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Das war 2019!

Dienstag, den 31. Dezember 2019
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Das Medienwort des Jahres ist vermutlich 2019 ein Name: Greta. Greta Thunberg ist 16, Schwedin und die wohl bekannteste Umweltaktivistin unserer Zeit. Kommt Greta ins Spiel, dann werden alle nervös. Die Medien, weil sie mit Greta-Artikel wieder Klicks bekommen. Die Fans, weil sie Greta für alles feiern. Die Hasser, weil sie Greta für alles, nun ja, hassen.
2019 ist das Jahr – wie auch 2018 und 2017 und … – der Shitstorms, deren Wellen in immer kürzen Abständen durch das Web rollen. Immer wieder ist irgendwo die Empörung groß, weil irgendwer irgendwas gesagt hat, was irgendwer aus irgendwelchen Gründen ganz schlimm fand.

Schlimm findet die CDU im Jahr 2019 das Internet aber auch. Ein gewisser Rezo ist es, der auf Youtube vor der Europawahl von der “Zerstörung der CDU” spricht. Bis Jahresende hat das Video 16,49 Millionen Klicks, darin zählt Rezo die Versäumnisse der Politik auf, gerade in Sachen Umweltbelange. Man solle doch nicht die CDU wählen, und die SPD eigentlich auch nicht, die AfD ebenfalls nicht.
Das schlägt Wellen, nicht nur bei dem Wahlergebnis. CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer spricht danach davon, dass es ja nicht sein könne, dass Youtuber auf diese Weise Wahlen beeinflussen wollen.
Die CDU will mit einem Antwortvideo kontern. Philipp Amthor soll es richten, und das Video wird so geil, dass es danach nicht veröffentlicht wird. PR-Desaster. Genau wie das Monate danach gestartete Youtube-Format “CSYou”.
Aber mit PR-Desaster kennt sich Annegret Kramp-Karrenbauer aus. Ende Februar tritt sie beim SWR im “Stockacher Narrengericht” als Klofrau auf – wie jedes Jahr. Mit Witzen über das dritte Geschlecht – “Das ist für die Männer, die noch nicht wissen, ob sie noch stehen dürfen beim Pinkeln oder schon sitzen müssen.” – sorgt sie für Zoff. Darf sich eine so hohe Politikerin so über Randgruppen lustig machen? Das ist die Frage.

Und worüber dürfen sich eigentlich Komiker noch lustig machen? Über Frauen mit Doppelnamen jedenfalls nicht. Kramp-Karrenbauer. Bernd Stelter bekommt beim “Karneval in Köln” jedenfalls Besuch auf der Bühne. Eine Zuschauerin teilt ihm Auge in Auge mit, dass sie seine Doppelnamen-Gags irgendwie doof findet. Nur eine Woche später stürmt eine Frau die Bühne des “Moma-Cafés” des ZDF-Morgenmagazins. Sie wollte wissen, ob denn hier eigentlich alle einen anlügen, sie sprach von Lügenpresse, Lügenfresse und wollte fragen, ob bei ihr die Mainzelmännchen zu Hause seien. Alles ganz wichtige Fragen, die dringend geklärt werden müssen.

Oh, Moment: Greta hat wieder was gesagt. Sie fordert mehr Panik. Wichtige Sondermeldung. Es folgen Lob und Empörung.

Apropos Empörung: Rammstein hat sich was Dolles geleistet. In einer Vorschau für den Song und das Video zu “Deutschland” werde der Holocaust relativiert. Heißt es. War dann aber nicht so, der Shirtstorm rollte trotzdem durchs Twitterland.
Sat.1 löst seine Shitstorms lieber im Ausland aus: in Thailand. Ach was, ein Krieg steht im Raum! Im Frühstücksfernsehen reißen sie blöde Witzchen über den thailändischen König. Der und angeblich ganz Thailand finden das empörend, und bei Sat.1 schmeißt man sich in den Staub und entschuldigt sich untertänigst. Fast fließen Tränen. Ohje. Wird Sat.1 etwa zur Strafe zum thailändischen Regierungsfernsehen?
ARD und ZDF in Deutschland sind diesem Vorwurf auch 2019 immer wieder ausgesetzt. Dabei zeigen Formate wie “Die Anstalt”, “heute show” und “Extra 3” dass das nun wirklich nicht sein kann. Und auch Magazine wie “Report”, “Kontraste” oder “Frontal 21” decken Skandale auf, die der deutschen Politelite sicherlich nicht gefallen haben.

Achtung, Greta hat wieder was gemacht. Mit einem Schiff reist sie über den Atlantik in die USA. Jubel von den Fans. Kritik von den anderen, und überhaupt, das ist ja aus Gründen gar nicht so umweltfreundlich, wie alle sagen.

Bloß keine Schwäche zeigen. Nicht immer gelingt das. Ein Bundestagsabgeordneter bricht am Rednerpult zusammen, live übertragen von phoenix und dem Parlamentsfernsehen. Vorher machen sich die AfD-Leute noch lustig über ihn, als er beginnt zu stocken. Bei einem Auftritt stolpert Peter Altmeier nach einer Rede und fällt von einer Treppe. Das sieht böse aus. Gleich mehrere Male bekommt Kanzlerin Angela Merkel Zitteranfälle. Es beginnt das große Rätseln über eine mögliche Krankheit. In allen drei Fällen verbreitet sich über das Netz auch eine Welle der Häme. Politiker haben keine Schwäche zu zeigen, immerhin bekommen die doch so viel Kohle und tun dafür nichts, so wird, nun ja, debattiert.
Vor einem Millionenpublikum kollabiert “Tagesschau”-Sprecher Jan Hofer. Er wirkt fahrig, seine letzte Ansage kann er nicht mehr machen, die Sendung wird abgebrochen. Tage zuvor war er noch von morgens um kurz vor 10 bis nachts nach 23 Uhr in jeder Nachrichtensendung on Air. Bei der ARD will man von Überarbeitung nicht sprechen.

Ein bisschen flottere Arbeit wünscht man sich dagegen von der “Tagesschau” an dem Abend, als in Paris Notre Dame brennt. Eine kurze Sondersendung im Ersten und später eine hektisch zusammengestellte Live-Übertragung bei tagesschau24 lösen die Debatte über die Schnelligkeit der Nachrichtenübermittlung aus. Ob die stundenlangen Mutmaßungen und Kameraschwenks über die brennende Kathedrale bei ntv besser sind, ist unklar.
Legendär sind dagegen die stundenlangen Übertragungen aus dem britischen Parlament. Stichwort 1: Brexit. Stichwort 2: Order!

Greta! Jetzt bekommt sie auch noch die Goldene Kamera! Das Mädchen haut wieder eine Rede für den Klimaschutz raus, und kurz danach bekommt die Schauspielnewcomerin einen SUV geschenkt. Glückwunsch!

Schalten wir besser mal nach Österreich. Dort heißt das Wort des Jahres nicht “Greta”, sondern “Ibiza”. FPÖ-Rechtspopulist Hans-Christian Strache lässt sich von einer versteckten Kamera reinlegen. Auf Ibiza trifft er sich mit einer angeblichen Oligarchin. Es geht um Investitionen in Österreich und um Gefälligkeiten, die die Pressefreiheit aushebeln. Aus für die FPÖ in der Regierung. Pressekonferenzen. Neuwahl. Mega-Quoten für den ORF2.
In Deutschland dagegen sorgen die Rechtspopulisten der AfD immer wieder für Schlagzeilen. Bjö…, äh, Bernd, äh, Björn Hocke bricht ein Interview mit dem ZDF ab, weil er emotional aufgewühlt sei. Und er werde nie wieder ein Interview mit dem Journalisten führen, was er bedauern könnte, wenn Höcke mal eine wichtige politische Persönlichkeit sei.
Der mdr dagegen setzt Uwe Steimle gleich ganz ab. Oder besser: beschäftigt ihn nicht weiter. Darüber ist Uwe Steimle empört. Er würde gern vom mdr, den er für einen Staatsfunk hält und der regierungsnah sei und rückständig, weiterarbeiten. Der mdr sieht das anders. Der Arbeit- und Geldgeber mag es nicht, beschimpft zu werden. Uwe Steimle, das Opfer. Findet Uwe Steimle. Er redet von einem Berufsverbot. Seine Auftritte sind ausverkauft. Dort erzählt er dann von seinem Berufs, … ähm. Merken Sie selbst, oder?
Dieter Nuhr soll übrigens auch neurechts sein. Er äußert sich kritisch zu “Fridays for Future” und zu Greta. Dass er sich auch kritisch zur AfD äußert, scheint egal zu sein. Meinungsfreiheit gegen die Forderung, Dieter Nuhr abzusetzen.

Und, ach ja. Greta. Dieter Nuhr hat wieder was Böses über Greta gesagt. Bringt Schlagzeilen. Bringt Klicks. Lob und Hass, na, Sie wissen schon.

2019 hat auch Comebacks parat. Jörg Kachelmann feiert seine Rückkehr in die ARD. Er darf wieder das “Riverboat” im mdr moderieren, wo auch gleich die Quoten steigen. Der Deutsche Fernsehpreis kommt mit einer Gala zurück, in den vergangenen Jahren wurde eher spartanisch gefeiert. Die Rettungsschwimmer aus Malibu sind wieder da – und das auch noch in HD. “Baywatch” auf Nitro jetzt noch schärfer. Die Youtube-Star-Zwillinge, die Lochis, verkünden das Ende ihrer gemeinsamen Karriere. Jahrelang haben sie klickstarke Videos und am Ende auch Songs produziert. Durch die Jugend geht ein Ruck. Zlatko kehrt ins “Big Brother”-Haus zurück. 2000 war er schon mal drin, 2019 als “Promi”. Sat.1 jazzt das zum Comeback des Jahres hoch. Es erweist sich als laues Lüftchen. Domian meldet sich mit einer Talkshow im WDR zurück – ganz ohne Telefon. Pittiplatsch ist wieder da – fast 30 Jahre nach dem Aus im DFF. Und auch Jürgen Kuttner macht wieder den “Sprechfunk” – allerdings erstmal nur im Internet auf radioeins.de.
Ein Comeback – also zumindest für 30 Minuten – hat auch ein gewisser Ernesto. Ihn kennt man als Ex-Mann von einer Ex-Anwältin in einer RTL-Trashshow. Nun tritt er in einer RTL-II-Trashshow auf. Nackt. Aber: Sensation! Nach einer Penis-Vergrößerungs-OP! Das schauen wir uns doch mal genau an. Und, ähm, ein bisschen, nun ja, haben wir uns da schon mehr…. ähm… also…

Das irritierendste Comeback 2019: tm3. Der Sender Family.TV nennt sich in tm3 um. Die Rechte am Markennamen waren frei, mit dem tm3 von damals hat das aber nichts zu tun. Doch das Glück hält nicht lange, Wochen später wird der Sender abgeschaltet. Immer wieder gibt es Lizenzprobleme, der Betreiber von Family.TV/tm3 zeigt Sendungen im Programm, an denen er gar keine Rechte hat. Zwangs-Aus.
Unfreiwillig und mit großem Knall endet auf radioeins die freitägliche Comedy “radiozwei”. Als sich Tommy Wosch und Martin “Gotti” Gottschild live on Air ernsthaft zoffen, ist es aus. Erst im Herbst kehrt Wosch allein mit einem neuen Format zurück.
Abschied nehmen heißt es auch vom “Neomagazin Royale”. Jan Böhmermann verlässt zdf neo, um im Herbst 2020 mit neuer Show beim ZDF weiterzumachen.
Nächtliche Spitzeneinschaltquoten erzielt Sky mit der letzten Staffel von “Games of Thrones”. Doch viele Fans sind enttäuscht darüber, wie die Serie endet.
Der langsame Abschied von der “Lindenstraße” geht dagegen weiter. Am 20. Dezember ist Drehschluss. Noch drei Monate. Ende März 2020 ist dann auch im Fernsehen Schluss.

Auch viele bekannte Menschen sind nicht mehr da. Abschied für immer. Bruno Ganz, Hannelore Elsner, Doris Day, Billie Zöckler, Lisa Martinek, Ursula Karusseit, Luke Perry, Wolfgang Winkler, Jan Fedder, Rudger Hauer, Gerd Baltus, Helmut Krauss, Peter Fonda, Max Wright und Ken Kercheval werden als Schauspieler fehlen. Die Sportler Rudi Assauer, Matti Kykänen und Niki Lauda. Die Musiker Marie Fredriksson, Peter Schreier, Karel Gott, Costa Cordalis, Wiglaf Droste, Keith Flint, Gus Backus, Alphonso Williams und Mark Hollis. Die Moderatoren und Journalisten Wilhelm Wieben, Wiebke Bruhns, Manina Ferreira-Erlenbach, Franziska Pigulla, Michael Jürgs, Werner Doyé und Walter Freiwald. Die Politiker Manfred Stolpe, Jörg Schönbohm, Robert Mugabe, Klaus Kinkel, Jacques Chirac und Anke Fuchs. Weltraumfahrer Sigmund Jähn, Autorin Rosamunde Pilcher, Kabarettist Werner Schneyder, Produzent Artur Brauner, Comiczeichner Guillermo Mordillo, Unternehmer Ferdinand Piech, Weltenbummlerin Heidi Hetzer, Designer Luigi Colani und Modeschöpfer Karl Lagerfeld.

Vor dem Aus gerettet wird dagegen der Berliner Verlag. Dran hängen unter anderem die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier. Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich kauft den Verlag von der DuMont-Mediengruppe. Freude und Misstrauen. Immerhin sind die beiden kaum medienerfahren. Und dann kommt auch noch raus, dass bei Holger irgendwas mit der Stasi ist. Was er zunächst verheimlicht. Die Euphorieblase platzt.

Bei den Sendern platzen 2019 diverse Hoffnungen. RTL landet mit der Daily-Soap “Herz über Kopf” einen Flop. VOX versucht es mal wieder mit der schon öfter gefloppten Actionshow “Survivor” – und scheitert. Das ZDF hat kein Glück mit “Mein Lied für dich” und “Sorry für alles”.
Richtig gut läuft es dagegen weiter für den “Tatort” aus Münster. Der Fall “Spieglein, Spieglein” erreicht 14,01 Millionen Menschen. Quotenrekord 2019.

Und Greta? Müsste die nicht bald mal auf dem Schiff wieder in Lissabon angekommen? Nachrichtensender zeigen live und eine halbe Ewigkeit, wie ein Schiff aus dem Atlantik in Portugal anlegt.

Wird über Greta vor allem im Netz geredet, spielt sich auch das Mediengeschehen selbst zunehmend im Netz ab. Das herkömmliche analoge Fernsehen ist weiter auf dem Rückmarsch. Netflix begeistert mit Serien wie “Wir sind die Welle”, “Die Patchwork-Familie”, “How to sell Drugs online (fast)” oder “Sex Education”. Amazon Prime mit “Pastewka”. Außerdem geht Joyn an den Start, TV Now der RTL-Gruppe bietet unter anderem mit “Prince Charming” exclusiven Content. Und natürlich Youtube mit unendlich vielen Videos sowie diversen Funk-Formaten wie “Druck”.
Das Fernsehen muss sich anstrengen, wenn es weiter Aufmerksamkeit will. Das gelingt zum Beispiel mit “24h Europe” (arte), “Chez Krömer” (rbb), “Die Geschichte eines Abends” (NDR), “Käthe und ich” (Das Erste), “Die Unsichtbaren” (Das Erste) oder “Der Club der singenden Metzger” (Das Erste).

Was gab es sonst so? Thomas Gottschalk moderiert beim BR eine Literatursendung. Ja, wirklich! Bei Lanz zoffen sich Hasselhoff und Lindner. Hasselhoff gewinnt. Ja, echt! Böhmermann sagt was im ORF, und die Moderatorin distanziert sich. Ja, mei! Luke Mockrige prankt den “ZDF-Fernsehgarten” und ist … ähm, irgendwer fand das sicher lustig. Bei Funk gibt es eine 72-stündige Talkshow. Live! Und danach drei Tage Tiefschlaf. Die EU hat ein neues Urheberrecht. Und Youtube stirbt. Oder so ähnlich.
Achso, und: “I’m sorry! Zero Points!”

Schauen wir ein letztes Mal zu Greta: Die war auf dem Klimagipfel. Der war enttäuschend. Aber, bitte: Was war das denn?! Greta im ICE! Auf dem Boden sitzend! Wo sie doch 1.-Klasse-Tickets hatte!!! War dann zwar alles ein bisschen anders, aber da rollte der Shitstorm schon. Ist ja eh alles wurscht. Hauptsache Greta.

Nicht vergessen dürfen wir zu guter Letzt aber noch diese Feststellung. Enissa Amani ist eine Komikerin.
Echt!
Alles Gute für die 20er-Jahre.

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24h Europe – The next Generation

Sonntag, den 5. Mai 2019
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SA 04.05.2019 | 6.00 Uhr | arte

24 Stunden Europa. Was für ein Trip. Auf arte war er am Sonnabend möglich – Erlebnisse zwischen Russland und Portugal und zwischen Island und Italien.
Nach den Mammutproduktionen “24h Berlin” im Jahre 2008/09, Ausflügen nach Jerusalem und Bayern, folgte nun der Kontinent, auf dem wir leben. Von 6 bis 6 Uhr lief die 24-stündige Doku “24h Europe”.
Auch im rbb lief die Megaproduktion, im SWR-Fernsehen, bei ARD alpha und zeitweise auch im BR-Fernsehen.

45 Reporterteams waren am 15./16. Juni 2018 in ganz Europa unterwegs und haben 60 Protagonisten getroffen, um ihre Geschichten zu erzählen, um ihren Tag zu begleiten.
Wir waren im Hafen von Rotterdam, wo nach den Schiffen geschaut wurde, die dort ankamen. Wir gingen mit Polizisten in Brüssel Streife. In Nordnorwegen schauten wir zu, wie die Rentiere freigelassen wurden. In Island waren wir bei einem Konzert dabei. In Berlin waren wir mit einer Dragqueen unterwegs. In Oranienburg zog sich ein Camgirl vor ihrer Kamera aus und für ihre Anrufer aus. In Bayern ging es um einen ehemaligen Flüchtling, der nun erfolgreicher Fußballer ist. In Moskau begleiteten wir einen Arzt, der HIV-Patienten betreut. In Bukarest waren wir in einer Notaufnahme. In Lissabon sind wir mit einer Tuktuk-Fahrerin unterwegs gewesen. In Tallinn waren wir in einem Club, in Jönköpping in Schweden bei Zockern, in Finnland mit einem Naturfotografen unterwegs.
Um nur einige der Geschichten zu benennen.
Fast alle Protagonisten sind jünger als 30 Jahre. Wir sehen die nächste Generation. Wir erleben, was sie bewegt und was nicht. Was sie umtreibt, welche Sorgen sie haben, wie sie über ihre Zukunft denken.

arte zeigte die Doku leider nicht am gleichen Tag wie gedreht wurde – dabei wäre auch der 15. Juni ein Sonnabend gewesen. Stattdessen sollte der Film vor der Europawahl laufen – um zeigen, was diesen Kontinent ausmacht.
Eigentlich nicht neu, aber dennoch erstaunlich ist, wie unterschiedlich Europa sein kann. Da gibt es in Italien die Bürgerwehr der Rechten, während gleich die Aktivisten von Seawatch aktiv sind. Da gibt es einerseits den Börsianer in London und die Radiologin in Tschernobyl.
Arm und reich. Partypeople und Arbeitsmenschen. Ärzte und Kulturschaffende. Polizisten und Offiziere.

Europa hat viel zu bieten und ist dabei so unterschiedlich. Dennoch ist es nicht die Aussage dieses Films, dass jeder für sich bleiben muss. Jeder, mit seinen Eigenarten und Unterschieden, gehört in dieses Europa. Der eine mehr, der andere weniger.
“24h Europe” war zwar weniger packend, als die Berlin-Doku 2009, weil Berlin als Stadt natürlich ein dichterer Kosmos ist. Aber auch diese Doku war streckenweise packend und hielt einen bei der Stange. Man wollte diese vielen Leute meist gern begleiten. Mitunter bis in die Nacht hinein. Nicht immer war es erfreulich, was wir zu sehen bekamen, aber eigentlich immer interessant.

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Hinter die Welt – Tokio Hotel

Mittwoch, den 25. Juli 2018
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SO 22.07.2018 | 23.10 Uhr | arte

Ist von Tokio Hotel die Rede, dann denken die meisten vermutlich nur an Bill und Tom Kaulitz, dabei hat die Band ja von Anfang an und bis heute zwei weitere Mitglieder: Georg Listing und Gustav Schäfer.
Am Sonntagabend zeigte arte die sehr interessante Doku “Hinter die Welt – Tokio Hotel”. In dem Film ging es auch um den Gegensatz zwischen den Zwillingen und Georg und Gustav.

Die Kaulitz-Jungs haben den Rummel um sie in Deutschland irgendwann nicht mehr ausgehalten, sie zogen nach Los Angeles. Besonders Bill war schon immer in seiner Art und dem Aussehen extravagant. Sein Bruder Tom lebt diesen Stil mit.
Ganz anders Georg und Gustav. Sie sind wieder nach Magdeburg zurückgekehrt, leben dort ein relativ normales Leben. Die Kamera begleitet Georg ins Fitnessstudio, wo er erzählt, dass er wieder in die Heimat und zu seinen Freunden wollte. Ebenso Gustav, der sich auf Fahren mit seinem Boot erdet. Das ist höchst sympathisch, fast schon rührend. Vor allem, wenn man dann sieht, wie sie wieder in den Touralltag und in die aufwändigen Kostüme zurückkehren.

Während es international für Tokio Hotel noch gut läuft, scheint in Deutschland ein bisschen die Luft raus zu sein. Das ist schade, denn die Band macht gute Musik – aus heutiger Sicht sehr viel bessere Musik als in ihren Anfangsjahren. Aber Kinder- und Jugendstars haben es hierzulande leider oft schwer, auch als Erwachsene irgendwie noch Erfolg zu haben.

PS: Ob die eher jugendliche Zielgruppe die arte-Doku am späten Sonntagabend gefunden hat? Vermutlich eher weniger – oder schauen die Kids auch mal in die arte-Mediathek? Bestimmt täglich. Ganz bestimmt…

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Suspense

Freitag, den 9. März 2018
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MI 07.03.2018 | 1.10 Uhr (Do.) | arte

Meine Güte, ist das spannend! Eine Frau ist allein zu Hause, und ein Einbrecher kommt.
Das Spannende an dem Kurzfilm “Suspense” ist auch gar nicht mal die Handlung an sich. Viel interessanter ist der Fakt, dass er bereits 105 Jahre alt ist – von 1913.
Es hat also ein paar tage gedauert, bis er endlich im deutschen Fernsehen seine Premiere feiern konnte – in der Nacht zum Donnerstag bei arte.

Der Film hat keinen Ton, die Musik ist 2017 eingespielt worden. Das Bild in Schwarz-Weiß ist in erstaunlich guter Qualität, es gibt nur wenige Kratzer.
“Suspense” ist ein Thriller, und 1913 – als selbst meine lange verstorbene Oma noch ein kleines Kind war – war das vermutlich alles sehr aufregend. Ein Jahrhundert später ist er nur noch ein historisches Zeitzeugnis.
Interessant deshalb, weil schon damals mit außergewöhnlichen Mitteln gearbeitet worden ist. Splitscreen gab es damals schon, und man kam bereits auf die Idee, durch ein Schlüsselloch zu filmen – was vermutlich eher ein ausgeschnittener Karton war.

Schön, dass solche Kulturschätze weiter gepflegt und restauriert werden – und dass ein Programm wie arte so was auch ausstrahlt. Selbst wenn es in der Nacht ist – dazu gibt es ja die Mediathek.

Hits: 43

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Bad Banks

Dienstag, den 6. März 2018
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SO 04.03.2018 | 22.10 Uhr | ZDF

Die Medienkritik hat diese Serie mal wieder als Meilenstein gefeiert, als das ganz große Ding. Besoffen von den guten Kritiken hat das ZDF eine zweite Staffel in Aussicht gestellt, bevor die erste überhaupt mal ganz gelaufen ist.
Als “Bad Banks” dann aber erst bei arte und dann im ZDF gesendet worden ist, kam die große Ernüchterung. Von Anfangs fast vier Millionen Zuschauern blieben am Ende nicht mal zwei übrig. Die Zuschauer hat also scheinbar nicht besonders interessiert, was bei den Banken so abgeht.

In “Bad Banks” geht es um eine junge Frau, die in eine Intrige verstrickt wird. Sie wird gewungen, ihrer eigenen Bank zu schaden. Daraus erwächst eine Krise, die die Finanzen des Landes ruinieren könnte.

Eigentlich ein interessantes Thema. Immerhin beschäftigt uns eine drohende Banken- und Finanzkrise nicht erst seit Ende der 2000er, wo es schon mal ganz düster aussah. “Bad Banks” zeigt, dass die Bedrohung keineswegs gesunken ist.
Gut gemacht ist die Serie deshalb aber nicht. Der Anfang – und leider nur der Anfang – ist elektrisierend. Da sieht man nämlich viele Menschen auf den Straßen in langen Schlangen um ihr Geld zittern.
Doch die kleinen Leute scheinen bis Folge 3 keine Rolle in dieser Serie zu spielen, und das ist ein gewaltiger Fehler. Stattdessen geht es wieder nur um die großen Player, um Machtspiele. Die sind bisweilen kompliziert und für den Otto-Normal-Zuschauer leider auch nicht sonderlich durchschaubar oder gar spannend.

Wenn es nun wieder heißt, die deutschen Zuschauer können einer über sechs Folgen gestreckten Handlung nicht folgen, dann stimmt das nicht. Aber diese Handlung muss die Menschen auch packen. Und “Bad Banks” ist leider viel zu oft nicht packend.
Vermutlich hätte die Serie ansonsten auch keinen Sendeplatz am späten Abend bekommen, sondern wäre prominenter ausgestrahlt worden.

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Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa

Freitag, den 23. Juni 2017
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MI 21.06.2017 | 22.15 Uhr | Das Erste

Da ist wohl alles schief gegangen, was schief gehen konnte. Und das bei einem so wichtigen Thema wie Antisemitismus und Judenhass.
Der WDR und arte haben eine Doku in Auftrag gegeben, die sich damit auseinandersetzen sollte.
Aber um “Auserwählt und ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa” hat sich ein noch nie da gewesener Streit entbrannt.

Der Kulturkanal arte wies die Doku ab. Handwerkliche und inhaltliche Mängel, und die gab es wohl in großer Zahl. Beim WDR hat man daraufhin noch mal geprüft und ebenfalls Mängel festgestellt.
Die Nicht-Ausstrahlung sorgte dennoch für Empörung, und die “Bild” hat den Film daraufhin illegal ins Internet gestellt – für 24 Stunden auf’s eigene Portal. Das muss man sich mal vorstellen, was passieren würde, wenn “Bild”-Inhalte irgendwoanders auftauchen würden. Da würde die “Bild” aber Stunk machen – aber so ist das natürlich was ganz anderes, findet man bei der “Bild”.

Immerhin sorgte die Online-Ausstrahlung dafür, dass man in der ARD handelte. Innerhalb von ein paar Tagen, entschied man sich, das komplette Mittwochabend-Spätprogramm umzuschmeißen. Plötzlich gab es einen Sendeplatz, und ganz plötzlich schloss sich auch noch arte an, wo die Doku 45 Minuten nach der Ausstrahlung im Ersten lief.
Der WDR für diese Ausstrahlung aber eine Art “betreutes Fernsehen” organisiert. Per Schrifttafel wurde auf die Mangel hingewiesen, immer wieder wurde der Film gestoppt und durch weitere vorgelesene Schrifttafeln ergänzt.

Wunderlich war im Anschluss die “Maischberger”-Sendung. Weil man ja lieber über das Thema und nicht so über den Film reden wollte, lud man die Autoren erst gar nicht ein. Wirklich toll: Da wird einen Abend lang auf sie eingedroschen, aber reden lassen möchte man sie nicht. Lieber möchte Sandra Maischberger über sie sprechen. Womit die Talkshow-Redaktion eindeutig Mist gebaut hat.

Was bei der Doku wirklich schief lief, wer wann mit wem oder nicht miteinander gesprochen hat, wie lange der Film im Archiv rumlag – all das lässt sich von hier aus nicht beurteilen.
Dass diese Affäre für alle Seiten peinlich ist – für die Filmemacher, aber auch für “Bild”, den WDR und arte -, das ist wirklich traurig.

Und die Doku selbst? Stellenweise schockiert sie, weil sie tatsächlich (aber auch wenig überraschend) einen tiefgehenden Judenhass aufzeigt. Allerdings ist die Machart des Filmes eher anstrengend. Viel wird mit eher störender Musik gearbeitet, mit Klängen, mit Effekten. Die “Erzähler”-Sprache reicht von nüchtern bis belehrend. Es ist schwierig, der Doku aufmerksam folgen zu können, sie ist viel zu vollgepackt. Da wäre weniger mehr gewesen.

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Staatsdiener

Freitag, den 9. Juni 2017
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DO 08.06.2017 | 23.10 Uhr | arte

Am Vormittag standen die Polizeischüler aus Oranienburger mal wieder an einer der städtischen Kreuzungen, um zu üben, wie man den verkehr regelt. Aber natürlich lernen die jungen Leute noch mehr – sehr viel mehr.

Was sie so in der Lehrzeit erleben, das zeigt exemplarisch recht eindrucksvoll die Doku „Staatsdiener“, die am Donnerstagabend erstmals auf arte lief.
Marie Wilke begleitete Studenten an der Polizeihochschule in Sachsen-Anhalt während ihres ersten Studienjahrs und beim Praktikum auf Streife. Die jungen Menschen lernen, sich für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen, sie lernen aber auch, dass längst nicht alle Menschen der Meinung sind, dass sie sich immer für das Richtige einsetzen.

Eine spannende, unkommentierte Doku, die zeigt, wie hart der Polizeialltag manchmal sein kann und womit sich Polizisten so beschäftigen müssen, auch, welchen Gegenwind sie heutzutage leider auch bekommen.

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