Monatsarchiv für September 2021

RT liest

Wolf Harlander: 42 Grad

Donnerstag, den 30. September 2021

Wiesbaden, sonnig, 36 Grad.
Hamburg, sonnig, 40 Grad.
Amsterdam, sonnig, 40 Grad.
Antwerpen, sonnig, 40 Grad.
Bad Hersfeld, sonnig, 43 Grad.
Schleiz, sonnig, 42 Grad.
Es ist heiß. Und es regnet nicht. Wochenlang. Monatelang. Ein Jahrtausendsommer.
Doch Hitze hat Folgen, und vor diesen Folgen warnen der Hydrologe Julius Denner und die IT-Spezialistin Elsa Forsberg. Niemand jedoch will das jedoch ernst nehmen – was nicht ist, kann auch nicht sein.
Doch es bleibt heißt, Regen ist nicht in Sicht und – noch schlimmer: Die Flüsse trocknen aus. Es brechen Waldbrände aus. Allerdings: Könnte es sein, dass es sich um Brandstiftung handelt? Und gibt es da Leute, die das restliche Wasser vergiften wollen?
In Europa bricht ein Chaos aus.

Wolf Harlander zeigt ein düsteres Bild. Trockenheit und Hitze, Brände und Wasserknappheit und Terroristen, die diese Situation ausnutzen wollen.
Er zeigt die Situation anhand von verschiedenen Protagonisten. Eine Mutter, die mit ihren beiden Kindern dorthin flüchten will, wo noch Wasser ist. Der Hydrologe der merkt, dass da was nicht stimmt und seine Oma verliert, weil sie verdurstet. Die IT-Expertin, die eine ungeheuerliche Entdeckung macht. Der Mann vom THW, der als Brandeinsätzen Schreckliches erlebt. Der Experte vom Wasserwerk, der einen Angriff erlebt.
Dadurch dass Harlander schlaglichtartig von Ort zu Ort geht, gibt sich schnell ein umfassendes Bild der katastrophalen Lage. Der Roman ist auf diese Weise sehr spannend. Die Vision eines Hitzesommers wird kombiniert mit einem terroristischen Angriff.
“42 Grad” zeigt auch, wie anfällig wir sind, wenn solche Situationen wie dieser Hitzesommer eintritt.

Wolf Harlander: 42 Grad
Rowohlt Polaris, 524 Seiten
8/10

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ORA aktuell

Coronavirus: Montags Impfungen bei Kaufland in Oranienburg

Donnerstag, den 30. September 2021
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An drei Montagen wird im Oranienburger Oranienpark geimpft. Wie die Kreisverwaltung Oberhavel am Mittwoch mitteilte, finden mobile Impfungen am 4., 11. und 18. Oktober jeweils von 12 bis 16 Uhr vor dem Kaufland statt.
Auch beim Stadtfest sind Impfungen geplant – am Tag der Einheit, 3. Oktober, von 10 bis 17 Uhr auf dem Schlossplatz.

Geimpft wird mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer. Mitzubringen sind zu allen kommunalen Impftagen neben dem Personalausweis, der Krankenkassenkarte sowie – sofern vorhanden – der Impfausweis und die vorab ausgefüllten Formulare (Aufklärungsbogen, Anamnese-Einwilligung und Datenschutzerklärung).

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Nuhr im Ersten

Donnerstag, den 30. September 2021
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DI 28.09.2021 | 23.30 Uhr | rbb

Dieter Nuhr lügt. Oder er will uns was weismachen, was gar nicht stimmt.
Am Dienstagabend lief im rbb die Kabarettshow “Nuhr im Ersten”. Im rbb, wie gesagt.
Heißt: “Nuhr im Ersten” läuft gar nicht nur im Ersten. Dass bei aller Aufregung, die ständig über Dieter Nuhr in den unsozialen Netzwerken herrscht, der eigentliche Skandal noch nie ein Thema war. Die Show läuft auch nicht nur im rbb. Sondern auch bei one. Und bei 3sat.

Vielleicht wird es Zeit, sich mal einen neuen Namen für diese Show auszudenken, in der ja auch nicht nur Nuhr vorkommt. Das könnte also kompliziert werden.
Wie wäre es mit: Nuhr im Ersten, im Dritten, bei one und 3sat?
Oder: Nicht Nuhr im Ersten?
Aber eigentlich müsste man noch korrekter sein: Nicht nur Nuhr nicht nur im Ersten.
Oder: Nuhr und andere unter anderem im Ersten.

Da ist doch bestimmt was Schönes dabei! Dieter Nuhr sollte beim Sendungstitel endlich mal ehrlich sein.

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RT liest

Hollis Seamon: Einer da oben hasst mich

Mittwoch, den 29. September 2021

Mit 17 im Hospiz. Nicht gerade die perfekte Vorstellung. Richie verbringt die letzten Tage seines Lebens in dieser Einrichtung in New York.
Er erzählt davon, wie es ist, im Hospiz zu leben. Von der Harfenistin, die jeden Tag im Flur sitzt und spielt. Richie findet es furchtbar und gleichzeitig auch irgendwie faszinierend. Er erzählt von Personal, das sich um ihn und die anderen kümmert. Von seiner Mutter, die ständig da ist und ihn nicht aus den Augen lässt. Von seinem flippigen Onkel, der ihn rausholt, ein bisschen Spaß haben. Von Sylvie, die auch im Hospiz lebt – und in die er verschossen ist. Und sie auch in ihn.

“Einer da oben hasst mich” – davon ist Richie überzeugt. Was hat ein Jugendlicher wie er in einem Hospiz zu suchen?, sagt er sich. Andererseits: Richie hadert nur selten. Zwar erzählt er davon, wie es ihm körperlich geht, welche seltsamen körperlichen Reaktionen plötzlich geschehen – aber über den Tod an sich reden er nur sehr selten. Stattdessen erzählt er vom Hosizalltag, von schönen Momenten und ärgerlichen. Er hat Respekt davor, was da alles los ist, er registriert auch, dass dort gestorben wird – aber oft verdrängt er diese Traurigkeit. Zumal er mit Sylvie was am laufen hat.
Hollis Seamon hat diese Geschichte sehr einfühlsam aufgeschrieben – durch die Pflege ihres Sohnes, der oft in Kliniken war, kennt sie sich mit dem Thema offenbar gut aus. Wir blicken in die Gedankenwelt eines Teenies, der sein Teenieleben nicht in Gänze erleben wird.

Hollis Seamon: Einer da oben hasst mich
cbt, 255 Seiten
7/10

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Es geht um Deutschland – Wahl 2021

Mittwoch, den 29. September 2021
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MO 27.09.2021 | 12.00 Uhr | Bild

Man kann vom oft meinungsstarken und oft provokanten Bild-Fernsehen halten, was man will: Wenn man die Wahlberichterstattung von Bild und vom Ersten miteinander vergleicht, dann wird man feststellen: Die einen sind auf jeden Fall kurzweilig und mitunter auch spannend, während die anderen doch relativ dröge daherkommen.

Montag, der Tag nach der Bundestagswahl. Um das Geschehen aufzuarbeiten, zeigt Das Erste nach einem extralangen Frühstücksfernsehen gleich noch eine extra lange Tagesschau – nämlich mehr als fünf Stunden (!) lang.
Eine lange Strecke, und sie wurde schnell ermüdend. Denn dadurch, dass die ARD diese sehr lange Informationsstrecke als “Tagesschau” auf Sendung brachte, war auch ein gewisses Korsett vorgegeben. Susanne Holst moderierte im Studio, zwischendurch ein erstaunlich schlecht moderierender Typ im ARD-Hauptstadtstudio. Hier mal ein Interview, da eine Pressekonferenz, und zwischendurch ein paar Berichte, die sich später wiederholten.
Da fehlte es an Pfiff, an Abwechslung – aber vor allem auch mal an Meinung, an Streit und prägnanter Einordnung.

Da war das Live-Programm von Bild am Montag durchaus eine Abwechslung – und sorgte auch für die eine oder andere Überraschung. “Es geht um Deutschland – Wahl 2021” war der natürlich etwas theatralische Titel der stundenlangen Sondersendung.
Das Konzept: Die Live-Schiene wird begleitet von einem Moderator, einer Moderatorin und zwei Kommentatoren, so dass sich während des Tages immer wieder Gespräche ergeben. Ganz auf den Punkt kommentierten sie den Plan von Armin Laschet, doch noch Kanzler zu werden – selbst bei Claus Strunz war darüber eine gewisse Empörung zu hören, immerhin habe die SPD doch ganz klar gewonnen. Und das, wo Strunz und Co. in den vergangenen Wochen die großen CDU-Fanboys waren.
Dass Paul Ronzheimer während der Sendung ständig auf sein Handy glotzt und immer ganz aufgeregt ist, wenn er darauf eine neue News entdeckt und sie vorliest, wirkt zwar sehr albern – was Ronzheimer aber immer wieder erfährt, ist erstaunlich – als ob die Bild irgendwo Mikrofone eingebaut hat, oder die Bild hat lauter Maulwürfe in der Politik.

Die Berichterstattung von Bild zeigt aber, dass man auf keinen Fall alles übernehmen sollte, was die da so machen. Aber es zeigt, dass man auch in der ARD mal vom drögen Einerlei weggehen sollte – sich mehr trauen sollte, für mehr Abwechslung sorgen sollte. Natürlich ohne dabei unseriös zu werden.

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Wahl 2021

Dienstag, den 28. September 2021
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SO 26.09.2021 | 21.15 Uhr | ZDF

Huch, die Grünen haben die Wahl in Berlin gar nicht gewonnen?
Huch, die CDU und die SPD haben bei der Bundestagswahl gar nicht gleich viele Prozente errungen?
Die Wahlforschung der ARD hat an diesem Sonntag gleich zweimal versagt. Ihre Prognosen waren mitunter haarsträubend falsch. Und erst am späten Abend, in den Tagesthemen, wurde das deutlich.

Wahlsonntag, Bundestagswahl 2021. Im Ersten gibt es eine Prognose von Infratest Dimap, nach der CDU/CSU auf 25, die SPD auch auf 25 Prozent kommen. Ein Patt. Gleichzeitig im ZDF: Die Forschungsgruppe Wahlen sagt in der 18-Uhr-Prognose einen Wahlsieg der SPD voraus, gute anderthalb Prozent liegt die SPD dort vor der Union.
Und das ZDF soll Recht behalten, denn im Laufe des Abends nähern sich die ARD-Zahlen denen des ZDF.

Abgeordnetenhauswahl 2021 in Berlin. Im Ersten gibt es eine Prognose, von der Jörg Schönenborn sagt, sie berge eine dicke Überraschung in sich: nämlich den Wahlsieg der Grünen vor der SPD. Das zweite Bundesland mit den Grünen als stärkste Partei. Gleichzeitig im ZDF: Die Prognose sagt einen knappen Wahlsieg der SPD voraus.
Und das ZDF soll auch in Berlin Recht behalten, denn im Laufe des Abends nähern sich die ARD-Zahlen auch hier denen des ZDF.

Auf eine unangenehme Weise hat die ARD, hat Infratest Dimap am Sonntag ins Klo gegriffen. Es sind nur wenige Prozentpunkte, die falsch berechnet waren, aber wenn es um Platz 1 und Platz 2 geht, dann ist es schon bitter, wenn man zweimal so daneben lag. Wobei in Berlin auch das ZDF den deutlichen Sieg der SPD nur knapp gesehen hat – die Forschungsgruppe Wahlen lag beim Wahlsieger richtig.
Das Debakel der ARD-Wahlforscher muss ausgewertet werden. Denn so falsche Prognosen kann man sich auch gleich sparen.

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RT im Kino

Schachnovelle

Dienstag, den 28. September 2021

Wien, 1938: Der Anwalt Josef Bartok (Oliver Masucci) und seine Frau Anna (Birgit Minichmayr) sind auf einem Ball, als Josef erfährt, dass die Besetzung Österreichs durch die deutschen Nationalsozialisten unmittelbar bevorsteht. Doch er nimmt das zunächst nicht ernst. Als er dann doch beschließt, in die USA zu fliehen, schickt er seine Frau mit dem Wagen vor – er muss noch Unterlagen sichern. Noch in der Nacht stehen die Nazis vor seiner Tür. Er wird verhaftet und ins Hotel Metropol gebracht.
Die Nazis erhoffen sich von Josef viel Geld. Denn er verwaltet als Anwalt das Vermögen des Adels. Der Leiter der Staatspolizei, Franz-Josef Böhm (Albrecht Schuch) will, dass Josef ihm Zugang zu einigen Konten der Adligen gibt. Doch der Anwalt weigert sich – auch, als immer härtere Methoden angewandt werden.
In seiner Gefangenschaft gerät Josef an ein Schachbuch – Schach wird ihn am Leben erhalten.

Die “Schachnovelle” von Philipp Stölzl ist die Verfilmung der gleichnamigen Novelle von Stefan Zweig. Sie erschien 1941. Mehr und mehr entwickelt sich die Geschichte zu einem schmerzhaften Rausch. Einerseits weil die Methoden der Nazis immer brutaler werden. Andererseits weil sich Josef in einen Wahn flüchtet – er spielt Schach, er lernt alle Züge. In einer zweiten Handlungsebene wird das Spiel später noch eine wichtige Rolle spielen.
Dieser Film ist ein Rausch. Denn der Schmerz und die Folter, die Josef angetan werden, die macht der Film sehr deutlich. Die geistige Verwirrtheit, der Alptraum, das Trauma – all das spiegelt sich hier wider.
Oliver Masucci spielt diesen Wahn auf eine fesselnde Weise. Zwar wirken die Dialoge in den ersten Minuten ein wenig gestelzt, das spielt später aber keine Rolle mehr. Streckenweise weiß man als Zuschauer nicht, was wahr ist und was nicht, was sich Josef vielleicht nur einbildet und was echt ist.
Der Wahn steigert sich mit der Zeit auf fast grenzwertige Weise, packend ist das alles aber definitiv. Und man schüttelt den Kopf, was Josef alles erleiden muss.

-> Trailer auf Youtube

Schachnovelle
D / Österreich 2020, Regie: Philipp Stölzl
Studiocanal, 112 Minuten, ab 12
7/10

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