Tagesarchiv für 14. August 2021

RT im Kino

Wem gehört mein Dorf?

Samstag, den 14. August 2021
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Das Ostseebad Göhren im Südosten der Insel Rügen gehört zu den beliebtesten Touristenorten der Region. Die Frage ist nur, wie sehr kann der Tourismus noch wachsen? Wie sehr kann sich Göhren auch ausdehnen?
Regisseur Christoph Eder kommt aus Göhren, und er fragt sich “Wem gehört mein Dorf?” Auf der Suche nach Antworten sieht er sich in seinem Ort um – und was er da alles entdeckt, ist mitunter atemberaubend – aber nicht im guten Sinne.

Es regt sich Protest in Göhren. Ein freies Feld soll einer Häusersiedlung weichen – angeblich, weil die Göhrener keinen Platz finden, um zu bauen. Die Göhrener selbst fürchten, dass das nur der Anfang sei und dass sich weitere Wohngebiete anschließen könnten – dabei lebe Göhren auch von der Natur drumherum, so das Argument der Gegner.
Aber in Göhren ist seit der Wende scheinbar so einiges schiefgelaufen. Ein einzelner Investor hat in den vergangenen Jahrzehnten ein Bauprojekt nach dem anderen durchsetzen können.
So gab es in Sichtweite zum Nordstrand an einem Hang ein Wäldchen – das wurde abgeholzt. Nun gibt es vom Hotel einen freien Seeblick. Das Hotel hat der besagte Investor gebaut. Ebenso wie das neue Parkhaus am Südstrand. Die Gemeindevertretung hat zugestimmt, dass der Investor auf Erbbaupacht dort bauen darf – und der Investor wiederum hat sich in den Vertrag schreiben lassen, dass es keine Konkurrenzparkplätze geben darf. Das muss man sich mal vorstellen – nicht nur, dass Göhren Einnahmen verloren gehen. Man lässt sich auch erpressen.
Am Südstrand soll eine Klinik entstehen – in Wirklichkeit handelt es sich aber wohl um ein First-Class-Hotel. Vom besagten Investor.
Wie kann es sein, dass so was entschieden wird? Die Doku zeigt die “Vier von der Stange”, vier Herren im Gemeinderat, die gegen die anderen stimmen – auch gegen den Bürgermeister ohne Macht. Sie wähnen sich als die Macher in Göhren – und sind es offenbar auch. Aber auch im Sinne der Gemeinde?

Man schüttelt sehr oft den Kopf darüber, was da in Göhren abgegangen ist. Wie sich die Stangenherren feiern, aber scheinbar völlig verkennen, wie die Lage eigentlich ist. Was sie in der Doku erzählen, zeugt von einem seltsamen Selbstverständnis.
Im Film geht es um den Protest und die Gegenbewegung, die dann auch zur Kommunalwahl 2019 antritt. Christoph Eder lässt sie alle zu Wort kommen. Die Leute aus dem Gemeinderat, den Bürgermeister, die Widerständler und auch den Investor – der aber auch erst was sagt, als er Opfer eines Anschlages wird.

Diese sehr interessante Doku zeigt, was Machtgier alles anrichten kann. In welche falschen Richtungen sich Kommunalpolitik entwickeln kann. Aber auch, dass es sich lohnt, für eine Sache zu kämpfen. Immer wieder schockierend ist, was politisch und bautechnisch im Ort alles möglich war.

-> Trailer auf Youtube

Wem gehört mein Dorf?
D 2021, Regie. Christoph Eder
100 Minuten, ab 0
9/10

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RTelenovela

Rügen 2021 (2): Das Ende eines Boykotts

Samstag, den 14. August 2021
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(1) -> 12.8.2021

Das Aus der “Binzer Bierstuben” hat bei mir zur Binzer Schollen-Krise geführt. Denn in der Gaststätte gab es die beste Scholle. Der Laden ist nun ein Inder, und da gibt es keine Scholle mehr.
Als ich im vergangenen Jahr auf der Suche nach einer guten Ersatz-Scholle war, fand ich sie in der Kogge. Klar, dass ich dort wieder hingelaufen bin – um dann festzustellen, dass es keine Scholle mehr auf der Karte gibt. Die Schollen-Krise spitzte sich zu.

Ich musste mich also wieder auf die Suche machen. Ich wurde fündig im Strandcafé. Theoretisch. Weil praktisch kein Reinkommen war, die Schlange vor dem Lokal war lang, und wie lange die Wartezeit war, war nicht abzusehen.

Und dann stand ich vor Gosch. Schon im Sommer 2010 schrieb ich darüber hier im Blog, als klar, dass die Sylter Kette an den besten Ort von Binz auf Rügen zieht. Sylt auf Rügen – das fand ich, nun ja, mindestens komisch. Ich boykottierte den Laden elf Jahre lang. Zumindest die Gastronomie, am Fensterchen habe ich schon mal Fischbrötchen gekauft.
Nun führte aber die Binzer Schollen-Krise dazu, dass ich den Laden doch mal betrat. Ich musste mich bei der Einlasserin (ein neuer Job in Coronazeiten) erkundigen, wie das denn in dem Laden funktioniert.
Im Grunde läuft das wie bei McDonalds. Man bestellt was an der Theke – nämlich, Tusch! Scholle! Man bekommt ein Gerät in die Hand gedrückt, das Geräusche macht, wenn das Essen fertig ist. Zwischenzeitlich kann man am Tresen nebenan ein Getränk kaufen.
An der Stelle endete der Gosch-Boykott. Denn die Scholle war extrem lecker, dazu eine Schüssel Bratkartoffeln und ein bisschen Salat. Das konnte sich echt sehen lassen.

Und die Scholle bei Gosch war sogar um Längen besser als die im Strandcafé, die ich dann ein paar Tage danach auch noch ausprobiert habe.

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