Tagesarchiv für 19. Januar 2022

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Zentralrat der Juden meldet sich im Oranienburger Straßenstreit

Mittwoch, den 19. Januar 2022
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Josef Schuster, der Präsident des Zentralrates der Juden, fordert im Streit um die Gisela-Gneist-Straße in Oranienburg, einen Verzicht auf die Straßenbenennung. Das berichtet der Tagesspiegel. „Alle Beteiligten sollten sich noch einmal zusammensetzen, um offen und sachlich über alternative Namensgeber zu diskutieren“, sagte er der Zeitung. Statt einer sehr umstritten Persönlichkeit wie Gneist “als Namensgeberin zu wählen, wäre es sinnvoll, eine andere Person für den Straßennamen auszusuchen“.

Die Straße liegt in einem neuen Wohngebiet nahe des ehemaligen KZ Sachsenhausen. Gisela Gneist war von 1946 bis 1950 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen inhaftiert. Laut eines Gutachtens sei sie später Historikern und Gedenkstättenleitern „in polemisch-konfrontativer Weise“ begegnet sein, „teils versetzt mit antisemitischen Untertönen und persönlichen Diffamierungen“.

Der Streit läuft schon seit 2020, als die Stadtverordneten die Straßenbenennung mehrheitlich beschlossen hatten. Auch nach einer Runde am Dienstag habe es keine Einigung gegeben.

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stern TV

Mittwoch, den 19. Januar 2022
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SO 16.01.2022 | 22.15 Uhr | RTL

Wenn die Redaktion eines Magazins während der laufenden Sendung ausdrücklich darauf hinweist, dass sie mit dem, was da gerade zu sehen ist, absolut nichts zu tun hat, dann ist was im Busch.

Am späten Sonntagabend meldete sich “stern TV” mit einer neuen Ausgabe. Der Mix aus Gesprächen, Beiträgen und anderen Elementen ist nun seit 32 Jahren bekannt und eingespielt. Und doch war am Sonntag etwas anders. Also, eigentlich war ganz schön viel anders.

Denn nicht die Firma i&u produzierte diese Ausgabe, sondern RTL selbst. Was also was dieses Magazin? Ein “Stern TV”-Klon? Nicht Steffen Hallaschka moderierte die Sendung (und kündigte sie bei seiner Verabschiedung am Mittwoch davor) auch nicht an, sondern RTL-Politikchef Nikolaus Blome und Klatsch-Moderatorin Frauke Ludowig führten durch die Sendung. Neben der Bühne spielte eine Band den “stern TV”-Song, auch wenn diese Musik eher wenig für Live-Bands geeignet ist. Im Studio stand ein absolut überdimensionierter Tisch, so riesig, dass die liebevoll drapierten “stern”-Hefte darauf gar nicht aufgefallen sind.

Dass sich die eigentliche Redaktion, die für “stern TV” am Mittwoch zuständig ist, von der Live-Sendung umgehend distanzierte, war kein Wunder. Denn in zwei Stunden hat RTL so ziemlich alles in die Tonne gedrückt, wofür das Magazin eigentlich steht. Absolut fahrlässig hat man hier mit dem Image einer Institution gespielt.
Und das Erstaunliche: Der RTL-Politikchef Nikolaus Blome erwies sich als Totalausfall, das kennt man eigentlich anders von ihm. Dass Klatschtante Ludowig eigentlich in so einem Format nichts zu suchen hat, erklärt sich eigentlich von selbst und zeigte sich auch in den zwei Stunden.

So ging es um die Diskussion um die Impfpflicht. Zu Gast im Studio war u.a. ein Sohn mit seiner Mutter. Sie ist verzweifelt, weil er sich nicht impfen lässt. So richtige Begründungen dafür hatte er auch nicht, eher so Gefühle. Aber statt irgendwen im Studio zu haben, der mit Fakten rüberkommt, saßen da Tanzjuror Joachim Llambi und Schauspielerin Elena Uhlig. Die beiden saßen die vollen zwei Stunden da rum – warum weiß keiner so genau. Uhlig war dauerempört und Llambi hatte auch immer irgendwas zu sagen. Und Nikolaus Blome fragte den jungen Mann, warum er denn nicht mal seiner Mutter diesen Gefallen machen wolle. Oh Gott.

Später kam noch der eigentlich schon längts eingemottete “Heiße Stuhl” wieder zum Einsatz. Das war in den 90ern die Sendung, wo sich jemand auf den Stuhl setzte, eine (provokante) These hatte, und alle anderen stürzten sich auf ihn. Zwar erinnerte “stern TV” an die Sendung mit Ausschnitten, Nikolaus Blome scheint aber abgelenkt gewesen zu sein, denn das Prinzip des “Heißen Stuhls” hat er scheinbar nicht verstanden.
Auf dem Stuhl saß der Querdenker Markus Fuchs, der so ziemlich faktenfrei über Corona und die Impfungen schwadronierte. Moderator Blome versuchte ihn irgendwie umzustimmen, in der er davon sprach, dass ja die Mehrheit für die Maßnahmen und die Impfungen sei, und da könne man ja mal aufhören zu demonstrieren.
Nikolaus Blome hat das scheinbar nicht genau mitbekommen, aber er war der Moderator, und eigentlich sollten die Gäste gegen Querdenker-Fuchs argumentieren. Aber auch hier hatte leider niemand Fakten an der Hand, und es gibt diese Fakten gegen die Querdenker-Schwurbeleien ja zu Genüge. Aber Blome kommentierte die ganze Zeit hilflos das Gefasel seines Gastes, was aber eigentlich nicht seine Aufgabe, und die anderen waren inhaltsfrei empört.
Diese Diskussion ist nichts anderes als Balsam für die Querdenker-Seelen, die schon lange nichts mehr vom deutschen Journalismus halten. Und in diesem Fall war das auch ein journalistischer Totalausfall. Dagegen war der “Heiße Stuhl” mit seinen echten Diskursen hohe Gesprächskunst.

Im Grunde genommen drehte sich die ganze Sendung darum, wie schlimm die Meinungen der anderen und wie gut doch die Leute – und vor allem Blome und Ludowig selbst sind. Und selbst wenn man den Standpunkt der Querdenker so was von gar nicht unterstützt – der Umgang damit in dieser Magazin-Katastrophe war schlicht und einfach unterirdisch. #
RTL muss aufpassen, dass dieser Schrott nicht auf die echte “stern TV” zurückfällt.

-> Die Sendung bei RTL+

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