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Eine ganz andere Welt

Mittwoch, den 20. September 2006
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Moritz Marbach (19) geht für elf Monate nach Bangladesch

 

MAZ Oranienburg, 20.9.2006


ORANIENBURG
Bangladesch? Ist das nicht irgendwo in Afrika? Nein, nicht ganz. Die Volksrepublik liegt in Südasien und grenzt dort an Indien. Moritz Marbach macht sehr oft die Erfahrung, dass die Leute nicht genau wissen, wo das Land ist, in dem er für elf Monate leben wird.
Der 19-jährige Oranienburger wird am 8.Oktober in eine ganz andere Welt reisen. In ein Land, in dem er sehr auffallen wird, weil er eine weiße Hautfarbe hat. In ein Land, in dem bis vor wenigen Jahren ein Bürgerkrieg herrschte. In dem die Menschen kaum Geld haben.
„Ich wollte weg“, erzählt Moritz. „Raus aus unserer komfortablen Welt.“ Schon früh erkundigte er sich bei staatlich anerkannten Organisationen nach Möglichkeiten. Am Ende bewarb er sich bei der Entwicklungsorganisation „Netz“, die sich mit Bangladesch beschäftigt – und wurde als einer von sechs Teilnehmern angenommen. „Ich bin mit 19 Jahren der Jüngste“, sagt er. „Die anderen sind zwischen 24 und 36.“
Moritz, der im Juni sein Abitur am Oranienburger Louise-Henriette-Gymnasium abgelegt hatte und seit zwei Jahren bei der MAZ mitarbeitet, wird in der Organisation Udayan Swabolombee Sangstha (USS) arbeiten. Sie ist zuständig für Schulprojekte sowie für das Thema Frauenrechte. „Es gibt extrem arme Kinder in Bangladesch“, so Moritz.
Ein konkretes Projekt für Moritz sind die Chars, Inseln, die in einem Fluss liegen. „Auf denen wohnen auch Menschen, und diese Inseln werden regelmäßig überflutet. Da sterben oft Tausende.“ Die Inseln sollen befestigt werden. „Wir sehen uns an, welche Insel da Sinn macht.“ Für die „Netz“-Organisation wird er diese Eindrücke von der Arbeit der USS-Organisation dokumentieren. „Ich schreibe auch fürs Netz-Magazin und mache Fotos.“ Einen Internetblog gibt es bereits.
Gibt es Ängste? „Ich glaube, man kann da weniger Angst haben als zum Beispiel am Hauptbahnhof in Berlin“, findet Moritz. „In Bangladesch gibt es Terroristen, aber es ist keine Terrorhochburg. Es ist wahrscheinlicher, dass ich eher krank werde als weggebombt.“ Schon vor seiner Reise muss er sich diverse Male impfen lassen.
Auf jeden Fall wird er sich in Bangladesch anpassen müssen. Moritz Marbach: „Da werde ich nicht mit meiner ausgetretenen Jeans rumlaufen können.“ Gegessen wird nur mit der rechten Hand. „Mit links auf keinen Fall! Die linke Hand wird dort normalerweise genutzt, um sich auf der Toilette sauber zu machen.“ Ohne auf die Einzelheiten einzugehen.
Vermissen wird er auf jeden Fall „das komfortable Leben. Die Dusche. Das fließende Wasser“.
Der große Abschied hat bereits begonnen. Viele seiner Freunde sind bereits weggegangen. Kontakt zu ihnen und zu seiner Familie hält er per Internet und Handy. So ist die Heimat in Bangladesch nicht ganz so fern.
Bei „Willi“ wird Moritz Marbach regelmäßig aus Bangladesch berichten.
Sein Blog im Internet: www.orangensaftnotiz.de.