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Markus Lanz: Jürgen Milski

Freitag, den 8. Juni 2012
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MI 06.06.2012 | 23.15 Uhr | ZDF

Der Jürgen Milski, das wissen wir ja alle, das ist ein ganz Guter. Voll Lieb, und so. Und ganz doll sparsam. Der hat sich hochgearbeitet und blieb dabei immer auf dem Boden der Tatsachen.
Hach, ist das alles schön.

Normalerweise nimmt Markus Lanz in seiner ZDF-Talkshow gern mal die Leute auseinander, die in irgendeiner Weise Mist bauen.
Warum er Jürgen Milski am Mittwochabend verschonte, wird sein ewiges Geheimnis bleiben. Überhaupt scheint der ehemalige 9Live-Animateur und heutige Sport-1-Quizschreihals beim ZDF sehr beliebt zu sein. Im “Fernsehgarten” darf er seine Mallorca-Grütze singen, und bei Lanz präsentiert er sich als Gutmensch.

Sein “Big Brother”-Erfolg. Seine Bescheidenheit. Seine ersten Schritte in der Showbranche. Ja, ja, 9Live, da war was. Vor allem strunzdumme Zuschauer, über die wir uns jetzt noch mal beömmeln und einen besonders lustigen Ausschnitt zeigen. Keine kritische Frage zu 9Live. Keine Nachfragen zu den Methoden beim Sportquiz von Sport 1. Kein Kreuzverhör. Auch die anderen Gäste wollten nicht nachfragen, ob sich der Milski vielelicht für irgendwas schämt (okay, die Antwort wäre: nein). Aber dass Markus Lanz ein TV-Negativ-Mann wie Jürgen Milski derart auf Händen trägt, ist nahezu unerträglich und ein Schlag ins Gesicht für die, die jahrelang völlig zurecht die Call-in-Branche aufs Korn genommen haben.

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Das war 2011!

Samstag, den 31. Dezember 2011
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Beim ZDF ist eine Stelle frei. Thomas Gottschalk will nicht mehr das große Showflaggschiff “Wetten, dass…?” moderieren und es stattdessen lieber mit einer neuen Vorabendsendung im Ersten versuchen. Aber wer könnte Gottschalk im ZDF beerben? Jörg Pilawa winkt ab, Hape Kerkeling fühlt sich geschmeichelt, sagt aber nichts erstmal nichts. Das Thema mutiert 2011 zur Dauernachricht.

Das Medienjahr 2011 bringt wenige Innovationen, ein paar Perlen, viel Schrott und diverse Skandale.
Der MDR versinkt im Filz. Der ehemalige Unterhaltungschef Udo Foht sorgt mit dubiosen Geldgeschäften für Aufsehen, der (ja, auch ehemalige) Intendant Udo Reiter wusste wohl Bescheid, und auch beim Ki.Ka verschwindet irgendwie Geld. Es geht um viele Millionen Euro.
Zu einem Skandal wird auch der Rauswurf von Ken Jebsen beim rbb-Jugendradiosender Fritz. Nach einer wirren E-Mail an einen Hörer, in der der Moderator missverständlich und in bedenklich miesem Deutsch über den Holocaust schreibt, fällt beim rbb auf, dass Jebsen in seiner Sendung “Ken.FM” Dinge erzählt, die man beim rbb irgendwie so gar nicht lustig findet. Die Show wird abgesetzt.

Abgesetzt ist auch der Spielesender 9Live. Die gute Medien-Nachricht des Jahres. Die Zuschauer scheinen die Glücksspiele durchschaut und immer seltener angerufen zu haben. Am 31. Mai endet der Livebetrieb. Die Abzocke hat ein Ende. Am 9. August kommt das endgültige Aus für 9Live. Moderator Jürgen Milski treibt seine Spielchen nun beim “Sportquiz” bei Sport1.
Auch für Johannes B. Kerner kommt das Aus. Seine Talkshow “Kerner” bei Sat.1 wollte kaum jemand sehen. Und angeblich soll er der neue Moderator von “Wetten, dass…?” werden. Munkelt man.
Das Erste schließt nach mehr als 4000 Folgen den “Marienhof”, und das ZDF beendet vorzeitig seine Telenovela “Lena – Liebe meines Lebens”. Ein schwerer Fehler, denn “Herzflimmern” hat auf dem Sendeplatz am Nachmittag noch schlechtere Quoten.

Katharina Saalfrank will nicht mehr die “Super-Nanny” sein. das Konzept der RTL-Dokureihe sei ausgereizt. Und angeblich hatte sie keine Lust mehr auf die Einflussnahme bei RTL. Aber ein Drehbuch habe es bei der “Super-Nanny” nie gegeben, sagt Saalfrank. Man möchte dieser Frau irgendwie nicht glauben. Nicht nach den Berichten im Medienmagazin “Fernsehkritik-TV” über eine Familie, die beim Dreh machen musste, was das Team wollte. Der Tiefpunkt ist ein Verdacht, dass ein Hund getötet wurde, um das Geschehen noch spannender zu machen.
Auch die Dokureihe “Schwer verliebt” kommt ins Gerede. Auch bei der Sat.1-Kuppelshow soll alles nach Drehbuch gehen. Wer mit den Verträgen an die Öffentlichkeit geht, dem werden hohe Strafen angedroht.
Die Moderatorin Vera Int-Veen ist im Rohmaterial ihrer RTL-Reihe “Mietprellern auf der Spur” dabei zu sehen, wie sie einen Behinderten jagt und sich darüber lustig macht.
Die Liste der Vorwürfe für Dokureihen ist lang. Dass die allermeisten mit Drehbuch arbeiten, dass “Familien im Brennpunkt” und Co. nicht das wahre Leben zeigen, wissen erschreckend wenige Leute.

Und was gibt es Neues in Sachen Gottschalk-Nachfolge? Barbara Schöneberger sagt mal schnell ab, obwohl sie keiner gefragt hat. Anke Engelke will auch nicht. Markus Lanz meint, er könne das nicht. Und Hape Kerkeling? Sagt immer noch nichts.

Thomas Gottschalk ist in diesem Jahr nicht der einzige, der die Seiten wechselt. Harald Schmidt verlässt das Erste und kehrt mit seiner Late-Night-Show zu Sat.1 zurück – mit desaströsen Quoten. Bislang hält Sat.1 aber durch. Matthias Opdenhövel moderiert nicht mehr die ProSieben-Events und sagt stattdessen Sportberichte im Ersten an. Er findet, dass sei ein Aufstieg. Oliver Pocher geht mit seiner Late-Night-Show baden. Jetzt hat er Zeit, sich um seine inzwischen drei Kinder zu sorgen – und seriös zu werden: Auf Sky Sport moderiert er die Fußballshow “Samstag live”. Günther Jauch ist nicht mehr nur an RTL gebunden. Im Ersten moderiert er sonntags eine Polittalkshow mit seinem Namen.

Und das ist nur der Anfang für einen Umbruch bei der ARD. Für Jauch schmeißt das Erste das komplette Programm um. Wir brauchen sie nicht, trotzdem sind nun fünf Talkrunden pro Woche auf Sendung. Frank Plasbergs “Hart aber fair” ist nun immer öfter entsetzlich weichgespült, und “Beckmann” ächtzt am Donnerstag über miese Quoten.
Beim ZDF ist man da schon innovativer. Mit den neuen Digitalkanälen zdf.kultur und zdf info geht das Zweite auf die Jagd nach jungen Zuschauern – und zeigt plötzlich, dass es doch noch geht: junges Programm von und für junge Leute. Kurt Beck ist nicht mehr jung – deshalb findet der Politiker auch blöd und fordert deren Abschaltung.

Fast wären übrigens ProSieben und Sat.1 abgeschaltet worden – allerdings nicht durch Kurt Beck, sondern durch ein Feuer in der Sendezentrale. ProSieben musste “Die Alm” zweimal hintereinander setzen.
Mehrere Stromausfälle sorgen beim ZDF für Blackouts. Aber ein Schwarzbild kann ja auch ganz schön sein.

Auch der Zeitungsmarkt ist im Umbruch, zumindest der regionale. Zum Jahresbeginn wird bekannt, dass die Ippen-Verlagsgruppe den Märkischen Zeitungsverlag abgestoßen hat. Zu ihm gehören u.a. der Oranienburger Generalanzeiger. Neuer Besitzer ist die Märkische Oderzeitung, die somit nun ein Konkurrent der Märkischen Allgemeinen ist. Auch die hat einen neuen Besitzer. Im November gibt die F.A.Z. bekannt, das Blatt nach 20 Jahren zu verkaufen – an den Madsack-Verlag aus Hannover.
Ein Ende mit Schrecken erlebt in Großbritannien die “News of the World”. Nach einem Abhörskandal stampft Rupert murdoch das Blatt ein.

Unterdessen suchen wir immer noch einen “Wetten, dass…?”-Moderator. Stefan Raab hat keine Zeit. Matthias Opdenhövel auch nicht. Und Kerkeling? Ähm, mal gucken.

Man kann jedenfalls nicht sagen, dass die großen Fernsehshows ausgestorben sind. Als der “Eurovision Song Contest 2011” in Düsseldorf stattfand, haben wir gezeigt, dass wir die große Show drauf haben. Das Dreiergespann Raab-Engelke-Rakers sorgte für grandiose Unterhaltung. Die Bühne war der pure Größenwahn, aber: wow! Und Lena… na ja, ein zehnter Platz ist nach dem Sieg 2010 völlig okay, und ihr “Taken by a Stranger” ein toller Song.
Hat eigentlich Peer Kusmagk eine CD aufgenommen? Er wurde nämlich in diesem Jahr Dschungelkönig. Und womit? Mit Recht. “Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!” ist zu einem Massenphänomen geworden. Auch dank dem irren Jay Khan, der wahnsinnigen Sarah Dingens, äh Knappik und dem wirren Matthieu Carriere.
Bei RTL II dachten sie auch, das Publikum wartet auf ihre Shows. Aber peinliche Hypnose-Outings und Bibel-Hokuspokus sind nicht sehenswert, sondern haarsträubend doof.
Das ist auch ein gutes Stichwort für “Das Hochzeitsschiff” im Ersten. Die Kreuzfahrtschiff-PR-Sause war mehr ein Reisekitschfilm als ein Quiz. Und spannend schon gar nicht.

Spannend ist die Nachfolge-Debatte um Thomas Gottschalk schon lange nicht mehr. Günther Jauch schüttelt den Kopf, und Hape… na ja, lassen wir das.

Viele Promis haben uns 2011 verlassen. Der große Loriot ist gestorben, ebenso der Entertainer Peter Alexander. Johannes Heesters starb Heiligabend – mit 108. Auch die Schauspieler Walter Giller, Heinz Bennent, Friedrich Schoenfelder, Rosel Zech, Bubba Smith (“Hightower”), Heinz Reincke, Witta Pohl, Wolfgang Spier, Elizabeth Taylor, Dieter Mues und Peter Falk spielen nie wieder. Die Sängerin Amy Winehouse soff sich zu Tode, Bernd Clüver verstummte ebenfalls. Der Produzent Bernd Eichinger hinterlässt ein großes Loch. Der Medienunternehmer Leo Kirch ist tot. Gunter Sachs brachte sich um. Christa Wolf schreibt nicht mehr, der Journalist Eberhard Piltz ebenfalls nicht. Den Boulevard haben “Sexy Cora” und Günter Ludolf verlassen. Von Technikgott Steve Jobs bleiben iPods, iPhones und Co.

Zwei Promis sind dagegen in die Öffentlichkeit zurückgekehrt. Die ehemalige ARD-Sportmoderatorin Monica Lierhaus trat überraschend bei der “Goldenen Kamera” auf. Nach ihrem Schlaganfall ist sie noch nicht ganz gesund, aber sie wollte diesen Schritt machen.
Auch mehrjähriger Fernsehpause war Gaby Köster zu Gast in der RTL-Sendung “stern TV”. Auch sie erlitt einen Schlaganfall, will nun nach und nach wieder im Fernsehen aktiv sein.

Und was war sonst los? Der Rapper Bushido bekommt den Bambi – für Integration. Das finden viele, nun ja, seltsam.
Jörg Kachelmann soll eine Frau vergewaltigt haben und wird mangels Beweisen freigesprochen. Es ist der Medienprozess des Jahres.
Der CSU-Politiker Karl-Theodor zu Guttenberg hat seine Doktorarbeit… sagen wir mal… zusammenkopiert. Im Internet kommt alles raus.
Charlotte Roche hat man wieder ein Igitt-und-Bäh-Buch geschrieben und darf sich in diversen talkshows anhören, dass das ja alles Igitt und Bäh ist. Wie sie sich wieder mal alle aufgeplustert haben…

Ach ja, es gab natürlich auch noch mehr gutes Fernsehen. Die Comedyserie “Taras Welten” zum Beispiel. Nur leider hatte das Erste keinen anderen Sendeplatz als in der Nacht zu Freitag um 3 Uhr. Blöde Sache, das.

Und, jetzt, kurz bevor alles vorbei ist, erfahren wir auch, wer “Wetten, dass…?” nun moderieren wird: Hape Kerkeling äußert sich endlich. Und er sagt: nein.
Dann muss das Ende der Nachfolgerdebatte wohl doch auf 2012 verschoben werden. Alles wieder offen.

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10 Jahre 9Live

Mittwoch, den 10. August 2011
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DI 09.08.2011 | 11.50 Uhr | 9Live

Die große Jubiläumsparty zum 10. Geburstag ist ein wenig, nun ja, kurz ausgefallen. Sie dauerte genau zehn Minuten. Und war gleichzeitig der Abschied, der endgültige.

Nachdem am 31. Mai der Live-Spielbetrieb von 9Live eingestellt wurde und danach nur noch Konserven liefen, ist nun endgültig Schluss. 9Live starb am 9. August 2011 um 11.59 Uhr.
9Live ist nicht mal zehn Jahre alt geworden, erst zum Ende des Monats wäre es so weit gewesen. Die Sendung “10 Jahre 9Live” erinnerte daran, wie toll der Sender war. Wie viele wahnsinnige Gewinne ausgeschüttet wurden, wie lustig das alles war. Fast möchte man fragen: Boah, was für ein Spaß, wieso ist das jetzt vorbei?
Dass 9Live pure Abzocke war, davon war bei “10 Jahre 9Live” nicht die Rede, aber Geburtstagfeiern – auch vorzeitige – werden ja immer eher für Lobhudeleien genutzt.

Einst begann der Irrsinn bei tm3. Als der Frauensender floppte, wandelte er sich zum Spielesender, nannte sich bald in Neun Live um. Mit Erfolg – es hagelte Gewinne, allerdings für die Macher. Die Zuschauer zahlten, wenn sie am Telefon nicht in die Show kamen, aber trotzdem Kohle abdrücken durften.
Glücklicherweise sind die Deutschen doch recht schlau, die 9Live-Masche zog nicht mehr.

“Heute ist mein Tag” lautete der 9Live-Slogan am Ende. Das war auch das Standbild, mit dem am Dienstag um 11.59 Uhr alles vorbei ging. Heute ist mein Tag – mein letzter.
9Live ist Geschichte. Auf dem Kanal sendet nun sixx. Gerade lief “O.C. California”, als umgeschaltet wurde.
sixx ist ein Frauensender. Nach dem Frauensender tm3 und dem Spielemüll 9Live kommt nun also wieder ein Fernsehprogramm für Frauen. Welch eine Ironie.

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Verrückt nach Clara

Sonntag, den 26. Juni 2011
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SA 25.06.2011 | 20.15 Uhr | 9Live

Eigentlich ist es herrlich: Nachdem der Livebetrieb bei 9Live eingestellt ist, wird dort eine Serie nach der anderen abgenudelt. Alles, was ProSiebenSat.1 noch im Archiv rumzuliegen hat, wird nun bei 9Live versendet. Und das alles komplett werbefrei.

Eine Serien ist “Verrückt nach Clara”. Sie im Anfang 2007 bei ProSieben grandios gescheitert, dabei war sie eigentlich richtig gut. Der Achtteiler handelt von Clara und Paul, die zusammenleben, aber nicht zusammen sind. Paul ist schwul, fällt für Clara also als Partner aus. Und trotzdem wird sie schwanger – von Paul.
Der lustige, rührige Liebesreigen kam damals leider schlecht an und wurde schnell im Spätprogramm versendet. 9Live wiederholt “Verrückt nach Clara” erstmals.

Nun ist es ja nett, dass es sowas bei 9Live gibt. Ein Dauerzustand kann es aber nicht sein, dass der Kanal dermaßen vor sich hindümpelt. Vielerorts ist im Kabel 9Live schon durch sixx ersetzt worden. Lange wird sich diese Resterampe wohl nicht halten.

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Die letzte Live-Sendung auf 9Live

Mittwoch, den 1. Juni 2011
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DI 31.05.2011 | 22.25 Uhr | 9Live

9Live ist tot. Gestorben am 31. Mai 2011 um 23.59 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt stellten die Macher den Live-Betrieb ein. Ab sofort gibt es nur noch Programm aus der Konserve. Doch bevor es zu Ende ging, gab das Team dem Affen noch mal ordentlich Zucker. Was als “Die letzte Live-Sendung von 9Live” über die Bühne ging, war durchaus denkwürdig.

Im Sendezentrum von Unterföhring feierten hunderte Menschen das Aus ihres Arbeitsgebers. Thomas Schürmann und Max Schradin spielten auf der Party die Totengräber. Die schlenderten durch die Location, während sich der Rest hemmungslos betrank und Karaoke sang. Die Kamera immer dabei.
Man kann von 9Live halten, was man will: So spontanes Fernsehen, diese Art der Live-Übertragung einer hausinternen Party gab es wohl noch nie und wird es wohl nie wieder geben.

Da gab es Verantwortliche, die noch mal sagen durften, dass sie die Auflagen der Medienanstalt irgendwie scheiße fanden. Alida Kurras stellte sich ihre Rote Karte für künftige Jobs aus, als sie sich über nervige Regeln lustig machte, sich für eventuelle Fehler entschuldigte, gleichzeitig aber meinte, sie würde alles wieder so machen. Ganz großes Kino.
Ein Dauergewinner war auch zu Gast, hunderttausende Euro hat er bei 9Live gewonnen, erzählte er. Seine monatliche Telefonrechnung betrug allerdings auch immer um die 4000 Euro. Da waren die fröhlichen Moderatoren kurz mal still. Aber vielleicht hatte ja 9Live nicht nur Freaks, die zuschauten.

Manchmal war auch gar nichts zu verstehen, weil im Partygewimmel die Mikros nicht ausreichten. Und wenn der allzu besoffene Kollege nervte, wurde er halt angeschrien und ihm angedroht, dass er rausfliegt (Schürmann: “Ich meins ernst, noch einmal, und du fliegst raus, auch wenn’s ‘ne Live-Sendung ist!”). So ist’s wenn sich 9Live-Mitarbeiter besaufen.

Ganz am Ende, um fünf vor zwölf, dann das große Melodrama. Zur Musik der “Truman Show” stellten sich die Moderatoren hin und umarmten sich. Eine Stimme sprach zu ihnen – wie im Film auch.
“Wo wollt ihr hin? Ihr gehört doch hierher. Ihr – seid 9Live. Ihr seid die Stars, die Millionen Menschen glücklich gemacht haben. Ihr könnt nicht gehen. Ich habe euch doch zugesehen, eure ersten Schritte. (…) Ihr wart echt, deshalb hat man euch so gern zugesehen. Es war eine tolle Welt, die wir geschaffen haben. Deshalb könnt ihr nicht wegggehen. Die Welt beobachtet euch doch schon seit zehn Jahren. (…) Ihr könnt nicht gehen. Ihr gehört hierher – zu uns.”
Ja, was für eine tolle Welt. Eine Welt voller unseriöser Spielchen.
Tru…, äh, Thomas Schürmanns pathetische letzte Worte: “Und falls wir uns nicht mehr sehen sollten – guten Tag, guten Abend und gute Nacht.”

Im Fall von Thomas Schürmann wünschen wir uns natürlich, dass wir uns nicht mehr sehen.
Ganz am Ende saß das 9Live-Maskottchen ganz allein im Studio – zu “Wonderful World”. Und fast scheien es, als ob sich der Mann darin, den Plüschkopf vom Leib reißt und den Stinkefinger zeigt.

Es ist schon spannend, wie sich die 9Live-Macher selbst sehen. Sie waren die Helden, so dachten sie.
Klar, das Team war offenbar sehr eng, wie eine Familie, die nun auseinander gerissen wird. Aber dennoch wollen wir mal festhalten: Die Spiele bei 9Live waren oft unlogisch, die Moderatoren haben gelogen, die Zuschauer wurden beschissen. Die immer härteren Regeln der Aufsichtsbehörden ruinierten das Geschäftsmodell von 9Live.
Nun ist Schluss, und das ist gut so. Vorrübergehend zeigt 9Live Serien. Was grundstätzlich aus dem Sender wird, ist noch offen.

Das Fazit ganz am Ende: Es stimmt schon, wenn die 9Live-Leute sagen, dass es diese Art von Fernsehen nicht mehr geben wird – mit stundenlangen Live-Strecken. Nur leider waren die Inhalte meistens unter aller Sau.
Wir werden den Call-In-Müll jedenfalls nicht vermissen.

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9Live-Feierabend

Donnerstag, den 5. Mai 2011
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MI 04.05.2011 | 19.05 Uhr | 9Live

Feierabend! So heißt nicht nur die Sendung, die der Spielesender 9Live abends ausstrahlt – bald ist auch für 9Live Feierabend. Sense. Finito. Sendeschluss. Tschüssikowski. Adios. Bye bye. Abgang.
Am 31. Mai endet das Live-Programm der Abzocker. Am Mittwoch wurde das Aus für den Call-In-Dreck verkündet. Die ProSiebenSat.1-AG möchte damit dem unseriösen Mist nichts mehr zu tun haben. Auf 9Live werden ab 1. Juni nur noch fiktionale Stoffe zu sehen sein – also Konserven. Vielleicht ist bald ganz Schluss, damit der Frauensender sixx die Frequenzen übernehmen kann.
Auch die unsäglichen “Quizbreaks” auf Sat.1 und ProSieben sind dann Geschichte, ebenso das “nightquiz” auf kabeleins.
Lasst die Korken knallen! Zehn Jahre musste sich Fernsehdeutschland das Programm von 9Live gefallen lassen. Zehn Jahre (und davor schon unter dem tm3-Label) verkaufte 9Live seine Zuschauer für dumm und nahm ihnen mit scheinbar leichten Rätseln die Kohle ab. Diese Zeit geht zu Ende.

Deshalb scheinen die 9Live-Leute nun nur noch halbherzig dabei zu sein. Minutenlang wurden am Mittwochabend die Zuschauer von “9Live-Feierabend” mit einem Standbild gequält: Finden Sie das Gesicht. Dazu Stille, nur einen ab und zu dreinlabernden Moderator. Am Ende gewann eine dösige Rentnerin 3000 Euro. Immerhin.
Ab heute ist 9Live nur noch eine Resterampe. Und die allerwenigsten freuen traurig sein, dass 9Live dichtgemacht wird. Also… mal abgesehen von den Abzockern selbst.

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Quizbreak: Wer heiratet heute?

Freitag, den 29. April 2011
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DO 28.04.2011 | 1.48 Uhr (Fr.) | ProSieben

Wow, gute Musik bei ProSieben! Okay, das Konzert der Söhne Mannheims begann zur Primetime um 1.29 Uhr und dauerte nicht mal eine halbe Stunde. Aber man nimmt, was man bekommen kann.

Und dann das: ein Quizbreak. Wenn man seine Zuschauer mal so richtig beleidigen will, unterbricht man so ein Konzert mit den 9Live-Abzockern. Der Typ grinst doof und fragt: Wer heiratet heute? Prinz William und Kate Middleton oder Susie und Strolch? Und bitte, bitte dranbleiben, das Konzert geht gleich weiter.
Das “Night Loft” hat ProSieben immerhin abgesetzt, der öde, widerliche Quizbreak darf gern auch noch in den Fernsehmüll.
Wann kommt bloß der Tag, an dem niemand, niemand und wirklich niemand bei diesen Quizheinis anruft?

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