Tagesarchiv für 25. August 2021

RT im Kino

Free Guy

Mittwoch, den 25. August 2021

Das Leben von Guy (Ryan Reynolds) verläuft eigentlich immer gleich. Also wirklich: gleich. Er steht morgens auf, gut gelaunt. Er begrüßt seinen Fisch im Aquarium. Er frühstückt. Er verlässt das Haus. Er kauft sich einen Kaffee. Er plaudert mit dem Polizisten. Er geht in die Bank, wo er arbeitet. Und die Bank wird überfallen, und sein Chef mahnt zur Ruhe – wird schon werden.
Jeden Tag dasselbe. Ganz normal.
Guy hat sich damit arrangiert. Was er nicht weiß oder erst noch rausfinden muss: Er ist in Wirklichkeit Teil eines Open-World-Videospiels. “Free City” ist nicht echt, sondern eine virtuelle Welt, und der Typ, der jeden Tag eine Bank überfällt, ist in Wirklichkeit immer wieder ein anderer Spieler, zu Hause, am Computer.
Die Programmierer Milly (Jodie Comer) und Keys (Joe Keery) haben jedoch die „Free City“ gehackt. Guy beginnt, ein Eigenleben zu führen – was so nicht geplant war. Er verliebt sich in Millys Avatar Molotovgirl.
Doch Free City ist in Gefahr. Spiele-Erfinder Antwan (Taika Waititi) hat eine neue Version geschaffen und will die alte abschalten. Was wird bloß aus Guy?

Ein wenig erinnert “Free Guy” an “The Truman Show”, zumal Ryan Reynolds durchaus ein bisschen Ähnlichkeit mit Jim Carrey hat. Denn auch Guy befindet sich in einer Welt, von der er zunächst nicht weiß, dass sie nicht echt ist.
Ryan Reynolds kann in diesem Spektakel wieder sein komödiantisches Können zeigen. Ähnlich wie im Comedy-Actionabenteuer “Deadpool” spielt er hier einen Typen, der in abstruse Situationen tappt und plötzlich Superheldenkräfte hat – diese aber auf eine relativ ironische Art nutzt.
Dennoch reicht sein neuer Film weder an die Genialität von der “Truman Show”, noch an den Kracher “Deadpool” heran. Trotzdem hat “Free Guy” viele unterhaltsame Momente, wenn etwa Guy entdeckt, wie er bestimmte Fähigkeiten erlangen kann oder seine Spielbrille probiert und sie andere Spielern klaut.
Das täuscht aber nicht über gewisse Längen hinweg.

-> Trailer auf Youtube

Free Guy
USA 2019, Regie: Shawn Levy
20th Century Studios, 115 Minuten, ab 12
6/10

Hits: 131

RTZapper

Bild Live

Mittwoch, den 25. August 2021
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MO 23.08.2021 | 13.00 Uhr | Bild

Julian Reichelt ist wütend. Wann hört die Einmischung in sein Leben auf? Wann gibt es endlich volle Fußballstadien? Warum werden die alle Coronaregeln fallen gelassen? Wie in England! Warum gibt es kein volles Volksparkstadion? Endlich wieder FUSSBALL!! Wann bekommt der Julians ein Leben zurück? Und was ist eigentlich, verdammt noch mal mit dem F U S S B A L L???
Ja, es stimmt, in der Coronakrise beschäftigt uns vor allem, wann beim Fußball endlich wieder Normalität herrscht. Bild-Chef Julian Reichelt hat da einfach den richtigen Riecher, als er am Montag Justiz- und Familienministerin bei “Bild Live” wegen der Coronaregeln grillt.
Die Ministerin bleibt aber ganz ruhig und kontert, dass ja eigentlich die Schulen die höhere Priorität haben.

Schon seit längerer Zeit geht Bild mit bewegten Bildern im Internet auf Sendung, wenn es etwas live zu berichten gibt. “Bild Live” ist nun auch ein richtiges Fernsehformat. Denn am Sonntag startete Bild als TV-Sender. Und am Montagvormittag startete dort “Bild Live” als eigenes Format. Vorerst fünf Stunden lang geht man da täglich live auf Sendung. Und wenn es Breaking News erfordern. Moderiert u.a. von Thomas Kausch, der dafür den NDR verlassen hat. Er hatte wohl keine Lust mehr, seriös zu sein.

Bei Bild weht ein anderer Wind als bei den anderen Nachrichtensendern. Neutralität kennt man bei Bild nicht. Hier zählt: Meinung. Der Spruch “Bild dir deine Meinung” müsste eigentlich “Bild hat schon eine Meinung” heißen. “Wann fallen endlich alle Corona-Maßnahmen?”, steht in großen Lettern am Bildschirmrand, als Reichelt mit Lambrecht über das Thema der Inzidenzzahlen sprach. Wer da von neutraler Berichterstattung faselt, die es nur dort gebe, der hat von neutraler Berichterstattung wohl nur wenig Ahnung.
Bild ist laut, Bild ist Meinungsstark, Bild ist unverschämt. Wer “Bild Live” schaut, hat ständig ein Gefühl der Atemlosigkeit und der Empörung. Denn empörend ist eigentlich alles, worüber Bild berichtet.
Worauf Bild übrigens nicht gern eingeht, sind Pannen. Kommt der angekündigte Einspieler nicht, dann kommt er halt nicht, und man macht halt was anderes. Kommt ein falscher Einspieler, dann gehört der eben schon zum nächsten Thema. Wird eine Sendung rüde durch einen Trailer abgebrochen – wie am Sonntagabend beim Olaf-Scholz-Interview – ignoriert man in der nächsten Moderation die Panne einfach. Bild macht keine Fehler. Oder: Bild redet nicht über seine Fehler.

So berichtete Bild am Montagmittag auch über Georgina Fleur, und Moderator Thomas Kausch musste zugeben, dass er die gar nicht kennt. Aber dafür hat Bild hat die Klatschreporterin, die von einer Schlägerei zwischen den schwangeren Fleur und ihrem Mann Kubi berichtet. Kubi, der Kosename. Kubi ist zwar scheinbar ein Schläger, aber trotzdem kann man ihn bei Bild kosen. Zu sehen sind schockierende Videoaufnahmen eines zerwühlten Zimmers mit lauter Blutflecken. Schlimm. Ist übrigens vom Mai, aber jetzt erst seien die Bilder aufgetaucht – was natürlich immer noch schlimm ist. Auch Monate danach.
In einem Interview kommt ein, ui, Insider zu Wort, der vom Rückflug von Dubai nach Deutschland berichtet, bei dem er dabei war. Kubi habe keinen Coronatest gehabt und sei ausgerastet. Schmutzige Klatschwäsche – live bei Bild.

“Bild Live” errichte schon an Tag 1 viele Zuschauer. “Bild Live” istkrawallig, oft unangenehm, und das will Bild auch sein. Das spannende ist, wie “Bild Live” die restliche Fernsehlandschaft verändern wird, gerade in Breaking-News-Situationen, in denen Bild in Zukunft sehr viel mehr Zuschauer haben wird als bisher nur im Internet. Vermutlich nicht zum Guten – aber die Fernseh-Bild wird die TV-Landschaft ziemlich sicher beeinflussen.

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RTelenovela

32 Jahre danach: Wo in Hötensleben die Mauer steht

Mittwoch, den 25. August 2021
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Unweit der A2 bei Marienborn befindet sich ein hochspannendes und, wie ich finde, extrem wichtiges Denkmal: Am Rand von Hötensleben im Landkreis Börde befindet sich eine alte Grenzanlage.

Bis November 1989 stand zwischen Hötensleben im heutigen Sachsen-Anhalt und Schöningen in Niedersachsen die Mauer. Dort waren die DDR auf der einen Seite und die Bundesrepublik auf der anderen.
Die Mauer steht dort immer noch – als Denkmal.
Und wer eine Ahnung davon bekommen möchte, wie die Mauer und die Anlagen drumherum aussahen, der sollte sich das Grenzdenkmal Hötensleben ansehen. Es ist frei begehbar, kostet keinen Eintritt und gehört zur Gedenkstätte Deutsche Teilung Marienborn.

Wenn man heute über die deutsche Teilung und über die Mauer spricht, dann geht es meist nur um Berlin. Um den Mauerbau in Berlin 1961. Dass aber an der deutsch-deutschen Grenze schon 1952 die Grenzbefestigung begann, das wissen nur wenige und wird auch selten erzählt.

In Hötensleben kann man die Mauer selbst sehen. Davor gab es Stahlbarrikaden. Außerdem eine Art Sandgraben, in dem man verräterische Schritte sehen konnte. Am Ende des Grabens gab es eine Steinbarriere, damit man mit einem eventuellen Fluchtfahrzeug erst gar nicht gegen die Mauer donnern konnte.
Im Grenzstreifen (oder auch Todesstreifen) gab es den Kolonnenweg aus Betonplatten, wo die Soldaten mit ihren Autos gegebenenfalls schnell von A nach B gelangen konnten. Außerdem ein Stacheldrahtzaun und die zweite Mauer als Sichtschutz. Zu sehen in Hötensleben sind auch zwei Grenztürme. Früher hat es dort zudem Selbstschussanlagen gegeben.

Es ist ein Stück deutscher Geschichte, das unbedingt bewahrt bleiben muss, auch wenn es vermutlich für die direkt am Grenzstreifen Lebenden nicht besonders schön ist. Aber dieses Geländes mahnt uns alle, was nie wieder in Deutschland geschehen darf.
Dass man heute einfach so auf diesem Areal spazieren kann, sehe ich auch 32 Jahre später immer noch als Geschenk an, und dass man sich in Hötensleben an diese Zeit im Rückblick erinnert und sich den Irrsinn dort ansehen kann, ist lobenswert.

-> Infos

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