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Feuerwehr ist gegen Sirenen-Abschaltung

In Oberkrämer gibt es derzeit zwischen 22 und 6 Uhr keine lauten Alarmierungen mehr – das sorgt für Diskussionen

MAZ Oranienburg, 6.10.2021

Oberkrämer.
Als in der vergangenen Woche in Bötzow ein Müllcontainer gebrannt hat, da heulten im Ort die Sirenen – Einsatzbeginn war 21.57 Uhr. Nur ein paar Minuten später, und die Sirenen wären still geblieben. In der Gemeinde Oberkrämer läuft derzeit ein Test, wonach die Sirenen in den Dörfern zwischen 22 und 6 Uhr ausgeschaltet bleiben.
Ausgeschaltete Sirenen bedeuten natürlich nicht, dass die Feuerwehrleute nicht zu den Einsätzen gerufen werden können. Das passiere über den Pieper und über das Handy, sagte Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO). Auch wies er darauf hin, dass andere Kommunen in Oberhavel gar nicht mehr die Sirenen nutzen oder keine mehr haben.
„Die neue Technik ist hervorragend“, sagt Karsten Peter Schröder (SPD). Der Bärenklauer ist Mitglied der Feuerwehr. Es gebe neben dem Pieper die Blaulicht-SMS. Jeder könne gleich mitteilen, ob er zum Einsatz kommen könne oder nicht.

Die Abschaltung sei diskutiert worden, sagte Dirk Eger, der Leiter des Ordnungsamtes, der auch für die Feuerwehr zuständig ist. Es habe Beschwerden von Anwohnern gegeben. Es sei nicht zu erklären, warum die Sirenen noch benötigt werden, wenn es doch die neue Technik gebe, die auch in Oberkrämer genutzt werde. „Wir haben genügend Alarmierungswege, wir wollten es mal ausprobieren“, so Dirk Eher weiter. Hintergrund sei, dass zum Beispiel Einsätze durch Unfälle oder Wetterschäden inflationär seien. „Und dann werden alle davon geweckt.“

Das sehen längst nicht alle so. „Es ist ja nicht der Fall, dass die Sirenen dreimal pro Nacht heulen“, sagt der Vehlefanzer Gemeindevertreter Carsten Schneider (Linke). Er wohne auch nahe einer Sirene, und ihn störe sie nicht. „Ich frage mich, wo solche Beschwerden herkommen.“
Karsten Peter Schröder sagt: „Wir sollten froh sein, dass wir noch funktionstüchtige Sirenen haben.“ Nicht nur das, sie wurden kürzlich erst gewartet, wie Dirk Eger anmerkt. Die Sirenen seien für den Katastrophenschutz präpariert worden. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht.“

Es habe keinen Aufschrei wegen der nachts abgeschalteten Sirenen gegeben, so Feuerwehrmann Karsten Peter Schröder. Es sei von Seiten der Kameraden durchaus okay, nachts die Sirenen abzuschalten. Doch das scheint eine auch bei der Feuerwehr umstrittene Ansicht zu sein. Grundsätzlich haben sich die Ortswehrführungen in Oberkrämer gegen die Abschaltung ausgesprochen, erklärte der Gemeindebrandmeister David Ostwald am Montag. „Die Sirene hat ja auch die Aufgabe, dass sie die Bevölkerung warnen soll.“ So könne es ja sein, dass ein Auto vor einem Haus brennt. Auf diesen Aspekt hat auch der Schwantener Gemeindevertreter Bernd Ostwald (CDU) hingewiesen. Der Aspekt des Warnens sei nicht zu vernachlässigen.

„Ich sehe das auch als Anerkennung der Kameraden an“, sagt Thomas Nocke (BfO), der Marwitzer Ortsvorsteher. „Die Sirene ertönt, und man weiß, die tun was, sie retten Leute.“ In Marwitz habe man es nicht fassen können, dass die Sirenen nachts ausbleiben. „Es ist für jeden, der in Not ist, ein großes Gefühl, wenn dann die Sirene ertönt und man weiß: Sie sind unterwegs.“
Demnächst soll das Thema in den Ausschüssen in Oberkrämer beraten und entschieden werden. Gemeindebrandmeister David Ostwald sagt zur Abschaltung: „Wir empfehlen das nicht.“

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