Tagesarchiv für 7. Januar 2022

RTZapper

The Masked Dancer

Freitag, den 7. Januar 2022
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DO 06.01.2022 | 20.15 Uhr | ProSieben

Die singen ja gar nicht!
So mancher etwas unaufmerksame Zuschauer wird sich am Donnerstagabend bei ProSieben etwas gewundert haben. Da lief eine Show in der Optik von “The Masked Singer”. Mit den selben Sounds von “The Masked Singer”. Im Studio von “The Masked Singer”. In der Kulisse von “The Masked Singer”. Mit dem Moderator von “The Masked Singer”. Und mit den opulenten Verkleidungen, die wir aus “The Masked Singer” kennen. Aber anders als in “The Masked Singer” hat unter den Kostümen gar keiner gesungen.
Denn am Donnerstagabend lief bei ProSieben die erste Folge von “The Masked Dancer”.

Anders als in der bekannten und beliebten Show müssen die Leute unter der Maske an der Art zu tanzen erkannt werden. Das Problem: Das geht im Grunde gar nicht. In den großen Kostümen ist niemand nur an der Tanzart zu erkennen. Deshalb ist das Rateteam auch auf weitere Tipps angewiesen – zum Beispiel durch Hinweise in den Vorschaufilmen oder durch ein (!) real gesprochenes Wort des Promis unter der Maske.
Das ist das Mitraten noch schwieriger und die Raterei in der Show wirkt noch viel beliebiger als in “The Masked Singer”. Es ist alles ein bisschen egaler, und deshalb funktioniert die Show, trotz aller Mühe und Hingabe, leider nicht so gut.

Aber das größte Problem: “The Masked Dancer” droht den Erfolg von “The Masked Singer” zu verwischen. Es ist einfach nichts Besonderes mehr, wenn die Show nun so oft kommt und durch eine abgewandelte – aber dennoch gleich wirkende – Variante ausgeweitet wird. ProSieben sollte der Versuchung widerstehen, die Schlagzahl der Show all zu arg zu überreizen.

-> Die Show bei Joyn

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RT liest

Ulla Scheler: Und wenn die Welt verbrennt

Freitag, den 7. Januar 2022

Alisa ist vollkommen fasziniert von dem jungen Mann, der in der Münchner Innenstadt am Rand eines Platzes tolle Kreidebilder auf den Boden malt. Er beobachtet die Menschen und bringt ihre Ebenbilder – so wie er sie sieht – auf den Boden. Felix malt auch ein Bild von Alisa.
Sie lernen sich kennen, und es ist bald klar, dass da mehr ist. Sie verlieben sich.
Aber beide haben sie ihre Baustellen. Felix kommt aus Brandenburg, ist seinem Bruder vor einiger Zeit nach München gefolgt, er arbeitet in seinem Immobilienbüro. Und er ist sich unsicher, ob das was mit seiner Kunst werden, ob man davon leben könnte. Alisa möchte über ihre Vergangenheit nicht reden. Sie ist ebenfalls gerade erst in ihre Wohnung gezogen, und sie scheint von großen Geheimnissen umgeben, die sie gegenüber Felix nicht wagt, auszusprechen. Sie hat Angst. Aber wovor? Vor wem?

“Und wenn die Welt verbrennt” heißt der zweite Roman der Autorin Ulla Scheler. Wie auch schon in ihrem ersten Roman schreibt sie über die riesigen Klippen, die eine Liebe umschiffen muss. Denn eigentlich schien zwischen Alisa und Felix alles klar gewesen zu sein – aber die vielen Zweifel bei beiden stellt immer wieder alles in Frage.
Schnell schließt man die beiden ins Herz, aber sie machen es sich über mehr als 400 Seiten auch sehr schwer. Ulla Scheler dröselt das alles sehr gut auseinander und lässt die Geschichte abwechselnd aus den Blickwinkeln von Alisa und Felix erzählen. Deshalb ist man als Leser auch immer sehr dicht dran an den Denkweisen der beiden.
Am Ende ist es vielleicht eine Wendung zu viel, aber alles in allem ist es ein Roman, der sehr fesselt.
Schade, dass man seitdem nichts mehr von der Autorin gehört hat.

Ulla Scheler: Und wenn die Welt verbrennt
Heyne fliegt, 432 Seiten
9/10

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RTZapper

Der Palast

Freitag, den 7. Januar 2022
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MI 05.01.2022 | 20.15 Uhr | ZDF

Berlin ist gerade groß in Serienmode. Gerade erst waren wir im “Eldoradio KaDeWe”, und nun geht es in den Palast. Also, nicht in den abgerissenen Palast der Republik, sondern in den Friedrichstadt-Palast. Der war schon in der DDR die allererste Adresse für den Revuetanz, und auch heute hat die Spielstätte in Berlin-Mitte die größte Theaterbühne der Welt.
Kein Wunder, dass der Palast Stoff für Filme oder Serien bietet. Das ZDF startet das neue Jahr mit dem Dreiteiler “Der Palast”, der in der ZDF-Mediathek auch als Sechsteiler verfügbar ist.

Ostberlin, Ende der 80er. Christine Steffen ist Tänzerin im Friedrichstadt-Palast. In einer der Aufführungen sitzt Marlene Wenninger im Publikum. Die ist schockiert: Denn eine der tanzenden Frauen dort auf der Bühne, sieht aus wie sie selbst! Marlene kommt aus Franken, sie soll dort in den Familienbetrieb einsteigen, und dass sie eine Schwester hat, wusste sie nicht. Christine und Marlene kommen zusammen, und nun wollen sie ergründen, was denn einst rund um den Mauerbau mit ihrer Familie passiert ist. Als Marlene nach West-Berlin zieht, tauschen sie immer mal wieder die Identitäten, um von Ost nach West zu kommen…

Eine neue Variante des doppelten Lottchens. Denn natürlich sorgen die Zwillingsschwestern an vielen Stellen für Verwirrung. Wenn die beiden ihre Rollen tauschen und Marlene in den Ostberliner Alltag eintaucht, aber von der Tochter schnell enttarnt wird. Wenn sich neue Liebesbeziehungen über die Mauer hinweg auftun – und wenn sie die Grenze überschreiten müssen. Denn die Grenzer und die Stasi werden zunehmend misstrauisch.
Die Geschichte ist ohne Zweifel spannend, weil sie erneut ein Stück DDR erzählt. Denn natürlich bekommt man auch Einblicke in die Abläufe des Palastes, was hinter den Kulissen der Showbühne passiert.
Svenja Jung spielt übrigens beide Zwillinge, was eine Herausforderung gewesen sein durfte.

Und dennoch: “Der Palast”, so heißt die Serie, ist nicht der Hauptdarsteller. “Der Palast” ist nicht die Hauptgeschichte. Im Vordergrund stehen die Zwillinge, und die Geschehnisse im Friedrichstadt-Palast sind nur Beiwerk. Deshalb ist der Titel eigentlich irreführend, denn er impliziert eine andere Story, die sich mehr und hauptsächlich damit befasst. Die Serie ist sehenswert, aber dennoch ein leichter Etikettenschwindel.

-> Die Serie in der ZDF-Mediathek (bis 26. Dezember 2022)

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