Tagesarchiv für 11. Juni 2022

aRTikel

Wenn plötzlich ein ganz neuer Ort entsteht

Samstag, den 11. Juni 2022
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Auf der B273 steht hinter Wensickendorf neuerdings ein gelbes Schild mit der Aufschrift „Siedlung am Rahmer See“

MAZ Oberhavel, 11.6.2022

Siedlung am Rahmer See.
Die B 73 führt neuerdings durch einen Ort namens „Siedlung am Rahmer See“, ein Ortsname, der in Oberhavel bislang nirgendwo aufgetaucht ist. Stand kurz vor der Einmündung zum Birkengrund bislang eine grüne Ortstafel „Wensickendorf“, so steht dort nun ein gelbes Ortsschild mit dem neuen Namen und dem Hinweis „Stadt Oranienburg“. Sind die dort lebenden Menschen nun also keine Wensickendorfer mehr, sondern „Siedlung am Rahmer Seer“? Und hat das Folgen, zum Beispiel beim Rettungsdienst-Notruf?

„Nein, das ist kein neuer Ortsteil von Wensickendorf“, sagte Ortsvorsteher Heinz Ließke am Freitag. „Das ist die Bezeichnung des Wohngebietes.“ Hintergrund ist, dass die Siedlung sich über die Kreisgrenze zum Barnim hinwegzieht. Die Gemeinde Wandlitz hat schon vor einigen Jahren in ihrem Teil der Siedlung das gelbe Ortsschild „Rahmersee“ aufstellen lassen. Im Oberhavel-Teil der Siedlung galt aber Tempo 70, und es habe der Wunsch bestanden, auch dort ein Tempo-50-Limit einzuführen.

„Dies ist mit dem Status ,Innerorts’ möglich“, sagt Sebastian Welzel, der Pressesprecher der Stadt Oranienburg. „Die grünen Tafeln haben verkehrsrechtlich keine Auswirkungen. Durch die Ansiedlung läuft die Gemarkungsgrenze zwischen Oranienburg und Wandlitz. Die Initiative zur nun bestehenden neuen Benennung geht von der Wandlitzer Seite aus, hier hat Oranienburg reagiert.“

Warum stattdessen nicht einfach der Ort Wensickendorf bis zur Stadt- und Kreisgrenze ausgedehnt werden konnte, erklärt Constanze Gatzke, die Pressesprecherin des Landkreises: „Im Zuge des Radwegebaus wurde die gesamte Verkehrsbeschilderung entlang der B 273 im Bereich Wensickendorf überprüft“, teilte sie am Freitag mit. „In diesem Zusammenhang haben der Straßenbaulastträger – der Landesbetrieb Straßenwesen –, die Stadt Oranienburg und die Verkehrsbehörde des Landkreises sich auf diese Lösung verständigt, weil die Lücke zwischen der Siedlung am Rahmer See und dem Ortsteil Wensickendorf mit 550 Metern zu lang ist, um sie gänzlich als innerorts gelten zu lassen.“ Allerdings gilt innerhalb dieser 550 Meter auch nicht Tempo 100, sondern nur Tempo 70. Sebastian Welzel ergänzte für die Stadt Oranienburg: „Ein Ausdehnen Wensickendorfs hätte einen Übergang der Baulastträgerschaft für die dazwischen verlaufende Straße vom Landesbetrieb auf die Stadt Oranienburg bedeutet, dies hätte unter anderem hohe Kosten für die Stadt Oranienburg verursacht.“

Steffen Streu, der Sprecher des Landesbetriebes Straßenwesen, verweist darauf, dass der Landesbetrieb nur entsprechende Anordnungen umsetze und die Schilder dann aufstelle. Er sagt aber auch: „Im Straßennetzviewer / Brandenburg Viewer des LGB Landesvermessung und Geobasisinformation Brandenburg steht im übrigen ,Siedlung am Rahmer See’. Ganz aus der Luft gegriffen scheint der neue Ortsname somit also nicht. Warum aber der kleine Ort, der unmittelbar hinter der Kreisgrenze liegt, „Rahmersee“ heißt und bei der „Siedlung am Rahmer See“ eine andere Schreibweise angewendet wird, konnte niemand der Befragten so genau beantworten.

Scherzhafterweise könnte man über die dort lebenden Leute nun sagen: Sie wohnen in einem neuen Ort, ohne umgezogen zu sein. „Die Leute bleiben selbstverständlich Wensickendorfer“, sagt Ortsvorsteher Heinz Ließke. „Für sie ändert sich gar nichts.“ Das Schild mit dem Ortsnamen habe ein rein verkehrsrechtlichen Grund. „Sonst müssten wir überall Tempo-50-Schilder aufstellen.“ So äußert sich auch Constanze Gatzke vom Landkreis: „Auswirkungen hat dies auf, zum Beispiel die Erreichbarkeit des Notrufes, keine. Es bleibt unverändert ein Wohnplatz im Ortsteil Wensickendorf der Stadt Oranienburg.
Wensickendorfs Ortsvorsteher Hinz Ließke ist mit der getroffenen Lösung offenbar zufrieden. Der Ortsbeirat habe dafür zugearbeitet.

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RT im Kino

Glück auf einer Skala von 1 bis 10

Samstag, den 11. Juni 2022

Sie könnten kaum unterschiedlicher nicht sein.
Louis (Bernard Campan) leitet ein großes Bestattungsinstitut. Der Tod ist sein Geschäft. Er hat ungalublich viel Arbeit. Igor (Alexandre Jollien) ist körperlich behindert, seine Mutter will immer ein Auge auf ihn haben. Er ist Fahrradkurier, er fährt Gemüse aus.
Es kommt zum Zusammenstoß: Louis fährt Igor fast über den Haufen. Aber nur fast: In der Klinik ist klar, dass Igor nichts Schlimmes passiert ist. Aber die beiden kommen ins Gespräch – und weil Igor von seiner Mutter abhauen will, versteckt er sich in Louis’ Leichenwagen, als der eine längere Tour vor hat.

Es geht um das “Glück auf einer Skala von 1 bis 10”. Denn das loten sowohl Igor als auch Louis immer wieder in diesem französisch-schweizerischen Film von Bernard Campan und Alexandre Jollien aus.
Auf ihrer gemeinsamen Tour lernen beide Männer viel voneinander. Aufrichtigkeit, Herzlichkeit, Fürsorge. All das müssen sie beide für sich lernen. Denn sie haben beide eine Mission.
Toll ist, dass Igor in diesem Film zwar behindert, aber alles andere als mitleiderregend dargestellt wird. Denn eigentlich ist Igor nicht schwach – er will sein Leben leben, und eigentlich packt er es auch ganz gut. Was ihm fehlt: ein guter Freund, der ihn nicht bemuttert. Louis dagegen scheint gefühlsbehindert zu sein – auch wenn der Tod sein tägliches Geschäft ist. Aber auch er scheint keine Freunde zu haben, und in seinem Familienleben liegt auch einiges brach.
Sie dabei zu begleiten, das alles zu reparieren, macht Spaß und geht ans Herz.

-> Trailer auf Youtube

Glück auf einer Skala von 1 bis 10
Frankreich/Schweiz 2021, Regie: Bernard Campan, Alexandre Jollien
X-Verleih, 92 Minuten, ab 6
7/10

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RTZapper

Tonis Welt

Samstag, den 11. Juni 2022
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MI 08.06.2022 | 20.15 Uhr | VOX

Toni und Valerie sind zurück. VOX hat “Tonis Welt” eine zweite Staffel gegönnt, und so können wir weiterverfolgen, wie es mit dem Asperger-Autist Toni und seine Freundin Valerie, die am Tourette-Syndrom leidet, weitergeht.

Valerie ist schwanger, und Toni ist natürlich sehr genau auf die Schwangerschaft und das Baby vorbereitet – immer macht er ja sein Medizin-Studium.
Allerdings: Das Geld wird knapp, sehr knapp. Valerie möchte Toni davon nichts sagen, deshalb beginnt Toni mit einem dubiosen Geschäft. Toni ist eigentlich auf der Suche nach einem besten Freund, und als er ihn scheinbar findet, will der, dass Toni beginnt, für Fremde ihre Klausuren zu schreiben – für Geld.
Die finanzielle Probleme wachsen, als das Baby da ist – und auch die Liebesprobleme. Denn Valerie fühlt sich von Toni nicht genug geliebt…

In den sechs Folgen der 2. Staffel – die ersten beiden Folgen liefen am Mittwochabend bei VOX, die komplette Staffel gibt es schon bei RTL+ – erleben Toni und Valerie ein echtes Auf und Ab.
Toni, der eigentlich alles dafür gibt, um ein geordnetes Leben zu führen, muss plötzlich damit klarkommen, dass nichts mehr geordnet ist. Dass plötzlich in seinem Leben ein heilloses Chaos herrscht.
Ivo Kortlang spielt wieder Toni – den wir schon seit dem “Club der roten Bänder” kennen. Den klugen, aber auch naiven jungen Mann spielt er toll. Auch Armin Rohde ist wieder dabei – als Arzt mit Parkinson.
Ein wenig schade ist, dass der “Club” in dieser Serie überhaupt gar keine Rolle spielt, nicht mehr erwähnt wird. Hoffentlich gibt es eine 3. Staffel, und ein Gastauftritt einer der Figuren oder von allen, wäre doch mal ganz wunderbar!

-> Die Sendung bei RTL+

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RTelenovela

27, rot

Samstag, den 11. Juni 2022
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Ich war nicht wirklich begeistert, als mich M. nach unserem Kinobesuch gefragt hat, ob wir nicht noch noch schnell in die Spielbank gehen wollen. So richtig ablehnen hatte er nicht gelten lassen, und schon standen wir auf dem Marlene-Dietrich-Platz in Berlin-Tiergarten vor dem Eingang. Kurz habe ich mich gefragt, ob es dort nicht eine spezielle Kleiderordnung gebe – aber die gibt es wohl nicht so wirklich.

Also gingen wir rein – an der Kasse wurden unsere Ausweise geprüft. Wie viel der Eintritt kostet, habe ich gar nicht so genau mitbekommen, Teil des Preises waren jedenfalls zwei Getränke.

Als erstes steuerten wir die Spielautomaten an. Da schiebt man die Scheine direkt rein, und schon geht’s los. Ich muss gestehen: Spielautomaten üben bei mir null Faszination aus. Ich finde es einerseits langweilig, und andererseits bestürzend, in welcher kurzen Zeit man da sehr viel Geld verbrennen kann. Meine Begleitung hatte an den verschiedenen Geräten jedenfalls kein Glück, und einmal falsch drücken kostete dann auch gleich mal 100 Euro. Krass.
Weil ich sichtlich und fühlbar keine Lust auf die Spielautomaten hatte – und M. ja ein bisschen Kohle verloren hatte – wechselten wir.
M. tauschte Geld in Chips – und schon ging es zum Roulette.

Ich muss an der Stelle zugeben, dass ich nicht nur Spielautomaten doof finde, sondern dass ich auch ein bisschen geizig bin, wenn es um Glücksspiele geht. (Aber vielleicht ist Geiz in diesem Genre gar nicht mal so schlecht.)
M. schenkte mir 10 Euro, und los ging’s.
Ich setzte sehr vorsichtig: Auf Rot, auf Schwarz, auf Gerade, Ungerade – es läpperte sich ein bisschen, irgendwann verlor ich wieder – und M. gab mir noch mal einen 10-Euro-Chips.
Unterdessen fiel die Kugel auf die 27, rot. Und zwar nachdem ich über diese 27 nachgedacht hatte, weil es mein Geburtstag ist und irgendwie meine Lieblingszahl. Aber ich hatte nicht auf die 27 gesetzt.
Dennoch: Irgendwann hatte ich immerhin 80 Euro als Chips in der Hand. Und begann wieder, zu verlieren.
Die 27, rot, kam dann tatsächlich ein zweites Mal, und innerlich war ich stinkig.

Als ich noch 40 Euro hatte (reiner Gewinn also: 20 Euro), fragte ich M., ob wir uns ein Zeitlimit setzen wollen. M. meinte: Wir könnten auch jetzt gehen. Also gingen wir.
Ich hatte also 40 Euro, M. mehr als das Zehnfache – beim Roulette einfach mutiger gewesen. Am Ende also für beide ein Plus.

Roulette finde ich durchaus spannend. Aber verlieren ist halt blöd. Aber Roulette wäre das einzige, wofür ich mir vorstellen kann, da noch mal hinzugehen.
Aber andererseits: Ich finde solche Glücksspiele nach wie vor unheimlich.

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