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Landpartie: Holperpiste im Grenzgebiet

Freitag, den 25. April 2014
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Als ich 1998/99 regelmäßig über die A11 nach Prenzlau gefahren bin, da war die Autobahn an vielen Stellen noch eine Großbaustelle. Der alte Beton verschwand, und dafür gab’s glatten Asphalt. Eine Stelle gibt es aber noch, und sie gilt heute als das älteste, ursprünglich erhaltene und heute schlechteste Autobahnteilstück Deutschlands. Es befindet sich zwischen dem Kreuz Uckermark und Penkun.

Auf meinem Weg nach Rügen gönnte ich mir einen Umweg: Ich wollte mir das historische Pflaster von 1935 noch mal ansehen, bevor es bald verschwinden soll.
Die Strecke übertraf alle meine Erwartungen. Nach einer Baustelle beginnt das ramponierte Teilstück. Erstaunlicherweise ist Tempo 100 erlaubt, aber nirgendwo wird man als Autofahrer dermaßen durchgeschüttelt wie auf dieser A11-Strecke. Man holpert über die Betonplatten, die allesamt so beschädigt sind, dass es nicht nur die Fugen sind, über die man da donnert. Man fährt auf der linken Seite, die rechte ist noch maroder. Im Winter, wenn es glatt ist, wird man mit Tempo 100 dort garantiert aus der Spur getragen.
Nach der Abfahrt Schmölln wird die Strecke noch schlechter, dort ist dann auch nur noch Tempo 80 erlaubt. Die Stoßdämpfer im Härtetest.
Dann aber, ganz plötzlich, nach vier bis fünf Kilometern, ist der Spuk vorbei. Bis zum Grenzübergang Pomellen ist bereits alles saniert.

Am Abzweig Penkun verlasse ich die A11. Der Zoll ist hier stark präsent. In der Abfahrt steht ein Polizeiwagen, ebenso am anderen Ende der Abfahrt, am Anschluss zur B113. Penkun ist die erste/letzte Abfahrt vor/nach dem Grenzübergang nach Polen. Es gibt keine Grenzkontrollen mehr, und offenbar soll das so was wie ein Ersatz dafür sein, dass nichts mehr kontrolliert wird.
Ich bleibe unbehelligt. Bei allen Polizeiwagen, die mir fahrender- und stehenderweise noch begegnen werden.

Ich stoppe in dem kleinen Dörflein Storkow, um mal in die Karte zu schauen. Umdrehen und zum Kreuz Uckermark zurückfahren, ist langweilig, das komme nicht infrage.
Ich entscheide mich für eine Landpartie. Die Zahlen zum Glück: B113, B104, B109, B105. Ich fahre durch Orte, von denen ich noch nie gehört habe. Wo auch. Warum auch.
Orte, jenseits von Gut und Böse. Ich vermute, dass man es echt mögen muss, dort zu wohnen. Wo fährt man hin, um einzukaufen? Was, wenn man mal eine CD kaufen will? Und was es sonst im Dorfkonsum (wenn es einen gibt), nicht zu kaufen gibt? Fährt man nach Stettin in Polen, das nur gute 15 Kilometer entfernt ist? Oder nach Löcknitz an der B104, das größer ist, als man denkt und sogar ein richtiges Zentrum mit Discountern und anderen Geschäften hat?

Wer auf der B104 unterwegs ist, die von der polnischen Grenze nach Pasewalk führt, erblickt vor jeder Ortschaft auf deutsch und polnisch die Bitte an die Lkw-Fahrer, auf die Anwohner Rücksicht zu nehmen. Scheinbar donnern die Brummis gerade nachts durch die Dörfer.
Wer zu McDonald’s will, muss in dem Gebiet übrigens auch über die polnische Grenze, der Laden ist in Linken und hat vermutlich mehr deutsche als polnische Gäste. Denn selbst in Pasewalk ist die Fastfoodkette nicht vertreten, selbst dort wird nach Polen verwiesen.

In Pasewalk geht’s auf die B109, das war früher eine der beiden östlichen Ostseerouten – die B109 von Berlin nach Usedom, die B96 eher von Berlin nach Stralsund und Rügen. Noch heute gibt es dort Gaststätten, die auf diese Ostseeroute verweisen, obwohl der Verkehr dort wahrscheinlich stark abgenommen hat, seitdem es die A20 gibt.
Das letzte Mal bin ich 2001 dort auf dem Weg nach Usedom gewesen – und steckte in Anklam in einem fürchterlichen Stau. Die Überraschung: Anklam hat eine Ortsumgehung. Fix geht es dort voran. Die Enttäuschung: Die Ortsumgehung endet einfach mittendrin. Man wird dann doch nach Anklam selbst geleitet, durch Großbaustellen und weiteren Umleitungen. Solche Ortsumgehungen kann man sich eigentlich auch sparen.

RTelenovela

Eine Nacht auf dem Wasser

Freitag, den 20. Mai 2011
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Was für eine Ruhe. Ich stehe auf meinem Balkon, und um ich herum ist nur Wasser. Ich wohne für eine Nacht in einem schwimmenden Haus am Rande des Hafens von Kröslin. Der kleine Ort liegt in Ostvorpommern, gleich neben der Insel Usedom.
In den Häusern können bis zu sechs Leute wohnen, es gibt oben die Schlafräume, unten ein Wohnzimmer, die Küche und das Bad. Und eine Terrasse, oben ein Balkon.
Nachts ist das besonders idyllisch. Man hört nur das wasser leise plätzschern, in der Ferne die Vögel.
Wer wirklich mal ein paar Tage Ruhe will, ist hier richtig. Und wer dann doch mal was sehen will von der Gegend – Greifswald, Stralsund und Usedom sind nicht allzu weit entfernt. Und es heißt, in den Dörfern nahe Kröslin soll es auch einiges Schönes geben.

Peenetal, Usedom, Rügen. Das ist der Plan für die nächsten Tage. Das Thema unserer Reise sind “Rückzugsinseln”, also Orte, die abseits der großen Touristenzentren liegen.

Das Peenetal hatte ich bislang auch nicht zwingend auf meinem Urlaubsplan. Aber selbst dort tut sich was. Wer mit dem Zug bis nach Anklam in Ostvorpommern fährt, ist mittendrin im Peenetal.
In Liepen gibt es einen Gutshof von dem aus man Flusstouren auf der Peene unternehmen kann. Mehr noch: Seit einiger Zeit existiert das Netzwerk “Abenteuer Flusslandschaft”, ein Zusammenschluss vieler Anbieter entlang der Peene.
Auf dem Gutshof selbst stehen mehrere Schüsseln. In den großen Dingern wird allerdings keine Suppe gemacht, sondern man kann darin baden. Das soll ganz schön sein – probiert hätten wir es wohl, wenn wir nicht mitten am Nachmittag, sondern vor dem Schlafengehen dort gewesen wären.

Nun ja, man muss schon die Abgeschiedenheit mögen, um im Peenetal glücklich zu werden. So gibt es in Groß Toitin ein altes Gutshaus, das man mieten kann – also wer es sich leisten kann.
Die Fußböden sind edel, man darf nur barfuß oder mit Hausschuhen rein. Es ist alles da – eine große Küche, ein Wohnzimmer, eine Bibliothek, ein Weinkeller und und und. Gern lassen sich die Gäste auch noch einen Koch kommen.
Tja, wenn das weite Nichts drumherum wäre und man es sich leisten könnte…

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Showdown in Anklam – Eine Stadt kämpft um die Demokratie

Donnerstag, den 30. September 2010
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MI 29.09.2010 | 0.40 Uhr (Do.) | ZDF

Anklam in Mecklenburg-Vorpommern kämpft um die Demokratie. Löblicherweise ist das ein Thema, das dem ZDF eine Dokumentation wert ist. Blöderweise nur versteckt im Nachtprogramm, um 0.40 Uhr mitten in der Woche. Deutschland wird wohl nicht so lange wach gewesen sein, um sich anzusehen, was in Anklam los ist.

Eine Stadt, in der die Arbeitslosigkeit hoch ist, wo Politiker unter Korruptionsverdacht stehen, wo die NPD mehr Stimmen bei der Kommunalwahl bekommen hat als die SPD.
Irgendwie ist es bezeichnend, dass so etwas im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nur noch zur Unzeit zu sehen ist. Das Abendprogramm war leider durch den “Landarzt” blockiert, Markus Lanz muss auch dringend mehrmals pro Woche herumlabern. Da bleibt für Brisantes kaum noch Platz. Aber 0.40 Uhr? Ein Schlag ins Gesicht für politisch interessierte Fernsehzuschauer.
Immerhin: Am Montag, 4. Oktober, wiederholt zdf_neo die Doku um 21 Uhr.

RTelenovela

In 8 Stunden nach Usedom

Sonntag, den 29. Juli 2001
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Okay, es war eine ziemlich dumme Idee, dass Nico und ich erst um 8 Uhr nach Usedom aufbrechen wollten. Aber kann man denn so was ahnen? Nachdem wir bereits eine dreiviertel Stunde brauchten, um durch Prenzlau zu fahren, dachten wir, alles sei überstanden. Aber es kam noch dicker.
B109, kurz vor Anklam. Der Verkehr verdichtete sich mehr und mehr. Schließlich kam es zum Stillstand. Nichts ging mehr. Keinen Millimeter. Minutenlang. Da im Laufe der Zeit alle Fahrer den Motor abgestellt haben, war es richtig ruhig auf der Landstraße. Die Grillen zirpten, der Wind wehte. Es wäre herrlich gewesen, wenn wir nicht gerade im Stau gestanden hätten.
Hin und wieder ging es dann doch ein paar Meter weiter. Gefolgt vom Stillstand. Irgendwann war dann auch die „Alf“-Kassette zu Ende, der Verkehrsfunk meldete, dass rund um Anklam nichts mehr ginge. Gut zu wissen.
Nach ewigem Stopp und kurzem Go erreichten wir Anklam. Da war dann sogar genügend Zeit, in einem kleinen Café ein Eis kaufen zu gehen oder sich auf der Straße zu sonnen. Jemand, der zu Hause am offenen Fenster gesessen hätte, hätte sich bestimmt gewundert, warum draußen auf der Bundesstraße so eine himmlische Ruhe herrschte. Es war auch himmlisch still.
Erstaunlich war auch, dass sich alle Stauteilnehmer offenbar seelenruhig ihrem Schicksal fügten. Niemand machte einen Ausreißversuch, in dem er Anklams Nebenstraßen erforschte.
Übrigens: Anklam ist stellenweise richtig nett. Zeit genug, das rauszufinden, hatten wir ja nun wirklich.
Letztendlich haben wir von Oranienburg bis nach Usedom acht (8) Stunden gebraucht.