Tagesarchiv für 22. August 2021

KeineWochenShow

#242 – Harz aber fair

Sonntag, den 22. August 2021
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Auch in dieser Woche gehen wir getrennte Wege. Wir melden uns aus Wernigerode und Oranienburg. Natürlich gibt es dazu auch Impressionen aus Wernigerode und vom Brocken in Schierke.

Ein großes Thema ist aber natürlich die Eskalation in Afghanistan und die Reaktionen der deutschen Politik. Kein Thema war in der vergangenen Woche beherrschender.
In Sachen Medien war die neue Sendung “RTL direkt” ein großes Thema. Jan Hofer ist doch noch nicht in Rente und versucht sich bei RTL als Magazin-Moderator. Was eher nicht so gut funktioniert.

Außerdem geht es um Kondome für den Piks, um Gerd Müller – und einen tollen Sonnenuntergang in Glewitz auf Rügen haben wir auch noch im Angebot – in KeineWochenShow #242 auf Youtube.

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RT liest

Yassin Musharbash: Russische Botschaften

Sonntag, den 22. August 2021

(1) -> 11.12.2018

Es sollte eigentlich ein entspannter Abend werden. Journalistin Merle Schwalb sitzt in Berlin-Neukölln in einem Café, als es zu einem Unglück kommt. Vor ihren Augen stürzt ein Mann von einem Balkon. Angesichts der Verletzungen muss man davon ausgehen, dass der Mann tot ist.
Doch im Polizeibericht ist am nächsten Tag davon die Rede, dass er schwerverletzt in eine Klinik eingeliefert worden ist. Schwalb beginnt zu recherchieren und findet schnell heraus: Das ist eine Lüge, der Mann ist tot. Der Tod soll vertuscht werden.
Mehr und mehr kommt ans Licht. Es geht um kriminelle Clans, es geht um den russischen Geheimdienst und um die Frage: Sorgt dieser Geheimdienst dafür, dass Menschen in Deutschland geschmiert werden, um bestimmte positive Meinungen und Meldungen über Russland zu verbreiten?
Merle tut sich mit Kollegen zusammen, um Fakten zusammenzutragen – aber der Feind und seine Propaganda lauern schon, um geschickt zuzuschlagen.

“Russische Botschaften” beschäftigt sich mit einem spannenden Thema. Yassin Musharbash blickt auf die Rolle Russlands bei der Einflussnahme auf das Meinungsbild zu bestimmten Themen. Dabei geht es nicht darum, den einen Schuldigen zu finden, vielmehr versucht der Autor auch Hintergründe zu erklären. Wie funktioniert die russische Propagandamaschine, und der stellt klar, dass dahinter nicht die eine Person stecken muss.
Der Roman braucht ein bisschen, um in die Gänge zu kommen. Nach dem furiosen Beginn, sind die nachfolgenden Kapitel leider etwas langatmig. Aber die Story muss sich aufbauen, und sie wird spannend, als Merles Chefin ins Spiel kommt – steht sie auch auf der Liste des russischen Geheimdienstes? Auf interessante und mehr und mehr fesselnde Weise beschreibt Musharbash den Prozess der Recherche, der Zusammenarbeit, der Rück- und Anschläge.
Dies ist der zweite Roman mit der Journalistin Merle Schwab. Und ein dritter dürfte sicherlich auch ganz spannend sein.

Yassin Musharbash: Russische Botschaften
Kiepenheuer & Witsch, 399 Seiten
8/10

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RTelenovela

Das Warten auf’n Bus

Sonntag, den 22. August 2021
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Wer momentan in Oranienburg unterwegs ist, braucht zu den Stoßzeiten viel Zeit. Das liegt nicht nur an den beiden Baustellen in der Lehnitz- und der Stralsunder Straße, die dazu führen, dass sich der Verkehr durch die Innenstadt quält. Sondern auch an der Ampel vor dem Schloss, die weiterhin falsch programmiert ist, was aber Verkehrsexperten in der Verwaltung ganz anders sehen. Die glauben, dass die Staus nur Einbildung sind.

Die Staus sorgen auch dafür, dass in Oberhavel der Busverkehr vollkommen aus dem Takt gerät. Alle Busse, die in Oranienburg starten oder durch Oranienburg müssen, weisen Verspätungen auf, die teilweise nicht mehr einzuholen sind. Was auch für die Fahrgäste schwierig ist, weil es an den Bushaltestellen keine genauen Infos zu Verspätungen gibt.

Ein Montagnachmittag auf dem Bahnhofsplatz. Ich will den Bus zur Rewestraße nehmen. Er soll in 9 Minuten kommen. Das wäre etwas später als eigentlich geplant.
Der Bussteig ist voller Leute, denn offenbar fährt hier kein Bus pünktlich los. Der 824er, der eigentlich nach Hennigsdorf fahren soll, rollt als “Betriebsfahrt” ohne Halt vorbei. Also, langsam, denn er steht im Stau. Wie überhaupt alles steht auf dem Bahnhofsplatz.
Mein Bus soll in 6 Minuten fahren.

Ein weiterer Betriebsfahrt-Bus rollt auf uns zu, und erstaunlicherweise bewegt sich eine ganze Meute auf ihn zu, obwohl keiner weiß, wo der Bus eigentlich hinfährt. Das Rätsel scheint sich an der Fahrertür zu lösen. Ist ja vielleicht ganz schön in “Betriebsfahrt”.
Direkt dahinter rollt der 800er-Bus nach Flatow auf uns zu. Ich überlege kurz, ob ich den nehme, aber ich muss zur Saarlandstraße, und da wäre noch ein ganzes Stück zu laufen, wenn er in die Weiße Stadt abbiegt.
Mein Bus soll in 6 Minuten kommen. Immer noch.

Der 824er nach Hennigsdorf ist unterdessen von der digitalen Anzeigetafel verschwunden. Eigentlich fährt der alle 20 Minuten. Einer scheint ausgefallen zu sein. Im Stau verloren gegangen.
Mein Bus soll in 5 Minuten kommen. Es sind aber inzwischen 15 vergangen.

Der nächste Betriebsfahrt-Bus rollt auf uns zu. Als er den Bussteig fast erreicht hat, springt die Anzeige um: der 824er! In der Menschentraube neben mir leises Aufatmen.
Mein Bus soll in 4 Minuten kommen. Es sind aber inzwischen 20 vergangen.

Und dann verschwindet mein Bus von der Anzeigetafel. Weg. Soll ich nun auf den nächsten warten? Der müsste ja eigentlich auch schon in einer guten halben Stunde kommen.
Irgendein anderer Bus kommt, kaum jemand steigt ein.
Mein Bus taucht nun auch wieder auf der Tafel auf. Er soll in 2 Minuten kommen. Er hätte eigentlich vor 35 Minuten kommen sollen.

Der Stau auf dem Bahnhofsplatz hat sich inzwischen aufgelöst, der Bus zur Rewestraße kommt trotzdem nicht. Lange Zeit kommt gar kein Bus. Obwohl auf der Anzeigetafel diverse Busse stehen, die seit Ewigkeiten in 2 oder 4 Minuten kommen sollen.
Mein Bus soll in 2 Minuten kommen. Immer noch.

Und dann kommt er wirklich, der Bus zur Rewestraße, mit 45 Minuten Verspätung. Die Fahrerin ist genervt. Zur Frau, die vor mir einsteigt, sagt sie, dass der Verkehr eine Katastrophe sei, die Verspätung werde sie nicht aufholen, und jeder solle sich überlegen, ob man mitfahre, es könnte dauern.
Und es dauert. Wir stehen in der Stralsunder Straße, dann in der Bernauer Straße.
Hinter mir sitzen zwei Jugendliche. Sie muss aufs Klo, immer dringender, und Hunger hat sie auch. Wer weiß, wie lange die beiden schon im Bus rumsitzen.
Als ich im Neubaugebiet aussteige, hat der Bus 50 Minuten Verspätung.
Aber ja, die Ampel vor dem Schloss funktioniert ganz prima, und diese Staus – ist doch alles nicht so schlimm. Könnte man doch eigentlich noch irgendwo eine dritte Baustelle eröffnen.

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