immer noch gibt, stört sie. Auch, „dass einige möchten, dass die Mauer wieder steht. Ich weiß nicht, was in manchen Köpfen vorgeht“, so die Oranienburgerin. Gut eine Stunde lang erzählen die SPD-Leute noch von damals und heute.

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aRTikel

Mit dem historischen Ereignis live auf Sendung

Freitag, den 8. November 2019
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Der Bärenklauer Wolfgang Krüger (69) erlebte den Mauerfall als Chefredakteur von Rias-TV in Westberlin

MAZ, 8.11.2019

Bärenklau.
Die Wende. „Das war journalistisch die aufregendste Zeit“, sagt Wolfgang Krüger. Der 69-Jährige lebt seit 1993 in Bärenklau (Oberhavel). 30 Jahre nach dem Mauerfall erinnert er sich an die damaligen Ereignisse. Wolfgang Krüger war damals in Westberlin Chefredakteur von Rias-TV, dem Fernsehableger des Radios im amerikanischen Sektor (Rias). Das Programm sendete gerade mal seit etwas mehr als einem halben Jahr. Morgens gab es ein Frühstücksfernsehen, zum Feierabend um 17.50 Uhr ein Abendmagazin.

„Ich wohnte anfangs am Walter-Schreiber-Platz in Berlin und fuhr dann immer mit der U-Bahn zur Voltastraße.“ Dort waren die Studios des Senders. „Gelegentlich nahm ich meinen Fernsehdirektor mit. Wir mussten immer über die Müllerstraße fahren, fuhren faktisch auf der Chausseestraße auf die Mauer zu und bogen dann links ab. Und wir guckten uns dann immer an und fragten uns, ob wir erleben werden, dass die Mauer fällt. Wir sind davon ausgegangen, dass wir es nie erleben werden.“ Er schmunzelt, als er das erzählt.

Als spätestens im August 1989 die Fluchtwelle über Ungarn begann, da berichtete auch Rias-TV. Am 9. November hatte Wolfgang Krüger Dienst. „Ich hatte die ganze Woche die Moderation der Abendsendung.“ Immer parallel wurde in den Büros das DDR-Fernsehen verfolgt, „weil sich die Ereignisse buchstäblich überschlugen.“ Nach der Live-Sendung gegen 18.30 Uhr fuhr er nach Hause. Dort sah er die Bilder von der Pressekonferenz mit Günter Schabowski. „Es hat bei mir etwas gedauert. Und dann hat es klick gemacht.“ Er hat seiner Frau einen Zettel geschrieben: „Die Mauer ist gefallen. Ich bin zurück im Sender.“ Und er war nicht der Einzige. „Ohne dass wir mit irgendjemandem telefonieren mussten, strömten alle Kollegen in den Sender.“ Was bedeutet das alles? Das sei die große Frage gewesen. Daraufhin seien dann viele Kamerateams in die Stadt und vor allem an die Mauer geschickt worden. Es entstanden Bilder, die sich bis heute ins Gedächtnis der Deutschen eingebrannt haben.
„Das Wort des Abends war: Wahnsinn. Und es war wirklich Wahnsinn. Die haben an der Osloer Straße fast unseren Rias-Übertragungswagen umgekippt. Weil die Leute so froh waren, endlich mal ohne Drangsalierung rauszugehen.“ Es sei eine tolle Atmosphäre gewesen. „Die Leute lagen sich in den Armen.“ Es seien Tage der Glückseligkeit gewesen.
Wolfgang Krüger selbst aber musste in der Nacht vor allem arbeiten. „Man darf sich von der Welle der Emotionen in so einem Fall nicht überrollen lassen“, sagt er. Das sei erst später gekommen.

In der Nacht habe er zwei Stunden geschlafen, dann ging es an die Vorbereitung des Frühstücksfernsehens. Die kompletten drei Stunden seien für Berichte von der Mauerfall-Nacht freigeräumt worden. Am Morgen war Rias-TV das erste Programm, das auf Sendung ging.

Auch am 3. Oktober 1990 moderierte er das Frühstücksfernsehen. Mit dem vereinigten Deutschland hatte sich aber auch der Sendeauftrag vom Rias erfüllt. Am 1. April 1992 ging Rias-TV in der bis heute bestehenden Deutschen Welle auf. Wolfgang Krüger war später Staatssekretär im brandenburgischen Wirtschaftsministerium und danach Hauptgeschäftsführer bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus. In Oberkrämer ist er für die CDU Gemeindevertreter, im Kreistag von Oberhavel ist er neuerdings der Vorsitzende.

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RTelenovela

Countdown: Lesung in Bärenklau

Mittwoch, den 3. April 2019
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Heute mal wieder Werbung in eigener Sache. Am Freitag, 5. April 2019, lese ich aus meinem gerade erschienen neuen “RT Zapper”-Buch mit den besten Kolumnen von 2016 bis 2018.
Ich bin zu Gast bei der 11. Lesung im “Museum im Depot” auf dem Remontehof in Bärenklau. Es lesen verschiedene Autoren aus der Region, und ich werde einer von ihnen sein. Um 19 Uhr geht es los, der Eintritt kostet nichts.

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aRTikel

Sind Sie eigentlich volksnah, Herr Leys?

Samstag, den 23. März 2019
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Oberkrämers Bürgermeister äußert sich über den Zuzug, die Schulsituation und den Autobahnbau

MAZ Oberhavel, 23.3.2019

Oberkrämer.
Der Gemeinde Oberkrämer geht es finanziell gut, Probleme gibt es dennoch einige. Der hohe Zuzug bedeutet, dass es enger wird in den Kitas und Schulen, die neuen Bewohner müssen integriert werden. Und wie geht es weiter mit dem Oberschulthema? Über diese und andere Themen spricht Bürgermeister Peter Leys im MAZ-Interview.

Oberkrämer wächst. Ist das ein Segen oder ein Fluch?
Peter Leys: Weder noch. Ein Segen schon deshalb nicht, weil nicht die Notwendigkeit besteht, mit Gewalt wachsen zu müssen. Ein Fluch würde sich sehr schlimm anhören. Es ist mit Belastungen verbunden, aber wir werden uns bemühen, die Probleme zu lösen.

Marwitz wächst derzeit rasant. Stichwort „Marwitzer Heide“. Wie kann man die neuen Bewohner integrieren?
Das ist sicherlich nicht so einfach. Aber zum Beispiel, indem wir die Vereine unterstützen, die die Möglichkeit bieten, Kontakte aufzunehmen. Dort finden zahlreiche Veranstaltungen statt. Auch die Feuerwehr hat ein sehr aktives Leben, da haben auch schon einige angeklopft.

Wird Oberkrämer weiterhin allen Kindern Kita- und Grundschulplätze anbieten können?
Ich denke ja, aber einen Garantieschein würde ich da auch nicht vergeben wollen. Es ist unwahrscheinlich schwer einzuschätzen, wie die weitere Entwicklung ist. Wir hatten vor zwei Jahren die Situation, dass wir den Kitabedarfsplan verabschiedet haben, und vier Monate später haben wir schon einen Nachtrag beschlossen. Aber wir wollen das nicht dem Zufall überlassen. Die Entwicklung geht nach oben, aber nicht unendlich nach oben. Wir werden Kitaplätze anbieten können, aber nicht immer entsprechend den Wünschen der neuen Bürger. Das ist ein Riesenproblem. Wir können nicht an jeder Kita anbauen.

In der Hinsicht werfen Ihnen Kritiker Planlosigkeit vor.
Die Planung hat ein Büro neutral von außen erstellt. Da ging man von den Geburtenzahlen aus, die sind nicht höher als woanders, man zog Prognosen des Landes und der Bertelsmann Stiftung zurate. Bis vor zwei Jahren waren sich alle Experten sicher, dass Oberkrämer schrumpfen wird. Wir haben damals unsere Zweifel angemeldet. Den Schuh würde ich mir deshalb nicht anziehen.

In Velten wird mehr Platz für die Oberschule geschaffen. Aber es gibt weiter Forderungen nach einer Ober- oder Gesamtschule direkt in Oberkrämer. Sind Sie dennoch zufrieden?
Ich wäre zufriedener mit einer Schule in Oberkrämer. Das wäre ja auch ein Standortvorteil. Es ist auch eine politische Geschichte, die Schule im Ort zu fordern. Klar ist eins, man muss vernünftig und sachlich sein. Der Landkreis meint, dass die Lösung in Velten liegt. Wenn es so kommt, dass dort die Oberschule gebaut wird und auch ausreichend Plätze vorhanden sind, dann ist das auch für Oberkrämer eine gute Sache.

Auch Velten wächst – nach Marwitz hinein. Wie soll es mit der Parkstadt Velten II weitergehen?
Die Gemeinde Oberkrämer war bisher offen gewesen zur Gebietsabtretung. Wenn man sich die Historie ansieht, ist das auch mal so geplant gewesen. Es gibt schon einen neuen Termin entsprechend des Beschlusses in Velten. Velten hat sich bemüht, mit uns in Kontakt zu treten, vorher war das immer andersrum. Ich gehe davon aus, dass sich Oberkrämer nicht dagegenstellen wird, obwohl der Beschluss von 2012 aufgehoben wurde.

Der Ausbau der Autobahn beeinträchtigt auch Oberkrämer. Fühlen Sie sich über den aktuellen Stand immer gut informiert?
Aus meiner Sicht ausreichend. Wir kriegen nicht täglich Infos, aber wir können bei Bedarf jeden Tag anrufen. So richtig zufrieden mit der ganzen Brückengeschichte in Bärenklau bin ich allerdings nicht. Auch liegt immer noch keine Genehmigung für die Brecheranlage vor. Die Gemeinde Oberkrämer hat keine positive Stellungnahme dazu abgegeben. Wir wollen, dass der Anlieferverkehr für diese Anlage nicht über unsere kommunalen Straßen erfolgt. Das ist mal so abgesprochen worden, aber das ist nicht hundertprozentig der Fall. Seit Wochen ist eine Brecheranlage an der Autobahnzufahrt bei Eichstädt, die haben unwahrscheinlich viel gebrochen. Viele Leute haben das gar nicht bemerkt. Ich sage das auch wegen der Befürchtung in Bärenklau. Das wird kaum zu hören sein, und die Menge, die gebrochen werden muss, ist inzwischen auch nicht mehr so groß.

Es gibt Ärger um den Tennisplatz in Bärenklau. Will man den Familiensportverein nicht?
Die Sache, die da beantragt wurde, ob die tatsächlich für Bärenklau störend ist, da kann man Zweifel haben. Ich habe schon Hockeyspiele gesehen. Fußball ist lauter, das muss man so deutlich sagen. Ungeachtet dessen ist die Gemeinde nicht verpflichtet, diese Änderung des Bebauungsplanes vorzunehmen. Da spielt der Verein vielleicht eine Rolle, aber ich kann mich nicht erinnern, dass jemand im Bauausschuss so diskutiert hat.

Neulich gab es im Vehlefanzer Ortsbeirat den Vorschlag, das ehemalige Volksbank-Grundstück für die Feuerwehr zu kaufen. Sie wollten sich wegen der Kosten erkundigen.
Das habe ich noch nicht gemacht. Wir müssen auch prüfen: Wer will da wirklich was machen? Es ging ja weniger um die Feuerwehr, sondern der Feuerwehrverein suchte eine Räumlichkeit. Das alles ist nicht übers Knie zu brechen.

Hätten Sie eigentlich gern in Eichstädt die Regenbogenflagge gehisst?
Nein. Ich denke, das ist eine rein private Angelegenheit, wie jemand sexuell ausgerichtet ist. Das hat vor der Verwaltung nichts zu suchen.

Sind Sie eigentlich volksnah?
Na ja. Das ist schwierig. Wenn ich ehrlich bin, nicht so sehr. Ich bin insofern volksnah, dass ich versuche, das Optimale für unsere Gemeinde auf den Weg zu bringen und ich weiß, was in Oberkrämer passiert. Aber mich öffentlich zu präsentieren ist nicht so mein Ding. Da würde ich prahlen, wenn ich das sagen würde. Aber das weiß auch jeder.

Heute ist in Schwante und Vehlefanz Dorfputz. Sind Sie dabei?
Das hätte ich gemacht, aber ich bin am Wochenende privat unterwegs, das war schon länger geplant. Das ist schade, denn ich finde, das ist eine super Aktion.

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RTelenovela

Ach, park’ doch woanders!

Samstag, den 23. März 2019
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Neulich musste ich beruflich eine Familie besuchen. Das Gespräch sollte nur gut zehn Minuten dauern – eine kurze Nachfrage. Die Familie hat ihr Grundstück in einem Bärenklauer Wohngebiet hinter dem Remontehof. Aber ich hatte ein Problem: Ich hatte keine Ahnung, wo ich denn schnell mal parken kann.

Die Straßen in diesem Wohngebiet sind schmal, an einigen Stellen sogar so schmal, dass da nicht mal ein Lkw durchkommt. Als ich das Grundstück gefunden hatte, fuhr ich erst mal dran vorbei. Ich drehte um – und fuhr noch mal vorbei. Es gab dort keine Parkmöglichkeit. Genau genommen gab es im ganzen Wohngebiet keine Parkmöglichkeit.
Letztlich sollte ich mich an einer Kreuzung halb auf den Gehweg. Absolut illegal.

Aber wer plant denn bitte sowas? Und wer erlaubt eine solche Planung? Ist nicht vorgesehen, dass Leute ins Wohngebiet fahren, die da nur zu Besuch sind? Parkplätze scheinen da schlicht nicht vorgesehen zu sein.

Auch in Sommerfeld habe ich da im Wohnpark schon so erlebt. Da gibt es lauter Straßen, sie sind immerhin nicht ganz so schmal – aber parken darf man da auch nirgendwo. Da scheint es überall Knöllchen zu hageln, wenn da jemand mal Geburtstag feiert und Gäste hat.

Ich könnte vieler solcher Wohngebiete aufzählen. Aber vermutlich hat es schlicht Profitgründe, dass Wohngebiete so geplant werden, wie sie geplant werden. Eine breitere Straße verschlingt ja schließlich wertvolles Bauland…

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aRTikel

Die Wende war seine aufregendste Zeit

Donnerstag, den 21. März 2019
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Wolfgang Krüger lebt seit 1993 in Bärenklau – Journalist, Staatssekretär, Wirtschaftler, Politiker

MAZ Oberhavel, 21.3.2019

Bärenklau.
Es war Anfang der 90er, da fuhr Wolfgang Krüger auf der Autobahn. Auf dem Weg von Berlin nach Schwerin sah er ein Schild, auf dem Grundstücke in Bärenklau angeboten worden sind. „Ich fand den Namen witzig“, erzählt er. Sowieso wollte er mit seiner Frau raus aus Berlin. Im April 1993 sind sie in ihr Haus gezogen. Immerhin kommt er aus der Gegend. 1950 ist er in Hennigsdorf geboren worden – allerdings zog er mit seiner Familie schon ein Jahr später nach Düsseldorf.

Wolfgang Krüger ist heute Gemeindevertreter für die CDU in Oberkrämer, aber wenn man in seinen Lebenslauf schaut, dann hat er schon viel erlebt und getan. Er stammt aus einer Arbeiterfamilie, sein Vater war Autoschlosser. Nach der Volksschule besuchte er das Aufbaugymnasium. „Das war damals eine schwierige Entscheidung, das Geld war knapp.“ Er sei seiner Mutter sehr dankbar, dass sie es möglich gemacht habe. 1970 machte er sein Abitur.
Er selbst spricht von einem „meandernden Lebenslauf“. Nach dem Abi begann er ein Praktikum bei der Rheinischen Post in Ratingen und stellte fest: „Journalismus – das isses.“ Später bekam er ein Volontariat bei der Westfälischen Rundschau. Die stellte damals auch eine Wohnung. „Ich wollte endlich weg von zu Hause und landete bei einer über 80-jährigen Dame mit Hausaltar im Flur, immer beobachtend.“ Bis er versetzt wurde.
Nach seiner Ausbildung wechselte er zur „Bild“, wo er aber nach zwei Jahren eine Sinnkrise bekam. „Will ich immer nur Fotos von Verstorbenen beschaffen?“, fragte er sich. Er sagt aber auch: „Ich habe da wahnsinnig viel gelernt.“ Er begann stattdessen ein Geschichte- und Germanistik-Studium in Düsseldorf. Er schrieb an einer Doktorarbeit zum Thema Entnazifizierung in Nordrhein-Westfalen. Um Geld zu verdienen, arbeitete er nebenher beim WDR und bekam dort später eine Festanstellung, war später Chef vom Dienst der Magazin-Sendung „Aktuelle Stunde“ und bekam dann das Angebot, persönlicher Referent von Intendant Friedrich Nowottny zu werden.
Inzwischen hatte er seine Frau kennengelernt. Sie sagte zu ihm: „Ich folge dir überall hin, nur nicht nach Berlin.“ Genau aber dorthin führte der Weg 1987. Er bekam das Angebot, Chefredakteur des damals in Gründung befindlichen Rias-TV zu werden. Er hat den Vertrag unterschrieben – und seiner Frau erst danach davon erzählt. Im August 1988 ging Rias-TV in Berlin und Umgebung auf Sendung. Am Abend des Mauerfalls am 9. November 1989 war Wolfgang Krüger auf Sendung. „Das war journalistisch die aufregendste Zeit.“ Als Rias-TV 1992 in das neue Auslandsfernsehen der Deutschen Welle aufging, blieb Wolfgang Krüger dort weiter Chefredakteur. Unterdessen zog es ihn aber auch in die Politik. Er war in die CDU eingetreten. Helmut Kohl habe ihn beeindruckt. 1993 schaffte er den Sprung ins Gemeindeparlament von Bärenklau, er begleitete auch den Übergang zu Oberkrämer.
2004 wurde er Staatssekretär im Brandenburgischen Wirtschaftsministerium und 2008 folgte für gute zehn Jahre der Hauptgeschäftsführerposten bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Cottbus. Seit fünf Jahren sitzt er zudem nach einer Pause wieder im Gemeindeparlament von Oberkrämer.

Inzwischen ist er 69, und wenn man ihn in seinem Haus in Bärenklau sprechen hört, schwingt sehr viel Zufriedenheit mit. Ist er jetzt Rentner? Er lächelt: „Ich gebe zu, ich tue mich schwer damit. Es ist eher ein Unruhestand.“ So sitzt er weiter im Aufsichtsrat für den BER, den Flughafen Berlin-Brandenburg in Schönefeld. Viele Akten liegen in seinem Büro. Außerdem ist er im Beirat eines Energieversorgers. Für fünf Jahre will er auch noch mal im Gemeindeparlament mitmischen. „Wichtig ist für mich die Frage: Wie organisiert man im Alter Lebensqualität? Ich beschließe mein Leben nicht auf Kreuzfahrten“, sagt er. Er bleibe ein politischer Mensch. „Ich mische mich weiter in Debatten ein.“ Und er sagt auch: „Radikaler Egoismus bringt uns nicht weiter.“ Er bedauert, dass Diskussionen kaum noch möglich seien. „Zu allem nur Nein zu sagen, ist einfach. Aber man muss dann schon sagen, wo man hin will.“
Oberkrämer beispielsweise sei in „bemerkenswert guter Verfassung. Wir sind eine schuldenfreie Kommune.“ Was nicht heiße, dass es keine Probleme gebe. „Durch den Zuwachs wird sich Oberkrämer verändern, und wir müssen fragen: Was bedeutet das für uns?“ Man müsse über Schulen und den Nahverkehr sprechen. Was er nicht gut findet: Dass die Politik sich oft nur punktuell an Themen abarbeite, die großen Zusammenhänge aber oft Außerachtgelassen würden.

Langweilig wird es Wolfgang Krüger auch in Zukunft nicht werden. „Ich möchte mir bis ins hohe Alter meine Neugier bewahren.“

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