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Honecker und der Pastor

Sonntag, den 20. März 2022
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FR 18.03.2022 | 20.15 Uhr | arte

Von Wandlitz nach Lobetal. Das hätten sich Erich Honecker und seine Frau Margot wahrscheinlich auch nicht träumen lassen. DDR, 1990. Die Wende ist erst ein paar Wochen her. Der ehemalige DDR-Staatsratsvorsitzende und seine Frau, die verhasste (nun ehemalige) Bildungsministerin, haben keine Bleibe mehr. Nirgendwo können sie unterkommen, ohne dass sie Anfeindungen ausgesetzt sind.
Nun sind sie in Lobetal, bei Pastor Uwe Holmer und seiner Familie. Er ist als Einziger bereit, die Honeckers bei sich aufzunehmen. Einer der Söhne muss dafür sein Zimmer räumen. Das Bad müssen sich die Honeckers mit den Kindern teilen.
Holmer, Leiter einer Anstalt für obdachlose, alkoholkranke und behinderte Menschen, muss sich dafür rechtfertigen. Denn immerhin hatte auch er selbst heftige Konflikte mit der SED. Eines Tages steht ein wütender Mob vor der Tür der Holmers.

Es ist ein spannendes Kapitel der DDR-Nachwendezeit, die Jan-Josef Liefers in seiner dritten Regiearbeit “Honecker und der Pastor” erzählt. Denn tatsächlich kamen Margot und Erich Honecker Anfang 1990 für einige Wochen im Lobetaler Pfarrhaus unter. Ausgerechnet – denn Christen hatten in der DDR nicht den besten Stand.
Edgar Selge spielt Erich Honecker, dem er sichtlich unangenehm ist, auf diese Weise ein Obdach zu suchen. Barbara Schnitzler spielt Margot Honecker, die viel kühler und resoluter an die Sache rangeht. Sie scheint pragmatisch zu sein, will die Vergangenheit am liebsten ruhen lassen und sieht die Wende natürlich auch ganz anders.
Eine tolle, kleine Rolle hat auch Axel Prahl übernommen – er ist Herr Schimke, ein geistig leicht behinderter Mann, die im Lobetaler Heim lebt und die Sache ganz unbefangen sieht und mit den Reportern, die auf die Lauer liegt, auf Kumpel macht.
“Honecker und der Pastor” ein die filmische Umsetzung des spannenden Stückes deutsch-deutscher Geschichte. Sehenswert!

-> Der Film bei arte.tv (bis 16. April 2022)

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Angela Merkel – Im Lauf der Zeit

Mittwoch, den 23. Februar 2022
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DI 22.02.2022 | 20.15 Uhr | arte

16 Jahre sind eine lange, prägende Zeit. Auch deshalb wird Angela Merkel sich tief in die Erinnerungen der Deutschen eingraben. Gut zweieinhalb Monate ist jetzt – mal abgesehen von ihrer Teilnahme an der Bundespräsidentenwahl – inzwischen aus der Öffentlichkeit verschwunden.

“Angela Merkel – Im Lauf der Zeit” hieß eine Doku, die am Dienstagabend bei arte zu sehen war. Dafür hat dem Dokumentarfilmer Torsten Körner das letzte offizielle, längere Interview gegeben. Das spannende daran: Aus der Ferne betrachtet, lässt es sich über so manche Dinge ganz anders plaudern. Auch viele andere Zeitzeugen kommen zu Wort. Und einmal mehr zeigt sich, wie spannend nicht nur die Biografie Merkels ist, sondern auch, herauszufinden, wie die private Merkel eigentlich ist – offenbar nämlich ganz anders.

Der Schauspieler Ulrich Mathes kennt sie privat, und er berichtet, dass sie abseits der Politik viel lockerer, lustiger und selbstironischer ist – etwas, was sie in der Öffentlichkeit nur sehr selten zeigte.
Von Barack Obama haben wir erfahren, wie Merkel mit den Mächtigen – mit den Männern der Welt – umgegangen ist. Eher anstrengende, vielquatschende Herren ließ sie erst mal machen, bevor sie mit den Fakten kam. Sie sei immer um Kompromisse bemüht gewesen.
Und auch Merkel selbst erzählte, zum Beispiel was ihre Raute bedeutete. Nämlich so etwas wie Standfestigkeit, das Ganze sei eher unbeabsichtigt zu einem Symbol geworden.

Schade ist, dass Merkel selbst eigentlich recht wenig in dieser Doku erzählt. Immerhin ist bekannt, dass sie wohl zweimal längere Interviews für diese Doku gab. Dafür nimmt sie recht wenig persönlichen Raum ein. Aber vielleicht gibt es ja später mal “Merkel – Das Interview”.
Außerdem scheint sich Dokufilmer Torsten Körner sehr dabei zu gefallen, irgendwelchen Schnickschnack in seinen Film einzubauen. Ständig gibt es irgendwelche überflüssigen Zwischeneinblendungen, die doch ziemlich vom Geschehen ablenken. Aber davon abgesehen ist es eine interessante Doku.

-> Die Doku bei arte.tv (bis 22. Mai 2022)

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Sorry Angel

Donnerstag, den 2. Dezember 2021
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MI 01.12.2021 | 20.15 Uhr | arte

Aids. Irgendwie redet in Coronazeiten kaum noch jemand über dieses Virus, das in den 80er-Jahren für viel Angst und Schrecken gesorgt hat. Am 1. Dezember 1981 wurde Aids in den USA erstmals als Krankheit anerkannt. Das ist nun 40 Jahre her, und es hat sich viel getan – aber es dauerte. Lange.
Anfangs als “Schwulenseuche” verschrien, war aber in der Tat insbesondere in der Community der schwulen Männer die Angst besonders groß – denn am Anfang war absolut unklar, wie es eigentlich zu dieser Krankheit kam, wie man sich anstecken konnte.
Und selbst 40 Jahre danach ist Aids nicht heilbar, aber immerhin gibt es Medikamente, die die Viruslast auf Null drücken können, um dennoch gut weiterleben zu können. Aber dennoch ist man nicht geheilt. Aber im Gegensatz zur Coronavirus-Forschung dauerte es beim Aids-Virus extrem lange, bis die Forschung voran kam – weil halt vermeintlich nicht alle Betroffen waren, sondern nur “diese Schwulen da”.

Aids hat viel Leid gebracht, und davon erzählte auch der Film “Sorry Angel”, der am Mittwochabend im Rahmen eines Aids-Themenabends bei arte zu sehen war.

1990 in Frankreich: Der Schriftsteller Jacques verliebt sich in den gut 15 Jahre jüngeren Arthur. Der 22-Jährige kann sich eine Zukunft mit seinem Freund vorstellen, hat aber den Eindruck, dass diese Liebe, diese Wichtigkeit einseitig ist.
Dabei stimmt das gar nicht zwingend. Aber Jacques weiß: Es wird keine Zukunft geben. Er hat Aids, und es ist klar, dass er nicht mehr lange leben wird. Doch Arthur will sich trotzdem auf ihn einlassen – er will das Leben nehmen, wie es kommt. Das Jetzt genießen.

Das Drama von Christophe Honoré ist so bewegend, weil es an eine Zeit erinnert, in der an Aids Erkrankte noch regelrecht wegstarben. Auch Jacques verliert einen Freund. Es sind bittere Momente. Und bittersüß – wenn Arthur versucht, Jacques wieder ein Leben einzuhauchen, das er offenbar nicht mehr hat, dann ist das so rührend wie traurig. Und es führt vor Augen, dass auch eine Krankheit wie Aids nicht aus den Augen verloren werden darf.

-> Der Film bei arte.tv (bis 30. Dezember 2021)

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Das fliegende Klassenzimmer

Samstag, den 12. September 2020
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MO 07.09.2020 | 20.15 Uhr | arte

Beim Thomanerchor in Leipzig geht es ja echt drunter und drüber! Da rennen die mitten aus der Probe, um sich mit anderen Kindern zu prügeln. Da schwänzen sie die Fernsehaufzeichnung eines Auftritts, weil sie noch was klären müssen. Und als sie dann doch auftauchen, sind sie total verdreckt.
Macht aber eigentlich alles nix. Denn geprobt wird sowieso nie.

Woher ich dieses erschütternde Insiderwissen über den Thomanerchor habe? Lief neulich bei arte!
War aber ein Film. Fiktion. Am Montagabend zeigte arte zur besten Sendezeit “Das fliegende Klassenzimmer” von 2002. In der damaligen Neuverfilmung des Erich-Kästner-Stoffs waren die Thomaner in Leipzig gewissermaßen die Kulisse für die Komödie.
Dass sich der Chor nie darüber beschwert hat, wie schlecht er hier wegkommt, verwundert fast ein bisschen. 2020 hätte es vermutlich schon Petitionen gehagelt.

Aber davon mal abgesehen: Auch 18 Jahre später ist “Das fliegende Klassenzimmer” extrem sehenswert. Nicht nur, weil hier Frederick Lau als angehender Teenie in einer seiner ersten Rollen zu sehen ist. Ulrich Noethen spielt den verständnisvollen Chorleiter, der selbst mit seiner Vergangenheit als Chormitglied in der Jugend hadert.
Der Film ist so gut wie zeitlos. Denn er steht auch heute noch für Werte, die wichtig, richtig und gut sind. Zusammenhalt. Hilf den Schwächeren. Sei für deine Freunde da. Überlege, was wichtig für dich und dein Umfeld ist. Kämpfe für deine Ziele.
Schön, dass arte solche Filme – eigentlich ist es ja eher ein Jugendfilm – auch mal zur besten Sendezeit ausstrahlt. Er hat 18 Jahre später nichts von seinem Charme verloren.

-> Der Film in der arte-Mediathek (bis 13. September 2020)

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BalletBoyz: Young Men

Sonntag, den 9. August 2020
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DI 04.08.2020 | 2.20 Uhr (Mi.) | arte

Das sieht man auch nicht alle Tage: Es ist Krieg, und auf dem Schlachtfeld tanzen die Krieger im Gleichklang ein Ballett. Auf arte gab es in der Nacht zu Mittwoch einen Kriegsfilm – aber so ganz anders, als man das gewohnt ist. Der Titel sagt es schon: “BalletBoyz: Young Men”.

Frankreich, um 1900, auf einem Feld in irgendeinem Krieg. Männer kämpfen. Männer leiden.
Das ist im Grunde schon die, nun ja, Handlung.
Der Film soll das Schicksal dieser jungen Männer im Krieg zeigen, aber eigentlich tanzen sie nur künstlerisch. Was jetzt natürlich auch nicht so schlecht aussieht. Es handelt sich um die Tänzer der BalletBoyz, einer Tanztruppe aus London. Ihre Bühnenchoreographie „Young Men“ kann man normalerweise im Theater sehen, und vermutlich macht das alles live in einem Theater mit Blick auf eine Bühne mehr her, als ein Film, wo das alles ein bisschen gewöhnungsbedürftig wirkt.

Aber ist eben Kunst. Kriegskunst, in diesem Fall.

-> Die Sendung auf arte.tv (bis 1. November 2020)

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Loveparade – Die Verhandlung

Freitag, den 17. Juli 2020
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MI 15.07.2020 | 22.00 Uhr | arte

Während fast zeitgleich im Ersten an die schönen Berliner Zeiten der Love Parade erinnert worden ist, als die Menschen auf dem Kudamm und später auf der Straße des 17. Juni tanzten, beleuchtete arte am Mittwochabend das dunkle Ende dieses Events. Und nicht nur das dunkle Ende, sondern auch das wirklich traurige Ende des Prozesses, der sich um die Love-Parade-Katastrophe drehte.

Es war der 24. Juli 2010. Bei der Love Parade in Duisburg kommt es zu einer Massenpanik, viele Menschen sterben. 21 Tote, 652 Verletzte. Es waren zu viele Leute auf dem Platz, die Zugänge waren zu eng. Ziemlich sicher hätte die Veranstaltung so an dieser Stelle nicht stattfinden dürfen.
Und dennoch ist der Prozess um diese Katastrophe nun eingestellt worden. Davon handelte die Doku über “Die Verhandlung” am Mittwochabend bei arte.

Angeklagt waren sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier Mitarbeiter des Veranstalters Lopavent. Die Opfer hatten die Hoffnung, dass es ein Urteil geben wird, dass irgendjemand für diese Katastrophe gerade stehen muss – dass dieses Unglück wirklich mal ein Ende hat.
Gute 100 Verhandlungstage, ein Urteil war nicht in Sicht. Und dann kam der Coronavirus – und die Verjährungsfrist. Bevor der Gutachter sprechen konnte, endete der Prozess.

Die Doku geht unter die Haut. Die Opfer und Angehörige kommen zu Wort. Sie sagen, wie sehr sie das alles bewegt. Man sieht Aufnahmen der Katastrophe. Staatsanwaltschaft, Anwälte und Richter sprechen über den Prozess, erklären, was war und was ging und was nicht ging.
Zu Wort kommt auch Rainer Schaller, Inhaber der Lopavent. Er war nicht angeklagt. Er sagt: “Die Love Parade war keine Naturkatastrophe.” Ein Satz, der anwidert, und der zeigt: Der Mann scheint bis heute nichts verstanden zu haben und von Verantwortung nicht wenig wissen zu wollen. Ebenso der damalige Bürgermeister Adolf Sauerland, der nach außen hin erstaunlich gelassen wirkt. Aber eine Frau – Opfer-Angehörige – berichtet davon, wie sie von Sauerland einst besucht worden ist und einen ängstlichen Mann vor sich hatte. Angst wegen der Verantwortung.

Dass es hierzulande offenbar nicht möglich ist, eine solche Katastrophe zu Ende zu verhandeln, das beschämt.

-> Die Doku in der arte-Mediathek (bis 13. Oktober 2020)

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Re: Alles retour – Die Kehrseite des Online-Handels

Freitag, den 10. April 2020
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DI 07.04.2020 | 12.15 Uhr | arte

Heutzutage läuft das mit dem Einkaufen über das Internet ja so: Man bestellt eine Klamotte, und man bestellt dieselbe Klamotte noch mal in zwei weiteren Größen. Eine davon wird schon passen, und den anderen Müll kann man ja einfach wieder zurückschicken. Kostet ja nix.

Am Dienstagmittag zeigte arte eine Doku über genau dieses Thema, über dieses Problem. In der Reihe “Re:” ging es um die Kehrseite des Online-Handels.
Es ist eine gewisse Sorglosigkeit, die da offenbar bei vielen Leuten herrscht. Die Ware nach Hause zu schicken, kostet nichts. Ebenso, wenn man wieder was zurückschickt. Alles umsonst, irgendwer wird sich schon kümmern. Es heißt, jedes sechste online bestellte Paket geht zurück.

In der Doku erzählt eine Händlerin für Sportartikel, wie sehr es ins Geld geht, wenn haufenweise Ware zurückgeschickt wird. Weil die Ware nicht gefällt. Weil irgendwas ist. Oder einfach so. Und das geht nicht nur ins Geld, sondern man muss den ganzen Kram auch wieder auspacken, überprüfen, man muss schauen, was man denn nun damit macht.
Andererseits gibt es aber auch Menschen, die von dieser Plage profitieren. Es gibt ganze, riesige Lager, wo große Onlinehändler ihre Retouren hinschicken lassen. Hunderte Menschen werden auf diese Weise beschäftigt.

Und doch muss man die Frage stellen, warum das alles so einfach ist. Warum der Kunde diese übergroße Macht hat. Warum ein Kunde Ware zurückschicken kann, die ihm nicht gefällt, auf die er keine Lust hat und – auch das gibt es – die Klamotten einmal tragen und dann zurückschicken, weil damit angeblich irgendwas ist.
Klar ist, dass das Zurückschicken von Ware, die nicht kaputt ist, etwas kosten muss. Einfach, um das sorglose Einkaufen nach dem Motto “Irgendwas davon wird schon passen” zu unterbinden.
Diese Erkenntnisse bleibt nach dieser interessanten arte-Doku.

-> Die Sendung auf arte.tv (bis 4. Juli 2020)

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