Tagesarchiv für 6. Juli 2022

RTZapper

Ich setz auf dich

Mittwoch, den 6. Juli 2022
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SA 02.07.2022 | 20.15 Uhr | RTL

Da wollte es RTL dem trutschigen ZDF aber mal so richtig zeigen.
“Wetten, dass…?” Das kann RTL auch, dachte man sich bei RTL. Und vor allem, dass man das sehr viel besser könne.
So stand also Moderator Guido Cantz am Sonnabendabend vor dem Fernsehstudio und faselte etwas von Baggerwetten, und er hatte auch eine ähnliche Verdunklungsbrille auf, mit der einst Thomas Gottschalk bei der Buntstiftwette reingelegt worden ist. Einen ordentlichen Seitenhieb konnte sich RTL also nicht verkneifen.

“Ich setz auf dich” heißt das RTL-“Wetten, dass…?”. Und man hat sich nicht mal große Mühe gegeben, so zu tun, als habe man sich eine eigene, neue Show ausgedacht.
Eine Baggerwette gab es, Leute, die blind irgendwas erkannt haben, ein Mann, der die Marken von Matratzen erkennen konnte. Kennt man alles irgendwie aus der ZDF-Show.
Gut, etwas war anders: Alles wirkte billiger und kleiner. Die Promis im Studio war RTL-Stars: Sonja Zietlow, Motsi Mabuse und Mario “Kennstekennste” Barth (leider ohne Maske). Und die Promis mussten beim Wetten Geld setzen.

Erstaunlicherweise wirkte “Ich setz auf dich” sehr viel verstaubter und langweiliger als die ZDF-Show. Das lag nicht nur am ziemlich biederen Guido Cantz. Denn eines hat man bei RTL scheinbar auch überhaupt nicht bedacht: Man schaut “Wetten, dass…?” nicht nur wegen der Wetten. Sondern auch, um zu sehen, welche Stars da sind. Und auch die Musikacts gehören dazu. Bestünde “Wetten, dass…?” nur aus Wetten wäre das ziemlich langweilig.
Fast dreieinhalb Stunden – unterbrochen von Werbung – folgte hier aber nur Wette auf Wette. Das war schnell ermüdend.

Und noch etwas war anders bei “Ich setz auf dich”: Während “Wetten, dass…?” gute 14 Millionen Zuschauer hatte, waren es bei RTL klägliche 910.000. Angesichts des etwas großkotzigen Showbeginns von Guido Cantz, kommt da durchaus etwas Schadenfreude auf.

-> Die Sendung bei RTL+

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RT im Kino

Axiom

Mittwoch, den 6. Juli 2022

Auf den ersten Blick ist Julius (Moritz von Treuenfels) ein ganz guter Typ. Er arbeitet in einem Museum als Wärter und passt dort auf die Besucher auf. Mit seinen Kollegen versteht er sich gut. Erik (Thomas Schubert) ist noch neu, und beide kommen ins Gespräch. Sie scheinen sich gut zu verstehen, und so lädt Julius ihn ein, gemeinsam mit seinen Freunden auf einen Segeltörn zu gehen.
Tatsächlich macht sich die Gruppe auf Weg. Doch in einem Laden im Hafen kommt es zu einem Zwischenfall, Julius bricht zusammen.
Als er sich erholt, nimmt ihn seine Mutter ins Gebet. Wie solle das bloß weitergehen? Seine Freunde kommen nicht nicht mehr an ihn heran.
Das könnte allerdings auch daran liegen, dass bei Julius nichts so ist, wie es scheint. Mit der Wahrheit hält er es nicht so, wie sich mehr und mehr und auf fast erschütternde Weise zeigt.

“Axiom” heißt der Film von Jöns Jönsson. Ein durchaus komplizierter Titel, wenn man erklären soll, was ein Axiom ist. Laut Wikipedia ist ein Axiom ein Satz, der nicht in der Theorie bewiesen werden soll, sondern beweislos vorausgesetzt wird. Wenn die gewählten Axiome der Theorie logisch unabhängig seien, so könne keines von ihnen aus den anderen hergeleitet werden.
In diesem hat Julius mehrere Kreise an vertrauten Menschen, denen er vollkommen unterschiedliche Dinge erzählt. Immer wenn ihm droht, dass er auffliegt, macht er sich aus dem Staub.
Anfangs weiß man als Zuschauer nicht, was das eigentlich alles soll. Ein Mann steht im Museum rum, mault die Leute voll. Dazu lange Dialoge mit langen Einstellungen. So richtig spannend – na ja, sagen wir mal: interessanter – wird es mit Julius’ Zusammenbruch, von dem man eigentlich auch gar nicht so genau weiß, ob der echt ist.
Ziemlich schnell traut man dem Mann jede Lüge zu, um sich aus bestimmten Situationen rauszuwinden.
Am Ende bleibt trotzdem eine seltsame Leere und Ratlosigkeit. Der Film endet vollkommen unvermittelt, und es ist völlig unklar, was uns die Geschichte sagen soll. Das ist das große Manko des Films: Da wird einem eine Geschichte vor den Latz geknallt, und irgendwann wird sie einem wieder entrissen. Quasi kommentarlos und schulterzuckend. Das ist dann auch das, was der Zuschauer am Ende macht: mit den Schultern zucken.

-> Trailer auf Youtube

Axiom
D 2021, Regie: Jöns Jönsson
Filmperlen Filmverleih, 112 Minuten, ab 6
5/10

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