Tagesarchiv für 15. August 2021

KeineWochenShow

#241 – Koloss bleibt Koloss

Sonntag, den 15. August 2021
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Urlaub! KeineWochenShow kommt diesmal aus dem Studio in Oranienburg-Ost und aus Binz. Dazu gib es Impressionen von der Rügen-Fähre zwischen Stahlbrode und Glewitz und aus Binz. Außerdem schauen wir uns in Prora um. Was hat sich inzwischen an den ehemaligen KdF-Blöcken getan? Ziemlich viel, und das werden wir in diesem Beitrag sehen.

Außerdem sprechen wir über die steigenden Coronazahlen, über die Tests, die bald was kosten und über eine von der Polizei beendete Party in Borgsdorf. Es geht um den (Un)modernen Fünfkampf bei Olympia und um einen Landratskandidaten für Oberhavel.
Das und mehr in KeineWochenShow #241 auf Youtube.

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RT liest

Constantin Schreiber: Die Kandidatin

Sonntag, den 15. August 2021

Deutschland, ungefähr im Jahr 2050. Bald ist Bundestagswahl. Sabah Hussein von der Ökologischen Partei (ÖP) ist die Kandidatin, die die aussichtsreichsten Chancen hat, neue Bundeskanzlerin zu werden. Für Deutschland wäre das ein neuer Meilenstein. Sabah Hussein ist Muslimin, ehemaliger Flüchtling, Feministin.
Ihr Rückhalt in der Bevölkerung ist groß – einerseits. Andererseits ist das Land tief gespalten. Die einen wollen die unbedingte Diversität in allen möglichen Institutionen und in der Gesellschaft allgemein. Es sollen Quoten eingeführt werden, wie viele Frauen, die einen Hijab tragen, in leitende Positionen sollen. die Polizei soll abgeschafft werden, stattdessen soll es eine Art Bürgerbewegung geben. Die “alte weiße Mann” wird mehr und mehr zurückgedrängt.
Der Graben ist groß, die Mauern und der Groll auf beiden Seiten ebenfalls.

Der Nahost-Kenner und Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber hat mit seinem Roman “Die Kandidatin” eine schwierige Vision eines Deutschlands im Jahre 2050 geschaffen.
Denn was sich heute teilweise schon andeutet, wird in seinem Roman auf die Spitze getrieben. Da ist auf der einen Seite eine Gesellschaft, die politisch korrekt sein will. Die Diversity feiert. Statt der deutschen Hymne eine Diversity-Hymne singt. Die jegliche Art der Diskriminierung geißelt. Die jeden verbalen Ausrutscher als Rassismus betitelt. Die unerbittlich ist, was andere Meinungen angeht. Und auf der anderen Seite die Menschen, die sich da nicht mehr mitgenommen fühlen, die angefeindet werden. Der Hass wird größer.
Constantin Schreiber übertreibt es in seinem Roman hier und da – wobei man sich da gar nicht immer so sicher sein kann. An manchen Stellen wirkt es sogar wie Satire. Ansonsten schildert er aber eine Vision, die durchaus realistisch erscheint.
Und als Leser stellt man sich ernsthaft die Frage, ob man das alles so eigentlich gut finden kann. Sicherlich ist es gut, wenn Diversität Einzug hält. Aber die Mauern, die da hochgezogen werden, die Intoleranz der Toleranten, der teilweise in Hass umschlägt und auf der anderen der Unmut der anderen.
Schreibers Roman wirkt mitunter wie ein Bericht, wie eine reine Beschreibung der Lage. Fast nüchtern. Aber das macht es vielleicht so – realistisch?

Constantin Schreiber: Die Kandidatin
Hoffmann und Campe, 205 Seiten
7/10

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RTelenovela

Rügen 2021 (3): Beats gegen die Having-Ruhe

Sonntag, den 15. August 2021
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(2) -> 14.8.2021

Mittlerweile kann ich sagen, dass Moritzdorf nach Binz mein zweitliebster Ort auf Rügen ist. Weil dieser Ort so verzaubert, so unglaublich ruhig ist. Obwohl ich da noch nie übernachtet habe. Jedes Mal nehme ich mir vor, dass mal zu ändern. Diesmal habe ich mir sogar einen Flyer mitgenommen…

Und auch die Moritzburg ist wieder geöffnet. Wenn man die vielen Stufen hochgelaufen ist, wird man mit einem fantastischen Blick auf den Hafen in Baabe und die Having belohnt. Und dann diese Stille. So still, dass man von da oben hört, wenn sich unten auf dem kleinen Fluss Leute unterhalten.
Doch das Restaurant dort oben ist scheinbar nur noch ein Schatten seiner selbst. Da fängt schon damit an, dass laute Musik aus dem Inneren des Lokals schallt. So laut, dass die Stille dieses Ortes vollkommen ruiniert ist. So was von unpassend, geradezu ärgerlich.

Wer dort etwas bestellen will, muss zum Fenster gehen. Dort liegt auch die Karte mit dem spärlichen Angebot. Doch der Kellner gab mir das Signal, ich solle mich doch an einen der Tische setzen. Was ich auch tat.
Und dann wartete ich. Und wartete. Und wartete. Der Kellner (der wohl auch der Koch ist) hatte zu tun. Er musste ein bisschen rumlaufen. Und was rumräumen. Und rauchen.
Mehr als 15 Minuten wartete ich. Zum Glück hatte ich ja nichts vor. Irgendwann beugte er sich aus dem Fenster und fragte mich, ob ich denn was trinken will.
Ich hätte jetzt sagen können: Nein, ich sitze nur so hier. Vielleicht hätte ihn das auch nicht weiter interessiert. Aber ich bestellte eine Cola. Die kam auch schnell, aber ob ich vielleicht auch was essen will – das hat er gar nicht erst gefragt. Und weil ich auf der einen Karte schon gelesen habe, dass das Angebot jetzt auch nicht üppig ist (Bockwurst und so), ging ich auch nicht mehr drauf ein. Die Cola war schal, hatte kaum noch Kohlensäure. Aber immerhin waren Eiswürfel drin.

Und während ich so diese wunderbare Aussicht genoss, ärgerte ich mich, was aus diesem Ort geworden ist. Nun habe ich gelesen, dass eine offizielle Eröffnung des neuen Betreibers noch nicht stattgefunden habe. Da kann man nur hoffen, dass dann auch das Angebot größer ist und der Wirt das alles und seine Kunden auch ernster nimmt.
Ich dampfte jedenfalls schnell wieder ab und setzte mich lieber auf eine Parkbank am Aussichtspunkt der Moritzburg, um die Stille zu genießen.

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