Tagesarchiv für 7. September 2021

RTelenovela

Sechs Vormittage Heimatgeschichte – ein Nachruf

Dienstag, den 7. September 2021
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Sechsmal war ich bei ihr. Acht Jahre ist das inzwischen her.
Von 1970 bis 1987 war Irene Hoppe Bürgermeisterin der damaligen Gemeinde Neu-Vehlefanz. In den vielen Gesprächen erzählte sie, was sie in ihrem damals 82-jährigen Leben erlebt hat. Vom Zweiten Weltkrieg und wie die Bomber über Wolfslake hinweggeflogen sind. Von den ersten DDR-Jahren und der Zeit, als sie Ortschefin war. Anhand ihrer Erlebnisse ließ sich 2013 sich ein Stück Heimatgeschichte aus Klein-Ziethen, Wolfslake und Neu-Vehlefanz erzählen.

Irene Hoppe konnte viel und lange erzählen. Stellte man ihr eine Frage, begann sie zu reden. Sie hatte viel zu erzählen, und wusste sie mal nicht weiter, dann war klar, wo sie es aufgeschrieben hatte.
Wir haben zusammen in Unterlagen geblättert und Fotos studiert. Es gab immer belegte Brötchen und Kaffee. Als einmal der Mittagessenservice kam, konnte sie mich fast dazu überreden, doch mitzuessen. Es reiche doch für mehrere Leute.

Es war toll, die alten Geschichten zu hören. Wenn es auch manchmal anstrengend war, denn sie fand selten ein Ende. Aber dennoch: sympathisch.
Am Ende erschienen nach den langen Gesprächen sieben Teile mit ihren Lebenserinnerungen. Es war Lokaljournalismus, der mal ganz anders war und besonders viel Spaß gemacht hat.

Am 14. August ist Irene Hoppe im Alter von 91 Jahren gestorben. Ich werde mich immer an die vielen Vormittage in ihrem alten Haus in Wolfslake erinnern.

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RT im Kino

Räuberhände

Dienstag, den 7. September 2021

Sie sind die besten Freunde, egal, was kommt: Jannik (Emil von Schönfels) und Samuel (Mekyas Mulugeta). Samuel geht in Janniks Familie ein und aus. Andersrum ist das nicht der Fall. Samuel versteckt seine Mutter, die ein Alkohol- und Drogenproblem ist. Er möchte nicht, dass sie in seinem Leben rumpfuscht.
Während Samuel also so was wie Ordnung in sein Leben bringen will, will Jannik eher aus seinem geordneten Leben ausbrechen – mal was erleben. Und so beschließen sie, nach dem Abi nach Istanbul zu gehen. In der Türkei wollen sie schauen, wie sie klarkommen.
Doch das Vorhaben droht schon vor der Reise zu scheitern, denn Jannik macht etwas, was in Samuel einen Schock auslöst – es scheint unverzeihlich zu sein…

“Räuberhände” ist die Verfilmung des Romans von Finn-Ole Heinrich aus dem Jahr 2007. Gemeinsam mit Gabriele Simon hat er auch das Drehbuch für den Film von İlker Çatak geschrieben.
Erzählt wird die Geschichte zweier Jugendlicher, deren Freundschaft extrem auf die Probe gestellt wird. Dabei haben sie beide einen Traum – wegzugehen aus ihrem Alltagstrott. Das aber aus unterschiedlichen Gründen.
Es ist nicht nur extrem interessant, das Spannungsverhältnis zwischen den beiden Jungs zu beobachten. Da ist einerseits eine Leichtigkeit, scheinbar auch im Umgang mit Freundinnen, andererseits eine große Vertrautheit und Nähe. Eine Frau ist es, die ihre Freundschaft aber auch auf eine harte Probe zu stellen scheint.
Emil von Schönfels und Mekyas Mulugeta erweisen sich als ein phantastisch spielendes Duo, hinzu kommen interessante Drehorte und Atmosphären.
Eigentlich ist “Räuberhände” ein klassischer Jugendfilm, dass er dennoch erst ab 16 freigegeben ist, hat mit einer einzigen Szene zu tun, die in dieser Explizität so nicht unbedingt nötig gewesen wäre.
Dennoch: ein echtes Filmhighlight!

-> Trailer auf Youtube

Räuberhände
D 2020, Regie: İlker Çatak
Salzgeber, 93 Minuten, ab 16
10/10

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