Tagesarchiv für 11. August 2021

RT liest

Carmen Buttjer: Levi

Mittwoch, den 11. August 2021

Levis Mutter ist gestorben. Auf ihrer Beerdigung ist er mit ihrer Urne abgehauen. Auf der Flucht. Gewissermaßen. Nun sitzt er auf dem Dach des Hauses, in dem der 11-Jährige wohnt. Bei seinem Vater kann er sich nicht blicken lassen. Aber andererseits hat er von ihm bisher sowieso nicht so viel mitbekommen.
Nun weiß Levi nicht weiter, kämpft mit seinen Ängsten und Problemen.
Er lernt Vincent kennen, der im selben Haus wohnt. Die beiden kommen ins Gespräch, und für Levi ist das ein Stück Ablenkung. Ebenso wie die Besuche im Kiosk von Kolja.
Auch Vincent und Kolja haben in ihrem Leben etwas zu bewältigen. Vielleicht auch zu verdrängen. Aber die Erinnerungen daran tauschen immer wieder auf. Wie auch bei Levi, der immer wieder an den Moment des Todes seiner Mutter denken muss. Denn das weiß sein Vater nicht – dass er beim Tod der Mutter dabei war.

“Levi” ist der Debütroman der Berliner Autorin Carmen Buttjer. Sie erzählt einerseits vom Schicksal eines 11-jährigen Jungen, der auf eine tragische Weise seine Mutter verloren hat und damit nicht umgehen kann. Er klaut die Urne, um weiter bei ihr sein zu können. Und mit seinem Vater findet er keine richtige Art und Weise, zu kommunizieren. Das macht er unterdessen mit dem Kioskmann und dem Nachbarn. Gleichzeitig erfahren wir viel als Levis Gedankenwelt. Es ist eine, in der sehr viel passiert, er hat ordentlich mit sich und seiner Umwelt zu kämpfen.
Ein lesenswertes Debüt. Wenn auch “Levi” kein Kracher ist, liest es sich gut weg.

Carmen Buttjer: Levi
Galiani Berlin, 257 Seiten
7/10

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RTelenovela

Parkplatz voll, Fähre voll

Mittwoch, den 11. August 2021
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Normalerweise kenne ich die Strecke von der Heimat in Richtung Stralsund als meist erstaunlich entspannt. Wenn es nicht gerade eine Baustelle gibt, ist eher selten was los. Ganz anders übrigens in der Gegenrichtung, wo es auf der A11 in Berlin schon mal eng wird.

Diesmal aber zeigte sich, wie voll die Strecke ist, vor allem in den Pausen oder Übergängen. Die Blase drückte ein wenig, aber auf der A11 vor dem Kreuz Uckermark – das verkehrsschwächste Autobahnkreuz Deutschlands – gab es laut Beschilderung kein Klo. Was sich beim Vorbeifahren als falsch erwies. Allerdings standen vor dem Klo viele Leute an.
Also stoppte ich auf der A20 auf dem Parkplatz Klockow. Um dort festzustellen, dass selbst vor dem Herrenklo eine Schlange stand. Habe ich so auf den Parkplätzen an der A20 noch nie erlebt.
Ich fuhr weiter – und beschloss durchzuhalten bis zur Raststätte Demminer Land.

Und auch mit der Fähre von Stahlbrode nach Glewitz auf Rügen hatte ich bisher selten Zeitprobleme. Dass ich mal lange anstehen und warten musste, ist lange her. Denn eigentlich scheint bei vielen Leuten die Fähre ein wenig unter dem Radar zu laufen.
Aber auch das war diesmal anders. Vor der Fähre in Stahlbrode war Stau. Die Schlange reichte weit über das Hafengelände hinaus, und eine Fähre reichte nicht aus, um alle Autos aufzunehmen. Und dann dauert es 20 Minuten, bis die zweite Fähre fährt, die dort unterwegs ist.
Und auch als ich es auf die Fähre schaffte, war sie bis auf den letzten Platz gefüllt, und hinten war zu sehen, dass immer noch Stau herrschte. Es war für die Fährleute also ordentlich was zu tun.
Und als die Fähre ablegte, steuerten wir nach anderthalb Jahren endlich mal wieder auf Rügen zu.

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RTZapper

Berlin direkt – Sommerinterview: Robert Habeck

Mittwoch, den 11. August 2021
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SO 08.08.2021 | 19.10 Uhr | ZDF

Das ZDF hat sich mal wieder was Dolles geleistet. Und für viele Kommentatoren bei Twitter ist das unentschuldbar: Einem Grünen-Politiker wurden nicht ausschließlich Fragen zur Klimapolitik gestellt. Skandal.

Die Sendung “Berlin direkt – Sommerinterview” des ZDF steht in der Kritik. Am Sonntagabend war Robert Habeck von den Grünen zu Gast. Und offenbar geht man davon aus, dass man einem Politiker der Grünen nur Fragen zum Thema Umwelt stellen darf. Schließlich wolle man doch im Wahlkampf wissen, was von den Grünen zu erwarten sei.
Als ob man das nicht sowieso weiß.
Stattdessen stellte Moderatorin Shakuntala Banerjee Fragen zum Saarland-Debakel, wo die Grünen nicht zur Bundestagswahl antreten dürfen. Und zum Umfragetief. Und zu Baerbock und der Frage, ob nicht Habeck doch lieber Kanzlerkandidat sei. Um Fragen rund um Corona ging es auch, und nach gut 15 von 20 Minuten schwenkte die Interviewerin zur Umweltpolitik.

Es war ein gutes Interview. Und vor allem ist die “Sommerinterview”-Reihe keine Sendung im Rahmen der Wahl-Berichterstattung, sondern eine jährliche Reihe, in der es sowohl um Inhalte, als auch um die jeweilige Partei geht. Was ist los in der Partei, was ist los mit den Menschen in der Partei, Streitigkeiten – und natürlich: Inhalte. Aber eben nicht das Abfragen von Wahlkampfinhalten. Dafür gibt es andere Sendungen, die bis Ende September noch folgen werden.

Gut 40 Prozent der nur 20-minütigen Sendung drehten sich um spannende innerparteiliche Fragen. Denn natürlich ist es interessant, zu erfahren, was Habeck zum Saarland-Thema meint. Und natürlich ist es sehr spannend zu wissen, wie sich Habeck in Sachen Baerbock positioniert, wie er auf entsprechende Fragen reagiert. Ob da nur Floskeln kommen.

Wäre es um die AfD gegangen, hätte man das Interview vermutlich gefeiert. Denn in der Regel findet man es gut, wenn man AfD-Leiten Fragen zu Themen stellt, die man von der AfD nicht zwingend erwartet. Wenn es um Themen geht, über die die AfD ungern oder selten spricht.
Wenn es im ZDF also auch um Themen abseits des Wahlprogramms geht, dann kann das nicht gut sein. Habeck und Baerbock werden ganz sicher bis zur Wahl auch im ZDF noch die Gelegenheit bekommen, ihr Wahlprogramm runterzubeten.

-> Die Sendung in der ZDF-Mediathek (bis 8. August 2022)

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