Tagesarchiv für 14. Mai 2022

RTelenovela

Achtung, (kein) Nebel!

Samstag, den 14. Mai 2022
Tags: ,

Stau auf der A111 in Berlin. Plötzlich stockte der Verkehr, nur seeehr langsam ging es voran. An der Ausfahrt Heckerdamm sah ich dann irgendwann von weitem ein Blaulicht – was ich für die Unfallstelle hielt.
Ich wunderte mich zwar, warum mein Navi mir anzeigte, dass ich am Heckerdamm die Autobahn verlassen, aber gleich wieder drauffahren sollte, aber manchmal spinnt das Ding ja dann doch.
Aber am Heckerdamm angekommen, stellte sich raus, dass die Autobahn an der Stelle tatsächlich gesperrt war, die Autos mussten sich durch die Anschlussstelle quetschen – um dann auf der anderen Seite der Kreuzung wieder auf die Autobahn rauffahren zu können.
Im Rückspiegel wollte ich natürlich sehen, was los war. Nämlich: nichts. Die Autobahn war hinter der Sperre einfach nur leer.

Allerdings muss es dennoch ein Problem gegeben haben: Denn auf den Anzeigetafeln stand im Bereich der Rudolf-Wissell-Brücke überall: Achtung, Nebel! Von Nebel war allerdings nichts zu sehen, es herrschte sonniges Wetter.
Selbst auf der Rückfahrt etwa vier Stunden später: Immer noch “Achtung, Nebel!” – und dazu Tempo 40. Daran hat sich allerdings niemand gehalten, und ich frage mich ja auch, wozu der Hinweis “Achtung, Nebel!” gut sein soll. Denn wenn Nebel herrscht, sieht man das ja, und wenn so richtig dicker Nebel herrscht, sieht man auch die “Achtung, Nebel!”-Anzeige nicht.
Vor dem Tunnel Flughafen Tegel (ob der bald mal umbenannt wird?) gibt es zudem flexible Hinweistafeln. Denn wenn der Tunnel gesperrt ist, dann müssen die Schilder das auch anzeigen. Die bestreffende Stelle im Schild drehte sich allerdings, und so wurde abwechselnd angezeigt, man möge doch die Autobahn verlassen und man kann in den Tunnel normal anfahren – die Anzeige drehte und drehte sich.
Vielleicht ein Hackerangriff? Putin und seine Bande, die Berlin verrückt machen will?

Hits: 118

RT liest

Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos

Samstag, den 14. Mai 2022

Polen, 1980. Im Sommer nach dem Examen muss Ludwik zum Arbeitseinsatz in die Landwirtschaft. Es ist eine ziemlich eintönige und anstrengende Zeit. Auch wenn er dort mit den anderen durchaus eine Gemeinschaft bildet.
Als der Arbeitseinsatz zu Ende geht, fragt ihn Janusz, ob er nicht Lust habe, mit ihm ein paar Tage die Ferien zu genießen. Und so verbringen sie einige unbeschwerte Wochen, die meiste Zeit an einem abgelegenen See. Sie sind weit genug von allem weg, um sich gegenseitig ihre Zuneigung zu zeigen. Sie genießen die Freiheit, auch die Liebe.
Nun ist die Liebe unter Jungs im kommunistischen Polen zu dieser Zeit nicht verboten, dennoch ist es aber vollkommen undenkbar, dass sie öffentlich machen, was sie füreinander fühlen.
Am Ende des Sommers müssen sie zurück nach Warschau. Und während sich Janusz mit dem Staat arrangieren will, möchte Ludwik lieber weg – dorthin, wo er wirklich frei sein kann.

“Im Wasser sind wir schwerelos” heißt der hervorragende Roman von Tomasz Jedrowski. Der Ich-Erzähler, Ludwik, erzählt auf eine ebenso eindringliche wie melancholische Art und Weise vom Leben im Sommer 1980 in Polen. Es ist eine Zeit des Umbruchs, es wird gestreikt im Land, in Polen wird das Kriegsrecht ausgerufen. Den Menschen im Land geht es nicht gut, die Armen bekommen nicht mal Medikamente. Ohne “Vitamin B” geht gar nichts.
Von allem dem berichtet Ludwik – mit Wut auf den Staat, mit Trauer, voller Liebe, mit vielen Zweifeln.
Tomasz Jedrowski schlägt in seinem Roman einen Ton an, der all diese Gefühle wunderbar zum Ausdruck bringt. Eine fesselnde, intensive Geschichte – aber auch mit gutem Ende?

Tomasz Jedrowski: Im Wasser sind wir schwerelos
Hoffmann und Campe, 221 Seiten
9/10

Hits: 114