Tagesarchiv für 8. August 2021

KeineWochenShow

#240 – Alt

Sonntag, den 8. August 2021
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Die Olympischen Spiele in Tokio gehen zu Ende, und in KeineWochenShow schauen wir auf die Höhepunkte der vergangenen Woche. Aufzeichnung der Sendung war am Donnerstagabend.

Angesichts wieder steigender Corona-Zahlen diskutieren wir auch darüber, was denn nun mit den Ungeimpften passieren soll. Sollen sie beispielsweise demnächst die Tests selbst (teilweise) zahlen müssen? Und was ist eigentlich mit den vielen Dorffesten, die geplant sind? Groß-Ziethen hat sein Fest wieder abgesagt – viele andere Orte nicht.

Außerdem machen wir einen Ausflug auf die Berliner Müggelspree und der Kinotipp ist “Alt”. Das und mehr in KeineWochenShow #240 auf Youtube.

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RT liest

Lutz Seiler: Stern 111

Sonntag, den 8. August 2021

1989, Mauerfall. Man könnte meinen, dass für die Menschen in der DDR damit alles besser sein würde. Aber in diesem November 1989 herrscht viel zu wenig Klarheit über das, was da kommen könnte oder auch nicht.
Inge und Walter Bischoff verlassen zwei Tage nach dem Mauerfall ihr Haus in Gera, um in den Westen überzusiedeln. Sie geben fast alles auf, nehmen nur mit, was sie tragen können. Sie wissen, dass ihnen nun eine Zeit in Übersiedlerheimen bevorsteht. Aber sie haben einen Traum, und den wollen sie nun umsetzen.
Carl, um die 20, bleibt zu Hause in Gera. Zuerst kann er mit sich und dem leeren Haus nichts anfangen. Deshalb macht er sich mit dem Shiguli (eigentlich sagte man in der DDR eher Lada) auf nach Berlin.
Erst lebt er auf der Straße – oder besser: im Shiguli. Dann lernt er aber eine Gruppe junger Leute kennen, die ihn in ihr “Rudel” aufnehmen. Er erlebt den Kampf in Ost-Berlin um leerstehende Häuser mit, jobbt in einer runtergekommenen Kneipe und baut sich ein ganz neues Leben auf.
Von seiner Mutter bekommt er unterdessen immer wieder Briefe mit Updates ihres Lebens in Westdeutschland – dass er Gera verlassen hat, wissen sie nicht…

Für seinen Roman “Stern 111” – benannt nach einem DDR-Radiogerät, das im Laufe der Geschichte eine Rolle spielt – bekam der Autor Lutz Seiler den Preis der Leipziger Buchmesse 2020. Das Buch wird als der “neue große Roman zur Nachwendezeit” betitelt.
Und in der Tat erzählt Seiler eine interessante Geschichte aus der DDR der Jahre 1989/90. Es geht um die Unsicherheiten der neuen Zeit, um die anarchischen Momente und Handlungen, um den Untergrund im Prenzlauer Berg. Und wenn man sich als Leser fragt, was eigentlich die Bischoffs in den Westen zieht, so wird er recht lange warten müssen – denn es gibt die Auflösung dieser Geschichte ziemlich am Ende des Romans.
So richtig fesselnd ist der Roman – trotz des interessanten Themas – jedoch nicht. Dazu ist Seilers Schreibe nicht packend genug. Zumal einige Fragen scheinbar offen bleiben: Denn Carl verlässt Gera, aber die Frage, was eigentlich aus dem Haus wird, ist offenbar nicht so richtig ein Thema.

Lutz Seiler: Stern 111
Suhrkamp, 528 Seiten
6/10

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RTZapper

3 1/2 Stunden

Sonntag, den 8. August 2021
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SA 07.08.2021 | 20.15 Uhr | Das Erste

Es sind schon viele Geschichten über den Mauerbau am 13. August 1961 erzählt worden. Es ist inzwischen 60 Jahre her, dass West-Berlin eingemauert worden ist – und sich damit aber eigentlich die DDR mit ihren Bürgern eingemauert hat.
Zum Jubiläum zeigte Das Erste mit “3 1/2 Stunden” einen eindrücklichen Film, der sich mit einem schrecklichen, geradezu unfassbaren Gedanken befasst.

Am 13. August 1961 ist ein Interzonenzug aus Bayern in Richtung DDR und Ost-Berlin unterwegs. Unterwegs erfahren die Menschen im Zug, dass die DDR die Grenze schließt.
Die schlimme, lebensverändernde Erkenntnis ist: Diese Fahrt entscheidet darüber, wie das Leben eines jeden Einzelnen weitergeht. Bleibt man im Zug, wird man in der DDR eingesperrt sein. Steigt man noch in Bayern aus – der Zug wird noch ein paarmal halten -, kann man im Westen bleiben – und unter Umständen von einem Moment zum anderen die alte Heimat verlieren.

“3 1/2 Stunden” erzählt die Geschichte von den Menschen in diesem Zug. Da gibt es eine Familie, die droht auseinandergerissen zu werden. Die Mutter ist linientreu, der Vater will gern im Westen bleiben. Die Tochter will im Osten Sporterfolge feiern. Wird es eine Trennung geben?
Die vier Mitglieder einer Band überlegen, ob sie noch in Bayern aussteigen oder weiterfahren. Unter ihnen ein schwules Paar, das im Westen mehr Schwierigkeiten haben könnte als im Osten, ein Jude, eine Stasimitarbeiterin. Alle machen sie Musik zusammen – auch künftig?

Sie alle haben dreieinhalb Stunden für eine Entscheidung. Es sind Momente, die mitunter herzzerreißend sind. Und es ist ein grundsätzlich krasser Gedanke, wie entscheidend solche dreieinhalb Stunden sein können.
Auf spannende Weise macht dieser Film klar, wie schicksalshaft der Mauerbau für die Menschen war. Die politische Komponente ist das eine – die menschliche das andere.

-> Der Film in der ARD-Mediathek (bis 6. September 2021)

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