Tagesarchiv für 29. September 2021

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Hollis Seamon: Einer da oben hasst mich

Mittwoch, den 29. September 2021

Mit 17 im Hospiz. Nicht gerade die perfekte Vorstellung. Richie verbringt die letzten Tage seines Lebens in dieser Einrichtung in New York.
Er erzählt davon, wie es ist, im Hospiz zu leben. Von der Harfenistin, die jeden Tag im Flur sitzt und spielt. Richie findet es furchtbar und gleichzeitig auch irgendwie faszinierend. Er erzählt von Personal, das sich um ihn und die anderen kümmert. Von seiner Mutter, die ständig da ist und ihn nicht aus den Augen lässt. Von seinem flippigen Onkel, der ihn rausholt, ein bisschen Spaß haben. Von Sylvie, die auch im Hospiz lebt – und in die er verschossen ist. Und sie auch in ihn.

“Einer da oben hasst mich” – davon ist Richie überzeugt. Was hat ein Jugendlicher wie er in einem Hospiz zu suchen?, sagt er sich. Andererseits: Richie hadert nur selten. Zwar erzählt er davon, wie es ihm körperlich geht, welche seltsamen körperlichen Reaktionen plötzlich geschehen – aber über den Tod an sich reden er nur sehr selten. Stattdessen erzählt er vom Hosizalltag, von schönen Momenten und ärgerlichen. Er hat Respekt davor, was da alles los ist, er registriert auch, dass dort gestorben wird – aber oft verdrängt er diese Traurigkeit. Zumal er mit Sylvie was am laufen hat.
Hollis Seamon hat diese Geschichte sehr einfühlsam aufgeschrieben – durch die Pflege ihres Sohnes, der oft in Kliniken war, kennt sie sich mit dem Thema offenbar gut aus. Wir blicken in die Gedankenwelt eines Teenies, der sein Teenieleben nicht in Gänze erleben wird.

Hollis Seamon: Einer da oben hasst mich
cbt, 255 Seiten
7/10

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Es geht um Deutschland – Wahl 2021

Mittwoch, den 29. September 2021
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MO 27.09.2021 | 12.00 Uhr | Bild

Man kann vom oft meinungsstarken und oft provokanten Bild-Fernsehen halten, was man will: Wenn man die Wahlberichterstattung von Bild und vom Ersten miteinander vergleicht, dann wird man feststellen: Die einen sind auf jeden Fall kurzweilig und mitunter auch spannend, während die anderen doch relativ dröge daherkommen.

Montag, der Tag nach der Bundestagswahl. Um das Geschehen aufzuarbeiten, zeigt Das Erste nach einem extralangen Frühstücksfernsehen gleich noch eine extra lange Tagesschau – nämlich mehr als fünf Stunden (!) lang.
Eine lange Strecke, und sie wurde schnell ermüdend. Denn dadurch, dass die ARD diese sehr lange Informationsstrecke als “Tagesschau” auf Sendung brachte, war auch ein gewisses Korsett vorgegeben. Susanne Holst moderierte im Studio, zwischendurch ein erstaunlich schlecht moderierender Typ im ARD-Hauptstadtstudio. Hier mal ein Interview, da eine Pressekonferenz, und zwischendurch ein paar Berichte, die sich später wiederholten.
Da fehlte es an Pfiff, an Abwechslung – aber vor allem auch mal an Meinung, an Streit und prägnanter Einordnung.

Da war das Live-Programm von Bild am Montag durchaus eine Abwechslung – und sorgte auch für die eine oder andere Überraschung. “Es geht um Deutschland – Wahl 2021” war der natürlich etwas theatralische Titel der stundenlangen Sondersendung.
Das Konzept: Die Live-Schiene wird begleitet von einem Moderator, einer Moderatorin und zwei Kommentatoren, so dass sich während des Tages immer wieder Gespräche ergeben. Ganz auf den Punkt kommentierten sie den Plan von Armin Laschet, doch noch Kanzler zu werden – selbst bei Claus Strunz war darüber eine gewisse Empörung zu hören, immerhin habe die SPD doch ganz klar gewonnen. Und das, wo Strunz und Co. in den vergangenen Wochen die großen CDU-Fanboys waren.
Dass Paul Ronzheimer während der Sendung ständig auf sein Handy glotzt und immer ganz aufgeregt ist, wenn er darauf eine neue News entdeckt und sie vorliest, wirkt zwar sehr albern – was Ronzheimer aber immer wieder erfährt, ist erstaunlich – als ob die Bild irgendwo Mikrofone eingebaut hat, oder die Bild hat lauter Maulwürfe in der Politik.

Die Berichterstattung von Bild zeigt aber, dass man auf keinen Fall alles übernehmen sollte, was die da so machen. Aber es zeigt, dass man auch in der ARD mal vom drögen Einerlei weggehen sollte – sich mehr trauen sollte, für mehr Abwechslung sorgen sollte. Natürlich ohne dabei unseriös zu werden.

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