Tagesarchiv für 19. Oktober 2021

RTZapper

Viertel acht Acht: Aus für Julian Reichelt

Dienstag, den 19. Oktober 2021
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MO 18.10.2021 | 20.15 Uhr | Bild

Soll Christian Lindner Finanzminister werden? Es ist ein sehr aufregendes Thema, das am Montagabend in der Bild-Talkshow “Viertel nach Acht” besprochen wird. Hans-Ulrich Jörges liefert eine interessante Analyse.
Ja, also, unter normalen Umständen wäre das wirklich total interessant gewesen. Dass aber Moderator Paul Ronzheimer ein bisschen abwesend wirkt, hat einen Grund: Es gibt an diesem Abend ein viel aufregenderes Thema: Bild-Chef Julian Reichelt ist nicht mehr Bild-Chef. Gefeuert. Neue Enthüllungen zu seinem Führungsstil hat bei Springer dazu geführt, dass man Reichelt offenbar nicht mehr halten kann.

Normalerweise werden bei “Viertel nach Acht” (also, eigentlich müsste die Sendung ja natürlich “Viertel Neun” heißen) die heißen Themen des Tages besprochen.
Um Reichelt ging es aber erst ganz am Schluss, denn da konnte Ronzheimer nicht mehr an sich halten. Unter Tränen sagte er, es sei ein schwerer Abend. Er wolle sich bei Julian Reichelt bedanken. Er habe “Bild live” erfunden und “Viertel nach Acht” erfunden, er sprach von “journalistischen Glanzleistungen”, von seinen Ideen, von seiner Power und davon, dass er viele Menschen bei Bild geprägt habe. “Julian, wir denken an dich!”
Warum Julian Reichelt nicht mehr bei Bild ist, hat Paul Ronzheimer vorsichtshalber nicht erwähnt, vermutlich hätte er da dann wirklich heulen müssen, angesichts der Verfehlungen, um die es da offenbar geht. Bild hat auch in den schriftlichen Meldungen nur den Wechsel verkündet – nur nur extrem vage den Grund dafür.

Neben Ronzheimer und Jörges gab es drei weitere Gäste. Eine Frau aus der Bild-Redaktion schloss sich den Wünschen an, Bela Anda wollte dann auch noch was sagen, und es ist ein Wunder, dass nicht gleich noch das ganze Team an der Kamera vorbeigelaufen ist – entweder mit einem Schweigemarsch oder mit “Ich wollte auch noch was sagen.”
Dem Einzigen, der das komisch vorkam, war Hans-Ulrich Jörges. Er meinte angesichts des Sendungsendes, dass das ja eigentlich er Beginn einer Diskussion sein müsse, und weil keine zeit mehr sei, wolle er lieber gar nichts sagen. Bei der unangenehmen – wenn auch verständlichen – Heulerei um Jörges herum, fand er dann doch noch gute Worte in dieser seltsamen Situation.

-> Der Ausschnitt aus der Sendung bei Twitter

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RTZapper

DRОП

Dienstag, den 19. Oktober 2021
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SO 17.10.2021 | Youtube

Das Grauen kommt schleichend. Und es kommt unerwartet. Andererseits: Guckt man genau hin, hätte man ahnen können, was da passiert. Wenn auch nicht in der Unerbittlichkeit. In dieser Härte.

“DRОП” heißt die 8-teilige Serie aus der Ukraine, die auf Youtube zu sehen ist. “Drop” heißt so was wie “Tropfen”, und es geht um den Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Eine Schulklasse mit lauter Jugendlichen. Mark ist in ein Mädchen verliebt, sie schlafen auch miteinander – aber da ist auch noch ihr Ex-Freund. Der nicht weiß, dass er Ex ist. Unterdessen hat sich auch Marks bester Freund Wlad verliebt – in Mark. Als er ihn etwas unbeholfen küsst, rastet Mark aus. Anja wird unterdessen von allen geschnitten und beschimpft, weil sie einen Fehler begangen hat. Und auch Artem hat es schwer. Er gilt als Freak, ist ein Außenseiter. Wlad will nicht mehr mit ihm befreundet sein, und die Lehrerin ist extrem fies.

Über das Projekt “DRОП” ist hierzulande wenig bekannt. Aber die Veröffentlichungsart ist sehr an “Druck” angelehnt, bei der vorab immer einzelnen Szenenschnipsel veröffentlicht wurden. Am Ende sind es 8 Folgen mit bis zu je 20 Minuten Länge.
Anders als bei “Druck” ist hier die Unerbittlichkeit auffallend.
Denn die Probleme mit der ersten Liebe, dem Outing – die wirken am Ende wie Pillepalle, wenn es in den letzten beiden Folgen zu den großen Katastrophen kommt.
Und die Zuschauenden werden nicht verschont. Die Katastrophen werden in voller Länge gezeigt, unerbittlich.
Ob das ein gutes Mittel ist, zu verhindern, was da zu verhindern ist, ist schwierig zu beantworten. In der Ukraine hat man eine Antwort gefunden: Zeigen, worauf es hinauslaufen kann.
Am Ende jeder Folge wird an die Zuschauenden appelliert, es nicht so weit kommen zu lassen, am Beginn von Folge 8 gibt es eine längere Einführung.
Doch die Erschütterung am Ende ist groß – auch wenn man den Hass bei Artem recht deutlich nachvollziehen kann.
Manchmal ist das alles ein wenig klischeehaft, manchmal auch szenisch unlogisch. Aber alles in allem – schon, um mal den kulturellen Kosmos der Ukraine auf diese Weise zu erleben – durchaus sehenswert.

Via Youtube soll “DRОП” ein großes Publikum erreichen. Von der Ukraine aus in die Welt. Gesprochen wird russisch, aber es gibt in den Einstellungen bei Youtube viele Untertitel-Versionen – auch eine deutsche Version. An der sollte aber noch mal gearbeitet werden. Zwar ist immer verständlich, worum es geht. Aber die Übersetzung ist dennoch schlecht und oft nicht treffend.

-> Die Serie bei Youtube

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RT liest

Zoë Beck: Paradise City

Dienstag, den 19. Oktober 2021

Deutschland, irgendwann in der Zukunft. Teile des Landes sind nicht mehr oder kaum noch bewohnbar. An der Nordsee sind Landstriche überschwemmt. Berlin ist so gut wie ausgestorben. Die Regierung sitzt jetzt in Frankfurt/Main, das jetzt so groß und bevölkerungsreich ist, dass die umliegende Region mit Frankfurt verschmolzen ist. Mit dem Zug kommt man in rasender Geschwindigkeit von A nach B, und da, wo noch viele Menschen wohnen, ist die Infrastruktur hervorragend. Und nicht nur das: Die medizinische Überwachung der Menschen ist nahezu perfekt und lückenlos. Allerdings: Das Leben ist gläsern geworden. Total.

In der Uckermark leben kaum noch Menschen, eine Infrastruktur gibt es nicht mehr. Liina ist Journalistin. Die Nachrichten kommen inzwischen überwiegend von staatlichen Medien, sie arbeitet hingegen bei einem der letzten regierungsunabhängigen Nachrichtenseiten.
In der Uckermark soll Liina herausfinden, ob eine Frau dort wirklich von einem Schakal totgebissen worden ist.
Währenddessen kommt es allerdings zu einem Anschlag auf ihren Chef – es soll wie ein Suizidversuch aussehen. Eine Kollegin wird umgebracht.
Was steckt dahinter? Eine staatliche Verschwörung?

“Paradise City” heißt der Roman von Zoë Beck, die in ihrer Geschichte ein ziemlich Horrorszenario aufbaut. Denn ganz nebenbei ist von den epidemischen 2030ern die Rede, von einer Masern-Epidemie, die viele Menschen töten wird. Das Grauen passiert passiert bei der Autorin fast nebenbei. Es ist auch nur Kulisse, denn eigentlich ist “Paradise City” am Ende doch nur ein klassischer Krimi.
Es entwickelt sich ein Kriminalfall, den Liina zu lösen versucht – was natürlich nicht einfach ist. Dennoch ist das ein bisschen eine Enttäuschung, denn man muss ganz klar sagen: Das Spannende an Zoë Becks Roman ist nciht die Story, sondern das Setting. Das wird am Anfang erzählt, zwischendurch hin und wieder erwähnt.
Denn die Krimistory selbst ist recht herkömmlich und auch nicht sehr aufregend dargelegt. Die Schreibe zieht nicht besonders rein, und es passiert etwas, was für einen Krimiroman ganz und gar nicht gut ist: Der Roman verliert mehr und mehr an Spannung. Und das ist schade.

Zoë Beck: Paradise City
Suhrkamp, 281 Seiten
4/10

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RT im Kino

Es ist nur eine Phase, Hase

Dienstag, den 19. Oktober 2021

Ehekrise! Bei Paul (Christoph Maria Herbst) und Emilia (Christiane Paul) läuft es nicht mehr gut. Sie sind seit ihrer Jugend ein Paar, aber jetzt ist irgendwie die Luft raus.
Emilia ist das erst gar nicht so aufgefallen. Aber als sie mit ihre besten Freundin Magda (Bettina Lamprecht) unterwegs ist, geraten sie in eine Party. Dort lernt Emilia den jungen Ruben (Nicola Perot) kennen. Sie landen im Bett.
Sie beichtet ihm den Seitensprung. Entsetzen bei Paul. Und erst recht, als Emilia eine Beziehungspause will. Paul stürzt damit nun richtig in die Krise. Da helfen auch keine Tipps von seinen Freunden Theo (Jürgen Vogel) und Jonathan (Peter Jordan).
Auf einer Geburtstagsparty treffen Paul und Emilia wieder aufeinander – wo die Situation schnell eskaliert.

“Es ist nur eine Phase, Hase”, sagt Emilia zwar nicht, aber eigentlich will sie das Paul weismachen. So aber heißt auch der Film von Florian Gallenberger. Man könnte auch sagen: Es ist der Film zur Midlife-Crisis.
In dieser Hinsicht schmeißt Gallenberger mit lauter Klischees um sich. Mann wird dick und bekommt von der Krise und Langweiligkeit nichts mit. Emilia verknallt sich und freut sich, begehrt zu werden.
Durch die Anreihung der Klischees wirkt gerade der Anfang oft recht platt, auch wenn es Spaß macht, den Schauspielern zuzusehen. Im letzten Drittel jedoch wird die Handlung zumindest ein wenig tiefergehend. Denn dann geht es um die Frage, was denn wichtig ist im Leben. Da hat der Film durchaus schöne Momente.

-> Trailer bei Youtube

Es ist nur eine Phase, Hase
D 2020, Regie: Florian Gallenberger
Paramount, 105 Minuten, ab 12
6/10

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