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Wetten, dass…?: Blackface

Montag, den 16. Dezember 2013
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SA 14.12.2013 | 20.15 Uhr | ZDF

Endlich mal ein bisschen Ruhe für Markus Lanz. Endlich mal eine relativ normale, solide Show. Aber denkste! Da war ja noch die Sache mit der Saalwette, und ich habe erst später auf Twitter mitbekommen, dass die ein Skandal war.

Das ZDF sendete “Wetten, dass…?” am Sonnabend aus Augsburg, der Heimat der “Augsburger Puppenkiste”. Die bekannteste Figur: Jim Knopf, erfunden vom Autor Michael Ende. Jim ist ein echter Held, eine grundsympathische und liebenswerte Figur. Und er ist schwarz.
Die Saalwette lautete, dass die Augsburger es nicht schaffen, als Jim Knopf verkleidet – und insbesondere schwarz geschminkt – scharenweise in die Halle zu strömen.

Schwarz angemalt! Da brodelte es schon bei Twitter, als Markus Lanz das vorlas. Dass sich Menschen schwarz schminken, um eine schwarze Figur darzustellen, gilt bei vielen Leuten als rassistisch. Es sei diskrimierend.
Die Sache artete zu einem regelrechten Shitstorm aus, wobei auch viele Twitterer andererseits nicht einsehen wollten, dass es sich bei der Aktion um einen rassistischen Akt handele. Ein großes Für und Wider. Echter Twitter-Zoff!

Ich tue mich schwer damit. Ich denke, ich bin nicht rassistisch, ich bin tolerant und verabscheue die Rechtsradikalen.
Aber ist es rassistisch, wenn man sich schwarz schminkt, wenn man Jim Knopf darstellen möchte?
Angenommen, jemand sagt mir, ich solle zum Karneval als Jim Knopf verkleidet auftauchen, und ich hätte keine andere Wahl. Dann würde ich mir diesen Jim Knopf ansehen, und ja, zu meiner Verkleidung würde es auch gehören, mich schwarz zu schminken. Das ist Jim Knopf, der sympathische Jim Knopf, und er ist nun mal schwarz. Ganz wertfrei schwarz.

Sicherlich: Einige der Leute, die an der Saalwette teilnahmen, waren tatsächlich nur schwarz geschminkt und ansonsten nicht wirklich verkleidet. Das war dann einfach nur einfallslos. Aber auch rassistisch?

2006 war ich in Hennigsdorf bei einem Afrika-Musical der dortigen Musikschule. Die Darsteller spielten, tanzten und sangen. Sie schminkten sich schwarz. Sie wollten die Leute aus Ghana, um die es im Stück geht, darstellen. Sie waren zuvor mehrere Male in Ghana, hatten und haben Freundschaften dort, beim Stück nahmen auch Leute aus Ghana teil, halfen sogar bei der Choreografie mit. Ist das rassistisch, dass sich die Darsteller schwarz schminkten?

Rassistisch ist es, wenn in einem Film ein Weißer einen Schwarzen spielt, und es für den Film womöglich gar nicht so wichtig ist, ob derjenige schwarz ist. Rassistisch ist es, wenn in einem Film oder in einem Stück Schwarze klischeehaft dargestellt werden (es sei denn, das Klischee soll herausgearbeitet werden). Rassistisch ist es, wenn in einem Film die Schwarzen immer die Bösen sind, die Dummen, die Tumben.

Aber Jim Knopf?
Und was ist mit Pittiplatsch? Der ist auch schwarz. Muss ich mir Sorgen machen?
Und ist es rassistisch, wenn Männer Frauen spielen und sich dafür Frauenkleider anziehen? Ist es rassistisch, wenn sich Leute blondieren lassen, um eine bestimmte Rolle zu spielen?

Die “Blackface”-Debatte ist wichtig, man muss sie diskutieren. Bei Twitter und Facebook ist das seit Sonnabend ausgiebig getan worden.
Aber aus der Jim-Knopf-Aktion einen Skandal zu machen – das finde ich eher zweifelhaft.

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Sonntag, den 28. Juni 2009
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Die Fahrt auf der Autobahn A8 war noch nie ein besonderes Vergnügen. Die Strecke zwischen München und Stuttgart ist jedoch der Horror.
Lange verläuft die Strecke nur zweispurig in jede Richtung, einen Standstreifen gibt es auch noch nicht – wie sie eben in den 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts erbaut wurde. Doch man arbeitet dran. Ewige Kilometer ist die A8 eine Baustelle mit verengten Spuren und Tempo 80. Ätzend.

Mein Plan war, dass ich erstmal aus München rausfahre, um dann auf der ersten Raststätte meinen Kram aus dem Kofferraum zu holen: also Kassetten und etwas zu trinken. Außerdem wollte ich mir was zu Essen kaufen. Doch blöderweise kam erstmal keine Raststätte. Bis Augsburg.
Auf dem Schild wurde die Raststätte in 3000 Metern angekündigt. Wenige hundert Meter später kündigte ein weiteres Schild eine weitere Raststätte an. Ich ignorierte es – und so düste ich am Rastplatz vorbei. Durch die Großbaustelle musste man sich mit dem Auto schon früher auf eine andere Spur einfädeln. So war für mich die Rast unerreichbar. Von wegen 3000 Meter…

Ich fuhr weiter nach Scheppach in Schwaben. Bei McDonald’s war die Hölle los. Am beeindruckensten war jedoch das Schild an der Wand in den Klokabinen: “Ein besonderer Service unseres Hauses: Desinfizieren Sie Ihre WC-Brille selbst.”
Schön. Da verzichtet McDonald’s wohl auf eine umfassende Reinigung der Klos und verkauft es als Service, dass man die Klobrillen nun selbst reinigen darf.

Bei Stuttgart wurde es dann richtig kritisch. Frontal die tiefstehende Sonne. Dazu ein Wolkenbruch. Und die Sonne spiegelte sich auf der Fahrbahn. Ich sah nichts mehr. Eine gefährliche Situation, denn der Verkehr war relativ dicht. Mehr als Tempo 50 war nicht drin, und fast hätte es kurz vor mir trotzdem gescheppert.

Mit dem Wetter zu kämpfen hatte wir aber auch heute, am Sonnabend. Eigentlich wollten wir in der Pfalz bei Bad Dürkheim ein bisschen wandern. Gerade als wir die Stadt erreichten, war es mit dem schönen Wetter dahin, es begann zu regnen – und hörte auch nicht mehr auf.
Während wir in einer kleinen Gaststätte an der B37 saßen, goss unaufhörlich.
Schnell gaben wir unser Wandervorhaben auf, denn es wurde nicht besser. In der Ferne blitzte es. Als wir Neustadt an der Weinstraße erreichten, war das Gewitter genau über uns. Blitz und Donner gleichzeitig. Es blitzte und krachte, als wir an einer Ampel standen.
Und, wie sollte es anders sein, als wir den Rhein hinter Speyer erreichten, hörte der Regen auf. Auch in Neulußheim hatte es zu diesem Zeitpunkt nicht geregnet – allerdings zogen auch hier dicke Wolken auf.
Es ist Siebenschläfer. Wenn das das Wetter der nächsten sechs Wochen wird – dann gute Nacht. Die Aussichten besagen zum Glück etwas anderes.

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