Tagesarchiv für 21. August 2021

RT liest

Jan Seghers: Der Solist

Samstag, den 21. August 2021

Mord, mitten in Berlin. In der Nähe der Admiralbrücke wird am späten Abend David Schuster umgebracht. Der Fall ist brisant, denn Schuster war ein jüdischer Aktivist und schwul. Er wurde dort hingelockt.
Der Frankfurter Ermittler Neuhaus ist aus dem Weg nach Berlin. Dort soll er in der Sondereinheit Terrorabwehr arbeiten. Die ist in einer Baracke auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof untergebracht. An seiner Seite soll die junge Deutschtürkin Suna-Marie Grabowski arbeiten. Was sie schnell mitbekommt: Neuhaus ist ein Einzelgänger. Er will lieber im Hotel arbeiten. Dennoch scheint sich zwischen den beiden eine gute Arbeitsatmosphäre zu entwickeln.
Deutschland steht unterdessen vor der Bundestagswahl 2017, die Stimmung ist erhitzt – und es passiert ein weiterer Mord: Diesmal ist es eine muslimische Anwältin.

“Der Solist” ist scheinbar der Start einer neuen Romanreihe von Jan Seghers. Neuhaus könnte zum Star einer ganzen Reihe von Krimis werden. So geht es jedenfalls aus dem Klappentext hervor.
So ist dann wohl auch der Roman zu verstehen – eine Art “Pilotfilm”. Denn in dieser Geschichte geht es nicht nur um die Mordserie, sondern auch um die Einführung der beiden Hauptprotagonisten.
Tatsächlich ist der Fall auch durchaus interessant, wobei aber hätte mehr draus gemacht werden können. Dem Roman fehlt es inhaltlich ein bisschen an Pfiff, an etwas Besonderem, an größerer Spannung. Fast möchte man sagen: Er ist routiniert und seltsam lustlos aufgeschrieben. Wie ein Vorabendkrimi, der recht schnell abgehandelt werden muss. Zumal 230 Seiten für einen Krimi eher wenig sind.
Das Potenzial ist da, immerhin werden hier Linien zum Berliner Weihnachtsmarkt-Attentat von Anis Amri gezogen. Aber dennoch: Für eine Reihe muss eine Schippe draufgelegt werden.

Jan Seghers: Der Solist
Rowohlt Hundert Augen, 230 Seiten
6/10

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RTelenovela

Hiddensee – Das erste Mal

Samstag, den 21. August 2021
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Ich fahre – wie man hier im Blog lesen kann – sehr oft auf die Insel Rügen. Noch nie war ich jedoch auf Hiddensee. Es hat irgendwie nie gepasst. Der Aufwand ist ja schon relativ hoch. Man muss von Binz oder Sellin aus erst mal ans andere Ende der Insel, dann in Schaprode das Auto stehen lassen und dann mit der Fähre rüber. Und gutes Wetter sollte auch sein.
Vorher habe ich mir überlegt, nach Vitte zu fahren, denn Vitte wird als der Hauptort der Insel Hiddensee bezeichnet. Und nach Vitte fährt die Vitte. So heißt die Fähre, die von Schaprode nach Hiddensee fährt.

Ich hatte genau dreieinhalb Stunden Zeit in Vitte. Man könnte in der Zeit auch mit dem Fahrrad die Insel erkunden oder auch mit einer Pferdekutsche. Aber erstens sollte es ja nicht in Anstrengung ausarten und zweitens: Pferdekutsche fällt aus.
Und so spazierte ich durch Vitte.
Man kommt mit dem Schiff am Hafen an. Dort gibt es ein paar Geschäfte, man kann etwas essen, Souvenirs kaufen und einiges mehr. Und weil auf Hiddensee keine Autos fahren, blüht dort das Geschäft mit der Fahrrad-Ausleihe. Nirgendwo als hier findet man vermutlich so viele Verleih-Geschäfte. Und Briefkästen. Die Briefkasten-Dichte in Vitte ist ebenfalls erstaunlich.

Ich laufe durch den Ort. An einem Edeka vorbei, der allerdings am Sonntag geschlossen ist. Die Belieferung der Läden auf der Insel ist sicherlich ziemlich aufwendig. Wie ich mich auch frage, wie das eigentlich bei medizinischen Notfällen ist. Kommt dann ein Hubschrauber vom Festland?

In Vitte gibt es eine spannende Mischung aus relativen normalen Einfamilienhäusern, aus sehr alten Häusern, saniert und unsaniert, und sogenannten Protzbauten. Alles ist vertreten. Zwischendurch findet man aber auch Kleingärten. Die Vielfalt ist groß.
Ansonsten gibt es auch Friseure, ein Kino, eine Post, eine Sparkasse, diverse Gaststätten – auch kulturell ist einiges los. Auf Hiddensee treten die großen Oststars auf, von Karat über Gregor Gysi, und auch Uwe Steimle darf hier noch auftreten und scheint ein Publikum zu finden.

Was es nicht wirklich gibt, ist eine lokale Presse. Zwar ist die Ostsee-Zeitung auf Rügen auch für Hiddensee zuständig, aber in Wirklichkeit findet Hiddensee dort nicht wirklich statt. Im Internet gibt es zwar eine Inselzeitung (eine Art erweitertes Amtsblatt), die Infos sind aber zwei Jahre alt.

Es dauert keine zehn Minuten, da hat man in Vitte schon die andere Inselseite erreicht – den Strand und die Ostsee. Am Sonntag war zwar kein Badewetter, aber der Strand ist echt schön.

Ich könnte mir durchaus vorstellen, mal drei Tage nach Hiddensee zu kommen. Inklusive einer Radtour über die Insel, und im Idealfall noch ein bisschen Kultur am Abend. Ob ich es länger dort aushalten würde – ich weiß nicht so genau. Da zieht es mich grundsätzlich doch weiter auf den großen Nachbarn, nach Rügen.

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