Monatsarchiv für Februar 2022

RTelenovela

TikTok (2): Krieg und Fakes

Montag, den 28. Februar 2022
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(1) -> 31.1.2022

Inzwischen habe ich mich bei TikTok ein wenig eingearbeitet. Und es ist krass: Denn der Algorithmus merkt sehr schnell, was mich interessiert und was nicht.
Und vorweg: TikTok ist ein furchtbarer Zeitfresser. Das Schlimmste, was man machen kann, ist, vorm Schlafengehen die App zu starten. Denn aus kurz mal schauen wird gerne mal eine Stunde. Denn man wischt sich durch die kurzen Storys, und die Zeit vergeht rasend schnell.

Und TikTok merkt sich: Was wischt man schnell weg, was schaut man bis zu Ende, was bekommt ein Like. So waren es anfangs viele lustige Tiervideos – Hunde und Katzen – die mir TikTok gezeigt hat. Später kamen Dashcam-Videos hinzu, Versteckte-Kamera-Videos, TikTok weiß auch, dass ich mir Videos über die S-Bahn in Berlin ansehe. Aber dennoch: Es ist irgendwie alles so egal, ein Zeitvertreib zum Hirnausschalten – und manchmal auch zum Lachen.

Und, ganz aktuell: Videos aus der Ukraine. Livestreams aus dem Kriegsgebiet. Angeblich.
Neulich nachts: Ich landete auf einem Livestream. Er zeigt eine Stadt im Dunkeln, im Hintergrund heulen Sirenen – der Bombenalarm-Ton. Gespenstisch. Denn im Hintergrund hört man eine offenbar größere Uhr ticken.
Die dunkle Stadt, die Sirene und: tick, tack, tick, tack.
Aber noch was: Man sieht, dass viele der gut 3000 (!) Zuschauenden irgendwas spenden. Ich habe mich damit noch nicht wirklich befasst, aber man kann offenbar gegen Geld irgendwelche digitalen Gimmicks kaufen, die man solchen Streamern zukommen lassen kann. Und man sieht: Einige spenden ordentlich. Und im Hintergrund hört man einen Mann, der sich bei den Spendern bedankt, mit leiser, manchmal weinerlichen Stimme.
Und, ja, es hat mich gerührt, es war gruselig und faszinierend.

Als ich eine halbe Stunde später noch mal zuschalte: immer noch die Sirene. Zwischendurch verstummt sie kurz, bevor der Alarm wieder von vorn beginnt. Immer wieder.
Da ist was faul. So lange heulen auch derartige Sirenen nicht. Und tatsächlich schreiben im Chat immer mehr User, dass es sich wohl um einen Fake handelt. Vermutlich ist die gezeigte Stadt nicht mal in der Ukraine.
Und ich treffe auch weitere Livestreams mit derselben Sirene – in einem der Streams bricht die Sirene mittendrin ab, um dann wieder anzuspringen. Definitiv ein Fake.
Und das ekelt mich geradezu an: Betrüger hängen sich an den Krieg, um bei TikTok Kohle zu machen, um Geld zu kassieren, von Leuten, die es nur gut meinen.

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ORA aktuell

Erneute Sperrungen an Oranienburger Kreisel

Montag, den 28. Februar 2022
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Ab Montag gibt es in Oranienburg erneute Straßensperrungen. Betroffen ist der Kreisverkehr in der Lehnitzstraße/Saarlandstraße/André-Pican-Straße. Die Zu- und Ausfahrt zum und vom Kreisel an der André-Pican-Straße (Turm-Erlebniscity) und der östlichen Lehnitzstraße (Lehnitz) ist dann nicht möglich. Auf diesen Achsen werden noch die endgültigen Anschlüsse zum Kreisel gebaut.
Voraussichtlich im Mai sollen die Sperrungen aufgehoben sein.

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RT liest

Hans Demmel / Friedrich Küppersbusch: Anderswelt – Ein Selbstversuch mit rechten Medien

Montag, den 28. Februar 2022

Was passiert eigentlich, wenn man ein halbes Jahr lang ausschließlich rechte, alternative Medien verfolgt – und dafür “Tagesschau”, “Spiegel” und Co. außen vor lässt?
Diesem Test hat sich der Journalist Hans Demmel vom Sommer 2020 bis zum Winter 2021 unterzogen. Er wurde dabei von seinem Kollegen Friedrich Küppersbusch begleitet, der ihn immer mal wieder dazu befragte, wie es denn läuft.

Daraus ist das Buch “Anderswelt – Ein Selbstversuch mit rechten Medien” entstanden. Hans Demmel beschreibt darin, wie er diese Zeit erlebte, auf welche Seiten und Videos er gestoßen ist und welche Zweifel er hatte. Friedrich Küppersbusch sorgt zwischendrin immer wieder für Einordnungen und Fakten, die Demmel in dem Moment mitunter gar nicht kannte.

Wer sich mit dem Thema schon mal befasst hat, wird in diesem Buch wenig Neues erfahren. Interessant ist es aber dennoch, zu lesen, was es mit Hans Demmel macht, ausschließlich rechte Medien zu konsumieren. So beschreibt er, wie im Herbst 2020 für Trump getrommelt und wie schon sein Wahlsieg verkündet wird – und wie kleinlaut die rechten Medien beim Sturm aufs Weiße Haus im Januar 2021 sind.
Er liest von gewaltsamen Umstürzen, die in Deutschland bevorstehen sollen, von Gewaltphantasien übelster Sorte gegen Politiker.
Er zeigt auf, dass den etablierten Medien zwar Haltungsjournalismus und Fakenews vorgeworfen werden – die rechten Medien aber auch genau damit arbeiten. Da stehen Haltungen noch viel mehr im Vordergrund – nur eben andere als in den Kommentaren, die auch als solche gekennzeichnet sind – in den bekannten Medien.
Die eigentlich spannende Frage ist: Wer ist die Zielgruppe des Buches? Konsumenten rechter Medien werden das Buch für Hetze halten und nicht lesen wollen. Wer sowieso im Thema steckt, erfährt wenig Neues. Es ist aber sicher die Hoffnung, dass man vielleicht doch noch ein paar Menschen erreicht, die sich bislang nicht so genau damit befasst haben und danach die Finger von unseriösen Medien lassen.

Hans Demmel / Friedrich Küppersbusch: Anderswelt – Ein Selbstversuch mit rechten Medien
Kunstmann, 224 Seiten
7/10

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RTZapper

Besser Welt als nie

Montag, den 28. Februar 2022
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DO 24.02.2022 | 20.15 Uhr | hr fernsehen

Was kann man dem Wahnsinn dieser Zeit entgegensetzen? Frieden! Begegnungen mit Menschen? Brücken bauen!
Dazu passte die Doku “Besser Welt als nie” von Dennis Kailing am Donnerstagabend im hr fernsehen sehr gut. Er war nämlich mit dem Fahrrad unterwegs.
Und die Daten sprechen schon für sich. 761 Tage. 43.600 Kilometer. 41 Länder. Sechs Kontinente. Einmal die Erde umrundet.

Der 24-Jährige aus Hessen wollte auf seiner Tour rausfinden, “was einen glücklich macht”. Und deshalb stieg er in seinem Heimatort auf das Rad, um immer in Richtung Osten zu radeln.
Dabei geht es nicht nur darum, tolle Landschaftsaufnahmen zu zeigen. Kailing begegnet auf seiner Tour vielen Menschen. Sie helfen ihm, sie zeigen ihm ihr Lebensumfeld, es entstehen kurzzeitige Freundschaften. Es sind viele Momentaufnahmen, die aber immer wieder zeigen, wie ähnlich wir Menschen uns dann doch sind. Wir haben am Ende doch ähnliche Werte, selbst wenn sich die Lebensweise sehr unterscheidet.
Allerdings gab es auch schwierige Tage. Da gab es heftige Regenfälle in den Anden Südamerikas, in Myanmar wurde Kailing sehr krank, und im australischen Outback war er sehr alleine.

Raus in die Welt. Das Fernweh ausleben. “Besser Welt als nie” war das beste Gegenmittel an diesem traurigen Donnerstag.

-> Die Doku in der ARD-Mediathek (bis 27. März 2022)

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RT im Kino

King Richard

Sonntag, den 27. Februar 2022
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Richard Williams (Will Smith) hat einen Plan, und damit das mal klar ist: Er wird ihn durchziehen, und alles wird auch so eintreffen, wie er das vorgesehen hat. Seine beiden Töchter Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) werden schon bald große Tennisstar werden. Richard und seine Frau Brandi (Aunjanue Ellis) sind fest davon überzeugt, dass sie Wunderkinder in ihrem Haus haben.
Sie kommen aus armen Verhältnissen, haben fünf Töchter – aber sie wollen, dass aus ihnen alles etwas Anständiges wird. Auch das gehört zum Plan.
Erst trainiert vor allem Richard die beiden. Aber es ist klar: Letztlich brauchen die Mädchen ein richtigen Trainer. Es soll der Trainer von Pete Sampras werden – wenn schon, denn schon.
Aber es gibt Ärger: Denn Richard glaubt zwar fest an die Karriere seiner Mädchen – dennoch will er sie nicht verheizen und sie nicht so fix in den Profisport-Zirkus schicken, wie die Berater das gern hätten…

“King Richard” erzählt die wahre Geschichte vom Aufstieg der beiden Tennis-Schwestern Venus und Serena Williams – vor allem aber die der Familie und des Vaters Richard. Der hatte eine Vision, die er Punkt für Punkt und gegen alle Widerstände umgesetzt hat.
Man muss kein Tennisfan oder -kenner sein, um etwas mit diesem Film anfangen zu können. Zwar geht es natürlich auch um den Tenniszirkus der frühen 90er, vor allem aber um eine Familie, die Ziele, aber auch Werte hat. Immerhin geht es damals auch darum, die ersten beiden schwarzen Tennisstars zu etablieren. Auch darum geht es Richard, der in seinem Leben wegen seiner Hautfarbe schon viel ertragen musste.
Es ist faszinierend zu sehen, wie er sich durchsetzte. Dabei war er so genial, wie nervig – vor allem für die Berate aus dem Tenniszirkus. Will Smith spielt die Rolle von Richard Williams zudem ganz hervorragend.
Auch wenn der Film mit fast zweieinhalb Stunden vielleicht ein Tick zu lang geworden ist – gerade im Genre Sportfilm – der aber so viel mehr ist -, ist er sehr sehenswert.

-> Trailer auf Youtube

King Richard
USA 2021, Regie: Reinaldo Marcus Green
Telepool, 145 Minuten, ab 12
8/10

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ORA aktuell

Ukraine-Krieg: Friedensandacht in der Nicolaikirche

Sonntag, den 27. Februar 2022
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Zu einer Friedensandacht kamen am Sonnabendabend in der Oranienburger Nicolaikirche etwa 100 Menschen zusammen. Aus Anlass des Ukraine-Krieges hatte Pfarrer Friedemann Humburg dazu eingeladen.
„Das, was für unsere Generation unvorstellbar gewesen ist, ist eingetroffen“, sagte er. Die Menschen hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten an den Frieden gewöhnt. „Jetzt, knapp zwei Flugstunden von uns entfernt, herrscht Krieg, sterben Soldaten, Zivilisten, Frauen und Kinder.“ Das sei erschreckend, mache Angst, „weil es auch uns betreffen kann. Nichts ist mehr selbstverständlich, der Friede ist nicht mehr selbstverständlich.“

Humburg lud die Menschen ein, eine Kerze anzuzünden und zu beten.
Die nächste Friedensandacht in der Nicolaikirche findet am Mittwoch, 2. März, um 17.30 Uhr statt. Außerdem ist die Kirche ab Montag täglich von 12 bis 13 Uhr für stille Gebete geöffnet.

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RTZapper

ZERV – Zeit der Abrechnung

Sonntag, den 27. Februar 2022
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DO 24.02.2022 | 20.15 Uhr | one

Es ist ein heute nur wenig bekanntes Stück deutsche Nachwendegeschichte. 1991 wird in Berlin nach einem Beschluss der Bundesregierung die ZERV, die Zentrale Ermittlungsstelle für Regierungs- und Vereinigungskriminalität, gegründet. Diese Sondereinheit sollte kapitale Verbrechen aus der DDR-Zeit und der Wende ermitteln und aufklären.
Eine sechsteilige Krimireihe im Ersten brachte die ZERV breiter in Öffentlichkeit. Die Folgen liefen am Dienstag und Mittwoch im Ersten, am Donnerstag wegen der Kriegsberichterstattung kurzfristig nur bei one.

In “ZERV – Zeit der Abrechnung” muss Peter Simon, Kommissar aus dem Westen, mit Karo Schubert, seiner Kollegin aus dem Osten, in einem Mordfall ermitteln. Damit kommen sie nur schwer klar, denn ihre Arbeitsweisen sind sehr verschieden. Matthias Trockland, der für die Auflösung der NVA mitverantwortlich war, ist tot. Er wurde in seinem Kleingarten gefunden. War es Mord? Oder ein suizid? Die Ermittlungen beginnen, geheime Unterlagen tauchen auf – und ein Waffenfund auf einem NVA-Gelände in Oranienburg. Als dann auch Zeugen sterben und die Ermittler bedroht werden, nimmt der Krimi richtig Fahrt auf.

Tatsächlich ist der Sechsteiler über weite Strecken sehr spannend, führt die Story in der Tat zu einem sehr interessanten Teil der Nachwendezeit. Zu sehen sind alte, runtergekommene Fabrikgelände, wie sie in Ostdeutschland noch lange nach der Wende zu sehen waren. Die Ost-Kommissarin ist mit einem Wartburg unterwegs, irgendwo stehen auch noch ein paar Trabants rum.
Ein Gewinn sind die beiden Hauptdarsteller: Nadja Uhl und Fabian Hinrichs spielen die beiden Kommissare aus Ost und West, die sich irgendwie zusammenraufen müssen, was immer wieder zu spannenden und auch humorigen Momenten führt – und auch der Fall selbst ist spannend bis zum Schluss.

-> Die Serie in der ARD-Mediathek (bis 22. August 2022)

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