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Aus Hilfe wird Freundschaft

Freitag, den 9. Oktober 2020
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Maziar Moradi kommt aus dem Iran und lebt jetzt in der Region – bei Familie Heymann in Bärenklau bekommt er viel Unterstützung

MAZ Oberhavel, 9.10.2020

Bärenklau.
Es war im März dieses Jahres, die Coronapandemie hatte ihren ersten Höhepunkt erreicht. Sieglinde Heymann aus Bärenklau ging zu dieser Zeit dreimal am Tag mit dem Hund spazieren. „Da habe ich ihn immer sitzen sehen“, erzählt sie. Er saß öfter am Dorfteich, dort gibt es einen Tisch und eine Bank. „Er war immer freundlich.“ Sie kamen ins Gespräch und lernten sich immer besser kennen.

Maziar Moradi ist 34, er kommt aus dem Iran. Zunächst war er drei Monate in der Erstaufnahmeeinrichtung in Frankfurt/Oder, dann kam er nach Bärenklau. Seit einem guten Jahr ist er inzwischen in Deutschland, und er kann schon recht gut Deutsch sprechen. „Ich bin Christ“, sagt er, und als Christ habe er im Iran große Probleme gehabt. Er habe dort nicht bleiben können. Er kam unter in der Bärenklauer Gemeinschaftsunterkunft. Allerdings kam er dort mit der Enge nicht klar, und Probleme mit den anderen Bewohner habe es wohl auch gegeben. Am Vormittag besucht er in Oranienburg eine Schule, um weiter Deutsch zu lernen. Danach suchte er sich draußen ein Plätzchen, um in Ruhe lernen zu können – und traf dort auf Sieglinde Heymann.

„Ich habe ihm dann Kaffee und Kekse gebracht“, erzählt die Bärenklauerin. „Da kam es dann zu Gesprächen, und ich habe ihn dann mal zum Kaffee eingeladen.“ Inzwischen haben Sieglinde und Jürgen Heymann ihn gewissermaßen bei sich aufgenommen, er kommt fast jeden Tag.

„Ich habe jetzt neue Eltern in Deutschland“, sagt Maziar Moradi mit einem Schmunzeln. Er kommt am Nachmittag und bleibt bis zum Abend. „Sie helfen mir bei den Hausaufgaben“, erzählt er. Ende Oktober hat er seine Prüfung.“Ich verstehe schon gut Deutsch“, sagt er. „Aber mit dem Sprechen habe ich noch Probleme.“ Heymanns haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten zu echten Bezugspersonen entwickelt. „Wenn Jürgen Hilfe braucht, helfe ich gerne.“ Er hilft im Garten oder fährt auch mal mit zum Einkaufen.

Es ist ein Geben und Nehmen, beide Seiten haben etwas davon. Heymanns freuen sich über die Hilfe, die sie bekommen, auch über die neue Gesellschaft. „Er ist uns sehr ans Herz gewachsen“, sagt Sieglinde Heymann. „Er unterstützt uns bei vielen Kleinigkeiten“, so die 69-Jährige weiter. Es sei schön, „dass wir in unserem Alter eine Aufgabe haben, die so wertvoll ist.“
Maziar Moradi freut sich auch, dass er einen Platz hat, wo er in Ruhe lernen kann, wo er Deutsch lernt und Kontakte knüpfen kann. „Ich bekomme hier so viel Hilfe“, sagt er. Schon allein durch die Gespräche wird sein Deutsch von Tag zu Tag besser. Jeden Sonntag gehen sie zudem gemeinsam in die Kirche, sie besuchen in Oranienburg die neuapostolische Kirche. Etwas, was dem Bärenklauer Ehepaar wie auch Maziar Moradi sehr wichtig ist.

Inzwischen ist der 34-Jährige nicht mehr in der Bärenklauer Gemeinschaftsunterkunft, er hat jetzt ein Zimmer in Lehnitz. Allerdings sucht er auch nach einer richtigen Wohnung. Er hat einen Wohnberechtigungsschein, keine Schulden, bei der Schufa gibt es keine negativen Einträge. Das Amt würde ihm eine Warmmiete in Höhe von 337 Euro zahlen – fündig wurde er jedoch noch nicht. „Es heißt immer: Das ist zu wenig Geld, keiner kann mir helfen.“ Eine kleine Ein-Raum-Wohnung würde ihm schon reichen, sagt er. „30 Quadratmeter sind genug für mich. das reicht mir zum Leben.“ Aber eine eigene Wohnung sei für ihn wichtig.
Und natürlich will er auch arbeiten, wenn er darf. Im Iran war er Informatiker. In Deutschland möchte er noch mal eine entsprechende Ausbildung machen. Er hat in seinem Leben noch viel vor, ist voller Tatendrang. Und auch wenn er jetzt in Lehnitz untergekommen ist – nach Bärenklau will er weiter so oft wie möglich kommen.

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Für einen unfallfreien Schulweg

Donnerstag, den 6. August 2020
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Die Bärenklauer Sicherheitspartner helfen ab Montagmorgen in Vehlefanz aus – sie schauen, dass die Kinder in der Lindenallee ohne Probleme in den Unterricht kommen

MAZ Oberhavel, 6.8.2020

Oberkrämer.
Auf die Mitglieder der Bärenklauer Sicherheitspartner kommt ab Montag eine neue Aufgabe zu. Sie werden in Vehlefanz bei der Schulwegsicherung helfen. Je zwei Leute sind montags bis freitags am Morgen im Bereich an der Lindenallee zwischen dem Netto-Parkplatz und der Einmündung Bärenklauer Straße im Einsatz.
Hintergrund ist, dass es zum Schulbeginn am Montag an der Nashorn-Grundschule Einschränkungen wegen der Bauarbeiten für den Erweiterungsbau geben wird. So steht derzeit der östlich des Schulgeländes befindliche Parkplatz nicht zur Verfügung, wo normalerweise die Eltern ihre Kinder rauslassen. Die Eltern werden stattdessen gebeten, die Kinder schon auf dem Netto-Parkplatz an der Lindenallee rauszulassen, den Rest müssten die Kinder dann laufen.

Damit das reibungslos passiert, werden die Leute von den Sicherheitspartnern dort postiert. Dabei handelt es sich übrigens nicht um eine Firma, sondern um Bürger aus Bärenklau, die sich 2013 zusammengeschlossen haben, um für die Sicherheit im Dorf zu sorgen. Das machen sie auch ganz offiziell und in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Oberkrämer und der Polizei. In der Gemeindeverwaltung in Eichstädt ist am Dienstagabend ein entsprechender Vertrag für weitere drei Jahre unterzeichnet worden.

Unter der Leitung von Sieglinde Heymann sind die 19 Mitglieder der Sicherheitspartner immer wieder im Ort unterwegs, um zu schauen, ob alles in Ordnung ist. „Ohne euch hätten wir es bis hierher nicht geschafft“, sagte sie am Dienstagabend in Eichstädt bei der Unterzeichnung des Fortsetzungsvertrages. Die Anfrage, ob die Sicherheitspartner bei der Vehlefanzer Schulwegsicherung helfen würden, erreichte sie vor etwa zwei Monaten. „Ich habe gleich ja gesagt“, erzählte Sieglinde Heymann. „Ich war sehr dafür, aber es war klar, dass ich das auch mit den anderen besprechen müsste.“ Zehn von den 19 Mitgliedern machen mit. So können die fünf Wochentage mit jeweils zwei Leuten abgedeckt werden. Den Dienstplan dafür hat Sieglinde Heymann schon geschrieben, sie selbst wird mit ihrem Mann immer freitags an der Lindenallee sein. Zwischen 6.30 und 8 Uhr sind die Bärenklauer in ihren gelben Warnwesten dort vor Ort – erst mal für zwei Wochen. „Dann gucken wir weiter“, so Sieglinde Heymann.

Am Dienstagabend trafen sich die Sicherheitspartner an der Lindenallee in Vehlefanz mit Revierpolizist Ralf Neumann. Er erklärte, was zu tun und worauf zu achten ist. Er stellte klar: „Egal, was wir tun, wir machen den Schulweg sicherer.“ Das sei die Hauptsache. Es gehe um Präsenz und darum, in schwierigen Situationen Hinweise zu geben. Ralf Neumann hofft auf die Vernunft der Eltern, die Kinder auf dem Netto-Parkplatz rauszulassen, ohne Parkplatz könnten sonst im Bereich der Schule selbst chaotische Verhältnisse entstehen. Er selbst werde dort vor Ort sein, sagte er. Die Sicherheitspartner sollen an der Lindenallee darauf achten, dass sich die Buskinder vernünftig verhalten – dort befinden sich auch noch die Haltestellen –, dass an der Netto-Einfahrt nichts passiere, dass die Ampel vernünftig genutzt werde und dass an der Einmündung zur Bärenklauer Straße alles geordnet ablaufe.

Im Laufe der Woche soll es immer wieder Treffen geben, wo geklärt werden solle, was gut laufe und was vielleicht noch mal geändert werden müsse. Jeanette Schulze vom Oranienburger Polizeirevier dankte den Helfdenden aus Bärenklau schon im Vorfeld. „Sie werden eine große Stütze sein.“ Es sei eine Premiere und bislang einmalig, dass Sicherheitspartner in Brandenburg solche Maßnahmen begleiten.

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Interview der Woche: Die Einsamkeit in der Coronakrise

Donnerstag, den 30. Juli 2020
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Kerstin Laatsch erzählt, wie ältere Menschen in Oberkrämer mit der Pandemie umgehen

MAZ Oberhavel, 30.7.2020

Oberkrämer.
Es ist insbesondere auch für die älteren Menschen eine schwierige Zeit. Die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Coronavirus verlangen auch den Seniorinnen und Senioren einiges ab. Über die vergangenen Monate und die aktuelle Situation berichtet Kerstin Laatsch. Die Vehlefanzerin ist die Seniorenbeauftragte in Oberkrämer und Koordinatorin des „Hauses der Generationen“ in Vehlefanz.

Es gab kürzlich in Sommerfeld den Fall, dass der Seniorentreff wieder stattfinden sollte, dann aber kurzfristig doch wieder abgesagt worden ist. Die Senioren waren zu besorgt wegen der Sicherheit. Spüren Sie diese Ängste auch in Oberkrämer?
Kerstin Laatsch: Das geht auch ein bisschen von mir selbst aus. Ich habe die Verantwortung für die Senioren. Ich möchte nicht schuld sein, wenn etwas mit ihnen passiert. Allerdings wollen viele Senioren auch wieder zusammenkommen. Aber zum Beispiel in Schwante haben sie die Möglichkeit nicht, weil die Räume zu klein sind. Wir haben alle ein Schreiben mit den Auflagen bekommen, wenn wir die nicht einhalten, dann werden die Räume wieder geschlossen. Oder in Bärenklau: Da kann das Tanzen noch nicht stattfinden, auch die Chöre können noch nicht singen. Immerhin trifft sich aber die Handarbeitsgruppe in Bärenklau.

Das „Haus der Generationen“ war monatelang geschlossen. Was haben Sie in der Zeit gemacht?
Ich habe Aufräumarbeiten erledigt, Dinge, die liegengeblieben sind. Ich habe Fotoalben gestaltet. Ich war allein auf weiter Flur, im Jugendclub war ja auch nichts. Ich habe gerade mal die Gemeindearbeiter gesehen. Das war ein komisches Gefühl.

Wie haben Sie Kontakt zu den Senioren gehalten?
Telefonisch. Ich habe von der Frauenfrühstücksrunde alle Telefonnummern. Wir haben uns auch mal auf dem Parkplatz beim Einkaufen getroffen. Ich habe ja auch Masken genäht und verteilt.

Welche Probleme tauchten in der Höhepunkt-Phase der Coronakrise auf?
So ein bisschen die Einsamkeit. Dass sie die Leute nicht treffen konnten. Es gab auch gesundheitliche Probleme, wo ich vermitteln konnte. Es gab aber nichts Gravierendes, wo ich irgendwie eingreifen musste.

Keine Feiern, keine Treffen, keine Gruppen: Wie war oder ist die Stimmung unter den Senioren in Oberkrämer?
Die waren schon ziemlich geknickt. Wenn ich mal vom Frauenfrühstück ausgehe, das ich organisiere und das normalerweise einmal im Monat stattfindet: Da ging es die ersten beiden Monate noch. Irgendwann hieß es dann aber: Hoffentlich kommen wir bald wieder zusammen. Die waren ja alle zu Hause, die Kinder oder Enkel haben eingekauft.

Gab es private Initiativen?
Ich weiß, dass sich mal kleine Gruppen zum Kartenspielen getroffen haben. In Neu-Vehlefanz haben sie sich kürzlich privat getroffen, um zu besprechen, wie es denn ab September weitergehen könnte.

Seit 1. Juli sind das „Haus der Generationen“ und auch die anderen Gemeindehäuser in Oberkrämer wieder geöffnet. Waren Sie in die Entscheidung eingebunden?
Ich hatte im Vorfeld nachgefragt, weil es auch Nachfragen gab bezüglich eines Beerdigungskaffees. Da hieß es noch, nein, die Häuser bleiben geschlossen. Das war Mitte Juni. Der Bürgermeister gab dann später sein Okay. Ich habe dann das Schild abgenommen, auf dem auf die Schließung hingewiesen worden war. Wir haben uns im Seniorenbeirat getroffen und sind dann die Liste durchgegangen, welche Auflagen es gibt.

Wird es denn wieder Frauenfrühstücke geben?
Wir fangen im September wieder an. Wir werden aber kurzfristig entscheiden, wir wollen aber hoffen, dass die Coronasituation nicht wieder schlimmer wird. Am 15. September wollen wir ab 9.30 Uhr grillen. Wir machen das mit Abstand, und ich hoffe, dass alle einsichtig sind.

Gibt es noch andere Veranstaltungen?
So direkt nicht. Im Juni wäre die Seniorenwoche gewesen. Die sollte erst in den Herbst verschoben werden, aber wir können ja momentan überhaupt keine Verträge mit Künstlern abschließen, da ist es dann ganz abgesagt worden. Die Veranstaltungen an der Mühle in Vehlefanz sind auch alle weggefallen.

An welchem Punkt könnte es wieder normale Veranstaltungen geben?
Da kann ich nichts zu sagen. Noch haben wir die Auflagen der Gemeinde Oberkrämer. Ich kann auch nicht sagen, ob wir dieses Jahr eine Weihnachtsfeier machen können. Wir gehen aber im Seniorenbeirat davon aus, dass wir sie nicht durchführen können. In Eichstädt gibt es wieder Spielenachmittage, bei den Kaffeerunden werden draußen Tische und Bänke aufgestellt, denn der Raum wäre zu klein dafür.

Wären Veranstaltungen in der Turnhalle denkbar?
Mit Abstand wäre es vielleicht möglich. Aber Ideen gibt es da noch nicht.

Was haben Sie persönlich während der Coronakrise am meisten vermisst?
Na ja, auch meine Enkelkinder. Dass ich sie nicht wirklich sehen konnte, das war eigenartig. Ich habe ja Asthma, da muss ich auch aufpassen. Aber es ist klar, dass die Kontakte gelitten haben.

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KeineWochenShow

#184 – Bei Achim in Bremen

Sonntag, den 12. Juli 2020
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Diese Sendung findet natürlich nicht bei Achim in Bremen statt, aber sowohl Achim als auch Bremen stehen in der KeineWochenShow zumindest kurz mal im Mittelpunkt. Und eine Fahne in unserem Kellerstudio, die überraschenderweise doch nicht abgehangen werden muss.

Diesmal geht es um das Reisen in der Zeit des Coronavirus – die Kreuzfahrtschiffe wollen wieder ablegen. Und dann steht in diesem Jahr auch noch der Neuruppiner Martinimarkt auf der Kippe. Nicht abgesagt, aber verschoben ist die diesjährige Ausgabe von “Wer besiegt Paul?” in Hohen Neuendorf. Darüber spricht Paul Aurin in einem kurzen Interview.
Außerdem diskutieren wir darüber, ob Oranienburg ein weiteres Einkaufszentrum braucht, und wir schauen noch mal kurz auf die Maskennäh-Aktion in Bärenklau, wo es ein Endergebnis gibt.

Das und noch viel mehr in KeineWochenShow #184 auf Youtube.

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KeineWochenShow

#170 – Corontäne

Sonntag, den 5. April 2020
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Es ist unsere dritte Corona-Spezial-Sendung. Zum dritten Mal unterm Carport statt in unserem Studio-Keller. Die Ereignisse rund um das Coronavirus dominieren auch diese 170. Ausgabe.
Wir reichen den letzte Woche “vergessenen” Beitrag mit dem Balkongesang nach. Außerdem diskutieren wir darüber, ob und wie die Bundesliga fortgesetzt werden kann. Ob eine Handy-App sinnvoll wäre, um zum Coronavirus zu informieren. Und was eigentlich mit den Kitagebühren für die Kinder ist, die noch in die Kita können – auch darüber wird nämlich diskutiert.
Außerdem gibt es einen Beitrag aus Bärenklau, wo mehrere Damen Gesichtsmasken nähen – zwei davon gehen mit, und dafür gibt es Geld für einen guten Zweck. In einem zweiten Beitrag wird der Spargel-Drive-In auf dem Spargelhof Kremmen getestet.

Darüber hinaus sprechen wir aber auch über die allerletzte Folge der “Lindenstraße” nach mehr als 34 Jahren. Und über den abgesagten Eurovision Song Contest 2020 und die zwei angekündigten Ersatz-Events.
Das alles und mehr in KeineWochenShow #170 auf Youtube.

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Tischdecken werden zu Masken

Dienstag, den 31. März 2020
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Dagmar Martin, Rotraud Braesicke und weitere Frauen aus Bärenklau sind fleißig am Nähen – Die Spendeneinnahmen gehen an den Germendorfer Tierpark

MAZ Oberhavel, 31.3.2020

Bärenklau.
Sie werden jetzt überall dringend gebraucht: Schutzmasken für den Mund. In Bärenklau haben sich jetzt mehrere Frauen zusammengetan, um solche Masken herzustellen.

Sie machen das, „weil man weiß, dass man etwas Nützliches macht“, sagt die Bärenklauerin Dagmar Martin am Montag. „Ich bereite mich sonst auf unsere Tanzgruppe vor oder auf den Chor, und das geht ja jetzt gerade alles nicht. Und da man immer wieder hört, dass Masken gebraucht werden, dachten wir uns, dass wir uns da einbringen können.“ Gesagt, getan – schon in der vergangenen Woche entstanden auf diese Weise 166 Masken.
„Ich habe mich vorher beraten lassen“, sagt Dagmar Martin – nämlich von Rotraud Braesicke. „Ich bin Schneiderin“, erzählt sie im MAZ-Gespräch am Telefon. „Ich habe eine elektrische Maschine.“ Insgesamt sind sieben bis acht Frauen aus Bärenklau an der Aktion beteiligt. „Das macht jede für sich zu Hause“, so Rotraud Braesicke. „Ich habe eine Art Prototypen hergestellt, den hat Dagmar Martin dann verteilt.“ Und dann konnte die Arbeit auch schon losgehen.
„Wir nähen die Masken aus Stoff“, so die Bärenklauerin weiter. Es fing an mit Tischdecken. Sie stammen aus dem Dorfkrug in Bärenklau, noch aus der Zeit vor den heutigen Besitzern. „Die haben wir damals bekommen, vom damaligen Wirt der Gaststätte. Aber die passen auf keinen Tisch drauf, sind zu breit und zu kurz, haben seltsame Maße. Da haben wir dann gedacht: Die können wir doch dafür nehmen. Und die sind sehr schön, und man bekommt auch gut Luft dahinter, man kriegt keine Atemnot.“ Die Tischdecken seien aus 100-prozentiger Baumwolle. Sie werden zurecht geschnitten und mit Bändchen versehen.

Die Masken gehen einerseits an das Caritas-Seniorenzentrum St. Elisabeth in Velten. Andererseits aber auch an die Einwohner von Bärenklau. „Wir haben das in Bärenklau ein bisschen bekannt gemacht“, erzählt Dagmar Martin. „Wir habe schon einige abgegeben.“ Gegen eine Spende in Höhe von fünf Euro seien sie zu haben. „Der Erlös geht dann an den Tierpark in Germendorf. Die freuen sich da vielleicht.“ Dagmar Martin findet, dass der Park unbedingt weiter bestehen müsse. „Da gehen die Leute doch so gern hin.“ Die Leute im Seniorenzentrum brauchen für die Masken allerdings nichts zu spenden, ergänzt die Bärenklauerin. Zu St. Elisabeth seien schon 36 der Masken gegangen.

Dagmar Martin hat auch eine Meinung über die Diskussion, bald die Sicherheitsmaßnahmen rund um das Corona-Virus zu lockern: „Ich bin nicht dafür, wir sollten das jetzt einmal richtig durchziehen. Die Diskussion, das jetzt zu lockern, ist Quatsch.“

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Verunsicherung nach positivem Corona-Test

Samstag, den 28. März 2020
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Familie Welke aus Bärenklau hätte sich schneller konkrete Informationen vom Gesundheitsamt gewünscht

MAZ Oberhavel, 28.3.2020

Bärenklau.
Der Corona-Test war positiv. Und für Angelika Welke (62) aus Bärenklau begann eine Zeit der Unsicherheiten. Ebenso für ihren Mann Hagen (63), der die Lungenkrankheit COPD hat.
Sie arbeitet in einem Berliner Warenhaus. „Da hatte sie mit jemandem Kontakt, der Corona-positiv getestet wurde“, erzählt Hagen Welke in einem Gespräch mit der MAZ. Der Kontakt geschah am 10. März. Am 13. März ist sie von ihrem Arbeitgeber informiert worden. „Wir sollten uns dann beim Gesundheitsamt melden“, so der Bärenklauer weiter. Aber am Freitagnachmittag sei niemand erreichbar gewesen, auch am Wochenende hatten sie niemanden erreicht – erst am Montag, 16. März. Am Tag danach sollte Angelika Welke zum Test. „Soll ich auch mit?“, fragte ihr Mann, immerhin gehört er mit seiner Krankheit zur Hochrisikogruppe. „Die Antwort war: Nein, brauche ich nicht. Ich war ja nicht in Kontakt“, so erzählt er.

Am 18. März stand dann fest, dass seine Frau infiziert ist. Damit verbunden war nun, dass sie angeben musste, mit wem sie seit dem 12. oder 13. März Kontakt gehabt hatte. „Aber das war fast nur die Familie“, so Hagen Welke. „Ich wollte dann natürlich wissen: Und was ist mit mir?“ Er konnte am 19.  März ebenfalls einen Test machen. Das Ergebnis ließ jedoch auf sich warten. „Am Montagnachmittag wollte ich wissen, was aus meinem Test geworden war. Die Antwort am Telefon lautete: Ich weiß nichts davon.“ So was trage nicht gerade zur Beruhigung bei, sagte der Bärenklauer. Das alles sorgte bei den Hagens für Verunsicherung. Natürlich waren sie nun in häuslicher Quarantäne. Aber wie lange? War die Zeit der Quarantäne für beide gleich? Und was bedeutet das für das Zusammenleben, wenn sie positiv ist und er negativ?

Die Welkes kritisierten noch Mitte dieser Woche, dass die Informationen nur spärlich gewesen seien. Etwas Schriftliches hatten sie zu dem Zeitpunkt immer noch nicht. Zwar habe es jeden Tag Anrufe durch das Gesundheitsamt gegeben, aber solche konkreten Fragen habe man dort nicht beantwortet bekommen.
Deshalb hatte sich die MAZ am Mittwoch an die Kreisverwaltung in Oranienburg gewandt. „Personen, bei denen ein positiver SARS-CoV-2 Befund gemeldet wird, werden durch Mitarbeitende des Gesundheitsamtes in einem Erstgespräch darüber telefonisch in Kenntnis gesetzt“, teilte Kreis-Pressesprecherin Ivonne Pelz mit. Es erfolge eine mündliche Belehrung darüber, dass enge Haushaltsmitglieder zu den Kontaktpersonen der Kategorie 1 gehören und somit eine häusliche Absonderung für 14 Tage erforderlich sei. „Dabei wird auch erfragt, ob sich besonders schutzbedürftige Personen oder Personen einer Risikogruppe im Haushalt befinden, die dann bei Möglichkeit gesondert einen Aufenthalt wählen müssen.“ Den Welkes aber scheint das nicht so ganz gesagt worden zu sein. Allerdings bekamen sie noch am Mittwoch einen Anruf, und inzwischen ist auch der Brief mit dem schriftlichen Bescheid da – auch mit den Hinweisen zum Zusammenleben.

So langsam kehrt Ruhe bei den Welkes ein. Der Krankheitsverlauf bei Angelika Welke ist milde verlaufen. Husten und dazu Kopfschmerz – allerdings: kein Fieber. „Sie hatte in dieser Zeit oft nicht mal 36 Grad“, sagte ihr Mann. Die Quarantäne der beiden endet in der kommenden Woche.

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