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Coming Out Colton

MI 29.12.2021 | Netflix

Er war der Bachelor. Er flirtete mit 30 Frauen. Am Ende kam er mit einer der Frauen zusammen. Sie führten eine Beziehung.
Dabei wusste Colton Underwood schon als Junge, dass er anders ist als die anderen Jungs. Er wusste eigentlich immer, dass er Männer mag, dass er schwul ist. Mit 28 spricht er es aus. Vor seiner besten Freundin. Vor seinen Eltern. Vor dem Bruder. Vor Freunden. Vor den anderen.

Es ist eine erstaunliche Geschichte, die in einer sechsteiligen Doku auf Netflix erzählt wird. Colton Underwood war Profi-Footballspieler in der NFL. 2019 war er in der gleichnamigen Kuppelserie der Bachelor auf der Suche nach einer Frau. Damals wurde er der jungfräuliche Bachelor genannt. Er hatte noch nie Sex, was vielleicht auch mit seiner katholischen Erziehung zu tun hatte. Er fand eine Frau, war mit ihr zusammen. Aber er war eifersüchtig und ein Kontrollfreak. Die Frau trennte sich von ihm, und er verfolgte sie daraufhin mit teils miesen Methoden.
Er sagt, er habe das getan, um nicht über sich selbst nachdenken zu müssen, nicht sich mit der Wahrheit über sich befassen zu müssen.
Aber es sei dann auch der Momente gewesen, die Flucht nach vorn anzutreten.

Die Geschichte hat in den USA im April 2021 für Wirbel gesorgt. Sein öffentliches Outing hatte er in einem Interview mit “Good Morning America”. Und jetzt gibt es die Netflix-Doku-Serie.

Vorab: Es ist im Laufe der Serie nicht immer klar, welche Szenen gescriptet sind und welche nicht. Welche Reaktionen echt sind und welche nicht. Letztlich ist das aber gar nicht so wichtig – denn am Ende geht es dann doch um den Inhalt an sich. Denn Colton Underwoord zeichnet in der Serie sein Coming Out bei verschiedenen Menschen nach. Er erzählt seine Geschichte.
Das sorgt für rührende Momente, wenn er mit großen Augen vor seiner Mutter sitzt und sich outet. Bei seinem Bruder, seinem Vater. Später redet er mit seinem ehemaligen Football-Trainer, wo Colton dann auch darüber erzählt, wie es war, als beim Training oft eine homophobe Atmosphäre geherrscht habe.
Denn Colton sagt, dass sich die NFL zwar offen für schwule Spieler zeige, die Stimmung in Wirklichkeit so aber nicht sei. Es herrsche keine Atmosphäre, in der schwule Männer sich outen könnten.
Bitter ist auch, als er sich bei seinem Priester outet, der zwar sagt, er könne machen, was er wolle, aber auch, dass er das nicht unterstütze, und er solle doch beten.

Die Doku macht einerseits Mut, andererseits zeigt sie aber auch, wie schwer so ein Outing auch heute immer noch sein kann. Zu sehen, dass ein gestandener Mann sich erst mit 28 öffnet, ist tragisch. Zu sehen, wie er aufblüht, ist dagegen schön zu sehen. “Coming Out Colton” ist ein wichtiger Beitrag, auch zu möglichen und künftigen Coming Outs von Sportlern.

-> Die Reihe bei Netflix

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