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Vor 20 Jahren (24): Gen Westen

Montag, den 18. Januar 2010
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(23) -> 14.1.2010

Donnerstag, 18. Januar 1990.
Am 10. November 1989 war ich das erste Mal in West-Berlin. Am 18. Januar 1990 war ich das erste Mal in Westdeutschland.
Etwas mehr als zwei Monate nach dem Mauerfall traten wir erstmals eine größere Reise gen Westen an und besuchten unsere Verwandten in Niedersachsen. Ziel unserer Fahrt: Melle bei Osnabrück.
In unserem Lada rauschten wir die Autobahn entlang, auf der heutigen A2 zum Grenzübergang Marienborn.
In der DDR galt auf den Autobahnen ein striktes 100er-Tempolimit. Und in besonders guter Qualität waren die Fahrbahnplatten auch nicht. Da-dong. Da-dong. Da-dong. Unser begleitendes Fahrgeräusch bis zur Grenze.

In Marienborn wurde es dann tatsächlich noch mal spannend. Es war schon ein Unterschied, ob wir nach West-Berlin einreisten oder eben diesmal in die richtige Bundesrepublik.
Der Akt dauerte jedoch nur wenige Minuten. Ausweise zeigen, lächeln und weiter.
Das riesige Betonschild mit dem DDR-Wappen ließen wir hinter uns – es steht heute noch an der Autobahn A2, allerdings ohne Hammer, Zirkel und Ehrenkranz.

Dann also waren wir im Westen. So richtig. Die Autobahn war plötzlich mit Asphalt überzogen. Und es roch plötzlich ganz anders. Feiner irgendwie. Das Trabant-Geblöker fehlte eben.
Auch ganz neu für uns: die dreispurige Piste. Hin und wieder wagten wir uns mit unserem Lada auch auf die äußerste Überholspur. Voller Drive und mit NDR2 im Radio rauschten wir an Hannover vorbei.

In Bad Oeynhausen wunderten wir uns über eine Besonderheit. In der nordrhein-westfälischen Stadt zweigt die A30 von der A2 ab. Und das mitten in der Stadt. Wer von der A2 Richtung Osnabrück abfährt, rollt mitten durch Bad Oeynhausen. Eine Bundesstraße verbindet A2 und A30. Darauf muss man erst mal kommen.

Der Empfang bei unseren Verwandten in Melle war herzlich. Mein Onkel fragte meinen Vater allerdings, ob denn unser Lada eventuell leckt, also Öl verliert. Wir konnten ihn beruhigen und das Auto auf dem teuren Pflaster parken.
Ich mochte Melle. Eine kleine, beschauliche Stadt am Wiehengebirge. Ein schickes Zentrum, ein schöner Park. Unweit des Hauses meines Onkels war auch ein Supermarkt, wo ich dann auch mal allein hinging. Ein Paradies.
Jahre später sind unsere Verwandten aus Melle weggezogen und leben nun in Glienicke.

Vier Tage blieben wir in Melle, dann begann die Rückreise mit Zwischenstopp in der Wedemark.